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Jüdische Presse · 1930-09-12 · 37 (12.9.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
37 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 37 haltungsgesetzes, der Weimarer Reichsverfassung — bei allem Wandel der Anschauungen der uns umgebenden Welt und innerhalb der Judenheit war in unserer Ge* meinde die jüdische Schule stets der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht. Wir Juden sind das Volk der Bibel, das Volk des ״ Buches. Wir haben auch zuerst die allgemeine Schulpflicht eingeführt und durchgeführt. Beth Hasefer und Beth hamidrasch gehören, solange cs jüdische Gemeinden gibt und geben wird, zu ihren Wesensbestandteilen. Schon das Gedenken des Sabbats und die Pflicht, für seine Heiligung zu sorgen, verlangen die jüdische Schule. Nur hier kann in voller Kraift der Jugend die Macht der heiligenden Ideen des Sabbats eingepflanzt werden, für die es in allgemeinen Schulen trotz alles Entgegenkommens der Behörden und trotz aller er־ leichternden Ausnahmebestimmungen keinen Er־ satz gibt. Aber auch sonst reichen die Simultanschulen zur Pflege jüdischen Gutes, zur Erziehung im jüdischen Geiste und zur jüdischen Arbeit nicht aus. Die Simultan* schulen bedeuten in der Praxis ihres Wirkens und nach den Bekenntnissen ihrer vornehmsten Vertreter eine Gleichstellung der christlichen Konfessionen. Wir aber wollen im Sinne der jüdischen Lebens* und Weltauffas* sung unsere Jugend erziehen, sic in dem gesamten Unter* rieht mit den Ideen jüdischer Kultur auf Grund der jüdi* sehen Geschichte, jüdischen Gegenwart und jüdischer Zukunftshoffnung vertraut machen, sie mit jüdischer Heiligkeit und jüdischer Weltlichkeit erfüllen. Dabei sind wir weit davon entfernt, irgend einen Zwang ausiiben zu wollen. Elternrecht und Gewissens* freiheit bleiben für uns entscheidende Grundsätze. W i r machen von dehi verfassungsmäßigen Recht, öffentliche jüdische Volksschulen zu verlangen, keinen Gebrauch, solange wir nicht die Gewißheit haben, daß da* durch nic'ht ein Zwang auf Erziehungs* berechtigte ausgeübt werden könnte, unab־ hängig von ihren eigenen Wünschen, ihre Kinder in jüdi* sehe Volksschulen schicken zu müssen. Trotzdem können wir mit Genugtuung feststcllcn, daß unsere Schulen sich ohne jeden gesetzlichen und verwaltungsmäßigen Zwang, lediglich basierend auf Freiwilligkeit, einer immer steigenden Beliebtheit in unserer Gemeinde erfreuen. Unser Volksschulwesen ist drei Jahre alt und schon werden unsere Volksschulen von 1200 Kindern besucht. Weit mehr als 100 Kindern konnten sich die Pforten unserer Schulen nicht öffnen. Diese Tatsache be* deutet den vollen Sieg der jüdischen Schule für die Ge* genwart. Wir unterstellen uns gern und freudig der Kon־ trolle der Staatsgewalt und der Ocffentlichkeit. In der deutschen Muttersprache empfangen unsere Schüler den Unterricht. Das deutsche Kulturgut nehmen sie in sich auf, zum Leben in der deutschen Heimat, in ihrem Staat* liehen Verband, in ihrem geistigen Leben, in ihrer Wirt* Schaft, in ihrer sozialen Verfassung. Die Wünsche der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde überbringt ihr Stellvertreter, Rechts־ anwalt Dr. Alfred Klee, der ungefähr ausführte: Das jüdi* sehe Schulwcrk in Berlin hat nie die Tendenz gehabt und hat nie die Tendenz haben wollen, sich zu verengen, ״ins Ghetto zurückzuführen“. Es dient dem Gedanken der Harmonisierung des modernen jüdischen Menschen, der Erhaltung der jüdischen Tradition und Eigenart und dient in gleicher Weise dazu, die jüdische Jugend auf die Höhe westeuropäischer Allgemeinbildung zu führen. Unsere ganze Aufmerksamkeit haben wir auch dem Lehrerstande zuzuwenden, denn nur von einem wirtschaftlich ge* sicherten Lehrerstand können wir Höchstleistungen for־ dern, und so müssen wir unablässig für sein Wohl und Wehe Sorge tragen. - ׳ Die Schulleiterin Frl. K a p h a n gibt einen Ueber* blick über Entstehung und Arbeit der Schule, die schon vier Jahrgänge mit 320 Schülerinnen hat. In der jüdischen Schule allein kann sich das Kind, ohne sich doch zu isolieren, entfalten ״al pi dar kau“ (nach seiner Wesens* art), vor allem in Treue zu dem schwer gef ähr* deten Sabbat. Oberregierungsrat Günther übermittelt in besonders herzlichen Worten die Wünsche des Pro* vinzialschulkoUegiums, Oberschulrat Fischer die der städtischen Schulverwaltung. Die Behörden danken der Jüdischen Gemeinde für die Bereicherung des Stadtbildes, die Befruchtung schulreformerischev Pädagogik und die Entlastung veralteter Schulen, die diese neue, bewunderns* wert schöne und mit vorbildlicher Opferfreudigkeit auf־ gebaute Schule bedeute. Sie wünschen Schule, Lehrern und Schülern, in Treue zu G־tt und ihrer Gemeinschaft ihren Weg zu gehen, der sie notwendig führen wird in den Kreis der Kämpfer für die deutsche Volksrepublik. Schul* rat Trolle, Dezernent für das Privatschulwesen im Pro* vinzialschulkollegium, gedenkt mit besonderer Wärme der angenehmen Zusammenarbeit mit den für das jüdische Erziehungsideal wirkenden Führern der Gemeinde und rühmt das stets erwiesene Verständnis von Gemeinde und Lehrern für die Erfordernisse der Schulaufsicht. Nach Ansprachen von Vertretern der Lehrerkollegien der anderen Schulen der Gemeinde findet die Feier ihren Ab* Schluß in Volksliedern und Psalmgesang der Knaben* und Mädchen־Schulchöre. An die Feier schließt sich eine Be* sichtigung des Hauses an: Die Klassen haben keine Bänke mehr, sondern Tische und Stühle, die sich in Huf* eisenform an den Wänden entlang ziehen. Auf den Fluren steht unter Glas reichhaltiges naturwissenschaft* liches Anschauungsmaterial. In der Turnhalle sind zahl* reiche Geräte zwecks Raumersparnis teils versenkbar, teils in die Wände einzuschieben. Der Halle vorgelagert sind Räume für Fuß* und Brausebäder. Die in den hoch* gelegenen Klassen untergebrachten Schülerinnen können sich in den Pausen auf dem Dachgarten ergehen. Neben der Schule befindet sich in den früheren Krankenhaus* wirtschaftsräumen seit wenigen Tagen die Haushaltungs* schule, die nun der neuen Schule angegliedert ist, aber auch schulentlassenen Mädchen und Frauen offen steht. Schon bisher wurde sie im Winter von 200, im Sommer von 120 Personen besucht. Feier und Führung machten auf alle Teilnehmer einen sichtlich tiefen Eindruck. Besonders die Behördenvertreter ließen sich die Arbeitsgrundlagen und die Einrichtungen des jüdischen Schulwesens ein* gehend darlegen. Spendet für den und Jessode Hathora der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 Lebensversichernngs - Gesellschaft ״PHÖNIX“ Gegründet 1882 Gegründet 1882 Venldumgsnnil Ende Juni 1930 2430 Ilion Shilling ln Jahre 1929 . 123% llionen Willig Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polenjugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten Zu Ros^-Haschanah wünschen Sie allen Ihren Verwandten, Freunden, Kunden, Gästen u. Bekannten כתיבה וחתימה טיבה in der ״JÜDISCHES« PRESSE“ ’ Sie ersparen. Mühe, Porto und Zeitaufwand! Das Inserat laut nebenstehendem Muster kostet einschließlich aller Steuern nur S 5■־־• resp. 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Oktober 1930. §llllllllllllllllllllllllllllllilll))l)l)l)lllliiM | Vornehmes orthodoxes | | Mädchenpensionat | ff im Dr. Krüger-Heim §§ | WIEN II, MALZGASSE 7 § U Sorgfältige religiöse Erziehung, jj erstklassige Verpflegung, bürger- 1 liehe Preise Auf Wunsch Prospekt j§ ^lllllljlllllllllllllllllinilllllllllllllllllllM;11 gegenwärtiger u. ehemaliger Heimschützlinge, Dr. Krüger- Heim (fr. Elisabeth - Heim) eil loill i U r 1® Wien, II., Malzgasse 7 'gK'-« Sabbathaltende fördert die Sabbathaltenden! ll)l)l)lilllllllllllllllllllll1n1llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllN Einzige Jüdische Mit-' für Weißnähen und Kleidermachen mit Öfffentllohkeltsreoht Wien, II., Malzgasse 7, Dr. Krüger-Heim Staatsgiltige Zeugnisse Gebllfinnearecht Samstag geschlossen Streng rituelle Kochkurse. Anfänger und Vorgeschrittene. Nachmittags und abends. Diätkurse. Beginn 16. Oktober 1930. Moderne Turnkurse. — Kunstgewerbliche Kurse. Rechtzeitige Anmeldungen im Dr.*Krüger*Heim, II., Malz* gasse 7. A*48*0*77. Vom Tage. Palästina vor dem Völkerbundsrat. (J, T. A.) Der Völkerbundrat, der am Montag, den 8. jSeptember zu seiner 60. Tagung zusammentrat, ist gleich in seiner ersten öffentlichen Sitzung in die Beratung der Palästina*Frage eingetreten. Der Berichterstatter für Mandatsfragen bezeichnete den Bericht der ,Mandatskom* mission als ein gründlich durchgearbeitetes, gerechtes Dokument und hob besonders hervor, daß es nicht in der Absicht der Mandatskommission gelegen sei, ihren Kom* petenzkreis zu überschreiten und sich an die Stelle der Mandatarmacht zu setzen. Er billigt den Standpunkt der Mandatarmacht, daß die Einwanderung von Juden der jeweiligen ökonomischen Aufnahmefähigkeit des Landes angepaßt werden müsse und erkennt an, daß die Er* kliirung der britischen Delegation, die Einstellung der Einwanderung sei nur eine zeitweilige, geeignet sei, Befürchtungen der Juden nach dieser Richtung zu zer* streuen. Er stellte ferner fest, daß des Premiers Mac* donald jüngste Erklärung im britischen Unterhaus hin־ sichtlich der Palästina*Politik der englischen Regierung als Mandatarmacht als ein unzweideutiges Bekenntnis zur Balfour*Deklaration und zur Politik des Jüdischen Nationalheims aufzufassen sei. Der Berichterstatter erklärte, es sei nicht seine Ab* sicht, auf die einzelnen Einwendungen einzugehen, die die britische Delegation zu den Punkten des Mandatsberichtes gemacht habe. Er schlug dem Völkerbundrat vor, dieser möge beschließen, die Schlußfolgerungen, welche sich aus den Mandatsprotokollen ergeben, an die britische Regie* rung weiterzuleiten und sie einzuladen, Maßnahmen zur Verwirklichung der im Mandatsberichte enthaltenen Vor* schlage zu treffen. Henderson erklärte, die Einschrän־ kung der Einwanderung betreffe nur die Arbeiterschedule und auch diese Einschränkung sei nur zeitweilig. Er billigte der Mandatskommission das Recht und die Pflicht zu, die Mandatarmacht zu kritisieren. Die überzeugenden Ausführungen Procopes hätten ihn, Henderson, bewogen, der von Procope unterbreiteten Resolution zuzustimmen. Ein Programm über ihre Zukunftspolitik in Palästina werde die britische Regierung erst nach Prüfung des Simpson־Berichtes dem Völkerbundrat unterbreiten. Im weiteren Verlaufe der Ratssitzung erklärte der holländische Delegierte Van Rees namens der Mandats* kommission, deren Vizepräsident er ist, diese habe nicht erwartet, daß der Mandatsbericht über Palästina eine so günstige Aufnahme bei der Mandatarmacht finden werde. Er drückte seine Zufriedenheit darüber aus, daß die Man* datarmacht in ihrer Erklärung den ursprünglich von Henderson vertretenen ablehnenden Standpunkt aufge* geben habe, und sprach die Hoffnung aus, daß der Rat den Gerechtigkeitswillen und die Unparteilichkeit, von denen die Mandatskommission bei ihrer schwierigen Auf* gäbe sich hat leiten lassen, anerkennen werde. Der Vertreter Persiens, Khan Alla, bemerkte, die Mandatskommission habe in ihrem Berichte die Rechte der nichtjüdischen Bevölke* rungsteile Palästinas nicht genügend berücksichtigt und befürwortete die Schaffung von Selbstverwaltungsorganen. Der jugoslawische Außenminister Marinkovic gab dem Wunsche Ausdruck, die Mandatsregierung möge die Rechte der Araber schützen und, während sie den ersten Teil des Mandates durchführt, den zweiten Teil nicht vernachlässigen. Der Berichterstatter Procope drückte schließlich seine Zufriedenheit über die zustandegekommene Einigung aus und zollte der Mandatskommission für ihre Unparteilichkeit Anerkennnung. Der Bericht wurde vom Völkerbund* rat einstimmig angenommen. Vor den deutschen Reichstags wählen. Von unserem Berliner Korrespondenten. . , Nur noch ganz wenige Tage trennen uns von׳ einem Zeitpunkte schwerwiegendster Entscheidung. Am 14. Sep* tember werden Deutschlands Wähler zirr Urne gerufen, um ihren Formungswillen an der künftigen politischen und kulturellen Gestaltung des Reiches zu bekunden. Er ist ein Lostag, dieser 14. September, schicksalhaft in seinen Auswirkungen auf Reich und Volk, schicksalhaft in besonderem Sinne für die weitere Entwicklung der politi* sehen Situation der deutschen Juden. Denn in diesem gewaltigen Ringen um die höchsten Lebensgüter des deutschen Volkes spielt die Juden* frage eine dominierende Rolle. Der Antisemitis* m u s ist zum Schlachtruf der Reaktion geworden, die in gewissenloser, zweckbetonter Verhetzung mit den giftigen Argumenten des Judenhasses operiert und die durch die ungeheure wirtschaftliche Depression bedingte Radikali* sierung der Massen in diesem Sinne zu nützen bemüht ist. Leider mit großem Erfolge. So hat denn die antisemitische Bewegung in den letzten Monaten und Wochen mächtige Impulse erfahren und derartige Dimensionen ange* nommen, daß sich die prominentesten Vertreter deutscher Geistigkeit, darunter Gerhart II a 11 p t m a n n und Thomas Mann, veranlaßt sahen, das deutsche Volk zum Kampf gegen ״die Kulturschande des Antisemitismus“ aufzu* rufen. Ob diese Warnung in letzter Stunde von Erfolg begleitet sein wird, bleibt angesichts der vergifteten poli* tischen Atmosphäre mehr als fraglich. Die nationalsozialistische Reaktion ist im siegreichen Anmarsche. Dies haben die Ergebnisse der letzten sächsischen Landtagswahlen zur Genüge bewiesen. Dies sich zu verhehlen, wäre auch grausamer Selbstbetrug. In richtiger Erkenntnis dieser Sachlage haben nun jene Parteien, denen noch die Staatsnotwendigkeit als oberstes Prinzip ihres Wollens gilt, den Nationalsozialisten schärfsten Kampf angesagt und haben daher auch in ihrer Einstellung zur Judenfrage Farbe be* kennen müssen, um so mehr ihnen an den Stimmen der jüdischen Wähler sehr gelegen ist. Welcher Partei die deutschen Juden ihre Stimmen geben werden? — Die Lösung dieser Frage bleibt den jüdischen Wählern nach ihrer individuellen Einstellung Vorbehalten. Jedenfalls werben nebst den Sozialdemokraten, für welche die Gleichberechtigung aller Staatsbürger und Konfessio* nen selbstverständlichste Voraussetzung alles politischen BollingerdMasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien! XV., Staglgasse 10 (bei Mariahilferstr, 148) Tel. R-35-8-47 und R-30-5-38 Filiale; Wien, VII., Burggasse 17, Tel. B 32-3-30 952152045991

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