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Jüdische Presse · 1930-09-19 · 38-39 (19.9.1930) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
38-39 (19.9.1930)
Date
1930-09-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE PRESSE Seite 5 Nr. 38/39 AUS D£R WCLT DCS BUCHCS LITERATURBLATT DER ״JoDISCHEN PRESSE‘ Steifes: Religionsphilosophie. Philosophische Hand־־ bihliothek Bd. 9. (Verlag Kösel & Restet, München.) Der Zielrichtung der Sammlung, der sie zugehört, ent־־ sprechend, will das vorliegende Werk eine systematische Darstellung der Probleme geben, mit denen die moderne ,Religionsphilosophie ringt, sowie in die Methoden ein* führen, die für letztere gültig sind. Zugleich aber nimmt sie selbst das religiöse Problem in Angriff, indem sie methodisch einen Ausgleich zwischen den starken Gegen# sätzen rationaler und irrationaler Religionsbetrachtung in der Gegenwart anstrebt. Nach Aufrollung der religiösen Frage im' Rahmen moderner Problementwicklung und methodischen Erörterungen prinzipieller Art gibt der Vor# fasser eine Wesensschau der äußeren und inneren Erschei# nung der Religion samt den aufbauenden und zerstören־־ den Faktoren." Es folgt eine kritische Untersuchung der religiösen Wahrheitsfrage ' vom Boden der Psychologie, Erkenntnistheorie und Metaphysik aus. Daran reiht sich eine Betrachtung über die Religion in ihren Ausstrahlun# gen auf die einzelnen Kulturgebicte, über ihr Verhältnis zu den geistigen Bewegungen der Zeit und ihre Selbst־־ gestaltung innerhalb des profanen Kulturlebens. Ein Kapitel über religiöse Soziologie zeigt die Religion in ihrer gemeinschaftsbildenden Kraft, sowie alle die Sonder# formen, die die soziale Funktion herauskristallisiert. Eine Skizze über den religiösen Menschen schließt die inhalts* reiche und sehr aktuelle Schrift ab, die allen Suchenden ein zuverlässiger Führer ist in unserer religiös so tief bewegten Zeit. Hermann Bahr: Labyrinth der Gegenwart. (Verlag Franz Borgmever, Hildesheim.) Als ein Theseus unserer Zeit dringt Hermann Bahr in seinem neuen Essay band in das geistige ״Labyrinth der Gegenwart“ ein. Indem er die geistigen Strömungen der Zeit aus ihrem Schrifttum, dem wissenschaftlichen wie dem schöngeistigen, kraft seiner besonderen Sensibilität in sich aufnimmt und auch noch ihre, nur für ganz feinhörige Geister spürbaren Unterströmungen so sicher registriert wie ein Seismo# graph die Schwankungen der Erdrinde, gewinnt er zu# nächst einmal ein klares 'Bild über die innere Richtung des zeitgenössischen Geisteslebens. Aus der Erkenntnis aber dieser Richtung steigt ihm, sowie er sich ganz seiner Gläubigkeit überläßt, der tiefere Sinn hinter all der ver־ wirrenden Vielfältigkeit alles dessen auf, was sich heute geistig in Deutschland vollzieht. — Jüdische Leser dürfte es besonders interessieren, wie einem so durchaus und betont katholischen Denker, wie Hermann Bahr es ist, Gestalt und Lebenswefk eines Martin Buber erscheint, dem 'Bahr in seinem Buche einen besonderen Aufsatz widmet. Spesz: Okkultismus und Wunder. (Verlag Franz Borgmeyer, Hildesheim.) Auf knappem Raume wird hier 'Versucht, den ganzen Pröblem'komplex dest Okkultismus einer kritischen Analyse zu unterziehen. ‘ )Sin . solches!Problem •ist auch das Verhältnis des Okkultismus zum Wunder, das der Verfasser in den IVfittelpunkt seiner Untersuchung stellt. Das Buch ist vom, Standpunkt des ■überzeugungstreuen Katholiken geschrieben und verfolgt ,vor allem apologetische Zwecke. Darüber hinaus wird äber jeder religiös positiv eingestellte Leser reiche Be# lehrung daraus schöpfen. Aufdas reiche Literaturver# zeichriis im Anhang des Buches sei besonders verwiesen. Ewald Banse: Abendland und Morgenland. 248 Seiten auf Mattkunstdruckpapier mit 294 Abbildungen :auf 238 Tafeln. (Verlag von Georg Westermann, Braun# schweig und Hamburfg.) ״Landschaft, Rasse, Kultur zweier Welten“ heißt der Untertitel dieses wundervollen Bilderwerkes. In klarer Gliederung laufen die beiden Teile ״Abendland und Morgenland“ parallel. Das Wesen dieser beiden Welten wird auf knappste Formel gebracht, in je vier Bildergruppen: Landschaft (Stadt, Dorf und Haus), Rasse, Volk und Mensch (Kultur). Hinweise unter jedem Bilde beleuchten das Wesentliche und ermöglichen fortlaufende, tiefschürfende Vergleiche zwischen Abend# land und Morgenland. Anschaulicher, packender,, un# mittelbarer können Land und Leute nichf dargestellt werden. Hier steigert Banse seinen Gedanken der neuen Geographie, der Geographie als Kunst, zu geographischer Wesenschau. Man mag das Buch aufschlagen, wo' man will, überall wird das Auge zum Verweilen, der Geist zum Weiterspinnen der hingeworfenen Gedankenfaden eingeladen, und die knappe, auf scharfe Antithesen: ge# stellte. Einleitung gibt gleichsam den Grundriß, nach welchem Geschichte und Natur, Rasse und Landschaft ihr Werk geschaffen haben, dessen Eckpfeiler Abendland und Morgenland uns am nächsten stehen. Das Buch stellt ein wertvolles Stück geographischer Kulturarbeit dar, es vermeidet die öde Anhäufung trockenen Wissen־ Stoffes und gibt statt dessen lebendige Anschauung und pulsierendes Leben. Die außerordentlich gut gelungenen Wiedergaben und die hervorragende Ausstattung machen das Buch zu einem vorzüglichen Geschenkwerk. Emanuel bin Gorion: Ceterum recenseo. Kritische Aufsätze und Reden. (Alexander Fischer Verlag in Tü# hingen.) Das kleine Buch, 14 Aufsätze enthaltend, will als Anfang zu einer radikalen Umgestaltung der heutigen Kritik dienen. Es behandelt einige Vertreter, dessen, was sich moderne Literatur nennt, und stellt dem gegenüber den Hinweis auf ein verborgenes wahrhaft literarisches Deutschland der Gegenwart. Angegriffen und in ihren Werken analysiert werden Stefan Zweig, Arnold Zweig, Franz Werfel, Emil Ludwig,, Hermann Hesse, Martin Buber; rückhaltlos bejaht werden wiederum Morifz Hei# mann, Joseph Wittig, Hans Voß und Remarque. In dem negativen Teil soll nicht nur das Nicht־Berufensein der Betreffenden Koryphäen, sondern ihre geradezu schädi# gende Wirkung aufgezeigt werden; im Verlaufe der den einzelnen Pseuäo־Dichtungen gewidmeten Abhandlungen wird zu deuten versucht, was eigentlich Dichtung, Inhalt, Form und Sprache sind. In der Reihe der den Götzen gegenübergeiteilten Persönlichkeiten wird auf ׳Erschei# nungen aufmerksam gemacht, von denen entweder nie# mand spricht, oder die, wenn sie schon berühmt sind, in ihrer Einmaligkeit nicht erkannt und von der berufs# mäßigen Kritik mißverstanden werden. Ludwig Hatvany: Bondy jr. Ein Roman vom Kampf «des Juden ־um das Bürgertum. (Drei#Masken# Verlag, München.) In dieser Familiengeschichte großen Stils wird die machtvolle Arbeit des Aufsaugungsapparates einer lib'eral־verbürgcrlichten Nation geschildert, wie sie die herandrängenden Bewohner des Ghettos an sich zieht und assimiliert. ,Der Roman erzählt, wie Menschen lieben und sterben, wie sie nach Geld jagen, gewinnen und verlieren. Nach den derben und rohen Konquistadoren des Geld־ erwerbs der aus Mähren nach Ungarn eingewanderten Bondy־Ahnen wächst als Hauptgestalt des Romans das sensible Kind Sigi Bondy auf, der echte Sohn eines frei# sinnigen Zeitalters, in dem sich die Schwärmerei für vater# ländische Landschaft und Dichtung merkwürdig mit Geld# gier und Geschäftstüchtigkeit mischt. Ein jüdischer Jean# Christophe, der sich zwar nicht zum Musiker, wohl aber zum Künstler des Handels und der Industrie heranerzieht. Die Probleme unserer Zeit: Bürgertum, Nationalität, Judentum werden in einer fesselnden Fabel in einem durch das ungarische Lokalkolorit grell belichteten Milieu davgcstellt. Scfer-Chassitlim über die Blutprobe. Das Abendblatt der ״N. Fr. Pr.“ vom 3. September d. J'. bringt folgende interessante Notiz: Angeregt durch den in unserer Beilage vom Sonntag den 3t. August er# sebienenen Artikel ״Verbrechen und Blutprobe“ von Ed# win T. Woodhall, macht uns der Brunner Arzt Dr. Emil Heinburg in dankenswerter Weis'e auf eine Stelle in dem bekannten Werk von Hermann I.. Strack ״Der Blutaber# glaube in der Menschheit, Blutmorde und Blutritus“ auf# merksam, wo eine sehr interessante Form der Blutprobe mitgcteilt wird, die kaum in weiteren Kreisen bekannt sein dürfte. Fis heißt dort: ״In dem ״Buch der Frommen“ von Jehuda ben Samuel dem Frommen, der um 1200 in Regensburg lebte, wird zur Begründung der Vorstellung, daß Eltern und Kinder auch in physischer Hinsicht einen Körper bilden, folgendes mitgeteilt: Ein reicher Mann fuhr mit seinem Diener über das Meer und nahm eine große Summe Geldes mit. Bald . darauf starb er in der Fremde. Da bemächtigte sich der Diener aller Schätze, indem er .sich für den Sohn ausgab. Kurze Zeit nach der Abreise des Mannes aber hatte die schwanger zurück# gebliebene Frau einen Sohn geboren. Als dieser heran# gewachsen war, wendete er sich an den Gaon Saadja (lebte in Sura 892 bis 942). Der Gaon riet ihm, zum König zu gehen. Der König beauftragte Saadja, die Sache zu entscheiden. Dieser ließ beiden zur Ader und legte dann einen aus des Vaters Grabe geholten Knochen in das Blut des Dieners. Jedoch der Knochen sog das Blut nicht auf. Wohl aber geschah dies, als der Knochen in das andere Blut gelegt war, denn sie waren ein Körper. Da gab Saadja das Vermögen dem Sohne.“ Das erste große Nachkriegslexikon vollständig. Durch die gewaltigen geistigen und materiellen Verände# rungen der letzten 15 Jahre sind alle. Nachschlagewerke ‘ der 'Vorkriegszeit überholt. Der erste Verlag, der es nach der Stabilisierung wagte, ein großes, allumfassende^ Lexikon herauszubringen, war das Bibliographische In# stitut mit seiner Neuausgabe von ״Meyers Lexikon“ in 12 Bänden. Das Werk, das in geradezu klassischer Klarheit das gesamte Wissen unserer Zeit zusammenfaßt, wird demnächst vollständig. Wie uns der Verlag mitteilt, erscheint der letzte Band (Traunsee bis Zz) Mitte Sep# tember. Man kann sich also dann mit einem Griff auch über den Weltkrieg, den Young#Plan usw. unterrichten. Der neue’ ״Meyer“ ist damit das erste und wohl auf Jahre hinaus einzige, abgeschlossene, moderne große Nach# schlagewerk. , Dr. Viktor Engelhardt: Die geistige Kultur Aegyptens, Babyloniens und Judas. (2. Band der Ge# schichte der geistigen Kultur. Verlag Ph. Reclam, Leipzig.) — Das vorliegende Buch stellt den zweiten, in sich selb־ ständigen Band von Engelhardts ״Geschichte der geisti# gen Kultur“ dar. Es bringt eine eingehende und zusam# menfassende Darstellung der geistigen Kultur der Länder des vorderen Orients, wobei naturgemäß der religions# geschichtliche Moment im Vordergrund steht. — Die uralten Reiche der ' Sumerer und Babylonier werden lebendig. ■— Dem geheimnisvollen Aegypten ist der ganze erste Teil des Buches gewidmet. Wir lernen Kunst und Kultur des Nillandes aus ihrem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung be# greifen. Schwächer geraten ist der Abschnitt über die religiöse Entwicklung des Judentums. Hier hat sich der Verfasser von den landläufigen Ansichten über Nomaden# glauben und ritueller Erstarrung im Talmud nicht frei# machen können. Das leidenschaftliche religiöse Pathos, das eine jede talmudische Diskussion, auch eine solche über Angelegenheiten des Ritus durchzittert, findet ja A k. MEYERS LEXIKON Die neue, siebente Auflage in 12 Halblederbänden wird Sommer 1930 voll•■ ständig sein und 363 RM. kosten MEYERS LEXIKON verbindet zeitgemäß Jcnappe Fassung und Übersichtlichkeit mit größter Reichhaitlgkeit in Text, Bildern und Karten MEYERS LEXIKON gibt auf jede Frage sofort unfehlbar richtige Antwort und ist dor zuvorlässigste Berater In jeder Lebenslage MEYERS LEXIKON ersetzt eine umfangreiche Bücherei und Ist deshalb billig. Bequeme Teil- Zahlungen erleichtern die Anschaffung MEYERS LEXIKON ist d dreh Jede Bu chhandlung zu beziehen. Ankündigungen mit Bezugsbedingungen kostenfrei. Bestellen Sie noch heute MEYERS LEXIKON r mit wenigen Ausnahmen in den modernen religions# geschichtlichen Darstellungen leider wenig Verständnis i.. Ein besonderer Vorzug• des Buches sind die sehr über# sichtlich gehaltenen und ausführlichen Literaturangaben. Lamparter. Eduard, Stadtpfatrer a. D.: Das Juden# tum in seiner kultur־ und religionsgeschichtlichen Erschei# nung. (Leopold Klotz Verlag, Gotha.) Inhalt des Buchs ist nicht eine Geschichte des Judentums. Es will eine Antwort auf die Frage geben: Was hat das Judentum im Laufe von. drei Jahrtausenden der Menschheit an kul# turellcn und religiösen Werten übermittelt? Die Grund# läge der Darstellung ist eine wissenschaftliche, denn diese beruht auf wissenschaftlich feststehenden Tatsachen. Aber die Darstellung selbst ist von dem Bemühen um Klarheit, Uebersichtlichkeit und Gemeinverständlichkeit geleitet. Denn das Buch wendet sich an die breiten Schichten der Gebildeten, soweit sie nicht zu den grund# sätzlichen Verächtern des Judentums gehören. Selbstver# stündlich setzt sich der Verfasser mit den Grundgedanken des Antisemitismus auseinander. Aber es handelt sich ihm im wesentlichen um eine sachliche Darstellung der Tatsachen, welche die religiöse und kulturelle Bedeutung des Judentums ins rechte Licht zu rücken vermögen. Diese Tatsachen sollen für sich selbst sprechen. Denn der Verfasser ist überzeugt, daß, je mehr die Wahrheit und das Wissen über das Judentum unter dem Volk verbreitet wird, um so mehr diesem die Augen über die deutscher und christlicher Gesinnungsart widerstreitende Natur des Antisemitismus aufgehen werden. Chajim Bloch: Priester der Liebe. (Amalthea# Verlag, Zürich#Leipzig#Wien.) Im Chassidismus, jener von Rabbi Israel Baal#Schem#Tow inaugurierten religio# sen Bewegung eines Teiles der osteuropäischen Juden, fand das mystisch#religiöse Judentum seine uralte Wurzel; im Chassidismus hat sich die tiefe Sehnsucht der schmach# tenden, bedrückten polnisch#russischen Juden, der Men# sehen mit dem Märtyrertrieb erfüllt. Martin Buber hat in seinen Schriften den deutschen Leser mit dem chassidi# sehen Gedanken bekanntgemacht. Aber er war ein Tastender, ein Suchender, ein Pfadfinder, und es dauerte lange, bis seine Seele Wurzel fand. Neben ihm bearbeitet Bloch das gleiche Gebiet, doch als einer, -der nie vom chassidischen Wege abgewichen ist und bis zum heutigen Tage im Chassidismus lebt und ihn immer von neuem erlebt. Er ist in der Bewegung aufgewachsen und ist ihr trotz seiner westlichen Bildung treu geblieben. So erhält denn sein Buch etwas Frisches und Lebendiges. Broder Christiansen: Das Gesicht unserer Zeit. (Felsen#Verlag, Buchenbach in Baden.) Man schaut wie aus einem Turmloch auf das Treiben unten: die ganze Breite der־ Gegenwart wird sichtbar in klaren Entwick# lungszügen: in der Ferne Umrisse des Kommenden. Das Buch erinnert in seiner Sprache an den Stil moderner Baukunst: eine kühle Helle, glasklar, phrasenlos knapp, geschliffen. Der Verfasser, Jahrzehnte eingefangen in enge Weltabgeschiedenheit, dadurch feinspürig geworden wie ein Seismograph, plötzlich ziiriickgegeben in die Wirklichkeitsweite: und nun die Gegenwart* so־ stark er# lebend wie kein anderer. . Er zeigt den Stilwandel der Kunst, der Kleidung, des Tanzes, der Handschrift, der Liebe, der Erziehung, der sozialen Einstellung, der Philo# sophie, des religiösen Glaubens: in allem findet er das gleiche Wandlungsgesetz. Er erschließt aus der Aufeiu# anderfolge der drei letzten Generät.ionsstile, Impressionis# mus, Expressionismus und neuer Sachlichkeit, stilfolge# logisch den kommenden Stil: die neue Dynamik. ־ Walter Steinthal: Dreyfus. Mit einer Einführung von Gustav Radbruch. (Oesterheld & Co. Verlag, Berlin W. 15. Das vorliegende Werk entwirft in knappen; wirk# lichkeitsgetreuen Zügen׳ das Gesamtbild der Affäre^ Drey# fus. Es führt in das Milieu der internationalen Spionage, hinter die Kulissen der Kriegsgerichte, hinter die Mauern der Gefängnisse, in die Kabinette der höchsten׳ und ge# heimstfen Politik. Es schildert,׳ wie das Drama eines Un# schuldigen auf dem Weg über die Politik zur Tragödie eines ganzen Volkes wird, wie um einen einzelnen Mann ein Volk sich spaltet, Bürgerkrieg und Rassenhaß ent# fesselt und, 'um ein Haar, ein europäischer Krieg herbei# geführt wird. Es schildert aber auch den genialen geistigen Aufstand des französischen Volkes, das sich von der Schmach eines parteiischen Fehlurteils reinigt und den von. dunklen Kräften mißbrauchten Staat zur Entwicklung ins Freie zwingt. Ein großer Teil des Buches gilt der deutschen Politik der damaligen Jahre, insbesondere den Gestalten des Staatssekretärs von Biilow und Wilhelm II., denen beiden eine so bedeutsame Rolle im Dreyfus#Drama zufiel. Es ist die erste buchmäßige Darstellung des Ge* samtfalles in deutscher Sprache und in diesem Sinn, trotz seines bequemen Umfanges und seines billigen Preises, ein Standardwerk. Palästina. Die Länder der Heiligen Schrift mit über 300 Abbildungen in Kupfertiefdruck, von Karl Gröber. (Atlantis#Verlag, Berlin.) Der Atlantis#Verlag hat sich in seiner beachtliche« Sammlung ״Orbis Terrarum“ das Ziel gesteckt, alle Länder der Erde im Bild zu zeigen. Geplant sind etwa 30 Bände, von denen bisher 17 er# schienen sind. Aus den bereits erschienenen Bänden kann inan ersehen, daß die Sammlung ״Orbis Terrarum“ keine trockene Reisebeschreibung oder nur Denkmäler der Architektur und Kunst oder nur das zufällige Straßen# bild wiedergibt; Baukunst, Landschaft und Volksleben zeigen sich unserem Aug& in all ihren gegenseitigen Be# Ziehungen. Besondere Beachtung verdient das vor kurzem in der ״Orbis־Terrarum“#Serie erschienene Werk ״Pa# lästina“ (in Leinen RM. 26.—, in Halbleder oder Halb# Pergament RM. 35•—9, zeigt es uns doch die uns von Jugend auf vertrauten, ehrwürdigen Schauplätze des bibli# sehen Geschehens, die oft so ganz anders aussehen, als wir sie uns in unserem Geist ausmalten. Neben Palästina bewundern wir noch Syrien, Mesopotamien und Arabien mit ihren ׳ zum Teil gigantischen Ueberresten alter und ältester Kulturen der Vergangenheit. Dr. Karl Gröber, dem wir die Mehrzahl der 304 Aufnahmen dieses Palästinawerkes verdanken, setzte an seinen Anfang eine entsprechende geschichtliche ־ Einleitung.׳ ■Hervorgehoben zu werden verdient noch die gute Ausstattung des Werkes; die Aufnahmen sind in: Kupfertiefdruck ausgezeichnet wiedergegeben. . . ■

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