Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 2 (9.1.1931)
- Date
- 1931-01-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Brot! Efstfclässsii und billig bei י L©derir Ä kohn, Dampf bäckerel II, 6*. StHiffga*«6 16 ' II, HollancUtraBe t Telüphoii A*41»4*45 Tdephötl R-47-4-95 weiss*, fein* und milchgebAck Soholetsef zeit 1 I (,Holland Straße f . ... Ve»kauf*si«ll8 für dan 9. Betirk: IX, ßlasergasse 10, Telephon A50־6*10־ genommen werden; Spwohl diese Reihenfolge als auch die Wahl der verschiedenen Kommissionen beschworen heftige Zusammenstöße der Parteien herauf und jeder Punkt mußte durch geheime Abstimmung seiner Erledig gung zugeführt werden. Die Liste der neugewählten Landcsfepräsentanz enthält nur wenig neue Namen, aber diese kleinen Aenderungen haben doch zur Erreichung des lange gehegten Wunsches geführt, daß diese oberste Körperschaft der siebenbürgischen Orthodoxie kein ein־ ziges weltliches Mitglied habe, das vom Gesichtspunkte der Sabbatheiligung beanstandet werden könnte. Nun kamen diejenigen Fragen aufs Tapet, die das außerordentliche Interesse der Gemeinden ausgelöst und in Gfoßwardein fast zu einer Zersplitterung der Kräfte geführt hätten. Herr. Ordentlich (Dej) referierte über die־ sen Gegenstand in erschöpfender, alle Details umfassen־ der Weise. Seine in vollendeter Form vorgetragenen Ausführungen waren stellenweise von solchem Elan ge# tragen, daß er die große, stark abgespannte Zuhörerschaft zu lauter Begeisterung hinriß. Er mahnte in eindring־ liehen Worten zur Erhaltung der Einheit und des Frie־ dens und beantragte, daß ,ein elfgliedriges Komitee er־ richtet werde, dem seitens der Zentralkanzlei sämtliche Fragen wirtschaftlichen, finanziellen und zum Teile poli־ tischen Charakters zur Verhandlung und Durchführung zugewiesen werden mögen. Diese Kommission, obwohl sie einen Präsidenten und Vizepräsidenten wählen und eine besondere Kanzlei in einem ihr am zweckmäßigsten erscheinenden Orte errichten darf, wird doch der Zentral־ kanzlei angegliedert sein und deren Einheit nicht ge־ fährden, da die Zentralkanzlei stets das Arbeitsprogramm der Wirtschaftssektion festsetzt, an ihren Verhandlungen durch Entsendung eines Vertrauensmannes sich beteiligt und die Kosten des Apparats aus ihren Mitteln be־ streitet. Die Mitglieder des Komitees wurden von der Delegiertenversammlung für die Dauer von drei Jahren gewählt. Da. auch die prominentesten, an der Konferenz in Großwardein anwesenden Persönlichkeiten ebenfalls Mitgliedes־ dieser Sektion sind, so ist begründete Hoff־ nung vorhanden, daß die zwischen einigen Gemeinden und der Zentralkanzlei seit langem gestörte Harmonie wiederhergesestellt wird, und die Stimmen der Unzufrie# denen, daß die Kanzlei auf keine nennenswerten Leistungen für das Gesamtwohl hinzuweisen habe, wer־ den verstummen müssen, denn nun ist das geeignete In־ strument geschaffen, all diejenigen Fragen zu lösen, die die Sehnsucht der breiten Schichten bilden. Zu diesem Fragenkomplex gehört an erster Stelle die Beschaffung einer ausländischen langfristigen Amortisationsanleihc, die zur Konvertierung der Gemeindeschulden einerseits und zur Schaffung sowohl wichtiger neuer Institutionen als zur Erhaltung bereits bestehender, aber unter dem Drucke der fürchterlichen Wirtschaftskrise vegetierender Anstalten andererseits verwendet werden müßte. Ferner soll endlich nach vielfachen und immer wieder miß־ lungenen Versuchen ein Pensionsfonds für sämtliche Kategorien der Gemeindebeamten gegründet werden, dessen wohltätige Folgen sowohl die Gemeinden als auch die Beamten genießen würden. In den Wirkungskreis dieser Kommission soll ferner die Aufbringung der Mittel gehören, die nötig sind zur Regelung vieler wich־ tiger Probleme unseres Landesteiles, wie 7,. B. die Ab־ Schaffung der Samstagwochenmärkte, die Verlegung der Gerichts־ und Steuerverhandlungen jüdischer Parteien von Samstagen und Feiertagen, Fundierung und Existenz־ Sicherung unserer Thoralehranstalten, die Versorgung der jüdischen Soldaten mit Koscherkost. Auf Verlangen der Rabbiner wurde dieser letzte Punkt in Anbetracht, seiner Dringlichkeit besonders be־ handelt und zu seiner Lösung, eine Spezialkommission Unter dem Vorsitze des agilen Oberrabbiners i.n Turda eingesetzt, die vom Kriegsministerium das Recht der Aufstellung von iKoscherkiichen in allen Garnisonen, wo es notwendig ist, erwirken soll. Die Regierung soll bloß die Menagegelder der jüdischen Soldaten in Bargeld oder Materialien zur Verfügung stellen, die sonstigen Mehr־ kosten wird die Gesamtheit aufbringen. Bis zum Gelingen der allgemeinen Regelung hat sich die Kommission mit den einzelnen Garnisonskommandanten in Verbindung zu setzen, daß sic interimistisch die Aufstellung einer Solda#: tenmensa im eigenen Wirkungskreise gestatten. Die Kom־ 9ius ^Vergangenheit und Qegenwart Zum Ableben Theodor Nöldekes. Iin patriarchalischen Alter von 95 Jahren verstarb an! 25. Dezember in Karlsruhe, wie in der vorigen Num־ mer,schon kurz erwähnt wurde, ein Mann, der es, obgleich er nicht Jude war, wie selten jemand verdient hat, auch in dieser ausschließlich dem Judentum gewidmeten Zeitung dankbar gewürdigt zu werden. Der Name Br. Theodor. N ö 1 d e k e hat auch im gesinnten Judentum einen guten Klang, und ältere Leute werden sich noch der Zeit erin־ nern, als er auch in solchen jüdischen Volksschichten populär war, die mit den Wissensgebieten nichts zu tun haben, denen seine eigentliche fruchtbare Lebens־ arbeit galt. Nöldeke war viele Jahrzehnte Professor für semiti־ sehe Sprachen und Literaturen an der Kaiser־Wilhelms־ Universität in Straßburg. Als Gelehrter genoß er Weltruf fünd galt als hervorragendster Semitist unserer Zeit. Schon als junger Gelehrter von 22 Jahren wurde seine ״Ge־ schichte des Korans" von der preußischen Akademie der!Wissenschaften preisgekrönt Und seit jener Zeit war er unermüdlich forschend und lehrend tätig. Mehrere hundert Sprach־ und literarwissenschaftliche bedeutende Werke und Abhandlungen erschienen von ihm in fast allen jKultursprachen in Druck, darunter zahlreiche, die biblische und andere mit Juden und Judentum zusammenhängende Themata zum Gegenstand haben. Von den großen sprach*!1wissenschaftlichen Werken, die er verfaßte, wurden seine jgrupdlegende ״ßyriscHe Qrmpmatik‘‘ uncLdie ״Mandäische Grammatik“ berühmt Er beschränkte sich in seinen Ar* beiten nicht auf •sein Fach im Engeren Sihhr sondern kogalles in den Bereich seiner Forschungen, was irgendwie JÜDISCHE PRESSE mission hat bereits die vorbereitenden Schritte unter־ riötftffien und die Erfahrung gemacht, daß im Anfang weder die »Idee“, noch tläs »Wort“ sondern das ״Geld“ steht. So hat sie, um ^ie schön uhetläßHchen Getdbetfäge aüfzubringeh, Aufrufe äÜ dfe Gemeinden ergehen lassen, ,in denen sie auf gefordert Werden, die Erreichung des edlen Zieles durch die Üelieflässung der Tefüpetspenden am Sabbat Schmoth zu fördern. Die Zentralkanzlef li|ß anläßlich־ des Delegierten# tages ihren Bericht über ihre in den verflossenen sieben Jahren entfaltete Tätigkeit fe einem Gelbbüche erscheinen und unter die Delegierten verteilen. Diesem Berichte ist zu entnehmen, daß die Kat|zlei die krampfhaftesten An# strengungen gemacht hat, um die ihr anvertrauten Inter# essen der hierländischen Orthodoxie zu vertreten und vorwärtszubringen. Daß diese Anstrengungen nicht zitm gewünschten Erfolge ,geführt haben, ist keineswegs Schuld der leitenden Orgatte, die Erklärung hiefür muß ׳in der Eigenartigkeit unserer Verhältnisse gesucht und . gefunden werden. Im Anschlüsse an den Bericht ent# wickelte sich aus diesem Grunde auch keine Debatte. Nur zu dem Kapitel ״Enthebung der jüdischen Schüler vom Schreiben in den Staätsschulen“, in dem ebenfalls über die unzähligen mißlungenen Interventionen berichtet wird, wurde der im Herbste seitens der Machsike Hadas gestellte Beschlußantrag angenommen, daß in dieser An# gelegenheit demnächst eine größere, aus markanten Per# sönlichkeiten der Siebenbürger orthodoxen Gemeinden zusammenzusetzende Abordnung beim König in Audienz erscheine, um von ihm, der die letzten Jahre in den großen Kulturzentren Europas verlebte, die Abschaffung des kultur# .und freiheitswidrigen religiösen Gewissens# zwanges zu erflehen. Hoffentlich wird dieser Schritt zum ersehnten Ziele führen. . |@1 NACHRICHTEN1©1 ־ Empfang einer Delegation der Agudas Jisroel bei Unterstaatssekretär Dr. Sliiels im Colonial Office. Dr. Drummond S h i e 1 s, M. P., Unterstaatssekretär für die Kolonien, empfing heute Rabbi Dr. P i n c 11 a s Ko h n, Präsidenten der Agudas־Jisroel־Wcltorganisation, und Mr. FL A. Goodma n, Sekretär der politischen ־ Exekutive der Agudo. Die Deputation legte Dr. Shiels die Anschauungen cler Aguda־Organisation in bezug auf die jüngste Entwick# lung in Palästina und insbesondere auf diejenigen Gegen־ stände dar, die mit den unlängst von Seiner Majestät Regierung veröffentlichten Weißbuch in Verbindung stehen. In dieser. Hinsicht wurde Bezug genommen auf den vorgeschlagenen gesetzgebenden Rat für Palästina, auf Einwanderungscrleichterung für mittelständischc Elemente und insbesondere für Talmudstudenten, auf das Gemeinde# gesetz für Palästina und auf die neueste Verordnung wegen der Zwangssonntagsruhe in den Steinbrüchen von Athlit. Dr. Shiels versprach, den ihm unterbreiteten An־ trägen sorgfältige Beachtung zu schenken. Er betonte seine Freundschaft für die■ jüdischen Ideale, aber auch seine. Meinung, daß diese Ideale nur durch freundschaftliche Zusammenarbeit unter allen Teilen der palästinensischen Bevölkerung realisiert' werden könnten. Die Athlit־Vcr־ Ordnung sei nach reichlichen Erwägungen erlassen worden. Sie soll in keiner Weise einen Präzedenzfall darstellen, ist vielmehr aus rein ökonomischen Motiven erlassen wor# den, weil durch die siebentägige Arbeitswoche .die Aus־ gaben stark vermehrt wurden und das Aufsichtspersonal sieben Tage in der Woche arbeiten mußte, was seine Ge# sundheit und Arbeitsfähigkeit beeinträchtigte. Die Sache werde jedoch weiter beobachtet werden und er hege gewiß die größten Sympathien für die religiösen Bedenken, die ihm von der Aguda־Delegation vorgetragen seien. Abreise des Zehlemer Row nach Ungvar. Wie bekannt, wurde der Zehlemer Row bereits vor Jahresfrist zum Oberrabbiner von Ungvar gewählt. Ver# gangenen ש״ק hielt er vor der versammelten Gemeinde seine Abschiedsdrosche, in der er sie zum Festhalten an "תורה ויראת ש ermahnte. Sonntag früh fuhr er dann, be# gleitet von den Führern der Kehille und von Talmidim, nach Wien, wo er von einer großen Anzahl ehemaliger Talmidim empfangen wurde. Auch R. Josef Baumgarten שליט״א hatte sich zum Abschied eingefunden. Den ein־ stündigen Aufenthalt benutzte der Zehlemer Row, den Talmidim ,דכריח1רר verme״gt mit eindringlichem 211מוסד sagen. Von Jechirufen begleitet, setzte er dann seine Reise nach Ungvar fort. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange Jahre in seinem neuen Wirkungskreise für הרבצת תורה zu wirken. Nr. ■ä ■ IBoUinger'Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik! Wl«n, XV., Staglgasse 10 bei Mafiahilferstf. 148) Tel.. R45-8-4? und R-39-5-38 Filiale* Wien VII, Burggasse 17, fei־ B 32*3*86 S. Nüssen bäum זצ״ל Montag, den 5. d., erlitt die^ Wiener Ortho# doxie einen schweren Verlust, Einer unserer Besten 1׳ שמיאל הכהן זצ״ל Nüssenbaum, wurde plötzlich aus unseren Reihen gerissen. Was dieses Muster eines auf־ richtig frommen, wirklichen Talmid Chochom für die Wiener thoratreue Judenschaft bedeutete, läßt sich schwer in Worten schildern. Er widmete jede freie Minute dem Thoralernen und der Arbeit für echt jüdische Belange. Seine Leistungen als Vorstandsmitglied des Waisenhauses der Agudas Jisroel in Baden, waren von größter Bedeu־ tung für die Entwicklung dieser mustergültigen Anstalt. Als Mitglied des Vorstandes der Agudas Jisroel und deren Zentralrates nahm er an allen Arbeiten desselben lebhaften Anteil. Im Umgang von einer gewinnenden Liebenswürdigkeit, hatte er nur Freunde und Verehrer. Bei dem Leichenbegängnis sowohl im Trauerhause als auf dem Beth Hachaim beteiligten sich zahllose Freunde. Der Präsident des Waisenhauses, I. I. Thumim, würdigte tief ergriffen die hohen Verdienste des Verblichenen, die große Lücke, die er im jüdischen Leben Wiens hinterließ. Dir. Friedmann entwarf ein gewinnendes Bild von der Tätigkeit des Verblichenen. Für den G. A., der Agudas Jisroel sprach Herr W. S. Jacobsohn warm empfundene Worte des Schmerzes über den Verlust. Die Wiener Orthodoxie und alle seine Freunde werden dem Ver־ blichenen stets ein warmes Andenken bewahren. חנצב״ה Neue Telephon-Nummern! Ab 15. Jänner d. J. Ist das Büro der Agudas־Jisroel־ Ortsgruppe, der österreichischen Landesverwaltung des KerensHathora und der Palästina־Zentrale der Agudas־ Jisroel für Oesterreich zu erreichen unter der neuen Telephonnummer A-48-4-15 (bis 15. Jänner R#4080־0־). Bitte vormerken! Das Sekretariat des ״Schomre־Schabbos", Wien, II., Leo# poldsgasse 16, teilt mit, daß ihre Telephonnummer ab 15. Jänner d. J. in A-48-4-15 geändert wird. (Bis 15. Jänner R80־0־40־.) Schulverein ״Betli-Jakob‘6 11, Brigiltenauerlände 2 ־— Die Leitung der Beth#Jakob#Schule gibt bekannt, daß Anmeldungen entgegengenommen und Auskünfte erteilt werden durch das Sekretariat der ÄgudassJisroel־ Ortsgruppe, Wien, II., Leopoldsgasse 16, Tel. A#484#15־. Expositur für jüdische Presse und Literatur Die Expositur für־ jüdische Presse und Literatur der AgudassJisroeLOrtsgruppe, Wien, II., Leopoldsgasse 16, teilt mit, daß sie auch die Vertretung der Monatsschrift ״Nachalath Zwi“ der Rabb.־Hirsch־Gesellschaft in Frank# furt a. Main übernommen hat. In der vorwöchigen Notiz über die Errichtung der obgenannten Expositur soll es richtig heißen: ״Der Auf־ stieg“, Berlin. __ Frau Mirjam Fischer!ע״וי Eine 14 אשת חילs der guten, alten Zeit, Frau Mirjam Fischer, Gattin des vor Jahren verstorbenen הצ/׳ ר׳ נבריאל סישער ז״צל wurde am יי בטנת zu Grabe getragen. Eine sei־ tene צרקת, die. auch mit den schönsten und edelsten jüdischen Tugenden ausgestattet war, ist mit dieser Frau aus dem diesseitigen Leben geschieden. Sie war ein Muster jüdischer Frauen. Sie entstammte einer echt jüdischen Familie und wurde die würdige Schwiegertochter des be־ rühmten Stuhhveißenburger Rabbiners גאטטליעב H הרב פישער זצ״ל Ihre heiße Liebe zu תירה und מצות» wie sie sich ergötzte am Thoralernen ihrer Enkelkinder in ihrem ביה המדרש,, wo täglich gebetet und gelernt wird, läßt sich in kurzen Worten nicht schildern; sie hatte wmmmmmmmmmammmmmmmmammammaaaammKUKmammammmi die Kenntnis vom Orient erweitern konnte. Besonderes Interesse zeigte er dem persischen Kulturkreis. Seine Monographie über das ״Iranische Nationalepos" z. B. ist eine der lichtvollsten wissenschaftlichen Abhandlungen, die je in deutscher Sprache geschrieben wurden. Ueber den Gelehvtenkreis hinaus genoß er aber auch als edler Mensch die höchste Achtung. In diesem be־ seheidenen, schlichten Mama mit den gütigen, lebhaften Augen, der scheinbar abseits vom pulsierenden Treiben der großen Welt nur zwischen seinen Büchern lebte, wohnte eine große Seele, diö sich oft genug kundgab, wenn er im politischen oder kulturellen Geschehen ein Unrecht wahrnahna. Auf dieser Linie wurde er auch im Judentum bekannt, ln den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts schlug die antisemitische Bewegung in Oesterreich hohe Wellen. Der Dominikanerpater R o h 1 i n g frischte die albernsten mittelalterlichen Anklagen gegen Juden und Judentum auf und stützte seine Beschuldigungen auf an# gebliche Lehren des Talmud, Ms dessen gründlichen Kenner er sich gerierte. Der Abgeordnete und ehemalige Floridsdorfer Rabbiner Di;. Josef Bloch, der damals auf der Höhe seiner parlamentarischen Tätigkeit war, wies die Angriffe Rohlings mit ungemein scharfer Verve zurück und bezichtigte ihn der Ignoranz und des wissentlichen Meineides. In dem Ehrenbeleidigungsprozeß, den darauf Rohling gegen Dr. Bloch anstrengte und der das größte Aufsehen erregte, fiel Theodor Nöldeke eine entsehei־ dende Rolle zu. Er galt schon in jener Zeit als einer der besten Kenner des Talmud unter den. Christen und als ein Gelehrter, an dessen Charakter ein Verdacht sieh nicht heranwagte. Sein Svissenschaftliches Gutachten be* deutete denn auch eine .Vollkommene Rechtfertigung des Talmud auch vor der nichtjüdisehen Welt und gab im Prozeß den Ausschlag. . . - Vorn Adel seiner Gesinnung und der Vornehmheit seines Charakters zeugt auch folgende persönliche Reminiszenz: Er liebte es zuweilen, mit einzelnen seiner Schüler sich auch privat über Menschen und Dinge zu unterhalten. Eines Tages, vor etwa 30 Jahren, besichtigte ich bei ihm die ehrenden Diplome, Orden, Medaillen usw,, mit denen er von Regierungen, Akademien und gelehrten Gesellschaften in Menge ausgezeichiact wurde. War er doch fast von allen Akademien der Welt Ehren# oder korrespondierendes Mitglied. Auf meine Bemerkung, daß es doch ein angenehmes Gefühl und eine große Genug־ tuung sei, für rein wissenschaftliche Gelehrtenarbeit solche Anerkennung gefunden zu haben, entnahm er seinem Schreibpult ein kleines Etui und zeigte es mir mit den Worten: ״Sehen Sie, dies ist die einzige Auszeichnung,■ die mich etwas tiefer angeht und die mar wirklich dauernde Freude bereitet." Das Etui enthielt die preußische Rettungsmedaille. Er hatte unter eigener Lebensgefahr ein Kind .vor dena Ertrinkungstod gerettet. Merkwürdigerweise sehe ich jetzt in der Todes־ anzeige, die sein Sohn, Eisenbahndirektor W. Nöldeke, in Karlsruhe im Nanaen der Hinterbliebenen herausgab, unter den hohen Orden und Auszeichnungen, die ihm zu־ teil wurden, diese Rettungsmedaille an erster Stelle ge־ nannt. Das geschah ganz gewiß im Geiste Theodor Nöldekes. Die dankbare Erinnerung an einen solchen Mann wird auch im Judentum ein Segen bleiben. J, J. B. Die Wirtschaftslage der Juden in Amerikas Berlin, 28, Dezember. (J, T. A.) Der europäische Direktor des American Joint Distribution Committee, Pr. Bernhard Kahn, der soeben von eipem mehrwöchigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten nach Berlin zurück־