Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 47 (28.11.1930)
- Date
- 1930-11-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47׳ JÜDISCHE PRESSE Seite 5 ■ss ■ 3 1!■ 1 ,Ts c h echoslo w a kei Achtung! Neue Adresse! Die Bratislavacr Redaktion und Administration der ״Jüdischen Presse“ befindet sich nunmehr in den neuen Lokalitäten, der Agudas-Jisroel-Jiigenclgruppe, im EdeIhoff Mezzanin Eingang־ von der zukünftigen C h a s a m - S o f (י r- Goss c. Briefe und Postsendungen jeder Art adressiert auch weiter am besten‘an Postfach 140« Die slowakischen Jeschiwos. Nach einem Referat von Oberrabbiner M. Eckstein, Sered. קול נהי נשמע מציון die שערים המצוינים בהלכה Jeschiwos ächzen und seufzen schwer unter der drücken־ den Bürde, die ihnen die wirtschaftliche Not aufladet.!Jeher unseren Jschiwos hallen sich finstere, nachtschwarze Sorgenwolken zusammen. Die Not umklammert die Jeschiwos, preßt sie zusammen und hemmt sic in ihrer Entwicklung. Die Jeschiwos bähen cs niemals leicht gc־ habt; es war immer ein Heldenkampf. Sorge und Not waren stets ständige Gäste in den geheiligten Hallen der Jcsehiwo. So schwer und bitter wie jetzt mußte aber noch niemals gerungen werden. Der Parnossobaum wirft immer kärglicher, spärlicher seine Früchte ah. Der Sturm der Wirtschaftskrise, der vernichtend durch die Länder jagt, hat viele Existenzen ruiniert. Dadurch wird die Zahl der Unterstützungsbedürftigen größer; die Summe der Unter־ Stützungen schrumpft zusammen. Seitdem der Strom der Unterstützungen, der die Jeschiwos belebte und befrueh־ tete, immer schmäler und schmäler wird, ist die Lage der Jeschiwos .eine sehr, sehr ernste geworden. Wir dürfen nicht am Ufer stehen und mit verschränkten Armen zu־ sehen, wie die Jeschiwos mit den Wellen kämpfen. Alle Gdtesfürchtigen unseres Landes, alle, in deren Herzen die Liebe zur תורה הקדושה mit heller Flamme lodert, alle, die es wissen, daß die Jeschiwos das Kräftereservoir des Judentums, die Keimzellen sind, aus denen sieh die lebenswichtigsten Organe der jüdischen Zukunft, des jüdi־ sehen Volkskörpers aufbauen, alle,, die das wissen, stimmen überein, daß ein Verein ins Leben gerufen w erden m ü s s e, der die S o r g e n w o l k e n z c r־ streut, die Jeschiwos von der eisernen U m־ klamm er ung befreit, den Jeschiwos eine sichere materielle Grundlage schafft und so ihren Aufstieg, ihr Vorwärtskommen und ihre Weiterentwicklung sichert. Das Ziel ist nicht umstritten. Die Frage ist nur, welche Wege w i r z u r ü c k 1 e g e n m ii s s e n, u m dieses Ziel zu erreichen. Gestatten Sie mir darum, wenn ich im Nanien der Vorbereitungskommission einen Plan entwerfe, welche Summen wir benötigen und auf welche Art wir diese Summen aufzubringen gedenken. Statistische Zahlen tragen manchmal den Schlüssel zur Lösung einer Frage in sich. Aber fast immer geben sie uns Weisungen, Fingerzeige, wie die Frage anzufassen ist. Wir wollen darum die Zahl der Jeschiwos vor und nach ■dem Krieg einander gegenüberstellen. . Der Krieg war ja ein wichtiger Wendepunkt nicht nur im Leben des einzelnen, sondern auch der Vereine und Bewegungen. Die Psychose der Kriegs־ und Nachkriegszeit hat ja die Gedanken der Menschen geändert, sie in andere Richtung gedrängt. Das Gebiet von Bratislava bis Kosice beherbergte vor dem Krieg sieben J c s c h i־ Wos mit ungefähr 600 Hörern. Jetzt hat dieses Gebiet vierzehn Jeschiwos mit 1 200 H ö r c r n. Wir danken dein נוחן התורה und loben ihn dafür, daß sich die Zahl der Jeschiwos wie auch der Hörer verdoppelt hat. Der jüdische Denker begnügt sich aber nicht damit, nur das zu sehen, was auf der Oberfläche steht; er ist be־ strebt, die Ursache, die Wurzel zu ergründen. Was hat diesen Umschwung, dieses Anschwellen der Jeschiwos bewirkt? Nicht nur daß sieh nach dem Kriege eine religiöse Welle über manche Kreise ergoß, nicht nur daß die Wirkungen der Nachkriegszeit so manchem die Binde : von den Augen rissen, daß er mit ungetrübtem Blick das : Irdisch־Vergängliche vom Ewig־Bleibenden unterschied; 1 nicht nur weil viele ehemals Schwankende zur festen i lleberzeugung, gelangten,, daß sittlich, moralisch reine, sich den irreligiösen Strömungen der Zeit mit reiner Ueberzeugung und breiter Brust entgegenstemmende ,Menschen nur in der heiligen Atmosphäre der Jeschiwos heranreifen können, sondern in erster Reihe, daß f a s t a 11 e Jeschiwos mit einer .Mensa ausgerüstet wurden. Wir dürfen diese *Tatsache nicht bagatellisieren. Die Mensadnstitution hat das Selbstbewußtsein der Bachurim gestärkt, ihren ge־ :'krümmten Rücken aufgerichtet, das Ansehen, den Wert ■ des Bochür in den Augen des ה מ ו [ ע ם gesteigert und »den בע״בdie da glaubten, daß es ihre soziale Stellung nicht gestatte, ihre Söhne der Erniedrigung des ״Tage“־ -essens auszusetzen, ermöglicht, ihre Söhne der תירה zuzu# führen. Bei der Gründung der Mensae ist so manche kritische Stimme, so manches nörgelnde Wort laut ge־ worden. Ich glaube, die Erfahrungen der Zeit lehrten uns, '.daß der Bestand und die Entwicklung der Jeschiwos ohne Mensa nicht denkbar sind. Mit Stolz, Staunen und Be־ wunderung blicken wir zu dem מסירת נפש unserer Väter empor; wie trotz der größten Entbehrungen und Entsagun־ gen ihrer Bachurjahre ihr חשקת התורה eine unbegrenzte gewesen. Die Zeiten wie auch die Menschen sind aber anders geworden. Nicht nur die Seelen, auch die Körper, auch die Widerstandskraft der Konstitution sind schwächer. Wollen wir, und das müssen wir doch wollen, daß die Zahl der lernbeflissenen Bachurim zunehme, wachse, daß auch Jünglinge solcher Kreise, die der חורה ferngestanden, sich um die Fahne der תירה scharen, so müssen wir sie von jeder Entbehrung und Entsagung, von jeder Sorge um ihren Lebensunterhalt be־ freien. Die materielle Zukunft der Bachurim ist nicht verlockend und nicht glänzend; es winken ihnen keine goldenen Berge. Ihr Weg führt nicht im Tale zwischen Rosenbeeten. Er ist ein schwieriger, steiniger Bergweg. Heute ist es einem jeden schwer, sich im Leben zu placieren. Doppelt schwer für den Baehur ohne wirt# schaftliche Kenntnisse, ohne Fachwissen. Hat die Zukunft keine Reize, so muß die Gegenwart verlockende, Sorgen, trübe Gedanken beschwichtigende Kraft hesitzen. Schauen wir über die Grenzen unseres Landes, so sehen wir mit Bewunderung, was Thoraliebe zuleisten vermag. In Litauen erhält ein jeder Baehur 100 Dollar monatlich, in Ungarn haben die תומכי י שימח trotz Wirtschaft־ lieber Depression im letzten Jahre 230.000 tsch. Kronen aufgehracht. Die Slowakei ist das klassische Land der Jeschiwos. sie beherbergt die größten, zahlreichsten Jeschiwos in Mitteleuropa. Dieser Reichtum verpflichtet, diese stolze Biirde legt uns heilige Lasten auf. Oder sind wir nicht fähig und gewillt, dieselben Opfer zu bringen für unsere gemeinsame Mutter, für die Pflegeammc, Be־ schützerin des jüdischen Volkes, für die תיה״ק, »st unser Herz nicht ausgcfüllt mit derselben selbstlosen, unbe־ grenzten Liebe für den teuersten. Schatz unseres Volkes, für unseren Stolz in unserer Erniedrigung, für unsere Stärke in unserer Ohnmacht füv unseren einzigen Trost in unserer Verlassenheit, für unsern Hoffnungsstern in der finstern Golusnaeht. die חוה״ק? Mit Entschiedenheit und Festigkeit können wir dic<e Frage bejahen. Wer mit offenen Ohren die Beratungen der jüdischen Ocffentlichkeit in den letzten Jahren anhörte, der weiß, daß das Jcschiwa־Problcm das Sorgenkind der jüdischen Ocffentlichkeit ist, der weiß, daß die Jeschiwa# Frage irn Mittelpunkt der Beratungen stand. Wer es so oft beobachtet, mit welcher, durch die Ohnmacht der Ver־ hältnisse aufgezwungenen äußeren Ruhe, mit welchem zu־ rückgedrängten Groll und inneren Unmut die Wander־ bachurim betrachtet wurden, der weiß auch, daß das slowakische Judentum zu den größten Opfern, zu den äußersten Anstrengungen bereit ist, um die Wurzel unseres עץ החיים die Jeschiwah. nicht verkümmern und verdorren zu lassen. Es wurden verschiedene Ideen und Pläne er־ örtert. Man blieb aber nach dem ersten Schritt stehen. Den Worten folgte nicht die Tat. Die Pläne blieben im Embryozustandc und nahmen keine Körpergestalt an. Die ernste Lage der Jeschiwos fordert aber gebieterisch die Lösung. Die Frage ist reif zur Tat. Das Vorbereitungs# komitee will darum einen nach ihrer Meinung verwirk־ lichungswürdigen und verwirklichungsfahigen Plan vor־ legen. Nun zu den praktischen׳'Vorschlägen. a) Wir leben im Jahrhündert der Organisationen. Jeder Mensch mit weitem Gesichtskreis weiß, daß der ein־ zelne fast nichts, die Gesamtheit fast alles vermag. Werden die zerstreuten Kräfte zu einer Einheit zusammen־ geschlossen, so werden sic zu einer gebieterischen Macht. Einzelne Gemeinden haben Schönes, Ruhmreiches auf dem Gebiete der Thora־Unterstiitzung geleistet. Sie wirkten aber nur für einen begrenzten Kreis. ■ In ihrer Isoliertheit und Zusainmenhunglosigkeit. vermochten sie nicht alle Jeschiwos über Wasser zu halten. Wir schlagen darum vor, daß ein Verein ins Leben gerufen werde, der die zerstreuten Energien sammelt, der alle Jeschiwos unter־ stützt, das Wohl aller Jeschiwos fördert. Wir schlagen vor, daß vorläufig das Gebiet zwischen Bratislava bis Kosice organisiert werde. Wird השי״ת unsere Arbeit mit Erfolg belohnen, so werden wir ב״ה die segensreiche Tätigkeit des Vereines schrittweise über das ganze Gebiet unseres Landes ausdehnen. b) Eine Person, die in einem Vertragsverhältnis zu einem Vereine steht, ist die Seele, die treibende Kraft des Vereines. Das Bewußstsein, daß seine Existenz mit der Existenz des Vereines verknüpft und verbunden ist, eifert ihn zur Tätigkeit, spornt ihn zur Arbeit an, macht ihn erfinderisch und läßt ihn neue Quellen erschließen und die vorhandenen nach Möglichkeit ausbeuten. Wir erachten es darum als die erste Arbeit des Vereines, daß eine f i x besoldete Kraft angcstellt und mit der administra־ tiven Leitung des Vereines betraut werde. e) Je zahlreicher das Heer der Mitglieder ist, um so imponierender die Kraft und die. Idee, die der Verein repräsentiert. Aus kleinen Sandkörnchen setzen sieh die großen Berge zusammen, aus kleinen Beiträgen bilden sich große, hilfreiche Summen. Wollen wir darum ersprieß# liehe, erfolgversprechende Arbeit leisten, so muß unver־ ziiglich mit der Organisieru 11 g. der O r t s g r u p־ p e n begonnen werden. Ein. Netz der Ortsgruppen soll sich über das ganze Land ausbreiten, damit ein jeder, der Sinn und Verständnis für תורה hat, erfaßt werde. Um zu zeigen, von welch großer Tragweite die Bewegung ist, und um der Sache das geziemende.Gewicht und die gebührende Wichtigkeit zu verleihen, schlägt das Vorbereitungskomitee vor, die רבנים הגאונים und נ:בדי הקהלות zu ersuchen, daß sie die einzelnen Ortschaften äufsuehen, um bei der Schaffung dev Ortsgruppen behilflich zu sein. d) Die G e m e i n d e n waren und bleiben die Hüter der heiligen Tradition und Förderer jüdischer Ziele und Institutionen. Es ist darum nichts Ungewöhnliches, wenn wir von den Gemeinden verlangen, daß sie durch G r ü 11־ dungstaxen und jährliche Beiträge das Auf־ blühen und Bestehen des Vereines ermöglichen. In Ver־ Bindung mit diesem Anträge schlägt das V. K. weiter vor, die Gemeinden zu ersuchen, daß sie dahin wirken mögen, daß an den ימים נוראים da wir so dringend der Fürsprache der תרחיק vor dem כסא העור benötigen, des Vereines bei den נונ״ד gedacht werde und am Feste der חורה an שמחת תולה alle נינ״ך dem Vereine zugeführt werde». e) Statuten sind der Bau־ und Arbeitsplan eines Vereines. Wie man bei der Ausarbeitung des Bauplanes mit der Beschaffenheit des Bodens, mit den klimatischen Verhältnissen rechnen muß, soll der Bau den Anforderun־ gen entsprechen, so muß auch bei Ausarbeitung der Stu־ tuten mit den Landesverhültnissen, der Mentalität, der Wesensart und der ׳Geistesrichtung der Menschen ge־ rechnet werden, für die der Verein kreiert werden soll. Vor uns lagen als Muster die Statuten des ungarischen ־תומכי ישיבות Vereines, Diese Statuten sind auf den Leib der ungarischen Verhältnisse zugeschnitten. Wir haben vieles übernommen, manches geändert und neu hinzugefügt. Wir haben das Gerippe des Vereines gezeigt, unsere Arbeitspläne unterbreitet, sie zu den Hilfsquelle« geführt, aus. denen wir schöpfen wollen. Nun ist der entscheidende, große Augenblick im Leben unserer Jeschiwos gekommen. Möge dieser große Moment keine kleine, kleinliche Ge־ neration finden. Mut und Entschlossenheit sind Fittiche zu großen Taten, Kleinmütigkeit, Kleinlichkeit die Blei־ gewichte, die sich an die Flügel hängen und den Flug hemmen. Möge die heutige Versammlung, die Gcburts־ helferin des מ ח זיק י ישיב י ת "Vereines werden. Möge dieses Schmerzenskind unversehrt, entwicklungsfähig ge־ boren werden und Liebe, Beachtung und Pflege finden, wie es sich verdient. Möge dieser Verein entstehen zum Ruhme des slowakischen Judentums, zum Wohle der Jeschiwos. לימוד התירה ist der Zeiger auf der Uhr des Judentums. Mit jedem Ruck nach vorwärts nähert sich die Stunde unserer גאולה• Möge sich durch Gründung dieses Vereines der Zeiger auf der Uhr des Judentums, der sich בעוהיר SO langsam vorwärtsbewegt, der אילה ^Stunde nähern.במהרה בימינו אמן - Brief aus Prag. Zu rle״ wenigen erfreulichen Erscheinungen des jüdischen Lebens unserer Tage zählt wohl auch die Tat# sache, daß man auch im orthodoxen Lager anfängt, sich ein wenig für die kleineren orthodoxen Gruppen in solchen Gegenden zu interessieren, die man für die Sache der Thora jahrzehntelang als verloren betrachtete. Einer־ seits scheint man in führenden Kreisen zu der Einsicht gelangt zu sein, daß die Orthodoxie in unserer Zeit sich nicht den Luxus erlauben dürfe, diese kleinen, aber iti ihrem Widerstand gegen die Uebermacht der Unfrommen heldenhaft bewährten Gruppen der Vergessenheit und schließlich der vollständigen Vernichtung anheimfallcn zu lassen. Anderseits scheint es sich doch zu bewahrheiten, daß kein Jude der Thora vollständig verlorengellt, so# lange er durch seine praktische Lebensführung immer wieder den Beweis dafür liefert, daß er der gläubigen jüdischen Gemeinschaft angehören wolle; ..es kommt immer eine Stunde, da er sich auf der Höhe seiner Auf־ gäbe zeigt und sich zu einer Tat aufschwingt, durch die er sich würdig in die Reihe der □מצדיקי הרבי c״׳J fügt. Diesem Umstande wohl hat es auch das kleine Häuf־ lein orthodoxer Juden in Prag zu danken, daß ihm die orthodoxe jüdische Ocffentlichkeit in jüngster. Zeit weit größere Aufmerksamkeit schenkt als früher. Die Bcacli# tung, die wir jetzt finden, wird ganz bestimmt auch auf uns ermutigend wirken und unsere eigenen Entschließ־״״ gen in erhöhtem Grade von dem Bewußtsein der Verant# wortung vor Khal Jisroel diktieren lassen. Große Dinge ' gehen begreiflicherweise bei uns nicht vor, aber manches von den geringfügigen Ereignissen im konse1־vativ־jiidi# sehen Prag dürfte dennoch in der ״Jüdischen Presse“ ver# zeichnet werden, damit die einzelnen Striche sich zu einem Gesamtbilde vereinigen und die Leser sich dann von seihst ein Urteil darüber bilden können, ob die Hoff# nungen, die erst jüngst wieder in der Brunner Zusammen# kunft an unsere Tätigkeit geknüpft wurden, Berechtigung haben oder nicht. Da steht in erster Reihe die D a j a n w a h 1, die uns manche Sorge bereitet. Ohne vertrauenswürdigen, rabbi# löschen Funktionär wäre alle unsere gute Absicht, zur. Aufwärtsbewegung nutzlos, Dieses Probtet!! ' könnte ’je#' doch wegen unserer schwierigen Verhältnisse noch nicht, endgültig gelöst werden. Für, den Augenblick wurde :je# doch ein gangbarer Ausweg gefunden, der uns die Mög# lichkeit schafft, über •die Frage der Einrichtung einer einwandfreien היראה *n Prag in Muße zu beraten. •Herr Rabbiner Epstein aus Topolcany ist provisorisch mit der Dajanfunktion betraut worden, so daß es nunmehr seine Sache geworden ist, . dafür zu sorgen, daß unsere religiösen Institutionen in den nächsten Monaten nicht verfallen. Hoffentlich wird cs möglich werden, dieses Pro# visorium von zwei Monaten noch um einige Mo.nate zu verlängern. , In ־ der Zwischenzeit haben wir immerhin die Freude, einen neuen Schiur in Joreh Dea zu genießen, den ־ Herr Rabbiner Epstein am Samstag und Sonntag vor ,•Kaufleuten vorträgt. Ueberhaupt mehren sich auch bei uns die Ge# legenheiten zum Lernen. In der Al t n eins c 11 u I wird täglich zwischen Mincha und Maariw gemeinsam Misch# najos gelernt. Die Tempelbesucher tragen Schiur äb# wechselnd vor. Die sabbathaltenden jungen Leute haben im ״Ti f er es B ä c h u r i!־“״Verein eine Verbindung ge# funderi, um sich durch Zusammenschluß zu stärken. Dieser neue Verein stellt .sich zur Aufgabe, neben ge# eigneten Lernvorträgen auch die religiöse Geselligkeit zu. pflegen. Er erfreut sich auch schon vielfacher Sympathien in den Kreisen, die für ihn in Betracht kommen. Auch die jüngere Jugend wird jetzt etwas besser gepflegt. Der Ausbau der ״Jessode Hathora“ hat nach der pädagogischen Richtung bereits bessernd gewirkt. Der Gesamtgeist der Gemeinde wird von diesen Be# Strebungen allerdings leider sehr wenig berührt. Jüngst wurde z. B. in der ״P 1 n ch a s־S ch u l“ sogar ein neuer Versuch zur Aenderung eines speziellen Prager Mirihag in der Liturgie unternommen. Als ganz merkwürdig muß hiebei verzeichnet werden, daß der Urheber dieses Ver# suches ganz plötzlich verstarb. (Es handelte sich uiu die •Abschaffung der zwei maligen Rezitation des ״Mismor ■!Schir •'1‘jdKj ,Häsphäbßs". am 'Freitag Abend, wie dies in diesem Tempel gleich der Altneuschul eingeführt war.) So .herrscht denn bei uns ein ״Durcheinander, von Licht und Finsternis“ wie in den ersten Tagen der ,Welt# .Schöpfung, bevor die große Sonderung eintrat. Diejenigen, die dem Lichte der Thora zustreben, sehen den Äugen# blick zur endgültigen Klärung der Verhältnisse und namentlich der Rechtsstellung der Orthodoxie in unseren Gemeinden für gekommen. Dieser aktuellsten Arbeit des religiösen Judentums in den Gemeinden wendet sich jetzt das allgemeine Interesse zu. B ochen u#\y odek, Der Prager Erzbischof über den soziologischen Wert der Bibel. Der Prager Erzbischof Dr. Kordac erklärt in eihör von den ״Lidove Listy“ veröffentlichten Unterredung, daß die Banken und Börsen der Urquell der Dekadenz sind. Schon die Heilige Schrift erkläre, daß der Zins eine schlechte Sache sei. Der Arbeiter verzichte auf Almosen, er fordere Arbeit und dafür wolle, er gerechten Lohn. Schon die Heilige Schrift sage, daß vorenthaltener Lohn himmelschreiende Ungerechtigkeit ist. Die Bibel biete nicht nur religiöse und abstrakte Begriffe, sondern auch durchaus, reale materielle Gesetze, Namentlich die Bücher Moses seien eine vollendete Schule für die moderne Sozio# iögie. Wenn die menschliche Intelligenz so völlkommeiie Werkzeuge erfunden hat, daß der Mensch sein Brot nicht mehr Im Schweiße seines Angesichtes verdienen muß»