Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 40-41 (5.10.1930)
- Date
- 1930-10-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 40/41 Adas Jisroel (Scliiffsclml), Wien. II., Gr. Scliifff gasse 8; Kanzlei: II., Gr. Schiffgasse 1. Es wird bekanntgegeben, daß das Restaurant Kunstadt, II., Große Schiffgasse 6, in nichtjüdischen Be־ sitz übergegangen, demnach nicht koscher ist. Wien, am 3. Oktober 1930. Mit dem 1. Oktober wurde entsprechend dem Vertrage das Abkommen mit dem bisherigen Milchlieferanten der Adas Jisroel per 31. Dezember d. J. gekündigt. Diejenigen Lieferanten, die die Adas Jisroel mit koschereer Milch zu beliefern wünschn. wollen ihre Offerte an den Vorstand der Adas Jisroel spätestens bis zum 21. Oktober d. J. überreichen. Alle erforderlichen Auskünfte werden in der Kanzlei der Adas Jisroel, Wien. II״ Grolle Schiffgassc t, während der Amtsstunden erteilt. Deutschkreuz. Am 28. Ellul verblich in Deutsch« kreuz, im Alter von 75 Jahren Herr Juda Rosenbaum זצ״ל Sprößling einer bekannten Preßburgcr Familie, die durch תורה וגדולה glänzte. Sein Haus war ausgezeichnet durch mustergültige Wohltätigkeit, deren Objekt in bedeutender Weise □תלמידי חכמי und die Jcschi\va־Jünger waren. Der Verblichene, ausgezeichnet mit allen• Gaben' des Geistes und des Herzens, saß viele Jahre zu Füßen des כוזב סופר זצ״ל zu dessen Vorzugs־ und Licblingsschülern er ge« hörte. Mit seiner gleichgestimmten Gattin, geb. Schiff aus Zehlem, gründete er in jungen Jahren in Preßburg ein echt jüdisches Haus im Geiste seiner Ahnen. Als er nach Deutschkreuz übersiedelte, war er auch dort bald im Vordergründe jüdischer Tätigkeit und als Berater und Helfer in der Not vielfach in Anspruch genommen. Seine freie Zeit war Gemeinde־ und jüdischen Landesangelegen־ heiten mit Erfolg gewidmet; seine Lieblingsbeschäftigung blieb aber allezeit לימוד התורה, so daß er als תלמיד חכם מופלג hochgeschätzt war. Die Trauer aller ihm Nahe־ stehenden äußerte sich in großer Teilnahme an dem Be־ gräbnis, bei dem צעהלים שליט״א p'pl הרב הגאון und הרה״ג נ״י von Ocdcnburg, ein Bruder des Verblichenen, Herr Max Rosenbaum נ״י aus Preßburg und ein warmer Freund des נפטר, der דיון der.Gemeinde הרה״ג ר׳ ליפמאן Goldemann ני״צ in tief empfundenen Worten den großen Verlust würdigten, den das Judentum erlitten. תנצב״ה. Oberrabbiner Simon Sofer *ז״צי♦ h'rew Jom Kap 11 r wurde in Paks (Ungarn) Oberrabbiner Simon Sofer, kaum 64 Jahre alt, zu Grabe!getragen. ]Noch am ersten Tage Roscli-Uaischonoh fungierte er als Schofarbläser der Gemeinde. Diese Funkiion scheint ihn, da er vorher eine große Draschah abgehalten hatte, überanstrengt zu haben, denn er erlitt kurz •nachher einen Blutsturz. Auf Anraten der Aerzte wurde ■er sofort nach Budapest überführt, wo er trotz aller Bemühungen der Aerzte um 8. Tischri verschied. Unter •imposanter Teilnahme der ßudapestcr Orthodoxie würdigte Rabbiner Sussmann die Persönlichkeit des Verblichenen. Rabbi Sofer ״wurde mich Paks überführt, ■um an Seite seines großen Vaters, Rabbi Elieser Suss'iiuin n-Sof er bestattet zu av erden. In Paks selbst nahm die tieferschütterte Gemeinde den Sarg des geliebten Führens •in Empfang. Die Oberrabbiner der aunlicgenden Gemeinden und die Verwandten des Vorbliehenen haben in herzzerreißenden Worten dem Schmerz Ausdruck •gegeben, der angesichts des allzu raschen ,und tragischen Ablebens •dieses treuen •Hirten seiner Gemeinde, der durch seine Frömmigkeit, Gelehrsamtkeit und herzgeAviimeiidci) Eigenschaften als ein würdiger Nachfolger seines älteren Bruders Josef Leb Sofer und seines unvergeßlichen Vaters das Paks er Oberrabbinat verwaltete, alle, die!ihn ׳kannten’ itnd sein Wirken beobachten konnten, erfüllt. חנצב״ה. ,Fiume. Am 21. September hat die Grudsteinlegung des neuen orthodoxen Tempels in Fiume bei großer Teilnahme stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit hielt unser ש״צ מ״צ Herr David Wachsbergev eine mit allgemeinem Beifall auf־ genommene Weiherede. Skandinavische Schomre * Schabbos ־ Organisation. Man schreibt uns aus Kopenhagen: Unsere von Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Winkler begründete Organisation, die alle in den skandinavischen Ländern sich interessierenden Persönlichkeiten und Vereinigungen zur gemeinschaft־ liehen Arbeit sammelt, ist in steter Entwicklung begriffen und kann bereits auch auf einen schönen praktischen Er־ folg himveisen. — U. a. ein Beispiel. Ein hiesiger Familien־ vater, in einer nichtjüdischen Lederfabrik tätig, hatte schon oft versucht, sich am שבת frei zu machen, doch ohne Er־ folg. Nun gelang es mit G. H. unserer Organisation, und zwar auf der Basis, daß er an jedem Werktage eine Stunde länger arbeiten dürfe. Die Arbeit war gar keine so leichte, erstens weil der Betreffende seit 20 Jahren in derselben Fabrik gearbeitet, zweitens weil dort noch zwei andere Glaubensgenossen beschäftigt sind, die auf die Befreiung am שבת nicht reflektieren. Die Freude des bc־ treffenden Mannes und der ihm Nahestehenden läßt sieh kaum beschreiben. Ich veröffentliche dies zur anspornen־ den Nachahmung deיילא המדרש עיקר אלא המעשה״ ״. Der Papst verleiht einem jüdischen Bankdirektor einen hohen Orden. (J. T. A.) Laut vatikanischen Blättern hat Pabst Pius XI. das Großkreuz des Ordens des heiligen Sylvester dem Komtur Guiseppe Toeplitz verliehen. Toeplitz, der vor vielen Jahren aus Polen nach Italien kam, ist Generaldirektor der ״Banca Commerciale Italiana“, des größten Bankinstituts in Italien. Gerade wegen seines Judentums war und ist Toeplitz Öfter Gegenstand heftiger Angriffe seitens einiger dem Antisemitismus bis zu einem gewissen Maße huldigender Zeitungen. 50.000־Pfund־Kampagne in England für das Hilfs־ werk in Osteuropa. (.1. T. A.) Der Londoner Verband der jüdischen Hilfsorganisationen hat die Einleitung einer Kampagne zur Aufbringung von 50.000 Pfund zugunsten der notleidenden Juden Osteuropas beschlossen. Der größte Teil dieser Summe ist für unmittelbare Hilfeleistung, ein Teil aber auch für das konstruktive Hilfswerk in Ruß־ land bestimmt, während ein anderer Teil den bestehenden Hilfskomitees in Polen, Rumänien und anderen Teilen Osteuropas zugewiesen werden soll. Der Beschluß zur Einleitung dieser Sammlung Avurde unter dem Eindruck des Berichtes des eben aus Osteuropa zurückgekehrten Dok־ tor Jocheimann gefaßt. In SoAvjctrußland hat Dr. Jochei־ Nampe' ®aß große ®reignb: Der 3ub{(ämrn5jafjrgang gMffrtnanns 33rglnn mltDemQeptemberfyefit “Die hat Söeltruf. <Der3ubiläum3jäl)rgang toirD alle früheren toeü iibertrrffen. 3eDer©ebnÖetetr>(l((bnbaben. ׳DerbllligePretiJoonCRm^,— gilt aud) Im neuen 3ahrgang. 3Dcr6tr:allerortä gefugt! BESTELLSCHEIN 9?ln öie 33u<f>()a11&Iung. $)tcr&ur<f) bcftellc (eft Öen 3ubilnumd» 0011 TOcftermannd?}lonntd» f)cftc11,bcgim1cnö mit öcm©cp<ember*?tarne:... Scruf:... Qlnförlfh•... 3lus Vergangenheit und Qegenwart, Die Funde von Cuencha. Von Moritz Spitze r, Wien. Wie die Tagesblätter zu berichten Avissen, haben englische Archäologen in Cuencha, einer Ortschaft in Castilicn, in einer alten Kirche eine kleine Oeffnung bemerkt, durch die sie 300 Skelette in guterhaltenem Zustande, die an die Mauer dieses Vcrlicßcs gekettet waren, entdeckten. Wenn wir die Meldungen über jene haarsträuben־ den Funde in Cuencha lesen, die über die 300 an die Mauer gefesselten Skelette berichten, so denken wir, die Spießbürger der Gegenwart, mit einem Gruseln an die Zeiten, in denen ein Torquemada das Zepter führte, und sagen uns zu unserer Selbstberuhigung, daß solche oder ähnliche Vorfälle heutzutage unmöglich wären. Lieber die Grabungen und Funde der englischen Archäologen hatten fast sämtliche illustrierten Blätter der ganzen Welt bc־ richtet, sind sie ja nervenaufpeitschende Erinnerungen einer dunklen Vorzeit der schwärzesten Inquisition. Wir denken, heute wäre angesichts der entwickelten Kultur und verinnerlichten Ethik unserer Wirtsvölkcv so etwas unmöglich. Wahrlieh, die Erinnerungen aus alten Jahr־ hunderten rühren uns unj.1 ein Gruseln ergreift die Men־ sehen. 500 Jahre sind seit der Inquisition verflossen und noch sind die verkörperten Zeugen, noch sind die Skelette jener Opfer vorhanden. Noch ist die Luke Aror־ handen, durch die wir erkennen, wie einst die Inquisitoren sieh an dem Erbleichen der Gesichter weideten und den Tod ihrer Gefangenen beobachteten. Es sind noch die Nachkommen jener Verurteilten, denen das harte Los der Mammon zuteil wurde, vorhanden, die heute öffentlich dem Glauben ihrer Ahnen zustreben. Es gibt noch das alte Gesetz, das die Juden aus Spanien vertrieb und das sieh das konsequente Spanien abzuändern schämt. Wenn wir in die Geschichte jener Zeit eindringen, sehen Avir, daß es im 15. Jahrhundert den Juden in Spanien sehr gut ging. Die jüdische Literatur verdankt dieser Aera ihre schönsten Schöpfungen. Die .luden genossen im prakti־ sehen Sinne volle Gleichberechtigung. Sie bekleideten die höchsten Stellen und Würden, .luden sind als Mäzene und Förderer aufgetreten, die Entdeckungen eines Kolumbus, eines Vasco da Gama hatten Männer wie Isak de Abar־ bänel ermöglicht. Abraham Zakuto, der Castilicr, der Chronist und Hofastrologc Emanuel des Großen hatte sich große Verdienste erworben, denn nur seine mathe־ matischcn und astrologischen Arbeiten hatten einem Vasco da Gama und anderen Seefahrern die Ent־ deckungsfahrten ermöglicht. Die Juden des damaligen Spanien haben sicherlich nicht anders — über die ägyp־ tische SklaA'erci ihrer Vorfahren, über die jüdischen Leiden unter römischem Joch, über die Verwendung der jüdischen Jünglinge in Amphitheatern und Zirkussen — gedacht, als Avir heute über die Vorfälle vor 500 Jahren. Sie dachten sicherlich, solche Ereignisse Avärcn nur unter den heidnischen Römern möglich, aber heute, 1490, im schönen Spanien, avo die nichtjiidischc Welt auch auf einer hohen Kulturstufe steht, zur Zeit der Renaissance, da Päpste und Fürsten diese Wiedergeburt des klassischen Altertums förderten, Avärc so etwas unmöglich. Nun fragen Avir uns heute, was sich seit fünf Jahr־ hunderten geändert habe. Es hat sieh nur der Blick ge־ ändert, mit welchem' wir die Kulturwelt durch die Luke schauen. Vor einem halben Jahrtausend waren es finstere, grausame Blicke, heute hingegen erschaut die Welt mit erschüttertem Gesicht diese Gebeine und leidet die er־ duldeten Qualen nochmals. Diese Verweichlichung des Blickes ist die Folge der EntAvicklung, durch die seit fünf Jahrhunderten die menschliche Gesellschaft gegangen ist. Heute würde man nicht mehr hunderte Juden, die außer ihrem Glauben ״nichts verbrochen“ haben, an die Wand ketten. Heute Avürdc man sie nicht mehr dazu verurteilen, daß sie gefesselt in den Kasematten Hungers sterben. Die menschliche Seele ist seit damals edler geAA^orclen, die Grausamkeit wurde von Mitgefühl, von Bedauern abgelöst. Wir fragen uns nur, Avic die späteren Generationen über den heutigen Antisemitismus urteilen werden. Die Skelette der heutigen 300 werden niemals in Form solch anklä'gerischer Funde vor der Nachwelt sieh offenbaren. Die Gebeine der heute so verfolgten Juden werden nicht in so aufregender Form erscheinen. Wer Avird 500 Jahre später über den schönen Obelisk als Grabmal eines Juden, des Bankier Maier in Berlin, sich Gedanken machen, der als Opfer des wirtschaftlichen Antisemitismus zu werten ist. Der zweite, ein Verbannter des Numerus clausus, der an einer Universität in der Fremde an Heimweh und mann ein Uebereinkommen mit der Regierung getroffen, demzufolge das Kommissariat für öffentliche Wohlfahrt (Narkomsobess) sich bereit erklärt, dem Hilfswerk für die russischen Juden eine halbe Million Rubel zu widmen, wenn der Londoner Verband jüdischer Hilfsorganisationen den örtlichen Hilfskomitees die Summe von 20.000 Pfund für den gleichen Zweck zur Verfügung stellt. Rosch Haschanah in Jerusalem. (.1. T. A.) Die Roseh Haschanah־Tage sind in Jerusalem ohne Avcscntliche Störungen vorübergegangen. Juden aus dem ganzen Lande Avaren zur Klagemauer gepilgert und besuchten die große Synagoge in der Altstadt. Dieser gewaltige Zustrom von Menschen bewirkte eine noch stärkere Ueberfüllung der Synagogen als in früheren Jahren. An der Klagemauer Avurde fast ununterbrochen Gottesdienst abgehalten. Das von Rabbi Sonnenfeld geleitete Maariw־Gebet war von überlautem Gesang einer kleinen Gruppe von Betern in der ZaAvieh־Moschee begleitet. Das Verbot des Schofar־ blasens an der Klagemauer nötigte die dort Betenden, zum Mussaf die ständigen Synagogen aufzusuchen. Während des Maariw־Gehetes an der Klagemauer Avurden zwei Steine unter die Versammelten geschleudert, glücklicher־ weise ohne jemand zu treffen. Es gelang den Polizei־ Patrouillen, welche die Zugänge zum Platz vor der Klage־ mauer beAvachtcn, nicht, der Täter habhaft •zu werden. Am Abend des zAveiten Festtages Avaren die Straßen Jerusalems durch zahlreiche jüdische Spaziergänger belebt, die Filmtheater Aviescn nach der zweitägigen Spielpause einen Rekordbesuch auf. Jüdische Wanderbewegungen vor und nach dem Weltkriege. (J. T. A.) Die in Nr. 188 des J. T. A.־ Dienstes vom 18. August veröffentlichte Notiz über das Buch von Dr. Michael Traub ״Jüdische Wanderbewc־־ gungen vor und nach dem Weltkriege“ ist dahin zu er־ ganzen, daß man von 1899 bis 1928 auf 0,זt8.000 in die Vereinigten Staaten cingewandertc jüdische Männer 863.000 Frauen zählte. Während dieser 30 Jahre sind 475.000 jüdische Kinder nach den Vereinigten Staaten gekommen. Gegen die Kalenderreform. Wir erhalten vom Sekretariat des jüdischen Komitees betreffs der Kalender־ reform den authentischen Text des Beschlusses des eng־ lischen ״Joint Foreign Committee“. Er lautet in deutscher Uebersetzung: ״Das Joint Foreign Committee ist ermächtigt dem Internationalen jüdischen Komitee betreffs der Kalenderreform aus vollem Herzen die Unterstützung des Deputiertenrates der britischen Juden zu versichern. Es bleibt dem Ermessen des Präsidenten (nämlich des Jewish Board of Deputics und der Anglo Jewish Association) überlassen, in Uebereinstimmung mit dem Komitee jede Aveitere Aktion einzuleiten, welche dieselben in bezug auf die Verteidigung jüdischer Inter־ essen, ganz besonders hinsichtlich der Stabilität des jüdischen Sabbats, als notwendig erachten sollten. Ausschreitungen gegen jüdische Touristen in Damaskus. (J. T. A.) 250 •jüdische Touristen Avurden in Damaskus mit Steinen beAvorfen. Die Ulcmas und No? tabeln verlangten von der Regierung, daß sie die Touristen zum Verlassen der Stadt auf fordere. Die Regierung lehnte dieses Ansinnen ab. Norman Bentwich über Schaffung eines Legislative Council. (J. T. A.) Der Chef des Justizdepartements der Palästina־Rcgierung, Oberstaatsanwalt Norman Bentwich, hielt im Jerusalemer Brith Sehalom־Zirkel einen Vortrag über die Pläne der Regierung, einen Legislative Council (gesetzgebenden Rat) in Palästina zu schaffen und im Zusammenhänge damit auch die Befugnisse der Stadt־ Selbstverwaltungen zu erAveitern. Amtsantritt des neuen Cliei'sekretärs Mark Aitchinson Young. (J. T. A.) Die Mitglieder der Exekutive der jewish Agency trafen mit dem neuen Chefsekretär der Palästina-Regierung, Mark Aitchinson Young, der bereits sein Amt angetreten hat, zusammen. Sir Stewart Davis, der bisher als stellvertretender High Commissioner fungierte, tibergab diese Würde dem neuen Chefsekretär und übernahm nun wieder sein Amt als Schatzmeister der Regierung. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß Sir Stewart Davis die Rogierungsgoschäfte während dreier Monate zur Zufriedenheit aller Parteien geleitet mul durch seine besonnene und intensive Hingabe an die delikate Aufgabe der Versöhnung der verschiedenen Be- Hunger sterben mußte. Der dritte Jude Avurde aus dem Staatsdienste in Wilna entlassen und Avollte nach Süd־ amerika und starb, \\׳eil sein Organismus den Wechsel des Klimas nicht vertrug. Der vierte mußte an einer fremden Universität in Italien eine Berühmtheit werden, zur Leuchte der italienischen Medizin sich emporarbeiten, Avas ihm zu Hause nie gelungen wäre. Der fünfte, sechste und hundertste war dank dem Avirtschaftlichcn Anti־ semitismus, der Entziehung des Gewerbescheines, der Trafik־ und Aussehankkonzession und dergleichen, dem Hungertode preisgegeben. Den Staatsbeamten jüdischer Konfession wurden in ״wohlwollender Weise“ die Fesseln, die ihn an die Zelle seines Amtes, einer bescheidenen Hungerexistenz, banden, gelockert. Den Archäologen der Zukunft Avird wenig Arbeit übrigbleibcn. Sie werden von so gräßlichen Funden verschont bleiben, denn für den Helden־ und Hungertod der heutigen 300 Juden ersparten sich die Kulturvölker der Jetztzeit aus praktischen Er־ wägungen heraus — Raummangel und Rationalismus — Kerker und Verließ, Luken, Schergen und Häscher. Nach weiteren 500 Jahren wird man nicht Avieder .auf solche Skelette stoßen Avie jetzt in Cuencha. Die heutige Methode ist eine gründlichere, eine rationellere, nicht einmal Skelette Avertlen bleiben. Uns bleibt nur eines übrig ביר ימית עולם, בינו שנות דור ותר daß wir der Zeiten der Vergangenheit gedenken und eindringen in den Zusammenhang, der aufeinander־ folgenden Geschlechter. Rufer und Mahner in dieser Völkerwiiste sind nicht unmodern und veraltet. שמלתך לא בלחה מעליך wir haben trotz des langen Leidensweges der verschiedenen Golussc, trotz spanischer Inquisitionen unseren Thoirostandpunkt, unsere jüdischen Ideale ver־ teidigt. ורגלך ל א ב צי ק ה Unsere Füße sind nicht ge־ schwollen oder wankend geworden. Die Prüfungen der Vergangenheit werden uns Widerstand und Festigkeit in־ mitten der ״Kämpfe und Existenzsorgen”, Sorgen geistig־ sittlicher und kürperlieh־materieller Art, geAvähren. Möge die Prophetie Secharjahus in Erfüllung gehen, Avie dies die Haftoiroh des ersten Sukkostages mit den Worten aus־ spricht: ״Was von den Völkern übrig bleibt, die gegen Jeruschulaim gezogen, Avird Jahr für Jahr hinaufziehen und sich niederwerfen vor dem Gott der Heerscharen und das Hüttenfest feiern.“