Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 13-14 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Seite ־> Nr. 11/14 TP IftiL ® o Im oslo *wir a Mk Die -Sonntagsruhe ist beschlossene Tatsache. Der Ministerrat hat in seiner Sitzung‘ vom 26. März der Vorordnung zur Einführung der vollständigen und allgemeinen Sonntqgsruhe zunächst in Bratislava ab I. Mai zugestimmt. Die wenigen Einschränkungen, die die Vorordnung für einzelne Zweige zuläßt. sind unwesentlicher Natur und vermögen nicht den Aufschrei zu dämpfen, der aus jedem mitfühlenden jüdischen Herzen wegen der ׳Ungerechtigkeit empordringt, die das religiöse Interesse der jüdischen •Bevölkerung und1 das Wirtschaftliehe Wohlergehen vieler ׳tausend kleiner, um ihr Dasein schwer ringender Menschen dadurch erfährt. Das Damoklesschwert, das beinahe zwölf Jahre lang in der Luft schwebte, ist mit diesem Beschlull des Ministerrates als Pessachgeschenk auf das Haupt der sabbathaltenden Kaufleute und Gewerbetreibenden in Bratislava verhängnisschwer niedergesaust und droht, in absehbarer Zeit seine Verheerungen auf das ganze Land auszudehnen. Wir haben zu dem. was wir zu diesem Gegenstand in genauer Kenntnis der Gefahr alle diese Jahre fast unausgesetzt gesagt und immer wieder gesagt haben, heute nichts mehr hinzuzufügen. Die .Jüdische Presse“ und der Kreis, der mit ihr in der Behandlung jüdischer Gesamtheitsfrageu eines Sinnes ist. haben die ganzen Jahre hindurch, da cs noch Zeit war und eine Reihe von Möglichkeiten noch offen standen, zu retten und zu helfen, in allen Tonarten gerufen, gewarnt, gemahnt und gefordert, dal! alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, dal! ein jeder Jude', dem das Schicksal der Brüder am Herzen liegt, sich in die Reihe der Tätigen stelle, um das immer näherkommende Verhängnis zu verhüten. Nur wenige hörten •auf den Ruf. Diese taten. was ihre Pflicht war. und diese, aber auch nur diese, sind frei von Schuld an den schweren moralischen, religiösen und ökonomischen Folgen, die das neue Sountagsruhegesetz nach sich ziehen muH. Wir wollen nicht unklugen, wo Dankbarkeit am Platze ist. Dank gebührt den Regierungsstellen — und vor allem dem früheren Ilandclsminiser Nowak — die von der sozialen Ungerechtigkeit eines Gesetzes, das einen־ Teil der ־Bevölkerung nötigt, »statt י eines Tages zwei volle Tage in .der Woche seinem Broterwerbe zu entsagen, überzeugt waren und deshalb unter Niederhaltung mancher Anstürme die Aenderung des Status quo ante während vieler Jahve verhindert haben. Diese* ׳w.ir.kung!svolle Information der entscheidenden Behörden ist das unleugbare Verdienst der o r t h o d o x c n Z e ntralkanzlei und der früheren orthodoxen Genu'indeleitung von Bratislava, die, ohne daraus viel Wesen zu machen, immer auf Posten war, wenn es galt, über wirklich jüdische Anliegen zu wachen, wie Freund und Feind zugesteht. Anerkennung verdient auch das Aktionskomitee von Kaufleiiten •und Angestellten, das sich vor etwa einem Jahre über Ycr- •anInssurig der־ Schon!re-Schubos-Zentrale der Agudais J isroel aus allen Gruppen der jüdischen Bevölkerung zur 'Verhütung der •Sonntagsruhege.fahr zusammenfaiul uh'd mehrere Monate hindurch rüstig au der Arbeit war. Nicht erspart kann aber der A'orwurf denjenigen werden, die in der S tun ׳de der Gefahr n i c h t a m AV e r k e w a r e 11, ihre Pflicht nicht erfüllten, trotzdem von den Spalten unserer Zeitung oft g e n u g u n d e i 11 d r i n g I i c 11 g׳ e n u g d e r II u f a n sie, an ihr jüdisches G e w i s s e 11, e r g a n g e 11 w a r. Man wird uns bei dieser Sachlage schon einmal die offene Frage erlauben: AVo waren die grollen Worthehlen, die ״jüdischen“ Politiker, die ״selbstbewußten“ Juden und nationalen AAlksretter in Stadt-, Landes- und Staatsparlamenten bei d i e s e r e i 11 z i g e 11 Gelege 11heit, die sich ihnen bot, ihre überlauten AU1•- sprcchuugen einzulösen und — wenn schon nicht für die Juden im allgemeinen, so doch für ihre willfährigen, vertrauensseligen Wühler — et w a s zu leist e n? Womit wird sich im besonderen die P r e IIb u 1• g׳ e r o 1• 111. G e m e i 11 d e l e i t u n g jetzt, da die von jedem Einsichtigen vorausgesehenen Folgen so furchtbar ernst zutage treten, vor dem Richterstuhle der jüdischen ()Öffentlichkeit rechtfertigen können, zunächst dafür, dal! sie gegen Recht und Billigkeit, unter offenkundiger Arerletzu11g ihrer Pflicht zur politischen Neutralitüt, sich und die von der Majorität ihrer Obhut anvertraute Gemeinde in einem Rundschreiben an die GemeiiKleinitglieder mit jpner politischen ׳Partei •identifiziert und sie zur Arertretung auch der orthodoxen Interessen bevollmächtigt hat, deren Unterlassung allein es in der Hauptsache zuzuschreibeu ist, daß der Stadt 1־ a t v o 11 B 1׳ a t i s 1 a v a — in dem diese Partei Sitz und Stimme hat — schon i m Jahre 1928 d i e E i 11 f ü 11 r u 11 g der allge 111 einen u 11 d vol ls t ä 11 d i g e 11 Sonntags ni 11 e einstimmig u!־giere 11 konnte? Wird sie behaupten wollen, daß sie das Interesse der sabbathaltenden Mitglieder der orthodoxen Gebeschlossen! meinde vor Augen hatte, da sic in allen diesen Jahren niemals auch nur e i n c n F i n g e r rührt e, die Untätigkeit ihrer .politischen Sachwalter in Stadt und Parlament wettzumachen? Weshalb hat die Gemcindclcitung nicht dafür gesorgt, dal! ihre A'ertreter im Handelsgremium nicht d n r c 11 A b w 0 s e n 11 eit glänzte n, als in den Sitzungen schwerwiegende Entscheidungen in bezug auf die Sonntagsruhe fielen, auf die sich das Handelsministerium in seinem Vorentwurf beruft? Diese Fragen erheischen eine Rechtfertigung! Und zu einer Rechtfertigung genügt sicher nicht der nur allzu durchsichtige kindliche Versuch der letzten Wochen, als die verhängnisvolle Entscheidung längst gefallen war, die A 11 f m c r je s a m k e i t .der get ä u s c h t e n u 11 d e r b i 11 er teil O e f f e n 11 i c 11k e i t v o u d cu Sc h u l d i g e n d u r c 11 l ä r m e 11 d e s Getue abzulenken und ״Landesaktionen“ vorzuspiegeln, wo die I e e r e P 11 1־ a s e die Tat e r s e t z e n w o 1 11 e. Darüber wird die gesamte sabbathaltende Judenheit des Landes von den Verantwortlichen Rechenschaft fordern. Meute aber soll diejenigen, die Taten wollen und nicht Worte, nur die eine Frage beschäftigen: Wie helfen wir denen, die durch das neue Sonntags 111־ hegesetz in ihrer Existenz und ihrer religiösen Treue Gefahr laufen, daß sie der großen Versuchung widerstehen und in ihrer Hingebung an die Satzungen der תורה nicht wankelmütig werden? J. J. B. Rauhes, kühles und veränderliches Wetter verursacht den Rheumatikern große Pein. Massieren Sie sich, über ärztliclien Rat, mit Menthol- F rnnzbranntwein ALFA Durch ״Alpa“ - Massage große Erleichterung, lebhafter Blutkreislauf, ausgezeichnete Rörperernührung, Muskelstärkung u. Nervenerfrischung. Die Feier Des 12s. Irseiies des Jizis Helel“ in Bostivilz. Einundeinhalb Jahre nach Nikolsburg, vier Monate nach der Briinner Tagung wieder ein Grabesgang.- In geschlossenem Zuge schlängelt sich die crschic# nene große Gemeinde, verstärkt um die ansehnliche Zahl mährischer Delegierter, durch die lange Vorstadtgasse, welche die einstige Judenstadt mit dem ב״־ חיים verbindet. Am Ziele angelangt, gruppiert sich die Versammlung um das teure קבר des צדיק und in den verschiedensten Ab־־ tönungen hört man den erhebenden Inhalt der תפלות. Man horcht auf und vernimmt aus Inbrunst quellen# des Schluchzen herbcigeeiltcr ״ Urenkel der slowakisch# ungarischen Linie, man entdeckt Andacht bei sentimental eingestellten Teilnehmern, man hört gedanken# und geist# loses Hersagen und man beobachtet Teilnahmslosigkeit. Der Raw der Gemeinde besteigt die vorbereitete, in unseren Landen unvermeidlich schwarzdrapierte Kanzel und •hält die Gedenkrede.התחיינה העצמית האלה?־ ruft ’ er fragend und will Antwort geben auf .die Schicksalsfrage cler Zeit, wie er sie nennt. Heilung erwartet er von einem intensiven Wiederbetreiben des Studiums der Wissen# schaft, von einer Popularisierung des Wissensobjektes, von einer Verbreitung jüdischen Wissens von Dan bis Beerschcwa. Die sehnsüchtig harrende Seele ist unbefriedigt von dem Vernommenen. in braunen Schachteln lt. Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbincr Simon Schreiber aus Erlau verläßlich כשר auch heuer wieder ' in garantiert reiner und ausgiebiger Qualität zu haben bei Kosice Diese Fabrik steht unter Ober# aufsicht des Herrn Oberrabbiner Simon Schreiber aus Erlau und unter ständiger Kontrolle von Sr. Ehrwürden ernannten jüdi# sehen Aufsehern, so daß samt# liehe Erzeugnisse כשר verläßlich כשי sind und also von jedem Glau# bensgenossen das ganze Jahr hin# durch gebraucht werden können. BEACHTEN SIE beim Einkäufe im eigenen Interesse recht genau: die braune Farbe der Schachtel, die Schutzmarke: KAMfiENOHl»! und die Unterschrift: fRANCK Sic schmachtet nach der erlösenden Antwort. Sie weiß es, denn die Geschichte sagt cs ihr: Mährens Judentum ist zugrunde g c g a n g c n: An einem Zuviel des Wissens und an einem Zuwenig des Gestalt ungs willens jüdische r, v o n G' # 11 beherrschter Lebens# e n e r g i e n. Die erlösende Tat vollbringt kein umfangreiches Wissen. Diese Kraft wohnt der Gelehrsamkeit nicht inne. Eine lebendige, von allen gerechtfertigten oder un# gerechtfertigten Rücksichten unbelastete Beispielseinheit von G־tteskündern, die Legion der Gstteskämpifer muß geschaffen werden. Diese Kerntruppe will nicht wisse n, wohin sie ge# stellt wird. Sic will nicht wisse n, wohin der Weg führt. Nur eines ist in ihr wirksam: Der unbeugsame, geradeaus gerichtete Wille, das Wort G־ttes, des Herrn der Heerscharen, des Königs der Könige, des Weltenschöpfers und Wcltenlenkers, Israels ausschließlichen Herrschers und Gesetzgebers, zu erfüllen und zu hören. Der Genius unseres heiligen Volkes geht suchend um und findet nicht, was er sucht. Denken die hier versammelten Kinder jüdischer Mütter an die organische Zweckmäßigkeit einer Jahrzeit# feier? Sind sic in sieh gegangen, haben sic sich geprüft? Sind sie zur Selbstbesinnung gebracht worden? Haben sie von den bewährten Instrumenten der תשובה Gebrauch gemacht? Denken sie an ihre in Elend geratenen Brüder dies# seits und jenseits der politischen Grenzen? Denken sie an die geistige, ethische, politische, wirt# schaftliehe, soziale Not des Volkskörpers auf dem Erden# runde? An all das denken sie nicht. Während das A^olk, dem sie angchören, darbt und hungert, gelüstet cs sic nach eineem Festessen — genannt Chewra־Sudoh. Im Machzis־Haschekel־Beth־Hamidrasch. Der Gabhai fragt um, ob ein Minjan Fastender fest# stellbar sei, um ויחל leinen zu können. Vergebliche Mühe! In der קהלה des מחצית השקל kann augenblicklich nur eine geringere Zahl zusammengebracht werden. Die genügt aber diesmal nicht. So bleibt cs bei dem חעניח einzelner und man beginnt כפיר קטן DP ohne diese sinn# gemäße Ouvertüre. תפלה ohne תשובה! Wenigstens wahrhaftig ist diese Erscheinung, aber bitter, sehr bitter und niederschmetternd! Mit בונה werden die herrlichen סליחות vorgetragen und rezitiert. Es ist Weihe des Augenblicks zu verspüren. Schon lange hatte Boskowitz keinen solchen Zibbu'r gesehen. Die Wirkung ist leider nicht nachhaltig, denn die vor G#tt stehende Gemeinde löst sieh in davoneilende Menschen, welche unverändert die gleichen geblieben sind. Die Chewra־Sudoh. Ueber den Festsaal der Gemeinde im Jüdischen Vereinshause ergießt sich Lichtfülle. Die Wände sind mit den prächtigsten Prauehes der Gemeinde, darunter Stücken von unschätzbarem Werte, drapiert. Den Ehrensitz markiert das teure Symbol der heiligsten Institution unseres Volkes — die Chuppoh. Drei lange Tischreihen mit Querverbindung sind geschmackvoll gedeckt. # ' . . Es muß anerkannt werden: ׳