Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 38 (25.9.1931)
- Date
- 1931-09-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630389-2630426--4010-2636105- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Növioov« v^piata^ povofena ffWW 'jß&l"'* filiffifö# v Bratislava *19. 41572*11140. Zeituftgefl Vöffl Veflegef versendet. ' Journal exp4dte i)ärj’4ditädf. V. b. b. ÜRRAN mm MC INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, IX., fieopoids* gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A«49*0*94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig; Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 60, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Koäto ,Jüdische Presse*, Wien für Oestarreich * Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland s Post* scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawiens P0stspk.*Atnt Zagreb Nr. 40217: Polens Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarns Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweizs Post« scheckk. Zürich VUI. 4117; für die Tschechoslowakei s ״Jüdische Presse*, Bratislava, Postspk.-An1tPrag Konto Nr. 53386 ־ f־־." י ■ . ■ , ׳. ׳ ׳ ׳ •־■■■ ' ' ׳־•״ ' , '; Nr. 38 | Wien-Bratislava, 25. September 1931 •רוו וינא־פיעםבייג י״ד תשרי תרצ׳ב 17. Jahrg. Die Sukka des Propheten Verklungen sind die Posaunentöne der ernsten Tage, des Neujahrsfestes, des Versöhnungstages und der Selichostage, und körperlich wie seelisch geläutert, schickt Israel sich an, die letzten und zugleich auch ersten Festtage des Jahres in dör Hütte des Friedens zu feiern. Es ist eine wundersame ,Kette von Festen, die das jüdische Volk da in einer Weltabgeschiedenheit feiert, die nicht einmal Hiobsnachrichten von der Londoner Börse zu stören vermögen. Diese dreifache Kette, die unzerreißbar .das Ewigkeitsvolk mit seiner göttlichen Be* Stimmung verbindet, ist aber zugleich auch eine Trijogie, die in künstlerisch unübertrefflicher Steigerung von Jona nachgebildet wird. Nicht umsonst steht die Vorlesung aus diesem Propheten fast im Höhepunkt des G*ttes* dienstes für den Versöhnungstag. Schon sein Name ist eine Erinnerung an die Taube, jenen Vogel, der die Ver* söhnung nach der großen Flut in sich verkörperte, und so ist in diesem Propheten'in einer für den aufmerksamen Leser nur unschwer erkennbaren Paraphrase das jüdische religiöse Erleben glossiert, und man merkt leicht die beabsichtigte Uebertreibung, wenn die Schiffer, nicht nur symbolisch — wie das jüdische Volk am Rosch־ Haschanah'— ihre Sünden dem Meer überantworten, son* dern sogar Jena selbst dem stürmischen Element opfern zu müssen glauben. Und eine weitere, förmlich mit sati* rischer Absicht gewählte Uebertreibung ist es, wenn dargestellt wird, wie die Einwohner von Ninive nicht nur selbst Buße taten, sondern sogar ihre Tiere zur Buße an* Kommunalwahlen in ׳ der Slowakei Die Wahlbewegung ist nunmehr auch unter den Juden in vollem Gange. Wie vorauszusehen war, tritt in fast allen größeren Orten wegen der verhältnismäßig kleinen Anzahl von Stimmen, die erforderlich sind, um einen Mandatar in die Vertretungskörperschaften der Ortsgemeinden hineinzubringen, eine starke Zerklüffung der Wählerschaft in zahlreiche kleine Parteien ein. Jede Interessengemeinschaft, und mag sie noch so klein sein, hat dadurch Aussicht, ein Mandat in der Stadtvertretung zu erlangen. Diese Erscheinung macht natürlich vor den Juden auch nicht Halt. In zahlreichen Orten gibt es zwei, drei( und noch mehr ausgesprochen jüdische Listen, die manchmal unter sich, .'zumeist aber mit den allge* meinen politischen oder ״unpolitischen“ Parteien kop־ peln, die ihrer politischen Anschauung oder ihren Inter* essen am nächsten stehen. So z,' B. treten in Uzhorod drei jüdische Parteien auf, nämlich ״Jüdische Partei“ (Zionisten und Mitläufer), ״Jüdische Volkspartei“ (Zio־ nisten und andere Mitläufer) und Orthodoxe jüdische Partei (Gemeindeleitung und Anhang), und außerdem noch zwei allgemeine Listen, die vornehmlich aus Juden bestehen. In Piestany sind’s gar 4, bzw, 5 Listen, deren Kandidaten zum großen Teil Juden sind und auf jüdische Stimmen zählen. Im großen un'd ganzen spielt sich der Wahlkampf ohne besondere Emotionen ab. Die Wirtschaftliche Lage drückt so furchtbar auf die Ge* müter, daß alle Pärteileidenschaften vor der Sorge um das tägliche Brot gedämpft werden. Eine Ausnahme bildet offenbar die Stadt Brati* slavä, wo die jüdische religiöse Bevölkerung ihre Not gerade infolge der Wirtschaftskrisis durch die vollstän* dige Sonntagsruhe noch mehr gesteigert erblickt. Hier zwingt die religiöse und wirtschaftliche Krisis die. Juden mit gebieterischer Notwendigkeit zu nüch־ hielten. Ist nicht diese Ironie das wirksamste Argument des Propheten gegen alle äußerliche Bußübung, die so leicht über das Ziel schießt? ,Darum .ist auch der Prophet selbst von dem Erfolg seiner Mission nicht befriedigt. Auch dieser Jomkipttr, dieser Versöhnungstag von Ninive entspricht seinem ringenden und fragenden Geiste noch nicht, und erst in der Sukka erschließt sich ihm der versöhnende Abschluß seiner; hohen Aufgabe. So steht Jona im Mittelpunkt des religiösen Entwickungspro־ zesses unserer Feste und weist auHdie Sukko, das Sym* . bol des Friedens und Erbarmens, hin. Aehnlich hat wahrscheinlich auch der Wilnaer Gaön den Propheten auf* gefaßt, indem er sagt, daß in ihm das Gleichnis für die Seele des Menschen zu suchen sei, die auf die Erde ge* sandt wird. Auch die Seele sucht sich ihren schweren Aufgaben zu entziehen, und im selben Geleise bewegt es sich, wenn der große Gaon zu dem Vers: ״Da ging Jona aus der Stadt hinaus und errichtete dort eine Sukka...“ bemerkt, daß Jona sich aus der Welt zurückzog, um sich nur mit der Thora zu beschäftigen. Ja, an dieser Sukka, zu der ihm die Thora wurde, wurde ihm erst im Kikajon, in jener wunderbaren Pflanze? das Geheimnis der. voll־־ ..ständigen Umkehr, des großen'-Verst-ehensmnd~des noch größeren Verzeihens offenbar, wie es auch Israeli ikund wird, wenn es sich wahrhaft in das Zelt der. Thora zurückzieht und dort die Erkenntnis gewinnt, daß"j0|־|üb1V ׳יבנה daß die Welt durch Gnade erbaut wird, terner Besonnenheit. Diese erweist sich aber als schärfste Gegnerin der hier seit dem Auftreten der zionistischen Politiker in die ■Massen geworfenen hohlen Phrasen. Unter dem geschärften Blick dieses Zwanges verschmelzen alle, großen Schlagworte des jüdischen Nationalismus in nichts, und es nützt der ״Jüdischen Partei“ diesmal auch|j|j11cht mehr, daß sie, wie immer, auch jetzt wieder, fifr die Zeit der Wahlkampagne in ihren Reden sowohl wie in itlllllllll((llllllllllll(((lllll!l₪ j§ Gegründet 1882 Gegründet 1882 1 1 Lebensversicherungs-Gesellschaft f | Direktion; Wien, I, Rietnerg. 2 ן | Versicherungsbßsland Ende 1930 .... 2560 Millionen Schilling j | Prämien-und Zinseneinnahmen im Jahre 1930 150 Millionen Schilling § ( Garantiemitiel Ende 1930 . . . 378.. Schilling ן | Auszahlungen an Versicherte im Jahre 1930 35.5 Millionen Schilling ן I . Tätigkeitsgebiet: | 5 ■ 3 H Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische! 1 Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, §§ §§ Italien, Ungarn, Polen,Jugoslawien,Bulgarien,Griechenm H land, Rumänien, Palästina, Syrien, TOkoi, Tunis §־ 1 und Aegypten , ׳! O 4P :: Wir wünschen unseren Lesern und : Freunden שמחת יום טוב i; : Die nächste Nummer der ״Jüdischen ::; Presse״ erscheint am 9. Oktober 1931 |י ׳■■■ ׳<► ihren Flugblättern von Forderung des Rechtes auf eine politische ״jüdische Minderheitsnatiönalität“, die ihr Präsident Dr. Margulies als den Kardinalpunkt der jüdischen Wünsche im Staat betrachtet, kein Sterbens־ wörtchen spricht und auch dadurch ihre nationalistischen ״Prinzipien“ an den Nagel hängt, daß sie bekannte reli* giöse und nationale Assimillanten an hervorragen* der Stelle auf ihre Liste nimmt. Sie kann auch — wie es scheint —> unter keinen Umständ'en auf die Leidenschaft* - .*/י , lichkeit ihrer Kampfesart und auf gewisse — sagen wir milde und schönend —״, יTricks“;bjei . der ״Gewinnung“ von Stimmen aus den Kreisen der religiösen Juden ver־ zichten. Bei den letzten Stadtwämen wurde die örtho* doxe Judenschaft dadurch um ein unzweifelhafP'^icheres Mandat gebracht, daß von ״uneruierbarer Seite“ ,am Wahlmorgen in den Tempeln und Bethäusern eine ge* fälschte Erklärung der Kandidaten der ״P a r t e i d e r "*ö rVKocl“öx e rf J u d e n" verbreitet wurde, sie habe ihre Liste zugunsten der noblen ״Jüdischen Partei“, ־zurück* gezogen. Jetzt steht im Mittelpunkt .der Wahlschlacht, die Forderung der religiösen jüdischen B e vö 1 k e r u ng zur Wied erh e r s t e 11 u n g der früheren gesetzlich en Bestimmungen in Bezug atif die Sonntag'sruhe in Brati* slava und die. Verhütung ihrer Einführung in der Provinz. Mit dieser Forderung* sym־ pathisieren auch sehr viele nichtorthodoxe Juden aus aufrichtiger Teilnahme und wahrer Solidarität und selbst, Nichtjuden in nicht geringer Zahl. Man weiß auch ziem״•־ lieh allgemein, daß das weise Wirken der Bratislavaer Stadtvertretung der. ״Jüdischen Partei“ — wir wollen wieder sehr milde und schonend sein — zumindest in hohem Maße m i t schuldig ist an der ruinösen Aufgabedes Status quo in dieser Frage. Die ״Jüdische Presse“, hat diese Angelegenheit s’chon oft •vom Gesichtspunkt des orthodoxen Judentums behandelt. Nun häx’’—• wie wir bereits berichtet haben — die vor einigen Wochen,; Vinter dem Druck der Sonntagsruhe und wegen des ab* soluten und einhelligen Mangels an Vertrauen zu der ״Jüdischen Partei“ zustandegekommene ״Wahlgemein* schaft“ der ״Partei der orthodoxen Juden“ und des ״Ver* bandes der sabbathaltenden Juden“ in klarer Er* kenntnis der Situation und mit Rücksicht auf bestimmte autoritär bestätigte Erwartungen zur Regelung der Sonntagsruhefrage im wünschenswerten Sinne einstim׳• mig den Beschluß gefaßt, sowohl selbst auf die Ein־־ reichung einer eigenen Liste der orthodoxen Juden (für. die jetzt in allen jüdischen Schichten die günstigsten , Chancen vorhanden waren) zu verzichten, als auch der ״Jüdischen Partei“ jede Gefolgschaft zu versagen, ,da*., gegen aber der jüdischen Bevölkerung die Stimmen* abgabe auf die Partei 4®s Handelsministers —• die! Nationaldemokratisehe Partei —, die sich mit der For*■ derung der sabbathaltenden Juden identifiziert, zu ernp* fehlen. Gegen diesen, doch ganz gewiß selbstlosest und nur von streng sachlichen Motiven diktierten Standpunkt, weiß die ,Jüdische Partei“ plausible Argumente nicht vorzubringen, Sie' nimmt daher ihre Zuflucht abermals zu ihren bekannte» Mitteln, zu ״Tricks“ und zum Terror, und versucht es der weltbekannten Perückenwerkstätte WSm Wien I, Kärntnerrin9 6 lotel Bristol L. M.