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Jüdische Presse · 1931-05-21 · 20 (21.5.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
20 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 20 Zentrum, von dem aus es Jahr für Jahr an jedem Offerebarungsfeste in wachen Sommernächten neue Impulse empfängt. Könnte nicht das Erwachen der anderen Völker auch 2u einem Wachen in solchem Sinne werden? Es wäre dann ein stilles Arbeiten an sich selbst, ein Hineinversenken in die eigene Seele, und da, wo diese Seele sich mit der allgemein menschlichen Seele berührt, würde sich dieses Hineinhorchen mit unserem, dem jahrtausendalten jüdischen Lauschen und Wachen, mit unserer Arbeit an der Vervollkommnung unseres Selbst und mit dem Hineinhorchen aller anderen Völker in ihre Seelen vereinen. Solchem Wachen würden!ganz andere, ungeahnte Offenbarungen entspringen und ein wirklich heiliger Geist sich ergießen über alle, die willens sind, den schwersten Kampf, den gegen das Böse in der eigenen Brust und gegen das Geschrei der Gasse, anfzunc.hmen. M. Die verzehrende Galuthflamme. Moscheh führte das Volk hinaus aus dem Lager und sie stellten sich am Fuße des Berges auf (Exod. 19, 17). Hiezu bemerken unsere Weisen (Schabot 88 a): Mlamed schkafah ha Kadosch baruch Hu äleliem et ha Har k’Gigit, w’amar lahem, im mkablim atem et ha Tor ab, rnutaw, weim law, scliom the Kwuratchem. (Der Ewige hat über Israel den Berg wie einen Kübel gestülpt und zu ihnen .gesprochen: Wenn ihr die Thora empfanget, ist es gut; wenn aber nicht, dann ist dort euer Grab!) Darauf fragt Tossafot sehr riditig, aus welchem Grunde auf Israel überhaupt ein Druck ausgeübt wurde. Halben sie doch bereits früher ״Naassoh wnischma“ ausgerufen, somit ihre Bereitwilligkeit, die Lehre in Empfang zu nehmen, bekundet. Die Anwendung von Zwangsmitteln wäre nur dann am Platze, wenn Israel die Annahme der Thora verweigert hätte! Wozu die Drohung einem Volke gegenüber, das hochsdilagenden Herzens, an Jubel und Freude dem Sinai-Ereignis entgegensah? יי ty'HÄ Ganz erstaunlich ist der Teruz, welchen Tossafot hierauf erteilt. Dieser lautet: Schema ihju ksch’iru Esch ha1gdoIa.il. Vielleicht werden sie ihr gegebenes Wort beim Sichtbarwerden des großen Feuers zurückzielieii. Wohl haben sich die Israeliten den Gesetzen der Thora sdion früher unterworfen. Doch mußte mit dieser Drohung vorgegangen werden, da sonst die Gefahr bestand, daß sie!ihr ״Naasseh wnischma“ widerrufen. Der Anblick des Esch hagdolah könnte eine beunruhigende Wirkung bei ihnen liervorrufen, könnte sie umstimmen, zum Ungehorsam verleiten. Wahrlich, diese Beantwortung ist eine höchst seitsame, unverständliche. Denn eher kann ja angenommen werden, daß angesichts eines sinnlich wahrnehmbaren Wunders Israels Glaube eine Steigerung, Israels Ergebenheit und Liebe zu Gott und seiner Lehre eine Intensivierung erfahren hätten. Im Zeichen des 1' euer- Wunders, das sich in der Offenbarungsstunde vollzogen hatte, konnte Israel in seiner Emiinah nur befestigt, bestärkt werden! In folgender Weise möchte! ich diese schwierige Tossafot-Stelle zu erklären versuchen:^Nach einem Ausspruch xles Midrasch war das am Sinai auflodernde Feuer eine Ankündigung der Galuth. Mit diesem Feuer wurde ihnen anged'autet, daß einst Israel zum Watulerstab wird greifen müssen, von Land zu Land gejagt werden wird. Diese Flamme war ein Symbol der Scheiterhäufen, Martern, Qualen und Foltern, welche ihnen die Neider, Hasser und Unterdrücker in der Verbannung bereiten werden. Demnach ist unser Tossafot klar. Wenn das Esch hagdolah ein Feuerzeichen bevorstehender Heimatlosig־- keit bedeutete* bestand die wolilbegründete Befürchtung: Schema ihjiu chosrin! Israel könnte unter dem Eindruck dieser Vorauskündigung sein Naassäh wnischma widerrufen, da die Vorschriften der Thora nur auf heäniatliebem Boden eingehalten werden können. Israel könnte behaupten: Im eigenen Lande •kann das Leben nach den Gesetzen der Thora zugeschniitten werden. In Erez Israel kann das Leben mit den Satzungen der Heiligen Schrift in Einklang gebracht werden. In der Diaspora aber, in fremden Ländern, in einer gehässigen Umgebung werden unsere Kinder nicht imstande sein, den Verpflichtungen der Thora nachlzukonimen. Im Galut sein und der Thora Treue bewahren? Von aller Welt gehetzt, getreten, verachtet uncl verhöhnt werden uncl cla'bei an die Erfüllung so vieler Pflichten g־ebunden sein?! Nein! Unter solchen Umständen dürfen wir unseren Kindern, den Kindern der Diaspora, eine alles Tun und Lassen normierende Thora nicht aufbürden.!So könnte Israel beim Anblick des auf Galuth hinweisenden Feuers sprechen. Um dem vorzubeugen, erscholl die warnende m₪₪m₪₪₪₪₪₪M₪₪₪₪₪₪₪₪Bmh■■■ Ferienbrief Liebe Edit'j לאיט Du fragst mich in Deinem letzten Briefe an, ob wir dieses Jahr unsere Sommerferien gemeinsam ver־. bringen wollen, und bittest mich um geeignete Vor# schlage. Nun habe ich Dir diesesmal etwas ganz Besonderes mitzuteilen und hoffe, daß Du von meinem Ferienplan genau so entzückt sein wirst, wie ich es heute schon bin. Also höre: Vor einigen Wochen las mein lieber Vater לאיט aus der ״Jüdischen Presse“ einen At־־ tikel vor, in dem in kurzen Zügen einiges vom Leben der Wiener Beth#Jakob#Lehrerinnenkurse erzählt wurde, und am Schluß wurde darauf aufmerksam gemacht, daß im Sommer in der Slowakei Ferienkurse veran־ staltet werden würden, an denen sich alle die M ä d# chen beteiligen könnten, die Lust haben, sich einmal einige Wochen lang mit der jüdischen Lehre zu beschäftigen. Nun weißt Du wohl, wie es immer der Wunsch meiner lb. Eltern war, auch uns Töchtern etwas mehr jüdisches Wissen beizubringen, denn sie empfanden es doch recht be־ trübend, daß wir Mädchen gar so wenig jüdisches Wissen haben, und ich muß ehrlich gestehen, daß ich bisher recht wenig Interesse dafür zeigte. Wohl gab uns' die lb. Mutter שכת] nachmittags eine צאינה וראינה zu lesen» aber wie ermüdend war mir das langsame Buchstabieren eines mir doch recht unverständlichen Textes. Doch ich will nicht vom Thema abweichen. Wie gesagt, beim Lesen der ״Jüdischen Presse“ sagten die lb. Eltern so# fort: ״Zu so einem Sommerkurs wollen wir Dich auch schicken!“ Und als nun vor kurzem die Notiz erschien, die Kurse fänden vom 6, Juli bis Ende August in Sobor bei Nitra statt, da meldete ich mich sofort an und bat ן Lebensversicherungs-Gesellschaft ן Lebensversicherungs-Gesellschaft H Gegründet 1882 Gegründet 1882 §§ | fenithernagshestani! Ende isni 1930 2450 Millionen Schilling ן ן fiarantiemittel Ende 1929.... 100 Millionen Schilling 1 1 Prämien- und Zinseneinnahmen ■ ן im Jahre 1929 . .... . 1257!! Millionen Schilling ן | Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: | H Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowak'sche 1 H Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, §j Ü Italien, Ungarn, Polen,Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- §j Ü land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten || 1וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו1וווווווו1ווווווווווווווווווווו11ווווווווו1ווווווווו1ו1ווווו!ו1ווווווווווו1וו(11 1Gottesstimme: Im mkablim ateni et ha Thora mutaw (ln eurem Interesse ,ist cs gelegen, die Thora anzunehmen). Wollet ihr euren Fortbestand tin der Diaspora sichern, dann nehmet die Thora in Empfang. Wollet :ihr trotz jahrtausendelanger Zerstreuung als Volk auf fremdem Boden fortexistieren, dann unterordnet euch der Thora! Sie wird die erhaltende Kraft, das einigende Band sein, das euch aneinanderkitten wird. Die Thora wird dich mit Mut und Seelcnstärke wappnen, die Thora wird dir Schutz und Hilfe gewähren.;Mit der Thora in der Hand ,bist du immun. Die Thora bewahrt euch vor Assimilation, vor dem nationalen Untergang. Wey im law, nehmet ihr die Thora nicht an, s c׳h o m the!Kwuratehern, dann schaufelt!ihr euch do-rt, in der!Gallith, ein Grab. Ziehet ähr als thoraloses Volk in die Fremde, so werdet ihr das Schicksal aller jener Völker teilen, die, kaum heimatlos ׳geworden, zermürbt werden und vom Erdboden verschwinden. Seil adiat ben sehiwim Zeewim, ein Lämmlein unter siebzig Wölfen ist Israel unter den: Nationen. Und hätte es die Thora nicht, es wäre schon längst ein Raub der verzehrenden ׳Galut.h-Flam.men. Israel stellt und fällt mit seiner Thora. Auch ׳in unserer Zeit gibt es zärtliche Väter, die, um die Zukunft ihrer Kinder besorgt, sie besonders den Anstrengungen des Limucl ha Thora nicht «ussetzen zu dürfen glauben. Wohl lassen sie ihre Kinder Sport treiben, kaufmännisch ausbilden, möglichst viel profanes Wissen sich aneignen, Plng-Pong spielen, Marken sammein und ähnlichen abstrakten 'Kiniderbescliäftigungen nachgehen. Leben wir doch im Zeitalter des Kindes. Aber eines vergessen sie: daß es auch eine Thora gibt. An dem spärlichen Interesse, •das ihr entgegengeb rächt wird, können wir erkennen, wieviele jüdische Eltern vom Galut-Feuer geblendet werden. Ein Feuer des Materialismus gellt durch die Welt. Jeder ist bestrebt, einen Platz an cler Sonne zu erhaschen. Und‘׳ ־da sollen wir unsere Kinder einem Studium znfiiliren, das keinen praktischen Zweck bat? In der Galuth wirtschaftlicher Not sein und die Kinder 1.in eine Talmud-Thora schicken?! Das darf man einem praktisch denkenden Vater mit gesundem Menschenverstand nicht zumuten. Aber wenn wir in cler jüdischen Geschichte blättern, werden wir finden, daß jüdische Väter unter noch schwierigeren Verhältnissen ihre Kinder cler Gotteslehre geweiht haben. Dort sehen wir jüdische Väter ihr ganzes Sein, ,ihr Leben opfern, um ihre Kinder dem Judentum zu erhalten. Dort sehen wir, wie oft zarte jüdische Mutterhände ihre Kinder dem Tode al Kidusch 11a Sehern überantworteten, um sie vor der Entjudung zu bewahren. Und selbst in unserer Zeit können wir ähnliches beobachten. In Sowjetrußland ist ein neuer Typus jiidischer Keloschim erstanden. Lebende Kcloscliiin, Märtyrer bei lebendigem Leibe. Der russische Jude versteckt sich mit seinem Kinde in einem Keller, um dort mit ׳ihm Thora zu lernen. Auf ebendieselbe Weise überliefert die russische Jüdin ihren Töchtern jüdische Moral, jüdische Ethik, die Mizwot ha Schern. Von Feinden umlauert, mit Einsatz ihres Lebens übermitteln sie ihren Kindern das von ihren Vorfahren übernommene kostbare Gut. Wir aber, die wir als freie Bürger in einem freien Staate leben, haben den Willen nicht, unser Kind in ein jüdisches Beth ha Sefer zu schicken! Koh tomar PBeth Jaafcow wtaged. TBnei Israel. (Also sprich zum Hause Jakow und verkünde den Söhnen Israels.) Die Mchilta bemerkt: L’Beth Jakow elu ha Nasch im, das sind die Frauen. Lamah L’Naschim tdiilah? fragt der Mklrasdi. Weshalb galt der erste Ruf des Ewigen am Sinai dem Weibe? Kdei schihu manhigot et Buchen ׳!Thora. Damit sie ihre Kinder in die jüdische I_,ehre einführen. Der erste Befehl war an die Frau gerichtet, weil ihr Einfluß auf die Psyche des Kindes ein ungeheurer ist. Das, was sie ihm einimpft, hat bleibenden Wert. Während der Vater seinem Erwerb nadigehen muß lind infolgedessen mit dem Kinder weniger in Berührung kommt, hat die Mutter öfter Gelegenheit, sidi mit der Erziehung des Kindes abzugeben, seine Seele zu ׳formen. Ihr obliegt daher die Pflicht, dem Kinde jüdische Her z e ns bi klung ibeizubringen. Sie ist es, welche dem Kind die ersten praktischen Anleitungen erteilt, von ihr geht das Naasseh aus; sie soll auch das Kind dem Nisdima, dem jüdisdien Unterridit zuführen.. Rabbiner Ahron Jerudiem. Das jüdische Volk. Das Schebuothfest, cler Tag der הבלח התירה ist für die heilige G-ttesidee wie für die jüdische Nationalität von besonderer Bedeutung. Die Gelehrtenwelt hat sich schon viel mit cler Frage beschäftigt, was cs dem jüdischen Volke ermägliohte, sich ,zweitausend Jahre lang ohne Land und Sprache in der Diaspora zu erhalten, ohne sein Volkstum einzubiißen, da die Weltgeschichte in der Regel zeigt, daß jedes Volk mit dem Verluste seines Landes zu existieren aufliört. Dieses Problem wird geklärt, wenn wir den Unterschied zwischen dem jüdischen Volke uncl den anderen Völkern kennen. Diesen Unterschied zeigt uns auch deshalb die Thora, und zwar schon bei dem Beginn der Weltgeschichte. In פרשת נח finden wir eine Erzählung. ״ ויהי כל הארץ שפה אחתEs war auf der ganzen Wett nur eine Sprache lind die Menschen besetzten das Land Schinor. Da ließ sich der Ewige herab, um die Stadt und den Turm, welche sich die Menschenkinder gebaut hatten, zu sehen. Uncl da sprach der Ewige: ״Das ist ein Volk und eine Sprache haben sic alle. Wir wollen uns herablassen, und ihre Sprache dort verwirren, so daß einer die Sprache des anderen nicht verstehe.“ Der Ewige wollte, daß nicht alle Menschen auf einem Platze versammelt seien uncl die übrige Welt menschenleer bleibe, sondern daß die ganze Welt bewohnt sei. לא תהי בראה לשבת צרה. Nun, da einer clic Sprache des anderen nicht verstand, mußten sie sich voneinander trennen und jeder mußte sich ein anderes Land aufsuchen.“ Durch diese Geschichte lehrt uns die Tliora, daß die Ursache der Völkerbilclung in cler Sprache liegt. Dadurch, daß der Erzvater eines Volkes eine andere Sprache als seine Mitmenschen bekam, war er zum Aufsuchen eines anderen, besonderen Landes gezwungen und seine Nachkommen bildeten dann in diesem Lande und mit dieser Sprache ein besonderes Volk. Auf diese Weise ist es erklärlich, wieso es zur Einteilung in Völker kam, da doch zwischen Mensch und Mensch, zwischen Nation und Nation sonst kein Unterschied besteht. So ersehen wir nun aus der Geschichte vom דור הפלגה. daß die Basis cler einheitlichen Nation bei den anderen Völkern nur ihr eigenes Land und ihre besondere Sprache ist. Wenn sie diese Basis ihres Volkstums verlieren, löst sich auch ihr Volk durch Annahme anderer Sprache uncl anderer Kultur in den anderen Völkern auf. Hier nun zeigt uns die Thora den Unterschied בין ישראל לעמים• Denn nach dieser Geschichte heißt es gleich darauf ויאמר ה׳ אל אברהם לך לך. Bei dem Erzvater der Juden zeigt uns die Thora, daß er nicht wegen einer neuen Sprache seinen Vater verließ, sondern wegen ויאמר הי wegen der heiligen G-ttesidee. Seine Religion schrieb es ihm vor. Die. Erfüllung seines monotheistischen Gedankens erforderte die Absonderung von den heidnischen Verwandten. Die ewig einzige G-ttesstimme rief ihm zu: ״Sondere dich ab von diesen Götzencliener1^j־]:p1:^^'W ואעשה D,u mußt wegen deiner Religion selbst zum Volke werden, wegenוואמר ה.“ Nun kann es nicht wundernelimen, warum wir auch ohne Land existieren, denn unser Land ist die Religion. Diese ist die Schöpferin des jüdischen Volkstums. Auf ihr beruht die jüdische Nationalität י^ום נהיית לע□. Heute, mit der Uebernahme cler Thora, hast du die nationale Gleichberechtigung, einen nationalen Wert erlangt. Nathan Thumim. Ein Nachschlagewerk braucht jeder moderne Mensch - Verlangen Sie unverbindlich Prospekte In einer Buchhandlung F. A, Brockhaus, Leipzig C1, Querstr.16 um genaue Auskunft. Du wirst mm schon erraten haben, daß ich mich sehr freuen würde, wenn auch Du an dem Kurs Jeilnehmen würdest, uncl da ich ziemlich genau orientiert bin, will ich Dir nun alles ausführlich berichten. In dem schön gelegenen Sobor bei Nitra hat die BeUis Jakob#Organisation eine schöne Villa gemietet, wo wir die Ferienmonate verleben werden. Wie sehr hatte ich mir immer gewünscht, einmal mit vielen jungen Mädchen zusammen wohnen zu können, und nun wird mir dieser Wunsch erfüllt werden! Das Haus ist von einem schönen Garten umgeben, wo wir bei gutem Wetter Unterricht haben werden — wie ich h ö r e, s o 11 täglich 3 bis 4 Stunden gelernt werden —׳, die übrige Zeit vergeht meist bei gemeinsamer Unterhaltung, Lek# t ii r e, Spiel, Ausflügen usw. Unsere Mahlzeiten werden wir auf der schönen Veranda einnehmen. Du siehst also aus meiner Schilderung, daß es ein idealer Sommeraufenthalt werden wird. Ich habe mir auch von der B.#J.#Verwaltung ein Verzeichnis der mitzubringen# den Sachen schicken lassen, da steht z. B. 11. a.: ״Nicht zu viele Kleider mitbringen!“ Meiner lb. Mutter hat das sehr gut gefallen. Sie hat mir erklärt, daß das bedeuten soll, daß dieser Ferienaufenthalt im Betl1־Jakob־Hein1 nicht dazu dienen soll, mit unseren neuen Sommermoden zu stolzieren, sondern diese Notiz soll zeigen: Ihr kommt zu uns, zu einer frohen jüdischen Gemeinschaft. Ihr werdet bei uns lernen, daß es für ein jüdisches Mäd# chen höhere Ziele gibt als Luxus und Putz! Ich muß sagen, daß ich auf diese Ferien schon sehr neugierig bin und schon anfange, die Wochen bis zu den Ferien zu zählen. Wenn Du Lust bekommen hast, mitzu־ kommen, so melde Dich gleich: Wien, II., Leopoldsgasse 2 6, Beth#Jakob־Zenirale. Mit herzl. Gruß! Deine Margit.

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