Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 45 (14.11.1930)
- Date
- 1930-11-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 45 Erst die jüngste Yorslandswahl!)rächte ihnen in Ungarisch Brod, allerdings aus oppositionellen Motiven, einige Erleichterung, so daß sie ein wenig frei aufatmen können. Diese Zustände sind indessen für die Dauer nicht haltbar, abgesehen davon, daß sie zu einer religiösen Erstarkung keineswegs die Basis bilden könneu. Dazu ist eine neue, von tolerantem Geist getragene, gesetzliche Regelung dringend vonnöten. Er schätze sich glücklich und danke השי״ת שהחינו.וקימנו, daß man endlich mit gemeinsamem Willen an dieser Neuregelung zu arbeiten entschlossen sei. Zu einer solchen Neuregelung seien jetzt die Verhältnisse giinstiger als zuvor, denn eine Regierung unter der Führung des Präsidenten Masaryk werde nicht zulassen, daß orthodoxe Juden wegen ihrer Treue zum geistigen religiösen Erbgut der Väter sollen leiden müssen und mit der Gewalt eines Gesetzes unterdrückt werden. Nach dieser mit starkem Beifall aufgenommeneu Eröffnungsrede wurde Herr S c h ö m gebeten, die Konferenz unter Assistenz des Herrn ־ wustav Springe r, als Schriftführer zu leiten. Es wurden darauf eiuige Begriißungsbriefe von Jlabb. Pinchas K01111 und Wolf P a p p e 1111 e i m aus Wien, vom Verein ״Bue Emuuoh“ (M. H. U n g e r) in Tcplitz-Schönau u. a. verlesen. Hierauf hielt Herr Gustav Springer ein ganz ausgezeichnetes Referat über die Grundlinien der zukünftigen Arbeit zur Wahrung der Interessen des thoratreuen Judentums in Böhmen, Mähren und Schlesien. Das Referat ging von hohen Gesichtspunkten aus und beleuchtete die Zustände in den Gemeinden, wie sie sich seit dem Auftreten der ״Reform“ bis auf den heutigen Tag zum unwiederbringlichen Schaden ■des Judentums heraus- .gebildet haben. Ein Widerstand war nicht möglich. Das Resultat ist deswegen, daß das orthodoxe Judentum fast .völlig vernichtet dasteht. Die Treugebliebenen müssen aber jetzt, im letzten Augenblick, auf ihr Recht bestehen. Sic dürfen es unter der Last der Verantwortung vor ihren Kindern und dem ganzen thoratreuen jüdischen Volk nicht mehr geschehen lassen, daß auch in der Zeit 'der demokratischen Republik und der religiösen Gewissens- und Lebensfreiheit ein Gemcindegesetz erneuert wird, daß den Austritt der orthodoxen Juden aus den unreligiösen Gemeinden und die Bildung von selbständigen orthodoxen Gemeinden mit thoragemäßen Institutionen prinzipiell und praktisch unmöglich macht. Es müsse daher sofort eine umsichtige, von unbeugsamer -Entschlossenheit geleitete Aktion einsetzen, die den .orthodoxen Juden zu ihrem Rechte verhelfen solle. Trotz aller Widerstände werde das Werk m. G. II. gelingeu. Die Rede war von solch edlem Enthusiasmus getragen und war in ihrer logischen Schärfe so be- . weiskräftig, daß alle Anwesenden die vom Redner klar . gezogenen Konklusionen mit großer Begeisterung einstimmig als Basis der Aktion akzeptieren und Herrn , Springer herzlichst beglückwünschten. . Die Herren Dr. Max Beer, Prof. Dr. Lieben, J. J. B r a u n, A. Ehrlich u. a. beschäftigten sich in ihren darauffolgenden Reden eingehend mit der Rechtsläge und den Einzelheiten der Arbeit, mit den Wegen, die zur Lösung der Probleme beschritten sowie mit den Mitteln, die zur Uebcrwindung der Schwierigkeiten angewendet werden sollen. Während der Mittagspause wurden von einem Initiativ-• und Redaktionskomitee die ’ Beschlüsse vorbereitet, die dann nach Wiedereröffnung der ^Beratungen Vom Plenum einhellig und einstimmig angenommen wurden. Zusammenfassend wird in der Hauptsache gefordert: 1. Die gesetzliche Ermöglichung des Austrittes aus der Muttergemeinde für orth. Juden, die erklären, aus religionsgesetzliehcn Bedenken nicht in ihr bleiben zu können und in Gesinnung und Praxis auf Basis des orthodoxen Judentums zu stehen. 2. Die Ermöglichung der Bildung orthodoxer Gemeinden für zehn solcher Ausgetretenen, die an einem Orte Wohnen. 3. Der Zusammenschluß dieser orthodoxen Gemeinden zur gemeinsamen Förderung und Wahrung ihrer Interesse!!. Die Teilnehmer der Konferenz gaben übereiustimpieud der Hoffnung Ausdruck, daß die Leiter des provisorischen ״Obersten Rates“ sich von der Gerechtigkeit dieser Forderungen werden überzeugen lassen und daß sic d ieseii. o rg a nisa torischen und relig i ö s e u L e b e n s n 0 t w e u d 1 g k e i t e n d e r thor atreuen judenheit in den historischen L ä n dem a u s ‘ e i g e n e r Einsicht in ihre ui Ent w u r f z ü m neue n G e m eindegeset z tv e rd e n R c c 11 u u u g t r a gen. Es wurde beschlossen, die leitenden Gedanken, die :in der Konferenz als Motive zu den gefaßten Be- Schlüssen vor gebracht wurden, in einem Memorandum zum Zeichen des aufrichtigen Streben« nach einer friedliche u Lösung zusammenzufassen und z 11־ 11 ä c h s t d e m ״O 1> e r sten R a t“ der provißo r isehe 1V ׳Gemeinden r g a nisation vorzulegen. Auf solche Weise glaubt man, einen Kampf zwisehe n d o u e i n a n <1 e r e n t gege n g ■e setzten reli g i Ö s e n W e 11 a n s c h a 11 u n g e ir unter de n jüdischen Gruppen in den historischen L ä n d e r n v e r m e i fl e 11 z u k önne n. Ein ״Komitee der freien Vereinigung zur Wahrung der Interessen des thoratreuen Judentums in Böhmen, Mähren und Schlesien4‘'wurde eingesetzt, dem die historische Aufgabe gestellt ist, die Aktion im Sinne der;Beschlüsse zu leiten und vor allen Dingen unter besonderer Mitwirkung der Jugend alle personellen, geistigen und ■materiellen Kräfte zu sammeln. Dem Komitee gehören an die Herren Dr. Salomon Lieben, Prof. Dr. Eugen L i e 1) e 11, •Gustav S p r i n g e r, Dr. Max Beer, A. Ehrlich und J. Dänemark mit dem Rechte der Kooptation je nach Bedarf. Nach Erledigung der Hauptfrage brachte Herr Prof.!Dr. Liehen verschiedene Anliegen des praktischeu Lebens (Schomre Scliabbos, Koscherfleisch- Versorgung, Mikvoaiis-Restaurierung, Wauderschochtim .und Religionslehrer usw.) nach ■eleu Vorschlägen ''der!Jüdisches Brot! 1־ Erstklassig und billig bei!Lederer & Hohn, Dampfbäckerei £11. Gr. Schiffgasse IG II! Hollandstraße 7 iTeiephon A41-4-45־ Telephon JR-47-4-95 ■* WEISS•, FEIN- UNO MIK.CHGEBÜCK § Scholetaetzen! II, Höllandstraße 7 |Ve1 kaufsstelle für den 9. Bezirk: IX, Glasergasse 10, Telephon A-10-6-50 Rheuma? Nehmen Sie den Menthol- Franzbranntwein A L P A Durch Massagen mit dem Alpa erzielen Sie große Linderung. 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Angeklagt waren die jüdischen Schlächter. Man, Eleischman, Schneider und .Lakunischek aus Baune, •einem kleinen Orte bei Schaulen, den Christ־ liehen Tierarzt und Flcischbeschauer Awischenis ermordet zu haben. Gegen die Angeklagten lag nicht die Spur eines Beweises für ihre Schuld vor, die Grundlage der Anklage bildeten lediglich Mutmaßungen. Awischenis wurde eines Morgens in einem Brunnen, der sich direkt am Wege zu seiner Wohnung befand, tot aufgefunden. Es wurde fest־ gestellt, daß er am Abend vorher im jüdischen Schlacht-־ haus geweilt hatte und mit deh Beschuldigten wegen eines Stückchens Seife und eines Handtuches in einen Wortwechsel geraten war. Bekannt war auch, daß Awi'־ schenis die jüdischen Schlächter schikanierte und des־ wegen bei ihnen unbeliebt war. Als Awischenis in den frühen Morgenstunden im Brunnen tot aufgefunden wurde, nahm man allgemein an, daß er, der ein Trinker war,' im Zustande des Vollrausches in der stockfinsteren Nacht über die niedrige Einfassung des Brunnens in den Brunnenschacht gestürzt war und auf diese Weise den Tod gefunden hat! Um so mehr Aufsehen erregte es, als die Staatsanwaltschaft nach einer kurzen, sehr oberfläch־ lieh geführten Untersuchung den Haftbefehl gegen die genannten jüdischen Schlächter, die als ordentliche und friedliebende Bürger bekannt sind, erließ. Diese Schläch? ter hatten sich seihst heim Untersuchungsrichter ge־ meldet und hatten erzählt, daß Awischenis mit ihnen zu־ sammengewesen war. Die Plaft wurde nach kurzer Zeit wieder aufgehoben, und man glaubte, das Verfahren sei niedergeschlagen. Aber nach kurzer Zeit wurde die Haft gegen die Schlächter ohne jede Motivierung wieder ver־ hängt, und schließlich wurde die Anklage vor dem Ge־ rieht in ־Schaulen erhoben. Die öffentliche Gerichtsverhandlung erbrachte keine neuen Gesichtspunkte, es konnte keinerlei direkter Zu־ sammenhang zwischen den Beschuldigten und der Mord־ tat gefunden werden. Die Gerichtssachverständigen waren Lebensversichenugs ־ ßeseüsßltaft 99 ii JJ Gegründet 1882 Gegründet 1882 Veisitiieningsliestaiid Ende Juni 1930 2450 Millionen Shilling Garantienittel Ende 1929 ■ ■ ■ 300 MillionenSMng Pinien-nndZinMinnnlien H int Jafire 1929 ■ ■ - 1251/־Millionenping; Tätigkeitsfeld ifer^QsseUschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, ,|3glgtep, H9Uand, Frankreich, Spanien, , Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten sich über den Befund nicht einig. Während die einen an־ nahmen, daß einige Wunden des toten Awischenis von Schlägen durch fremde Hand herrühren könnten, sagten andere, daß die Wunden vom Aufschlagen auf die Steine des Brunnenschachtes herrühren. Auch spielten Fett־ flecke auf den Kleidern des Awischenis eine Rolle; die Anklage behauptet, daß diese Flecke von einer zu nahen Berührung des Awischenis mit den fetten Kleidern der Schlächter herrühren, woraus auf einen vorangegangenen Kampf zwischen Awischenis und den Schlächtern zu schließen sei. Auch behauptete ein Sachverständiger, es sei nicht möglich, daß ein Mann wie Awischenis lebend . in den Brunnen gefallen wäre, ohne sich aus eigenen Kräften wieder aus dem Brunnen retten zu können; man müsse darum annchmen, daß er bewußtlos oder schon tot in den Brunnen geworfen worden war. Der Staatsanwalt gestand in seiner Anklagerede zu, daß direkte Beweise gegen die Angeklagten nicht vor־ handen seien, aber — so sagte er — bei Mordfällen gibt es meistens keine direkten Beweise. Der Verteidiger, Adv. Wcnzlauskas, stellte fest, daß nicht einmal irgend־ ein greifbares Indizium gegen die Angeklagten spräche. Die Angeklagten seien ehr־ und friedliebende sowie un־ bescholtcnc Männer. Man könne nicht auf die unwillige Aeußcrung e ines Schlächters, daß Awischenis kein Tierarzt, sondern ein Schwein sei, eine so schwere Anklage aufbauen. Hätte man es hier mit einem Mord zu tun, wo sind die Blutspuren, und wo sind die tödlichen Wunden? Ali das fehlt, wie überhaupt jede ge־ sundc Logik gegen die Schuld der Angeklagten spricht. In der Nacht zu Freitag, den 7. November, sprach das Gericht in Schaulen das folgende Urteil: Man, Flcischman und Schneider wurden zu je 12 Jahren Zucht־ haus, Lakunischck zu 5 Jahrn Gefängnis verurteilt. Außer־ dem müssen die Angeklagten der YVitwe des Awischenis 36.000 Lit (3600 Dollar) und dessen Mutter 50.000 Lit (5000 Dollar) zahlen. Die Verurteilten und ihre Ange# hörigen brachen hei Verkündung des Urteils in Weinen aus. Unter den Juden Litauens hat dieses Urteil deprimie# rerid gewirkt. Eine Erklärung der Weltorganisation Agudas Jisroel zum Palästina-Weißbuch der englischen Regierung. Die Exekutive der Weltorganisation ״Agudas Jisroel“ erklärt zu der durch das Weißbuch der britisehen Regierung über Palästina geschaffenen Lage folgendes: 1. Die in ״Agudas jisroel“ organisierte thoratreue (orthodoxe) Judenheit der Welt, die der zionistischen Bewegung und Organisation wegen ihres ״religiösen, die Eigenart des jüdischen Volksbegriffes verleugnenden Kulturideals prinzipiell ablehnend gegenübersteht, hat von Anbeginn an in der Balfour-Deklaration die Gc- Währung der lange ersehnten Möglichkeit erblickt, die vom Thoragesetz geheiligte religiöse Pflicht des Wohnens im Heiligen Lande und seiner Procluktivierung zu Siedlungszwecken im weitesten. Umfange zu erfüllen. 2. Agudas Jisroel ist daher aufs tiefste betroffen und;enttäuscht von den jetzt ד— im offenen Widerspruch zum Geiste des Mandats — verkündeten neuen Grundsätzen der Einwanderungs- ' und Bodenverkaufspolitik, die praktisch zu einem Einwanderungs- und Niederlas&ungsverbot für Juden auf dem heiligen Boden •ihrer Väter führt, die Balfour-Deklaration in ihren Wirtschaftliehen Konsequenzen zur Farce macht und daher schärfsten Protest herausfordert. 3. Agudas jisroel gründet ihre Beziehungen zu dem heiligen Boden Erez Jisroels auf ewige, von dem Wechsel und Wandel der vergänglichen Staatenpolitik unabhängige religiöse Grundsätze und wird unter jeder Konstellation nach dem vollen Ausmaß ihrer Kräfte positive Arbeit zum geistigen lind wirtschaftlichen Aufbau des Heiligen Leindes leisten. Sie ruft das jü- •dis che Volk auf, den Mut nicht sinken zu lassen und gleich den Vätern die Liebe z 11 m PI e i 1 i g e n Laud in gesteigertem Maße durch op.f erfreu d-ige H i n g a be in p r aktischer Arbeit zu betätigen. 4. Sie hält dabei au dem Primat der vollen Autonomie des t’horagemäßen r e 1 i g i ö s e n Gemeinschaftslebens in Erez Jisroel vor allen sonstigen politischen Formen fest und fordert in d iesem Sinn erneut die gleich h e r e c 11 t i g e, offen t- 1 i c h ־ r e c 1111 i c h e Anerkennung der orthod o x e n, d i e A u t o r i t ä t der Thora anerkenn e n de n jüdischen Gemeinschaft Erez Jisroel. 5. Zur Zusammenarbeit mit dem arabischen Volke, das für die zu Mord und Raub aufstachelnde Hetzarbeit einiger .gewissenloser Politiker nicht yerantwörtlich gemacht werden darf, ist die organisierte Orthodoxie, ihren jahrtausendealten Traditionen getreu, jederzeit und in jeder d i e elementaren j ü d isehen Lebensiuteressen w ahrenden ho r in bereit und erwartet das gleiche von allen jüdis eben Parteien. 6. An die in der Jewish Agency vereinigten jüdi• sehen Brüder richtet ״Agudas Jisroel“ in׳ diesem ernsten Augenblick erneut die Aufforderung, um der Ehre G-ttes und seiner ewigen Lehre willen die uns trennende Kultur- und Erziehungsarbeit aus dem Arbeitsbereich der jewish Agency auszuschalteu, deren wirtschaftliche Arbeit der Autorität dos Religionsgesetzes zu unterstellen und im Heiligen Lande selbst der öffentlichen Sabbatentweihung durch nationale Verbände ein Ende zu machen. N u 1• d a n n kann jüdisches Wirke n am f d e in G -11 g e 11 e i 1 i g t c 11 B öden z u dauerde n F!•folg u n d w a 111׳ e m Segen für d i e kommend 0 11 G e n erationen f ü h r e n. Wien, Warschau, Frankfurt a. M., 8. Cheschwan 5691. Die Exekutive der Weltorganisation ״Agudas Jisroel“: Rabb. Dr. Pinchas Cohn, lzchak Meir Lewin, Jacob Rosenheim. Bollinger-Eiskasten slüä ssif 1870 die besten Fabrik: Wien, XV., Staglgasse 1p ^bei Mariahilferstr. 148) Tel, R-35-8-47 und R-39-5-38 Filiale: Wien! Viie$ Ettfggasse 17, Tel. B 32*3-80