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Jüdische Presse · 1930-10-05 · 40-41 (5.10.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
40-41 (5.10.1930)
Date
1930-10-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oktober 1930 .כ*ד וינא־סרעסבורג י״ד תשרי תרצ׳א 16. Jahrg ■ ie Hätte c Je friedloser die Welt draußen, je drohender der Haß der Völker gegen uns anstürmt, desto mehr wächst in unserer Mitte die Sehnsucht nach Frieden und nach Ruhe. Der große Versuch des vorigen Jahrhunderts, durch Assimilation an die Wirtsvölker das jüdische Los zu erleichtern, kann als gescheitert betrachtet wer» den. Alles, was jüdischer Geist, jüdische Intelligenz, jüdische Findigkeit und Unternehmungslust auf allen Ge» bieten der menschlichen Zivilisation und Kultur den anderen Völkern gegeben haben, konnte kein Verständnis, geschweige denn Liebe und Achtung für jüdisches Wesen wecken. Im Gegenteil: Wir werden gehaßt, weil wir über» all Vordringen, und werden geschmäht, weil wir eine gefähr» liehe Konkurrenz für die anderen bedeuten. Man weist uns von den Lehrstühlen der Universitäten und drängt uns aus den öffentlichen Acmtcrn. Sogar der freie Beruf des Intellektuellen wird uns verleidet und nicht einmal im Wirtschaftsleben ist uns ein ruhiges Vorwärtskommen vergönnt. Doch wäre es töricht, zu glauben, daß diese traurige Konstellation nur für ein gewisses Land und für ein gewisses politisches System charakteristisch ist. In allen Ländern, unbechadet ihrer verschiedenen politi» sehen Einstellungen, insofern Juden dort in größeren Massen wohnen, kann der Jude nicht zur Ruhe kommen. Was tun? Das ist die große Frage, die an jeden verantwortlichen jüdischen Menschen herantritt. Das thoratreue Judentum verzweifelt trotzdem n i cht an der Zukunft. Für den jüdischen Menschen gab und gibt es auch in der heutigen Zeit keine andere Rettung als die, sich im Judentum selbst fest zu verankern. Je stärker man im Ju'dcntu m w u r z c i t, desto sicherer kann man allen Stürmen der• Zeit trotzen. I. Die S u k k a h bietet uns mehr Schutz und Sicher» heit als die festen Burgen und Paläste, in denen so manch großgewordener Jude sich sicher wähnte. All diese fest» gefügten Bauten, sic boten wenig Schutz, wenn die anderen Völker grollend und haßerfüllt gegen uns aufstanden. Viele unserer Brüder, die das thoratreue Judentum als eine minderwertige Hütte mit den großen, nach der Sitte der anderen Völker gebauten Palästen vertauscht haben, werden in der Stunde des Gewitters, das sich drohend zusammenballt, ihren Weg zum alten Judentum nehmen, und diese unscheinbare, so zerbrechlich erscheinende Hütte, die aber seit Jahrtausenden allem Wandel und Wechsel der Zeit standhält, wird sie in Sicherheit auf» nehmen. II. Unsere Festhütte symbolisiert aber nicht nur den Schutz des Glaubens, sondern auch die Pflicht sozialer Gerechtigkeit. Die bedürfnislosen Be» wohner der dürftigen Hütte bieten die beste Gewähr für den sozialen Frieden. Die Reichen in den Palästen können mit all ihren Reiehtiimern das Elend der Menschheit nicht lindern. Und das jüdische Elend schon ganz und gar nicht. Auch der jüdische Reichtum bringt uns statt Segen Mißgunst und Verachtung, weil er den Haß und die Begierde der übrigen Völker reizt, seitdem er auf» gehört hat, wie in vergangenen Jahrhunderten bescher* d e n und p f l i e h t b e w u ß t zu;*,ein. Die jüdischen Reichen waren in früheren Zeiten der Schutz ihrer Brüder in allen Phasen der Not. In unserem Jahrhundert hat sieh auch der jüdische Reichtum assimiliert und versucht, sieh Lorbeeren bei den anderen zu holen. Die jüdischen Reichen von heute glauben, daß die Förderung der Kunst und Wissenschaft und der sozialen Wohlfahrt der anderen, ihnen reichen Dank bringen werde. Wir fürchten, daß sie auch auf diesem Gebiete bittere Enttäuschungen erleben werden. Und doch, s wie viel Segensreiches hätten sie mit ihren Reich־! tümern auf jüdischem Gebiete schaffen können. Die ,neuorganisierte soziale Fürsorge der Wiener Kultusgemcinde hat gerade dieser Tage über das Für sorge werk der Wiener Israelitischen Kultusgemcinde und der jüdischen Vereine und Institu» tionen in Wien eine instruktive Schrift“■') herausge־ ״ ('•’Unser Fürsorgewerk.“ Mitteilungen der Israeliti» sehen Kultusgemeinde Wien, Nr. 1, September 1930. geben. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemcinde in Wien wirbt in dieser Schrift nicht nur für sein Fürsorgewerk allein, sondern für das .1 u dent u m ü b e r 11 a u p t. Aus jeder Zeile dieser interessanten Schrift dringt ein Ver» zweiflungsschrei zu uns. Der Wiener Jude, das Wiener Kultusgemeindemitglicd ist im besten Falle ein Steuer־־ zahlcr, aber kein Jude mch r, der sein Judentum liebt und für seine Institutionen Opfer bringt. In der fruchtlosen Aera der Assimilation glaubte man, daß der Jude, der dem religiösen Kult den Rücken kehrt, zu» mindest auf dem Gebiete des Gcmiluth־Chassadim Jude bleiben und die jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen nach Kräften unterstützen werde. Dies ist aber ein v e r» hängnisvoller Irrtum. Jene Finanzmagnaten der früheren Periode, die gewaltige Stiftungen und Zuwen» düngen für jüdische Wohlfahrtsanstalten gemacht haben, die haben noch ein lebendiges Judentum vor sich gesehen. Sie selbst haben, zumindest in ihrer Jugend, das wirk» liehe Judentum miterlebt. Sie blieben noch mit blutwar» men Fäden ans Judentum geknüpft. Unser modernes (Fortsetzung auf Seite 2.) Vor der Eröffnung der Beth Jakob- Lehrerinnenbildungsanstalt in Wien. Wie die in unserer heutigen Nummer gebrachte o f f i z i e 1 I e Nachricht: der Beth Jakob- Zentrale in AVien mitteilt', findet die Eröffnung des ersten Lehrganges der Beth Jakob-Lehrerinnenanstalt am Rosch-Chodcsch Cheschwan (21. Oktober d. J.) statt. In unserer Scliwuotli-Nummer haben wir den Beschluß der Wiener Beth Jakob- Zentrale über die Gründling einer Lehrerinnenbildungsaiistalt mitgeteilt. , Nun freut es uns ״am Feste des Einsammelns“ unseren Leserkreis bcnaehriehtigen zu können, daß die gute Saat aufgegangen und nach der vorbereitenden Arbeit eines kurzen Sommers die Ernte beginnt. Denn es ist ein freudiger Erntetag für die Beth Jakob-Bewegung: die Eröffnung■ dieser neuen Zentralbildungsaiistalt in Wien. Zunächst verdient die Zahl und die Art der Anmeldungen der Kandidatinnen Beachtung. Man hat bisher angenommen, daß die Beth Jakob-Bewegung nur in dem gesunden und kräftigen Erdreich des Ostjndentums wurzelt. Und wenn auch die Beth Jakob-Bewegung in Westeuropa und Amerika eine starke Resonanz direkt vom Wiener ZolhFreüager größte Auswahl - Qualitätsware - preiswert Wien 9, Rotenfturmsäraße ST geweckt hat, so mußte man aus dem Stillschweigen der Orthodoxie in den Staaten Mitteleuropas annehmen, daß dort, in bezug־ auf religiöse Erziehung der jüdischen Tochter, alles in der größten Ordnung■ wäre. Die großen Führer d e r C 11 a ss i d i m in Pole n, die große n r a b b i 11 isehen Autoritäten des Ostens e rblicke n 11 eilte die größte Siche r u 11 g d es religiösen Nach w 11 c 11 s e s i 11 i liren L ä n d e r n in d e r B e 111 Jakob-Be w e g u 11 g u n d i n den Beth Jakob-Schule 11. ' Hat die Orthodoxie in den Nachfolge- Staaten der einstigen Oesterreichiseh-Ungarisehen Monarchie solche Beth Jakob-Schulen nicht nötig? Die orthodoxen Führer dieser Länder, ihre Rabbiner und Vorsteher haben sieb bisher über dieses Problem nicht öffentlich ausgesprochen. Nun bilden die Anmeldungen einfacher Töchter aus den orthodoxen Häusern dieser Länder einen lehrreichen Beitrag über die inneren Zustände daselbst. Jede Anmeldung ist gleichzeitig ein Notschrei intelligenter jüdischer Mädchen, die mit allen Fasern ihres Herzens an der Orthodoxie hängen, nach B e f r c i u 11 g von der seelischen Not, der sie i 11 i 11 r c, r H e i m a t a u s g eliefert s i n d. Die weibliche Jugend wächst dort ohne zureichende religiöse Belehrung auf. Die wirtschaftliche Not zwingt die Eltern, ihre Töchter studieren zu lassen; sic besuchen die niederen und höheren Schulen ihres Heimatsortes. Sie müssen und wollen irgend einen existenzbietenden Beruf erlernen, junge Mädchen mit zarter Empfindsamkeit werden in eine a n t i r e 1 ig i ö s e Umgebung ohne den Schutz jüdischen Wissens, ohne den Schirm richtiger Belehrung hinausgestoßen, und in allzu zahlreichen Fällen erliegen fließe Töchter aus den orthodoxen Häusern der fremden Weltanschauung, der antireligiösen Was bietet die führende Weltfirma Wien I, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) Telephon U-41-3-62 1. Modernste und individuellste Ausführung. 2. Tadellosen, mustergültigen Sitz. 3. Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen. Die Firma QTHMAR SCHIFF legt allergrößten Wert darauf, jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzustellen. Setzen Sie sich daher, bevor Sie eine Perücke kaufen, in Ihrem ureigensten Interesse mit der Firma in Verbindung

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