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Jüdische Presse · 1930-10-05 · 40-41 (5.10.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
40-41 (5.10.1930)
Date
1930-10-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 40/41 KuFtur und der unzüchtigen Sitte fremdartiger Zivilisation. * Nicht anders war noch vor 15 Jahren die Situation in Polen. Die mutige Tat der Frau Sara Schenierer aus Krakau hat den Grundstein zu der neuen Geschichte des jüdischen orthodoxen Mädchens gelegt und heute genießt die Gesamt- Orthodoxie des Ostens die Früchte der segensreichen erzieherischen Tat. Die verantwortliche Leitung der Beth Jakoh-Bewegung in Wien geht mit demselben Ernst wie in Krakau an die Griindüng der Beth Jakob-Lehrerinnenbildungsanstalt in Wien. Es sollen an dieser Stätte jüdische Mädchen he ran gebildet werden, die dereinst ihren heiligen Lehrberuf ausüben werden, erfüllt vom religiösen Ernst überlieferter Gesetzestreue, gefestigt durch gediegene Kenntnis alles dessen, was eine jüdische Töchter zu wissen braucht, um jüdische Frauensitte und jüdische Frauenaufgabe, um die Tugenden einer Eschet-Chajil auf die he ranwach sende weibliehe Generation zu verpflanzen. Tugend ist lehrbar. Auch die Tugend der jüdischen orthodoxen Frau, die durch Vernachlässigung, durch Sorglosigkeit und manchmal durch die Uriverantwortlichkeit der Führer gefährdet ist. Nur durch richtige Er- Ziehung und durch richtige Erzieherinnen kann ein Wandel zum Besseren geschaffen werden. Als einen Versuch, diesen Wandel zu schaffen, begrüßen wir die neue Lchrerinncnbildungsanstalt in Wien. Rechnung tragend der gedrückten wirtschaftlichen Situation war die Leitung bei den Aufnahmen überaus vorsichtig. Man konnte nur einen Bruchteil der Anmeldungen in Betracht ziehen und dabei war man auf alle Nachfolgestaaten, ja sogar auch noch auf die Balkanländer bedacht. Ebenso wurde der L e h r k ö r p e r unter dem strengen Gesichtspunkt religiöser Vollwertigkeit und wissenschaftlicher Eignung zusammcngestellt. Hoffentlich wird so diese neue, im Aufbau begriffene Anstalt unter dem treusorgenden Schutz der orthodoxen Führer das werden, was wir alle wünschen: Ein neues Bollwerk der Orthodoxie, aus welchem unsere Töchter die edlen Waffen jüdischer Zucht, religiösen Wissens holen, um eine w e i b 1 i c, h e Generation hera nz u b i 1 d e n, die unter den gefahrvollen Bedrohungen der modernen g -11 e n tratenen Kultur der Völker sich als treu, fromm und aufrecht behaupten kan n. P• * Amtliche Verlautbarung der Beth-Jacob- Zentrale. (Lehrerinnenbildungsanstalt für Mitteleuropa, Wien, II., Malzgasse?.) Die Eröffnung des ersten Jahrganges des Seminarkurses wie auch des Vorbereitungskurses findet am ersten Tag Rausch Chaudeseh Cheschwan (Mittwoch, den 22. Oktober), um 5 Uhr nachmittags, statt. Die Aufnahmeprüfungen und Klassifizier urigen erfolgen Dienstag, den 21. Oktober um 5 Uhr nachmittags. Es wird folgendes in Erinnerung gerufen: Die Ausbildung der Lehrerin ist auf zwei Jahre festgesetzt. Zum Eintritt zugelässen sind Mädchen, die das sechzehnte Lebensjahr vollendet haben und das Abgangszeugnis einer achtklassigen Volksschule besitzen. In den Vorbereitungskurs können auch jüngere Mädchen aufgenommen werden. Die Lehrerinnenbildungsanstalt ist in dem Dr.-Krüger-Heim untergebracht; für die Zöglinge von auswärts ist ein Internat im Heim eingerichtet. D e u t s c h l ä n d e r. Einzige jüdische Primi•' . für Weißnähen und Kleidermachen mit Öffentllohkeltsrecht Wien» II.» Halsgasse 7» Dr. Krüger •Heim Staatsgiltige Zeugnisse Gehilfinneurecht Samstag geschlossen in Ötejüöisdje Schule "&o£hs ■u.2ßauphcAu&/ÜrJ^naSm, *und fflädden mitOffenl&dUcutsrecfy. a. Mcdzgasst <6 ״Die Hütte des Friedens.44 (Fortsetzung von Seite 1.) Großstadtjudfentum kennt das lebendige Judentum aber nicht mehr, das jüdische religiöse Leben, der jüdische Kult erschienen nie leibhaft vor ihren Augen, sie haben für das Judentum gar kein Interesse mehr, auch nicht für sein Fürsorge werk. Und deshalb kann auch dre Kultusgemeinde, obwohl sic für ihr philanthropisches Werk den größten Teil ihrer budgetären Mittel anwendet, nur Stückwerk, leider allzu erfolgloses Stückwerk leisten.. Die Lenker unserer Kultusgemeinde glauben, daß durch einen Aufruf die Opferfreudigkeit der Kultus« gemeindemitglieder wesentlich gesteigert werden könne. Der Kultusvorstand schreibt in diesem hübsch und gefällig ausgestatteten Mitteilungsblatt, das an alle nahezu 60.000 steuerzahlenden Mitglieder ausgesandt wird, daß ״diese Blätter nicht nur ein Bericht darüber sein wollen, was geleistet wird; ihr weitaus wichtigerer Zweck be־ stehe darin, zu zeigen, was uns fehlt, und wie not« wendig es ist, daß jeder Einzelne von uns ״mit ganzer Seele, mit ganzem Herzen und nach seinem ganzen Ver־ mögen“ mit dazu beitrage, menschliches Leid und menschliches Elend zu mildern, Leid und Elend, so groß und so tief, daß es für den Fernstehenden kaum faßlich ist“. ״Wir wollen“, heißt es dort weiter״ ״daß sich keiner ausschließe von diesem Werke der Nächsten־ liebe, daß niemand denke, seine Gabe wäre überflüssig oder zu gering. Nahezu 60.000 stcuerzahlende Mitglie־ der zählt unsere Gemeinde. Wenn jedes von ihnen und jeder seiner Angehörigen, der es imstande ist, gibt, was in seinen Kräften steht, dann wird aus dem Ergebnisse• reicher Segen erstehen, und jeder, der dazu beitrug, wird von den! beseeligenden Gefühl getragen sein, mit־ gewirkt zu haben an Werken sozialer Gerechtigkeit und wahrer Menschenliebe!“ Wir wünschten, daß diese schönen Worte in die Herzen der Gemeindemitglieder dringen. Wir glauben aber, daß bei religiös erkalteten, zum Abfall reifen, wenn auch Kultussteuer zahlenden Mitgliedern, selbst für das schönste Werk jüdischer Nächstenliebe keine nennenswerten Bei־ träge zu holen sind. Wir müssen vielmehr rechtzeitig be־ greifen, daß nur der Jude, der mit beiden Füßen auf dem Boden des überlieferten Judentums steht, daß nur der Jude, der seine Lebenssäfte aus dem gsttgesegneten Boden der jüdischen Ueberlieferung zieht, nur der Jude, der mit seinem Väterglauben im lebendigen Zusammen־ hang steht, für das jüdische Fürsorgewerk das rieh־ tige Verständnis hat. Daher kann das Fürsorgewerk der jüdischen Gemeinde nur dann gedeihen, wenn vorher eine wertvolle religiös erzieherische Arbeit geleistet wird. Das E r z i e־ hungsbudget einer jüdischen Gemeinde bleibt daher das Hauptkennzeichen ihre! Lebensfähigkeit. Erziehet eine bewußte, wissende, am Väterglauben'treu hängende Generation und ihr werdet auch für euer Fürsorgewerk das haben, was ihr braucht: jüdische Menschen, die aufopferungsvoll an der Linderung der Not der Nächsten arbeiten, und jüdisches Geld, das die Mittel für diese Arbeit beisteuert. So und nur so kann man das machen. Die Hütte des Glaubens ist gleichzeitig die des sozialen Friedens. P. Ein Gleichnis zu Jaum Hakipurim. Vorbemerkung: Das ״Gleichnis“, ein Auf־ ruf der Palästina-Zentrale der Agudas־Jisroel, ist verspätet in unseren Besitz gelangt und kann deshalb erst in dieser Nummer — nach Jaum Hakipur —wiedergegeben werden. Wir sind aber überzeugt, daß unsere Leser das Gleichnis sich auch jetzt zu Herzen nehmen werden. Die schreckliche Not des religiösen Schulwerkes, das die einzige Gewähr für eine wahrhaft jüdische Zukunft im Heiligen Lande ist. wird sicherlich jeden Juden, dessen Herz für Erezsjisroel warm schlägt, — und welches jüdische Herz schlägt nicht warm für Erez־ Jisroel? —, dazu veranlassen, sein Scherflein zu diesem großen Werke beizutragen. Alljährlich pflegten Kinder an einem vom Vater bestimmten Tage alles, was sie an Sorgen und Wünschen hatten, dem Vater mitzuteilen, damit ihnen der Vater die Mittel gebe, bis zum nächsten Jahre entweder schlecht und recht, oder aber gar sorgenlos ihr Dasein zu fristen. Vorher aber hatte der Vater seinen Kindern gesagt: Wenn ihr mir eure Wünsche vortragt, dann müßt ihr auch meine Wünsche in bezug auf euer Verhalten er־ füllen. Ihr müßt dem alten stolzen Namen, den ihr tragt, Ehre machen und vor allem solltet ihr auf die Erfüllung eurer Wünsche nur dann hoffen, Avenn ihr untereinander euch als Brüder fühlt und betätigt. Solange ihr etwa unter euch Streit habt, oder der eine, dem es besser geht, achtlos an der Not des anderen vorbeigeht, solange sollt ihr nicht daran denken, euch an mich zu wenden. Der größte Teil der Kinder war im Laufe der Jahre durch widriges Geschick aus dem Vaterhause ver־ trieben und mußte sich in fremden Ländern den Unter- Halt suchen. Wenn sie sich aber an diesem Familientag versammelten, da sprachen sie davon, wie wundersam einstens der Tag war, als sie noch alle im Vaterhaus ver־ sammelt waren, sprachen davon, welche Sehnsucht sie BollingerdMasteii sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien, XV., Staglgasse 10 (bei Mariahilferstr. 148) Tel. R-35-8-47 und R-30-5-38 Filiale; Wien! VII.» Burggasse 17, Tel. B 32-3-80 empfinden, wieder dahin zurückzukehren, 11m dort dem Vater näher zu sein als in dert fremden Ländern. Ein .. kleiner Teil der Kinder war.aber im Vaterhaus geblieben und diesen ging es bitterlich schlecht. Nahrung fehlte ihnen, ihr Leben war bedroht, die Reichen unter ihnen waren arm geworden und unter des Lebens Enge litt alles, auch das Geistige. Und als dann wieder jener Tag j kam, an dem alle Kinder dem Vater ihre Wünsche vor־; trugen, da fragte sie der Vater: ״Habt ihr ans Vaterhaus : gedacht? Habt ihr an die Brüder gedacht, die dort sind?; Habt ihr ihnen von eurem Ueberfluß abgegeben? Habt : thr eure Sehnsucht nach dem Vaterhause, die ihr in die alten Formen kleidet, wirklich lebendig in euren Herzen, oder ist cs bloß Lippenwerk? Wollt ihr mich zum Vater haben, dann müssen eure Brüder euch Brüder sein. Und habt ihr euch bis jetzt nicht oder nicht in genügendem Maße brüderlich betätigt, dann gelobt, es fortan zu tun.“ Und wenn ihr am Schluß des Familientages sprechet: ״Rasch sind wir fortgekommen von dem guten Lande, lange währen schon die Tage. ... Verbannung folgte auf Verbannung, bis wir alle in Verbanriurtg ge־ zogen waren, nun sind wir krank und dem Untergang nah und niemand, der nach uns forscht und uns aufsucht, die Heilige Stadt und alle die Ortschaften sind der Schmach und der Plünderung verfallen, alle ihre Kost־ barkeiten ihr genommen und entzogen und nichts ihr geblieben als der Wille und das Gesetz des Vaters“ — wenn ihr so sprechet und darnach handelt, und tut, was in euren Kräften steht, dann will ich an diesem Tag’auch eure Wünsche erfüllen. — — — Wer dieses Gleichnis liest und dem Vater die Ant־ wort geben möchte: ״Ich habe meinen Brüdern geholfen und werde ihnen weiter helfen, der sende noch vor dem Tage, da G-tt die Erfüllung unserer Wünsche von der Erfüllung seiner Wünsche abhängig macht, vor Jaum Hakipur, seinen Betrag für das Schulwcrk in Erez Jisroel an: Palästina#Schuhverk der Agudas־Jisroel, Wien, II., Leopoldsgasse 16 (Telephon R4־o0-80־), Postsparkassen־ Konto: D־rt3.62r. Agudas Jisroel und Jewish Agency. In den ״Blättern" der Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland vom 19. September d. J. lesen wir folgende Erklärung: Gegenüber irreführenden Meldungen und Betrach־ tungen, die wir in verschiedenen Blättern finden, sei darauf hingewiesen, daß die von Agency und Agudo zum Zwecke von Verhandlungen ernannten Kommissionen bisher nicht zusammentreten konnten; es ist anzunchmen, daß es im Laufe des Monats Cheschwan zu einer Aus־ spräche kommen wird. Bekanntlich hat die von der Ivencssio Gedaulo auf Grund der Beschlüsse des Rabbinischen Rates gefaßte Resolution in der Agency־F1־age die Möglichkeit eines Zusammenwirkens innerhalb der Agency davon abhängig gemacht, daß die Agency auf jedwede Finanzierung kul־ tureller Institutionen verzichte und daß bei der damit cintretenden politisch-wirtschaftlichen Neutralisierung der Agency des Religionsgesetz in praxi gewahrt wird. Wenn ein in Bratislava erscheinendes misrachisti־ sches Blatt neuerdings in einem langen Aufsatz die Unterstellung des palästinensischen Erzichungswesens unter eine Kommission des ״Waad leumi“ (siche dazu den in dieser Nummer wiedergegebenen Artikel des Jerusalemer ״Kol Isroel“) lebhaft begrüßt, weil dadurch die Hauptbedingung der Kenessio Gedaulo erfüllt sei, so ist das eine ganz unverständliche Schlußfolgerung. Nach wie vor bleibt die Finanzierung des Schulwesens Sache der Agency, die damit nach wie vor — vom Standpunkt des Religionsgesetzes —׳ für den durch dieses Schulwesen gepflegten irreligiösen Geist mitverantwortlich, ist. Im übrigen ist eine ״Cooperation“ zwischen Agency und ״Agudas Jisroel“ auf wirtschaftlichem und politi־ schem Gebiete sehr wohl sdenkbar, auch ohne daß ein Eintritt der Agudo in die Agency erfolgt. Die polnischen Sejmwahlen. Mitte November finden die Parlamentswahlen in Polen statt, denen hei der gegenwärtigen politischen Konstellation!ganz besondere Bedeutung zukommt. Mit Rücksicht auf die zugespitzte Situation haben die gemäßigten Elemente aller jüdischen ,Parteien die Schaffung eines einheitlichen j ii d i s c h e n Blocks angestrebt.. Diese Bestrebungen scheiterten aber letzten Endes an der Intransingenz Gr ü n!b a u ins. Die gesamte Orthodoxie wird nun unter der F ü 11111 1: ־ g d e r A g u d a einen besonde 1׳• e n Wahlblock schaffen. In der Provinz ist man selbst in zionistischen Kreisen mit der Politik Grünbaums unzufrieden, und trotz des Beschlusses des Warschauer zionistischen Zentralkomitces gedenkt man einheitliche jüdische Wahl- Vorschläge zu erstatten. Montag, den 6. Oktober, ist der letzte Termin zur Einreichung der Wahlvorschläge, so daß sehr bald über die Situation der jüdischen Parteien mul die die jüdischen Wahlaussichten Klarheit herrschen wird. Neue Sprachschule vom Wiener Stadtschulrat konzessioniert, für die englische und französisehe Sprache für weibliche Personen Im ״Dr. Krüger-Heim״ Wien. II.. Malzgasse 7, Tel. A-48-0-71 (10 bis 12 Uhr und 3 bis 5 Uhr). Kurse^für Anfänger und Vorgeschrittene, an Nachmittagen und Abenden. Spe* ziehe Kinderkurse. Erprobte, erstklassige Lehrerinnen. Billige Kursbeiträge Konversations-Abende.! Beginn 16. Oktober 1930 Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 gegenwärtiger u. ehemaliger Heimschützlinge, Dr. Krüger- Heim (fr. Elisabeth - Heim) I U r I SÄ" Wien, II., Malzgasse 7 * ־; Sabbathaltende fördert die Sabbathaltenden! 9925^2441977!!P@!?"

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