Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 38-39 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette א JÜDISCHE PRESSE Nr. 38/59 II., TaborstraBe Nr. 39 XIV., SsÜDsersirafie Nr. 39 Das jüdische Kind —־ in die jüdische Schule Aus dem diesjährigen Luach der Wiener T. T. Volks- und Hauptschule. Wir Juden pflegen hei .dem Wort ״Ein sehr eibungen“ zumeist an unser Neujahrsfest zu denken, wo wir in das ״B u c h des Leben s“ eingeschrieben werden möchten. Die Einschreibungen in die Schule kommen in ihrer Bedeutung den Einschreibungen in das Buch des Lebens gleich. Jüdische Eltern möchten ihre Kinder in das Buch des Lebens einschreiben und schreiben selbe in eine Schule ein, in der sie vom sechsten Lebensjahr angefangen, den Glanz des Sabbats, also.das stärkste Ferment des jüdischen Lebens, missen müssen. Jüdische Eltern möchten ihre Kinder in das Buch des Lebens, eines jüdischen Lebens, einschreiben und lassen sie in eine Schule einschreiben, in der der Geist der Lehrerschaft und der ganzen Umgebung dem lebendigen Geist des Judentums krassest widerspricht. Jüdische Eltern möchten ihre Kinder in das Buch des Lebens, eines jüdischen Lebens, einschreiben und lassen sie dann eine Schule besuchen, wo sie ohne jüdische Kenntnisse, ohne Uebung jüdischer Bräuche, zumindest acht Jahre der Zwangsschulpflicht verbringen müssen. Jüdische Eltern möchten ihre Kinder in das Buch des Lebens, eines jüdischen Lebens einschreiben und dann bringen sie selbe in eine Schule, die prinzipiell danach strebt, alles Jüdische, alles Religiöse aus dem Gemiite des Kindes zu verwischen. Jüdische Eltern, ihr wollet eure Kinder in das Buch des Lebens, eines jüdischen Lebens einschreiben, warum schreibt ihr sie nicht in eine jüdische Schule ein? Die jüdische Schule, ausgestattet mit staatlichem Oeffentlichkeitsrecht, bietet ־zunächst an Wissen zumindest so viel wie die anderen Schulen, zumindest so viel, in Wirklichkeit aber noch viel mein*. An der jüdisehen Schule betreuen und belehren jüdische Lehrer eure Kinder. An der jüdischen Schule wird euren Kindern reiches jüdisches Wissen zuteil. An der jüdisehen Schule leuchtet der Glanz des־ Sabbats und der jüdischen Festtage in voller Stärke in der Seele eurer Kinder. An der jüdischen Schule entwickeln sich eure Kinder in harmonischer jüdischer Umgebung zu voll- Soeben erschienen: . LSI ACK-BL ATTER der AgudassJisroel־Jugendgruppe Wien .. 5691 - תרצ״א Preis: S 1.— Aus dem Inhalt: Stroh: Neue Front; Stern: Baal־־ Tschuwoh«Politik; Rosenheim: Vorfragen und Grund־־ propleme der agudistischen Politik; Munk: Vom Recht des Individuums; Ben Jisroel: Mein Freund Josef Zu beziehen tlurch: Asuüas-Jisroel-JagendorDßpe, Wieo. 1L. Obere Dmtr. 69 wertigen jüdischen Menschen. An elfer jüdischen Schtile besteht für bedürftige Schüler eine hochwertige rituelle S c h ü 1 e r a u s s p e 1 S u n g und in ihrem Hort werden die Kinder nachmittags betreut und in ihren Schularbeiten unterstützt. ■ Streng rituelle Kochkurse. Anfänger und Vorgeschrittene. Nachmittags und abends. Diätkurse. Beginn 16. Oktober 1930. Moderne Turnkurse. — Kunstgewerbliche Kurse. Rechtzeitige Anmeldungen im Dr.־־Krüger־Heim, II., Malz# gasse 7. A«48«0#77. Amtliche Verlautbarungen I der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Organisierung der Wanderfürsorge. Zwecks endgültiger Schaffung der seit langem angestrebten Organisation für die jüdische Wanderfürsorge in Oesterreich wurde von der Zentralkomrnission für soziale Fürsorge der i s r a e 1 i t i« sehen Kultusgemeinde Wien, in deren Bereich die nötigen organisatorischen Maßnahmen bereits ge־ troffen wurden, eine Konferenz einberufen. An dieser am 8. September d. J. im Sitzungssaal der israelitischen Kultusgemeinde Wifen abgehaltenen Beratung nahmen neben den Vertretern der Wiener Kultusgemeinde und fast sämtlicher jüdischen Provinzgemcindcn Oesterreichs Delegierte aus Deutschland. (Hauptstelle für jüdi« sehe Wanderfürsorge in Berlin), aus der Tschecho« Slowakei (Fürsorgezcntrale in Prag, Brünn und Lun« denburg), Polen und Jugoslawien, sowie der israelitischen Allianz und der Chewra Kadischa Wien teil. Nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Teil« nehmer durch den Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Dr. Jakob Orn stein, und Er« Öffnung der Tagung durch den Obmann der Zentralkom־ mission für soziale Fürsorge, Dr. I. K 1 a b e r, erstattete Dr. Kreuzberger (Berlin) ein ausführliches Referat über den derzeitigen Stand der jüdischen Wander« bewegung. Der Amtsvorstand der Fürsorgezentrale der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Emil Engel, skiz« zierte sodann den Zweck der Beratungen, worauf der Abteilungsleiter für Organisation, Dr. Nahum B lauer, an Hand der statistisch erfaßten Daten der Wanderfürsorge die Richtlinien und den Aufgabenkreis der Organisation darstellte. In der darauffolgenden Debatte, die unter leb« hafter Beteiligung der anwesenden Delegierten den ganzen Fragenkomplex der praktischen Arbeit zum Gegenstand hatte, kam der einmütige Wille zum Ausdruck, dieses für die jüdischen Wanderer selbst und nicht zuletzt für alle Beteiligten ־ so wichtige Problem nach einheitlichen Ge« sichtspunkten zu behandeln. So wurde denn auch als Abschluß langjähriger Bemühungen von der Konferenz; beschlossen, die Fiirsorge־Zentrale der israelitischen Kul« tusgeineinde Wien als Zentrale für die jüdische Wan־ derfürsorge in Oesterreich zu konstituieren, der sämtliche jüdischen Gemeinden Oesterreichs angeschlossen werden, um gemeinsam nach fcstgelegten Grundsätzen auf diesem Arbeitsgebiete zusammenzuwirken. Ferner wurde eine Kooperation mit den in Betracht kommenden jüdi# sehen Gemeinden und Verbänden der an Oesterreich an« grenzenden Länder angebahnt und der Zusammenschluß der Zentralen für die jüdische Wanderfürsorge in Deutschland, der Tschechoslowakei und Oesterreich voll« zogen. Es ist zu hoffen, daß dank den getroffenen Maß־ nahmen und den weiteren Bemühungen manche schwer« epipfundenen Uebelstände beseitigt und allmählich das im jüdischen Leben so wichtige Wanderproblem durch gemeinsames Vergehen einer rationellen Behandlung zu־ geführt werden wird, wie dies in Deutschland seit Jäfrren׳ mit Erfolg erreicht wurde. Kundmachung. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstaltet an den kommenden hohen Feiertagen im Festsaale des Hotel ״Post“, L, Fleischmarkt 10 (Eingang I., Drachengasse 1) einen Festgottesdienst, der hauptsächlich für die reifere Jugend beiderlei Gesch lech ts (im Alter von 15 bis 20 Jahren) bestimmt ist. Der Zutritt zu diesem Gottesdienst, der nach dem Vorbilde und im Umfange des Gemeindegottesdienstes abgehalten wird, erfolgt auf Grund unentgeltlich ausgegebener Karten, deren Verteilung durch das Jugendreferat der Kultusgemcinde (L, Seitenstettengasse 4, III., Stock) erfolgt. Aufruf an die Tempelbesucher! Beim Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde sind Beschwerden darüber eingelangt, daß an hohen jüdischen Feiertagen die religiösen Gefühle Strenggläubiger nicht selten dadurch verletzt werden, daß Tempelbesucher im Automobil vor dem Tempeleiugang Vorfahren. Das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde sieht sich durch diese Beschwerden veranlaßt, an die Gemeindemitglieder zu appellieren, auch in dem vorerwähnten Belange auf die religiösen Gefühle anderer Rücksicht nehmen zu wollen Mitteilungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien. In den nächsten Tagen erscheint unter dem Titel ״Mitteilungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien“ eine unentgeltlich au sämtliche Kultussteuerträger zur Versendung gelangende Informationsschrift über das jüdische Fürsorgewesen. Diese mit Abbildungen versehene Ausgabe behandelt das weite Gebiet der von der Wiener Kultusgemeinde geübten Wohlfahrtspflege und gibt ein übersichtliches Bild von den Leistungen und Notwendigkeiten, eines umfassenden jüdischen Fürsorgewerkes in Wien. Konkursausschreibung. Bei der israelitischen Kultusgemeinde Wien ge* langen mit 1. Jänner 1931 . zwei Stellen von Rabbinatsassessoren zur Besetzung, wobei der eine der zu bestellenden Asses« soren auch die Eignung besitzen soll, mit der Funktion eines Rosch־Beth«Din betraut zu werden. In Betracht kommen nur solche Bewerber konser« vativer Richtung, welche nebst den fachlichen Eignungen und Studien auch eine längere Verwendung als Rabbiner, beziehungsweise Mitglied eines Rabbinatskollcgiums (Beth־Din) nachweisen können. Die mit diesen Stellen verbundenen Bezüge sind den Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Bewerbern Vorbehalten. Bewerbungsgesuche sind — mit allen erforderlichen Beilagen versehen — bis längstens 31. Oktober 1930 beim Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien, einzubringen. Eine Spesenvergütung aus Anlaß der Vorstellung findet nur dann statt, wenn diese im Einladungsschreiben an den Bewerber ausdrücklich zugesagt erscheint. Der Kultusvorstand behält sich vor, zur Besetzung dieser Stellen auch Kandidaten heranzuziehen, die nicht auf Grund der vorstehenden Ausschreibung kompetieren, ׳ Wien, 17. September 1930. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. na m an Eine sonderbare Biographie. Von Rabbiner Ph. Fischer in Sdrospatak. (Schluß.) Mit großem Behagen erfolgt nun die breitspurige Darstellung dieser meisterhaften Spießuipdrehung in der vor uns liegenden Arbeit. Es ist wirklich köstlich zu sehen, wie der damalige Budapester Seminarprofessor Dr. M. Gutmann (gegenwärtig Direktor des Breslauer Rab« hinerseminars) sich mit der Herausgabe seiner Broschüre: ״A Schulchan Aruch es a magyar zsidosäg“ (״Der Schul« chan Aruch und das ungarische Judentum“) zum theo« logischen Schleppträger dieser tollkühnen Spießum« drehung hergibt. In dieser Broschüre will Gutmann den Beweis dafür erbringen, daß auch seitens der Orthodoxen viele Bestimmungen des Schulchan Aruch keine Beach« tung mehr finden, ja, daß heutzutage clcr Schulchan Aruch in seiner Totalität nicht mehr beachtet werden kann. Vor allem erfuhr nun diese Broschüre eine scharfe Abweisung seitens des konservativen Rabbiners der Status quo# Gemeinde in Szatmar Dr. Jordan. Dann aber unterzogen auch wir in dem amtlichen Organe der ungarischen Ortho« doxie (Magyar Zsidö, 1913) in einer größeren Artikel# serie das wissenschaftliche Material dieser Schrift einer eingehenden Prüfung, wobei ein geradezu vernichtendes Resultat ztitage gefördert worden ist. Vor allem aber deckte ich den Kardinalfehler in der Gutmannschen Be« weisführung auf. Gutmann will nämlich beweisen, daß diese oder jene Vorschrift des Schulchan Aruch auch seitens der Orthodoxen nicht beachtet wird! Es han« delt sich ja aber gar nicht darum, ob die Orthodoxen oder Neologen als Einzel« personen die Vorschriften des Schulchan A ruchin ihrer lückenlosen Totalität be« achten öder n i c h t. Es handelt sich um etwas ganz anderes) Es handelt sich um die ent« scheidende Frage, ob die Gemeindeinsti« tutionen und Gemcindefunktionäre der Orthodoxen und Neologen den diesbezüg« liehen Anforderungen des Schulchan Aruch entsprechen od e r nie h t! Die Orthodoxen behaupten nun. und stützen ihre Behauptung mit unwider« legbaren Beweisen, daß die neologen Einrichtungen und Beamten solchen Anforderungen nicht nur nicht entspre« chen, sondern denselben gar oft geradezu ins Angesicht schlagen, daher können sie in keine religiöse Union mit den Neologen eingehen. Und die Neologen selber sind nicht imstande, diese Behauptung der Orthodoxen zu entkräften. Nun aber sollten die Neologen bezüglich der Orthodoxen dasseljbe tun, nämlich beweisen, daß auch deren Gemeindeinstitutionen und Funktionäre ebenso« wenig wie die der Neologen den betreffenden Anforde« rungen des Schulchan Aruch konform sind. Könnten sie den Beweis hierfür erbringen, darin hätten sie tatsächlich etwas für ihr Unifikationsideal gewonnen. Dann wären sie tatsächlich berechtigt auszurufen: הללא עבדו ע״זיוהללא עבדו ע״ז׳ Eineri derartigen Beweis konnte aber auch Dr. M. G. in seiner Broschüre nicht erbringen. Ja, er versuchte cs nicht einmal, einen derartigen Beweis zu erbringen. Daher ist seine. Schrift trotz des darin zusammengetragenen Materials לתג הרביז יגיעת קיטר wertlos für die Lösung der obschwebenden Frage. Und diese ganze kunstvolle Spieß« Umdrehung ist und bleibt bloß eitle Spiegelfechterei! ׳Selbstverständlich verschweigt der Ver« fasser in seiner Darstellung auch diese unsere Wider# legurig der Spiegelfechterei Mezeis und Gutmanns. Und mit triftigem Grunde. Denn sonst hätte er nicht mit, be« neideffswerter Unver—frorehheit die חלבה פסיקת, Entschei« düng aussprechen können, daß Mezei und •Gutmann!?amt Kecske£1;eti tatsächlich; recht hätten: auch die Orthodoxie fuße nicht auf Anerkennung des Schulchan Aruch... Und nun zum Schlüsse noch einige Worte über einen Punkt, der mich persönlich, aus baldigst zu erwäh« nendem Grunde, sehr schmerzlich berühren muß. Es war nur selbstverständlich, daß der Advokat Mezei in seinem rücksichtslosen Kampfe gegen die autonome Or« ganisation der Orthodoxie nicht bloß sachliche, son« dern auch rein persönliche Momente ins Treffen führte, wo er bei führenden Persönlichkeiten der Ortho« doxie irgend einen geeigneten Angriffspunkt entdeckt zu haben wähnte. Aber den Biographen Mezeis hätte eine Art Pietät doch dazu bestimmen müssen, um bei der Anführung von Momenten solcher Beweisführung r e i 11־■ persönlicher Art wenigstens nicht die Namen der betreffenden hervorragenden Persönlichkeiten in die, Rabulistik solcher Beweisführung hereinzuzerren. Der Herr Dr. Kalman, der doch seines Zeichens ״Rabbiner“ ist, müßte doch wissen, was Ol 1מספר אתרי מטת bedeutet! Und doch gefällt er sich darin, das Vorgehen Mezeis wiederholend, das Andenken einer der hervorragendsten Tabbinischen Gestalten, eines der größten גאונים des vorigen Jahrhunderts zu schänden, indem er meinem Urgroßvater R. Joel Ungar ן״ל, dem Verfasser des שדת רי2א, eine zweideutige, heuchlerische Einstellung gegenüber dem Organisationsprobleme der . ungarischen Judenheit zuzuschreiben sich erkühnt. Nun muß ich aber nicht bloß als Biograph desselben,*) sondern noch weit mehr als der erstgeborene Urenkel des* selben, der noch die זכייה hatte, einige Monate vor des* sen פטירה von demselben zum Abschiede gebenscht zu. werden, aufs allerentschiedenste gegen einen solchen Versuch protestieren. Ich habe den Standpunkt R. Joel Ungars bezüglich der separaten orthodoxen Organisation und der Kongreß# beschlösse bereits in dem ״Frankfurter Israelit“ (i. d. *) Siehe dieses Blatt, 1928, Nr. 35 u. f.