Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 49 (12.12.1930)
- Date
- 1930-12-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 Jüdisches Brot! Erstklassig und billig bei Lederer &Kohn, Oamnfbäckerei II, Gr. Schiffgasse 16 II, Hollandstraße 7 Telephon A-41-4-45 Telephon R-47-4-95 WEISS•, FEIN- UNO NILCHGEB&CK Scholetsetzen s II, Hollandstraßo 7 Veikaufssielte für den 9. Beilrk: IX, Glasergasse 10, Telephon A-10-E-50 Zur Abwehr einer den Sabbath gef ährden den Kalenderreform. (.1. T. A.) Um eine einheitliche Aktion gegen eine die Stetigkeit des Sabbats bedrohende Kalendcrrcform wirksam durchzufiihren. hatte das Präsidium des Weltver־ bandes für Sabbatschutz ״Schomrc Schabbos“ zu einer Besprechung auf Sonntag, den 7. Dezember eingeladcn. Die führenden Berliner Organisationen waren durch ihre ersten Repräsentanten vertreten: Der Preußische Landes־ verband jüdischer Gemeinden durch Kammergerichtsrat Wolff, der Deutseh־israelitische Gemcindebund durch Ober־ magistratsrat Ncumann, die Jüdische Gemeinde durch Dr. Ismar Freund, die Synagogengemeinde Adas Jisroel durch Ludwig Bier, die Vereinigung traditionclLgesetzes־ treuer Rabbiner durch D1*. Wohlgcmuth, der Allgemeine Rabbinerver.band durch Dr. Freimann, der Jüdische Frauen־ bund durch Frau Dr. Eschelhaeher, der Hilfsverein der deutschen Juden durch Prof. Mittwoch, die Zionistische Vereinigung und der Misrachi durch Alexander Adler, die Agudas' Jisroel durch Dr. Hildesheimer, die Vereinigung für das liberale Judentum durch ihren Generalsekretär George Goetz, die Jcwish Agency durch Dr. Wolfsberg. ' Man sah des ferneren die Vertreter der Großloge, des C.־V., des Vereines zur Erhaltung des überlieferten Judentums, der Lehre!•verbände, der Studenten־ und Jugendverbände und der jüdiseh־wisscnschaftlichen Institute. Den Zweck der Versammlung legte Herr Dr. Grün־ barg als Vorsitzender des Weltverbandcs in einleitenden Worten dar. Der Abwehrkampf ■gegen die Kalendcrrcform soll durch unmittelbare Beteiligung der jüdischen Ge־ ,neinden una Organisationen :;Her Länder jüdischer Sied־ lung intensiviert werden. Die Notwendigkeit verstärkter Aktion bezeugte das groß angelegte Referat des Herrn 1 Dr. Adolf Jaeohus, das einen klaren Ucbcrblick über die Entwicklung der Kalemlerrefo-i-mlragc gab, die von dieser; Seite dem Sabbat drohenden Gefahren beleuchtete und; insbesondere der verdienstvollen Tätigkeit jener Orgam; sationen gedachte, die bisher zur Abwehr der Gefahren gearbeitet haben, wie das Jüdische Komitee betreffs dnr; Kalendcrrcform (Zürich) und Leaguc for Safeguärding the Fixity of the Sabbath against possiblc Encroachmcnt by Calcndar־Rcform (New York). Das Referat deutet ab1 ־ .schließend den Weg an. den der Weltverband^ zu bc־ , schreiten gedenkt, um der Aktion gegen die Kalender־ reforin zum durchgreifenden Erfolg zu verhelfen. An der belangvollen Diskussion beteiligten sich die < Vertreter der verschiedensten religiösen und politischen!״ Anschauungen, die alle i'iir die-Erhaltung des Sabbats eb־; zutreten bereit sind. Es bedarf besonderer Hervorhebung, 1 ". ,«Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien* XV., Staglgasse 10 (bei Mariahilferstr. 148) Tel. R-35-8-47 und R-30-5-38 Filiale: Wien, VII״ E?t־tggasse 17, Tel. B 32-3-80 Die Grippe liegt in der Lufft. Sie will sich Ihrer bemächti־ gen! Bei nebligem, veränder־ iichem Herbst־ und Winter־ weiter gedeihen verschie־ dene ־ krankheitserregende Bakterien. Die heimtücki־ schesten sind die Grippe־ Erreger. Sie werden von ihnen. überfallen, wenn Sie es. am wenigsten erwarten. Durch den Mund und die Atmuhgswege gelangen sie in den Körper. M e nt h o!־Franzbranntwein Zum Verhüten der Ansteckung desinfizieren Sie Mund u. Rachen durch den ALP A den Sie beim Zähneputzen und Gurgeln in geringer Men־ ge dem Wasser beimischen. Alpa—Ihre Gesundheit! Lebensversichernngs - Gesellschaft “PHONIX״ ווווווווווווווווווווווווווווווו!ו(וו!וווווווווווווווווווווווו₪וווו Gegründet 1882 Gegründet 1882 EdiIü. Jb930!'״ Z450 Millionen Shilling GntHttelEnde 1929 300• BillioiiraHing im » 1929 ■ ■ 125Ve Millionen Säillling Tätigkeitsfeld;der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich,* Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten daß von keiner Seite die Gefahren, die dem Judentum durch Einführung eines Biankotages entstehen, in Frage gezogen wurden. Die Diskussion befaßte sich nur mit der Frage, welche Maßnahmen zur Abwehr jener Gefahren er־ griffen werden müssen. Auch darüber herrschte Einmütig־ keit, daß nach der bekannten Resolution des Sabhat־WeIt־ kongresscs nur mehr eine Manifestation, an der sich die gesamte jüdische Welt unmittelbar beteiligte, Eindruck machen könne. Da der Weg, durch Sammlung von Einzel־ unterschritten die jüdische Gesamtheit zu erfassen, wie allgemein anerkannt, leider undurchführbar ist, soll eine Petition an den Völkerbund gerichtet werden, die von allen jüdischen Gemeinden und Organisationen der Welt ohne Unterschied unterzeichnet werden soll. Es scheint die Hoffnung berechtigt, daß diese Petition eher Beachtung finden wird, wenn sie zugleich auf einen positiven Weg hinweist, um eine etwaige Reform in einer allen Teilen gerecht werdenden Weise durchzufiihren. Die Judenheit kann sich nicht den Ansprüchen der Wirtschaft ver# schließen, aber sic erstrebt, daß diese Ansprüche in einer Form erfüllt werden, die die Unverrückbarkcit des Sabbats garantiert. Es soll daher nachdrücklichst auf die Möglich־ keit hingewiesen werden, das Reformwerk auf der Grund־ läge der Schaltwoche durchzuführen. Darüber hinaus soll nach wie vor versucht werden, durch persönliche Fühlung־ nähme mit den entscheidenden Instanzen Verständnis für den jüdischen Standpunkt, der kein wirtschaftlich־feind־ lichcr ist, zu erringen. Die erwähnten Aktionen werden vom Wcltvcrbaml in enger Fühlungnahme mit den bereits erwähnten jüdischen Komitees betreffs der Kalenderreform durchgeführt werden. Milderung der Sonntagsruhebestiniimingen in England zugunsten sabbattreuer Juden. London, 5. Dezember. Die neuen Sonntags- 1• 11 h e 1) e s t i m 111 11 11 g e 11 Für New Castle sehen Erleichter u 11 g e 11 für sabbattreue Juden vor. Während F 1־ i s c 11 r I ä d e 11 im allgemeinen Sonntags geschlossen halten müssen, werden jüdische Inhaber von Friseurgeseluiften, die Samstags geschlossen halten, Sonntags ihre Betriebe offen halten dürfen. Die neuen Sonntagsriihebestinunungen treten mit dem I. Jänner 1931 in Kraft. Laut einer Verordnung, die für das gesamte Gebiet Englands Geltung hat, müssen ab I. Jänner 1931. alle D c t a i 1 f 1 e i s c 11 e r 1 ä d e 11 Sonntags geschlossen lialten, mit Ausnahme jener j ii d i s c 11 e n G e s c 11 ä f t e, die im Besitz einer Lizenz von einer jüdischen Gemeinde oder der Scliecliitabehörde sind und von Freitag abends bis Samstag abends geschlossen bleiben. Amtliche Verlautbarungen der Israel. Kultusgemeinde Wien. Predigten in den israelitischen Gemeinde־ und Bezirkssynagogen. Freitag den 12. Dezember 1930 werden bei dem um 4 Uhr 10 Minuten beginnenden Abendgottes# dienstc in nnchbcnannlen Gemeinde־ und Bczirkssynagogen Predigten abgelialten, und' zwar: II., Pazmanitengasse 6 (Rabbiner Dr. Z. Taubes);. V., Sicbenbrunnengasse!a (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer); VIII., Nctidcggergassc 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer). Chanuka־Festgottes'dienste: Sonntag den 14. Dezem־ ber 1930, 4 Uhr nachmittags; II., Pazmanitengasse 6 (Rabbiner Dr. Z. Taubes); XIX., Dollincrgasse 3 (Rabbiner Dr. A. Frankfurter). . Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag’ den 13. Dezember d. J. findet um 3 Uhr nachm, der Jugend# gottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Ge־ incinde־..und. Bezirks-Synagogen statt.• ־. Gegen diese Hetze trat als Wortl'iilirerin der Humanität und der staatsbürgerlichen Gleichberechtigiing־ die damalige Fortschrittspartei im preußischen Abgeordnetenhaus auf und unterstützte die berühmt gewordene Interpellation des Abgeordneten Ilüncl: ״W|äs gedenkt die Staatsregierung zu tun gegen die neue Bewegimg, welche unsere jüdischen Mitbürger in Besitz, Freiheit und Ehre .bedroht, endlich, eine!Beeintrüchtigung der Staatsbürger rechte 'der Juden seitens der Preußischen Staatsregierung plant?“ —; Der Vizeprüsident des preußischen Staatsministeriums, Graf Stolberg, erklärte: Die!Petition sei noch nicht au die Staatsregier 1111g gelangt. Gleichwohl nehme die Regierung nicht'Anstand, die Frage dahin zu ׳beantworten, daß sie nicht beabsichtige, eine Aenclerung des bestehenden Rechtszustandes, nämlich der Gleichberechtigung der religiösen ׳Bekenntnisse in ■staatsbürgerlicher.•Beziehung, eintreten zu lassen. — Die Verhandlungen über die Interpellation führten dann zu einer dreitägigen äußerst stiiripisehcyt Judendebatte.. Die marokkanischen Juden. Vor kurzem befand sich der Präsident der franzüsi.scheii Republik, D o 11 in 1! r 11 ״ o, auf einer Jnspektionsreise durch F r a nzösieli- M a r o k k o. Aus diesem Anlaß beschäftigt sich die französische'• und marokaanisehe Oeffentliehkeit, ebenso die französisch-jüdische Presse lebhaft mit der Frage der Einbürgerung der marokkanischen Juden. ln Französisch-Marokko leben etwa 12 0.000 j iid i s e 11 e Familie n. Sie besitzen die bürgerliche Gleichberechtigung erst seit 1912, dem Jahre, in welchem Frankreich das Protektorat für Marokko übernahm. Bis dahin war es den Juden verboten, Stiefel zu tragen, andere als schwarze Kleider anzulegen und zu reiten. Die sogenannten Mel lall s, die Jiidenviertel, würden noch bis zum Jahre 1920 nachts g:esc 111 oseen, Juden ■durften sich dann nicht außerhalb des Ghettos aufhalten. Dadurch, daß die französieche Regierung alte diese :Bestimmungen fallen ließ, erwarb sie sich die Sympathien der Juden, forderte aber gleichzeitig den Widerspruch der Araber hera 11$. Hiedurch gerieten die marokkanischen Jüdöh in eine Ausnahmestellung; die sie von den, Mauren isolierte und immer mehr zu den Franzosen tendieren ließ; Auf. der einen Seite ׳herrscht ‘für sie noch die zwangsweise Kompetenz der r a b b i 11 i s e 11 e u G 0 r ich t e. es sind ihnen gewisse Beschränkungen .hinsichtlich ihrer Freizügigkeit auferlegt, auf der anderen Seite aber fühlen sich die Juden den Arabern gegenüber als bevorzugte, den Europäern 11äl1e1־!stel1eude Bürger. :Um dem rechtlich zweideutigen Zustand ein Ende zu machen und die endgültige äußere Europäisierimg durchzufiihren, bemühen sich die j ü ■cl i sc h e 11 Ce 111 e i n d e v e rtretu ngen in Marokko ׳zusammen mit französischjüdischen Organisationen um. die Naturalisierung aller marokkanischen• Juden. Sie soll, nach den Wünschen der ״Cliunta“, dev jüdischen Gcineindeorganisation, durch ein .Dekret vorgenommen würden, das erklärt, alle bis- 111er nur als Juden gekennzeichneten Bürger werden a u t 0 m a t i s c 11 F r a n z o » e n. In einem Interview., 'das der Generalhevoll-!nächtigte des französischen Residenten in Marokko, Mr. Urbain Blau, dem Schriftleiter des ״Israelitischen Familienblattcs“, Herrn Esriel Carlebaeh. gewährte, wurde diese Frage eingehend besprochen. Mr. Blau erklärte, daß er persönlich die. Zeit für ein solches Regieruugsdekret noch nicht•■ •für.' gekommen halte. Die Majorität der Juden wohne noch 11 11 l e r den f ii r e 11 t c r I i c• 11 s t e 11 11 y g; i e 11 i s c 11 e 11 11 n d k u 1 t urollen Be d i!1 g u n g e n in den jahrhundertealten Höfen der Glietti. Sie besäßen kaum eine andere als I eine jüdische Bildung, und wenn auch die Alliance Israelite ׳Universelle Vorzügliches zur Hebung des Zivilisationsstandards leiste, so reichen doch ihre!Mittel zu einer vollkommenen Umformung der J u d e n 6 t ä d t e i n 1E u r 0 p ä e 1■ s t ii d t e nicht aus. Unter solchen Umständen könnten die Juden pur, auf ihren verbrieften Bürgerrechten fußend, deren., schrittweise Erweiterung fordern, müßten aber einsehen, daß es für eine Kollektivnaturalisation noch £ü früh sei. Solange die Mellahs noch so miss eben.vyje heute, schloß der Vertrete!• des Residenten die!Unterredung, ist an ein ״Decret Gremieux“ nicht ׳zu denken. Bemerkenswert sind :die Argumente, die der Pa s c 11a v on F e z, lbn-I cPr i s, in seiner Unterhaltung mit.Esriel Carlebaeh über $ie gleichen Fragen geltend machte;. Er sagte, dein geltenden •Rechte nach seien die Juden Unte r ta neu des Su 11 a u6, und die französisdie Emanzipatipnserklärung von 1912 habe nur mit dessen Ein Verständnis erlassen werden können. Mit ihr seien die Juden aber nicht etwa freie. Bürger, sondern gleich den Mauren dem Sultan unterstehende ׳Marokkaner geworden. ׳Daß Frankreich neue Auslegungen des Begriffes ״Protektorat über Marokko“ geschaffen hat, ändere an der Sachlage nichts. Vom Sultan sei die Selbstverwaltung der jüdischen Stadtviertel eingesetzt worden. (Sie besteht aus sechs von den Juden gewählten Vertretern und dem!Pascha als Vorsitzenden, hat die Rechte und Pflichten einer Stadtverwaltung und 1 eigenes Zwangssteuerwcsen.) Nur er könne, wenn er wolle, die Juden für vollkommen selbständig erklären, und erst dann dürften die Franzosen ein Naturalisationsdekret erwägen. Bei dieser Lage der Dinge hat es nntürlidi auch nicht uusbleiben können,“'’ daß sich i n n e r j ii d is c h e Konflikte im Zusammenhang mit der lebenswichtigeu Naturalisationsfrage ergaben. Wenn mau auch in allen Kreisen der marokkanischen Judenheit zugibt, daß die persöulidie Sicherheit der Juden unter dem französischön Protektorat gewährleistet scheint, so ist man dodi geteilter Meinung darüber, ob die Franzosen sich dem immer mehr anwadisenden Widerstand der Berber gegenüber werden behaupte n w o 1 l 0!1 u n d können, und 01! nicht mit dem Aufliören des französischcn Protektorats gerechnet werden muß. Diejenigen jüdischen Notabein, die an diese Möglichkeit glauben, halten es verständlicherweise für inopportun, die französische Staatsbürgerschaft anzustreben. Sie werden von einer geringen Anzahl Juden unterstützt, die noch heute die spanische Staats/, u g e h ö r i ,g k e i t besitzen und behalten wollen. Die Diskussionen über dieses Thema haben ihr Echo auch in den Unterredungen gefunden, die Präsident Doumergue mit jüdischen Delegationen in Rabat, Casablanca, Marakcsch und Mekncs führte. Es wurde ihm überall eine enthusiastische Aufnahme an den Toren der Ghetti bereitet. Die jüdische Gemeinde von Fez überreichte ihm. einen von ihren Mädchen gewebten wertvollen Teppich. Bei den Ansprachen der jüdischen Notabein kain aber zum Ausdruck, daß sie erwarten, Frankreich werde ihren Patriotismus, den Me in letzter Zeit eifrig betätigt haben, auch du 1• c h d i e N a t u 1־ alisier 11 ng lohnea. 00020101021701 6133