Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 17 (1.5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Novinovö v^plafoö povolend riadit post a tdegffifov v Bratislava 61s. 41572*11120־. Zeitungen vom Varlagar versendet* Journal expadie par l’4diteur. V. b. b. JÜDISCHE PRESSE Redaktion u. Administration: Wien, II., Leopolds# gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A94*0*49־. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag AboDntmenUprtlit 1 Qtnzjlhrig1 För Oeiterrelcb S 16 Tschechoslowakei tichecb. K• 80, Clnzelnammer 6st. Or. 50, dai übrige Aailsbd 3 Dollar. Zähmungen auf Konto ,Jüdische Presse*, Wien für Oesterreich : Postsparkasaenkonto Nr. D-93614; Deutschland{ Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien t Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: .Jfldische Presse*, Bratislava, Postspk.-AmtPrag Konto Nr. 53386 Nr. 17 1 Wien-Bratislava, 1. Mai 1931 .ב*ה יינא־פיעסכוינ י׳ד אייר ת-ציא 17• Jahrg■ Jüdische Schalsorgen in aller Welt. A ״ mm ich d er ׳Generalversammluug des Wiener Ta,lm.ud-T,hora-Sehulvcrc!inis, über deren Verlauf wir 11ae1hstc1l1c.il,d ausführlich berichten, verlohnt cs sich, in einer!Rundschau die neuesten Nachnichten über die La,ge ׳der jüdischen Schulen i:m Ausland zu betrachten. Wenn wir dabei von Polen ausgehen, können wir zuuächst mit Befriedigung konstatieren, daß den mw asten Veröffentlichungen der Sektion für Wlirt- Schaft und Statistik des jiddischen wissenschaftlichen Instituts in Wilna zufolge in Warschau im Jahre 1924/25?6 konzessionierte Chedcr-Sehulen registriert wurden, die 324• Lehrer (Melamtlim) und 6012 Schüler (darunter 100 uYIädehen) zählten. 1925/26 waren es schon 97 Schulen. 512 Lehrer ,und 7246 Schüler (darunter 100!Mädchen); 1926/27: 97 Schulen, 496 Lehrer und 7477 Schüler; 1927/28: 104 Schulen, 525 ׳Lehrer, 7809 Schüler (darunter 156 Mädchen): 1928/29: 106 Schuileify 501 Lehrer(, 7667 Schüler (darunter 20•? •Mädchen). Diiase Angaben zeigen, daß die Zahl der konzessionierten Chccler-Schulcn in Warschau im Wachsen begriffen ist. Auch in einem anderen Lande zeigt sich ein erfr euLieh es Bild.!Es ist die T U r k e 1, wo mit einem neuen Gesetz- -elie •rjSci111l®n^-- cIcr Miiumtäteui^fleii׳!״ türlciischen Schulen gleichgestellt wurden, was insbesondere den jüdischen Schulen 'zugute kommt, da durch diese Ver- Ordnung verhütet werden kann, daß — was im Orient leider eine große Rolle spielt — jüdische Kinder Missionsschulen besuchen. Aus Rumänien berichtet Adolf Schwarz in der .,Bukowinaer Volkszeitung“ das folgende interassante Beispiel jüdischer Opferbereitschaft für ein großartiges jüdisches Sclrulwerk: 11]״ den Neunziger, ja h reu des vorigen Jahrhundert'S — ich glaube 1893 oder 1894 — luit der sonst hervorragende Politiker Tuche Jonescu in seiner damaligen Eigenschaft als Kultus- und Unterriohtsmimster dem Parlament ein Gesetz vorgelegt, 'das den ״Fre,mden“ die Aufnahme in den Volksschulen (׳scoalelc primäre) nicht mehr gestaltete. Dieses Gesetz richtete sich offensichtlich gegen die jüdische Bevölkerung, da diese trotz!ihrer r,11mänischen Staatszugehörigkeit und trotz ,ihrer riimänisehen flei:matsbere011tig׳ung sich keinerlei bürgerlichen Rechte erfreute und als Fremde (Straiiiii) behandelt wurde. Sowohl die Kammer als auch der Senat haben dieses unheilvolle Gesetz bei nur geringem Widerspruch der Opposition zum Beschluß erhoben und eine kaum zu schildernde Verzweiflung bei allen Schichten der jüdischen!Bevölkerung hervor,gerufen, die sich Rechenschuft gaben, daß dieses Gesetz den vielen Tausenden jüdischer Kinder die Möglichkeit einer Erziehung nahm und sie zum Analphabetismus verurteilte. In dieser traurigen, schweren Zeit haben die Juden des Altreiches wieder einmal den Beweis großer Opferwilligkeit erbracht;!sie ■beschränkten sich nämlich nicht auf ,mein• oder minder vehemente Proteste, saudem griffen zu energischer Selbsthilfe und riefen Vereine ins Leben, die die Gründung und Erhaltung von Schilden zuni Zweck hatten. Nach kurzer Zeit gab es keine Stadt, kein Stadtdien oder Marktflecken im lAltreiche, wo nicht eine eigene •aus •Privatmit!ein erhaltene.!Schule war; da c!s in Rumänien nur wenige organisierte Gemeinden gab, die über ausreichende Mittel verfügten, haben diese Vereine eine lebhafte Tätigkeit entfaltet, um die Schulen zu erhalten und immer mehr auszubaucn. Der Orden ״Bnei Britli“ im Altreiche hat sich um diese Soliulgründ 1111g unvergängliche Verdienste erworben, er hat nicht nur eine eindringliche! Propaganda I in die Wege geleitet, sondern auch materiell zur Fördeiuing •der Schulen beigetragen. Es kann nicht genug anerkannt werden, daß diese Schulen, die kein Oeffcntliohkeitsreoht!hatten, trotz- | dem jedoch das staatliche Schulprogramm cinführten: leider hat die Regierung ihnen PrUfungstaxen vorgeschrieben, die manchmal ,unerschwinglich waren und von den armen •Eltern nicht ■aufgebracht werden kannteir: da zeigte sich wieder die jüdische Muni Fixen/.. es wurden Sammlungen veranstaltet, •um die öffentliehen Prüfungen zu ermöglichen und so den armen Kindern den Weg zu einem Beruf zu bahnen. Die U. E. ׳R. (Union rumänischer Juden), deren Verdienst auf allen Gebieten' des öffentlichen jiidisehen Lebens nicht genug hervorgehoben werden kann, hat sich auch uni ׳die Zuerkennung des Ocffentlichkcitsrechtes der jüdischen Schulen eitrigst bemüht lind cs gMang ihr erst unter der letzten Liberalen Regierung, dieses Recht für die Schulen •zu erwirken, die selbst von den uns;nicht sehr freu 11 eil ich gesinnten staatlichen Schulbehörden als gcrqdczu ,mustergültig anerkannt werden. Es würde zu weit führen,!hier eine Statistik der tim Lande bestehenden Schulen •und deren Erhaltung,skosten vorzuführen, die trotz Gleichberechtigung noch!immer von den Gemeinden, die;mittlerweile die Erhaltung übernommen haben, jährlich Hunderte von ,Milli 011 eu verschlingen. Eis s׳ci nur 110011׳ erwähnt, daß •beispielsweise die jüdische Gemeinde Bukarest nicht weniger als 18 Schulo'n, darunter zwei Gymnasiien, eine Handelsschule, ׳eine Gewerbeschule sowie zwei ,höhere Töchterschulen,, mit einem ׳.Kostenaufwand von fast 20 •Millionen Lei erhält, wobei betont werden muß, daß die Bukarcste.r jüdische Gemeinde noch immer nicht das Recht der Stcuer׳cinheb11ng genießt und die Gemeindebeitrüge nur freiwillig geleistet werden.“ Nicht ganz so erfreulich!klingt eine der Nachrichten, die aus D e u t׳s c 11׳ lä n cl Liber das jüdische Schulwesen kommen. Das zu Ende: gegangene Winterhalbjahr hat in Hamburg leider den Abschluß der Wirksamkeit einer Institution gebracht, die der gesetzestreuen Juden heit ׳dieser Stadt seit vielen Jahrzehnten ׳ans!Herz.gewachsen war. Gezwungen durch die wirtschaftliche Not ,mußte ׳die seit 37 Jahren!bestehende, van Obcrmbbiner Hirsch s. A. gegründete Mädchen-Rcalsoliulc in der Biberstraße mit Ende des Semesters ihre Pforten schließen. Oberrahbiner Dr. .Spitzer hielt eine ergreifende Abschiedsrede •und sprach seinen ,besonderen Dank der bewährten Leiterin der Anstalt, Frl. Philipp, aus, die nahezu vier Jahrzehnte der Schule Vorstand.. Dagegen ist tröstlicher, was der •Bericht •des Vorstandes der Synagoge,ngcmcinde ״Israelitische Religionsgesell'sohaft“ in F r a 11 k,f u r t a. M. vom 15. März 1931 über das Schulwesen dieser Gemeinde zu!sagen weiß: @o£h$ v.töauphcfiu&/urJ6laSen, Mjdf/läd^mdOfenl&Mahredt י a. Ulatzgasse. «J Zu den Kosten eines Schulkindes hatte die Gcmci ndc i. in 1B e r i c h t s j n 11׳ r d׳ c n!1 0• 11 e 11 Z uschuß von zirka M. 300.— beizutrageti. Wenn dieser Zuschuß im Vergleich zum Vorjahr geringer ausgefallen ist, so hatte das zweierlei Gründe, erstens in eien Sammlungen, die Herr Direktor Dr. Fink dankenswertcrweisc zugunsten der Schule unternahm, und die ein Ergebnis von M. 21.592.— hatten, zweitens die Spenden a 11 Rerordentliehen Charakters, die der Schule zu flössen. Es sei erwähnt, daß der Zuschuß für jedes Kind unserer Schule erheblich geringer ist, als der Zuschuß, den die Stadt für jedes Kind aufwendet.!Daraus erhellt, daß bei uns nach dem Prinzip der Sparsamkeit gewirtschäftet wird. " ■ ’ ,Die .Realschule erforderte i׳m Berichtsjahr einen Gesaimtzusohuß von zirka M. 107.000.—, die Volksschule einen solchen von zirka M. 50.000.—, lind unsere Auf- Wendungen für die Jcsc.hiwa betrugen M. 15.800.—. Der Gemeindcetat hatte mithin für Schulzwecke die hohe Summe von M. 17 2.800.— aufzubringen. Unser!Defizit ist bedingt durch unsere Schul- :institutionell. Fs muß ׳daher immer wieder betont werden, daß es nicht Aufgabe einer Gemeinde sein kann, den Eltern die Lasten für die Ausbildung ihrer Kinder in solch hohem Maße abzunehmen, bzw. cs Ihnen zu ermöglichen, ihre Kinder auf Allgcmcinkosteii einer höheren Laufbahn zuzuführen. Das Hinabgleiten umsercr Finanzen ist nur diesem seither geübten Grund- •satz, der von der Allgemeinheit als eine Sclbstver׳ständlichkeit aufgefaßt wird, zuzusclireibcn. Das mindeste, was wir beanspruchen müssen, ist, daß ׳alle interessierten Kreise unser Schulwerk mit allen Kräften uutcrstiitz.en ■und fördern. Darüber!11 iina,ns •muß die Forderung erhoben werden, daß die Elternschaft, soweit sic hiezu in der Lage ist, uns denjenigen Kostensatz als Schulgehl entrichtet, den jedes Kiud der Schute verursacht. Kann dieser unserer Forderung seitens der Elternschatt und der potenten Kreise unserer Gemeinde nicht Rechmnng getragen werden, so ist der stolze Bau unseres Schulwerks aufs äußerste gefährdet. Aus allen fliesen Nac,11richtct1\!atus dem Osten ebenso wie ans dem Westen erhellt, daß allüberall die Erkenntnis herrscht oder wenigstens sich Bahn bricht, daß die jüdische Schule eine Lebensnotwendigkeit, darstellt, für die unter Umständen auch Opfer gebracht ' werden müssen. In Wien sind ׳die. Verhältnisse auf , diesem Gebiet so ziemlich a!m ärgsten ׳und der folgende Bericht über cl.ie Generalversammlung des Talmud- Thora-Schul Vereins zeigt deutlich die ganze Schwere der Aufgabe, die liier die verantwortlichen Männer •zu erfüllen haben. Generalversammlung des Wiener Talmud-Thora-Schulvereines. SoiiMitaig, den 26.!April .1931, fand die!llauptvevammlung der Mitglieder des Wl eu e r I u!lm ud- 0.1 11!י• a-Sch ׳u 1 v e r e>i!11!s u11׳t׳e!r sehr guter ׳Beteui- Hing statt. Der große Turnsaal!der Schule 111״!Malz- 'asse 16, ׳,\va,1־ vom ׳einem vor. nehmen, an dev!Existenz |eu* •einzigen ,jüdischen Volks- und Hauiptsohiuile in Wticn tark interessierten Publikum erfüllt. Am V'oriS'tandtisch saßen der Obmann des Vereins,!iramiu'd Bondi, der 0׳lbma,1m16tellVertreter Amteioitcr ViMiebn!Freistaiclt, der Generalsekretär Rntener )r. Joel Pol La k, die V(!1v׳s>ta.nds,mltgl׳icde,1• Saudor Adler, :,arl Altimnnn,!Dr. 1B.!Ebner, Universitätsipratessor >r.;Max Eisler, Nathan ׳tlerzka,!Raibhiucr Dr. P. •Kahn, >sicar Neurath,!Kultus vors teil!•er Mosas!Ratili, Leoni, ״ioluter, KultiiLSVo.rstaher Michael iSterivfeld Vertreter er IsTaelitiseihen ,Kultusgcunoincle Dr. Josef 1110110.!Ferner bemerkte •man Wolf iPaippenheim, Oben*־ ledizinailrat Dr. S.!Krüger, Komm.-Rat iBuchwald, :omm.-Rat Klemperer, sowie vorn!BetlnHaimdrascti T. Raibibiuer 11. Schenk, Obmann Leop.;Hirsch un!cl iihlreidho VereiiiLsmltglioder. ' Nach!Eröffnung clor Genoralversammln! 1g ball er Vo,!׳sitzende den verstorbenen VorstaudLsmitgliedern Modernste der weltbekannten Per(lckenwerkstdtte Wien I, Kärntnerring 6 (8S&? Bristol U-41 -3-62