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Jüdische Presse · 1931-09-25 · 38 (25.9.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
38 (25.9.1931)
Date
1931-09-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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HüiPS* ffpf®*# i ׳■׳ JÜDISCHE PRföSSfc Nr. 58 s brtttgf ihnen die neuesten | HERRENHÜTE!0. den Herbst | 1 WIEN, II, TABORSTRASSE 39 | 11הוווווווווווווווו1וווווווווווווווווווו1ווווווווווווווווווווווווווחוווווו abermals mit def Seifenblase der ״Einigkeit", auf die sie ein Monopolrecht für ihre Zwecke beatt•־ sprucht. Nachdem der Versuch, ihren jetzigen Haupt־ Wortführer gegen die Orthodoxen,׳ den Bratislavaer Ad־ vokaten Dt. Fici sch hack er zum Listenführer einer separaten orthodoxen Liste aufztt־ drängen, mißlungen war, und dieser darauf eine eigene Liste •eingereicht, dann aber wieder —׳ sobald er nach־ träglich im Gnadenwege auf die Liste der Zionisten auf# genommen wurde — zurückgezogen hatte, ist auch ihm urplötzlich der Gedanke der bedingungslosen ״Einigkeit" aufgegangen, und er fordert sie jetzt mit ungestümem Fanatikereifer von den — Orthodoxen, mit denen uhd ihrer Sabbatheiligung er sich noch vor ganz kurzem so ,,solidarisch" fühlte, daß er vor Zeugen seine Unter־ scKfift gegen die Kalenderreform — verweigert hat. •Daßvon den. vier ersten Namensträgern der Liste der ״Jüdischen Partei" nicht ein einziger den Sabbat hütet und sie nicht einmal aus jüdischer ״S'olidäri־ tat", die sie während der Wahl hochpreisen, ihre aus־ gedehnten Betriebe und Büros am Sabbat schließen, um den arbeitslos gewordenen sabbathaltenden •Angestellten bei sich selbst Brotverdienst zu verschaffen, ist mehr als selbstverständlich'. Das hinderte sie aber nicht, ein Flug־ blatt der sabbathaltenden Juden, das sich mit der Sabbat heiligung beschäftigt, mit der Abänderung der Zahl 3 auf Zahl. 17 am; heiligen שבת ׳שוברן in den Vormittags־ stunden drucken und diesen gefälschten und plagiierten Zettel — während der ehrw. Oberrabbiner von der Kanzel herab gerade von חילול שבת sprach — vor dem Tempel , verteilen zu lassen. Solchen Mitteln. gegenüber ist jedoch die jüdische Bevölkerung Bratislavas schon gefeit. Sie weiß auch im voraus, daß an den beiden Jomtow־Tägeri unmittelbar vor der ..Wahl, da die Orthodoxen ihnen nicht mehr entgegentreten könn^rf, allerlei falsche Nachrichten über Zurückziehung von Lt^fen u. dgl. und ändere ״Wahl־: tricks“ zur Irreführungi^der Wähler verbreitet werden. Sie wird .also auf der 'Hut sein und sich nicht abhalten lassen, mit dem Wahlzettel ihre wahren Interessen so zu schützen, wie die Klugheit und Ehrlichkeit gebieten. v olt Z ü g I i c h 1 Jüdische Wohltätigkeit. Von Jösuä Kaiser, Dun Streda. ־״v Mk Gefühl des Mitleids hat der Schöpfer in jedes: menschliche ׳Herz gegeben. Nur wer diese Empfindung gewaltsam unterdrückt, kann beim Anblick menschlieber Ntft’"' teilnahmslos bleiben. Eine in Geist und Gemüt verankerte1 'Neigung darf ihm Besitz und Genuß, ja Ruhe, nicht behagen lassen, bis er gerettet, geheilt und geholfen dem Jeidenden .Bruder, und in überirdischer Seligkeit muß er sich!schon reich belohnt fülileif/Wcnn er den ehedem Leidenden nunmehr glücklieh sieht.; , Und doch soll ja 'Wohltun nicht aus!Eigennutz ׳wirken. (Sollte vielleicht innerer, persönlicher Drang zum Wolütun, weil geistig, etwa minder eigennützig sein als irgend welche äußere!Nebenabsicht? ׳Und blindlings der zeitweiligen Gefühlsregung überlassen, kann ja Wohltätigkeit die falschesten Fährten gehen. Wohltun, welches von Mensch zu Mensch, von Besitz zu Mangel, von Gabe zu Empfang wirklich aufibauenden Ausgleich •stiften Soll, muß mit •י Vernunft ,geleitet, gemessen und gewogen, zur Tat geweckt ivnd oft auch dämpfend eingeschränkt werden. Wohltun muß die gesetzmäßige Erfüllung einer zielrichtigen Pflicht sein. Eine Pflicht muß aber ihre Forderung und ihren Anteil auch anderen Pflichten angleichen •und entgegemnessen. Und es gibt audi Pflichten der Selbstveredlung, die •mit Besitz und Eigentum nichts gemein haben. Diese sind Pflichten gegen den Schöpfer, den Eigentümer und Herrn unserer menschlichen Persönlichkeit. Von der Obhut und Erfüllung dieser Pflichten kann mit gesellschaftlichem Wohltun, wie edel und erhaben es auch betätigt würde, niemand enthoben werden. Ein tief betrübsamer Irrtum, sich mit Wohltätigkeit die!Pflicht־ erfüllung gegen G-tt ersetzen, sich der Verpflichtung an G-tt entbinden oder entziehen zu wollen. Eine unabweisliche Ahnung läßt uns nicht los, daß die in diesem Irrtum!gepflegte Freigebigkeit die• viele!falsch angelegte, in unwürdigen Händen versickernde und zu lasterhaften Folgen umschlagende Wohltätigkeit zeitigt, die die sicher ungerechten Gegner aller Mildtätigkeit gegen dieselbe ins Treffen führen. Nur die Wohltätig-: keit. die in ganzer!Unterordnung unter den Schöpfer ihren Antrieb hat, kann zum Baustein seines heiligen Welt- Werkes werden. ׳Die ׳Doppelkraft innerer Regung und auf,getragener Pflicht ist es daher, die der jüdischen Wohltätigkeit ihre unvergleichliche Höhe und!Bestündigkeit verleiht. Sein Religionsgesetz stellt dem Juden Wohltätigkeit als unumgängliche Pflicht, als unausschaltbqren Teil persönlicher Vollkommenheit hin, aber sein besonders tiefes, ureigenes־ Herzensbedürfnis, welches ihn zur Wohltat zieht, ist schon älteren Ui- Sprunges, ״Drei Eigenschaften", lehren die Weisen, ״haften an diesem Volk; Keusche Scham, Erbarmen und Wohltätigkeit. Wer diese besitzt gehört zu ihrem Ge- ׳schlechte". Pas Erlebnis der göttlichen Offenbarung, welches die Juden unter dem flammenden Sinai ־voreinte, liälf sie für immer in Einheit umschlossen. Die (dort empfangene Weihevund Sendung erhält ein Gemein- ^^(][sgefühl aufrecht, welches ein Volk von einzelnen zu'einem Bunde für einander eintretender Bürgen verbpdetr>Nhr leider, kann dieser Bund,: weil äußerlich. Won (einzelnen auch äbgestreift werden, Jm jüdischen Herzblut schlägt jedoch eine Welle, die. von jenem Urahn herrührt,''wiener, 6 ׳ich aufopfernd: in jügend-• Mchem'Eifer, die Götzen menschlichen Irrwahns in/ ־Jjßherben schlug, später aber, ein Menschenleben lang mit 1selbstloser Hilfe und mildem Liebesdienst an׳ der Wlelt, die Erkenntnis des Schöpfers in die Herzen lutiaussäend, zum Völkervater wurde. , Nachdem sie gegessen und getrunken, da wollten sie ahm danken. Doch er sprach: ,Nicht;von meinem habet ahr gegessen»׳• sondern von dessen, der da sprach, und es ward die Welt.‘“ Ein Funke• seines reinen G-ttesglaubens schiminert an jeder jüdischen guten Tat.!Um dieses Funkens wulen wolle man jüdischer Wohltätigköit Gedeihen und Entwicklung wünschen auch dort, wo sie nur noch einen letzen Rest indischen Sinnes bildet-:־ Denn es besteht Hoffnung, daß aus diesem Funken sich noch die ganze Flamme jüdischer Begeisterung, das volle Feuer persönlicher Hingabe an den Schöpfer und an Seine heuige Gesetzeslehre entfachen wird. Es ist eine Lüge ... Von Schalom Alejchem., Der nachstehende Dialog wurde von Mitgliedern der Wilnaer Truppe gelegentlich emer Chanukka־Akademie der ״Talmud־Thora“ mit großem Erfolg aufgeführt. Wir bringen heute eine deutsche Uebersetzung, da Scho־ lern Alechem in ihm eine gelungene Illustra־ tion zu• dem Bekenntnis ע״ו־ן שחטאנו לפניך בל״ח bietet, das auch heuer am Versöhnungstage wiederholt von allen gläubigen Juden ge־ sprochcn wurde. ״Ich glaube, Sie fahren nach Kolomea?" ־— Woher wissen Sie, daß ich nach Kolomea fahre? »,Ich hörte, wie Sie mit dem Kondukteur vorhin gesprochen haben. Sind Sie direkt aus Kolomea oder fahren Sie nur hin?“ — Ich stamme aus Kolomea! Doch weshalb fragen Sie? ״Nur so! Ist Kolomea eine schöne Stadt?“ Na ja! Eine,;Stadt wie alle anderen Städte in Galizien. Ein hübsches Städtchen, ein sehr feines Städtchen1 ״Ich meine, ob es .dort feine Menschen gibt, Reiche und Angesehene. — Es gibt dort allerlei Menschen. Reiche und Arme. Gewöhnlich mehr Arme als Reiche ... ״Genau so , wie bei uns! Auf einen Reichen tausend Bettler! In Kolomea soll doch ein sehr reicher Mann mit Namen Finkeistein wohnen“ — Ja! Doch wozu fragen Sie? Kennen Sie ihn denn? ״Nein! Ich habe nur. einmal irgendwo gehört, daß man ihn Reb Schaje nennt!“ —־ Ja! Reb Schaje! , ׳ ״Ist er wirklich so ein steinreicher Mann, wie man erzählt?“ ., — Woher soll ich. das wissen? Ich hab’ seih Geld;nicht gezählt! Doch weshalb erkundigen Sie sich denn so genau? Wollen Sie ihm yiejleicht Kredit gewähren? ״Nein! Nur so! ,, Man sagt auch, daß er eine Tochter habe!“ t — Drei Töchter hat. er •sogar! Kommen Sie viel־ leicht wegen einer Heirat, als Heiratsvermittler? Wieviel Mitgift, gibt er denn?! ״Es handelt sich nicht ־wegen einer Verheiratung! Man spricht so über sein Haus herum! Was für ein Haus führt er?“ - ׳ — Was soll es für ein besonderes Haus sein? Ein Hausstand wie alle anderen. Ein sehr anständiges und frommes ,Haus! Man erzählt zwar, was seine Frömmig* keit anbelangt, so soll in letzter Zeit . . . aber es ist eine Lüge! . j ״Was ist eine Lüge?!‘ — Alles, was 1$ä/t Reb Schaje nachsagt! Sie müssen wissen, Kolomea ist.^jne Stadt von lauter Lügnern!‘‘ ״Es ist aber trotzdem wissenswert, was man zum Beispiel von seinem Hause spricht!“ — Man sagt, daß es nicht mehr das ist, was es ein־ mal gewesen ist. Früher pflegte man dort im Hause zu : beten, Reb Schaje selbst besuchte zweimal im Jahre den Rebben. Und heute? Heute gibt es das gar nicht mehr! ״Bloß das? Das ist schon alles?“ — Was wollen Sie denn? Soll er sich vielleicht schon den Bart scheren lassen und die Haarlocken wegwerfen und nicht mehr koscheres Fleisch essen?“ ״Sie sagten vorhin, ’ man ,erzählt’, und da habe ich mir Gott weiß was votgestellt! Die Hauptsache ist doch, daß er ein anständiger Mensch bleibt! Reb Schaje ist doch sonst ein anständiger und angesehener Mann, nicht wahr?“ — Was ist Reb Schaje mehr als ein anderer Mensch? Ja! Er ist ein sehr anständiger Mensch! Es redet sich zwar herum, daß er ein wenig . . . aber das ist eine Lüge! ״Was ist eine Lüge?“ — Alles, was man ihm bei uns in Kolomea nach־ sagt! Kolomea ist so eine Stadt, wissen Sie,•wo ein Mensch gern den anderen in deri Kot zerrt! Ich will das nicht erzählen, weil es dann schon eine Beleidigung ist! ״Aber wenn Sie doch wissen, daß es eine Lüge ist, so können Sie es doch’ ruhig erzählen!“ — Man sagt, daß er so etwas wie ein ... Dreher ist! ‘ ״Ein Dreher? Ein jeder Jude ist mehr oder weniger ein Dreher! Ein Jude dreht und wendet jedes Ding tausendmal! Sind Sie denn kein Dreher?“ — Ja! Aber zwischen einem Dreher und einem Dreher ist noch ein großer Unterschied! Von ihm be־ hauptet man;',Verstehen Sie . . , aber es ist eine Lüge! ״Was behauptet man?“ — Tch־ s^ge Ihnen doch, daß es eine Lüge ist! ״Ich will eben die Lüge hören!“ — Man sagt, daß ‘ er schon dreimal in Ausgleich geratenst•, Aber e$ Jst ,eine Lüge! Ich weiß bloß von einem einzigen Male! | j|^Pas;jsF alles? Es'ifft doch kein so großes Wunder, daß5§in:.GesQliäftsmann in Zahlungsausgleich geht! Viele handeln eben so lange, biq sie sieh verhandeln! Und wenn heute ein Geschäftsmann stirbt,' ohne in Ausgleich ge* raten zu sein, so ist das ׳der beste Beweis dafür, daß er. vor ׳seiner Zeit gestorben ist! Nicht? Ist es nicht sö?“ In Ausgleich - ist gut! Aber er soll den Respekt! vor der'ganzen Welt verloren und Konkurs ungesagthaben, verstehen Sie? ‘ ־י s;,Er scheint wirklich ein dummer Kerl zu sein! Und׳ sonst nichts.“ 1 > -. - , sind seit 1870 die besten Fabrik:Wien, XV., Slaglgasse 10 bei Mafiahilferstr. 148) fei. R-35-8-47 und R-30-5-38 finale* Wien Vil, Buragasse w, fei, B 33*3*80 Was wollen Sie noch außerdem? Hätte er vielleicht Menschen töten oder ein Verbrechen begehen sollen? Man erzählt zwar bei uns eine häßliche, Geschichte . . . aber es ist eine Lüge!“ ״Was für eine Geschichte?“ h— So eine Angelegenheit mit einem reichen Manne . . . ״Was für ein reicher Mann?“ — Nun, eben so ein reicher Mensch aus Kolomea... Wechsel . . . Weiß ich, was Kolomea alles ausdenken kann? Es ist eine Lüge! Ich weiß, es ist eine Lüge! ״Wenn es unwahr ist, können Sie mir es doch erzählen!“ — Man erzählt, er habe mit einem reichen Mann etwas zu tun gehabt. Er war mit dem Manne sehr gut bekannt! Als der Reiche gestorben war, wollte Reb Schaje einige .Wechsel, die von dem Verstorbenen unter־ zeichnet waren, einlösen. Aber man weiß, daß der, Ver* storbene nie in seinem Leben Wechsel gegeben hat. Sie müssen wissen, daß Kolomea eine Stadt ist, die scharf auf alles auf paßt!“ ״Nun?“ — Nun! Er hat sich eine Geschichte eingebrocktl ״Bloß dasl Ein jeder Jude hat ein paar Sachen. Haben Sie schon einmal einen Juden gesehen, der keine Sorgen hat?“ —- Man erzählt aber nicht nur das eine, sondern drei Sachen! ״So? Was für Sachen?“ ־— Er soll mit einer Mühle zu tun gehabt haben... Aber das ist schon ganz sicher eine Lüge! ״Die. Mühle ist sicher abgebranntl Dann be* hauptete man, er selbst soll! sie in Brand gesteckt haben, besonders weil die Mühle schon sehr alt und baufällig war. Dazu hatte er sie gut versichert! Wollte sich dann mit dem Gelde eine neue Mühle errichten! Nicht?“ ' — Woher wissen Sie, daß sich die Sache so ver* halten hat? ״Ich weiß es nicht, aber ich denke mir es halt so ungefähr!“ — So! Ja! Das erzählt man bei uns in Kolomea von ihm! Aber es ist eine Lüge! ״Würde mir. gar nichts machen, wenn es so sogar wahr wäre! Aber was waren das für andere Sachen, von denen Sie vorhin gesprochen haben!“ — Ich sagte etwas? In der Stadt erzählt man sich davon herum! Aber das ist schon totsicher eine Lüge! Eine reine Erfindung! ״Geldfälschung?“ — Noch viel ärger! ״Was kann denn schon noch ärger sein?“ . . —■ ,Wer kann denn alles erzählen, was Kolomea aus* : denkt. Ekelhafte Menschen dort . .; . Nichtstuer .:. . Oder.■ es war vielleicht eine bezahlte Behauptung, um zu er* pressen! Sie wissen doch! Ein kleines ־ Städtchen, ein reicher Mann, der viele Feinde hat ... ״Hat er vielleicht etwas mit einem Dienstmädchen zu tun gehabt?“ — Woher wissen Sie das? Hat man es Ihnen schon erzählt? ,״Nein! .Ich bin selbst daraufgekommen! Die Ge* schichte wird ihn ein schönes Geld gekostet haben!“ •'••׳ — Wir wollen uns wünschen, jede Woche das zu ver* dienen, was es ihn gekostet haben muß, obwohl er bis über den Kopf in Schulden steckt! Ein kleines Stadt* chen; . . Ein reicher Mann, es geht ihm gut ... Man gönnt ihm nichts! ״Möglich! Hat er wenigstens anständige Kinder? Hat er nicht drei Töchter?“ —■ Ja! Zwei sind bereits verheiratet! Eine ist noch ledig! Schöne, gut erzogene Kinder! Man sagt zwar, daß die Aelteste . . . Aber das ist schon ganz und gar eine Lüge! ״Was sagt man über die älteste Tochter?“ — Ich sage Ihnen doch, daß es eine Lüge ist! ״Erzählen Sie mir die Lüge!“ — Wenn Sie alle Lügen von Kolomea aufschreiben wollten, würden Sie in drei Tagen und in drei Nächten nicht fertig werden! Was man von der ältesten Tochter behauptet, das-ist schon-ganz bestimmt eine Lüge! Was man von der Mittelsten erzählt; ist eine reine Erfindung! Sie soll noch als Mädchen ... Aber was Kolomea aus־ denkt, ist eine Lüge! ״Es zahlt sich aus, alle Lügen aus Kolomea zu hören!“ — Ich sagte Ihnen doch, Kolomea ist eine Stadt, von lauter Lügnern, Tratschvetteln und losen Mäulern. Es ist klar, ein kleines Städtchen, ein Mädchen geht am Abend ■allein mit einem jungen Manne über die Straße . . . Da entsteht gleich eine schreckliche Räubersgeschichte l Und was hat denn schon ein Mädchen am Abend mit einem jungen Manne incKolomea spazieren zu gehen? Ich frage Sie! ״Nur das?“ — Was wollen Sie denn? Soll sie mit ihm entfliehen, sich verführen;lassen, wie man es von der Jüngsten er« zählt? .. ״Was hat denn die Jüngste getan?“ — Wahrhaftig! Es hat gar keinen Wert, alles zu er־ zählen, was Kolomea ausdenkt! Icherzähle, nicht gern fremde Lügenl , ' '׳ ״Sie haben doch schon so viel erzählt, sagen Sie mir noch die eine Lüge!“!; י — Ich habe nicht meine Lügen erzählt! Ich habe fremde erzählt, die andere erfinden! Und- Rh vej* stehe einfach nicht, warum Sie so besonders hach jeder einzelnen Sache so genau fragen wie ein Untersuchungs* richter! Sie sind, glaube ich, ein Mensch, der gerne bei anderen herumschnüffelt und ausforscht! Selbst fürchten Sie, etwas zu erzählen! Sind Sie mir nicht böse, daß ich Ihnen die Wahrheit sage. Sie sind, wie mir scheint, ein russischer Judel Die russischen Juden haben die; schleebte Gewohnheit, daß sie einem anderen mit den Stiefeln ins Herz steigen, um etwas m erfahren. Die russischen Jude« sind scheinbar keine;;kleinen Tratschen . ,. Vebrigens, es ist bald Kolomea! Höehste Zeit, daß ich meine Sachen suche,.... Sie verzeihen! ... ',»ä:; (Deutsch vQn;J|^ef,Silbermantf.X '

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