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Jüdische Presse · 1931-09-11 · 36 (11.9.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
36 (11.9.1931)
Date
1931-09-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Aufstieg. Eitle Neujahfsbetfachtung. In det־ Ebene wogt det Kampf, dröhnt def Lätm des Marktes, lodert Haß und Feindschaft. Flachland. Noch liegt Erdenschwefe auf den gebeugten Schultern des ein# samen Wanderers. Öer Blick ist getrübt, die;Seele be# lastet. Doch, Ungeachtet aller Hemmungen, glüht in ihm der Drang zur Höhe, zur G#ttesnähe. Schon weitet sich das ertge Tal, die freie Aussicht erweitert seinen Horizont, er blickt vorwärts, rückwärts, um sich und in sich. Werden, Sein, Vergehen ziehen panoramagleich an seinem inneren Auge vorüber. Wie. klein erscheinen ihm von hoher Warte aus die Irrungen und Wirrungen der Erd# gebundenen. Um so mehr offenbaren sich der schön# heitstrunikenen Seele des in Andacht Versunkenen die Wunder und das Wirken der Allmacht. Dieses freund# liehe Bild der prangenden und segenspendenden Natur wird plötzlich umdiistert. Ein Gewitter naht; Blitze zucken, Donner krachen, Abgründe öffnen sich. Vergehens sucht der strauchelnde Fuß des Aufwärtsstrebenden den gesicherten Pfad, nach Hilfe und Rettung schmachtend und verlangend. Der Aufsteigende fühlt, wie der Kampf mit den Elementen seine Kräfte steigert, den Mut stählt, seinen Willen beflügelt. Ein gnädiger Sonnenstrahl zer# teilt das dunkle Gewölk, verscheucht alle nebelhaften Gebilde und ״herrlich, wie am ersten Tag“, rein und gereinigt, erglänzt der Gipfel. Versöhnt und mit seinem G#tt allein neigt der Wanderer sein Haupt, in Demut und G־ttesfurcht, versöhnt mit seinem Schicksal und Geschick. In der Schutzhütte dann, von Sternengefunkel erhellt, in Ruhe und Sicherheit gewiegt, klingt Jubel und Freude *aus dankerfüllter, von Angst befreiter Brust. Mit dem Fest# Strauß in den zum Gebet gefalteten Händen entkeimen der reinen, geläuterten Seele Lob# und Dankeslieder, Diese poetische Schilderung einer Hochgebitgs# Wanderung ist keine Beschreibung Froh verlebter Sommer# tage, wie dies jetzt so häufig und geläufig ist, keine Pro# paganda . für alpine Hochtouren. So beschreibt der Midrasch den Aufstieg des gläubigen Juden in seinem Festesmonate, wenn er am Rosch#haschonoh sich aus dem Getriebe des Lebens entfernt, um sich selbst zu prüfen, am Jaum. hakipur aus der Welt sich löset, um sich vor G#tt zu läutern. Das ist Israel im Frieden seiner Hütte. Nie erschien diese vergleichende Betrachtung, im er# weiterten Sinne, so aktuell und zeitgemäß wie in der Gegenwart, in der der Sportplatz der Wallfahrtsort der Menge und das Judentum zum Fußball der Nationen be# stimmt zu sein scheint. Die Rückkehr zur Natur, die Lust am Wandern, die Freude an Sport und Touristik sind jetzt die heiligen Gebote einer neuzeitlichen Körperkultur, und alle idealen Güter, die der Menschheit Seelenadel verleihen sollten, werden in den Staub getreten. Der Auf# schwung des Herzens zur unvergleichlichen Gebetshöhe Israels, diese Rekordleistung seelischer Innigkeit bleibt der höchste Nationalstolz des jüdischen Volkes. Wie viele junge, hoffnungsfrohe Menschenleben fordern alljährlich die Berge, wie wenig Opfer würden oft genügen, um bei gleicher Energie Höchstleistungen auf ethischem Gebiete zu vollbringen. Nicht die Rückkehr zur Natur predigt unser Festmonat, sondern die Heimkehr und die Einkehr in unsere eigene Natur, und die höchste Kultur ist die Negierung des Körperlichen und Leiblichen im Aufstieg zu Seelengröße und Seelenadel. Nie noch war der Kampf so grausam! und'aufreibend wie in dieser Zeit der Um# Wertung, nein, der Entwertung aller Werte, und Sieger in diesem fürchterlichsten Daseinskampf kann nur der bleiben,'der sich die Werte rettet, die nie entwertet werden können. Flüchten wir aus der Verflachung und Verelendung einer!kulturzerstörenden Gegenwart in die reinen Höhen des Geistes, zu dem dauernd fließenden Jungbrunnen seelischer Größe und sittlicher Kraft, wie Vom Schulbeginn. Der erste.. Tag des herannalienden jüdischen Jahres ist ein Sabbat. Willkommene Veranlassung für unsere Rabbiner, über die überragende Bedeutung dieses Tages zu sprechen. Wirtschaftskrise und der Sabbat; Kalenderreform und der Sabbat; söwjetrussisehe Religionsverfolgung und der Sabbat werden Avohl die Relationen, in denen die Betrachtungen unserer religiösen Führer sich ergehen Averden, sein. Werden sie Avohl auch vom Sabbat des Schulkindes sprechen? Denn schon am ZAveiten Sabbat des neuen Jahres, am Schaboss Scliuwo, Averden unsere kleinen Kinder zur Schule statt in die ״Schul’“ gehen. Man Avird ihnen einschärfen, daß sie am Sabbat nicht schreiben •und nicht zeichnen müssen. Man Avird ihnen, je nach Parteistellung der Eltern, noch beibringen, daß .diese sabbatschützende Errungenschaft der Schiffschal und nur der Schiffschul — oder anderen Faktoren — zu verdanken ist. Unsere Rabbiner Averden in ihren den Sabbat Arerherrlichenden Ansprachen sicherlich nicht unterlassen, auf die diesbezüglichen Erlässe des Stadtschulrates aufmerksam zu machen. Ist. damit aber de!־ Sabbat des Schulkindes schon gerettet? .Fühlen es die sabbathaltenden Eltern nicht, daß trotz Nichtschreibens, trotz Nicht- Zeichnens die Sabbatseele des Kindes durch den Besuch der Profanschule an und für sich verschüttet, wenn nicht getötet Avird? Dieser Schulbesuch am Sabbat bedeutet positiv, daß Sabbat für Sabbat das Kind förmlich Avio ein Dieb sich von zu Hause, aus dem sabbatlichen Elternhäuse, wegschleichen muß — oft ohne Kiddusch, ohne Gebet, hastig und nervös, um dann in der Schule im Mittelpunkt unliebsamer Aufmerksamkeit, verspottet, gehetzt, allmählich dem Sabbat im Herzen untreu zu Averden. ' v Dieser Schulbesuch am Sabbat bedeutet nega-• t i Ar, daß der Soniitag an Stelle des Sabbat der Ferialtag des Kindes Avird. Der' Sonntag mit seinem Inhalt statt des Sabbats mit seinem Gehalt, statt des sabbatliehen Spazierganges der sonntägige Ausflug, satt Synagoge Sport, statt SabbatAveihe — Sonntags vergnügen. Das Großstadtkind, auch das sabbathaltender Eltern, bekommt allmählich eine Sonntagseele, ־ Wenn die jüdische Schule keinen anderen Vorzug hätte, als daß sie dem jüdischen Schulkinde seinen Sabbat und dem Sabbat das jüdische Kind zurückgibt, Avahrlich, alle unsere Rabbiner müßten für die jüdische Schule an diesem ersten Sabbat des Jahres eintreten. In aller Stille. Die jüdische Schule entwickelt sich auch in Wien. Trotz aller Wirtschaftsnöte, trotz der Abneigung mancher jüdischer Kreise, die, des richtigen jüdi- K OM ME R 2 I A L R A T INHABER OER WELTBERÜHMTEN PERÜCKEN-KUNSTWERKSTÄTTE WIEN, I. KÄRNTNERRING Nr. 6 TELEPHON HÜMMER U-47-1-16 KEHRT IN EINIGEN TA GEN VON SEINER PARISER STUDIENREISE MIT NEUEN MODELLEN ZURÜCK UND ENTBIETET INZWISCHEN ALLEN SEINEN P. T. KUNDEN DIE HERZLICHSTEN GLÜCKWÜNSCHE ZUM JAHRESWECHSEL ,AAAAA.A., A A A A A A A AA A A . sie aus dem Born Judas quellen, in unversieglicher Fülle 1 Heil denen in Israel, die freudigen Herzens aus dem Kampf im Tal sich entfernen und die Höhe erklimmen zum Gebete. So endet unser Midrasch. Wenn Avir diesem erprobten Wegweiser folgen, der uns für den Festmonat unverwischbar vorgezeichnet ist, dann eint uns , das Lied der Aufsteigenden, ein ״Schir# hamaalaus“, und klingt in dem Wunsche aus, mit dem Avir die Perlenkette unserer •Festestage^ beschließen. ״Jehie Haschern imonu, kaascher hoju im Awäusseinu, al jaass# weinu, we al jitscheinu.“ Der, Ewige sei mit uns, wie Er stets mit unsern Vätern war. ,Er verlasse uns nicht und verwerfe uns nicht.. Festigen ,Avir, unsern,,Mut, steigern,yyir unsere' Kräfte, denn, wenn, auch manches UngeAvitter vorübergehend uns zu verderben droht, Avir ahnen es in unserer geläuterten Seele. ״Essoli Einai el hehorim, meajin joAvauEsri. Esri meim Haschern ausseh Schomajim \yoorez.“ Ich erhebe meine Augen zu den Bergen, woher mir Hilfe . Avard und Avird. Meine Hilfe kommt von dem Ewigen, der Himmel und Erde gestaltet. O. N. Tage♦ scheu Weges nicht mehr bewußt, ihre Kinder nichtjüdischen Schulen anA'ertrauen, entfaltet sich die jüdische Schule. Als vor fünf Jahren der altbewährten Knaben-V olksschule der Talmud-Thora-Scliulc eine Mädchenschule angegliedert Avurde, prophezeite man, daß dieses fragwürdige Experiment bald ein klägliches Ende nehmen Averde.׳ Man sagte: Wenn der Wiener Jude schon die jüdische Schule wählt, so nur für die Knaben, auf deren jüdische Erziehung er überliefcrungsgemäß größeres Gewicht legt. Unter keinen Umständen hält man es aber für nötig, die Töchter an einer jüdischen Schule, in einem geschlossenen jüdischen Milieu mit erhöhten Anforderungen in bezug auf jüdisches Wissen und Gewissen 7.11 erziehen. Die also gesprochen haben, erwiesen sich erfreulicherweise als falsche Propheten. Die jüdische Mädchenschule nahm raschen Aufstieg, und das ist keine zufällige Tatsache. Im modernen Großstadtlcben kommt der Frau und der Mutter eine bedeutend Aviclitigere Rolle zu, als man sie ihnen in früheren Zeiten zubilligen Avollte. Der Mann, der Vater, steht im Geschäftsleben und ist zumeist außer Haus, unterwegs; die Avenigen Stunden, die er im Familienverband verbringt, muß er eher der Ruhe, als der Erziehung der Kinder Avklanen. Die ganze Last der häusliehen Erziehung fällt in der Großstadt der Mutter zu, ein Umstand, der die größte Aufmerksamkeit unserer religiösen Führer beansprucht. Die jüdische Zukunft hängt in der Großstadt schlefchthin von der jüdischen Erziehung der Avcibliehen Jugend ab. Diese Erkenntnis mochte beAvußt oder unbewußt jene Eltern beeinflußt haben, die ihre Töchter in die jüdische Schule schicken. Für die neuerstandene jüdische Schule mußten selbstverständlich neue Schulrliume beschafft Averden, und es war eine glückliche Fügung, daß in •unmittelbarer Nähe des alten Schulhauses der Talmud-Thora, im Dr. Krüger- Heim, ein ganzes Stockwerk für die neue Mädchenschule bereitgestellt Averden konnte. Die ׳Mädchenschule ist wohl seit dem 1. Jänner 1930 in dem neuen Heim unter gebracht, aber erst jetzt konnten die acht Schub zi-mmer mit den entsprechenden Nebenräiimen adaptiert und für SclniJzAvecke umgebaut werden. Ein neues Schulhaus ist so in aller Stille in Wien erstanden. In aller Stille, Es soll dies Avohl nicht zum Ruhme des jüdischen Wien festgestellt Averden. In dem kleinsten, entlegensten jüdischen Städtchen Avürde es mehr Auf•׳ merksamkeit und mehr Teilnahme envecken, Avenn für jüdische Kinder eine neue Bildungsstätte entsteht. Die öffentliche Fürsorge der jüdischen Gemeinde und die private Hilfsbereitschaft einzelner jüdischer Menschen Avürde miteinander Avetteifern, um solche jüdische Schulen behaglicher, ansprechender und׳ anziehender eihzurichten. In Wien baut, sich eine Jüdische Schule in aller Stille, auf. In aller Stille, weil einige*' leider allzu Avenige, jüdische Männer und Frauen die übermäßige Last der Schmierhaltung zu tragen haben. Wie schön und leicht Avüre es, jüdische Schulen in Wien für einen besseren jüdischen Nachwuchs aufrechtzuerhalten, Avenn nicht einige Avenige, sondern viele, sehr viele jüdische Männer und Frauen u!m die religiöse Zukunft ihrer eigenen Kinder, also um die jüdische Schule mehr besorgt Avären! Jüdische Männer und Frauen, Avarum A'ersehließet ihr euch Aror dieser Avunderbaren, erfrischenden, belebenden Sor g־e um das f üdisehe Kind? Aus einer siebenbürgischen ״Machsike- Hadass46-Vollversammlung. Von Rabbiner Josef Adler (Schäßburg). Am 30. August tagte in Turda die JahresgeneraJ- Versammlung der einzigen ״Mad1sike-FIadass“-Vereinigung Großrumäniens, deren Organisation sich auf 10 Komitate erstreckt, deren Tätigkeit und AuSAvirkung aber über die Gaue ihrer selbstgezogenen Grenzen hinausreicht. Die Versammlung־ Avar gut beschickt und es Avurden einige Referate gehalten, deren Tragweite den Rahmen einer Jahreskonferenz der ״Machsike- Hadass“-Vereine sprengte. Nach Erledigung der üblichen reichhaltigen Tagesordnung erfolgte auf Unterbreitung des Schreibers dieser Zeilen die Annahme eines flammenden!Protestes gegen den fortgesetzt ״spielend“ geübten Chillul Sehabbos im!Heiligen Lande und ganz besonders in seinem geistigen Zentrum, in Jeruscholajim. Unter anderem heißt es in dieser Resolution: ״Die Versammlung erblickt in den traurigen Vorfällen in Saloniki bloß den Finger des G-ttes der Geschichte, denn jene ■grauenhaften Geschehnisse Avurden unter den! Deckmantel der angeblichen AnzAveiflung des IVitriotismus der griechischen Makkabivereine verübt. Die ״Macl1sike-Hadass“-VerSammlung hört in diesen Namenslauten den Flügelschlag der vom jüdischen G-tte gelenkten Geschichte, der einst das Heer der Griechen durch die Kohorten des Avirklichen Makkabi vernichten und nun die Stammverwandtschaft der \־er fälsch teil Makkabi den verwilderten Kohorten der Griechen preisgeben ließ. Die Versammlung macht vor Mit־*und Nach- Avelt für das vom demoralisierten griechischen Mob zerstörte Gut und Blut unserer Brüder in Griechenland das unmoralische Treiben der Makkabi in Palästina verantwortlich.“ Nach Verlesung dieser mit stürmischem Applaus angenommenen Resolution Avurde ein Referat über Erziehung der Söhne zur Thora und über den geistigen und materiellen Stand der Thorapflanzstätten selbst vorgetragen. Im Anschluß daran entwickelte sich eine Debatte darüber, wie die ״T0mcl1e-JeschiAV0th“-׳Akti0n nach zweijähriger Unterbrechung Avieder in die Wege geleitet Averden könnte. Diesbezüglich Avurde zum Be- Schluß erhoben, daß man, dem Staate analog, der seit mehreren Wochen Brotstempel in Verkehr brachte, die auf die Brote geklebt Averden müssen, deren GegenAvert zum Auf bessern der niedrigen Getre'iclepreise verwendet Avird, ״Tomche-Jeschrwoth -Stempel verfertigen und in Verkehr bringen lassen solle, die für die Schabbosbrote Verwendung finden sollten. Keine jüdische Frau Avürde sich dem Ankauf von drei• bis vier solchen Margen Avöchentlich verschließen. Und bei dieser kleinen Leistung der einzelnen, die keinem eine Belastung hedeutete, könnten ganz erhebliche Summen aufgebracht werden, die mit einem Schlage der JeschiAvothnot ein jähes Ende bereiten würden. Wenn nur 40,000 Familien sind seit I870 die besten ־ י־ ־““ ־־ ־־ ־! .

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