Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 45 (14.11.1930)
- Date
- 1930-11-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2629891-2630341-2630383--3769-2635801- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
‘ 'Xfcrhwr* ▼?pfui■* povolen* rWAt post « itfefraf** 1 r BratiRlave öl*. 41173.0149. Äelnmgen vom Verlegsr teneaieU Jearaal expldl• per ]*•dltrax V. b. b. JÜDISCHE PRESSE ORQAM PW DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. ftRdftktlcn u. Administration! Wien, I!.,Leopold!- fasse 10, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 45-494־.?a?becboslowikei 1 Bratislava, Postfach 1*0, Sracheint jeden Freitag. — RedakMonsscbtaB*: Mittwoch Mittag. AbounsneentspreiRe 1 Ganzjährig 1 Für Oesterreich S 16?sdiediosloRrahel ischccb. K. 80, günzeinamrner öst. Or. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zählungen au! Konto ,Jüdische, Presse“, Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland: Postscheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nt.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ״Jfidische Presse־, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 45 Wien-Bratislava, 14. November 1930 .16 | גיה וינא־פרעסבורג כ״ג חשו] תיציא. Jahrg. Die Brünner Konferenz. Nach den Wahlen. . Die große Wahlschlacht in Oesterreich ist geschlagen. Wenn mau nach den Heeresberichten der ein- ׳/einen Parteien sich richten will, so muß man annehmen, daß alle Parteien, die im Parlament vertreten sind, gesiegt haben. Auch wir Juden sind mit diesem Sieg zufrieden, der Alpdruck der verantwortungslosen Spielerei mit der Diktatur ist gewichen, der Ausgang der Wahlen ist eine Bekräftigung der Ansicht, daß Oesterreich'nur verfassungsgemäß regiert werden kann, und diese Verfassung gibt dem jüdischen Bürger dieses Staates die Gleichberechtigung. Dessenungeachtet gewährt diese Wahl tiefe Einblicke in die Strömungen der österreichischen Bevölkerung, die wir Juden nicht ungenützt lassen sollten. Sehr lehrreich ist auch ein Bück auf die Gruppe der Nichtgewählten. Zunächst hat die Demokratische M i 11 e 1 p a •1־ t e i ihren Anhungern eine große Enttäuschung bereitet. Wenn inan auch ins!Kalkül zieht, daß viele jüdische Wähler — die Demokratische Mittelpartei hat ja hauptsächlich nur auf jüdische •bürgerliche Wähler Anziehungskraft ansgeübt — besorgt um ihre verfassungsmäßigen Rechte bei den großen Parteien Schutz suchten, so bleibt noch immer erstaunlich, daß die Demokratische Mittelpartei trotz großzügiger Propaganda und trotz der Bedeutung ihres Führers so kläglich abschnitt. 6719 Stirnmen (im Jahre 1927 waren es 15.112) in sämtlichen Wiener Wahlkreisen scheinen die Ansicht zu bestätigen, daß selbst der jüdisch-demokratische Wähler in erster Reihe die Ruhe sucht, und sein bürgerliches Ideal in ruhigeren Zeiten zu erreichen wünschen wird.. In einem Zeitalter, 'wo die Bevölkerung nach Klassen, nach Ständen und nach Berufsgruppen sich orientiert, will der Jude sich ebenfalls nach der allgemeinen Ansicht richten. Selbst die zionistisch und jüdisch-national orientierten Wähler• bilden diesbezüglich keine Ausnähme. Die von. vornherein mit großen Schwierigkeiten und mit Animosität dm eigenen Lager kämpfende ״Jüdische Liste des Herrn Robert Stricker“ konnte nicht mehr als 2154 Stimmen (1927 waren es 10.847) in samtliehen Wiener Wahlkreisen auf sich vereinen. Eine jüdisch-nationale Politik schlägt eben in der jüdischen Bevölkerung Wiens ganz und gar keine Wurzeln. Von jüdischem Standpunkt, verdienen noch unter den Nicht-!gewählten die!Nationalsozialisten größere Beachtung. Diese radau- und radikal-antisemitische Gruppe hat mehr als 105.000 Stimmen (1927 27.000) auf sich vereinigt. Wenn auch infolge der österreichischem Wahlgeometne diese gefährliche Gruppe keine parlamentarische Vertretung erlangte, so bildet dennoch die Vervierfachung der nationalsozialistischen Stimmen eine ernste Wa 1־ nu ng für uns Juden. Es ließe sich wohl diese ganze nationalsozialistische Richtung vernachlässigen, wenn ihre Gesinnungsgenossen draußen im Reich nicht so übermächtig geworden wären und wenn in Oesterreich selbst nicht so viel antisemitische Instinkte bei den parlamentarischen Parteien vorhanden sein würden. So aber müssen die österreichischen Juden, speziell aber die mehr als 200.000 Seelen zählende Wiener Judenschaft, ernstlich in sieh gehen, um für eine gedeihliehe Zukunft zu sorgen. Schon die unerträgliche Wirtschaftskrise, welche den letzten Rest des jüdischen Mittelstandes und des etwa noch vorhandenen Wohl- Standes aufzehrt, ist für uns eine Katastrophe. Wenn dazu noch politische Schwierigkeiten die Situation vergiften, 60 ist es schwer, den jüdischen Optimismus zu bewahren und hoffnungsvoll in die Zukunft zu bücken. Wir orthodoxe Juden glauben, daß solchen Schwierigkeilen nur fest in dem jüdischen Erdreich verwurzelte Persönlichkeiten standhalten können. Und 160 ziehen w!ir aus den Wahlen die Lehre, daß wir unter den gegebenen Verhältnissen nichts Besseres tun können, als unsere ganze Kraft der jüdischen Erziehung unserer Jugend zuzuwenden, um gefestigte, jüdisch fühlende Menschen in den Lebenskampf zu stellen. Spendet für den der Adas Jisroal, Wien,!5., Nostroygassa 11 Zu einem Werke von vielleicht entscheidender Bedeutung fiir die Zukunft des jüdischen Lebens in Böhmen, Mähren und Schlesien, ist Sonntag, den 18. Marcheschwan in Brünn, unter den bescheidensten Formen der Grundstein gelegt worden. Im Betraum des Restaurants Dänemark versammelte sich eine kleine Schar •beherzter, fiir Thora und Mizwos begeisterter Männer zu einer Konferenz, und was sie bewegte, war das Schicksal des t h o r a 11־ e u e n Judentums in diesen Landesgebieten der tschechoslo* wakischen Republik, die auch für das Judentum im wahrsten Sinne des Wortes ״h i s t o r i s c h“ sind. Vertreten waren bei dieser ersten Zusammenkunft nur wenige Orte durch Delegierte, aber die Zahl derer, die hinter diesen Männern׳ auch an anderen Orten steht, erwies sich so gering nicht, wie man ursprünglich fürchten mußte. In der Zersplitterung und der gewohnheitsmäßigen Gleichgültikeit und Unbekümmertheit kommen die kleinen Gruppen thoratreuer Juden inmitten der großen. Masse. der Entfremdeten allerdings nicht sehr in Betracht und es gehörte wahrlich keine allzu große geistige Heldentat dazu, über ihre Wünsche und Lebensnotwendigkeiten hinwegzuschreiten. Sind sie aber vereinigt und treten sie mit der gebotenen Entschlossenheit und Beharrlichkeit für ihre Sache ein, so zeigt es sich bald, daß auch hier noch nicht alles verloren ist, daß vielmehr auch in den alten und neuen Gemeinden׳ Böhmens, Mährens und Schlesiens Sammelpunkte als Kraftquellen wahren Tliorajudentums errichtet werden können, die in ihrem festen Zusammen- Schluß mit Erfolg für die Wiederaufrichtung des zerstörten oder verkümmerten jüdischen Lebens Ersprießliebes zu leisten vermöchten. Was in all den Jahrzehnten des traurigen Niederganges gefehlt hat, war ja eben dieser Mangel an Zusammenhang zwischen denen, die an Thorageist und Thoratat festkalten wollten, die sich aber in ihrer Isoliertheit viel zu schwach fühlten und ohnmächtig, um den Ruin zu verhindern. Dieser Ruin ist nun, was zumindest, das organisierte Gemein deleben betrifft, leider — es wäre Selbsttäuschung, sich darüber Illusionen zu machen — sehr gründlich vollzogene Tatsache gewordeu. Es gibt derzeit in diesen historischen׳ Ländern wohl kaum, auch nur eine einzige Kehilla, die mit ihren Institutionen, offiziellen Einrichtungen und Funktionären im Sinne des Scluilchan Aruch und der geltenden religionsgesetzlicken Gebräuche noch als vollgültige jüdische Kehilla bezeichnet werden dürfte. Wie es so weitkommen, konnte, in einem Lande, in dem jeder Stein die Weihe wahrer jüdischer Größe an sich trägt, gehört der Geschichte an. Was dieser Zustand für diejenigen bedeutet, die sich verpflichtet fühlen, unerschütterlich den Weg der Thora zu gehen und ihr jüdisches Leben im Geiste und nach dem Vorbilde der Vorfahren fortzuführen, das bildet die Not der Gegenwart. Die Schaffung von gesetzlichen und praktischen Möglichkeiten zur Erneuerung alter jüdischer Wahrheiten und zur Aufrichtung eines tkoraerfüllten Gemeindewesens, die Wiedereinschaltung der kommenden Generation in den Lebensstrom der Gesamtheit und die geradlinige Weiterführung der jüdisehen Geschichte dieser Landesgebiete im Geiste bewufiter jüdischer Gesetzestreue, das sind die brennenden Probleme der Zukunft. Gerade um diese Probleme handelte es sich bei den Beratungen und den Beschlüssen der Brünner Konferenz. Der Gedanke an die Zukunft des orthodoxen Judentums in den historischen Ländern und die Befürchtung, das jetzt zu erneuernde Gesetz für das jüdische Gemeindewesen• könnte die bisherigen ruinösen Zwangsmaßnahmen gegen jedes Bestreben nach selbständiger Entfaltung des thoratreuen Geistes auch für die Zukunft beibehalten oder gar die wenigen schmalen Auswege aus Unterdrückung und Gewissenszwang, die das alte österreichische Gesetz übrig ließ, am Ende auch1 noch verschütten׳, führte die Konferenz zusammen und gestaltete ihre Arbeit zu einem bedeutungsvollen Ausgangspunkt einer hoffentlich aufwärtssteigenden Entwicklung jüdischer Orthodoxie in Böhmen, Mähren und Schlesien. Der Konferenz ging eine eindrucksvolle Trauerfeier für die vor einem Monat keimgegangene Begründerin des Restaurants Dänemark, in dessen Räumen, die Konferenz tagte, Frau Gitel Dänemark ע״רן voraus. Herr Rabbiner G r ü n f e 1 d schilderte * tiefbewegt das segensreiche Leben׳ und Wirken einer aufrichtig frommen Frau, die es, wie die Erziehung ihrer Kinder beweist, verstanden hatte, Jahrzehnte hindurch ihr Haus zu einer jüdischen Oase inmitten der Wüstenei des Abfalls zu gestalten. An der eigentlichen Beratung betätigten sich etwa 55•Herren. Vertreten׳ waren: Prag, Verein ״Sinai“, durch die Herren Prof. Dr. Eugen Lieben und׳ Bernhard Hirsch; Mähr. O s t r a u durch die Herren! Rechtsanwalt Dr. Max Beer und Carel Happert; Brün n, Agudas Achim, durch die Herren Obmann S. H orowitz, David U n g e r, Dr. J. Dänemark, E. N e u m a r k; Reichenberg, Achdus Jisroel, durch Herrn Abraham Ehrlich; Uh. B r od durch Herrn Jakob S. Schön; Boskovice durch die Herren Gustav und Wilhelm Springer. Außerdem nahm Herr Jacob Joel Braun aus Bratislava als Gast an der Konferenz teil. Als besonders erfreuliches Zeichen, muß die starke und immerhin bewegte Anteilnahme einer arbeitsfrohen Jugend an׳ den Arbeiten der Konferenz konstatiert werden. Nach der warmen, an Thoraworte angelehnten Begrüßungsansprache des Herrn Rabbiners Grünfeld, übernahm Herr Jakob S. Schön als Alterspräsident den Vorsitz. In seiner Ansprache entwarf er ein Bild der jüdischen Zustände in den Gemeinden. An der Hand der Erfahrungen in Ung. Brod, zeigt er unter großer Bewegung aller Anwesenden, was alles die Orthodoxen seit 60 Jahren bis in die jüngste Zeit hinein von den jeweiligen Gemeindegewaltigen zu erleiden hatten, aus keinem anderen Grunde, nur weil sie am wahren Judentum festhalten und fiir sich und ihre Kinder in einem Beshamidrasch oder einem bescheidenen Bethaus, in dem alles nach dem Sehulchan Aruch geordnet sein sollte, eine Zuflucht suchten. Sogar zu Gefängnisstrafen wurden sie verurteilt, wenn sie sich gegen ein Uebermaß des religiösen Gewissenszwanges, den das österreiehische und jetzt noch in Kraft befindliche Gemeindegesetz den Thoratreuen auferlegt, zur Wehr setzten. זוה jüöisdje *®oCAs 41.ißcu1phcfu1&fw%naStJV 1/. Ulaizgasse /6 Was bietet die führende Weltfirma Othmar Schiff Damen- Perücken? Wien I, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) 1. Modernste und individuellste Ausführung. 2. Tadellosen, mustergültigen Sitz. 3. Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen. “״Die Firma OTHMAR SCHIFF legt allergrößten Wert darauf, jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzustellen. Setzen Sie sich daher, bevor Sie eine Perücke kauten, in Ihrem ureigensten Interesse ait der Firm» OTHMAR SCHIFF in Verbinde״!