Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 44 (7.11.1930)
- Date
- 1930-11-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 44 gegenwärtiger u. ehemaliger , Heimschützlinge, Dr. Krügeri! Heim (fr. Elisabeth - Heim) * < > Telephon :: R• 43-540־ ■ u r w ״ Wien, II., Malzgasse 7 5Ä4! i: I U r U Sabbathaltende fördert die Sabbathalfenden f :: י♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦י Herr D r. Maximilian Land a n ein Charakterbild des Gefeierten entwerfen wird und aiisgnwähltc Stücke aus den Schriften Rosenlieims •vorgelesen werden sollen. Die Feier wird von gesanglichen und musikalischen Darbietungen umrahmt sein. Rabbinerseminar zu Berlin. Die Eröffnung des Winterhalbjahres hat im llabbincrsemiuar am 23. Oktober stattgefunden. Außer den gegenwärtigen Hörern und den Dozenten haben mehrere in Berlin amtierende ehemalige Schüler des Instituts sowie mehrere Gäste teilgenommen. Den Hauptvortrag hielt Herr Dozent, Dr. J. Wohlgemuth über das Thema .,Grundgedanken der lleligionsph'ilosophic Max Schelers in jüdischer Beleuclitung“. Im Anschluß hieran wurden die neu angemeldeten Schüler, die sämtlich zugleich die Universität besuchen, aufgenommen und der Stundenplan, der an jedem Vormittag fünf Stunden vorsieht, mitgeteilt. Am Sonn lag, 26. Oktober, hielt Herr Dozent Dr. J. Weinberg einen ßinleitungsvortrag zu seinen talmudischcn Vorlesungen. Gotteslästerung in jüdischen Schulen. Der Geist, der an den bundistischcn ״Zisehaschulen“ in Polen herrscht, ist schon off charakterisiert worden. Es ist das Bestreben dieser Schulen, jede religiöse Einstellung mit der Wurzel auszurotten und alles, was mit der Tradition und Vergangenheit des jüdischen Volkes zusammenhängt ,aus den Merzen der Kinder zu reißen. Nachgewiesenermaßen gehen die Lehrer dieser Schulen so weit, daß sie ihre Zöglinge anweisen, Schinkenbröte in die Schule mitzubringen, mit dem Hinweis, daß diese Fleischart der Stärkung des Herzens besonders förderlich sei. Ich möchte aber hier auf eine zweite Schulgattung aufmerksam machen. Sie ist zionistisch gefärbt und in den Mantel des jüdischen Nationalismus gehüllt. Sie ist aber nicht minder gefährlich. Vor nicht langer Zeit trat in der jüdischen Gasse eine neue Schulorganisation unter dem Namen ״Schulkult“ in Erscheinung. Diese Organisation erhält eine Schule in Warschau, Franziskanska 20.. ln aller Morgenfrühe, zu Unterrichtsbeginn, bekommen die Kinder folgende Lektion: Der Lehrer fragt: ״Kinder, seid ihr hungrige׳“ Antwort: ״Ja.“ Lehrer: ״Nun ׳bittet Gott, daß er euch zu essen gibt.“ Die Kinder beten. Lehrer: ״Nun, hat.Gott euch zu essen gegeben?‘* Kinder: ״Nein.“ Lehrer: ״Wendet euch an den Kollegen Berl, er wird auch zu essen geben.“ Bald bringt Kollege Berl Frühstück für die Kinder, sie essen es und der Lehrer fragt hierauf: ׳״Nun wer hat euch zu essen gegeben, Gott oder Kollege Berl?“ Und er beendet den Dialog mit den gotteslästerliehen Worten: ״Seht ihr nun, daß es keinen . . . gibt?“ Dieser Dialog wird in deklamatorischer Weise nach einer eigens dafür geschaffenen Melodie dreimal wiederholt. Der Dialog ist ganz authentisch und es können für das Geschehnis Zeugen erbracht werden. Appell der polnisch-jüdischen Orthodoxie an Marschall Pilsudski. Warschau, 23. Oktober. Die offiziöse polnische Nachrichten־Agentur ״Iskra“ veröffentlicht ein Schreiben des früheren Deputierten Kirschbraun, eines der L’ührer der Agudah in Polen, der zum neuen Sejm auf der Re־ gierungsliste kandidiert, an den polnischen Minister־ Präsidenten Marschall Pilsudski, in welchem der Marschall gebeten wird, die folgenden fünf jüdischen Postulatc zu erfüllen: Zulassung der Juden zu jeder Art Beschäftigung im Staate und bei den Gemeindeverwaltungen; Annuliie־ rung der noch aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die Juden; Milderung der Zwangs־ Sonntagsruhe durch Schaffung eines neuen Sonntagsruhe־ gesetzes; Regelung des jüdischen Gemeindewesens gemäß den Wünschen der Orthodoxie; Einsetzung der hohen Autorität des Marschalls für die faktische Durchführung der Gleichheit der Juden vor dem Gesetze. Kirschbraun leitet sein Schreiben mit den Worten ein; Noch vor zwölf Jahren habe ich den Juden empfohlen, ihre Blicke auf Marschall Pilsudski zu richten. Ein in den nächsten Tagen erscheinendes Dekret des Staatspräsidenten Prof. Moszicki wird sich, wie wir erfahren, mit diesem Schreiben befassen und die Erledi־ gung der jüdischen Wünsche ausdrücklich im Sinne des Deputierten Kirschbaum Zusagen. Einzige Jüdische hlnt - Frauenpwerl1es(t1 für Weißnähen und Kleidermachen mit Öffentllohkoltsrecht Wien» lllt Malzgasse 7, Dr. Krllger-Bfeim Staatsgiltige Zeugnisse Geblliiunenrecht Samstag geschlossen Amtliche Verlautbarungen der Israel. Kuitusgemeinde Wien. Sfellenaiisselireibimg. Z. “675 cx 1930. Wien, den 3. November 1930. Bei der Israelitischen Kuitusgemeinde W i e n gelangt die Stelle eines zweiten K a n tors zur Besetzung, ln Betracht kommen liicfiir nur solche Bewerber, welche über entsprechend schöne Stimmmittel verfügen, musikalisch ausreichend vorgcbildet sind, das Vorlesen aus der Thora vorzüglich versehen können, einen* sittlich-religiös einwandfreien Lebenswandel führen und das Alter von 40 Jahren nicht überschritten haben. Entsprechend den gellenden gesetzlichen Bestimmungen können Personen, welche nicht die österrcichischc Bundesbürgerschaft besitzen, mir fiir den Fall in Konkurrenz gezogen werden, wenn gleichqualifizierte österreichische Bundesbürger unter den Be- Werbern nicht vorhanden sind. Die Einreihung des zu bestellenden zweiten Kantors in das Gehalts- und Rangsklassenschema für die Angestellten der Israelitischen Kuitusgemeinde Wien bleibt der besonderen Vereinbannig Vorbehalten. Bewerbengsgesuehc sind unter Anschluß aller erforderlichen Nachweisungen bis 2 8. November d. J. bei der Amtsdivektion der Israelitischen Kuitusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, 111. Stock, einzubringen. Eine Vergütung von Reise- oder sonstigen Auslagen an Bewerber um diese Stelle findet nur in jenen Fällen statt, in welchen dies dem Betreffenden in dem Einladungsschreiben zur Vorstellung oder zum Probevortrage ausdrücklich zugesichert wird. Der Vorstand der Israelitischen Kuitusgemeinde Wien. Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynngogen. F r c i t a g, den 7. November 1930 werden bei dem um 4 Uhr 25 Minuten beginnenden Abendgottesebenste i:1 nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssvnagogen Predigten abgehalten, und zwar: II., Tempelgassc 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); VL, Sclunalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. I. Drobinsky); IX., Miillnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XYL, Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); X.V11L, Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr; D. Fcuchtwang). Exegetischer Vortrag am Samstag, den S. November 1930: XIX., Dollinergassc 3 (4 Uhr nachmitt.), Rabbiner Dr. Arnold K r a n k f u 1־ t e r. Jugendgottcsdienst. Am Samstag, den 8. November d. J. findet um 3 Uhr nachm, der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezivkssynagogen statt. zur inneren Geschichte der Von L. M0 s es. e in Wien. Judengemeinde. (Fortsetzung.) Im eigenen Sch 11 Ihause. In der Sitzung vorn 2. Novefnber 1872 hatte der Vorstand beschlossen, eine Gelclsammhing für den Bau eines Sch 111 bauses cmzuieiten, und schon am :17. Oktober 1S74 konnte der im nachstehenden Protokoll festgehaltene Beschluß gefaßt werden: Protokoll: aufgenommen am 17. Oktober 1874. Anwesend die Herren: Heinrich Berger, Jakob Kreißl, Anton Bing, Isak Friedläncler, 1. L. Freystaclt, M. L. Kolm. David Horwitz. Anwesende Mitglieder des Vorstandes beschließen mit Stimmeneinhelligkeit und bekräftigen diesen Beschluß d urcli ihre eigenhändigen Unterschriften, den ihnen zum Baue eines eigenen Scliulhauses in Verbindung mit einer Synagoge offerierten Bauplatz nebst dem darauf im Hintergebäude befindlichen Wohnhanse im II. Bezirk, Malzgasse Nr. 16, zirka 429 Quadratkiafter, um den Gesamtbetrag von Gulden vierzigtausend ö. W. oder einige tausend Gulden darüber bis * zum Maximum von Gulden 45.000 zu akquirieren und bevollmächtigen zu diesem Belmfe ihren Präsidenten, den Herrn Heinrich Berger, und Herrn Jakob Kreißl, mit dem Eigentümer obigen Komplexes, Baumeister Übel, in ernstliche Unterhaudlung zu treten und diese im Namen des jeweiligen Vorstandes einem Abschlüsse zuzufüliren, die I׳unktationen zu unterfertigen, die erforderliche Angabe zn leisten und zu diesem Ende vom Vereinsvermögen so viele Papiere zu realisieren, als hiezu nötig sind. Am 26. März :1876 wurde beschlossen, das inzwischen angekauftc Haus Malzgasse Nr. 16 zu adaptieren und die Lokalitäten in der Sterngasse an zwei Lehrer gegen Gehaltsabzug als Wohnungen zu vermieten. Die nun zunächst folgenden Jaliresberiehte zeigen ein erfreuliches Bild der immer allgemeiner sich durchsetzenden Wertschätzung der Schule, die sich auch darin ausdrückt, daß zwei Gelehrte von Weltruf bewogen wurden, sie zu inspizieren, und ihr ehrende Zeugnisse der Anerkennung ausstellten. Manche Bemerkungen, die sich in diesen Jahresberichten verstreut finden, können auch heute noch nicht genug unterstrichen werden, so zürn Beispiel, wenn da einmal gesagt wird, daß sieh kaum ein Akt der Wohltätigkeii produktiver erweisen könne als der, der dem J ugendunterricht zugute kommt, oder wenn es an anderer Stelle heißt, daß Wien so schwer die eine Talmud-Thora erhält und wahrhaftig ■in jedem Bezirke mehrere ganz gut brauchen könnte. Man kann nicht umhin, noch heute die Rührigkeit des damaligen Vorstandes zu bewundern, der mit allen Mitteln den planmäßigen Ausbau der Schule durch führte und so erst• recht die Basis für das schuf, was heute unter ungünstigeren Umständen und ohne die Macht, die dem bloßen Namen eines Gilde mann innewohnte, erhalten und — weiter ausgebaut werden muß. Einzig und allein die fdee, die auch damals dem Schulgebäude eine kleine Syiiagoge beigesellen ließ, der religiöse Gr und ton in diesem Schn (werk ist auch heute noch derselbe geblieben und trägt das ganze Werk. Jahresbericht ... fiir das Schuljahr 1877. :-'י . . . Produktiver kann wohl.kaum ein Akt der Wohltätigkeit sich erweisen als derjenige, welcher dem Jugenchmterriclit zugute kommt. Eine-wahre Genugtuung gewährt cs uns, Ihnen mitteilcn zu können, daß im Oktober vorigen Jahres clcr berühmte Historiker Professor Grätz unsere Vereinsschule mit seinem Besuche beehrte und in eingehender Weise eine Prüfung cler Schüler vornahm. Seine Befriedigung Liber die hiebei wahrgenommenen Leistungen sprach er in einem die Anstalt und deren Leiter gleich ehrenden Anerkeimungsschreiben aus. Von solcher Seite»entstammt, ist dasselbe mehr als alles andere geeignet, jeden Zweifel rücksiclitlicli der Existenzberechtigung dieser Schule zu belieben und manch irrige Anschauungen, welche Uber dieselbe in manchen Kreisen bestehen, zu berichtigen. © Dr. M:. Güdemann, Heinrich Berger. Präses ad honores. Anton Bing, Jacob Neurath, Isaak Friedläncler, J. L. Freistadt, Jacob Kreißl, M. L. Kolm, Em. Baumgarten, Dr. Gust. Kobn. I n s p e k t i o nsberic h t. Vom Direktorium der . ersten israelitischen Armcnschule (Talmud-Thora) eingclaclen, dieselbe 7.11 inspizieren, hat mich ihr Befund mit •wahrer Befriedigung erfüllt. Von der ersten Klasse, wo der Unterricht im Lesen und. Syllabiercn erst begonnen hat, bis zur vierten Klasse an, deren Schüler erst in diesem Monat aus der vorangehenden heraufgerückt sind, haben midi die Antworten vieler Schüler auf die von mir gestellten Fragen wegen ihrer Präzision überrascht, sowie mich die Lebhaftigkeit der Kinder wahrhaft erfreut hat. In den Eieinen targegenstäiiden und im Hebräischen hielten sie gleichen Schritt. Erfreulich war besonders clie Wahrnehmung, claß'die Antworten nicht in mechanischer Weise, als Sache des Gedachtnisses erfolgten, sondern von selbständigem Denken zeugten. Die Antworten mancher Schüler aus cler vierten Klasse überraschten mich wegen cler Reife und Kontinuität, Arie man sie selten bei Knaben von 9 bis 10 Jahren findet. Die Prüfung hat den Eindruck auf mich gemacht, daß diese Schule den wünschenswerten Plan der Kombinierung eines gründlichen Elementar- und hebräischen Unterrichtes glücklich realisiert, Wien, im Oktober 1877. Professor Dr. H. Grätz aus Breslau, ra. p. Jahresbericht... für das Schuljahr 1882. W*. In erster Linie gebührt dem geehrten Vorstände cler hiesigen Kuitusgemeinde das Verdienst, das finanzielle Arrangement unseres Vereines dadurch ermöglicht zu haben, claß er uns die bisherige Jahres- Subvention .vou 1000 Gulden unbedingt für clie Zeitdauer von fünf Jahren zugesichcrt hat. Durch den Abverkauf einer Bauarea von 160 Quadratklafter haben wir unsere Hypotliekenlast um 10.500 Gulden, unsere jährliche Zinsenleistung um 630 Gulden erleichtert, und wenn, wie nun zu erwarten stellt, das Interesse unserer Gemeindemitglieder für unser Institut sich auch weiters hebt, so 01000031010202013102