Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 43 (31.10.1930)
- Date
- 1930-10-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630341-2630381--3756-2635816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite d JÜDISCHE PRESSE Nr. 43 Bollingerdüskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien, XV., Staglgasse 101 (bei Mariahilferstr. 148) Tel. R-35-8-47 und R-30-5-38 1 Filiale: Wien, VII-, Burggasse 17f Tel. B 32-3*80 I Seine Vielseitigkeit, die ihn befähigt, die verschieden* sten Dinge zu erfassen und gründlich zu erwägen, all diese glänzenden Eigenschaften rücken ihn in die vorderste Reihe der Führenden Persönlichkeiten. Die Idee der Aguda. von .lizehok Halevi ן״ל erdacht, schien ihm. dem erprobten Kämpfer und Arbeiter für die selbständige Orthodoxie, die Befreiung derselben von allen Hemmnissen. Hauptsächlich aber seine einnehmende Liebenswürdigkeit, seine scharfe Logik, seine bezwingende Rednergabe ermöglichten es, die Idee •lizehok Halcvis in die Tat umzusetzen. Was er und seine engsten Mitarbeiter vor. während und nach dem Kriege an positiver Leistung, an Organisation der Orthodoxie auf dem Erdenrund, an Schöpfungen der Aguda zur Förderung und Erhaltung des religiösen Judentums, an Abwehr der — nur zu oft rohen — Gegner unter den größten Schwierigkeiten, die die fort* sehröitcnde materielle Weltkrise bereitet, zuwege brachten, läßt sich im Rahmen eines Artikels nicht wiedergeben und würde einen Band füllen. Wir können nur einem Wunsche Ausdruck geben, in den hunderttausend gläubige Juden aller Welt einstimmen: daß der Allgütige unser Gebet er* höre und uns unseren Führer, Jacob 11שליט׳ווח0ו1ו801ס noch viele Jahrzehnte erhalte, zur Weiterführung des so glück־ lieh begonnenen Werkes und daß wir vereint mit ihm baldigst einziehen in unser heiliges Land תבב״י mit c^cm •מלך המשיח. _ Jacob Rosenheim — der Agudist. Von Jacob Joel Braun, Bratislava. Uebcr Jacob Rosenheim schreiben, ihn und sein Wirken im Judentum würdigen, o h n e seine angc* borene und anerzogene Bescheidenheit zu verletzen, ist schwer. Ihm an dem Tage, da Tausende in der weiten* breiten jüdischen Diaspora sein großes Wollen und reiches Schaffen aus innerem Drange nach Wahrheit und Wahr־ haftigkeit dankbar anerkennen müssen, den ehrenden Gruß versagen, wird einem alten Mitarbeiter und Mit* streite!• noch schwerer. So sei denn zum 14. Marchesehwan, dem sechzigsten Geburtstage Jacob Rosenheims, der Blick auf jene arbeitsreiche Zeit gelenkt, in der A g u d a s* Ji s r o e 1 aus der Tiefe sehnsüchtiger jüdischer Hoffnung durch Jacob Rosenheims mutige Tat in die Welt der Wirklichkeit emporquoll. ״Mag das W erk den Meister loben.“ Wir alle waren damals an Jahren jünger und an Erfahrungen ärmer. Wer hatte denn in orthodox־jiidischer Gesamtheitsarbeit Erfahrungen? Es gab ein orthodoxes Judentum in der Idee — eine große, alte, vieltausend* jährige, heilige Wahrheit, für welche Millionen über* zeugter Söhne des jüdischen Volkes in der Vergangen* heit gelebt, gelitten, gestritten und ihr Leben geopfert haben. Man wußte, daß die Träger dieser Idee auch heute nach Millionen zählen. Zwischen ihnen gab cs aber keine äußere Verbindung, keine Gemeinsamkeit der sieh plan־ mäßig durchsetzenden lebendigen T a t. Im Zeitalter der Organisation, des Kontinente umspannenden Zusarn* mcnschlusses Gleichgerichteter und Gleichgesinnter, suchte man vergebens nach dem allgemein gültigen Aus* druck wahrhaft jüdischen Wollens in der Welt ziel* bewußter Tätigkeit. Empfand man diesen Mangel? Wer im Judentum mehr erblickte als eine mehr oder weniger hergebrachte Form zur Erlangung religiöser Beschaulich* keit, wem die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft die Verpflichtung auf die Verwirklichung des in Thora und Tradition sieh kundgebenden G*ttcswillens an sein Volk bedeutete, der empfand ihn tief und schmerzlich. Er empfand ihn immer deutlicher, je mehr alles Welt* ן geschehen außerhalb der engen jüdischen Zonen zum Thoraideal des eigenen Lebens in unlösbaren Gegensatz geraten war. Probleme gedanklicher, weltanschaulicher und eminent praktischer Natur pochten an jede Tür, deren Mesuso ewige jüdische Bereitschaft kennzeiehncte, und forderten ihre Lösung von der Kraft des vereinsamten Einzelnen. Diese Kraft reichte nicht aus und konnte nicht ausreichen, wenn sie nicht vereinigt war mit dem Geistesstrom einer ״Gesamtheit“, wie sie in der Berufung der Juden zu Verwirklichen! des Judentums von G־ttes Wort vorausgesetzt wird. Auch unter den Juden waren bereits Ansätze zum Zusammenschluß vorhanden. Diese Einzige jüdische für Weißnähen und Kleidermachen mit Öffentllohkeltsreoht Wien! 11.! Malzgasse 7! Dr. Krüger •Heim Staatsgiltlge Zeugnisse Gehilfinnenrecht Samstag geschlossen ®oCAs u.'JsaaphtAufiiftirXnalen, 'und THüMtii mdOfailüdU&hrecfit //. Malzgasse. /& m öiejüölscfye jMjule aber galten entweder einzelnen Anforderungen der ringen* den und wogenden Zeit in ihren Tcilbezichungcn zur jüdischen Idee, oder aber sie waren Wegweiser zur Ab* kehr der Gesamtheit des Volkes von der jüdischen Wahr* heit, die allein Daseinsinhalt lebendiger jüdischer Ge* mcinschaft bilden kann. Thorajudentum und Thorageist, Thoragesetz und Thoraidcc als Ziel und Inhalt der ge* samten Beziehung des jüdischen Volkes in der prak* tischen, lebendigen Wirklichkeit schien es gerade für unsere Generation nicht zu geben. Unsere Generation jedoch bedurfte ihrer im Zeitalter der organisierten Kräftcvcrcinigung mit ihrer tausendfachen Kompliziert־ heit unzweifelhaft mehr als jede Generation vor uns. Die Stimmen, die bald da, bald dort in Zeitschriften und ge* legcntlichcn Reden als Rufe nach einer solchen thora* verwirklichenden jüdischen Volksvcreinigung laut wurden, verhallten in der zerspaltcnen und zerklüfteten jüdischen Welt unverstanden allsolange, als der Mann nicht zur Stelle war, den השית״ dazu auserschcn hat, seine reichen Geistesgaben und seine große jüdische Seele vorbehaltlos der Erfüllung dieser Sehnsucht zu weihen, und dem er eine Stimme verlieh, die mit zäher Beharrlichkeit in die jüdischen Merzen weckend und belebend zu dringen ver* mochte. Dieser Mann ist unser Jacob Rosen* h e i m! Er stand nicht allein da, wie er heute nicht allein ist und mit G. H. niemals genötigt sein wird, allein die Last des großen Werkes auf seinen Schultern zu tragen. Sein unvergängliches Verdienst um die Ewigkeits* werte des orthodoxen Judentums ist es aber, daß er die Not der Zeit mit jüdische m Auge sah und sie auf sich dermaßen wirken ließ, daß er fortan unlöslich bis auf den heutigen Tag im Banne des großen Gedankens der Agudas Jisrocl bleiben mußt e. Unter den Millionen orthodoxer Juden auf dem Erdenrund gibt cs sicherlich keinen einzigen, der für Agudas Jisrocl so viel gelitten hätte und vielleicht auch heute noch leidet wie Jacob Rosenheim, der Bahnbrecher, der Führer und Kämpfer. Das vermag er nur, weil er Agudas Jisroel als Tatsache, Agudas Jisroel im Stadium der Verwirklichung als Glück empfindet, als Ausdruck harmonischer Vervollkommnung und Erweiterung seines eigenen Wesens. Darin liegt Grüße und das bleibt dauernd V o r b i 1 d für kom* mendc jüdische Geschlechter. In jener ersten Anfangszeit, da cs mir gegönnt war, an Jacob Rosenheims Seite das Baugerüst zur Agudas Jisroel aufzurichten, zeigte cs sich weit mehr als in der abhärmenden Dctailarbeit von heute, wie tief Jacob Rosenheim von der Wahrheit des Agudagedankens und seiner unabweislichen Notwendigkeit für die Gesamtheit sowohl als auch für die jüdische Höherentwicklung des einzelnen durchdrungen sein mußte, um die weite Kon* zeption des inneren und äußeren Gefühls der Aguda* Organisation mit jener Umsicht und jenen! Weitblick zu Jüdisches Brot! Erstklassig und billig bei Lederer & Kohlt, DamnfbäckereS II, Gr. Schiffgasss 16 II, Hollandstraße 7 Telephon A-41-4-45 Telephon R-47-4-95 WEISS., FEIN- UNO MILCHGEB&CK Scholetseizen : II, Hollandstraße 7 Verkaufsstelle tür den 9. Betirk: IX, Glasergasse 10, Telephon A-10-&-50 spannen, die sic in kurzer Zeit zum Gemeingut der aus־ erlesensten orthodoxen Juden machten und ihren Be* stand über den Weltkrieg hinaus sicherten. Es gehörte wahrlich eine starke j ii d i s c h e U n i v e r s a 1 i t ä t dazu, in der Werdezeit der Agudas Jisroel aktives Binde* glied, also gewissermaßen ״Puffer“ zu sein zwischen geistig so fest fundierten Persönlichkeiten wie — um aufs Geratewohl nur einige von den Gründern der Agudas Jisroel zu nennen, die leider nicht mehr unter uns weilen ז3יה□ יגן עלינו — Rabbiner Dr. Brcuc r, Rabbi .lizehok H a 1 e v v, Louis F eist. Dr. Abraham H i rs c h, Prof. D1*. David Hoff m a n n. Oberrabbiner Doktor F c i 1 c h e n f e 1 d, Adolf Stern; Provinzialrabbincr Dok» tor Kahn (Fulda), Abraham G r ii וו b a u m. Siegmund Frankel, Wolf Möller. Siegfried Wiener in Deutschland, Rabbi Chajim S o 1 o w e i c z v k, Rabbi David K a r 1 i n, Rabbi Sehemaya Nouch S c h n e e r s o h n (Bobrujsker Rabbi), S 1 o n i n! c r Rabbi, N j e s h i n e r Rabbi, Rabbi Meier Simeha Kahn (Dwinsk), Rabbi Elia Akiba R a b b i n o w i t s e h, Rabbi .!isochor Ber Sehneersohn (Lubawitscher Rabbi), Jakob L i p־ schütz, Ber H o r n s t c i n, Rabbi T c w e 1 s o h n (Ka* pischki) und viele andere in Rußland; S o e h a t s c h c w e r Rabbi, S o k o 1 o w c r Rabbi, Joel W e g m e i s t c r, La/.ar P r y v e s, Schachna A w rach, Svskind B i a 1 e r, Juda Birnbaum, Moses Sehmelkcs, Rabbi Meier A r a k, Rabhi Josef Engel, Bojaner Rabbi 11. a. in Polen; Rabbi Chajim Berlin und Rabhi .lizehok Jeruchim Disk in in Jerusalem; Rabbiner Dr. Cohn in Basel; Tedesco in Paris, und eine bis ins Seelisch־ Intime gediehene Beziehung hcrzustellcn zu jener end* losen Reihe von Männern der jüdischen Zerstreuung von Irkutsk bis Fez, von Buchara und Grusicn bis Tunesien und Transvaal und von Sidney bis Buenos Aires, sieh hineinzuleben in ihre Vergangenheit und Gegenwart, ihre Bedürfnisse zu verstehen und die Linie zu finden, auf der ein Weg angelegt werden sollte, den sie alle gehen mußten und gehen konnten, sobald sie o r t h o* d o x c s J udentum als G v admesser ihre s Wollens im Rahmen des thoratreucn Volks* ganzen anzuerkennen bereit waren. Auch die inneren Probleme des orthodoxen Judentums, wie sie hei den ersten Versuchen einer zusam* menfassenden Organisation der auseinanderklaffenden Teile aus der logischen Härte strenger Prinzipien natur* gemäß hervorgehen n! u ß t e n, tauchten schon in jener ersten Zeit hemmend auf. Es sei heute festgestellt, daß es ausschließlich der Uebcrzeugu n g J acob Rose n* heims vom guten Willen aller Teile zu danken ist, daß die Aguda damals der Schwierigkeiten Herr werden konnte. An der Schwelle der Sechzig, wird Jacob Rosenheim vielleicht auch auf jene schweren und arbeitsreichen ersten Jahre Rückschau halten. Ich, sein nächster Mitarbeiter aus jener Zeit, bezeuge es ihm heute vor aller Welt; Seine Leistung am Gründungswerk der Agudas Jisroel kann ihn mit Befriedigung erfüllen! יעד מאה ועשרים שנה Das verratene Palästina. Die von uns bereits mitgeteilte neueste Wendung iu der PaUistiimpolitik hat begreiflicherweise in aller Welt Aufsehen und Bestürzung׳ erregt. Von unserer Seite wurde zwar stets vor Selbsttäuschung und Leber- Schätzung menschlich-politischer Freundschaften g׳ewarnt, und das orthodoxe Judentum kann es daher leichter verschmerzen, daß nunmehr wieder alle anderen Feierlichen Zusicherungen außer den in der Thora verbrielten sich als wertlose Papierfetzen erweisen. Anders ist über der Lind ruck, den natürlich nach den hochgespannten Erwartungen der letzten Jahre die jüngsten Nachrichten auf die bloß weltlich-politisch eingestellten Anhänger des Zionismus machen mußten. Wir lesen da allenthalben Arün Protestkundgebungen, sogar von nichtjüdischer Seite, von den Demissionen Weizmauns, Warburgs usw. Allerdings wird diese Erregung begreiflic!», wenn man liest, daß llamsay iMac Donald erklärt, die Sonderstellung der Jcwisli Agency bedeute nicht das Recht zum Mitregieren, während er gleich darauf meint, eine Aral) Agency solle das Instrument für die arabische Mitarbeit mit der Regierung sein. Und es ist weiter begreif lieh, wenn Warburg 11. a. folgendes zur Begründüng seiner Demission ansführt: ׳Der Inhalt der Regierungserklärung stellt in krassem Widerspruch zu den Versicherungen, die Lord Paßfield mir am 22. August in einer zweistündigen Unterredung gegeben hat, zu der ich auf seine persönliehe Einladung nach London gekommen war. Er er-!nächtigte mich damals, in seinem Namen vor dem Adminifstrutive Committee der Jcwisli Agenc-y, das einzige 'Page später in Berlin tagte, gewisse Erklärungen ahzu- Spendet für den and Jessode Hatlira der Adas Jisroel, Wien, II.! Nssfroygassa 1 \ geben. Zu meinem Bedauern sehe ich mich auf Grund der von Lord Paßfield jetzt veröffentlichten Dokumente genötigt, zu sagen, daß ich irregeführt wurde und nnschnldigeTweiso selbst zum Werkzeug der Irreführung meiner Kollegen in der Jewish Agenev geworden bin. Ich sagte meinen Kollegen, die Regierung würde Obligationen fiir die Zwecke der landwirtschaftlichen Entwicklung ausgeben׳. Jetzt erfahre ich. daß ein vorwiegend die Interessen der arnbischen Bevölkerung bcrücksiditigeudos Agrarprogramm durch Steuern finanziert werden soll, die naturgemäß zum größten Teil von Juden Palästinas aiifziibringen sein werden. Die jüdische Eiiuvanclerung wird weitestgehend eingeschränkt und der Landkauf so erschwert worden, daß Transaktionen selbst bei Bezahlung hoher Bodenpreise fast unmöglich erscheinen. Gerade diejenigen von uns, welche hinsichtlich des Aufbaues Palästinas einen gemäßigten Standpunkt eingenommen Indien, empfinden heute bitterste Enttäusthung. Ich habe alle Welt aufgeforclert, Vertrauen zur englischen Regierung zu haben. Ich habe mitgeholfen, die Jewish Agenev zu schaffen. Ich habe in der Erwar- *־ < 4 ► 4 ► 4 ► י 4 ► 111(1»“'». j o I ii r _ ii *JSSäf Wien, II., Malzgasse 7 K'ÄS!: Sabbathaltende fördert die Sabbathaltenden! “ A4»♦♦♦♦»»»♦♦♦»♦»♦♦♦»♦»♦♦♦»♦»♦♦. gegenwärtiger u. ehemaliger Heimschützlinge, Dr. Krüger- Heim (fr. Elisabeth - Heim) 853152440991!!P@!?"