Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 38-39 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite '4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 38/39 Vom Tage. Nach den deutschen Reichstagswahlen. Von unserem Berliner Korrespondenten. ״Ruhig Blut“ — so überschreibt heute das Zentrums־ organ, die ״Germania“, seine Wahlbetrachtung. Mit dieser treffsicheren Formulierung ist die dringendste politische Forderung des Tages klar und scharf umrissen. Angesichts der durch den Wahlausfall neugeschaffenen politischen Situation gilt es nicht, Jeremiaden anzustimmen und pessi־ mistischcr Zukunftsmutmaßung das Wort zu reden, sondern vor allem die Tatsachen kühl und sachlich ins Aüge zu fassen und sie in ihrer wahren Bedeutung richtig einzuschätzen.. Lassen wir vorerst die Tatsachen sprechen. Sechs Millionen vierhunderttausend Wähler sind dem Rufe der nationalsozialistischen Arbeiterpartei gefolgt, die nun unter Führung Dr. Fricks 106 Mandatare in den neben Reichstag entsendet. Diese Ziffern erweisen einen Erfolg, der die kühnsten Erwartungen bei weitem über־ troffen hat und wohl in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus ohne Beispiel dasteht. Solch märchen־ hafter Aufstieg einer Partei, die im letzten Reichstag bloß über 13 Sitze verfügte und nunmehr mit einem Schlage zu einem machthcischcndcn Faktor ersten Ranges geworden ist, gibt viel zu denken und läßt die Frage berechtigt er־ scheinen, ob dieses Votum breitester Wählcrmassen ideologischer Fundierung auch tatsächlich entspricht. Wollte man hierüber eingehende Klarheit gewinnen, so müßte hier zunächst eine Typologie des deutschen Wählers versucht werden, eine Aufgabe, die, so reizvoll und verlockend sie auch ist, doch den Rahmen dieser kurzen Betrachtung sprengen würde. Das Prinzipielle solcher Darlegung müßte in der Feststellung gipfeln, daß für die Haltung des deutschen Wählers geistige Labilität charakteristisch, staatsbürgerliche LJnreife. um nicht zu sagen politischer Infantilismus, ursächlich ist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die überwältigende Majorität der Hitlerleutc mit den programmatischen Konstruktionen der Partei eine bloß nebelhafte Vorstellung verbindet und daß sie von dem Lockruf des Münchener Rattenfängers betört wurde, der in pathetischen Tiraden eine grundstürzende Acnderung der bestehenden Verhältnisse, den baldigen Anbruch des ״dritten Reiches“ verkündet. Worauf es aber im konkreten Falle ankommt: Diese unerhörte Werbekraft resultiert aus der mit den Mitteln unglaublichster Infamie betriebenen Judenhetze, die in der wirtschaftlichen Tief־ Situation breitester Massen einen mächtigen Resonanz־ bolden gefunden hat. Daß beinahe 6K> Millionen deutscher Menschen von dieser ״Erkrankung des deutschen Volks־ gemütes“ infiziert sind, zeigt die Größe der Gefahr, läßt die ungeheuren Schwierigkeiten erkennen, die den Kampf um die Daseinsbedingungen der deutschen Juden wesent# lieh verschärfen. Wessen man sich von der parlamentarischen Tätig־ keit der Nationalsozialisten zu versehen hat, ist im gegen־ wärtigen Augenblick noch völlig unklar. Die politische Situation ist verworrener denn je und gestattet vorläufig noch keinerlei reale Kombination. Doch geht man nicht fehl anzunehmen, daß die ’’kommende Reichstagssession stürmische Judendebatten bringen wird und daß die Nationalsozialisten.zu schweren Attacken gegen die staats־ rechtliche Stellung der jüdischen Bürger ausholen werden. Wenn auch solche Vorstöße praktisch bedeutungslos er־' scheinen, so ist dennoch hier erhöhte Wachsamkeit dop־ pclt am Platze. Mögen auch Erwägungen solcher Art Depressions־ gefühle austösen, so sei andererseits auch jenes Aktivum ׳ in Rechnung gestellt, das auf Konto der Katastrophen־ wählen zu setzen ist. Der antisemitische Generalansturm hat die deutschen Juden, und auch die indifferentesten unter ihnen, zur Abwehr gedrängt, er hat sie die Front ■enger schließen lassen und fhr Gemeinschaftsbewußtsein erheblich gestärkt. Solch äußerer Zusammenschluß wird naturnotwendig auch zur Verinnerlichung führen, wird die deutschen Juden in ihrem Kampfe für die Gemein־ schaft durch intensivierte Arbeit in der Gemeinschaft er־ starken lassen. Düster und zukunftsschwer lastet der Druck dieser Tage. Trotz all dem: ״Ruhig Blut!“ — Das ist auch für die deutschen Juden das Gebot der Stunde. Kalenderreform und Völkerbund. , (J. T. A.) Das Präsidium des Weltverbandes der Schomre Schabbos sandte das folgende Schreiben an den Völkerbund: ״Das Unterzeichnete Präsidium des Weltverbandes für Sabbatschut? ״Schomre Schabbos“ beehrt sich, Ihnen ergebenst ,von der, nachstehenden Resolution Kenntnis zu geben, die von dem ersten Sabbat־ Weltkongreß ein־ stimmig angenommen worden ist:!. ״Der in Berlin vom 24. bis 26. August 1930 tagende Sabbat#Weltkongreß hat sich mit der geplanten Ka־ lenderreform eingehend beschäftigt. Von der Erkenntnis getragen, daß die Heiligung des siebenten Wochentages im göttlichen Schöpfungswerk unlöslich verankert ist, richtet der Weltkongreß den Appell an die gesamte Kulturwelt, ith besonderen an alle Instanzen, die sich mit einer Abänderung des Kalenders befassen, diese in einer Weise durchzuführen, durch die die Unverriickbarkeit des Sabbats gewährleistet wird. Unerträgliche Seelennot müßte für die gesamte Judenheit die Folge sein, wenn der Kalender durch Ein־ Setzung eines Blankotages einen beweglichen Sabbat vorsähe.“ Zur Erläuterung djeser Resolution gestatten wir uns, folgendes ergebenst auszuführen: Der von uns einberufene Weltkongreß hat sich mit allen Fragen, die sich auf die Erhaltung und Rettung des durch verschiedene Umstände in der Gegenwart bedrohten jüdischen Sabbats beziehen, befaßt. An ihm haben etwa 260 Delegierte aus nahezu allen von Juden bewohnten Staaten Europas sowie aus Palästina, Amerika und Süd־ afrika teilgenommen, so daß die Entschießungen dieses Kongresses als der Wille der gesamten Judenheit der Welt angesehen werden dürfen. Zu den Problemen, die erörtert worden sind, ge־ hörte in hervorragendem Maße das der Kalenderreform. Beachtung. und Zustimmung haben die Erwägungen ge־ funden, die eine solche Reform als erforderlich oder nützlieh erscheinen lassen. Auf der anderen Seite wurde es als mit modernem Rechtsempfinden unvereinbar erklärt, wenn die geplante Reform etwa nur durch Verletzung religiöser Gefühle, durch Zerstörung uralter geheiligter Traditionen, durch Vernichtung zahlreicher Existenzen zu erkaufen sein sollte. Eine solche Wirkung wird, aber die Reform des Kalenders haben, wenn bei Annahme irgend eines . Reformvorschlages mit Blankotag der siebente Tag der LebensversiGhenuigs - Gesellschaft l!llll!lllllllllllll!IIIIIIIIIIIHIIIIII!llllllllllllllllllllllll₪ Gegründet 1882 Gegründet 1882 I Versidierongsbesfand Ende Joni 1930 2130 Millionen Silliiig i i ßarantlemittei Ende 19Z9 . 300 Millionen Hing |! Prämien-11 Zneimalien 1 im Jahre 1929 ....... 12572 Millionen Mitling | | Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: I 1 § ן Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische 1 1 Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, 1 | Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- § | Iand, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten | luumntuiummmul Woche, der für den Juden und jeden Bibelgläubigen mit der gütlichen Weltschöpfung unlöslich verknüpft ist, als ein beweglicher erklärt wird. Der religiöse Jude würde bei dieser Regelung der Dinge genötigt werden, entweder den nach den erwähnten Reformvorschlägen in den ver# schicdenen Jahren auf verschiedene Wochentage fallenden Sabbat trotz unerträglicher Beeinträchtigung seiner Existenzmöglichkeit weiter wie bisher zu beobachten oder ihn unter schwersten Gewissensnöten zu entweihen. Der Sabbat־Weltkong1־eß hat aus diesen Gründen die obige Resolution angenommen, zugleich aber nach einem Ausweg gesucht. Einen solchen erblickte der Kon־ greß darin, daß an Stelle des beabsichtigten Blankotages in jedem fünften bezw. sechsten Jahre des neuen Kalen־ ders eine Schaltwoche oder nach Ablauf von 22 Jahren ein Schaltmonat eingefügt wird. Weder die Einfügung einer Schaltwochc noch ganz besonders die Einfügung eines Schaltmonates würde eine größere Belastung für die neue Kalcnderära bedeuten als die Einführung von jähr־ liehen Schalttagen (Blankotagen), die ja an sich keine prinzipielle Bedeutung im System der betreffenden Reformvorschläge hat, sondern nur der Verlegenheit ent־ springt, wie man den überschüssigen Tag am Ende jeden Sonnenjahres unterbringen solle. Durch die Annahme des einen oder des anderen Auswegs könnte einerseits durch־ aus den Bestrebungen für eine Reform des Kalenders, andererseits zugleich den religiösen Gefühlen von Mil־ Honen von Menschen Rechnung getragen werden. Zum Schlüsse sei uns gestattet, noch folgender Er־ wägung Ausdruck zu geben. Anerkannterweise hat das jüdische Religionsgesetz der Menschheit die Idee eines wöchentlichen Ruhetages geschenkt. Viele Jahrhunderte hindurch hat die Judenheit diesen erhabenen Gedanken allein gepflegt, bis die übrige. Menschheit nach und nach in der einen oder anderen Form die Einrichtung des wöchentlichen Ruhetages über־ nommen hat. Vielleicht dürfen wir Juden die Hoffnung hegen, daß auch die Pflicht der Dankbarkeit den Völkern eine Berücksichtigung unserer Wünsche gebieten wird. Wir vertrauen, daß alle an der Neuordnung des Kalenders interessierten Staaten und vor allem der Völker־ bünd selbst im Sinne seiner hohen Aufgabe nichts unver־ sucht lassen werden, um einen alle Teile befriedigenden Ausgleich durchzusetzen.“ 0 Nachrichten ישיבה Vorbereitungs- und Handelsschulkurs der Jessed Hathora. Seit vielen Jahren konnte die Leitung der Jessod Hathora feststellen, daß die schulentwachsene Jugend gleich nach Beendigung der Bürgerschule, ohne genügende Vorkenntnisse, eine ישיבה aufsucht. Ohne entspre־ chende Vorbereitung ziehen diese jungen Leute aus, und da sie fast durchwegs nur ein Jahr auf der ישיבה ver־ bringen, kehren sie auch unwissend zurück. Ist schon der nur einjährige Aufenthalt auf einer ישיבה an und für sich viel zu gering, so erreicht man in dieser kurzen Zeit erst recht nichts, wenn man' dorthin wenig Vorkenntnisse mitbringt. Wie sehr begrüßens־ und förderungswert das Drängen unserer Jugend zur ישיבה auch ist, wie glücklich wir uns auch schätzen müssen, daß die Jugend einsieht, ohne ״Lernen“ kein Pflichtenleben, so wäre dieser sicherlich mehr gedient, wenn sie ihre ישיבה *Zeit, bei gründlicher Vorbereitung, besser ausniitzen könnte. Die Wurzel , dieses Uebels, des ־ zu frühen Aufsuchens einer ישיבה und des baldigen Abganges von einer ישיבה liegt sicherlich auch in unseren wirtschaftlichen Verhält־ nissen. Unsere Jugend fürchtet, den .Kampf des Lebens nicht bestehen zii können, wenn sie zu spät ihre kauf־ männischc Ausbildung anstreben würde, deshalb will sie rasch ihrer ״Lernpflicht“ genügen. Diesem unhaltbaren Zustande will die ״Jessod־Hathora“ abhelfen. Dem ישיבה" Vorbereitungskurse soll ein; einjähriger Handelskurs an־ gegliedert werden, damit?während des Vorbereitungs־ jahres für das Jeschiwolernen, die Schüler gründliches Wissen für ihre spätere kaufmännische Laufbahn erlangen. Geplant ist für diesen Kurs das Lernen der verschieden־־ sten Fächer jüdischen NVissens während des ganzen Tages durch eine direkt hiefür bestellte tüchtige Lehr־ kraft. In den Abendstunden sollen alle Fächer des Han־ dels und kaufmännischen Wissens in Verbindung mit einer Fremdsprache unter Leitung einer hervorragenden Persönlichkeit gelehrt werden. Der ganze Tag soll voll und ganz dem Lernen gewidmet sein, wodurch unsere Jugend auch dem von vielen befürchteten etwaigen bösen Einflüsse der Großstadt entzogen werde. Durch diesen Kurs verlieren die Schüler bei ihrer kaufmänni־ sehen Ausbildung k e ine Z e i t, gewinnen aber ein volles Jahr für die ישי ב ה Vorbereitung lind sie* werden mit 'entsprechendem jüdischen -Wjssen. ausziebe;nd; mit, rpeht Erfolg von der ישיבה zurückkommen. Die Eröffnung des Kurses hat bereits am 16. September begonnen. Anmel־ aungen werden noch bis nach den.ימים טובים täglich, mit Ausnahme von שבת in der Schulkanzlei, IL, Nestroy־ gasse 11, zwischen 8 bis 12 Uhr vormittags und 2 bis 6 Uhr nachmittags entgegengenommen. Kundmachung. Es gibt viele orthodoxe Familien, welche gar keine Marmeladen verwenden, weil dieselben aus verschiedenen Zusatzmitteln erzeugt werden. Ich erlaube mir daher, das orthodoxe Publikum aufmerksam zu machen, daß ich sämtliche Marmeladen in allen Packungen o h n e Zusatz von Gelatine, welche טרסה ist, herstelle. Die Erzeugung stellt unter strenger Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabb. S. Fürst, Adas Jisorcl (Schiffschul) Wien. Verlangen Sie überall die einzige koschere Marmclade (Marke Fürst). In sämtlichen Lebensmittelgeschähen erhältlich. Oistbkonservenfabrik Brüder Fürst, XIX.. Heiligenstädterstrafie 119. Achtung!!! Wir verweisen unsere p. t. Leser auf das in unserer heutigen Nummer erschienene Inserat der Firma Em. Schulz, Wien, XIV., Brauuhirsehcngasse Nr. 3 (Tel.: R 33-1-87). Die Firma ist eine sabbathaltende und überdies gibt sie aus dem Erlös der Jahrzeitlichter eine bestimmte Summe auf dem Wege der ,Rabbi-Maier-Bal-Nes-Biichse für Inistitutionen und Arme in Erez Jisorel. Jeder thoratreue Jude wird gerne bei der Erfüllung eines Gebotes der Pietät obige Momente beachten. Nachtrag. Das in unserer vorigen Nummer in dem mit ״Keren Hathora und Beth־Jakob“ überschriebenen Artikel gebrachte Bild stellt den Präsidenten des südafrikanischen Beth־Jakob־Komitees Rabbiner S. Rosenzweig dar. Gründung eines Erholungsheimes für die thora־ lernende Jugend. Wie wir erfahren, hat der Vorstand des Landesverbandes der jüd. Jugendvercinigungen Oester־ reichs i. d. A. J. die Gründung eines den modernen An# forderungen in jeder Hinsicht entsprechenden Erholungs־ heimes vornehmlich für die in den Talmud Thoras 1er־ nende Jugend beschlossen. Die Aktion wird gleichzeitig mit der כתיבה eines ס״ת dergestalt verbunden, daß auf den Namen eines Spenders von mindestens S 1.25 ein Buchstabe in das פר תורה□ geschrieben wird. Das Heim soll von einem besonderen Kuratorium verwaltet werden. Personen oder Korporationen, die S 10.000 aufbringen, er־ halten einen Sitz in demselben. Czortkow. (Unlieb verspätet.) Am 17. Aw verblich im Alter von 70 Jahren der Czortkower Rabbiner הרב הג׳ ר׳ ישראל ראפסאפארט!"צל Tausende Männer, Frauen und Kinder gaben ihm das Geleite, sämtliche Läden in der Stadt waren geschlossen. In der großen Schul hielt der Probuzer Raw einen tiefempfundenen Hesped. Der Ver־ blichene war ein Kollege des Buczaczer Gaon s. z. 1., beide Schüler des Rymanower Gaon Weidenfeld. Als Kauf־ mann in Rußland widmete er ganze Nächte dem Thora־ Studium. Durch mehr als 25 Jahre Rabbiner in Czortkow, errang er sich durch sein gewaltiges Wissen und seine hervorragende Klugheit einen großen Namen. In Katto־ witz, bei der Gründung der Aguda, war er der Vertrauens־ mann der Großrabbiner aus der Riziner und Wiznitzer Familie, und vornehmlich sein Einfluß war es, der die־ selben für die Aguda gewann. Bei der ersten Kenessio hatte er für die Aguda in Ostgalizien einen schweren Kampf zu führen. Er hinterließ handschriftlich eine große Anzahl Responsen mit den größten Autoritäten seiner Zeit. Er war die sechste Generation des Baal Sehern tow und die fünfte des Czenobler. Sein Verlust für das ost־ galizische Judentum und für die Judenheit im allgenieinen ist groß. Jahresbudget der Warschauer jüdischen Gemeinde. In der unter dem Vorsitz des Gemeindepräsidenten Abg. Farbstein abgehaltenen außerordentlichen Sitzung der Warschauer* jüdischen Gemeinde wurde das Budget fiir das Jahr 1931 mit 5,125.228 Zloty festgesetzt. Es wurde beschlossen, dem Jiddischen Theater eine Subvention zu bewilligen unter der Voraussetzung, daß am Freitagabend und Sonnabend Mittag keine Vorstellungen gegeben werden. Die jüdischen Schulen erhalten eine Subvention unter der Voraussetzung, daß man in ihnen Unterricht in der Heiligen Schrift erteilt und die Lehrer und Schüler Kopfbedeckung dabei tragen. Unaufhörlicher Steuerdruck in den jüdischen Klein־ Städten. (J. T. A.) Die in Minsk erscheinende jiddische kommunistische Zeitung. ״Oktiabr“ bringt weitere Talt־ Sachen über die steuerliche Bedrückung der ärmsten jüdi־ sehen Bevölkerung in den Kleinstädten. In dem Städtchen Schurowitsch wurde ein 70jähriger Kustar, der ver־ krüppelt ist und nicht einmal genug verdient, um sich sattessen zu können, mit 70 Rubel besteuert; ein armer Schmied, dessen ganzer Besitz sein Hammer und sein Amboß sind, wurde mit 120 Rubel, der Pächter eines Obstgartens, der insgesamt 270 Rubel Pacht zahlt, wurde mit 1000 Rubel besteuert. Arabischer Protest gegen die Renovierung des RacheLGrabes. (J. T. A.) Die Araber haben dagegen Protest erhoben, daß Wiederherstellungsarbeiten am Grabe Rachels vorgenommen und Sitzgelegenheiten vor dem Grabe geschaffen werden. Bisher haben die das Grab besuchenden Juden immer Stühle mitgebracht und Ausbesserungen vorgenommen, ohne daß Widerspruch er# hoben worden wäre. 93.000 Wahlberechtigte für die Wahlen in die jüdische Nationalversammlung Palästinas. (J. T. A.) Nach der soeben abgeschlossenen Zählung wurden in die Wahl־־ liste für die jüdische Nationalversammlung (Knesseth Israel) 93.000 Wahlberechtigte aufgenommen, von denen 27.000 in Jerusalem, 30.000 in Tel־Awiw und 10.000 in Haifa ansässig sind. Die Wahlen werden voraussichtlich im November stattfinden. Italien für Revision des Palästina־Mandats? (J. T. A.) Das ״Journal de Genöve“ veröffentlicht einen Artikel seines römischen Korrespondenten, in welchem über das lebhafte Interesse berichtet wird, mit dem die faschisti־ sehe Presse den Bericht der Mandatskommission und seine Beantwortung durch England verfolgt. Einige italienische Blätter geben der Hoffnung Ausdruck, daß es möglich sein werde, durch eine diplomatische Aktion des Vatikans, die bisher im Mandat nicht berücksichtigten Rechte der römisch־katholischen Kirche zur Geltung zu bringen. Der Korrespondent des ״Journal de Geneve“ kommt zu dem Schlüsse, daß man in Italien einen momen־ tanen Ausgleich der gegensätzlichen Interessen für eine unzureichende Lösung der Palästina־Frage und das Man* dat selbst für revisionsbedürftig halte.