Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 32 (14.8.1931)
- Date
- 1931-08-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Von einem Teilnehmer (Fortsetzung des Berichtes vom 31. Juli.) Am Brühe« Morgen des 28. Juli wurde die Reise* gesellschäft am Popraaer Bahnhof von den Vorstehern der dortigen Kultusgemeinde und sonstigen prominenten Persönlichkeiten empfangen. Nach zweistündigem Auf* enthalt setzte sich eine Autokolonne in Bewegung, um die Gesellschaft nach Zakopane zu bringen. Unterwegs wurde in Htihsdorf Halt gemacht, wo die alte Schul, das Beth Hadhajim und die überaus interessante Mikwah he* sichtigt wurden. Ein kurzer Abstecher noch nach Tatra Lomnide, wo der Preßburger Raw besucht wurde, dann war man beim ״Morsku Ogu", zu deutsch ״Teufelsauge“, ein herrliches Naturwunder der Hohen Tatra. Bergauf ging die Fahrt nach Zakopane, dem Höhenluftkurort, der allein schon durch seine landschaftlichen Reize seinen Weltruf verdient. Man glaubt sich in die schweizerische Hochgebirgslandschaft mit all ihrer Farbenpracht ver־־ setzt. In Zakopane war die Gesellschaft bei Herrn .Ehr־ lieh, der sich alle Mühe gab, vorzüglich untergebracht. Herr Herzog, der Präsident der Agudas Jisroel in Bochnia, begrüßte die Gesellschaft namens der ortho* doxen Kurgäste von Zakopane. Weiter ging's per Auto nach Krakau. Unterwegs, in Rabka, wurde die Kincler*Ferienkolonie der polnischen. Agudas Jisroel besucht. 150 kleine Jungen, in der tradi* tionellen polnisch־jüdischen Tracht, fanden wir da ztt frohem Spiel und ernstem Lernen beieinander. 150 strah־ lende Gesichtlein staunten die fremden Besucher an und 150 Kehlen sangen den Besuchern herrliche jüdische Lie* der vor, In Krakau machte die Autokolonne endgültig Halt. Einen wundervollen Empfang bereiteten uns die dortigen Freunde. Es fand eine Führung zu den Sehens würdig* keiten Krakaus statt: Schul des Remoh, Altes Beth Hachajim, Talmud Thauraus und sonstige jüdische Lehr* anstalten. Eine Versammlung mit anschließendem Fest־ Lankett unter Vorsitz des Herrn A. Spira in den Räumen des neuen Beth־Jakob־Lel1rerinnenseminars bildeten den Höhepunkt des Krakauer Aufenthaltes. Es sprachen der Präsident der Krakauer Kultusgemeinde, Herr Doktor Fischei, Herr Freilich und Herr Sternberg namens der Aguda, Herr Rosenfeld namens der Jugend. Von seiten der Reisegesellschaft hielten gehaltvolle Ansprachen die Herren Dr. Carlebach, Dr. Deutsch, Dr. Deutschländer, Dr. Jung, Schachnowitz, Rabbiner Vredenburg. Donnerstag mittags erfolgte die Weiterfahrt nach Lublin. Unauslöschlich dem Gedächtnis eingeprägt bleiben die Lubliner Eindrücke. Das Prachtgebäude der Jeschi־ wah, der Geist, der in ihren Räumen herrscht, die über* ragende Persönlichkeit ihres Schöpfers, die Leistungen der 150 Bachurim— das alles ist so einmalig und einzig* artig, daß es schwer in Worten wiedergegeben werden kann. Freitag wurden der alte Beth Hachajim, die Schul des M׳ha1־schal und M’haram, die Wohnung des ״Chose“ und das Ghetto besichtigt. Am Schabbos hieß der Raw, umgeben von seinen Talmidim, die Gesellschaft nochmals herzlichst willkommen. Namens der Gäste dankten Ober־ rabbiner Dr. Carlebach und Red. Schachnowitz in be־ wegten und erlesenen Worten. Ein zweistündiger Schiur am Schabbos*Nachmittag brachte den Gästen einen Be* griff von dem tiefschürfenden Wissen des verehrungs* würdigen Raws, der Gelehrsamkeit seiner Schüler und der wunderbaren Lehrmethode bei. Eine feierliche Melawde Malko bei Tanz und Gesang, die sich bis fünf Uhr mor* gens ausdehnte, vereinigte die Gäste mit allen Insassen der Jeschiwas Chachmej Lublin. Unschilderbar der unaus* löschliche Eindruck Lublins. Mit Recht sagte Herr Schachnowitz in seiner launigen Ansprache: ״Ein Zug gefällt, mir nicht an Lublin, das ist der Zug, der uns von hier wegbringen soll.“ Auf dem Weg von Lublin nach Warschau wurde die Gesellschaft in fast jeder Station von Delegationen begrüßt, und am Warschauer Bahnhof selbst hatten sich 300 Personen zum Empfang eingefunden. Im.Aguda־Lokal fand im kleinen Kreise eine intime Feier statt, bei der . der Vorsitzende Rabbi I. M. Lewin die Gäste begrüßte und die besondere Bedeutung der Stu־ dienfahrt würdigte. In Warschau wurden die Kehillo, die Rabbonim, Jessode Hathora, Mesymfta u. v. a. besucht. An! Tage darauf fuhr die Gesellschaft zum Gercr Rebben, wo ihr ein sehr warmer Empfang zuteil wurde. Zu Ehren der Teilnehmer an der Gesellschaftsfahrt ,des Keren Hathora veranstaltete die Organisation der Agudas Jisroel in Warschau im Angelski-Saal eine Festakademie. Die Begrüßungsansprache!vielt namens des Zentralkomitees der Agudath Jisroel I, M. Levin, in der er insbesondere Dr. Carlebach, Dr. Deutschländer und den Redakteur des Frankfurter ״Israelit“, S. Schachno־ witsch, als die ersten Vorkämpfer der Agudas Jisroel feierte. Namens der Zentrale des Keren Hathora und des Beth Jakob sprach Alexander Friedmann, worauf Oberrabbiner Dr. Carlebach den Veranstaltern im Namen der Gäste dankte. Er betonte, daß die Teilnehmer der Fahrt diesen Empfang in der größten jüdischen Geincinde Europas als besondere Ehrung empfänden. Weitere Ansprachen wurden von Dr, Deutsch-Budapest 'und Dr. Deutschlünder-Wien gehalten. Dr. Deutschländer zog eine Parallele zwischen der Tätigkeit der Zionisten ,und der Agudisten und kam zu dem Schlüsse, daß der Arbeit der Aguda eine glänzende Zukunft bevorstehe . Und nun kommt der dritte Abschnitt der Reise, die Fahrt zu den berühmten litauischen Stätten, die heute innerhalb der polnischen Grenzen liegen. Per Auto ging’s weiter zur letzten Etappe, Wilna, Etappe, Mir. Mir mit seinen 400 Bachurim, den hervor* ragenden Leitern, bot ein unvergessenes und unvergeß* liebes Bild. Dienstag früh, auf dem Wege nach Radin, hielt die Kolonne in Degailiszok, dem gegenwärtigen ■es Einzige Jüdische für Weißnähen um! Kleidermachen mit Qffentilohkeltsreoht Wien» llt« Maligasse 7» Dr, Krüger• Heim Staatsguts« Zeugnisse OehUflnoeoreebt Samstag geschlossen Aufenthaltsort von Rabbi Israel Meier Hakohen, genannt ״Chofez Chajitn“. Das zweistündige Gespräch mit diesem Nestor der gegenwärtigen jüdischen Geisteswelt, der größten und ältesten rabhinischen Autorität der Jetztzeit, in dessen greisem Körper ein überragender Geist lebt, bildet das stärkste und erhebendste Erlebnis der gan2en Reise. Spät abends in Radin saß die Gesellschaft mit den Radiner Bachurim zusatrttnen, um dieses große Erlebnis immer wieder und niemals erschöpfend, zu besprechen. Per Auto gings weiter zur letzten Etappe, Wilna, genannt das ,Jeruscholajitn d’Lito“. Unterwegs zwang eine Autopanne die Gesellschaft zu zweistündigem unfrei־ willigem Aufenthalt auf offener Landstraße. Doch . der Aufenthalt in Wilna verlohnte die Schrecken der Reise reichlich. Die Schul des Wilnaer Gaon, die große Schul, Rämailis Jeschiwoh und die anderen jüdischen Stätten — wer beschreibt alle diese überwältigenden Eindrücke! Ueberall würden wir mit den Worten:!begrüßt. Am Freitag fuhren drei vollbepackte Autobusse mit den Gästen und angesehenen Wilnaer Juden nach Nie־ mccyn, zum Besuche von Rabbi Chaim Oiser Grodzenski, dem hervorragenden Führer der litauischen 1Judenheit. Unter freiem;Himmel bewirtete er die Gästes’char und richtete an sie herzliche Willkommensworte. Schabbos war man wieder ,!in Wilna ztt Gast bei Rabbiner Szttw, der in unermüdlicher Gastfreundschaft den Gästen das Schönste und Beste zu bieten bestrebt war. Am Sonntag vormittags wurden noch der alte Beth Hachajim, die StraschusBibliothek und der Tempel der dortigen Karäer* getfyeinde besichtigt. Zum Abschied fand Moze Schabbos noch eine große Versammlung statt, bei der u. a. Ober־ rabbiner Dr. Carlebach ein großangelegtes Referat hielt. Bei der Abreise gaben Hunderte von Wilnaer Juden der Gesellschaft das Ehrengeleite zur Bahn. Unvergeßlich und unauslöschlich haben sich allen Teilnehmern die wunderbaren, einzigartigen Impressionen cingeprägt. Ein unzerreißbares geistiges Band von Ost zu West. (Die Reiseleitung hat nun die schönsten Etappen der Reise in photographischen Momentaufnahmen fest* gehalten. Eine Auslese davon bringen wir in der nächsten Nummer.) Rabbinische Urteile. Zum Wocheiiabsehiiitt ״Schoftim“. Von Bernhard Rippel (Czernowitz). I. Gerechte Verteilung. Im Kommentar Mischpat zedek zum Psalm 47 lesen wir folgendes Urteil des »Gelehrten R. Ibn Esra: Zwei Genossen befanden sich auf der Wanderschaft. Als sich ihnen auch ein Dritter gesellte, besaß einer an Verpflegsvorrat drei und'der andere nur zwei Brote. An diesen fünf Wecken zehrtbn nunmehr gemeinsam alle drei Wanderer. Als aber dieser Vorrat zur Neige war, nahm der dritte Genosse Abschied von seinen Gefährten und hinterließ ihnen für seinen Anteil an der Brotration fünf Silbermünzen.; Von diesen nahm!nun der gewesene Besitzer der drei Brote drei Münzen für sich in Anspruch, während er die restlichen zwei Münzen seinem Kameraden zur Ver* fiigung stellte. Derselbe war aber mit dieser Verteilung nicht einverstanden. Er behauptete vielmehr, sie seien zwei gleichartige Genossen, an deren Brot der dritte ohne Unterschied des Eigentums und ohne Rücksicht auf An* teil gezehrt habe. Deshalb sei die Summe auf beide Ge* nossen zu gleichen Hälften zu teilen. Da aber zwischen ,den Streitenden keine Einigung erzielt werden konnte, begehrten sie vom Rabbi einen Schiedsspruch. Welch Erstaunen löste nun aber derselbe aus, da der Rabbi dem Besitzer der drei Brote gar vier Münzen, seinem■ Gegner aber bloß eine Münze zusprach! Man konnte sich dies gar nicht erklären, da allgemein die An* sicht vorherrschte, daß die erste Verteilung eine richtige gewesen wäre. Der Weise merkte das Befremden und rief mit er* hobener Stimme: ״Ihr wollet das Walten־ der Allmacht verstehen? Wie könnt ihr ein Urteil über die unerforsch* liehen Werke des Ewigen fällen, da es euch an Verständnis gebricht, schon den gewöhnlichen, nichtssagenden Urteils* spruch eines Sterblichen zu erklären?“... Und nun erläuterte der Weise seine Urteilsbegrün* düng folgendermaßen: Drei Genossen verzehrten fünf Laibe Brot, das sind fünfzehn Drittel, so daß auf jeden einzelnen fünf Drittel entfallen. Mangels einer anderen Grundlage hat logischer* und gerechterweise der Besitzer der drei Brote (neun Drittel) bei Berücksichtigung der für sich verbrauchten fünf Drittel zur Verpflegung seines Genossen vier Teile (vier Drittel), hingegen der Besitzer der zwei Brote, nach Abzug der für sich verwendeten fünf Drittel, nur einen Teil abgegeben. Da nun für die fünf Teile auch fünf Silbermünzen zu verteilen sind, ge* bühren dem ersteren für vier Teile auch vier Münzen,' während seinem Gegner für einen Teil nur eine Münze zukommt. II, Oeffentliche Sühne. Der Rabbi eines kleinen Städtchens hatte über fol* genden Fall eir Urteil zu fällen: Ein Kinderlehrer hatte von seinem Verdienst 1m Dorf, fern von seiner Familie, fünfzehn Dukaten be'se’te* gelegt. Es war vor Ostern und der Lehrer wollte das Geld seiner ,Frau übermitteln. Da ein Weinhändler aus seinem Städtchen an diesem Dorfe zufällig vorbeikam, tat der Lehrer das, Geld in ein kleines Fäßchen pnd übergab dasselbe dem Weinhändler mit der Bitte, solches seiner (des Lehrers) Frau zu überbringen, damit sie für die Osterfeiertage Wein habe. Zu Hause angelangt, ließ der Weinhändler der Lehrersfrau das Fäßchen zwar über* geben, doch fehlte demselben der Inhalt, nämlich die Dukaten. Vom Rabbi hierüber zur Rede gestellt, erklärte der Händler, von dem Gelde keinerlei Kenntnis zu haben; es sei jedoch nicht ausgeschlossen, daß der nicht* jüdische Kutscher, welcher den Wein des Händlers ver־ Spendet für den der Ades Jisroel» Wien, H*, Nestroygosse tt. bai katm bud tfcj kA. bäte find seift 1670 die besten Fabrik2 Wien! Md.» Staglgasse 10 bei Mariähllferstr. 148) Tel* R-35-8-47 und R-39-5-38 flllale: Wien VII» Burggatte IT! Tal. B 32*3-80 frachtete, an dem Fäßchen manipuliert und sich das Geld ungeeignet habe. Der Rabbi dachte eine Weile nach und erklärte schließlich: ״Dann müßte ich deinen gesamten Wein für entweiht erklären, denn wo ein Nichtjüde ohne dein Wissen an den Fässern manipuliert, ist der Wein nicht mehr koscher und kein Jude darf ihn genießen.“ Der Weinhändler \var“ob dieser Ankündigung sehr betroffen, da er mit einem Male seine gesamte Ware entwertet sah. Er gab also kleinlaut zu, die fünfzehn Dukaten sich angeeignet zu haben. Der Rabbi war jedoch mit diesem Erfolg seiner Intervention noch nicht zu* frieden. Er wollte, daß der Gewissenlose auch öffentlich gebrandmarkt werde und daß dies auch für andere als abschreckendes Beispiel gelte. Dein Geständnis allein“, sagte der Weise, ״genügt mir nicht. Du konntest solches auch ablegen, um deinen Wein anstandslos verkaufen zu können. Du mußt daher dein Geständnis öffentlich wiederholen, worauf ich erst deine Erklärung zur Kenntnis nehmen werde.“ Dem Weinhändlcr blieb nun nichts übrig, als seine unredliche Handlung vor versammelter Gemeinde zu be* künden und dem Kinderlehrer das Geld nebst einer an* gemessenen Buße rückzuerstatten. III. Reichtum und Wissen. Ein reicher Philister begegnete einmal einem armön Gelehrten. Dieser schenkte aber dem Reichen keine Be* achtung und wurde von demselben deswegen zur Rede gestellt. Es entspann sich zwischen beiden eine rege Aus* einandersetzung. Der Reiche wies dabei auf die Macht seines Geldes hin, wodurch er unbedingt die Achtung und Wertschätzung verdiene. Sein Gegner nahm wiederum für sich den hohen Wert des Wissens in Anspruch, wel* ches auch nicht geringzuschätzen sei. Während ihres lebhaften Wortwechsels kam zu* fälligerweise der Rabbi daher und die Streitenden be* gehrten sein Urteil. ״Der Unterschied zwischen euch beiden ist“, sagte der Rabbi, ״daß der eiserne Kassenschrein des Reichen mehr Geld enthält als der hölzerne Koffer des armen Gelehrten. Mein Urteil lautet nun dahin: Der Gelehrte ist verpflichtet, seinen Koffer anzuweisen, damit dieser dem Kassenschrein des Reichen die gebührende Achtung entgegenbringe. Da aber des Gelehrten Haupt mehr Wissen enthält, als jenes seines Gegners, ist der Reiche verpflichtet, sein Haupt vor dem Gelehrten zu beugen.“ 1@1 NACHRICHTEN Amtseinf ührung des Herrn Oberrabbiners Dr. Hartwig Carlebach. Aus Baden bei Wien wird uns berichtet: 111 feierlieber Weise wurde am 9. d. der hiesige ueugewählt.e Ober rabbiner, Herr Doktor Hartwig Carlebach, in sein Amt ei 11 geführt. Bei seinem :Erscheinen wurde der Oberrabbiner von der versammelten Schuljugend und dem zahlreichen Publikum lebhaft begrüßt. Unter dem Trauhimmel hielt der Obmann des Festausschusses Redaktour Aron Weiß die erste Begrüßungsansprache Hierauf erfolgte der feierliche Einzug in den Tempel. Voran wurden die Thorarollen getragen und diesen folgte der Herr Oberrabbiner, von der Gemeindevertretung begleitet. Tm diehtgefüllten Tempel hatten sich indes eingefunden: Minister a. ID. Bürgermeister Josef Ko 11 mann, Vize- Bürgermeister Kommerzialrat Alois Brusatti. in Vertretimg der Bezirkshauptmannschaft Dr. Karl K r a msali, Obcrstadtphysikais Hofrat Dr. Emil Raab, Kirchenkümmerer Kammeramtsrat Sieg m und, Kirchen- YRtcr Franz Fink, General ־Ob e 1׳ s t a 1 )0 a r z t Prof. Doktor Alois Pick, Präsident der Wiener :Israelitischen Kultusgemeinde, sowie Vertreter der Wiener Adass Jisroel (Schiffscluil), zahlreicher jüdischer Korporationen, der Nachbargemeinden und der orth. Gemeinde Preßburg׳. Jan festlich beleuchteten Tempel begrüßte zunächst Präsident Anton Stern den Oberrabbiner als geistigen Führer der Gemeinde und Nachfolger des vinve.rgeslicheu Oberrabbiners Reich s. A. und gab darüber seiner Freude Ausdruck, daß die Spitzen der Behörden zum Empfange sich hier eingefunden und damit das gute .Einvernehmen zwischen den hohen Behörden und der Kiiltusgemeinde neuerdings bewiesen haben. Nach der ßegrüßungsansprache des Präsidenten der Cliewra Kadischa, Herrn Ludwig L a c־ k e n b a c h e v, sprach Kantor Richte r bei geöffneter Bundesladc den Mischeberach für den Oberrabbiner und nach Absiugung des ״Hallelujah“ bestieg der Oberrabbincr die Kanzel und hielt seine formvollendete und geistspriihende Antrittsrede, welche auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck machte. Sodann trat Bürgermeister K o 11 m a n!1 aus der Bankveihe und richtete au Herrn Oberrabbincr Doktor Carlebach herzliche Worte der Begrüßung, welchen sich die übrigen Honoratioren der Reihe nach anschlossen. Abends versammelte sich der Großteil der Gemeiude im Restaurant Sehey zu einem gemütlichen. Abendessen, bei welchem dem Herrn Ober rabbiner in unzähligen Reden gehuldigt wurde. Eine freudige Ueberraschung war es, als Stadtpfarrer Kanonikus Stoiber, begleitet von Kirchenkümmerer Sieg m u nd und F i n k und Oberlehrer W o h 1 s c h l ä g e r im Saale erschien, um den Oberrabbiner als Amtskollegen zu begrüßen. 992552447977