Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 17 (1.5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE EHESSE Seite 2 Nr. 17 äMB. Fetn^Butter 1 AufBrotgestrlchert v o r z üg1 i chl BtM'.nihaa'd ■ffcvfbauev und Ko mm.-Rat!Max Markus o.inen warmen ■Nachruf, der ist ehe mt an gehört wurde. Hierauf!folgt ■das 1gvoßa׳ngc!lc׳״to!Referat des ■Generalsekretärs iRailibiner Dr. Joel!PoAlak, der in klarer, anschauilichev Weise das große Tätigkeitsgebiet des Vereins beleuchtet. Oie für ■dieses Jahr geplante Achtzigijahrfeier der Schule!kannte Infolge ■der Amme.r!schärfer werdenden Wirtschaftskrise nicht abgehalteu werden. Arle Kräfte ׳und ■die 1fi.mt.nzi edlen .Mittel des Vorstande:s .reichten kaum 11111׳.!um den iScihm!betrieb (notdürftig aufrcclvtzu- ■erhalten. Trotz!der Wlr-tschaftakni®e iwid' obwohl die lLdhrovso!m׳ft ihre (kärglichen Bezüge :nicht!paukflieh und nicht auf einmal ausgezahlt erhält, waren die pädalogischen .Leistungen nach Feststellungen derSchu.laufsi chtsbehö,rde Aimner :zufriedenstellend.!Die Hauptscihnde erhielt neuerlich das QefTentlieh,kc.its,recht •für weitere :fünf Jahre. iFi.n Teil der jüngeren iLehrer wurde!mit Stipendien der iKultusgemeinde. des Keren Hathora aind ,einzelner Schul freunde versehen, ׳um an der ■im orthodoxen Geilste geleiteten Würzburger Leb re, rbi׳ld1U1n!gsa:nstalt ihre LtdiiribeFäili.ignng ,zu erlangen. Sie ibewnh.ren sieh aa1.s1gezeicl1.net an!unserer Schilde. .Dev Vorstand wird auCli künftighin grollen Wert darauf legen, an der Sehnde!pädagogisch gut durchgeihildetc, itmit religiöisen iKenntulssen ansgestattete .Lehrer zu bcßdliäf'tiigen. Ansfiiiihirlich!beschäftig•! ״sich der Referent mit ■dem Uebereinkommen der Wiener Talmud-Thora mit dem Dr.-Kriigcr-Heim. Oie giroßizügige (Ziusamiinciia.riboit diesen■ •zwei großen. sowohl räumlich wie geslunungisinäßig benachbarten jüclisöhen Sdliulvereine ist geradezu :mustergültig. Das Dr.־ Kr ü g e r-H e i m stellt der Tatmud-Thora Räumlichkeiten zur Unterbringung!ihrer Mädchenschule zur Verfügung; die Talmud-Thora bietet demDr.-Kriiger-Heim nicht nur ein finanizielles;Aequivailent,!solidem auch wert׳volle pädagogische Mitarbeit,!so daß aus dein D1־.-!K1־ügerilleiim :in (kürzester ,Zeit eine Zentralstelle für jüdische MÜdchcnerziehung und -fortbA klung־ geworden ist. Nebst ■der!Mädchen-Volks- und .Ifaiiptsdhule befinden, sich im 011.׳Krüg.c11-־Me,im (eine!F 1־aiuengcw־ar1be1sobu׳l׳c, eine auoderino Sprachschule,!Koch- und iHa!u&:ha!ltu:ngsJk 11.160־ iimiid ,ein Be׳t!h-Ja,k!cd)-Lehr.eri1n,nen-Bi1ld׳un1gis!k,11r!3, der siich besonders aus den Nachfolgestaaten einer regen Be- ■tpiliiigu.ng erfreut, illerr Or. Polla.k!beklagt sich;in bc- 1w!c1gten Werfen über die Lieblos i1g!k׳elit, die or bei der lEinrioli'tuug dieser neuen Klassenzimmer empfinden mußte; er ■bedajiiert es aufs tiefste,!daß ■gerade da ■der bekannte Opfeinsinu 1u.md das sipriiohwörtlidhc!guite Herz der Wiener Juideii ■und Jüdinnen versagt haben. Alle lEiinrioli'tiiing.sgegenstäude der neuen Se.hu lzi׳mmcr, die!fast in allen jüdischen!Gemeinden aus!Spenden :und Widmungen zustande kommen, •mußten' hier seitens der Verwaltung -551111• Verfügung!gestellt weiden.. Dann bcsdl1'älftigt. siiqli 1dqi: iRetEerent. niit,,den,.-soziaJen.,! P!־ob 1 omc 1 ן der!Schule. Dank der Widmung ■der .Familie lÄiltimauu ikiönmen a/11 der Karoliue-1Altnm11׳n-!Scih1ülemuss(peisu.ng fmcilir als SO Kinder venküstigt ■wcaden. Mi loh-, Bcikleidunngs- und iFerienalktionen des iFliernveroiius ergüiizen diictse sozialhygAeuiiscli 60 bedeuts!amee Tätigkeit d׳e!s iSdiiulivereins. Einen breiten iRauim des Referats nuiunmt das Gespenst des A.bbains ein. 111;Lehrer- und V0.rs!ta;nds!k01׳nl'e11־en,zen tauchte off .111 der Jüngsten Zeit die iFirage auf, ab ,nicht ■ein jpAanmüßigei־ ,Afhbau einzelner Schultypen — man denkt im diesem Zusainmenhaing an den ,Abbau der Knaihcn-lHaiiiptsehiile, ■welche die ■meisten Zuschüsse erfordert — die prekäre iinanzAelle Situation des Vereins sanieren könnte, in flammenden Werfen! zog der Referent!gegen (diese ildee zu!Felde. Man hat in zohiiijäihrigei•!harter Arbeit ■der religLösen Wüstenei der Großstadt ,eine Oase für die religiöse Erziehung der Jugend' abgeinlegen.!Die!Auflassung der 11 lauptsohulc würde eine Schande für uns alle bedeuten und wir werden!zur Abwehr dieser .Schande all umsere ■Kräfte anoilxiiliisiieren imiiissen. Wir wollen gegen all diese Aibibauipläme einen!mutigen, imaiMiihafteu, leiiclensohafüicfven •Ka׳mp-f führen. Die unerträgliche religiöse Not!unserer Großstadt! jaden vei-pfLiohtct ■uns zu diesem heiligen Kampfe, und ■was wir nicht Lu unserem!Reichtum wersorgt (haben, werden wir jetzt in!unserer Armut aiufroahtenhalten. Nach ■dem eindrucksvollen!Referat da,ulkte der Vorsitzende iclem iRoferenfen, aus dessen avarmen Worten zu verspürien ,wm־, daß er der Mann Ast, der in sorgenvoller :und!sorgsamer!Arbeit für!Aufbau!umd ■Erhaitaiug der Schmie kämipff. ■Anis dom!ninumcihi־ zur Erörte,miiiig gelangenden 1FAna.n1zberie!ht ist ,zu ■entnehmen, daß Üiir die ordentlichen ,Ausgaben!der Schule׳ ■mehr als S 100.000 ,nötig sind.!Es kostet demnach ein Schalkiii'd etwa S 500 für da!s Schuljahr. Der Referent ■führt als Vergleichs Ziffer am, daß nach den!jüngsten Berichten des (Stadtschulrates die Gemeinde Wien ein Schulkind 6 425 per Jahr kostet •und daß etwa die ■Frank-!furter Religionsgesellschaftams Gemeindemlltcln RM. 500 per Schulkind Zuschuß gibt. •Die Wiener iKultusgemeinde hat der Tal m ud -TI10.va-Sclu 11 e Am Jahre 1950 a,n ׳ordentlichen und an außerordentlichen!Subventionen insgesamt S 50,000 zur Verfügung gestellt. Der lieferenf dankt in herzliolicn Worten für diese bedeutende Sijteniton iindbemerkf, daß es sich erlich sehr ehrend für umsere iKultusgeineinde ■ist, daß bei jeder Umzukömmlichkeif, bei jeder ISclnviierigkeit die!Frage auftaueht: Wo ist :unsere iKmltmsgemeimcIe!' Wainum!hilft sie ■nicht? Fast A11 allen jüdischen (Gemeinden gibt ■es ijüdisohe!Schulen, die aus GemeincleauitfeLu erhalten werden. Nun, die Wiener Aval tmsgeinci ade macht aiioh eine scilwere lEbiaaiizkrl.se mit, sie ׳kann!nur ■nach Ähren Mitteln geben und so, wie sie d׳ie Bedeutung der jüdischen Schüfe einzuschätzen vermag. Die jüdispben ßahuiparteAen andeav seats sehen .nur das große Bedürfnis nach ■einer jüdiseilen‘Schule und nicht die großen Bedürfnisse einer jüdisollen Schule. ■Zwischen zwei Standpunkten den ׳goldenen Mittelweg zu finden,!ist eine schwere Aufgabe. Wd־1־ können!uns diesbezüglich auf den Selnilreferenten <le1־ fsmelitischen Knltusgomoinde Dr. Josef Ti oho und auf den, EAuanzref ereilten derselben, Reg.-Rat Dr. Oppenmebn, vajlkoiiuuen verlassen, ׳Sie stellen unserer Schule mit!großer Sympathie gegenüber iiimd der Referent dankt den ,beiden!für ihre ■stete Bereitschaft, der Talmud- Thora-Solmile ,mit 1Rat und Tat beAzusteJien. Der Finanzbericht wurde .nach einem! .Referat des Revisors Leopold Hirsch zuy Kenntnis genommen und dem Vorstand die Entlastung .gegeben. Hierauf ergriff!im Namen des Vor- Am Muttertag ist es Herzenssache, die Mutter von Sorgen zu befreien! Schließen Sie eine Lebensversicherung bei der Lebensversicherungs- Gesellschaft »PHÖNIX!« .Standes der Wiener Kult׳!nsgeineinde-Vertrete 1־ Dr. Josef Tlolio das Wort. Im ׳bemerkenswerten Ausführungen beschäftigt ■er sich :mit!dem Problem der konFessAonellen Schmie,!das :im Oesterreich •wieder aktuell geworden Ast. Die Bevölkerung er,kennt in wadliLsendem Maße den Wert einer vom .religiösen Geist durch fluteten Biklungsistütte an. Die religiösen Schichten ■der Wiener jü׳d.isohen Bevölkerung besitzen an der Talmud-Thora- Schule soilcli eine •wertvolle Bildungsstätte. Am SchJiuß «einer ,mit!großer Aufmerksamkeit entgegengenommenen Ausführungen gilbt Dr. Tacho die lErklämimg alb,!daß er;mit allen ihm :zur Verfügung stehenden Mitteln ■dailiAii wirken wird, daß ein Abbau dieser Schule vermieden werden könne. Mit lebhaftem Applaus dankte ׳das große )Publikum für diese Mitteilung. Nach Vornahme der Wiahfen gelangte Herr Direktor Dr. Dautscih.läntler zinn Wort, nun seiim!Referat ,!Das jüdische ß d Id mm gs Ad ea i in moderner 1B« ei euch ■tu mg־“ zu erstatten.!Der Referent ,führte 11׳. a. aus: Pädagogik ist die planmäßige Einwirkung auf die Seele ■des Kindes, clie ihren Höhepunkt in ihrer Harmonie findet. Unter dieser Harmonie versteht man in ,methodischer Beziehung hauptsächlich das Zusammenwirken der einzelnen Fächer des Unterrichtes. Dieses Zusammen■ wirken, kann aber nur erreicht werden, wenn alle Gegenstände auf eine Basis gebracht, nicht der Profandem Religionsunterricht gegenübe!,gestellt wird sind seil 1870 die besten Fabrik: Wien, XV., Staglgasse 10 bei Mafiahilferstr. 148) Tel. R-35-8-47 und R-39-5-38 riliale: Wien VII» Burggasse 17, fei• B 32*3*80 und umgekehrt, wenn also jedem Unterrichtsfach seine Wichtigkeit beigelegt wird. Eine wichtige Errungenscliaft der modernen Pädagogik ist der Arbeitsunterrieht, der nicht nur materielle Arbeit, sondern Erarbeitung in sich begreift. Er bedeutet, daß alles mit (lern lebendigen Leben in Verbindung gebracht werden muß und kann. Alfred Adler lehrt, daß die biblische Vorstellung von der angeborenen Sündhaftigkeit des Menschen Ausgangspunkf für falsche Erziehungskunst war und ist. Man müsse also clie Minderwertigkeitskomplexe bekämpfen, cl. h. clie Spannung zwischen Individuum und Gemeinschaft beheben. Auf die Erziehung angewendet, ist dies nur dann möglich, wenn das Kind in ein ihm eigenes Milieu kommt. Dann gibt es keine S|:0.1nnung und ■das Kind fühlt s׳icl1 in der gewohnten Umgebung nicht fremd lind minderwertig־. Die methodische Technik des Unterrichtes machte in den letzten Jahren große Fortschritte. Sie betont besonders die harmonische Erziehung und behänd auf dem Prinzip ■des Gemeinschaftsunterrichtes. Auch wir bejähen, fremde Kulturen, soweit sie dem Judentum nicht schädlich sind. Wir können in einem jüdischen Programrn Allgemeinkultur 11 ml Judentum gut vereinbaren, indem beispielsweise im Rechnen Aufgaben jüdischen Inhalts gestellt, Geographie und Geschichte in Verbindung mit jüdischen Wissenselemcnten dieser Disziplinen gelehrt wird. Iin Kinde soll kein Gefühl der Minderwertigkeit vor dem Judentum auf kommen, ■sondern harmonische Verbundenheit aller lädier erweckt werden. Die konfessionelle jüdische Schule harmoniert also mit der An,sich,t Adlers, und wenn man vor ,hundert Jahren gegen die. konfessionelle Schule war, so bedeutete das den Wunsch nach Loslösung vom Ghetto. Heute aber wissen wir materielle und formale Bildung־ zu unterscheiden. Heute lehnt man totes Wissen ab und legt!das Hauptgewicht auf das Formale. Man hält es für wichtiger, daß ■die logische Fähigkeit zur Lösung• einer Aufgabe vorhanden ist, als die Kenntnis der Formeln. Verständnis für die ׳Schönheit eines Gedichtes steht höher als Memorieren von Strophen. Und gerade dazu bietet das jüdische Schulprogramm reiches Material. Es darf vor allem keinen Gegensatz zwischen Naturkunde und Religion geben. Tiefes Eindringen in die Materie ist erforderlich, wenn die Verbindung zwischen Natur und Religion dargestellt werden soll. Aber nur Zusammenarbeit ■der Eltern, der politischen und der ,geistigen Führer kann vollwertige '•Bürger, des ■Landes und der jüdischen Gemetilischa'ft An solch höherem Sinne heranbilden. Ist der Blankotag für Von Dr. Adolf Seitdem im Jahre 1925 das Kaleniderreforin-Sonderkomitee des Völkerbundes an ■die Oben־ abbin er I. Fürst- Wien, I. H. Hertz-London, J. Levy-Pa1־is und an den!inzwischen verstorbenen Lucicn Wölf-London die Einlaidung• ergehen ließ, den jüdischen Standpunkt zur Kalenderreform in Genf mündlich׳ auseinanderzusetzen, ist diese Frage nicht mehr aus ■dem Blickfeld der verantwörtlichen Führer des Judentums geschwunden. Es, ist allgemein bekannt, daß sidli außer ■der Agudas Jisroel, clie von Anfang an die Größe der Gefahr erkannte ׳und die Entwicklung־ der Dinge bis zum heutigen Tage mit wachsamem Auge verfolgt hat,!drei jüdische Organisationen entweder ausschließlich oder vornehmlich mit der Abwehr dieser uns drohenden Gefahr befassen: das sogenannte Züricher ״Komitee betreffs der Kalenderrefonn“, ■die amerikanische ״League for Safeguarding־ the Fixity of the Sabbatli against possible encroaclnnent öy Cailendar ■Reform“ uncl der Welt verband Schomre Schabbos. Alle genannten Organisationen haben keinerlei Interesse daran, gegen die Durchsetzung einer Revision cles geltenden Kalenders : als solche anzukämpfen. Ihr Kampf richtet sich einzig! und allein gegen die Möglichkeit, daß der von den aussichtsreichsten Kalenderreform- Projekten empfohlene Blänkotag־ Weltgeltung erhält. ■Die Einführung־ des Blankotages׳ würde bedeuten, daß clas Wochenende!und damit der Sabbat A11 jedem Jahre, im Schaltjahr sogar zweimal ״wandert“, d. 11. auf einen anderen Wochentag fällt. Für wie (bedrohlich in den verantwortliohsten Kreisen des Judentums die Situation angesehen wird, lehrt nichts deutlicher als die Tatsache, daß innerhalb des Züricher Komitees ein Konflikt über die Frage ausgebrochen ist, welchen Weg man zur Ab- Wendung der uiils drohenden Katastrophe einschlaigen salile. In einen! solchen Augenblick hält es der Verfasser eines Artikels über ״Schein und Wirklichkeit“ in Nr. 16 der ״Jüdischen Presse“, Wien, für richtig, zu erwägen, ob nicht aus der Einführung des Blankotages׳ geradezu ein Kiddusch Haschern entstehen könnte. Obwohl der Verfasser einsieht, daß angesichts der Gefahr des Blankotages erklärt werden könne, daß ״das Judentum eine ähnliche Erschütterung in seiner (bisherigen Geschichte wohl nicht einmal in den! Augenblick erlebt habe, als die erstarkte Tochterreligion den Sabbat offiziell auf den Sonntag verlegte“, kann er den ״Hoffnungsstrahl“ nicht übersehen, der ihm in den Konsequenzen der geplanten Reform vorzuliegen scheint. Also wir sollen eine seihstmörderische Politik treib en? Also die heutigen Schwierigkeiten der Sabbatheiligung sind noch nicht groß genug? Die Beobachtung des Sabbats unter den heutigen Verhültnissen ohne Blankotag ist noch kein genügend großes Opfer,• kein Kiddnsch Hasöhem? Hat der Verfasser daran gedacht, daß, falls die Wocheneiidbewegung sich durchsetzen sollte, in den Jahren, in denen der Sabbat nioht Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, H., Nestroygasse 11. ans Juden diskutabel? Jacobus-Beriin. mit dem Wochenende zusammenfüllt, in einer Kalender״ ära mit .Blankotag die sabbattreuen Juden soga.r gezvvungen sein würden, drei Ruhetage in der Woche zu halten?, Daß sie unter den heutigen Verhältnissen, trotz schwersten wirtschaftlichen Druckes, zwei Ruhetage in der Woche halten, sollte ihnen den Mut geben, mit dem ■ganzen!Gewicht ■religiösen' Ernstes vor ■die entscheidenden Instanzen hinzutreten und gegen eine Pseudoreform Ein-!sprach zu!erheben, clie nns den Rest von Freiheit .nehmen will, ■den ■die moderne Gesetzgebung uns hinsichtlich der Beobachtung!des Sabbats gelassen hat. Was ist das für eine Politik, die den Gegnern Waffen in die Hände gibt? Man ist nicht erstaunt, wenn man eine Argumentation wie die des He1u־n Verfassers in irgend■ einer Broschüre etwa der amerikanischen Kalenderrcformer findet,!denen jedes Mittel recht ist, um ihren Kalenderreformideen in der Welt zum Siege zu verhelfen. Eine solche Argumentation aber in einem religiös-jüdischen Blatte zu finden, ,befremdet und schmerzt. Die Frage des Blankotages ist für uns Juden nicht diskutabel. Selbst theoretische Betrachtungen darüber anznstellen, wie die Einführung des Blankotages sich innerhalb ■der jüdischen Gemeinschaft auswirken würde, ist von Uebel. Wir Juden sind so mit dem Wirtschaftsleben!der Welt verbunden, daß die Durchsetzung des Blankotages und damit die Erzwingung der Feier des Sabbats inmitten der allgemeinen Arbeitswoche nicht nur für uns Juden, sondern auch für unsere Umgebung die Ursache der größten Verwirrung־ sein würde. ♦ Nachbemerkung: W!ir gewähren diesen Ein- Wendungen gerne Raum ■und betonen, daß über die Größe ■der Gefahr der Kalenderreform gewiß kein Zweifel besteht. Der Verfasser des Artikels ״Schein und Wirklichkeit“ wollte ja nur. daß die jüdische Oelfentlichkeit sich für den Fall, daß alle Aktionen nicht ■helfen, mit dem Gedanken der Fünftagewoche rechtzeitig vertraut mache und von der Einführung der Kalenderreform nicht so ganz ohne jedeAnnere Vorbereitung überrascht würde, wie dies in kleinerem Rahmen den Juden in der Slowakei anläßlich der Einführung der Zwangssonntagsruhe widerfuhr. Selbstverständlich sollen mit diesem Artikel, der durchaus keine ״Politik“ betreiben, sondern nur frei den Gefahren ins Auge blicken will, den Gegnern Waffen ebensowenig in die Hände gegeben wenden, wie etwa durch Erörterungen wie die dev soeben erschienenen Broschüre von Dr. Josef Stern ״Die fünftägiige ArbeAtswoehe und ihre Problematik“ (Berlin 1931, Schriftenreihe des Weltverbandes für Sabbatschutz ״Soliomre Schabbos“, Preis M. 1.50). Auch diese wirklich erschöpfende Untersuchung des Tatsachenbestandes, clie jedem religiös interessierten Juden zum Studium empfohlen werden muß, verschließt durchaus nicht clie Angen davor, daß üu •Kleinhandel die Dinge einfacher liegen und mancher Händler es sogar begrüßen wird, wenn er statt an einem Sonnabend an einem ruhigeren Geschäftstag feiern kann (S. 44). Gerade wTenn wir angesidits der Gefahr nicht den Kopf verlieren wollen, müssen Licht- und Schattenseiten wohl abgewogen werden, und nichts anderes bezweckte unser Mitarbeiter in seinem Essay ״Schein und Wirklichkeit“.