Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 5 (30.1.1931)
- Date
- 1931-01-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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mm 2 jüdische 1»1mm ...... י« י*,*, ■נץ'1 ו . ■■•.■..-.■ar... t. 5 sind seit 1870 die biiiiit Wien, m! iiigliiiil 10 itr. 148) Tel. R-35-8-47 und R-*ä0-5*38 VII. Burggasse 17» Tel« B323-80״ Fabrik bei Mariaiili Filiale! Wl( fristung dieser Rechtlosen denke, bekommt man keine Antwort. Besonders rohe Beamte antworten auf die flehentlichen Bitten der Verhungernden: ״Ihr habt früher genug gelebt.“ Wenn Sie nun an mich die Frage richten: ״Wie leben diese Unglücklichen doch?“, so ist die Entgegnung darauf: Man verkauft das letzte Hab und Gut, um ini Schleichhandel Schwarzbrot wie einen kostbaren Lecker« bissen um Wucherpreis zu erringen, oder man hat das Glück, einen dem Kommunismus verschriebenen Vcr־ wandten zu besitzen, der einem hie und da etwas zu־ kommen läßt. ׳ Ich möchte aus der langen Reihe meiner Erlebnisse einige herausgreifen: Ich habe einige junge Menschen kennengelcrnt, Söhne und Töchter angesehener Gelehrter, die sich die Füße wundgelaufcn hatten, um Arbeit in einer Fabrik zu bekommen. Ueberall wurden sic abgewiesen, weil ihre ‘Väter Rabbiner sind. Einem jungen Mädchen war es durch besondere Protektion eines entfernten Verwandten, der einer kommunistischen Organisation angehört, gelun־ gen, eine ganz niedere Arbeit zugewiesen zu bekommen; doch es mußte sich schriftlich verpflichten, die Familie nicht zu besuchen, ihr an keinem dritten Ort zu begegnen sowie überhaupt alle Beziehungen zum Elternhaus abzu־ brechen. Das junge Mädchen Unterzeichnete unter dem Z\väng des Hungers diese׳ Bedingungen, Wohnt nicht im Elternhaus und läßt der Familie unter schwersten Ge־ fahren, die die Verletzung einer solchen Verpflichtung nach sich zieht, den größten Teil ihrer kärglichen Ration ,zukommen. Ich kenne in einer Stadt drei Fälle, in welchen die Kinder in fremde Orte fortgezogen sind, dort ihre Namen;änderten, ׳ jede Beziehung zum Elternhaus verleugneten, nur. um Arbeit, um Brot zu bekommen. Die vielen Tausende, die keine Arbeit haben, sind buchstäblich auf die Mildtätigkeit ihrer Brüder ange־ wiesen, die wenigstens im Genuß der staatlichen Rationen und Arbeitslöhne stehen. Aber groß ist diese Hilfe nicht, man fürchtet allzu sehr, mit Deklassierten in Verbindung zu stehen, ihnen auch nur ein Almosen zu reichen. Jeder Fremde — so auch ich — wird von den Un־ .glücklichen mißtrauisch betrachtet. In jedem Unbekannten fürchten sic einen Kundschafter der Sowjets, sehen sie einen Fläscher. Ich hatte große Mühe, ihr Vertrauen zu erwerben, und auch dann hatte ich nur unter den aller־ größten Vorsichtsmaßnahmen Zutritt zu ihnen. Ich besuchte am Freitag abend den Rabbiner, dessen Tochter unter fremdem Namen in einer Fabrik arbeitet. Er sagte mir: ״Nur diesem Betrug habe ich das Stück־ eben Weißbrot zu danken, das am Sabbat auf den Tisch kommt.“ Man sprach nur im Flüsterton, iii hebräischer Sprache, um vor Lauschern sicher zu sein. Meiner Bitte, mich im Hotel zu besuchen, wurde niemals und von niemandem Folge geleistet. Ein solcher Besuch hätte die schwersten Folgen nach sich ziehen können. Es ist Tatsache, daß angesehene Persönlichkeiten, 'die ins Aushnd berufen worden waren und für die eine .ausländische Intervention einsetzte, dies bitter büßen mußten; sie wurden kurzerhand zu mehrjährigen Zucht־ liausstrafen ■verurteilt , Ich sprach in M. mit dem hervorragenden jüdischen Gelehrten B., der Jahrzehnte vorbildlich in seiner Heimats־ gemeinde gewirkt hatte. Während unseres Gespräches wurde er verhaftet, weil eine Aeußcrung von ihm, daß er Rußland verlassen wolle, bekanntgeworden war. Nach Wien zuriiokgekehrt, lese ich in der Presse, daß dieser Mann für das Verbrechen, Rußland verlassen zu wollen, zu fünf . Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Ganz Rußland macht den Eindruck eines *einzigen, düsteren, grauenhaften Gefängnisses. Auf den großen Chausseen begegnete ich ganzen Trupps von Gefangenen, die in die ״Solofki“, die Konzentrationslager der Ge־ fangenen, abgeführt wurden, zur Strafe für religiöse Ver־ brechen (worunter Ausübung religiöser Funktionen fallen) und Verbrechen gegen die bestehende Wirtschaftsordnung. Ich ging neben einem alten, bettlerhaft aussclien־ den Greis an einem wunderbaren großen Haus vorbei. Der Alte, ein ehemaliger Patrizier der Stadt, flüsterte mir zu, daß dieses Haus einst sein Eigentum gewesen sei, in dem er mit Kindern und Enkeln gewohnt habe. Jetzt sei es ihm enteignet worden, er habe für die ganze Familie zwei feuchte Zimmer zugewiesen bekommen. Aber das;sei noch ein Glücksfall, es gebe Tausende von Fällen, m ׳denen die Behörden nicht so rücksichtsvoll gewesen seien, einen Ersatz zuzuweisen... Mir sind Familien begegnet, wo Vater, Mutter, Kinder, jedes gesondert, Nacht für Nacht ein Dach über dem Kopf suchen... . Aber , genau so tieftraurig wi.e das Schicksal des ״einzelnen i§t *auch das Schicksal der Gemeinden, Sie gehen ■alle mit Riesenschritten unaufhaltsam dem Verfall ent־ gegen. Es ist in Rußland der Synagogenbesuch nicht off/־ izleU verboten; aber alle jene, die in der Synagoge gesehen werden, sind von vorneherein gezeichnet,, sie sind ständig in Gefahr, Freiheit und Stellung zu riskieren, i Gegründet 1882 Gegründet 1882 ו1)1וווווווווווווו!וו1ווווווווווווווווחווווווווווווווווווווווווווווו VtnIiMossliesM Ende Juni 1930 2450 Millionen Idillllng I Garantiemlttsl Endo 1929 390 Millionen Shilling IPiämion- und Zinsenelnnahmon Im Jahre 1929 1231A Millionen Shilling l . Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: | Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische | ן Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, f I Italien, Ungarn,Polen,Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- | | land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten | Es findet sich heute auch kaum einer, der das Amt eines Gemeinde־ oder Synagogenvorstehers übernehmen will. Ich hatte in M. folgendes Erlebnis: Nach dem Sabbat־ gottesdienst wurde mitgctcilt, daß der kürzlich gewählte Gemeindevorstand sein Amt nicdergelcgt habe und sich niemand finde, um die Nachfolge zu übernehmen. Nach dem Gesetz müssen aber mindestens dm Gemeindevor־ stehcr der Regierung namhaft gemacht werden. Ein ange־ sehener alter Mann bestieg das Podium und bat flehent־ lieh, mit Tränen in den Augen, daß sich noch zwei Leute freiwillig melden mögen, um mit ihm gemeinsam das Amt zu übernehmen, sonst würde entweder die Schließung der Synagoge verfügt oder ein Regicrungskommissär eingc־ setzt. Dann wird eine Abstimmung unter der jüdischen Bevölkerung veranlaßt, ob die Andachtsstätte notwendig oder überflüssig ist, und der ausgeübte Druck sorgt dafür, daß diese Abstimmung so ausfällt, wie die Behörden cs wollen. In der Synagoge fiel mir ein Mann im Arbeitskleid auf. Auf meine Frage erklärte er mir, daß er diese Vor־ sichtsmaßregel gebrauche, um seinen Arbeitsgenossen nicht aufzufallcn. Im übrigen bat er mich, nicht mit ihm zusammen über die Straße-.zu gehen,, da jeder, der Be־ Ziehungen oder auch nur eine Unterhaltung mit Aus־־ ländern pflegt, verdächtigt wird. Erschütternder noch als das physische und geistige Elend dieser Unglücklichen ist ihre seelische Not. Sie fühlen sich vergessen und abgeschlossen von aller Welt. Die russische Regierung öffnet kein Ventil, mit aller Macht werden die Unglücklichen im Lande zurückgchalten und sie dürfen ihre Not nicht einmal hirfausschreien — sie sind Gefangene im Innern Rußlands. Ich bin vielen Menschen, unter ihnen geistig sehr hochstehenden, begegnet, ., die mir sagten, daß es ihr höchster Wunsch und einzige Sehnsucht sei, den kommen־ den' Tag nicht zu erleben. *Würden diese Menschen nicht von religiösen Bindungen gehalten, wären sie nicht so fest verankert in ihrem Glauben und ihrer Tradition, so würde jeder Tag Massenselbstmorde ohne Ende und Grenzen sehen... In Ch. sagte mir eine Frau, Mutter von zehn Kindern: ״Die einzige Hoffnung, die uns aufrecht־ hält, ist der Glaube, daß mit Gottes Hilfe unsere Brüder im Ausland Berge versetzen und Mauern durchbrechen werden, um uns zu helfen, wenn sic unser Leid erfahren.“ Verhandlungen der Jewish Agency und der Agudas Jisroel. Offizielles Kommunique. B e r 1 i n, 23. Jänner 193t. Am 20. d. Ml tagte in Berlin unter Vorsitz von Rabbiner Dr. B a e c k zum ersten Male die von der Jewish Agency und der Agudas Jisroel eingesetzte ge־ meinsamc Kommission, die die Fragen der Zusammen־ arbeit prüfen sollte. An der Sitzung nahmen außer dem Vorsitzenden teil die Herren Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Wien,• Dr. Moses Auerbach, Berlin und Julius Holländer, Frankfurt vonseiten der Agudas Jisroel; die Herren Heschel Farbstein, Warschau, Dr. Aron Barth und Rechtsanwalt S. Moses, Berlin vonseiten der Jewish Agency und als .Vertreter der Exekutive der letzteren Herr Lazarus Barth. Es bestand Einverständnis darüber, daß die Be־ Schlüsse der Kommission lediglich als Empfehlungen zu betrachten sein werden und der Genehmigung der be־ schhißberechtig'ten leitenden Organe der Jewish Agency bezw. der Agudas Jisroel unterliegen. בשר של פסח בשי ' E. SCHMIDT & Co• WeingroQhan4l«ng ARÄiTISLAVAv LÄMACSKA 7 empfiehlt Ihre anerkannten vorzüglichen KOSCHERW6INE Lederer & Kehn, II. Cr. *«hllfgasse IG WEIS**. FEIN* UND MIUHQEBÄCK '׳•' S&höfeteettön s' it, Hetiana&l#Ifi• f ' M Vei kaufsstell# fUr d9n 9. Bttlffti IM. Gfasarflaisä 10, tifäpöft A-10-G-511 pdrtieftiäckerel il, MoliandifVane 7 Die Sitzung behandelte zunächst die Frage des Eintritts der Agudas Jisroel in die Jewish Agency. Be־ züglich der religiösen Grundforderungen würde die Agudas Jisroel sich als befriedigt erklären, wenn der über die Wahrung des Religionsgesetzes im öffentlichen Leben gefaßte Beschluß des 12. Zionistenkongresses in die Verfassung der Jewish Agency aiifgenomtuen werden und in einer noch zu besprechenden Weise Garantien dafür geschaffen würden, daß seine Durchführung ge* sichert wäre. Bezüglich der von Agudas Jisroel ge־ forderten Abtrennung des Kulturwerkes von der Arbeit der Jewish Agency würde sich eine wesentliche Erleich־ terung vielleicht ergeben, wenn der aus anderen Gründen zur Diskussion stehende Plan einer Ueber־ lcitung des Schulwerkes auf den Jischuw sich realisierte. Bei einer Kooperation, der an sich weit geringere Hindernisse im Wege stehen, würde es von beiden Seiten als höchst wünschenswert betrachtet, daß ange־ sichts der gegenwärtigen politischen Lage Agudas Jisroel selbständige außenpolitische Schritte betreffend Erez Jisroel nicht unternimmt, ohne daß vorher der Versuch unternommen ist, Jewish Agency und Agudas Jisroel auf eine gemeinsame politische Linie zu einigen. D״ic Jewish Agency wird dies dadurch erleichtern, daß sie die Agudas Jisroel über die politischen Vorgänge, soweit nicht Diskretion vorgeschrieben ist, informiert. Unter der Voraussetzung, daß diese Zusammen־ arbeit sich bewährt, würde ein Zusammengehen auf wirtschaftlichem Gebiete als nicht zu schwierig ange־ sehen werden. Detailfragen, die sich hier ergeben, sollen in einer nächsten Besprechung nach Ablauf einiger Wochen behandelt werden. Diese Empfehlung der Kommission wird der Beratung im Schöße des Geschäftsausschusses der Agudas Jisroel unterliegen. Amtliche Verlautbarungen der Israel. Kultusgemeinde Wien. Kundmachung. . Die Privatistenpriifungcn aus Israelitischer Religion für Schüler und!Schülerinnen an Volks- und Hauptschulen für •das 1. ■Halbjahr des Schuljahres 1930/31 finden!durch die zuständigen!Rcligiouslchrer in den Saminelistationen statt. Die Termine für die Prüfungen können be.i den Schulleitungen oder im Schulamte der Israelitischen K'ultiusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, IIT. Stock, in der Zeit von 9 bis 112 0111* vor mittags ab I. Februar 1931 erfragt werden. Die Prüfungstaxe beträgt S 5 pro Halbjahr und ist 1111 A'orhinein an der!Kassa der :Israelitischen -Kultusgemeinde, 1., Seitenstettengasse 4, 1. Stock, oder -beiden ׳'Bezirksämtern, XV., Turnergasse 22, XVI״ Iluber-gasse 8, und XXL, Hqlzincistcr-guisse 12, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags, bezw. beim Bezirksamtes X-VIlf״ Schopenhaiierstraßc 39, von 3 ■bis 5 Uhr nachmittags zu. Ol*! 0°'GU. ה Die Quittung ■ist dem zuständigen Religiouslelirer vor der Prüfling־ zu übergeben. Der schriftliche Bescheid dos Stadt-, bezw. Orteschulrates über die bewilligte Dispens vom Besuche des öffentlichen ׳israelitischen iRcligions 1111 tcrrich-tcs ist dem Prüfer vorzuweisen. Der Vorstand der Israel. Kuftusgeme-inde Wien. Der Vorstand der israelitischen Kuitusgemeinde Wien gibt liiemit bekannt, daß die Privatistenprüfungen aus israelitischer Religion für Mittelschiilcr(innen) und Präparandinnen im I. Halbjahre des Schuljahres 1930/31 Mittwoch, den 4. Februar 1g3! von 4 bis 5 Uhr nachm., L, Seitenstettengasse 2, II. Stock (Rabbinatskanzlei) durch Herrn Studienrat Inspektor Prof. Dr. Heinrich Redisch vorgenommen werden. Die Prüfungstaxe beträgt S 5 pro Halbjahr und ist im vorhinein an der Kasse der israelitischen ' Kuitusgemeinde Wien, L, Seitenstetten« gasse 4, 1. Stock, zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu entrichten. Die Quittung ist dem Examinator vorzu« legen. Der Vorstand der israel. Kuitusgemeinde Wien. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 31. Jänner a. c. findet um 3 Uhr nachmittag der Jugend־ gottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Ge־ meinde־ und Bezirkssynagogen statt. Samstag, den 31, Jänner 1931: 1/410 Uhr vormittags: Exegetischer Vortrag XXL, Holzmeistergasse 12, Rabbiner Dr. Rosenmann. V:>4 Uhr nachmittags.־ Religiöspopulärer Vortrag (Zyklus: ״Die Lehrer und Lehren der Mischnah ünd der Gcmarah“, 11״ Fazmamtengas.se 6, Rabbiner Dr. Z. Taubes). 4 Uhr nachmittags: Exegetischer Vortrag, XIX., Dollinergasse 3 (Rabbiner Dr. A. Frankf furter). Predigten in den israelitischen Gemeinde* und Bezirkssynagogen, Freitag, den 30, Jänner 1931, werden bei’ dein um 4 Uhr 50 Minuten beginnenden Abendgottesdienst in nachbenannten Gemeinde- und Bezirks!* Synagogen Predigten abgehalten, und zwar: VI״ Schmalzliofgasse 3 (Rabbiner Dr. J, Drobinsky); VIII״ Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); IX״ Müllnergasse gl (Rabbiner Dr. A. Z; Schwarz); XV״ Tiirhergasse |2 (Rabbiner Dr. 1. Taglicht); XVI״■ Hubergasse 8 (Rabbiner Pr, M, Bach)׳,. XVIIU Schopenhauerstraße 39 : (Jtabbiner Dr, D, Fenchtwang); XX., Kluckygasse U (Rabbiner Dr, B. Murmelstein).