Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 37 (12.9.1930)
- Date
- 1930-09-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630341-2630377--3725-2635767- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 57 Seite 3 JÜDISCHE PRESSE Seins bedeutet, auch noch einige bürgerlichen Parteien um die jüdischen Stimmen. So hat die aus der Demokra־ tischen Partei, der Volksnationalen Vereinigung und dem ehemals antisemitisch eingestellten Jungdeutschen Orden zusammengeschweißte ״S t a a t s p a r t e i“ an aussichts־־ reicher Stelle den 2. Vorsitzenden des Zentralvereines D r. Bruno Weil kandidiert und mit dieser Nominic# rung ihren Standpunkt den jüdischen Mitbürgern gegen* über unzweideutig festgelegt. Ebenso figuriert auch ein Jude auf der Liste der Deutschen Volkspartei, deren Führer Herr v. Kardoff unlängst jede Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten entschieden abgelehnt hat, obzwar ebendieselbe Volkspartei das antisemitische Pa־ schalik des berüchtigten Dr. Frick in Thüringen still־ schweigend unterstützt. Dunkel sind eben die Wege deutscher Politik. Als Kuriosum sei noch die Tatsache registriert, daß auch das katholische Zentrum eine prominente jüdische Persönlichkeit als Kandida* ten präsentiert. Wie der Vorsitzende der Berliner Jiidi־ sehen Gemeinde, Georg Kareski, programmgemäß ״bc־ wußt und überzeugt für die katholische Weltanschauung“ eintreten wird, ist zwar schwer erfindlich, doch sei hier diese demonstrativ projüdische Stellungnahme des Zen־ trums gewürdigt, dem ja bei früheren Wahlen ob seiner toleranten Haltung in religiösen Fragen viele gesetzes־ treue Juden ihre Stimme gegeben haben. Im Zeichen des Hakenkreuzes wird dieser Wahl־ kampf geschlagen. Wird die Reaktion am 14. September in diesem Zeichen siegen? Mit aufrichtiger Besorgnis hangt die deutsche Judcnheit dem Ausgang des Tages entgegen. ReligionsVerfolgungen in Rußland. Wenn man eine Zeitlang von Sowjetrußland nichts hört, so besagt das nicht, daß von dort nichts zu be־ richten sei, sondern höchstens, daß die Kraft noch mehr gelähmt und der Mut so tief gesunken ist, daß man nicht mehr schreien kann oder mag. Die Schreckensherrschaft übt jetzt anstelle der aufgelösten Jewsekzia die Union der C!־ttlosen aus. In einem Städtchen bei Rowno ver־ sammelten sich die jüdischen Bewohner hinter dem Fried־ hofe, um dort im Verborgenen ihre Gebete zu verrichten, da auf öffentliche Gcbetversammlung Verschickung nach Sibirien steht. In diesem Städtchen — es heißt Sawial — mußte eine ganze kleine ״rote Armee“ von der ״Union der G־ttlosen“ aufgeboten werden, um gegen die Gebet־ Gemeinde auf dem Friedhof mit allen strategischen Kriegskünsten vorzugehen. Die Juden antworteten mit einem Steinhagel und die Soldaten mußten sich nach Ab־ gäbe mehrerer Salven zurückziehen. Heber Riga wird wiederum berichtet, daß der be־ kannte Rabbiner in Sluzk bei Minsk, Rabbi Jecheskel Abramski, verhaftet und nach Moskau überführt wurde, wo er in veinem der schrecklichsten Gefängnisse seiner Verurteilung entgegensieht. Nach anderer Version sei sogar schon das. Todesurteil über Rabbi Abramski aus־ gesprochen. Die Anklageschrift beschuldigt den Rabbiner gegenrevolutionärer Umtriebe. Was gegenrevolutionär in Rußland •ist, wissen wir: die Obsorge für Synagoge und Schule, die Erhaltung des jüdischen Geistes in der Ge־ meinde, die Erziehung und Unterweisung der Jugend in der Religion der Väter, lauter Dinge, die sonst überall auf dem Erdenrunde zu den selbstverständlichen Ob־ liegenheiten des Rabbiners gehören. In Rußland wird dem Rabbiner Pflichterfüllung zu einem Verbrechen, das mit dem Tode gesühnt wird. Rabbi Abramski wurde im Momente verhaftet,‘ da er sich anschickte, nach Palästina auszuwandern, das belastet sein Schuldkonto noch mehr. Keren Hathora- und Beth Jakob- Campaign in Südafrika. Schon bei der ersten Ke־ ncssio Gedaulo im Jahre 1923 wurde der Beschluß gefaßt, in Amerika und in. Südafrika eine großzügige Aktion zugunsten der Keren Hathora und Beth Jakob־Organisation einzuleiten. In Amerika ist es Herr Rab־ biner Dr. Leo Jung, der in unermüdlicher ,Tätigkeit immer wieder von neuem bestrebt ist, unserem Werke ideelle und materielle Hilfe zuzuführen. Nach Afrika jedoch, war es uns bis vor kurzem nicht gelungen, eine geeignete Persönlichkeit für Propagandazwecke zu ent־ senden. Nun hat Plerr Rab־ biner Emanuel Zimmer־ in a n n, London, das bekannte und prominente Mitglied der Keren Hathora־Zentrale, unseren langerwünschten Plan zur Verwirklichung gebracht, indem er die auf־ opfertingsvolle Reise nach Afrika auf sich genommen hat. Seiner hingebungsvollen und mit andauerndem Eifer ge־ pflegten Werbearbeit ist es gelungen, die verschiedensten Kreise der afrikanischen Judenheit für unsere idealen Be־ Strebungen zu interessieren, so daß man heute schon in Afrika zu der Erkenntnis gekommen ist, daß die Keren Hathora־ und Beth Jakob־Bewegung zu den wichtigsten Erziehungswerken der Gegenwart gehört. Er hat mit ganz besonderem Erfolg die Städte: Johannesburg, Capstadt, Bloemfontain, Kimberley, Boulvarje, Tweestreet, East־ london und Port Elizabeth bearbeitet und wurde überall auch seitens der Presse warmstens unterstützt. In beson־ ders dankenswerter Weise haben die Blätter: ״The Zio־ nist Record“, ״The African Jewish World“ seine Be־ miihungen gewürdigt. Unter der Anregung von Herrn Rabbiner Zimmermann, wurden die führenden jüdischen Persönlichkeiten zur Gründung eines Keren Hathora־ und Beth Jakob־Komitees herangezogen, in dessen Exekutive die Herren: Chief Rabbi Prof. Dr. J. L. Landau (Ehren־ Präsident), Rabbi S. Rosenzweig (Präsident), S. Herman (Vizepräsident), J. Rabinowitz (Schatzmeiter), Rabbi B. Gordan, Rev. L. Lipschitz, Rev. M. Gervish, Rev. W. H. Wyscheik (Germiston), Rev. A. M. Kaplan, Rev. A. M. Hennan, Mister H. Teger (M. P. C.), M'r. B. Chaskelson, Mr. W. Cohen, Mr. N. Kuper, Mr, D. Rauchmann gewählt wurden. Als außergewöhnliches Verdienst betrachten wir es, daß der Chiefrabbi of South- African, Rabbiner Dr. J. L. Landau , und Rabbiner. S'. Rosenzweig, Johannisburg, dem Komitee beigetreten sind, Nach Abschluß dieser so erfolgreichen Tournee planen die Hefren eine Werbeaktion in Belgisch,־Kongo und wir hoffen und wünschen, daß auch dort mit den־ selben ideellen und materiellen Ergebnissen zugunsten dieser produktiven Schöpfung gearbeitet werde.' ׳: ־' \m ttflCfifricHTEfl |0| VERBAND DER SABBATFREUNDE ״SCHOMRE SCHABBOS“. Der Verband der Sabbatfreunde ״Schomrc Schab־ bos“ ersucht uns um Veröffentlichung folgender Aufrufe: An alle jüdischen Arbeitslosen! Die bevorstehenden Feiertage geben uns Veran־ lassung, wiederholt darauf hinzuweisen, daß wir in der Lage sind, für alle jene Arbeitslosen, deren Kontrolltag oder Auszahlungstag ein Samstag ist, oder auf einen jiid:־ sehen Feiertag fällt, die Bewilligung zu erwirken, laß.der Kontrolltag bzw. Auszahlungstag auf einen anderen Wochentag verlegt wird. Jüdische Arbeitslose, die die Sabbat־ bzw. Feier־ tagsruhe einhaltcn wollen, mögen sich daher an unser Sekretariat, Wien, II., Leopoldsgasse 16 (Tel. R־0־40־S0) wenden. An die jüdische Kaufmannschaft! Anläßlich der bevorstehenden Feiertage haben wir gummierte Aushängezettel drucken lassen, die den Kun־ den das Gcsperrtscin der Geschäfte mit den Feiertagen begründen sollen. Die Zettel haben den Wortlaut ״Feier־ tagshalber am 23. und 24. September geschlossen“ (Rosch־ Haschonoh), bzw. ״am 2. Oktober“ (Jom־Kipur), bzw. ״am 7. und 8. Oktober“, bzw. ״am 14. und 15. Oktober“ (Sukoth). Die Zettel werden in unserem Sekretariat, Wien, II., Leopoldsgasse 16, in beliebiger Anzahl ausgegeben oder über telephonische Bestellung (Tel. R80־0־40־) im Wege der Post zugesandt. . Von der Wiener Agudah. Das Sekretariat des Palästina־Schulwerkcs der Agudas־Jisroel ersucht uns um'Veröffentlichung des nach־ stehenden Schreibens Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Josef Chaim Sonncnfcld, Jerusalem. . Rabbi Sonnenfeld bringt in diesem Schreiben seinen innigsten Dank zum Ausdruck für die tatkräftige Unter־ Stützung des notleidenden religiösen Schulwcrkes in Ere׳/ Jisroel und übersendet allen Mitarbeitern seine besten Wünsche: אל כ:יד העוזרים והפועלים והמסייעים למגבית הקדושה לחזיק כתי החנוך באמו ישראל; כל אחר בשמו יבורך! מהרי ציול וירושלים עיר הקירש הנני שולח לכם, בני אהובים, את תורתי הלבבית על מפעלכם הכביר לחושים יר לבני העניים העוסמים בתורה על אדמת אסתינו הקדושים יהי ד׳ עמכם ותזכו לעשות ולפעול להרמת הרן התורה והדת כלי ימי חייכם ונזכה לעלות לצירי' כרינה כביאת גוצ״א! . נאום חה׳ יוסף חיים זאננענפעלד. Rabbinerslnstaüierung. Mittwoch, den 24. Elul (17. September) findet anläßlich des Amtsantrittes •'Sr. Ehrwiirdcn des Herrn Rabbiner Dr. Zwi Taubes präzise 7 Uhr abends . im P azmaniten־־ Tempel (II., Pazmanitengasse 6) ein Fcstgottesdicnst statt. Am gleichen Tage veranstaltet der Verein im ״Krügerheim“, :11., Malzgasse 7, um 9 Uhr abends ein Festb ankett. Berlin. Rabbiner Dr. Eli * Munk wurde zum Rab־ biner der Gemeinde Adass Jisroel in London als Nach־ folger von Rabb. Dr. Schönfeld berufen. Dr. Eli .Munk ist der ' älteste Sohn des Rabbiners der ״Israelitischen Religionsgemeinde Adass Jisroel zu Berlin“,. Dr. Esra Munk, und ein Schüler des Hildesheimerschen Rabbiner־ Seminars in Berlin. Hochschulen für antireligiöse Propaganda in Ruß־ land. (J. T. A.) ״Osservatorc Romano“, das offizielle Organ des Vatikans, berichtet, daß in Wologda in Sowjet־ rußland eine eigene Hochschule für antireligiöse Propa־ ganda eröffnet wurde. Die Schule besitzt drei Fakultäten, Badener Badebrief. Von Th. K. ״Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.“ Dieses eigentlich nur auf Persönlichkeiten anwendbare Wort trifft in gleicher Weise auch auf die architektonischen und Naturschönheiten der Stadt oder des Landes zu, in denen man lebt. So hätte ich in früheren Jahren den Vorschlag, meinen Sommeraufenthalt in dem nähegelegenen Kurort Baden zu verbringen, ohne weiteres abgewiesen,.denn, was soll mir dieses Städtchen unweit meines dauernden Domi־ zils bieten? Anders in diesem Jahre. Jetzt konnte ich es mir in־ folge der wirtschaftlich schweren Situation im allgc־ meinen und meiner eigenen im besonderen ni.cht leisten, wie in früheren Jahren eine weite Sommerreise zu unter־ nehmen, und ich entschloß mich, ein .paar Wochen der Erholung in dem von mir früher verschmähten Badeplatz Baden zu verbringen. ־ Schon in den ersten Tagen meines Aufenthaltes, die von einer besonders schönen Witterung begünstigt waren, mußte ich reumütig gestehen, daß ich Baden bisher un? recht getan hatte. Das, was für die Erholung der Nerven am notwendigsten ist, die gute Luft, findet man in Baden trotz der Großstadtnähe in;hervorragendem Maße und ich fühlte mich schon nach wenigen Tagen einigermaßen er־ holt. Aber abgesehen von den klimatischen Verhältnissen, die weniger ein Verdienst der Gemeindeverwaltung und der Kurkommission darstellen, haben letztere im Laufe der Jahre es verstanden, Einrichtungen zu schaffen und die bestehenden in einer Weise auszubauen, die Baden zu einem ganz hervorragenden•• und modernst eingerichteten Kurort erheben. Da führt der Weg zunächst in den Kur־ park, der eine Ausdehnung nimmt, wie wohl kaum ein Kurpark in anderen Badeplätzen, und der in geradezu meisterhafter Weise gepflegt und in das Auge ot-freuender Art bepflanzt wird. In wenigen Minuten ist nian, aus dem Zentrum der belebten Stadt kommend, hoch oben im Kur* park auf ruhigen, geschützten Waldwegen, und, wenn man Lust hat* kann man von hier aus die schönsten Ausflüge nach der Umgebung unternehmen. Unten sehen wir die erst vor wenigen Jahren gebaute Trinkhalle, schön, ge־ schmachvoll und praktisch angelegt, eine anerkennens־ werte Leistung der derzeitigen. Gemeindeverwaltung. Und noch vieles andere wäre zu erwähnen, wofür die Redaktion aber nicht genügend Raum gewähren kann und was dem Leser bei einem Besuch dieses wunderbar gelegenen Plätzchens Freude und Erholung bringen wird. j: Leider muß man bei einem Somiheraüfenthalt auch; einige Tage des Regens’mit in Kauf nehmen, wenn es dem! Lenker des Weltalls;so gefällt. Aber in keinen! Kuro'rtji war .es mir, der ich mich für jüdische DingeUnteressiere;' so leicht, die verregneten Tage angenehjn zu verbringen; wie hier. : *V ■ liefern ihr nahrhaftes Fett zur Kunerol״ erzeugung. Vom Pressen der Früchte bis zum Verpacken des gebrauchsfertigen Kunerols steht die Herstellung unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Be״ zirksrabbinersS. Ehrenfeld zuMaitersburg. Kunerol kann von jedem Streng״ gläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen verwendet werden. NEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Nur cclit in Originalpackung. Vor täuschend ähnlichen Nachahmungen wird gewarnt! die der Ausbildung antireligiöser Propagandisten für die drei Hauptkonfessionen, Judentum, Griechisch־Orthodoxe Kirche und Römisch־Katholische Kirche, gewidmüt sind. Die Hochschule verleiht akademische Grade. Amtliche Verlautbarungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Hebräische Sprach־ und Bibelschule der israelitischen Kultusgemeinde Wien, XX., Othmargasse 46. Die Einschreibungen für das Schuljahr 1930/31 finden an folgenden Tagen statt: 1. Für die hebräsichen Sprach־ und Bibelkurse (Methode Iwrith־b’iwritl1): Montag, den 15. September, Dienstag, den 16. September, und Mittwoch, den 17. September, jedesmal von 3 bis 7 Uhr nachmittags im Saale I. 2. Für die Lese־ und Bibelkurse (Methode der Wiener öffentlichen Schulen): Montag, den 15. September, und Mittwoch, den 17. September, jedesmal von 3 bis 5 Ulir nachmittags im Saale II. 3. Für den Talmud־ und Barmizwah־Kurs: Sonntag, den 14. September, von 729 bis 10 Uhr vor־ mittags und Montag, den 15. September, von 2 bis 3 Uhr nach־ mittags, jedesmal im Saale II. W i en, 1. September 1930. Der Vorstand Baden hat eine gut geführte große jüdische Gc־ meinde, die allerdings durch das Ableben ihres Rabbiners, der fünfzig Jahre die Gemeinde zu immer größerem Auf־ stieg führte, augenblicklich kein religiöses Oberhaupt hat, und wegen dessen Wahl, wie dies anderwärts auch üblich ist־, mehr oder weniger große Meinungsverschiedenheiten herrschen. Die Institutionen der Gemeinde sind voll־ kommen den religiösen Anforderungen entsprechend, woran nicht zuletzt dem amtierenden Dajan sowie dem bisherigen Gemcindepräses das Verdienst zuzuerkennen ist._ Wie weit der Bedarf für die Institutionen der Ge־ meinde innerhalb derselben vorliegt und wodurch derselbe eventuell zu heben wäre, entzieht sich einer eingehenden Kenntnis des Sommergastes, der sich auch möglichst einer Kritik an seinen Gastgebern enthalten will. Daß die Kur־ gaste zu einem großen Teil auf Institutionen Wert legen, die auf das Gewissenhafteste den religiösen Anforderungen entsprechen, beweist ein Blick in die rituellen Gasthäuser, bei denen man sich oftmals anstellcn muß, bis ein Sitz־ platz zu ergattern ist, das beweist ferner ein Besuch im großen Tempel, sowohl am Sabbat wie am Wochentag, ein Besuch im Beth Hamidrasch und allen anderen . Plätzen, wo wirklich jüdisches Leben pulsiert. Besondere Befriedigung brachte ein Besuch im Waisenhaus der Agudas Jisroel, das seit Gründung unter den! Präsidium des Herrn J. J. Tluimim steht. Nahezu vierzig jüdische Kinder sind hier untergebracht und finden hier Ersatz für das ihnen durch das Schicksal entrissene Elternhaus. Ich hatte Gelegenheit, einem Religionsunter־ rieht sowohl der größeren wie auch der kleineren Kinder beizuwohnen, der vom Hauslehrer geleitet und vom An־ staltsdirektor inspiziert wurde. Das Interesse für die Materie, die Beherrschung des Lehrstoffes und die Disziplin, die hier herrschte, stellten der Waisenhaus־ leitung in pädagogischer Hinsicht das beste Zeugnis aus. Aber'auch in sonstiger Hinsicht hat hier die Aguda ein musterhaftes Werk geschaffen, das durch die besonders günstige Lage des Heimes, das inmitten von Weinbergen liegt, den Kindern ein Heranwachsen in guter, gesunder Luft garantiert, und in dem, soweit man hört, auch in bezug auf die Ernährung heute alles geschieht, was mög־ lieh ist. Leider sind aber auch in diesem wichtigen In־ stitut die wirtschaftlichen Nöte unserer Zeit in viel zu großem Maße zu spüren, und der Direktor hat in der Aufgabe, die finanzielle Seite des Waisenhauses ,sicher־ zustellen, eine sehr schwere Aufgabe, die zu erfüllen ihm nur dann möglich ist, wenn das Waisenhaus von allen Kreisen des österreichischen Judentums tatkräftigst unter־ stützt wird. So hat mir denn der Sommeraufenthalt in Baden neben einen ausgiebigen Erholung auch in jüdischer Hin־ ׳sicht, nTanghj Schönes gezeigt und mir den Ansporn für eine r<?g<^ Tjitigkeit iw Interesse׳ des Waisenhauses sowie für eine'Propaganda für den Kurort als solchen gegeben.