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Jüdische Presse · 1931-05-21 · 20 (21.5.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
20 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 JÜDISCHE Seite 5 iniitiiiiniiiiiiiiiitiiiiiitimii ... iiimimiiiuiiiiiiiiiiiiiiniiiii sind seit 1870 die besten rabriks Wien, XV., Staglgasse 10 bei Mariahilferstr. 148) Tel. R-35-8-47 und R-30-5-28 Filiale: Wien VII! iyrggaiie 17, fei* 132*3*60 Ruf an Wien. (7u .שמעיה) Gelegentlich der Tagung des internationalen Tier־ schutzkongresses äußerte Herr Dr. Melkus aus Wien, im Vorstand des Wiener Tierschutz־ Vereines seien sieben Juden, die ihm sämtlich gesagt haben, das Festhalten an der bctäubungs# losen Schechita sei kein Erfordernis der jüdischen Religion . . . Am Vorabend des Festes der Thorägebung entringt sich uns da die bange Frage: Wie konnte es so weit kommen? Welche religiöse Vergangenheit haben diese sieben Herren, welche Erziehung genossen sie? Was hat Wien, die große jüdische Gemeinde Wien, getan oder unterlassen, so daß eine solche Frucht zeitigen konnte? Es ist höchste Zeit, daß wir bei derartigen An# griffen gegen die Heiligtümer unseres religiösen Lebens die Schuld immer nur bei anderen suchen. Hat man es doch gerade bei dieser Frage erlebt, daß manches scheiterte, weil die Vertretung in den Händen solcher Persönlichkeiten lag, die in dem Leben der Tat sicher auf dem Standpunkt der sieben Wiener Herren stehen. Vieles wäre da in Wien zu tun. Hat man es seiner# zeit versäumt, auf die heranwachsende Generation so ein# zuwirken, daß sie später in jeder Position sich schützend vor die Ehre ihres Glaubens stellt, so versuche man es jetzt mit den Erwachsenen. Unsere Zeit, die so empfind# lieh, mit Recht so empfindlich ist bei jeder antijüdischen Aeußerung, müßte doppelt empfindlich werden bei An# griffen gegen die Ehre unseres Glaubens und unserer Tradition. Das wäre ein wunderbarer Auftakt des Offen# barungsfestes, wenn da von allen Kanzeln ein Wort zum Kampf für die übermenschliche Reinheit des Lebens im Rahmen des Offenbarungsglaubens ertönen würde. In all den materiellen Sorgen des Tages, in all den Formen des Galuth vergaß man des Galuth Schechina, wie es die Alten nannten. Diesen Galuth des religiösen Gedankens, des religiösen Lebens etwas zu mildern, das wäre der Weg zur Erlösung. Wir haben das feste Vertrauen, daß, wenn erst die sieben Wiener Herren mit unzähligen ihrer Glaubens# genossen die jüdische Religion und ihre Aeußerungen kennen würden, sie sicher nicht mehr so gegen das, was Millionen ihrer Brüder und Schwestern heilig ist, in dieser Weise kämpfen würden. Und darum ist Wien eine große Aufgabe erwachsen: Lehret, sorget vor allen Dingen, daß die jetzige Kinder# generation ihr Judentum kennt. Dann wird sie es achten und schützen. p־ Generalversammlung der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe. Sonntag, den 112. April, fiand die Generalversaui mliimig der Junge,iidigrnippe statt.!Es war mihi sehen die zwölfte seit ili.rean Bestellen, alb erimmer das gleiche scheine ,Bild. Ein volI1](gef1ii׳llter Saal mit (frischen, jungen Menschen, die interessiert den ,Referaten lauschten. Auf der Bank der Ehrengäste konnte man den alten Freund der Jugend, Herrn Medizinalrat Dr. Reiniger, und Herrn Leopold Richter als Vertreter der ,Ajclas-Jiisroel erblicken, die Ortsgruppe hatte Herrn Vizepräsidenten Hornstein, die Knltwsigeimeiinde Herrin ,Kom/m.-Rat Leitner entsendet. Herr Inspektor Oeh'ler kam lediglich, wie er sich amsidrückte, als Freuuiicl zm Freundem. In den verschiedenen ,Beigrüßiunigsv.eltlen kam die Sympathie, eieren sich die Jmigendigi• nippe in so reichem Maße ' erfreut, beredt znm Ausdruck. Aus dem aililigeunoiiuen Uoberlblick, den Präsident 11. Herzog entwarf״ konnte man sich eine Vorstellikiinjg über die ma.nniigfaehern Leistungen der Jiuigendignippe machen. Das Ferienheim, welches einer großen Anzahl vo.11 Kindern und Erwachsenem :gastliche Stätte hot, um sich van den M1iilhe.11 umd ׳Pllaigeu des Jahres zu 01111011011־, die reich.haltilge Bilhliotl 1:elk, die aaich im diesem Jahre amsgestaltet wunde, seien ails!Beispiel •genannt. Das Budget weist den stattlichen Betrag von S 52.000 auf, gewiß ein Zeichen at,0!1 besonderer Aktivität. Es folgten Reiferate dos UnterrichtsaiUstschuLsises, gehallten vom Herrn S. Spitzer, des Geselliigkeitsausschusses, erstattet von Herrn E. Aidiler. Herr Bondi referierte dilber die Leistungen der B-Giriuppe. .Die Wahl zeitigte folgerndes Engelbiniis: Eimil Adler, Salomon Baumgarten, Hermann Bondi, Artur Feldheim, Ernst!Herzog, Heinrich Herzog, Eduard Kahn״ David Moschikoiwitiz, Jiutlims Neu1mn,nn, Moritz Neuimann, Pauli Richter, Markus Schächter, Ernst Schliff, Rcnzion Schronizel, Siegfried Spitzer, Jak Ob TeitollbaiUim,!David Tiinkl, Wilhelm Weiß, Israel Werner. Ferienaktion für orthodox-jüdische Kinder aus Ungarn. Um der heranwachsenden Jugend der ungarischjüdischen Orthodoxie die in Ungarn immer seltener werdende Möglichkeit zur Enlerniimg der deutschen Sprache!zu gelben״ wendet sich ein Komitee an die gesetz es treu 1011 Juden Deuhschilnmdis 11,nid Oesterreichs. Es sollen 7- bis fl jährige Kinder aus Ungarn während der Somnierfenien unentgeltlich oder in Tausch Ibeii streng orthodoxen Fnmuilien umterigdbracht werden, wo sie Deutsch zu sprechen Gelegenheit haben. Trotz ' der .sd1lw1ierige.il Wirtischälftslage hofft das Komitee, daß diese Aktion Amiklamg ,finden wird. Zuschnitten werden an Lehrer Samuel 2ommo111;sch0im, Ortili.-ijüd. Schmie, Buda- [lest, VII., Dob 11. 35, erbeten. Gastvortrag.!So. Ellinw. Herr Oboruablhiner M. Brosnitz aus Szene, der izu ,Besuch ,111 Wien ,weilte, hielt Samstag, den 0. d, M. ini iBethause 11., Reiuhramdtstraße, einen Ga.stvortrag. Antisemiten wollen einen Judenstaat. Die ״Deutsche Zeitung“ und andere völkische und nationalsozialistische Zeitungen empfehlen das Buch eines Niederländers Egon van Winghene, das vor kurzem unter dem Titel ״Arische Rasse, christliche Kultur und das Judenstämmlinge in einem für sie zu bestimmenden und Abwehr der Judengefahr fordert der Verfasser den Voll# Zionismus, d. h. die Errichtung eines eigenen Judenstaates, nach dem alle Juden zwangsweise überführt werden müssen. Die Lösung der Judenfrage sei nur übernational möglich. ״So wenig wie die Bekämpfung einer anstecken־ den Krankheit nicht vor der Landesgrenze Halt machen darf, ebensowenig dürfe es die Abwehr des jüdischen Wesens und Imperialismus.“ Eine solche übernationale Zusammenarbeit stelle keinen Verrat am Nationalismus dar, sondern sei vielmehr das einzige und letzte Mittel, die Eigenart und das Eigenleben jedes einzelnen, der von jüdischen Kulturformen "und vom jüdischen Machtwillen gefährdeten Völker zu schützen. Im einzelnen wendet sich der Verfasser gegen den Radau־Antisemitismus oder die Erzeugung einer Pogromstimmung. An einem solchen Anti# semitismus habe der Jude seine besondere Freude, denn er mache ihn doch meist zum schuldlosen Märtyrer. Der einzige Weg, der zum Ziele führen könnte, sei die rein# liehe Ausscheidung des Judenvolkcs aus der arischen Welt, der Zwang der Seßhaftwerdung der Juden und Judenstämmlinge tti einem für sie zu bestimmendenc und unter gesamtarische Aufsicht zu stellenden Lande, bei gleichzeitiger voller Entziehung der bürgerlichen Rechte in allen arischen Ländern. Die ״Deutsche Zeitung“ nennt die Schrift einen ״wertvollen Beitrag zum völkischen Gedankengut“. Reichs!nnenininister W-irth fiir strengste Bestrafung von Friedhofsschändern. Den־ Rekhisininemmiiiniistei• bat m dev Frage dev Vevihiiitimnig der Schäudu 111g von Fnieidhöfein folgendes Schreiben an die Landcsreigiieriu,11g gerichtet: ״Nach ,׳zuverlässiger Mitteilung־ sind hin Dcutscheai Reich i.n den letzten Jahren nicht weinige 1־ als 100 Fälle von Schündiuinigon jiiilclitseher Fridcllliüfe varigek omimc,n. Unter Hiimwois hiierauif darf ich den Landesregierungen erneut liaheilegcin, die Landesbdliördern amziuiweison, um die Aufklärung mul Verfolgung von Störungen des Gräberfricde.ns nachdviickliichist bemiiiht ziu sein. Ich halte schärftsitc’13 Einschreiten gegen solche verabscheu- ■imgswiirdige Straftaten fiir nötig und .bin nach den Erfaihruugen der ,letzten Jahre der Aiutfassiuuig, daß es nicht möglich ißt, ilhuien oll 1.11c cmpifinidliche Strafen mit Erfolg zu begegnen.“ Die Verwirklichung des jüdischen Friedensgedanken. Nach längeren Vorbereitungen trat der ״Jüdische Friedensbimd“ in Berlin am 20. April 1931 mit einer neuen, feierlichen ׳Kundgebung■ vor die Oeffentlichkeit. Sie fand im vollbesetzten Festsaal des Brüdervercines statt und war dem Thema ״Die Verwirklichung der jüdischen Friedensidee“ gewidmet. In seiner Eröffnungsansprache wies R.-A. Heinrich Stern, Mitglied des Präsidiums des J. F., auf die große praktische Bedeutung der jüdischen Friedensarbeit im Rahmen der ״Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen“ hin. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein vorziiglich aufgebautes und glänzend vorgetragenes Referat von Rabbiner Dr. Felix Goldmann-Leipzig־. Das Judentum hat sich nicht nur die Verkündung, sondern auch die Verwirklichu 11 g großer Ideen zum Ziele gesetzt. Deshalb sind seine Leitgedanken niemals utopisch, sondern stets realisierbarer Natur. Auch der Friede kann sein und wird sein, wenn wir den richtigen Weg einschlagen. Durch die Bemühungen der Diplomaten allein wird er nicht erreicht werden. Am meisten schädigen den Frieden jene, die ihn preisen, aber sich zu seiner Einhaltung nicht verpflichten wollen, und diejenigen, die die Eigenart anderer Völker nicht zu wiirdigen verstehen. Der Friede kann nur von unten kommen, durch die Friedensgesinnung der Völker. An der Vertiefung dieser Gesinnung, an ihrer Verbreitung in allen Volksschichten und Altersklassen muß das Judentum den regsten Anteil nehmen. Den zweiten Hauptteil der Kundgebung bildete ein von den mit dem J. F. Hand in Hand arbeitenden Jugendinstitutionen ״Jungjüdische Friedensgemeinschaft“ und ״Schule des Friedens“ veranstalteter Vortrag. Dr. Georg Herlitz beleuchtete den ״Friedensgedanken in der Lehre und der Geschichte des Judentums“. Die Friedenssehnsucht des Juden strömt ans der Tiefe seiner Seele. Da er von dem Gedanken der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott ausgeht, sieht der Jude die Be- Stimmung des Menschen darin, mitzuarebeiten an der Ausgestaltung und der Vervollkommnung dieser Welt. So muß er in jeder gewalttätigen Vernichtungstat — und eine solche ist der Krieg — eine Verletzung der Be- Stimmung des Menschen erblicken. Mit dieser Sehnsucht nach dem ewigen Frieden der Völker gellen die Juden durch die Geschichte und grüßen jeden Mitstreiter in ihrem Kampfe fiir den Frieden. Aufruf!111 die Staatenlosen. Die Internationale Fraueniliiga erläßt den folgenden Aiufivuif: Die 11!101׳11 ־a!t;iomlule Fraiueiiiliga für Frieden 11111,(1 ,Freiheit (׳Ligiu.e Inteivimtiianad des ,Femmes pour la Pa ix et la Filierte, 12, rue du V'ieux College, Geneve), .in dein Bestreben, die durch die Kriegs- und Nacbk.viLegsizeit vorsch/ukleten Leiden zu mildern, macht es sich zur Aufgabe, auch demjenigen beizmstehen, die durch die Gelzietsiveränderiuuigen der Eriedensverträge in Schwierigikeiten in betreff ihrer Staatsamgiühünigikedt geraten sind. Nur ■wechselseitiges Entgegenkommen der in Frage stellenden Staaten kann linier AibhiiMie schaffen. Damit luienübor mit Hilife des Völkerbundes eine ■Einigkeit erzielt werden könne, findet es die Hgia vor allem nötig, über die Art und clan Umfang der entstandenen Kampilikatioiie.n Klarlheit zu gewinnen, und sie hat die im Dienste dieser Sache konstituierte Komin/issiian für Staatenlose damit!betraut in all den hereffeiiden Staateil die nötigen Daten zu sammeln. Die Liga ersucht daher •alle diejenigen, die in Fragen ,ihrer Staatsangeh Öligkeit Schwierigkeiten haben, insbesondere clie Staatenlosen, ihr ihre Angelegenheit zur Kenntnis zu bringen. Baden lehnt Schächtverbot ab. In der letzten Sitzung des badischen Landtags be* richtete der Zentrumsabgeordnete Kuhn über den national# sozialistischen Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotes. Der Ausschuß hatte die Ablehnung des Antrags beschlos# sen und damit ein Gesuch des Oberrates der Israeliten Badens für erledigt erklärt. Abg. Kraft (Natsoz) begrün# dete seinen Antrag mit der Behauptung, die badische Sozialdemokratie sei deshalb Gegner des Schächtverbots# antrags, weil sie Angst vor den Juden und dem Zentrum habe (große Heiterkeit). Die förmliche Anfrage wird von Ministerialrat Jung beantwortet. Abg. Ewald (Ev. V.) wendet sich gegen das Schächten und verlangt zum mindesten eine scharfe Kontrolle. Abg. Dr. Mattes (D. V.) setzte sich für ein allgemeines Schächtverbot ein. Abg. Dr. Wolfhard (Dem.) spricht gegen den nationalsozialistischen Antrag. Der sozialdemokratische Abgeordnete Kurz meint, die Schiichtfrage müsse vom Reichstage geklärt werden. Die Frage des Schlichtens sei schon vor 20 Jahren hier behandelt worden, als es noch keine Nationalsozialisten gab. Sic sei eben keine Parteiangelegenheit. Wenn sich die Nationalsozialisten mit dieser Frage beschäftigen, so be# herrsche sie nur ihr Haß gegen die Juden oder ihre Angst vor den Juden. Ein einzelner Landtag sollte sich überhaupt mit dieser Frage nicht beschäftigen. Wenn die National# Sozialisten von Humanität reden, so könne man ihnen nicht glauben, denn sie seien die unbedingtesten Anhänger des Krieges. Im Grunde sei jede Tötung unhuman. Wenn die orthodoxen Juden auf dem Schächten beständen, so wolle man sich nicht dagegen wenden. Nürnberg habe durch das Schächtverbot großen Schaden gehabt. Die Ffeercsverwaltung habe vor dem Kriege nur geschächtetes Fleisch für die Konserven verwendet, weil ausgeblutetes besser haltbar sei. Kontrolle durch Gendarmerie sei un# nötig. Der Fleischbeschauer sei Kontrolle genug. Die Sozialdemokraten lehnen den Antrag ab. Der Antrag des Ausschusses auf Ablehnung des nationalsozialistischen Antrags wurde schließlich ange# nommen, weil sich die große Mehrheit des Landtags auf den Standpunkt stellte, daß die Schächtfrage nur reichs* einheitlich gelöst werden könne. Kntnsti'oplmle Folgen der Ueberscliwemmung in Lettland. Durch die Ueberscliwemmung im Städtchen Krcslawska wurden etwa 200 jüdische Familien vollkommen zugrunde gerichtet. Die durch die Uebcrschvveminungskatastroplie betroffenen Familien haben all ilu־ Hab und Gut verloren und!sind zum Teil bei Freunden, zum Teil in öffentlichen Gebäuden, clie von den Ortsbehörden zu diesem Zweck requiriert wurden,, untengcbrucht. Das •lett ländische Rote Kreuz verabfolgt warane Mahlzeiten an die Bedürftigen. Die Hillsmaßnabmen ,sind jedocli ihn Hinblick darauf, daß ein Drittel ,aller Gebäude der Stadt unter Wasser steht, unzureichend. Typhus, Hunger und Obdachlosigkeit als Folge der Ueberschwemmungskatastrophe in Polen. Aus dem Ueberschwemmungsgebiet in Wilna und anderen Teilen Polens treffen Nachrichten ein, aus denen hervorgeht, daß die Bevölkerung in den betroffenen Ge# bieten, darunter viele Hunderte jüdische Familien, trotz der Minderung der Hochwassergefahr noch immer ohne Obdach und vielfach ohne jede Nahrung ist und daß in# folgedessen die Typhusepidemie immer weiter um sich greift. In der alten Synagoge von Drue, die eine künst# lerisch und kulturhistorisch sehr wertvolle, 486 Jahre alte Thoralade birgt, steht das Wasser vier Meter hoch. Nur mit äußerster Mühe und zum Teil unter Lebensgefahr konnte die jüdische Einwohnerschaft 170 Thorarollen retten. Dagegen aber wurden mehr als 3000 Talmud# folianten und andere religiöse Bücher von den Fluten fort# getragen. In Drue sind 800 Familien ohne jede Nahrung. 30 Personen sind infolge des Hungers an Typhus erkrankt. In Braslaw wurde für die Typhuskranken ein Not# spital errichtet. Die Kranken mußten aber infolge der steigenden Flut dreimal in höher gelegene Häuser über# siedelt werden. Das Spital beherbergt 50 Typhuskranke. Die Stadt Wilna liegt noch immer in Finsternis, da alle Versuche, das überschwemmte Elektrizitätswerk in Betrieb zu setzen, bis jetzt mißlungen sind. 30 Kandidatenlisten bei der Wahl in die Warschauer jüdische Gemeinde. Die Zersplitterung der Wählerschaft bei den Emde Mai stattfindenden Wahlen in den 50gliedrigen Rat der jüdischen Gemeinde hat ein bisher 110011 nie verzaiohnctes Ausmaß erreicht. Es liegen nicht weniger als 30 Kandidaten listen vor. E׳.s kandidieren die ״Assi in ilanton“ unter Führung von Rechtsanwalt Julian Cohn ,und dem!Mitglied der Jewisoh Agency Enclelmann, die ,linken Poale Zion unter Führung von Scrub rhu 1 und Lev, die rechten Poale ,Zion unter Führung von Ing. Reis ,und R:itow. Auf der zionistischen Liste kandidieren ,unter anderem die!Mitglieder der Et Libnoth Feldstein ,und Gottlieb, die Vertreter von Al Hamisolunar Ellenborg!und Seliipper und die Revisionisten Dr, Dralitscher ■und Dr. Ziegelmann. Weitere Listen wurden von der Agudah, den Demokraten, dem Misraohi, der Vereini- .gung der Wiahlfahrtsorgaiiisationen, der regier,ungsfreundlichen Gruppe, den Kozeuitzer Chassiclim, den Paale Agudah und einer Reihe von Splitter vereinen eingereicht. Die Konferenz der Bnoth Aguda geschlossen. Die Konferenz der Bnoth Agucla fand mit einem gemeinsamen Abendgottesclienst ihren Abschluß. Auf der Konferenz wurde eine Reihe von Resolutionen angenommen, in denen die Mitglieder der Bnoth Aguda zur Pflege des traditionellen jüdischen Kunstgewerbes (Sticken von Thoravorhäugen, Stirnbändern, Mazzothtuschen, Teffilinbeutcl ■usw.) luncl zur Benutzung־ der jiddischen Umgangssprache zumindest am Sabbat verpflichtet werden. Der Monat Siwan wurde als Monat der ״Jüdisohkeit“ proklamiert. Die Losung für diesen Monat lautet: Jüdische Gebräuche, jiddische Sprache, Loschen kaidesch (Heilige Sprache, nicht ״Hebräisch“) und Kampf gegen den Luxus. 999999999^

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