Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1931-05-21 · 20 (21.5.1931) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
20 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2630389-2630408--3910-2635987
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Novinov6 vtfpIatnS povolenö riadit post a telegrafov v Bratislava 51s, 4157220*111־. mm Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expödie par l’dditetlt. V. b. b. JÜDISCHE PRESSE OHMN nm MC INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, II., Leopolds« gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A94־0־49־. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Aboontmentsprtlic ו Oinzjlhrig! Für Oeiterrelcb S 16 Yacbtcboilowikcl tichecb. K. 80, Einzelnummer Ost. Or. 50, dti Übrige Asiland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien für Oesterreich t Postsparkaslenkonto Nr. D-93614; Deutschland t Post* Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien] Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen» Postspk.-Amt Warschau Nr. 100409; Ungarnt Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Post* scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei t ״JÜdische Presse*, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 20 Wien-Bratislava, 21. Hai 1931 .ב*ה וינא־סרעסבומ ה, סירץ תיצ׳א 17. Jahrg• Wir wünschen unseren Lesern und Freunden שמחת יו״ט!מתן תורה An dem Tuge, da die Welt durch Js1־oel die Offen- ׳bannig!des einen, einzigen G-ttes.erhielt, wurde auch der Menschheit vor tu usenden j a h r e n eine soziale Gesetzgebung zuteil, wie sie auch heute noch die fortgeschrittensten Völker der Erde in dieser Vollkommenheit nicht ,besitzen. Die absolute wöchentliche Sabbatruhe für Mensch und Tier, wie ,sie im Dekalog ungeordnet ist, kennt nur das Judentum und die gläubige Judenhe.it. Und dieser Religion und diesem Volke wollen die patentierten Tierfreunde Tierquälerei vorwerfen! Würden die . Herren jüdischer Konfession im Vorstand des Wiener Tierschutzvereines, die nach Zeitungsuachrichten gegen das Schächten auftreten, sich die Mühe nehmen, nur die sozialen Gesetze Moses’ in puncto Arbeiterschutz, Armenrecht, Schul Igesetzgebung־ und Tierschlitz kennenzulernen, so müßten sie sich schämen und sich den Gutachten nahezu aller großen, Physiologen anschließen, die erklären, daß betäubungsloses Schächten keine Tierquälerei ist, wohl aber der Kampf gegen du ssclbe eine schwere Qu ä l e r e i v o n M i 1- I i 0 n e n M e n sehe n involviert. Wir, die wir die Thora kennen, sind glücklich, im Besitze eines geistigen und י ethischen Schatzes zu sein, der alle Kultur überragt, und. so muß uns das Wochenfest, das ■Fest der Tili6ragebuhg, ein ernster Ansporn sein, diesen Schatz zu behüten und zu bewahren und unseren Nachfahren unverfälscht zu vererben. Um dies zu erreichen, müssen wir für die Erhaltung der Thoralehrstätten möglichst große Opfer bringen, damit am Tage der Erlösung aiuf der ganzen Welt der G-tt, den Jisroel bekennt, einzig und sein Name einzig sei. Wenn wir in diesem Geiste das Schewuausfest feiern, werden wir beglückende Festtage haben und G-ttes reichster Segen wird uns in die Lage versetzen, seine Gebote ohne Sorgen und im vollsten Sinne zu erfüllen, und unserer!he.l1 reu •Mission, •als C-ttes •und der Menschheit Diener voll und ganz zu leben. W. P. Zum Tage unserer Gesetzgebung. Die erste Etappe unserer völkischen Entwicklung kennzeichnet Pessuch, das Fest der Befreiung, die g-ttgewollte. Revolution eines Sklavenvolkes, das, aller Gefahren spottend, die Ketten und Fesseln sprengt, nur ein Ziel vor ,Augen, nur einen Gedanken im Herzen, nur ein Sehnen in der Seele: Freiheit! Und welches Motiv der Freiheit wird in dem Siegeslied besungen, das Führer und Volk in vollkommener Eintracht gemeiiisam anstimmen: ״Mein Klang und Gesang ist G-tt! Er ist mein Helfer, das ist mein Herr. Den will ich erlieben, meines Vaters G-tthcit rühmend erhöhen . Der Ewige wird herrschen immerdar!“ Auch in anderen unterdrückten Nationen lebte dieser Freiheitsdrang, doch der Umsturz und Umschwung־ war auch das Zeichen zum Abstreifen des religiösen Joches; und der Sturm der Freiheit machte nicht halt vor den Hütern dos Glaubens, oft nicht einmal vor dem Glauben selbst. Die zweite Etappe, die unser Volk zum G-ttesvolle erhebt, die geschenkte Freiheit adelt, verewigt das Wochenfest als die Zeit der Gesetzgebung. Israel war berufen, als Verlebendigung׳ dieser G-ttesgesetze diesen Nationalbesitz durch Länder, ATlker und Zeiten zu tragen, um dieses Panier zum Gemeingut der ganzen Menschheit zu erheben. Wie anders würde Mch diese entwickelt haben, welch anderes Gepräge würde das Weltbild aufweisen, wenn dieses G-ttesgeschenk weiser Gesetzgebung von allen Völkern er- *sssosasj שבועות ־־ תרצ״א kanut und angenommen worden wäre! Wie oft im Wandel der Zeit hat man diese Gesetze, selbst im eigenen Lager, für veraltet und unzeitgemäß verschrien und verworfen. Die einen fanden die Bibel zu kapitalistisch, die anderen zu hart und unhaltbar für den Unterneluümungsgeist, den Sabbat gut genug für Faulenzer und Müßiggänger, die Speisegesetze überholt durch die neuzeitliche Hygiene: und die moderne Wirtschaft und der Daseinskampf schoben alle scheinbaren Hemmungen beiseite, um die neuen Theorien in der Praxis umzuwerten. — Und siehe da, plötzlich, im Jammertal einer trostlosen Gegenwart, erfüllt von maßlosem Materialismus, will die moderne Gesetzgebung humaner und sozialer sein als das ig-ttiiche Gesetz! Der Sabbat, die Perle der Schöpfung־, wurde entehrt und geschändet. Die höchste soziale Wohltat in ethischer und sittlicher Hinsicht, dieser Ruhetag der Arbeit und der Arbeitstag der Durch geistigung, schien abgetan, und an seine Stelle trat — kein Tag des Herrn —, sondern eine aufgedriingene und aufgezwungene, gesetzliche eintägige Arbeitsuuteybrechung־. Den Sabbät zu heiligen, welch unzeitgemäßes Ansinnen, doch die Fünftagewoche ist plötzlieh die scheinbar einzige Lösung, um Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen zu bannen. Mord lind Totschlag sind Alltagsereignisse. Schon auf den ersten Blättern unserer heiligen Schrift steht es klar und deutlich: ״Wer unschuldiges Blut vergießt, dessen Seele soll ausgerottet werden aus der menschliehen Gemeinschaft.“ Doch auch in dem ehernen Ce-!setz der Todesstrafe, wieviele mildernde Umstände für die Ausführung und Durchführung! Nicht auf Grund von Indizien kann das Todesurteil gefällt werden, der Täter muß vorher gewarnt worden sein, zwei Augenzeugen sind zur ׳Verurteilung erforderlich, um einen Justizirrtum auszuschlicßen. Aber das Grundprinzip, 'das dem Genius der Menschheit Rechnung trägt, unschuldiges Blut zu sühnen, blieb• aufrecht. — Unsere Zeit, der so wenig Züge wahrer Humanität eigen sind, fühlt sich berufen, die Todesstrafe abzuschaffen, ohne merken zu wollen, daß Richter in unserer Zeit, und gar erst Volksrichter, nicht einmal noch reif sind, ohne Ansehung der Person, nicht das Urteil, sondern das Vorurteil zu verkünden. Und dieses ,Mitleid, das so selten erwacht und noch seltener in Erscheinung tritt, wird jetzt für'die ' Tierwelt'geweckt und orgnnisiert. In einer Zeit, in der Hetzjagd und Pferderennen zu den Lieblingssportfreuden einer Gesellschaft, die man gute nennt, gehören, wagt man es, erfolgreich für das Schlachtverbot eiuzutreten und es parlamentarisch durchzusctzen, ohne zu bedenken, daß die rituellen Vorschriften auf dem tiefsten Grund wirklicher Ilumanität basieren! All diesem vergeblichen Suchen und Versuchen einer entg-tterten Welt nach Lösung und Erlösung gilt die biblische Mahnung: ״Nehmet nichts weg־ davon und füget nichts hinzu!“ Das wollen wir auch den modernen Gesetzgebern empfehlen. ״Unser Gesetz lasset stehen!“. Wir aber wollen in dietsen Schewuaus-Tagen es als beseligende Erkenntnis erfassen und bewahren, unser Gesetz ist der Weg zur Freiheit, unsere Freiheit der Weg zum Gesetz. O. N. Verbreiten Sie in Ihrem Bekanntenkreis die ״Jüdische Presse“ Schlafen und Wachen. Wieder einmal schickt sich Israel an. das lest zu feiern, das dem Empfange der Thora geweiht ist; Wieder werden die Synagogen festlich durch .Laubgewinde geschmückt, und wieder werden Männer und Jünglinge die ganze Nacht in den .Lehrhäusern weilen, um zur Vorbereitung auf das Erlebnis der Offenbarung eine gedrängte Auswahl aus Bibel und •Talmud zu. lesen. Dann steigen wieder vertraute Worte aus dem Dunkel der Nacht empor zu den Sternen und schließlieh vermählt sich, nachdem die Worte des Rabbi Pinchas ben Jair von der Reinheit, die zur Enthaltsamkeit, von dieser zur Unschuld, Heiligkeit, und Demut und endlich zur Beseeltheit •mit heiligem Geiste verklungen!sind, die Mystik des Sohar ■mit der heiligen Stille einer leise bewegten Nachtluft. Israel ist wach •und wachen Sinnes empfängt es alljährlich, alltäglich seine Berufung. ln ernster Sammlung bereitet es Geist und Herz für seine hohen Aufgaben vor und darum kann sich auch •dieses, das geistige und religiöse ■Israel, in Fragen des Alltags und der Politik des Alltags eine glückliche Unnahbarkeit, eine!splendid!i!sol<atio11. •gestalten. Ganz anders als gewisse Politiker, die nur durch Abstammung mit dem Judentum verbunden sind, steht es allen modernen Irrungen und . Wirren .־.neutral gegenüber.. Wenn also jüdische Kommunisten neuerdings glauben machen wollen, die. von religiösen Juden unter schweren Opfern für die wegen ihrer religiösen Gesinnung zu Deklassierten!gestempelten Juden Rußlands durchgeführte Mazzothaktion stehe in Zusammenhang mit den antisowjetistischen gegen revolutionären Maßnahmen, die von anderen Seiten kommen, so kann uns auch dies kalt lassen. Es ist, wie die ״Jüdische Rundschau“ ganz richtig dazu bemerkt, zumindest grobe Fahrlässigkeit, ■wenn nicht bewußte Fälschung, diese Mazzothaktion als antisowjetistische Maßnahme zu bezeichnen, da die meisten jüdischen Parteien und ganz besonders die religiösen Juden weder für noch gegen die sowjetistische Ordnung־ sind und nur von menschliehen Gefühlen geleitet sind, wenn sie ihren bedrängten Brüdern Liebesgaben senden. Israel 'begeht und empfängt seine Festtage ganz anders als alle anderen Völker und ihm leuchten denn auch weder die Sterne einer kapitalistischen noch die einer kommunistischen Wehrmacht, sondern •die echten Zeugen himmlischer Unendlichkeit und Größe. Israel stellt eine inkommensurable Größe dar und nichts Ehrenderes kann es von sich sagen, als daß es auch im Unglück stets •wachgeblieben. Je tiefer die Nacht, um so heller leuchtete Israels 'Studierlampe und mit dem Hohenliede konnte es stets sagen: ״Wenn ich mich, zu schlafen scheine, ist mein Herz, mein forschender Geist •stets wach.“ Und wohl kein anderes Volk-kann solcher Gewißheit sich erfreuen, wie die es ist, die sich in dem Psalmwort aiisdrückt: ״Es schläft nicht und schluinmert nicht der Hüter Israels!“ In dieser ruhigen Gewißheit können das bewußte Judentum auch jene Haßlieder nicht erschüttern, die täglich, stündlich Deutschlands Erwachen fordern. Da muß ja doch einmal gefragt werden, ob denn Deutschland wirklich schläft. Ist es nicht vielmehr eine Beleidigung־, die dem Genius eines großen Volkes zugefügt wird, wenn man ihm zumutet, daß es schlafe.. Allerdings hat Deutschland in den Jahrhunderten seiner nationalen Zersplitterung׳ sein Schicksal immer in dem schlafenden Kaiser im Kyffhäuser verkörpert gefunden. Dann aber •war nach dem endlichen Erfolg seiner Einigunigsbestrebungen der stolzeste Zeuge seines Erstarkens das Lied von der W acht am Rhein geworden. Da aber diese Wacht eben doch mehr auf Bajonette gestützt, als ein Wachsein im geistigen, im ethischen, im religiösen Sinne war, befindet sich Deutschland jetzt leider wieder in einem Zustande, der es begreiflich macht, wenn von vielen sein Erwachen gewünscht wird. Israel hat am Sinai sein Kraft- und Energie- Modernste ׳BreutoerliCilcen der weltbekannten Perückenwerkstätte OTHMAR SCHIFF Wien I, Kärntnerring 6 II «41 •3*62 esssm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.