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Jüdische Presse · 1930-10-31 · 43 (31.10.1930) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
43 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oktober 1930 ■ב*ה וינא־פרעסבומ ט׳ חשק תיצ׳א 16. Jahrg. Ein Gruß an Jakob Hosenbein» י״ט , 'A, ,,As. _ Früher war es Sitte. daß inan nach Vollendung ries 60. Lebensjahres im umfriedeten Kreise der Familie ein stilles Fest beging, weil aus altersgrauen Zeiten die Kunde lebte, da(5, ein Mensch jenseits dieser Grenze sicher nie mehr aus dem Bewußtsein des Volksganzen מקרב עמר schwinden würde, einerlei, ob sich diese Geschichtlichkeit in engster Sphäre oder in Menschen- und Volkesweite vollzieht. Ist aber das letztere der Fall, so hat die Nachwelt ein Recht darauf, daß die Mitlebenden die Linien zeich- ■neu, den Rahmen spannen, in den dann spätere Geschlechter die ,Arabesken ihrer Dankbarkeit weben mögen. lind wenn es auch, wie a\ ir sicher wissen. Jakob Rosen heim widerstrebt, gefeiert zu werden, und w’enu wir auch diesen Wunsch ehren und berücksichtigen, so ist es dennoch unsere Pflicht, die Geschichtlichkeit seiner Persönlichkeit der Nachweit, vielleicht sogar einem guten Peile der Mitav e 1 t, zu zeichnen. Wie ..weit das Wollen eines Menschen sich seiner Zeit aufprägi, das bedingt seine .Bedeutung. Darum müssen zunächst.die Wurzeln seines Wollens bloßgelegt werden. Stets verlieh Jakob Rosenheim seinem Streben konkreten Ausdruck. Zunächst im ״Nachlas Zevi" im Jahrzehnt 5650/60, also in der Lebensepoche, die das Streben (לרדוף) hinüberleitet in die Tat (לכה). Da sollte der Gedankenkreis Samson Raphael Hirsch'... ז״ל, der das ganze gpistige Leben in den Bannkreis der Thora ziehen möchte, alle Frscheinungen der Kultur harmonisch mit den thoramäßigen Lebensgcstaltimgen zu vereinigen bestrebt ist, jungen Menschen in Selbsterar- Leitung und Geiueinschaftstütigkoit zum Frlebnis werden. Das waren frohe, selige Stunden. Auf dem geistigen Gebiete erwarb sich da Jakob Rosenheim die ersten Sporen der 1' ührerschaft. Line begeisterte Schar von Jünglingen ging unter seine Fahne. Die Sieghaftigkeit des Thorageistes war dieser Gemeinschaft das Selbstverständliehe, jede Aeuß.erung geistigen Lebens allüberall ־war dieser Rosenheim-Gemeinde eine beachtliche Offenbarung, deren Wahrheiten zu enthüllen diesen Hirsch-J Ungern ein lockendes Ziel war. Im sicheren Besitzstand der von S. R. Hirsch ז״ל zur Lebensansehauung gestalteten Orthodoxie wurde ,,Nachlas Zevi" zu einem begeisterten Herold der am l'.nde des neunzehnten Jahrhunderts so stürmisch andringenden Kultur in Kunst und Wissenschaft. Allein, schon Samson Rafael Hirsch hatte erkan nt, daß die Orthodoxie dieser Aufgabe, ein Mikrokosmus alles menschlichen Wollens zu sein, nur daun gewachsen sein könne, wenn sie in ihrem innersten Zellkern rein und unberührt das Judentum verkörpert. Um der Welt alles zu sein, muß das Judentum in seiner historischen Organisationsform, also in der Gemeinde, unverfälscht in voller Klarheit sich darstellcn. Das ist die Wesenheit der Anschauung. die. mau fälschlich den Austrittsgedanken nennt. Und gerade, weil Jakob Rosenheim sich in den Dienst des Uuiversalitätsgedankeus des Judentums ungeteilt stellt, hält er diese klare und eindeutige Darstellung des Judentums für einen •uneutbe.hrlichen Dienst am ganzen Judentum. Deshalb wurde er der Austrittsmann, wie man es so gerne nennt, ,.saus phrase". Fr ist aber von der SelbstverstäuclIichkeit und sittlichen Bedeutung dieses Gedankeus so durchdrungen, daß er es für eine Pflicht der Orthodoxie hält, aus dem wohlbehiiteten, gesunclen Zellkern ladende, werbende und erfassende Strahlen in alle Gebiete des Judentums zu senden. Wenn man heute ganz objektiv die Kämpfe betrachtet, die sich au dieses Wollen Jakob Rosenheims unsc-lilossen, so kann mau ohne weiteres sagen, daß die Differenz zwischen Jakob Rosenheim und Perser-Teppiche transit direkt vom Wiener Zoll-Freilager grollte Auswahl - Qualitätsware - preiswert Bettelheim & Jomek Wien I, RotenturmstraBe 27 seinen Gegnern lediglich auf einem Unterschied der Auffassung der tatsächlichen Verhältnisse beruht. Ls glaubt Jakob Rosenheim. daß die Orthodoxie In di'r Schule S. R. Hirsch’ so erstarkt ist. daß sie nunmehr ihre werbende .Arbeit auch auf die Kreise erstrc/cken kann, die an die Notwendigkeit der unverfälschten Klarheit der Gemeinde nicht glauben. Ls meinen die anderen, daß dieser Zeitpunkt noch nicht gekommen ist. und daß. die Orthodoxie erst noch bedeutend mehr in sieh erstarken müsse, ehe sie ohne Gefährdung des eigenen Bestandes diese Lr- Weiterung vollziehen darf. Die Periode 5660 bis 5670 ist. bezeichnend für das Streben Jakob Rosenheims, und die freie Vereinigung zur Förderung der Luteressen des orthodoxen Judentums die Basis dieses Wollens. ln sieh gefestigt, lehnt es Jakob Rosenheim ab, ein sittliches Werturteil über diejenigen zu geben, die in bezug auf die Bedeutung der Ort ho־■ doxic anderer Anschauung sind als er. Lr hat aber das große Vertrauen zu seiner Weltanschauung, daß sie am Fnde der Knlvicklung sieghaft sein wird. Dieses Vertrauen erreichte mit suggestiver Krall, daß eine große Anzahl orthodox strebender Mensehen zur Gemeinde Jakob Rosenhcims wurde. Lr ist so. die vor dem kriege vollendete Frankfurter israelitische Religionsgesellselmft als Rückhalt \v־issend, zuin Herold der jüdischen Linheit im höchsten Sinne‘ des Wortes geworden. Das war sein Leitmotiv, als er in den jüngsten I zwanzig Jahren unter der Fahne der Aguclas Jisroel die Orthodoxie zum Siegeszug durch, die Welt geleiden wollte. Keiner kennt besser als er die unabschbaren Schwierigkeiten, die sich diesem Beginnen entgegensteilen. Jakob Rosenheim glaubt, daß gegenüber dem großen Ziel all die trennendem Unterschiede, die innerhall) der thoratreuen Gemeinschaften durch Minhag und Lerumethode. durch Lrzicluingsfragen und ihre Tradition auf dem Gebiete der Umstellung’ zur Kultur erstellt worden sind, durch den großen Gedanken von der Sieghaftigkeit der Thora überwunden werden müssen. Wenn auch diese Lntwdckhing noch nicht abgeschlossen ist. die zweite Kenessio Gedaulo hat erneut dem Willen der in der Aguda geeinten Orthodoxie Ausdruck gegeben, Jakob Rosenhcims Wollen das Gepräge der Gesell ich fliehkeit zu verleihen. Möge die zweite Periode seines Lebens Jakob Rosenheim, der nach Wesen und Wollen im Volksganzen Acrankert ist, die FiTiillung seines Strebens zuteil weiden lassen. Jakob Rosenheim — ein Sechziger Von Wolf P a p p c n h c i m. In den zwanzig Jahren, die ich Gelegenheit habe, die Tätigkeit dieses unseres Führers aus der Nähe zu be* obachten, rechne ich cs mir zum Glück, unter seiner und seiner engsten Kollegen Fahne zu dienen. Die tiefe Einsicht, der Aveite Blick, die unermeßliche Tatkraft dieses Elitemenschen grenzt ans Unfaßbare. Dazu das reine לש״ש die Selbstverleugnung, die Menschenliebe; das glühende Bestreben, dem Judentum und der Judenheit allzeit zu dienen, macht ihn zu dem berufenen מנהיגישראל Auch der absolute Respekt vor der Autorität, der ihn dazu zwingt, in allem und jedem die Ansicht der גדולי הדור ein* zuholen, macht aus ihm den richtigen בצ״צ באמונה pDty. Was bietet die führende Weltfit ma Othmar oc Wien I, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) amen» Telephon U-41-3-62 Perücken? 1. Modernste und individuellste Ausführung. 2. Tadellosen, mustergültigen Sitz. 3. Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen. 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