Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 50 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHF PRESSE Verwirrung ״<‘in(M• Cienerntinn zu u iedcrliolen. die nus ״kulturellen“ und allgemein geistigen Erwägungen Ent- Scheidungen traf, die im einzigen Sinne religiöse sind. Wir lehnen ihre Entscheidung gegen die -.Synagoge, uh. wir wiederholen sie!licht für die Synagoge.' Ihr fragt uns weiter., warum wir uns aber noch zur Kirche zählen? Darum, weil es auch eine Not der Kirche gibt, und mag die Kirche sich seihst Augen und Ohren davor verschließen. Mehr noch aber, weil wir auch die Kirche lieben. Weil wir gegen unsere Zeit und gegen alb' Mißverständnisse zweifach in l.iebe gebnndeu sind . . . Wir weisen ebenso wie vorwurfsvolle rückwärts gewandte Bedenken der Juden gegen die Kirche all die Bedenken der Kirche ab. die nur dazu dienen, aus dem ■tödlichen Ernste der Lage ein (ieseRschaftsspiel zu machen, in dom einer dem and('- r.en die l.ust abziiwälzen \ ersucht. Wir glauben aber noch au Kräfte: zeigen wir sie im ersten Anhebou der East, die auf uns allen liegt. Wir weisen es ab. uns über ...jüdische Fehler“ irgend aii.seinnnderzusetzen. Wir ■weisen es ab als Juden, weil wir uns nicht anders zu rechtfertigen haben als alle anderen, nämlich in 1111erbitt lieber Stille — als Menschen, weil wir eine Menschheitsnot nicht in Zänkerei zerkleinern lassen -- als Christen, weil es ein Mohn auf die Botschaft wäre. Die Kirche gibt zu. daß inan den Schein von dem. was geschieht, ihr entleiht. Sie sieht zu. welch große Zahl ihrer Anhänger die Juden Verfolgungen aller Art führen. Sit' hat unseres Wissens dazu nicht eindeutig .Stellung genommen. Sollte die Kirche nicht überzeugt sein, daß eine!solche Stellungnahme für sie selbst von Wichtigkeit ist? So müssen wir Judenchlisten sie in Lieb(« und allerernstester Eindringlichkeit fragen, wo sie heute •steht, damit wir wissen, wo wir morgen stehen werden. Bis hierher spricht Ma\a Harden. Sollt(' nun in dieser nur leise augedeuteten Alternativ(' •des Stehens der Judencliristen von morgen eine .Möglichkeit von I leimkchrversuchen neuer Murrauen liegen? Die Zeit ist ernst und gerade das gesetzest reue Judentum sollt(* auf der Wacht stehen, es sollte auch hier seine innere und äußere Mission, sein(' Aufgabe, die ..Versprengten im .Land(' ,Assur“ um das heilige Panier zu sammeln, erfassen und dafür sorgen, daß Einkehr der äußerlich rE reugebliebenen. Biiekkehr der Verlorenen zu einer 'Herzenssache, nicht aber ,im Mutterschoß des Judentums nur das kleinen' Uebel gesucht werde. M. Oberrabbiner Juda Leb Marmorsteiu וצ״ל. Nach langjährigem Leiden verschied am 20. Kislew in hohem Alter Herr Ob e r r a b b i n e r J .11 d a L e b Marmors t ein in S e 11 i c a 11. M. Er stand viele Jahre hindurch an der Spitze dieser Gemeinde, die ihn liebte und als einen geistigen .Führer und treuen Flirten ver־ ehrte und ihm unbegrenztes Vertrauen entgegenbrachte. Er hatte die כיא? in einer Gemeinde mit großer Yen gangenheit zu wirken, Nachfolger von □י D גאוני□ לצרי deren Namen im gesamten thoratreuen Judentum den besten Klang hat. Diese Vergangenheit barg für ihn eine heilige Verpflichtung in sich; an sie ermahnte er auch stets seine Gemeinde. Nicht ־zuletzt sein Verdient ist es auch, daß es ihm an seinem Lebensabend gegönnt war, war, ״ מחזיר עטרה לישנהml 1'׳e zukünftige Ent־• wicklung seiner Gemeinde durch ihren vor Jahresfrist erfolgten Anschluß an die Orthodoxie wieder in die thoratreuen Bahnen ihrer uralten Traditionen gelenkt zu sehen. Dieses Verdienst kam insbesondere bei der im־ posauten ך,לף׳ zum Ausdruck. Mit der gesamten jiidi־ sehen und nichtjiidischen Bevölkerung nahmen auch zahl־ reiche orthodoxe Rabbiner und Gemeindevertretungen von auswärts teil. Trotz der Kürze der Zeit, die bis Sonnen־ Untergang zur Verfügung stand, ergriffen außer dem schmerzgebeugten Sohne,!Herrn Professor Marmor־ stein aus London, und dem Gemeindepräses Herrn Eclix S c h ö 11 f cd d, mehrere Kahbiner das Wort, um sein Leben und Wirken in warmen Worten zu würdigen. Tiefen Eindruck lnnlerließ besonders der tiefempfundene Nachruf des Herrn Obcrrabbiticrs Salomon W e i s z aus .'Rete bei der ganzen Trauerversammlmig. Die dankbare Gemeinde will eingedenk seiner Verdienste sein Andenken in Ehren hallen, damit es zum Segen werde für ganz Israel. Geher das Ableben und die הלה׳ (les Herrn Ober« rabhiners Marmorstein ן״ל erhalten wir von der Gemeinde folgenden ausführlichen Bericht: Einen herben Verlust hat unsere Gemeinde durch das am יישב 'D H erfolgte Ableben unseres allverehrten Her״! Oberrabbiners חרב הג׳ מי״ה יודא ליב מארמארשטיץ erlitten. Wiewohl der elirw. Herr schon seit einigen |ähren sehr leidend war, traf unsere Gemeinde dieser Trauerfall sehr hart. Trotz seines leidenden Zustandes, der zur allgemeinen Besorgnis Anlaß gab, hat er stets unverdrossen seinen rnbbinischcn Funktionen entsprochen und so lange es ihm mir möglich war, hat er רורש ברבים gewesen und seine fWTl waren immer mit דברי מוסר umwollen. Er war ein תלמוד מובהק vom שבט □יפר dessen ישיבה הרמה cr durch fünf Jahre besuchte und zu den hervorragendsten Talnuidjüngern gehörte. Er war auch ein Liebling des Rabbi David Lakenbach זצ״ל. dessen 'Vorträge er auch mit unermüdlichem Pleiße anhörte. In jungen Jahren wurde er hier mit allgemeiner .Begeisterung zum אב״ך gewählt und dieses heilige Amt leitete er durch beinahe 43 Jahre mit der größten Vor־ und Umsicht. Die allgemeine Verehrung, der er sich als Seelenhirte und als Mensch erfreute, ־zeigte sich hei der am 1*11■י יום ה' פ׳ וישב die Mittagsstunde stattgefundenen הלהי Lange vor der anbenunnten Stunde war das DO ביה ל wohin der או*ןן gebracht wurde, in allen Teilen gedrängt voll mit den Trauergästen, die au nah und fern hierher eilten, um den allgemein verehrten Seelenhirten die letzte Ehre zu erweisen. Der Verblichene hat sich auch die Liebe und Achtung aller hierortigen Andersgläubigen erworben. An der Trauerfeier nahmen sämtliche Aemter, Behörden und die Honoratioren der Stadt teil. Die מהעסמים und die :נושאימיט־ haben sich der Verfügung des נפטר 1״ל entsprechend, erst טיבל gewesen. Es wurden dann im ביהכ״ג die üblichen fVlDpn 1mtcr Leitung des Tempelvorstehers Herrn Josef Fischer vorgenommen. Hierauf hielt der älteste Sohn, Herr Professor Dr. Arthur M a r m o 1־ s t e i n aus London eine tieferschütternde Der.Dameib und Herren-Modesalon Abraham Borenstein Wien II, Hollandstraße 1 erlaubt sich, seinen verehrten Kunden die Wiedereröffnung seines Geschäftes unter alleiniger Führung anzuzeigen £WF־־ Der alte Ruf bürgt für tadellose Qualität aadF ־ der Stoffe und Arbeit und für zufriedenstellende Bedienung seiner Kunden Es wild gatanliorl ohne States geameitet Fördert den ältesten Schneidersalon, der Sehabbes und Jom-Towim geschlossen hält Heu eröffnet! Sdinellreparatiir- und ' י‘ Zahlungserleichterungen in entgegenkommendster Weise Gratisabholung und Zustellung Sofortige Ausführung der Arbeiten TeI.R-46-7-67 SeparierteWarteräume Tel.R-46'767׳ Spendet für den Kindergarten und Jessode Hathora der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 Neue Sprachschule vom Wiener Stadtschulrat konzessioniert. iflr die enzlische und französisehe Sprache für weibliche Personen im ״Dr. Krüger-Heim“ Wien. II.. Malzgasse 7, Tel. A-48-U-7/ (10 bis 12 Uhr und 3 bis 5 Uhr). Kurse für Anfänger und Vorgeschrittene, an Nachmittagen und Abenden. Spezielle Kinderkurse. Erprobte, erstklassige Lehrerinnen. Billige Kursbeitrüge. Konversations-Abende. Jüdisches Brot! Erstklassig und billig bei Lederer & & oamofhäckerei II, Gr. Schifigasse 16 II, Hollandstraße 7 Telephon A-41-4-45 Telephon R-47-4-95 WEISS-, FEIN- UND MILCHGEBÄCK Scholefsetzen : II, Holfandstraße 7 Veikaufsstßlle für c!2n 9. 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Für Einband und Porto sind außer dem Abonnement noch 2 S einxusenden Ueber-Prämie Jene, die bei dieser außerordentlich giinstigen Gelegenheit חמשה חימשי תורה mit vollständiger כ״ההוססוח11ו«1 אור החיים שרם in fünf guten Bänden erhalten wo'len, haben weitere 3 Schilling, das ist also zusammen 21 Schilling 105 Kc bzw. 350־ Dollar bis 31. Dezember 1930 an uns zu senden Die Administration der ,Jüdischen Presse‘. הספדן Über den unersetzlichen Verlust der Kinder und der Familie. Getneindesckrctär Herr M. Deutsch, ein 7אוהב נאנ und Jugcndgenosse des Verblichenen, trat so־ dann vor den ארון und. bat in einem sclbstyerfaßtcn tief־ rührenden Bittgehctc בלשון הקידש und in jüdisch־deutscher Sprache den נ0טר im'Namen des Vorstandes der Chewra und der ganzen 'ק-־,יל um מהק׳ Kantor Herr 1. S. Taub rezitierte darauf das ־־ אמ״רSeclengcbet;ändachts־ und stimmungsvoll. Nun betrat, das Podium Gemeindcpräses Herr Felix S c 11 ö n f c 1 d und verlas die von tiefer Rc־ ligiosität zeugende und Malnnvortc enthaltende צ ויאה worauf im Namen der Schüler Herr Daniel G r ii n w a 1 d in ergreifenden Worten Abschied nahm von seinem gelicb־ teil רבי •Nun wurde der אף־ןן gehoben und in den Tempel־־ bof getragen, woselbst von den zahlreich erschienenen Rabbinern, die elirw. Herren Oberrabbiner Josef Broda aus Myjava, Sam. Reich aus Vrbove, Bcnj. Seidl aus Galanta, Joel M ii 1 1 c r aus Nadas und Sal. VV e i s z aus Rete tiefempfundene Hespedim hielten. Die hcrangcrücktc späte Naclimittagsstumle vor־ anlaßte den Herrn Präses Felix׳ Schönfeld, die übrigen elirw. Herren Rabbiner M. Schwarz aus Hlohovcc. S. Löwy aus Skalice, B. Rosen st ein aus Straznicc, Simon L e b o w i t s c 11 aus Bratislava und Simon Schreiber aus Trnava zu bitten, die ungünstige Wit־ terung und die späte Stunde berücksichtigend, auf die eventuell noch zu haltenden הספדים Verzicht zu leisten, da mit der Bestattung nicht länger gewartet werden könnte. So bewegte sich nun der lange Zug der Trauern־ den zum Zur הלןי׳ waren erschienen außer den er־ wähnten Rabbiner Deputationen aus Sastin, Brczova, Nitra, Sobotiste, Nadas Jablonica, Trnava, Galanta, Topolcany, Malacky, Bratislava, Holic u. n. ui. Während der לדי י waren die Geschäfte geschlossen und die Straßenlaternen brannten. Sämtliche Glocken läuteten, aus welcher spontanen Kundgebung der Anders־ gläubigen die allgemeine Liebe und Achtung, deren sich der Verblichene erfreute, ersichtlich ist. Außer seiner Gattin uncl Kindern: Prof. Dr. Arthur Marmorstein, London; Frau Direktor Hermann Fleißig, Fogarasch; Dr. Nandor Maclaras.:, Galanta, Frau Dr. Her־ mina verchl. Dr. Kraus, Dioscg; Zahntechniker Dczidcr Marmorstein, Hlohovcc; Dr. Ernst Marmorsteiu. Ror־ hach; Aladar Marmorsteiu, Oberbeamter der ״Ofa", Brasso; Frau Dr. Schaar, Galanta, betrauern seinen Heim־ gang, nicht nur seine Gemeinde, sondern auch zahlreiche Freunde und Verehrer aus der weiten Ferne. Um die würdevolle Ordnung während der Trauer־ Feierlichkeit haben sich besonders verdient gemacht: Ge־ meindepräses Herr Felix Schönfeld, Chewrapräscs Herr Hugo Schlesinger und der Oberordner Herr Imrc Schön־ mann mit clcn ihnen beigestandenen bezüglichen Vor־ Stands־ und Rcpräsentanz־Mitgliedern. Dank gebührt auch Herrn Dr. Sam. Hajdu, der gestattete, daß der Trauerzug den Weg zum Friedhofe durch seinen Park nehme. Die צוואה wird vervielfältigt und als Vermächtnis den Gcmcindcmltglicdcrn zugestellt werden. Möge seine שמה טהיר: eine מליצהייצר׳ für 11״s Mle seiחנצב״ה!״ _; Oberrabbiner Akiba Klein זצ״ל. Aus Eise מ stadt wird uns soeben die Trauer־ naehricht von dem Ableben des dortigen Obcrrabbiners Akiba Klein übermittelt. Ein Verhängnis ganz eigener Art hat cs gefügt, daß diese altchrwürdige Gemeinde, die Zentrum und Hauptort der berühmten Schcwa Kehilloth war und auch jetzt als die der Hauptstadt des Burgen־ landes von hoher Bedeutung für die österreichische Juden־ heit ist, jahrelang keinen Oberrabbiner besaß. Als dann aber endlich vor wenigen Jahren der Mann gefunden worden war, der würdig und geneigt schien, die Kette glänzender Namen fortzusetzen, die seine Vorgänger auf diesem Sitze gebildet hatten, da ergriff ihn alsbald eine unheilbare Krankheit, von der ihn Freitag, den 12. d. M., im Alter von 48 Jahren der Tod erlöste. Rabbi Akiba Klei n, der frühere Oberrabbiner von Bekesczäba, war schon von seiner früheren Wirksamkeit her als der hoch־ gelehrte und hingebungsvolle Raw und Leiter einer Jeschiwa, als bescheidener Mann von tiefster Frömmigkeit bekannt und so schien, er wie kaum ein anderer Bewerber geeignet, der Nachfolger eines Maharani Asch, eines Rabbi Ascher Lümmel, eines R. Mosche Perles, eines R. Esriel Hildesheimer und last not least des R. Salomon Kutna zu werden. In einer Epoche religiösen Verfalls konnte man von ihm erwarten, daß er den Glanz Eisenstadts wicderherstellen werde, den diese und noch viele andere Männer geschaffen und gehegt hatten. Allein, es sollte anders kommen . . . Auf die Nachricht von dem Hinscheiden des Ober־ rabbiners Klein hatten sich aus dem ganzen Lande zahl־ reiche Verehrer und offizielle Abordnungen zu dem Sonn־ tag, den 14. d. M. stattgefundenen Begräbnis eingefunden. Tm Trauerhause nahm Präsident Würndorfer von der Eisenstädter Gemeinde tiefgerührt von dem geistigen Oberhaupt Abschied. Er versicherte, daß die Gemeinde seiner nie vergessen und sich für die Versorgung der vier unmündigen Kinder einsetzen werde. 1111 Beth Hamidrasch, an der Stätte des Wirkens des Verblichenen, hielt sein Bruder Markus Klein, Budapest, einen ergreifenden Nach־ ruf. In der Synagoge, wohin dann die Bahre gebracht wurde, hatten sich die Vertreter der Behörden, die ganze Gemeinde und die Abordnungen eingefunden. Dort würdigte zunächst Oberrabbiner Löwy (Frauenkirchen) den Dahingegangenen und auch die Oberrabbiner Reich aus Oslany, Ehrenfeld aus Mattersburg, Dr. H. Weiß aus Wr.sNcustadt und Dr. Simon Posen aus Ocdenburg hielten ihrem verblichenen Amtsbruder bewegte Nachrufe. Als letzter Redner sprach noch Direktor Dr. Deutsch aus Budapest, und dann bewegte sich der Zug zur letzten Ruhestätte, an der ein Oheim des Verstorbenen, Herr .lekuthiel Weiß, ihm einige Worte des Abschieds widmete. Mit Oberrabbiner Klein ist ein Mann von edelstem Charakter, eine Zierde seines Standes, seiner Gemeinde und seiner Familie entrissen worden. תנצב״ה Jahrzeit nach Rabbiner Dr. Avigdor Schönfeld ין״ל Anläßlich des Sonntag, den 21. Dezember ביר״חטבת sich zum ersten Male jährenden Todestages veröffentlichte der zum Nachfolger des Londoner Rabbiners Dr. Avigdor Schönfeld ן״ל designierte Sohn, der gegenwärtig an der Jeschiwa in Tyrnau seinen Studien obliegt, unter dem Titel Judais as Lifes Purposc die gesammelten englischen Reden und Aufsätze seines Vaters. 005^85