Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 32 (14.8.1931)
- Date
- 1931-08-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nwtaovt׳«ftlaf114 povolcnS fiaditpost 6 Mepätov : ״ Zeitungenvom Vertaget versendet, v Bratislava Hs. 41572.111*20. Journal espedie pat Nditeaf. OROJUi hm MC MTERCSSEI DE• ORTHODOXEM JUDENTUMS. JÜDISCHE PRESSE Redaktion u. Administration: Wien, It, Leopolds* gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A94־0־49״. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. —־ Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer Öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto »Indische Presse■, Wien für Oesterreich! Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschlands Post• Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweis 1 Pott• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei t ,Jadisehe Presse■, Biatlslava, Postspk.*Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 32 | Wien-Bratislava, 14. August 1931 .ב*ד! וינא־פרעסבורג א, אלול תוציא 17. Jahrg. Besuch beim Großrabbiner des I Königreiches S. H. Die Persönlichkeit des Großrabbiners Dr. Jsak A Ica lay, der durch sein Amt an der Spitze der Juden- Schaft in Jugoslawien, eines Landes, das wegen seiner traditionellen Toleranz rühmlichst bekannt ist, steht, ist der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit längst nicht mehr fremd. Ganz besonders hat Dr. Alcalay auch die JJankbarkeit und Anerkennung der jüdischen Orthodoxie dadurch erlangt, daß er es war, der den organisatorischen Bestrebungen der Orthodoxen in seinem Lande wertvolle Dienste leistete und dazu beitrug, daß die Organisation der orthodoxen Gemeinden anerkannt wurde. Dieser Umstand veranlaßte auch die Vertreter der Wiener Orthodoxie, die Herren Wolf Pappenheim und Rabbiner Dr. Joel ־Pollak, ihm in \ oslau, wo er seinen Urlaub verbringt, einen Besuch abzustatten. Großrabbiner Dr. Alcalay, der die Besucher äußerst liebenswürdig empfing, betonte, daß auch die Juden. Jugoslawiens die allgemeine Wirtschaftskrise fühlen, Trotzdem haben sie aber über die eigenen Institutionen hinaus noch Interesse für die Probleme ז und Nöte der Gesamtjude'nheit. Im Verlaufe der allgemeinen ^Aussprache über die Fragen der Orthodoxie interessierte sich Dr. Alcalay hauptsächlich ■für.•.die .Beth- Jakob-Bewegung. Dr. Ppllak schilderte ihm eingehend S,, Dr. Isak Alcalay die Entwicklung der Beth-Jakob-Schulen in Polen und hob die Lehrerinnenbildungsanstalt in Wien hervor, die berufen ist, in den Nachfolgestaaten und auch für Süd- Osteuropa, wo die Mädclienerzichung mit. denselben Schwierigkeiten kämpft wie überall und die Mädchen sich ebenfalls rasch von den Traditionen des Elternhauses entfernen, segensreich zu wirken. Dr. Alcalay legte besonderes Gewicht auf die Frage der Erziehung bei den sephardischen Juden, die sehr konservativ sind, bei denen aber derselbe Auflösungsprozeß zu beobachten ist. Er versicherte die Besucher seiner Svmpathien für ihre Bestrebungen und ■erklärte, alles anwenden zu wollen, um aus den sephardischen Kreisen Kandidatinnen hach Wien' zu entsenden. Dabei falle die alte Rolle Wiens als1 Kulturzentrum besonders günstig in die Waagschale, die'die vorübergehende Ver- Stimmung im Gefolge des Krieges längst vergessen lassen habe. Die Besucher entfernten sich mit den! Eindruck, daß der Leiter der religiös-jüdischen Institutionen Jugoslawiens ein Mann sei, der tiefen Einblick in die Probleme des modernen Judentunis hat lind überzeugt ist, daß die Orthodoxen jenes Element sind, das auch in der^ Zukunft das KräftereserVoir des Judentums dar- Stellt.' ־ : ׳;־ A ' ־ Randglossen TelsAwiw und Biro.Bidschan. — Kolonistensorgen in alter und neuer Zeit. — Berufung und Lokalbedarf. In SoJcolows früherem eigenem Organ, der Warschauer ״Hazefira“, erhebt Samuel Steinberg (Frankfurt am Main) in der Nummer, vom 23. Juli seine Stimme, um die neuen Führer, im Zionismus, vor allem Sokolow selbst, wieder einmal davor zu warnen, die Orthodoxen, das einzige Element im Judentum, das noch mit Liebe am heiligen Lande hängt, weiter abzustoßen. Mit Recht weist er darauf hin, daß die Zionisten bisher mit beiden Händen die Gesetzestreuen von sich gewiesen haben, statt sie anzuziehen, und daß Führer und Beamte es versäumt haben, mit dem einfachen Juden zu rechnen. Wenn dem nicht so wäre, wenn nicht absichtlich, in Jerusalem, in TelsAwiw und in den Kolonien der Sabbat öffentlich entweiht, das Erziehungswesen anti־ religiös eingestellt wäre usw,, müßte die Anhängerschaft des Zionismus zehnmal so groß sein und sogar die An־־' hänger der Aguda wären nicht vom großen Werke aus־־ geschlossen. י׳ Leider wird auch diesem Appell kein anderes Schicks sal. bestimmt sein als so vielen anderen Predigern in der Wüste vor ihm. Die zionistischen Führer entdecken zwar gerne den Splitter der Entjudung im Auge der. anderen, übersehen aber den Balken aus demselben Holze, der ihnen die Aussicht auf ihr eigenes Tun verstellt. So wird es in zionistischen Blättern gerne angeprangert, daß in BirosBidschan die alten Juden allmählich die Tefillin vergessen und am letzten Jom Kippur ein halbes Dutzend־ Juden zum letzten Male ״in alten Bibeln“ ges blättert hat. Daß aber derselbe Geist auch in E r e z J i s r a e 1,' wo er ganz bestimmt noch weniger zu suchen hat, die Herrschaft an sich reißen möchte, lassen sich diese Verfechter des Judentums nur allzu leicht entgehen. Einer ähnlichen Konsequenz in den Anschauungen ist es auch zuzuschreiben, wenn von zionistischer Seite im Kampfe gegen die Sozialisten in der Wiener Kultusstube die Berechtigung eines Kultusvorstehers, der Obmann einer Freidenkersektion war, in Kultusangelegenheiten mitzu־ reden, in Abrede gestellt wurde. Dabei bleibt freilich für uns noch die Frage offen, wie sich das private und öffent־־ liehe Verhalten zionistischer Führer der Religion gegen־ über mit der Ausübung ihrer Mandate in der Kultus־ gemeinde verträgt. Was dem einen recht ist, muß auch dem anderen billig sein. Die sattsam bekannte Fußballaffäre in Palästina hat ein seltsam anmutendes, bisher aber viel zu wenig beachtetes Nebenresultat gezeitigt, den Wunsch der Makkabim, als Ersatz für den fußballfreien Sabbat einen der Erholung und dem Spiel gewidmeten Wochentag zu erhalten. Auch Helerte Hanna Thon ließ in ihrem von uns bereits eingehend gewürdigten Aufsatz (s. ״Jüdische Presse“ Nr, 31) eine ähnliche Forderung Durchblicken. Dies also wäre der Preis, der den Makkabim von :heute für eine eventuelle Anerkennung des traditionellen Sabbats gezahlt werden müßte. Nun, ich muß gestehen, daß ich mir das arbeitende Palästina, für das von den־ selben Leuten so gerne die Werbetrommel gerührt wird, anders vorgestellt habe. Der gesunde jüdische — und nicht minder auch der nichtjüdische — Menschenverstand stellt sich die Träger der Kolonisation und des Aufbaues j ווווווו!ווווווווווווווו1וווווווווווווו11ווווווווווו1ווווווווווווווווו 1 ||j Gegründet 1882 Gegründet 1882 j Lebensversicherungs-Gesellschaft ווווווווווווווווווווווו1ווווווווו1ווו11שווווו1ווו1וווווו1וווווווווו | Versicherungsbestand Ende 1930 * 2560 - י Millionen Schilling ן 1 Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1930 150 Millionen Schilling ן 1 Garantiemittel Ende 1930 . - . 378 Millionen Schilling ן | Auszahlungen an Versicherte im Jahre 1930 35.5 Millionen Schilling ן | Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: | H Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische j§ 1 Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, I Italien, Ungarn, Polen,Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- § jg land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten g iilllllll!!llll!!llll!l]|||lilllll!llll!llllllllll!llllll!IIIIIW eines Landes wohl eher unter dem Bilde jenes gläubigen Kolonistentypus vor, der ohne Kongresse und ohne Paraden vor einem Jahrhundert in harter Arbeit die Vereinigten Staaten von Nordamerika schuf. Solche Kolonisten — und sicherlich gibt es auch in Palästina solche — hätten andere Sorgen als einen zweiten arbeitsfreien Tag in der Woche, da sie nach sechs Arbeitstagen froh wären, einmal die Hände in den Schoß legen zu dürfen und einen Kräfte־ und Energieüberschuß, der nach sportlicher Betätigung verlangte, kaum erzielen dürften. Ein solcher Koionistenschlag könnte dann auch das nationale Verdienst für sich in Anspruch nehmen, den Ruf der Seriosität des jüdischen Aufbauwerkes zu stützen und damit den Feinden besser zu imponieren als durch die glänzendsten Wettspielsiege. Das arbeitende Palästina darf nicht zum Weekend für halt־ und ver־» antwortungslose jüdische Großstädter werden und es kann sich auch in seiner Armut den Luxus eines zweiten werkfreien Tages nicht gönnen. Die aus dem Mizraim -der europäischen Groß־ städte stammende Generation muß freilich geistig erst ah den Sinai geführt werden, ehe sie zur Arbeit im heiligen Lande, die gleichzeitig ein Dienen im Reiche G־ttes sein soll, reif wird. Gleichgültig, ob bewußt oder unbewußt, hat dies Theodor Herzl empfunden, als er seinen Anhängern die Forderung von der Rückkehr ins Judentum vor der Rückkehr ins Judenland zurief. Nun, wir wären zufrieden, wenn diese Rückkehr ins Judenturn. wenigstens gleichzeitig mit der Rückkehr ins Juden# land vor sich ginge. Der hebräische Schriftsteller Chaim Nachmän Bialik handelt in unserem Sinne und spricht gewiß auch vielen Palästinensern aus dem Herzen, wenn er jetzt wieder diese alte Forderung zionistischer Führer erhebt. Nur auf diesem Wege kann das durch Modetorheiten aller Art gesunkene Ansehen unseres Volkes wieder gehoben werden, und wenn vor kurzein einmal irgendwo ein hakenkreuzlerischer Journalist allen־ Ernstes erklären konnte, es hätte niemand. ein Interesse an der Erhaltung des jüdischen Volkes, dann muß ihm nicht nur mit dem bereits vor dreißig Jahren von Max N o r d a u, dem Arzte und Soziologen, ausgesprochenen Wahrwort geantwortet werden, daß jedes Volk Selbst־ zweck sei und seine Existenzberechtigung nicht erst nach־ zuweisen habe, sondern mit ,den hundert־ und tausend־ fähigen Bekräftigungen, die die Thora der Berufung Israels verleiht. Diese Berufung Israels ist freilich vielen Juden nicht ganz klar und bewußt und noch weniger kann sie jenen amtlichen Stellen gegenwärtig sein, die kürzlich die Berufung einer jüdischen Gastwirtin abschlägig be־ schieden, aie in Reichenau (Niederösterreich) ein koscheres Speisehaus errichten wollte. Dabei ist es im Sinne der hakenkreuzlerischen Anschauungen über das Interesse an der Erhaltung des jüdischen Volkes ganz natürlich, daß die zuständige Fachgenossenschaft erklärte, ein künftiger Zuzug von Familien, die das konfessionelle oder nationale Moment betonen, sei unerwünscht. Bei der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes, die den Lokal־ bedarf als maßgebend erachtete, stand eben der Bock zu Gevatter, den die Behörden selbst zum Gärtner gemacht hatten. Daß strenggläubige Juden in Reichenau un־ erwünscht sind, dürften auch gewisse Angehörige der Familie Rothschild bisher nicht gewußt haben, deren Besitz in Reichenau diesem Orte sicher noch nicht zum Schaden gereicht hat. Allerdings, wenn es sich um minder־ bemittelte Juden handelt, ist die Sache wesentlich anders. Wenn etwas nicht erwünscht ist, hat man gewiß keinen Bedarf danach und es ist ja auch nicht unsere Aufgabe, das Verhältnis dieser Dinge zur Förderung des Fremdenyer# kehrs, die Bedarf wohl eher schaffen, als abbauen sollte, zu untersuchen. Was wir fordern können und müssen, ist nur etwas mehr nationale Solidarität jener r e 1 i g i ö s an einem jüdischen Speisehause nicht interessierten jüdi־ sehen Kreise, die den Gastwirten von Reichenau noch weiter erwünschte Gäste bleiben. Es ist dies in kleinem Maßstab dieselbe Solidarität, die auch im Namen von Millionen Steinberg von den zionistischen Führern fordert. Die religiösen Massen haben diese Solidarität mit allem,, was jüdisch ist, schon infolge der Tatsache ihrer Religiosität nie vergessen, und nur an den anderen kann es liegen, den Ring zu schließen, an dem alle Feindselig־ keiten und Widrigkeiten zerschellen müssen. L. M. «f m dar weltbekannten PerUckenwerkstätte 1;wi ׳ ן1 י־ Cm ׳ i woto! Bristol) Tel. II ■4716■ 1־