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Jüdische Presse · 1931-01-09 · 2 (9.1.1931) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
2 (9.1.1931)
Date
1931-01-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei t ״JÜdische Presse■, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 ׳ '־ ־" •׳ ״,■־ .־״־ Tt ■ ־׳ * ' ■■■־-'■ ־:. ׳ ••‘־•>-־־ •”.׳.יי״־•"'.■־• , . Nr. 2 Wien-Bratislava, 9. Jänner 1931 ב •ד וינא־פרעסבומ כ״ טבת תיצ״א 17. Jahrg. Wenn clem Ungar. Telegraphen«Bttro zu glauben ist, hat die seit einiger Zeit innerhalb der ungarischen Neologie bestehende ״Union der ungarischen Juden“ in einem Beschluß zu der Volkszählung in 'der tschecho« slowakischen Republik Stellung genommen und sich dem Proteste der magyarischen nationalen Minderheit an den Völkerbund angeschlossen, worin darüber Klage geführt wird, daß auf die Juden in der Slowakei von seiten der Regierung und der Behörden ein Zwang ausgeübt worden sein soll, sich nicht zur magyarischen, sondern zur jüdi« sehen Nationalität zu bekennen. Diesen angeblichen, ganz bedeutungslosen Beschluß eines völlig bedeutungslosen Vereines benutzen jetzt sämtliche zionistischen Blätter in unserer Republik, um in fast gleichlautenden geharnisch« ten Gegenprotesten auch nach der Volkszählung für ihre neuerfundene ״jüdische Nationalität“ Propaganda zu machen. Sogar der längst vergessen geglaubte, von nie« mandem gewählte und von niemandem betraute ״Jüdische Nationalrat“ in Prag benutzt die gute Gelegenheit, um aus dem Grabe hervorzusteigen, und läßt den mit Hilfe der Nationalpolen zum Abgeordneten der ״National« juden“ ins Parlament hineingcwählten Zionistenführer Dr. Ludwig S i n gc r als seinen Präsidenten, mit einer Kundgebung in der ״Prager Presse“ das Wort ergreifen und sich um die Verteidigung der ״jüdischen Ehre“ und des ״jüdischen Stolzes“ billige, Lorbeeren holen. _ Wir sind der Ansicht, daß ein Beschluß des ge־ nannten ungarischen Vereines eihen solch mächtigen Sturm und solch rauschende Protestkundgebungen gar nicht verdient. Wir kennen die Verhältnisse in den jüdischen Gemeinden der Slowakei zur Genüge, um . zu wissen, daß es auch ohne die Schaffung einer ״jüdischen Nationalität“ eine beachtenswerte Anzahl von Juden in der Slowakei und Podkarpatska Rus nicht gibt, die in Versuchung gewesen wären, sich zur magyarischen Nationalität zu bekennen und durch ein solches Bekennt« nis irgend welche unpatriotische Interessen des Auslandes oder der magyarischen nationalen Minderheit zu. unter־ stützen. Hiezu hat es wahrlich nicht erst eines be« hördlichcn ״Druckes“ bedurft. Eine solche Beeinflussung wäre auch bei der politischen Freiheit, der sich die Juden in der Tschechoslowakei gleich der anderen Be« völkerung erfreuen, wirkungslos geblieben. Daß dennoch in Ungarn und offenbar auch hier in manchen Kreisen der törichte Irrglauben auftauchen konnte, es könnten Juden in größerer Zahl magyarische nationale Wünsche fördern wollen, das haben wir hauptsächlich unseren Zionisten und Nationalisten zu danken. Der aus« gerechnet hier in der Slowakei mehr als in allen anderen Staaten des politisch reifen Westens mit besonderen! Hochdruck betriebenen künstlichen Konstruierung einer jüdischen Sondernationalität mit, politischer Färbung und der von den Zionisten in ihren Aufrufen behaupteten, a b e.r in Wahrheit niemals׳ be« stätigt gefundenen Förderung, der sie sich hierin bei der jüngsten Volkszählung von der Regierung sicher glaubten, liegt dieselbe Insinuation, dieselbe n a t i Q n a 1 ־ p o 1 i t i s c h e Unterstellung zugrunde, wie sie sich in dem widersinnigen Beschlüsse der ״Union der ungarischen Juden“ offenbart. Ohne die unpatr io« tische Zumutung an die jüdische Bevölkerung in der Slowakei und Podkarpatska Rus, von der dieser Budapester angebliche Beschluß ausgeht, wäre es einem nichtexistierenden ״Provisorischen Vollzugsausschuß der zu bildenden slowakischen und podkarpatskarussischen jüdischen Einheit“ ebensowenig möglich gewesen, sein Pjakat ״ZSTDO, FIZESS!“ herauszubringen, wie es das bestenfalls gleichermaßen im Verborgenen blühende ״Tschechoslowakische vereinigte jüdische Volkszählungs« komitee“ trotz seiner ״treujüdischen Grüße“ jemals ge« wagt hätte, mit seinem Aufruf ״Juden!“ hervorzutreten. Die jüdischen ״Minderheitsnationalisten“ mögen sich selber an die Brust klopfen. Sich selber und ihrer weisen ״Politik“ haben sie es zuzuschreiben, wenn sie es jetzt durch den BuSdapester Beschluß als peinlich empfinden, daß jüdische Brüder im Auslande in unverantwortlicher Weise kein Bedenken tragen, gegen uns unpatriotische Verdächtigungen zu wecken, daß sie, ohne uns slowaki־ sehe Juden befragt zu haben, in Fragen,■ die uns und nur uns angehen, gemeinsam mit den nationalen Minderheiten unseres Staates an den Völker« bund herantreten und ihn mit einer erdichteten politi« sehen ״jüdischen Minderheitsnationalität“ beschäftigen. Sie allein sind der ungarischen Union aus eigener Machtvollkommenheit im Zusammenschluß mit den ״Min« derheitsnationalitäten“ vorangegangen und haben ihnen auch den Weg zum V 9 1 k e r b u n d gewiesen. ' Dem orthodoxen, d. h. nach den Satzungen und im Geiste von Tho1־a־Tradition lebenden Juden, liegt nichts ferner als der Wunsch, sich zu assimilieren oder in einer nichtjüdischen Umgebung aufzugehen. Jede Minute seines •‘®י’ Lebens ist ausgefüllt von dem beglückenden Bewußtsein seines Judentums, jede Regung seines Herzens bedeutet eine starke Bejahung lebendigen jüdischen Daseinswillens und jüdischer Impulse. Die Frage des Bekenntnisses zu einer ״jüdischen Nationalität“ hat indessen damit nichts zu tun. Vom Standpunkt der Treue zum hi storischen Judentum kann die Inaugurieru.ng einer neuen Politik des jüdischen ״Minderheitsnationalismus“ nicht unter dem Gesichtswinkel der politischen Konjunkt u r be« trachtet werden. Sie ist eine ausschließlich innerjüdis c h e Frage, deren Lösung von der jüdi־ sehen Wahrheit und der jüdischen Wahrhaftigkeit ihren Ausgang nehmen muß. Im Zusammenhang mit einer landespolitischen ״jüdischen Nationalität“ sind Schlag« Wörter wie ״jüdischer Stolz“, ״jüdische Ehre“, ״jüdisches Selbstbewußtsein“ etc. nichts anderes als hohle Phrasen nach fremden Vorbildern, denen nicht eine Spur wirklich jüdischen Lebenswertes innewohnt. Alle diese hochtönen« den Schlagwörter, wie eigentlich die ganze jüdisch־natio« nalistische Politik, sind nur dazu gut, den• kollektiven Abfall von dem, was bisher als jüdische Wahrheit galt, den Abfall ״mit fliegenden Fahnen“ vom historischen Judentum, zu verschleiern. Die künstliche Schaffung einer politischen oder modern«kulturellen jüdischen V e r« 1 e g e n h e i t s nationalität. in der Tschechoslowakei ist, ,im Lichte der jüdischen Wahrheit betrachtet, ein par« tieller Versuch zur U m W.ivn dlung der■ jüdi« sehen religiösen Vo 1 k sgemeinschaft in eine vom Geiste unserer Zeit bestimmte politische Nationalität', also der Gipfel der Assimilation, die frivolste, weil uneingestandene, Be« Strebung zur Angleichung des *Judentums an das Wesen und die Erscheinungsformen der nichtjüdischen Völker« gemeinschaften. Das ist der ן Grund, weswegen gerade die am wenigsten assimilierten, die religiösen Juden sich mit dem Gedanken der Vermehrung der Nationalitäten in der tschechoslowakischen Republik um eine neue, eine ״jüdische“ Minderheitsnationalität nimmer befreunden können. Unsere Regierung war demnach verhängnisvoll schlecht beraten, als sie sich von dem Proteste der jüdi« sehen Nationalisten und Zionisten bestimmen ließ, die ur« sprüngliche Fassung des statistischen Zentralamtes abzu« ändern und in die Vorschriften für die Volkszählung für uns Juden ein Sondergesetz aufzunehmen. Sie hat da« durch ohne jede Notwendigkeit und ohne irgend welchen Vorteil, unter Verkennung der patriotischen politischen Gesinnung der Juden zu jenen falschen Meinungen und Mißdeutungen, denen die Resolution * der ״Union der ungarischen Juden“ offenbar entsprungen sein dürfte, die Voraussetzung geschaffen und überdies — allerdings un« beabsichtigt — in den inneren Angelegenheiten des Judentums, psychisch zumindest, dem Vormarsch der jüdischen Nationalisten gegen die historische Lebens« form der jüdischen Gemeinschaft Vorschub geleistet. Civis Judaetis.■' Generalversammlung der transsylvanischen Orthodoxie. Von Rabbiner Josef Adler, Schäßburg. Dieser Tage wurde in Dej die in unserem Landes« Organisationsstatut vorgesehene, von sechs zu sechs Jahren einzubetufende Delegiertenversammlung abge« halten, die außer ihrem־ gewöhnlichen Pensum, Wahl der Landesrepräsentanz (der Präsident,,,־ist lebenslänglich), noch andere wichtige Fragen zu erledigen hatte. Wie be« kannt, besteht seit Jahr und Tag eine Spannung zwi« sehen einigen Großgemeinden oder, richtiger gesagt, zwi« sehen den Vorständen und Leitungen einiger Groß« gemeinden und der Zentralkanzlei in Bistritz. Diese Un« stimmigkeiten, die alle durch innergemeindliche Streitig« keiten hervorgerufen wurden, konnten trotz vieler Ver« handlungen, bisher nicht beseitigt werden, ja sie ver« schärften sich noch im Laufe der• Zeit und wuchsen zu offenen Gegensätzen an. Im Monat November traten etwa 30 Vertreter der Großgemeinden in Großwardein zu einer Konferenz zusammen, deren Zweck die Schaffung einer zweiten orthodoxen Zentralstelle in Transsylvanien war. Allerdings wurde behauptet, daß diese Zentrale sich bloß mit Fragen wirtschaftlicher, finanzieller und politi« scher Natur befassen solle. Alle vorurteilslos Denkenden mußten in diesem neu zu errichtenden Mittelpunkte eine eminente Gefahr für die bereits bestehende Zentralkanzlei erblicken, denn unmöglich wäre cs gewesen, eine fried« liehe Demarkationslinie zu ziehen zwischen den* Kom« petenzkreisen zweier rivalisierender Körperschaften. Rei« bungen, heftige Auseinandersetzungen, Durchkreuzungen der Pläne und Hemmungen der Unternehmungen ־wären unausbleibliche Folgen der zwei parallelen Zentralen' ger« wesen und die orthodoxe Organisation wäre unfehlbar ihrer Auflösung entgegengegangeri. Der Präsident unserer Kanzlei, Oberrabbiner' Ullmann, knüpfte im Bewußtsein seiner Verantwortung in letzter Stunde mit den führen« den und einsichtigen Männern der Gegenpartei Verhand« lungen an, die zu der erfreuenden.Verständigung geführt haben, daß auf der Konferenz in Großwardein nicht die Schroffheit lind Hartnäckigkeit Oberhand erhielten, son« dern eine zuwartende Stellungnahme eingenommen wurde. Die endgültige, Entscheidung wurde für einen späteren Termin, nach stattgehabter Delegiertenver« Sammlung, verschoben. Die Delegiertenversammlung stand auch tatsächlich unter dem Zeichen dieses Problems. In allen Gemeinden und Schattierungen wurde es mit der größten Aufmerk« samkeit und, mit regem Interesse verhandelt. Der Dele« giertentag war von 172 Gemeindevertretern besucht, die mit großem Aufwand, von Zeit und Kosten fast drei• Tage in Geduld und Ausdauer zusammenblieben, um die auf der Tagesordnung stehenden Fragen endgültig, zum Heil und Frieden der orth, Gemeinden und ihrer Zentral« behörden zu verabschieden. Laut Beschluß der am Vortage der Delegierten־ Versammlung abgehaltenen letzten Sitzung der abtreten« den Landesrepräsentanz sollte der Delegiertentag• erst die statutarisch vorgeschriebene Tagesordnung•, erledigen und nachHer. sollte erst der andere Fragenkomplex vor« Was bieiet die führende Weltfirma TYICLV Wien ljKärntnefrihg'6 I (gegenüber Hotel Bristol) 1, Modernste und individuellste Ausführung. % Tadellgsen, mustergültigen Sitz, 3, Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen־ Die Firma QTHMAR SCHIFF legt allergrößten Wert darauf! jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzustellen. - Setzen Sie sich daher, bevor Sie eine Perücke kaufen, | in Ihrem ureigensten Int;eresse mit der Firma . OTFW SCl'liWF inVerbindungl 9

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