Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 40-41 (5.10.1930)
- Date
- 1930-10-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 40,41 Seite 6 Tschechosl o w a k ei M Mähren und Schlesien. Wir berichteten bereits von den Bestrebungen, die dahin zielen, das veraltete, vom alten Oesterreich in die tschechoslowakische Republik herübergenommene Zwangsgesetz für die jüdische Religio ns« Gemeinschaft abzusehaffen und in Zukunft den orthodoxen Juden auch in Böhmen, Mähren und Schlesien die gesetzliche Möglichkeit zu gewähren, sich in selbständigen Gemeinden und Verbänden zu vereinigen und ihre religiösen, dem Religionsgesctz entsprechenden Kultus־ und Kulturinstitutionen zu erhalten, wie dies für die Juden in der Slowakei und Podkarpatska־Rus schon längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Ein solches Zwangsgesetz, das für religiöse Menschen, auch wenn sie *gerade infolge dieses Gesetzes zahlenmäßig eine noch so geringe Minorität darstellen, die größte Gewissensbe־ drückung bedeutet und namentlich 'die Erziehung ihrer Jugend im Geiste und nach dem Willen der Eltern zur praktischen Unmöglichkeit macht, existiert in keinem westeuropäischen oder außereuropäischen Staate mehr und ist mit dem freiheitlichen Geiste einer demokratischen Republik, wie die Tschechoslowakei, am allerwenigsten vereinbar. Was bei der Gründung des tschechoslowaki־ sehen Staates von seiten der Juden verabsäumt wurde, muß in der kürzesten Zeit nachgeholt werden. Der Schandfleck des religiösen Gewissenszwanges gegen Juden, die dem Geiste und den Normen des historischen Judentums in Leben und Gesinnung, ungehindert von Andersdenkenden, die Treue bewahren wollen, muß aus dem tschechoslowakischen Gesetze epdgültig und gründ# lieh verschwinden. Das ist ein klares und gerechtes Ver־ langen, das nicht nur die orthodoxen Juden, die es zu־ nächst angeht, sondern alle redlich denkenden Menschen in der Republik billigen müssen. Die Aufwerfung dieser Frage und die Forderung ihrer restlosen Lösung erhält gerade jetzt die höchste Aktualität, da der ״Oberste Rat“ für die Organisation der jüdischen Ge־ meinden in Böhmen, Mähren und Schlesien ein neues : Statut vorbereitet. In diesem neuen Statut, das von der Regierung genehmigt werden und Gesetzeskraft erlangen soll, dürfte von jenem Zwangsgesetz, das den Bestand unabhängiger orthodoxer Gemeinden nicht zuläßt und damit die freie institutionelle Entwicklung der religiösen Gesetzestreue künstlich unterdrückt, nicht eine Spur stehenbleiben. Die Initiative zur Schaffung des; erwähnten ״Obersten Rates“ bietet hiezu eine nicht bald i wiederkehrende Gelegenheit. Die Erfahrungen eines Jahr־ hunderts haben darüber absolute Gewißheit verschafft,; daß das konservative Judentum zu seinem Bestände und insbesondere zur Erziehung des heranwachsenden Ge־ schlechtes inmitten reformierter oder auf andere Weise *von der alten Thoratreue abgefallener Majoritäten der Freiheit und der gesetzlichen Möglichkeit; zur selbständigen Gemeindebildung schlechterdings nicht entraten kann, einerlei ob die zerstreuten Gruppen von diesem Rechte und dieser Freiheit für sich praktisch Gebrauch machen den jüdischen Körperschaften und Gemeindevertretungen mir Dank wissen, wenn die Eliminierung des religiösen ,Gewissenszwanges aus dem jüdischen Gemeindeleben aus'freier Entschließung aller beteiligten Gruppen, ohne jeden Kampf durchgeführt und im neuen Statut zum Ausdruck gebracht würde. Es wäre;difes nicht nur ein ehrendes Zeugnis für den guten Willen zu Frieden und Eintracht und gegenseitiger Würdigung unter den gesinnungsgemäß divergierenden Teilen der , Judenheit unserer Republik, sondern auch die notwendige moralische und psychische Voraussetzung für ihr zu־ künftiges brüderliches Zusammenwirken in allen von den; religiösen Differenzierungen unberührten gemeinsamen Angelegenheiten. Diese Fragen und die von uns hervorgehobenen Ge־ sichtspunkte zu ihrer Beurteilung dürften die Juden in der ganzen tschechoslowakischen Republik in nächster Zeit eingehend beschäftigen. Die Diskussion hat auch in an־ deren Zeitungen bereits eingesetzt und dürfte wohl kaum nochmals unterdrückt werden, bis nicht der Forderung nach!freier Bahn für die religiöse Treue zum historischen Judentum ebenso in den ״historischen Ländern“ wie in der Slowakei voll und ganz entsprochen wird. Die Ortho־ doxen in der Slowakei in erster Reihe, aber auch die im gesamten Auslände, verfolgen die Bestrebungen ihrer Ge־ sinnungsgenossen in Böhmen, Mähren und Schlesien mit innerster Anteilnahme und werden in dem Erfolg dieser Aktion die Befreiung eines quantitativ allerdings leider nicht allzu zahlreichen aber qualitativ um so wertvolleren Teiles der thoratreuen Judenheit von quälendem Ge־ wissenszwang dankbar begrüßen. Zur Orientierung über die Stimmung, die in dieser Beziehung gegenwärtig unter den Orthodoxen innerhalb der Prager Gemeinde herrscht, bringen wir auch den nach־ •folgenden ausführlich informierenden Artikel zum Ab־ druck, der ״von orthodoxer Seite“ unter dem Titel ״Die ‘Orthodoxen in unseren Kultusgemeinden'‘ in der jüngsten Nummer der in Prag erscheinenden zionistischen ״Selbstwehr“ veröffentlicht war: Der Abgang des Prager Oberrabbiners Doktor Brody hat ein Problem in den Vordergrund gerückt, das bereits seit langer Zeit die innere Struktur unserer Gemeinden beeinflußt und dessen Anwachsen zu größeren Dimensionen wohl imstande wäre, diese Struktur von Grund auf zu ändern. Die Kultusgemeinden in Böhmen, Mähren und Schlesien, deren manche auf eine Geschichte von mehreren Jahrhunderten zurückblicken, sind heute im Wesen auf dieselben Grundlagen gestellt, welche bei ihrer Gründung maßgebend waren. Die Hauptaufgabe ist die Sorge für Aufrechterhaltung des Ritus, und zwar in der Form und in dem Umfange, wie ihn der Schuechan Aruch vorschrcibt. Die Sorge um das Armen# wesen und die ganzen sozialen Fragen ist wohl eben־ falls ein integrierender Bestandteil der Aufgaben der Kultusgemeinden, doch wird ihnen diese Sorge vielfach von Vereinen, Logen und sonstigen Körperschaften ab־ genommen. So ist es denn — neben der Pflege des Religion-?־ Unterrichtes — vor allem die Sorge um den ״Kultus“, die einen großen Teil der Gemeindebudgets verzehrt. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts kam mit der Welle der Reformation auch eine Reformation des G־ttesdienstes und des Ritus überhaupt in unsere Ge# meinden. Dieser Vorstoß war so stark, daß der reformierte Ritus an vielen Orten den althergebrachten ganz beiseite drängte, an anderen sich ihm so mächtig entgegenstellte, daß schließlich dem reformierten Ritus die Mehrheit der Gemeinden angehörte, während der althergebrachte ins Hintertreffen geriet. Das österreichische Kultusgemeindegesetz vom Jahre 1890 kodifizierte diesen Zustand; es verlangte allerdings überall die Aufrechterhaltung der Institu־ tionen nach orthodoxem Ritus, ließ jedoch auch die Neuerer voll zu ihrem Rechte kommen. Das Entgegen־ kommen des österreichischen Gesetzes gegenüber den Orthodoxen, die auch im Jahre 1890 schon überall sehr schwach vertreten waren, hat wohl seine Ursache in dem Umstande, daß in den Siebziger# und Achtziger# jahren in den reichsdeutschen und in den ungarischen Kultusgemeinden eine scharfe Trennung zwischen Orthodoxen und Neologen durchgeführt worden war;; einer solchen Trennung sollte durch das österreichische! Gesetz vorgebeugt werden, und deshalb mußte auch! den kleinsten Minoritäten die Möglichkeit gegeben j sein, sich auszuleben. Dadurch •konnten sich diese! orthodoxen Minoritäten trotz ihrer meistens unter־! mittelmäßigen Steuerkraft erhalten, obwohl die liberalen oder neologen oder reformierten Gemeinde# majoritäten sich vom Jüdentume immer weiter ent־ fernten, ja es vielfach ganz im Stiche ließen. Der •Krieg mit seinen mächtigen Verschiebungen Von Menschenmassen hat auf diese an 30 Jahre stag־ nierenden ‘Verhältnisse sehr intensiv eingewirkt. Die großen Kolonien galizischer und ungarischer Flücht# linge, die sich notgedrungen in allen Kultusgemeinden unserer Gegenden durch vier Jahre aufhalten mußten, haben das religiöse Leben der Orthodoxen überall aufs neue entfacht, während der Gegensatz zu den Liberalen dadurch noch deutlicher zutage trat. Wäh־ rend auf der einen Seite die Pflege der religiösen In־ stitutionen stärker wurde, während die Zahl der Ortho־ doxen nicht nur vorübergehend, sondern in vielen Orten dauernd zunahm, entfernten sich die Liberalen sowohl äußerlich als auch innerlich immer mehr von einer Gemeinschaft, in welcher Kaftan und Pejes eine so große Rolle spielten; die Liberalen waren •im Kriege und nachher in ihren Hilfsaktionen in• jeder Hinsicht mustergültig: die von ihnen bereitgestellten' Mittel an Geld, Material und Arbeitsgelegenheit haben Tausende von Existenzen gerettet; aber durch diese Unterstützungsaktionen fühlten sie sich frei von jeder sonstigen Gemeinschaft mit den östlichen Brüdern. Seit 1918 haben sich nun die Verhältnisse im gleichen Sinne weiterentwickelt. In vielen Gemeinden sind galizische Juden zurückgeblieben, in vielen haben sich indessen slowakische und karpathorussische Juden angesiedelt; wir sehen heute eine Reihe von stetig wachsenden orthodoxen Gemeinschaften in vielen Kultusgemeinden Böhmens und Mährens. Selbstver־ stündlich haben sich die neu hinzugekommenen Ortho־ doxen mit den bodenständigen vereinigt und wir sehen, wie sie hie und da sogar bei Gemeindewahlen Kandi־ daten aufstellen und auch durchbringen. Wahlen in die Kultusgemeinden! Wir kennen diesen Begriff erst ganz kurze Zeit; früher kam man durch Kooptation in diese Körperschaften und blieb bis zu seinem seligen Lebensende darin. Hier hat die immer weiter vordringende Demokratie, vor allem aber die anwachsende zionistische Bewegung Wandel ge־ schaffen. Der Zionismus, der um die Jahrhundertwende seinen ersten Aufstieg und nach der Balfour־Deklara־ tion seinen zweiten erlebte, änderte an den geschil־ derten Verhältnissen im Innenleben der Kultus־ gemeinden nicht viel. Es waren ja von vornherein andere Ziele, welche sich die zionistische Bewegung gesteckt hatte; sie erfaßte vor allem die Jugend des liberalen Judentums, weit weniger die Jugend der Orthodoxie, welche ja positiv jüdischer Gedanken־ gänge und Ziele niemals ermangelte. So sehen wir denn, daß die Orthodoxie nur sehr wenige aus ihren Reihen an die Zionisten verlor; es kann auch nicht wunder nehmen, daß sich inmitten eines dem eigent־ liehen Judentume so entfremdeten Milieus, wie es die mährischen, vor allem aber die böhmischen Kultus־ gemeinden darstellten, in vieler Hinsicht eine Annähe־ rung zwischen Orthodoxen und Zionisten anbahnte. Man würde jedoch fehlgehen, anzunehmen, daß das zitierte jüdische Kultusgemeindegesetz überall und zu allen Zeiten imstande war, die Orthodoxie in allen ihren zum Lebensbestande notwendigen Institutionen zu schützen. Das Gesetz bestand und besteht wohl, doch fanden und finden sich gar manche Gemeinde־ Vertretungen, welche, auf die verschwindende Zahl der Orthodoxen hinweisend׳, sich im Rechte glauben, dies oder jenes an Forderungen von jener Seite abzulehncn, andere, die in Ermangelung von Einspruch Erhebenden die orthodoxen Institutionen zum Teil oder vollständig aufhehen: ist jedoch einmal eine Position verloren, so ist es den Orthodoxen kaum mehr möglich, sic wieder־ zuerlangen, auch wenn sich die Zahl der Orthodoxen wesentlich vermehrt hat. Daß auf diese Weise viele Gemeinschaften von Orthodoxen unter peinlichstem Gewissenszwange leiden, daß sie sich von den liberalen Gemeinde# gewaltigen ihre Funktionäre, Schochtim, Lehrer, Synagogenbeamte, aufzwingen lassen müssen, daß man an manchen Orten die Ritualkommissionen der Gemeinden, in welchen alle Erfordernisse des Ritus durchberaten und für das Plenum vorbereitet werden sollen, mit Leuten besetzt, denen der Ritus gleichgültig ist, daß solchergestalt die Orthodoxen zusehen müssen, wie ihre heiligsten Güter in hitzigen Debatten schonungslos zu Boden gezerrt werden; das alles sind Erscheinungen, welche sich aus dem Gesagten ergeben. Es nützt meist gar nichts, darauf hinzuweisen, daß alle orthodoxen Rituale im Gesetze als erforderlich bezeichnet werden; juridische Ueberredungskunst und parteipolitische Maehtausnützung vermögen das Gesetz zu umgehen. Es ist traurig, wenn die Orthodoxen sich ihren eigenen Brüdern gegenüber auf ein Staatsgesetz berufen müssen, welches eigentlich zum Schutze der Juden־ Schaft gegen Andersgläubige gedacht war. Noch trauri־ ger ist es, wenn diese Berufung vielfach fruchtlos ver־ hallt. Und doch sind gerade die Orthodoxen inner־ halb der Kultusgemeinden das lebenskräftigste Element: es ist hier nicht der Ort, darauf hinzuweisen, daß der־ jenigen jüdischen Jugend die Zukunft gehört, welche im Gebrauche der Jahrtausende alten Geisteswaffen geübt ist, und nicht derjenigen Jugend, die sieh dieser Ausrüstung schämt, oder derjenigen, die sich an Schlag־ Worten genügen läßt. Es ist nicht der Ort, darzulegen, daß der Baum des Judentums immer und überall nur dann grünt und blüht, wenn er aus dem Urquell der Thora gespeist wird. Es ist aber hier der Ort, laut die Forderung zu erheben, daß dieses lebensfähige und lcbcnssvilligc Judentum nicht unter den Maßnahmen der eigenen Brüder beengt und behindert, wenn nicht gar behindert werde. Lasset die orthodoxen Juden ihre heiligen Güter selbst verwalten: helfet ihnen finanziell, sich auf der Höhe zu halten, dadurch helfet ihr euch selbst, helfet den ganzen Kultusgemeinden. Oder helfet ihnen nicht! Denn ihr habt die Macht. Dann werden und müssen sie sich selbst helfen, aber — ohne euch. Schulprüfungen in Bratislava. Atu ש״ק.ס׳תכא mul dem folgenden Sonntag fanden in der ßratislavaer ״J e s s o d e 11־ a 111 o r a“ und der T a 1 m 11 d - T 11 o r a - S c h n 1 e die Semesterpriifnngen statt. Als Examinatoren fungierten Sr. Ehrw. Herr Oberrabbiner Schreiber und die Mitglieder des Rabbinates. Anwesend waren auch zahlreiche Eltern und ׳Freunde der Schule. In ersterer Anstalt, die in letzter Zeit abermals stark angefeindet wird, erbrachten die Prüfungen abermals den Beweis, daß sowohl die Lehrerschaft als auch die Leitung, den Bedürfnissen unserer Zeit entsprechend, mit aller Kraft bestrebt sind, neben gutem und gründlichem Wissen, das gelehrt wird, vornehmlich strengen jüdisch-religiösen Geist zu pflegen. Dieser kann natürlich nicht gelehrt, sondern muß im Wege moralischer Einwirkung ■an erzogen werden. Daß diese Anstalt Thora lehrt, und zwar so intensiv, wie es die Zeit und die Fassungskraft der Zöglinge verträgt, das nehmen schon auch die inneren Gegner des orthodoxen Judentums in Kauf. Nicht verziehen wird es aber der Lehrerschaft und der Leitung, daß sie mehr wollen und nicht darauf verzichten, auch יראת ד׳ d. 11. die Grundlagen der wahren jüdischen Gesinnung in die Herzen der Schüler zu pflanzen, daß sie solcherart unter Ueberwindung mancher Schwierigkeiten mehrere hundert jüdische Jünglinge zu jüdischen Men sc 11 e il d erGege n wart erziehen, wiclerstandsfähig gegen die geistigen Gefahren, die in u nse ren Tagen das Thora judentum von innen und von außen bedrohen. Um so erfreulicher war es, bei den Prüfungen festzustellen, daß die Kinder fast ausnahmslos recht gute Fortschritte aufwiesen. Sie werden mit G. 11־. — wenn inan nur rücksichtslos, aber mit taugliehen Mitteln dafür Sorge trägt, daß sie nicht in die Netze geraten, die jetzt wieder mit erneutem Eifer auf die thorabeflissene Jugend in Preßburg ausgebreitet werden — in kurzer Zeit ein ganz vorzügliches Schülermaterial für die Jesckiwos abgeben, ln gleicher Weise boten die Prüfungen in der Talmud Thora im großen und ganzen ein sehr befriedigendes Bild. Obgleich von einem geordneten, alle Unterrichtsanstalten der Gemeinde planmäßig umfassenden wirklich orthodoxen, aoiu Gedanken der Thoratreue vollständig beherrschten E r z i e h u n g s w e s e n in Preßburg immer noch nicht gesprochen werden kann und, wie die Verhältnisse sich herausgebildet haben, voraussichtlich noch lange nicht wird gesprochen werden können, wird die Zahl der Kinder, die an dem (leider auch in der orthodoxen Schule nur fakultativen!) Talmud-Thora-Unterrieht teilnehmen, zusehends immer größer und auch der Kreis, aus dem die Schüler hervorgehen, breiter und ausgedehnter. Diese Tatsache ist vom orthodoxen Standpuukt sicherlich ein schöner Erfolg der beiden aneinander gekoppelten Anstalten, nämlich der orthodoxen Volksschule und der Talmud Thora, deren Leitung und Lehrer Hand in Hand sich um eiue Höherentwicklung des religiösen Lebens und des religiösen Verhaltens der ihnen an vertrauten Jugend bemühen. Man sah in maneben Klassen ganz junge Kinder von 7 bis 10 Jahren in der Mischna oder in der Gemoro, die sie aufsagten, ganz aufgehen. Mau sah sie in dem Lehrstoff der Talmud Thora leben und mit Liebe an ihrem Lehrer hängen. Das ist es, was unsere Kinder heute benötigen! Auf einer solchen geistigen Grundlage ließe sich — wenn Menschen da wären, die es verstünden, der orthodoxen jüdischen Gemeinde einen höheren Sinn zu geben, ihr höhere Pflichten zu stellen und damit ihr eine höhere Daseinsberechtigung zu verleihen — wahrlich eine jiidische Welt aufbauen! Bei den heutigen Zuständen und dem beschämenden geistigen Tiefstand unseres ganzen Gemeindeivesens gebührt einer Lehrerschaft, die dessenungeachtet die Jugend aufwärts jüdisch-orthodoxen Wissens- und Lebenszielen zu bewegt, gewiß Anerkennung und Dank.