Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 42 (24.10.1930)
- Date
- 1930-10-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ftvtaeti ▼fplati* povolen« tlwÄt post a ttlesraf•* fc*J«nge!1 vom Virl«« varseniet v Krat)*!ava «Ja. 41I72-IH-2I, Journal expidii par 1‘edlt•»» V.b;B7 ORQAN PW DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. JUdakffon a. Administration{ Wien,?!.,Leopold!• laue 16, 1. Stiege, 1. Stock. - Tel. R 45*4*94.?9״hechoSlowakei: Bratislava, Postfach 140, «?scheint!!den Freitag. — ftedaktlonsichluii: Mittwoch Mittag. AboGncmentsprelse 1 GatizjShrigi Für Oeiterreicb S 16 Tschechoslowakei tschecb. K. 80, Cinzelnatmner öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto ,Jüdische Presse", Wien für Oester• reich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post• Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen 1 Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.60170; Schweiz! Postscheckk. Zürich VUI. 4117; für die Tschechoslowakei! ,Jüdische Presse“, Biatlslava, Postspk.•Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 42 1 Wien-Bratislava, 24. Oktober 1930 .נ׳ה וינא־שרעסבורג ב׳ חשון תרצ׳א 16. Jahrg. Was nun? Unser verehrter P. K.־־Mitarbeiter ist nach mehrmonatiger Abwesenheit wieder nach Wien zurückgekehrt und nimmt im folgenden Ar« . tikel zu den aktuellen Palästina־Ereignissen Stellung. Die Red. Und England hat gesprochen. Wieder einmal ist in brutaler Form eine jüdische Hoffnung zu Gräbe getragen worden. Es wäre Geierarbeit, jetzt des langen und breiten erörtern zu wollen, warum es so kam und kommen mußte. Nur' der unabweisbaren journalistischen Pflicht soll Ge־־ niige gesthehen', die Situation und ihre Konsequenzen sollen gezeichnet werden. •Die Rückwirkung an und für sich ist unabsehbar, ohne daß sie sich gerade in den äußeren Geschehnissen kundgeben müßte.' Es gibt unzählige Tausende, die sich krampfhaft gegen die Enttäuschung wehrten; sie wollten sie nicht sehen, so handgreiflich nahe sie auch lag. Denen hatte die fortschreitende Entgottung alles genommen und sie fanden im nationalen Aufschwung neue Lebens־־ inhalte. Für diese vor allen Dingen erhebt sich die Frage: Was nun? ״Da wäre es die Aufgabe der Religionstreuen, diesen innerlich so plötzlich Enterbten zu helfen, ihnen das. alte Ziel des jüdischen Daseins uriverhüllt zu zeigen und ihnen so neuen Auftakt des Lebens zu gewähren. Denn es war den Eingeweihten gar keine Frage, daß der Zionismus eine weit: größere Bedeutung für die Juden in der Diaspora als für die in Palästina gewonnen hatte. Daran hat sich nichts geändert. Die Absage an ein rein von den Thoraidealen erfülltes Leben bleibt be« stehen, gewinnt sogar vielleicht noch an Angriffskraft. Das wäre psychologisch und taktisch sehr leicht zu ver« stehen. Es ist ja. nationale Bewegung nach dieser Richtung nur eine Etappe in dem Kampfe des Individualismus gegen die Autorität. Palästina aber wird in die Verhältnisse der Vor־־ kriegszeit zurückgeworfen, für dessen Innenpolitik ein neuer, dekorativ gewordener Faktor hinzutrat, die jüdische Siedlung, und es besteht fast keine Differenz zwischen der Siedlung in Palästina und einer solchen in anderen Ländern. Wie es scheint, kommt nun diese Siedlung wie durch eine Force majeure zum Stillstand. Mögen sich die Palästina־־Freunde in allen Lagern darüber klar sein, daß jetzt einfach Wieder das alte Vorkriegssystem der Chaluka Platz greift,, unverhüllt, ob man es Chaluka oder Sub־־ vention nennt. Seit Nachmanides‘ Zeiten erkannte und er« achtete es die Judenheit der Welt als ihre Ehren־־ p f 1 i c h t, irgend eine Siedlung auf heiligem Boden auf־־ rechtzuerhalten. Das aber ist die Quintessenz der Forde־־ 1־ung der• Stunde. Perser-T eppiche transit direkt vom Wiener Zoll-Freilager größte Auswahl - Qualitätsware - preiswert BettelHeim & Jomek Wien I, PotenturmStraße 27 Möge vor allen Dingen Agudas Jisroel dafür sorgen, daß das, was man mit einem Schlagwort Jischuw hajo־־ schon nennt, zum Gesamtgepräge der ganzen jüdischen Siedlung werde. Mögen den Pionieren— der Thora auf heiligem Boden, welchen die jüngsten sechzehn Jahre so furchtbare Wunden schlugen, sich die Thoratreuen all־־ überall nicht versagen in diesen schweren Zeiten. Die englische Regierung hat zwei Dokumente über ihre Palästina-Politik veröffentlicht. Das erste Schriftstück ist eine neue Interpretation der Bälfour-Deklaration, in der Englands Auffassung seiner Pflichten als Mandatsmacht und seiner Be- Ziehungen zu Juden und Arabern niedergelegt ist. Die zweite Denkschrift ist der Bericht des englisehen Sachverständigen Sir John Hope Simpson über Ansiedlung, Bewässerung und wirtschaftliche Erschließung Palästinas. 1 In der politischen Denkschrift setzt die englisehe Regierung anseinander, sie halte an dem Grundsatz fest, daß ihre -Pflicht als Mändatsmacht darin bestehe, einerseits die Bildung der jüdischen Heimstätte zu fördern, aber anderseits darüber zu wachen, daß keine Maßnahme für die Bildung der jüdischen Heimstätte in Frage komme, welche die Interessen der nichtjüdischen Bevölkerung schädigen könnte. Man wolle den Juden zwar die Rechtsr grundläge für ״ihre Kommune in Palästina“ geben, aber die Bildung der jüdischen Heimstätte dürfe nicht dazu führen, daß den übrigen Einwohnern Palästinas eine ״jüdische Nationalität“ auferlegt werde. Beschränkung der jüdischen Einwanderung. Die jüdische Heimstätte könne durch Zu- Wanderung von Juden aus anderen Teilen der Welt ausgebildet werden. Diese Einwanderung dürfe aber nicht schneller vor sich gehen, als mit der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes zu vereinbaren sei. Die Regierung sei ferner der Auffassung, daß ein Versuch gemacht werden müsse, um eine engere nnd harmonischere Kooperation zwischen der Verwaltung Palästinas und der Jewish Agency herbeizuführen unter der ausdrücklichen Voraussetzung, daß diese Kooperation die Agency nicht zu einer Mitwirkung an der Verwaltung oder Regierung des Landes berechtige. Für die nichtjüdischen Bewohner des Landes müsse eine ähnliehe Einrichtung wie die Jewish Agency geschaffen werden, damit auch diese angemessen zur Geltung kämen. Die Denkschrift kündigt dann an, daß in schärfster Form gegen jede Art von Ruhestörung oder Revolte vorgegangen werden solle und daß die englische Garnison aus zwei Bataillonen Infanterie, zwei Flugzenggeschwadern und vier Abteilungen Panzerautos bestehen werde. Für die Polizei wird zurzeit ein Reformplan geprüft. Einführung einer gesetzgebenden Versammlung. Palästina soll eine gesetzgebende Versammlung erhalten, die außer dem Oberkommissär aus 22 Mitgliedern bestehen wird, aus zehn beamteten Es muß die Palastina«Arbeit eines Rabbi Akiba Lehren s. A. wieder zu Ehren kommen. Es müssen aber auch die Kolelim in und außerhalb Jerusalems sich der Größe des Augenblicks bewußt werden und im ernsten Zusammenschluß der Orthodoxie auch aus dieser Zeit voll banger Fragen die Blüte der Erstarkung des wahren jüdischen Geistes tragen. Mitgliedern, die vom Oberkommissär ernannt, und zwölf anderen Mitgliedern, die aus indirekten Wahlen bestimmter Wahlkörper hervorgehen werden. Der Oberkommissär wird das Recht haben, wenn ein Wahlkörper Boykott übt für diesen Wahlkörper Vertreter zu bestellen. In einem wirtschaftspolitischen Abschnitt stellt die Regierung fest, daß zurzeit, abgeseheu von den Landreserven der jüdischen Organisationen, kein Land mehr für die Siedlung vorhanden sei, daß insbesondere der Regierung keine größeren Staatsländereien zur Verfügung stünden, die für die jüdische Siedlung aufgeteilt werden könnten. Mahnung zu jüdisch-arabischer Zusammenarbeit. Da die jüdischen Organisationen die Beschäftigung von Arabern als Arbeitskräften den jüdischen Ansiedlern untersagt hätten, so daß die jüdische Einwanderung nicht nur Ansiedler, sondern auch Arbeiter umfasse, müsse das Ausmaß der jüdischen Einwanderung auch maßlich bestimmt werden durch die Arbeitsgelegenheiten, die den Arabern zur Verfügung stehen. Im Schlußwort richtet die Regierung an Araber und Juden die Aufforderung, zusammenzuarbeiten. Die Araber müßten sich mit der Tatsache abfindehi, daß die jüdische Heimstätte geschaffen sei und in Palästina bleiben werde, während die jüdischen Organisationen auf Bestrebungen Verzicht leisten müßten, die jüdische Heimstätte znm Ausganspunkte separatistischer, auf Unabhängigkeit hinzielender Ideale zu machen. Der englische Wirtschaftskommissär Simpson unternimmt in seinem Bericht den Nachweis, daß unter den gegenwärtigen Bewirtschaftungsverhältnissen kein Land mehr für neue Ansiedlung zur Verfügung stehe. Würde das Land intensiver bewirtschaftet, vor allem seitens der Araber, so sei denkbar, daß noch weitere 20.000 Ansiedlerfamilien ansässig gemacht werden könnten. Um eine vernünftige;Vorprüfung der Einwanderer kerbeizufiikren, schlägt der Kommissär vor, daß Vertreter der palästinensischen Einwanderungsbehörde nach ■allen Städten entsendet werden, aus denen am häufigsten Einwanderung nach Palästina zu erfolgen pflegt. Die Einwanderung־,. die jetzt von der Polizei kontrolliert wird, sei von der Polizeiverwaltung zu trennen und einem besonderen Regierungsdepärtement für Einwanderung, Arbeit und Verkehr zu unterstellen. Simpson warnt davor, Palästina, das nur als Agrargebiet eine Zukunft habe, zum Standort von Industrien zu machen, die Land und Boden fremd seien. Insbesondere warnt er vor der völlig unmotivierten Gründung einer Textilindustrie. Was bietet die führende Weltfirma mar Wien I, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) men- Telephon U~41-3‘62 Perücken? 1, Modernste und individuellste Ausführung. 2. Tadellosen, mustergültigen Sitz. 3/ Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen. Die Firma OTHMAR SCHIFF legt allergrößten Wert darauf, jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzustellen. Setzen Sie sich daher, bevor Sie eine Perücke kauf en, in Ihrem ureigensten Interesse mit der Firma OTHMAR SCHIFF in Verbindung Die Palästina-Politik der britischen Regierung. Neuinterpretierung der Balfour-Deklaration. — Einstellung der Einwanderung. — Verbot von Bodentransaktionen. — Schaffung eines Legislative Council. — Rücktritt Dr. Weizmanns.