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Jüdische Presse · 1930-10-24 · 42 (24.10.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
42 (24.10.1930)
Date
1930-10-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 42 ר, מאיר בעל הנם Fabrik und Büro: Wien, XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon R-33-1-87. Ssgs5Si5i!Ef£ 4 כותל המערב־ J . vnquj^ jUM Man achte auf die gesetzlich geschätzte Marke und Name Schulz 11 Protest der Zionistischen Exekutive. Die Regierungsdenksehrift über die neue englische Palästina-Politik veranlaßte den Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive, Dr. Weizmann, zur Abgabe von Aeußerungen, die man nur als eine Kampfansage der Zionisten an die Regierung auffassen kann. Dr. Weizmann verlas zuerst eine Erklärung der Exekutive, in der auseinandergesetzt wird, daß die neue englische Politik im Wider- Spruch steht zu der von Churchill im Jahre 1922 festgelegten Politik, zu den Bedingungen des Mandats und zu den Erklärungen der permanenten Mandatskommission. Die Politik der Förderung einer nationalen Heimstätte der Juden sei preisgegeben worden. England beschränke sich Jetzt darauf, nur die Interessen der zurzeit in Palästina wohnhaften Araber und Juden zu vertreten. Diese Politik und die Beschränkung der Einwanderung, äußerte Dr. Weizmann, werde es dem jüdischen Kapital außerordentlich erschweren, in Zukunft weiter Geld in Palästina anzulegen. Dr. Weizmann verlas dann ein Schreiben, das er an den englischen Kolonialminister Lord Paßfield gerichtet hat und in dem er nachweist, daß die Zionistische Exekutive stets bereit gewesen sei, mit der englischen Regierung und der Regierung von Palästina sowie mit den Arabern zusammenzuwirken, um die Probleme der jüdischen Heimstätte zu lösen. Jetzt vermöge er aber keine Basis für eine weitere Kooperation zu erblicken. Er sehe sich daher genötigt, den Vorsitz in der Zionistischen Exekutive und in der Jewish Agency niederzulegen. Er werde sofort einen Kongreß der zionistischen Organisation und den Rat der Agency einberufen, um neue Vorsitzende zu wählen und eine neue Politik zu beschließen, die durch die Erklärungen der englischen Regierung bedingt sei. Auf Befragen fügte Dr. Weizmann hinzu, daß als Protest der Judenheit der ganzen Welt die Verlegung der zionistischen Organisation aus England nach Amerika geplant sei. Die Juden hätten den Arabern wirtschaftlich erheblich genützt. Mehr als vierzig Millionen Pfund seien von den Juden in Palästina investiert worden. Nicht die Juden, sondern die Weltwirtschaftskrise, unter der alle Völker zu leiden haben, sei die Ursache der von der englischen Regierung so stark betonten Arbeitslosigkeit der Araber. lei Unterschied zwischen den!Bewohnern des Landes und alle seien ihm gleich;lieh ׳und wert, wenn sie Heimat und Vaterland anerkennen. Die Tagespresse vermerkt mit Befriedigung, daß die Ohristlidhsozialen und auch die Heimwehr den Antisemitismus aus ihren letzten öffentlichen programmatischen Kundgebungen eliminiert haben, und, den Ernst dieses Verzichtes auf das antisemitische Schlagwort vorausgesetzt, wäre damit eine!Einheitsfront aller religiösen Staatsbürger in den Bereich des!Möglichen gerückt.!Bedauerlich ist es dagegen, daß eine!Persönlichkeit wie der!Altbundeskanzlcr Dr. Schober zum Aushängeschild für einen rassenantisemitisch eingestellten Wahlblock geworden ist. Dadurch wird allen!jenen Juden, die seine!Person als bewährten Hort und Schützer der Ordnung in schwerer Zeit schätzen und verehren, seine Wahl bedenklich und auch die ,^demokratische Mittelpartei“ kann trotz der Ohrfeige, die sie gerade als ״Judenp'artei“ erhielt,!kaum als wirkliche Verfechterin der Gleichberechtigung der österreichischen Juden in Betradht kommen. Sie teilt das Stigma der Aussichtslosigkeit, die ihr das geltende Wahlrecht aufdrückt, mit einer jüdischen Partei, der ,Jüdischen Liste“ des Ing. Robert Stricker. Die Charakteristik dieser Gruppe ist schon damit genügend gekennzeichnet, daß nicht einmal die Zionisten Wiens ungeteilt hinter ihr stehen. Große und nicht unbedeutende Schattierungen innerhalb der Partei sind mit dem Landeskomitee darin einig, daß es sich nur um ein schädliches Experiment mit jüdischen Stimmen handelt, deren Abgang nur den antisemitischen ׳Parteien nützen kann. Wenn nun noch von den hierzulande herzlich bedeutungslosen Kommunisten abgesehen werden soll, bleibt als einzige ibedeutende Partei, die nicht antisemitisch dem Programm nach eingestellt wäre, nur noch die sozialdemokratische übrig. Diese Partei warnt das ׳jüdische Bürgertum, sich von dem Schlagwort ,Antimarxismus“ beeinflussen zu lassen, und ganz treffend charakterisierte Bürgermeister Seitz!in einer Rede die christlichsoziale Partei und die Parteien der Schober-Block-Mehrheit als Gruppen, denen von ihrem Programm nur der;Antisemitismus verblieben sei. Allein in weltanschaulichen Dingen klafft da eine große Kluft, die jede innere Beziehung des religiösen Judentums zur Sozialdemokratie!Lügen straft. II. Wenn also ׳schon in Oesterreich den Juden die Wahl viel Qual verursacht, so ist das um so mehr noch in Polen der Fall. Zwar spielt dort im allgemeinen Wahlkampf de!• Judenpunkt ■nicht!jene große!Rolle, die iihm in Deutschland und Oesterreich beigemessen wird, aber die Verletzung des jüdischen Prestiges durch Uneinigkeit unter den Juden geht in Polen womöglich noch weiter als in Oesterreich. 'Nicht weniger als fünf ״jüdische Listen“ wurden überreicht. In Ostgalizien haben sich alle zionistischen Gruppen auf eine Liste geeinigt. In Lodz dagegen halben die!Zionisten mit den Deutschen ein Walhlabkommen getroffen, die ,Poale Zion halben ihrerseits wieder ein Uöbereimkommen mit den!Bundisten geschlossen. Während nun solcherart mehrere!zionistische!Gruppen neben dem offiziellen zionistischen Block operieren, der hauptsächlich in An- ■lehnung an die Minoritäten das Heil der jüdischen Politik e11blickt, haben unter!Führung der Agudas Jisroel die Orthodoxen, denen sich alle chassidischen Gruppen, die .Folkisten, ,Kleinhändler und Handwerker anschlossen, einen großen Block gebildet, der, innerhalb der Regierungsparteien stehend, sogar in nichtjüdischen Wahlbezirken ׳zwei sichere Mandate dieser Regierungs- Parteien eingeräumt erhielt. Vielleicht ist diese Tat- Sache der Einigung aller bürgerlich-religiösen Juden in Palen der einzige Lichtblick in diesen krasendurchschüttelten Zeiten, die mehr als!je den wahren Juden den Blick nach innen lehren zu wollen scheinen, wo das über allen Kämpfen thronende Ewige zu suchen, nie verabsäumt werden darf. M. m ISlRCHRlCHTEN 0 Beth Jakob-Lehrerinnenkurs. Am Rösch Chodesch Cheschwan wurde der neugegründete Beth - Jakob - Lehrerinnenkurs in Wien eröffnet. Wir kommen auf dieses kulturhistorisch bedeutsame Ereignis in der nächsten Nummer unseres Blattes zurück. Wahlen. ff. Innerhalb weniger Wochen!machen drei europäisohe Staaten die schwere Krise eines Wahlfiebers mit, das nicht nur für die künftige ■Gestaltung ihrer demokratischen Einrichtungen richtunggebend ist, sondern auch durch den!in!ihnen überall in den Vordergrund!gerückten Judenpunkt ■unser besonderes Augenmerk erfordert. Merkwürdigerweise spielte ׳und spielt!in diesen Wahlbewegungen die Stellungnahme zu Juden!und Judentum — öder wenigstens!zu dem, was man sich so unter Judentum vorzustellen geneigt ist — eine um ,so!größere Balle, je weniger Juden und Judentum es in dem betreffenden!Lande tatsächlich gilbt. So kommt es denn, daß gerade in Deutschland dieser ,böse“ Jude im Brennpunkt des Wahlkampfes stand und mit!zu den gewaltigen Erfolgen der nationalsozialistischen Partei beitragen half. Wenn auch nun der erste ׳pariamentarische Ansturm bereits als abgeschlagen gelten kann, ist ifür!die deutsche Judenheit noch lange kein!Anlaß zu!freierem Aufatmen gegeben. Der Ausfall der deutschen Wahlen bat auch die Neuwahlen in dem österreichischen Nationalist be- ,schleunigt und ׳so stehen wir auch hier nunmehr inmitten eines mit äußerster Schärfe geführten Wahlkampfes. Auch bei uns!in Oesterreich spielt neben anderen Schlagworten in diesem Kampfe das vom Juden seine übersteigerte Rolle und auch hier hat es den Anschein, als sollte uns die gar nicht Begehrenswerte Rolle ׳eines Siindenbooks ׳zufallen, Wenn wir nun alle die Parteien Revue passieren lassen, die ihren Kampf auf dein Rücken des schwächsten und auch hier am wenigsten einheitlichen Bevölkerungselements austragen wollen, müssen wir ifeststellen, daß sie alle einen mehr oder weniger fiktiven Judenpunkt im Programm haben. Trotz!ihres prinzipiellen Antisemitismus, haben die Parteien von der äußersten Rechten schon ein wenig Wasser in ihren programmatischen Wein getan und einige Heimwehrgruppen reichen!gleich den Christl'ich'sozialen den ״staatstreuen“ older ״heimatstreuen“ Juden gern die Hand. Der Bundeskanzler Vaugoin hat ausdrücklich erklärt, er mache keiner- Die rituellen Kochkurse für Anfänger und Vorgeschrittene an Nachmittagen und Abenden, die englischen und französischen Sprachkurse für Kinder und Erwachsene, bzw. Anfänger und Vorgeschrittene an Nachmittagen und Abenden, ferner die ö Nachmittags- und Abendkurse für Turnen für Kinder und Erwachsene, alle Kurse nur für weibliche Teilnehmer, im D r.-K rüge r-H e i m, Wien, II., Malzgasse 7, Telephon A-48-0-77, haben bereits begonnen. Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 *&o£k$ -a.^ßauphiAuAfürJfaafien, md IHäddw, wdOßadMJßdsrafit //. Ulalzgasse. SxtfJüDtfcVe KliVb 5rt Öls jütisclj <2 .Schule Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik :Wien, XV., Staglgasse 10 (bei Mariahilferstr. 148) Tel. R-35-8-47 und R-39-5-38 Filiale: Wien, VII,, Burggasse 17, Tel. B 32-3-80 Adas Jisroel (Schifischul)9!IL,Gr. Schiffg. 8 Kanzlei: Wien, II., Große Schiffgasse 1. משגיחים die ניסור verläßlich besorgen können, werden in der Adas Jisroel in Vormerkung genommen!. Selbstverständliche Voraussetzung ist der Nachweis vollständig einwandfreier religiöser Lebensführung. | Einladung. ן Ufficio Rabbino Maggiore, Merano (Italien), Karl-Wolf- Straße 11/114. Mangels näherer Adressen verständige ich auf diesem Wege!die!Familienangehörigen nachstehender, im allgemeinen!Friedhof von Trento seinerzeit provisorisch bestatteter jüdischer Kriegsgefallenen der ehemaligen üsterr.-ungar. Armee, daß auf meine Veranlussung die!Exhumierung derselben am 27. Oktober und die!feierliche!Bestattung am 28׳. Oktober!in Merano stattfinden wird. Merano, den!18. Oktober ■1930. Oberrabbiner Josua G r ü n w a 1 d. Liste der Kriegsgefalleneu: David M e t!z g e r, Josef R e w i c z, Samuel R e i c h 1b a c 111, Erncst 1N a t z 1 e r, Benedikt L ö r i n c, Oberleutnant Rudolf L ö w i 111, Oliaim M a 11 u s 011 n. Moritz H e r s c 11 d o r f e r, ■Isak 1D r uc!ke r, Bernhard Fried, Leutnant Emst Altendorf und Armee- Schwester Frieda :S c .11 ö 11 b a 11׳ m. Jahrzeit in Oedenburg. Am 27. Tischri. am Jahrestage des vor Jahresfrist verewigten Rabbi Menachen! Grün wa׳ld s. z. 1. wurde in dem!auf Weisung Rabbi Chain! Sonnenf elcls errichteten Ohel am!Friedhöfe von Oedenburg im!Beisein der gesamten Judenheit der Stadt der Grabstein gestellt. Nachdem der Obmann der Chewra - Kadischa. Herr Benö ׳B i c n e n!f e 1 d, die unvergänglichen Verdienste des Verewigten um den Aufbau der orthodoxen!Gemeinde und um die Gründung der Chewra-Kadischa gewürdigt und zu Tränen genührt den unersetzbaren Verlust der Gemeinde geschildert hatte, sprach noch als Sohn Rabbi Josua G r ü n w a 1 d, Oberrabbiner von Meran, und als Enkel Rahibinatskandidat Amva׳m B :1 u m herzerschütternde Worte des Angedenkens. Der Oberrabbiner von Trier beim Reichspräsideuten. >(J. T. A.) Während des!Aufenthaltes des!Herrn Reichspräsidenten v. H inde n b u r g in Trier wurde — wie von dort gemeldet wind — mit der ■Geistlichkeit ־in Vertretung der Konfessionen auch!Herr Oberrabbiner iDr. Alt mann empfangen, der auch zur Festtafel geladen war. Seitens der Stadtverwaltung wurde ifür das ■Gedeck des Oberrablbiners nach seinen Wünschen und Angaben eine eigene Speisenfolge, bestellend aus ■Früchten usw.. besorgt. In der iSvnagoge zu Trier fand anläßlich der Wiederschensfestliohkeiten der ehemaligen Mitglieder des Trierer Hausregiments Nr. 69 eine Gedenkfeier statt, an der Regierungsrat Apel und eine Deputation der Reichswehr teilnahmen. Oberraibbiner Dr. ,Altmann hielt die Festpredigt und nahm dann als Vertreter der ׳jüdischen Bevölkerung an der Parade teil, wobei ihm seitens des ehemaligen Kommandanten Oberst Kutzbach und des ehemaligen Kriegsministers Exzellenz von Scheuch warmer Dank für die erhebende!Feier in der Synagoge ausgesprochen wurde. König Carol und die Juden. (J. T. A.) Der Vorsitzende des jüdischen Parlamentsklubs, Senator Doktor Mayer!Ebner, veröffentlicht in der von ihm herausgegebenen ״Ostjiidisclien!Zeitung“ einen Aufsatz zum Geburtstag des!Königs Carol, in welchem er . u. a. ausfiührt: ״Nicht ohne Besorgnis sahen wir in die Zulainift. als König!Carol H. den Thron ׳bestieg. Wer alles .hat ihn nicht für sich reklamiert! Die Begeisterung der Cuzisten gellte uns in den Obren. Aber der König hat sich bis heute als ein Mann erwiesen, der sich durch Huldigungen nicht bestechen läßt.!Daß die Stellung des Innenministers Va i'd a erschüttert wurde, ist darauf zur iiekzuf!ihren, daß der König einen Innenminister nicht mochte, der mit dem gewalttätigen Antisemitismus kokettiert und dem Ansehen des Landes im Ausland Schaden au fügt. Vaida ging, weil der König es wollte. Der König ist nicht gerade Freund der Juden, er ist uns aber ■auch nicht übel gesinnt. Er war draußen in dei Welt, er hat gesehen, welche Stellung die Juden in den westlichen Kulturländer haben, und es versteht, daß <lic vuiruinisclien JvucIgu von 11111־ us üus^ nicht unbctüiu^tc Fürstendiener sind, aber wenn ein Fürst uns gut ist, dann sind wir ihm treu ergeben, ohne!Byzantinismus, ohne Hintergedanken. Wir sind Freunde, weil wir dankbar sind. Programmatische Erklärung Mironescus zur Juclenfrage. (J. T. A.) Ministerpräsident Mironescu gab einen Presse-Tee, an dem alle in- und ausländischen Pressevertreter teilnahmen, und hielt bei dieser Gelegenheit die erste Rede als Regierungschef. Er erklärte, die neue Regierung sei keine ■provisorische. Regierung, wie einzelne Blätter behauptet haben;!sein Kabinett genieße das volle Vertrauen des Königs und des!Par- ■laments. Mironeseu entwickelte das Programm der neuen Regierung und ,führte mit bezug auf die Juden ■aus: Die jüdische Minderheit ist die älteste Minderheit in Rumänien, wir haben daher ein besonderes Interesse daran, daß sich die Juden in unserem Lande wölil'fiü'hlen. Wir weiden alles tun, um. die Rechte der Juden zu verteidigen und ׳sie gegen ■Agitation und Ausschreitungen zu!schützen. Wir werden die strengsten Maßnahmen zur lAuifrecliterhaltung der Ordnung tretien und mit aller Scharfe gegen antisemitische Ruhestörer Vorgehen. Wir ,betrachten die Minderheiten nicht als Feinde, sondern als Bürger, denen wir das Wohnen in Rumänien so angenehm als möglich machen müssen.

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