Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 47 (28.11.1930)
- Date
- 1930-11-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 4t Erklärung• Ein Komitee in Angelegenheit Rabbiner M. versendet ein hebrüisehes Zirkular in dem es heißt: Ausknnft erteilt der Präsident der Agudas Jisroel Herr . . . Ich erhalte von vielen Seiten aus Polen Anfragen, ob und wie Agudas Jisroel in dieser Frage Stellung genommen hat, und kann nur antworten, daß es ein grober Mißbrauch ist, den Namen der Agudalx mit dieser Angelegenheit in Verbindung 7.u bringen, da selbe für die Agudah ganz gleichgültig ist. Ich erkläre gleichzeitig, daß auch die Adas Jisroel (Schiffschul) an der Frage kein Interesse hat, da sie nie die geringsten Beziehungen mit R. M. hatte. Ich möchte noch den gegen alle Rabbiner pauschaliter in der Oeffentlichkeit erhobenen Vorwurf von Geldmanipulation entschiedenst zuriiekweisen. Wien, Kislev 5691. Wolf Pappenheim. November 1930. Amliche Verlautbarungen der Israel. Kultusgemeinde Wien. Zur Pensionierung des Rabbiners Mayer Mayersohn. Der Vereinsrabbiner des Tempelvereines Beth Israel, Rabbiner Mayer M a y e r s o 11 n, der zugleich als Rabbinatsassessor cler Israelitischen Kultusgemeinde Wien fungiert, hat bezüglich dieser letzteren Stellung am 29. April d. J. beim Vorstände der Israelitischen Kultusgemeinde Wien schriftlich um seine Versetzung in den dauernden Ruhestand nach Ablauf des Kalenderjahres 1930 angesucht. Es hat der Kultusvorstand in der am gleichen Tage abgehaltenen Plenarsitzung das Ansuchen zustimmend erledigt. Von dieser Entscheidung wurde Herr Rabbiner Mayersohn bereits am 5. Mai d. J. schriftlich in Kenntnis gesetzt. Zur Neubesetzung der Stelle ist die Ausschreibung eines Konkurses erfolgt. Eine kleine Gruppe von Gemeindemitgliedern ist nun bemüht, eine Rückgängigmachung der Pensionierung zu erwirken. Diese Gruppe hat Aufrufe mit völlig 1111־ richtigen Darstellungen des Sachverhalts vei’breitet, durch welche Bewerbungen um die freiwerdende Rabbinatsassessorstelle hintangehalten und überdies die Wiener Gemeinderabbiner und der Kultusvorstand herabgesetzt werden sollen. Es wurden ferner von dieser Gruppe in den Wiener Tagesblättern Veröffentlichungen vorgenommen, in welchen über die Vorsprache einer Deputation beim Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde zugunsten des Rabbiners Mayer Mayersoh-n berichtet wird. Schließlich hielt es Herr Rabbiner Mayer Mayers oh n selbst für augezeigt, im ״Neuen Wiener Journal“ vom 22. November d. J. unter dem Titel ״Mein Konflikt mit der Wiener Kultusgemeinde“ über sein AnstellungsVerhältnis, seine vermeintlichen Ansprüche auf die Scheidungstaxen und seine Pensionsahgelegenheit Darstellungen zu geben, die mit den Tatsuchen in keiner Weise übereinstimmen. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat es bisher vermieden, Details zu diesem Gegenstände zu verlautbaren und die Personalangelegenheit eines Rabbiners zur öffentlichen Diskussion zu stellen. Angesichts dieser Veröffentlichungen des Rabbiners Mayer Mayersohn wird sich der Kultusvorstand in seiner nächsten Plenarsitzung mit der Frage der nunmehrigen Stellungnahme zu befassen haben, insbesondere ob; er von dem bisher grundsätzlich eingenommenen Standpunkte, daß innere Angelegenheiten unserer Religion^gesellschaft womöglich nicht zum Gegenstände der Erörterung in der Tagespresse gemacht werden sollen, in . diesem Falle abzu weichen habe. Julius Fränkelsclie Stipendienstiftung. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gibt hiemit bekannt, daß im Studienjahr 1930/31 aus der Julius Fränkelschen Stipendienstiftung für arme Studierende der Wiener Universität israelitischer Konfession acht Stipendien von je S 800 (achthundert Schilling) zur Verleihung gelangen. Be- Werber und Bewerberinnen um diese Stipendien wollen ihre Gesuche bis längstens 15. Dezember 1930 an das Kuratorium der Stiftung zuhanden des Stiftungsadministrators, Herrn Dr. Engen Boschan, Rechtsanwalt, Wien, I., Oppolzergasse 4, richten. Den Gesuchen, welche detaillierte .Angaben über alle für die Beurteilung der persönlichen Verhältnisse der Gesuchsteller maßgebenden Umstände zu enthalten haben, sind anzuschließen: Der Geburts- und Heimatschein, ein Mittellosigkeitszeugnis, der Index sowie Ausweise über die bisherigen Studienerfolge. Die Aus- Zahlung der verliehenen Stipendien erfolgt in zwei gleichen Raten, und zwar 15. Jänner und 15. Mai 1931. Lieferungsvergebung. Seitens der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, gelangt die Ausführung der Grabsteinfundamente am neben israelitischen Friedhofe für das Kalenderjahr 1931 zur Ausschreibung. Jene Firmen, welche zur Offertstellung herangezogen werden wollen, werden eingeladen, dies bis längstens Freitag, den 5. Dezember 1930, dem Technischen Amte der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, 1״ Seitenstettengasse 2, IV. Stock, in welchem während der gewöhnlichen Amtsstunden (Samstag ausgenommen) auch alle näheren Auskünfte erteilt werden, schriftlich bekanntzugeben. Die freie Auswahl unter den sich meldenden Firmen zwecks Heranziehung zur Offertstellung behält der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde seinem alleinigen Ermessen vor. Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 28. November 1930 werden bei dem um 4.15 Uhr beginnenden Abendgottesdienst in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); II., Pazmanitengasse 6 (Rabbiner Dr. Z. Taubes); V., Siebenbrunnengasse la (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer); VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht). Exegetische Vorträge: Samstag, den 29. November 1930, 4 Uhr nachmittags, XIX., Dollinergasse 3 (Rabbiner Dr. A. Frankfurter); 10 Uhr vormittags, XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenraann). Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 29. November d, j. findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgotesdienst für die israelitische Schuljugend iu den Gemeinde-!und Bezirkssynagoigen statt. Die ״Talmad-Thora“-Volkssclmle in Wien. Ein Beitrag zur inneren Beschichte der Wiener Mengemeinde. Von L. Moses. (Fortsetzung.) Jahresbericht . . . für das Schuljahr 1884. Die iieuerbaute Synagoge auf dem dem Verein gehörigen Grunde wurde rechtzeitig fertig und von unserem mitunterzeichneten Präses ad honorcs, Rabbiner und Prediger Herrn Dr. Glidemannn, feierlich ei nge weiht. Der einfache, aber würdige und zweckmäßig angelegte Bau wurde nach den Plänen des Herrn Architekten Jakob Modern hier in Anbetracht des wohltätigen Zweckes ohne jedes Entgelt unter dessen Leitung ausgeführt, wofür ihm der Vercinsvorstand namens des Vereines den besten Dank votiert. Unsere Mittel haben nicht ausgereiebt, 11m die geplante 5. Klasse ins Leben treten zu lassen. Dagegen haben wir einen Abendkurs und ein ביח המדרש errichtet und eröffnet, in welchem für diejenigen Schüler, welche den ernsten Willen hegen, d ie in den bestehenden vier Klassen der Talmud- Thora-Vereiusschule gesammelten Kenntnisse in den hebräischen Fächern zu pflegen und zu erweitern, Gelegenheit gegeben ist, täglich Vorträge des Rabbiners, Herrn I. B. Cohn, unentgeltlich zu hören, wobei auch auf Gymnasiasten und Schüler anderer Mi üelscliulen Rüdesicht genommen und wozu auch jedermann der Zutritt gestattet ist. Die Leistungen unserer Vereinssdnde sind neuerdings als vorzügliche anerkannt worden. Wir erlauben uns, diesfalls auf das diesem Jahresbericht beigedruckte Zeugnis des berühmten Kenners und Bearbeiters des Talmild, des in Paris domizilierenden Herrn Dr. Israel Jechiel Michel Rabbinovicz, der aus allen hebräischen Disziplinen und aus dem Talmud sämtliche Klassen einer eingehenden, fast drei Stunden dauernden Prüfung unterzog, zu verweisen . . . Wien erhält so sdiwer eine Talmud-Thora-Sdiu Je und könnte wahrhaftig in jedem Bezirk mehrere ganz gut brauchen. Der Vorstand: Inspizierender Vereinsarzt: Dr. med. Adolf Herzfelder, III., Unt. Viaduktgasse 15 (sonst wie im vorigen Jahresbericht). Lehrkörper: Sonst wie im vorigen Jahresbericht und A. Kolm. Talmudlehrer, Ruch Seidl, Turnlehrer, i; V• Zeugnis. ' Das Direktorium der ersten israelitischen Aruienschule Talmud-Thora beehrte mich mit einer Einlaclung, diese Schule zu inspizieren und die Kinder zu examinieren. Idi habe demzufolge die Kinder aller vier Klassen dieser Schule examiniert, und zwar in cler Bibel, in der hebräischen Grammatik, cler Gemara und Raschi. Ich bin sehr zufrieden gewesen mit den Kindern, die in allen diesen Gegenständen gründliche Kenntnisse gezeigt. Sie verstehen den Talmud und Raschi sehr gut, kennen alle Regeln der hebräischen Grammatik, und ich war vielfach sehr freudig überrascht, daß die Kinder der zweiten Klasse im Alter von 7 bis 8 Jahren die schönsten Bibelverse auswendig־ zitiert haben, wenn man ihnen in deutsdier Sprache den Inhalt derselben gesagt. Diese Grünclli chkeit ihrer Kenntnisse in Bibel und Talmud, obgleich diese Sdiüler auch profane Gegenstände lernen, wie die deutsdie Sprache usw., zeugt von cler großen Bemühung uncl der frommen Ergebenheit der Lehrer sowohl als auch vom Fleiße und der Fähigkeit der Schüler. Ich , gebe also mit dem größten Vergnügen Lehrern und Schülern dieser Musterschule dieses gute Zeugnis für ihre Leistungen, das auch als aufmunternd allen unseren bemittelten Glaubensgenossen dienen soll, daß sie weiter fortfahren, diese Schule edit jüdischer Erziehung־ nach Kräften zu unterstützen. Wien, 6. Juni 1884. Dr. Isr. Jechiel Michel Rabbinovicz aus Paris. Im Jahre 1885 erschienen die Statuten des Schulvereins in Druck, aus denen liier einige wichtigere Partien hervorgehoben seien: Statuten der Wiener ״Talmud-Thora“-Verems-Volksschule Wien 1885. § 1. Der Verein führt den Namen ״Wiener Talmud ־ Thora ־ Vereins-Volksschule“ uncl hat den Zweck, die bereits bestehende (laut Erlaß des hohen k. k. Ministeriums für Kultus uncl Unterricht vom 51. Okt. 1867, Z. 8917, int. mit dem Dekret der hohen k. k. n.־ö. Statthalterei dclo. 28. Nov. 1867, Z. 35.573) mit dem Oeffentlichkeitsrechte uncl clem Rechte zur Ausstellung־ staatsgültiger Zeugnisse ausgestattete Volksuncl Religionsschule zu erhalten, in welcher die für Volksschulen gesetzlich vorgeschriebenen Gegenstände gelehrt werden und außerdem dahin zu wirken ist, daß die Schüler frühzeitig mit den israelitischen Zeremonial- und Ritualgesetzen und Quellen im Originaltexte vertraut werden, daß dabei ihr Sinn für strenge Religiosität in hergebrachter Weise erweckt werde, endlich, daß die befähigteren Schüler für das Studium des Talmud vorbereitet und in dasselbe eingeführt werden. Demgemäß hat cler Religionsunterricht den erweiterten Ansprüchen einer Religionsuncl Talmud-Thora-Schule im strengsten Sinne zu entsprechen und auf den Vortrag des Pentateuch, cler Propheten, hebräischer Grammatik, Mischna, des Talmud lind des Kommentars Raschi sich zu erstrecken. Nach Maßgabe cler weiter vorhandenen Vereinsmittel sollen dürftige Schüler auch mit Kleidung und Speisemarken für clie israelitische Volksküche beteilt werden. Wie es bei diesem materiell auch immerhin noch weiter schwach fundierten Schulwerk begreiflieh ist, mußte die Ausgestaltung der Schule vorläufig noch einen kleinen Aufschub erfahren. Der Bericht über das Jahr 1885 weiß noch immer viel vom Ringen um den Weiterbestand zu erzählen uncl so ist cs, wie wir nur zu gut wissen, mit Ausnahme weniger Lichtblicke in diesem Kampfe bis auf clen heutigen Tag geblieben. Jahresbericht der Wiener öffentlichen israelitischen Vereins-Volksschule ״Talmud Thora“. (erste israelitische Armenschule), Leopoldstadt, Malzgasse 16, für das Schuljahr 1885. Wien 1886. Im Selbstverläge des Vereines. Druck von W. Stein in Wien. Das abgelaufene Jahr 1885 war ein Jahr anstrengenden Kampfes mit den mißlichen Verhält-! nissen, des Ringens um clen Weiterbestand des von uns geleiteten Vereines. Seit nahezu vierzig־ Jahren besteht unsere Schule, die allmählich sich aus einem Glieder zu einer Volksschule emporgearbeitet, welche in ihren Leistungen mit allen hier bestehenden öffentliehen Volksschulen mit Ehren konkurriert, alljährlich mehrt sich die Zahl ihrer Schüler, leider nicht auch in demselben Verhältnisse die ihrer Gönner und Förderer. Von dem Plane, eine fünfte Klasse ins Leben treten zu lassen, mußten wir abgehen, werden wir wohl noch geraume Zeit nicht sprechen können; die Verhältnisse stellten sogar die Erhaltung־ der vierten Klasse in Frage und nur dem Zusammentreffen mehrerer hochherziger Wohltätigkeitsakte . ist es zu danken, daß unsere Schule in ihrer bisherigen Organisation aufrechterhalten werden konnte. Einen schweren Verlust erlitt clie Schule durch das Ableben des Oberlehrers Herrn Wilhelm Löwit, cler sich viele Verdienste um das Gedeihen derselben erworben: Für das neue Schuljahr 1885/86 wurde der verdienstvolle Lehrer cler dritten Klasse, Herr Ignaz Löw, mit der Leitung der Schule betraut. * Lehrkörper: Ignaz Löw, dirigierender Oberlehrer und Joel Deutsch, Talmudlehrer*); Lehrer der III. Klasse; Aron Friedmann, Talmudlehrer; Wilhelm Neurath, Lehrer der I. Klasse; Aron Kohn, Talmudlehrer; Max Deutsch, Lehrer cler IV. Klasse; E. Geidel, Turnlehrer. *) Erscheint im Jahresbericht für das Schuljahr 1886 nicht mehr. (Fortsetzung folgt.)