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Jüdische Presse · 1930-09-12 · 37 (12.9.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
37 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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September 1930 •*ב״ה וינא־סרעסבורג י׳ט אלול תר״ 16. Jahrg. Einweihung der neuen Mädchen־־■ Volksschule der jüdischen Gemeinde Großzügiges Gemeindeschulwerk — in Berlin. Nebst den Katastrophennachrichten und Hiobsbotschaften endlich eine erfreuliche Nachricht, die nicht verfehlen wird, liberal 1 einen begeisterten Widerhall zu wecken.!Die jüdische Gemeinde zu Berlin hat ein eigenes Schulhaus für ihre neue M ii d c h e n s c 11 u 1 e errichtet. Wohlgemerkt, die Berliner G r o ß g’ e in e i n d e, denn die verhältnismäßig kleine, orthodoxe Separatgemeinde ״Adas Jisroel“ in Berlin hat schon ihr groß z li!g i g e s S c h u 1 w e r k, das weit über die unmittelbaren Bedürfnisse der Adas Jisroel- Gemeinde hinaus für alle, die ihre Kinder an einer im orthodox-religiösen Geiste geleiteten jüdischen Schule erziehen wollen, bereit steht. ■Die Berliner Großgemeinde hat erst in verhältnismäßig später Zeit erkannt, was das Fehlen einer jüdischen Schule für die religiöse Entwicklung der Jugend bedeutet. Im großen und; ganzen sind in allen europäischen Großstädten dieselben Lebenserscheinungen anzutreffen. Religiöse Indifferenz, gelockerte Moral, späte Eheschließung, Kinderlosigkeit und Abfall vom J inlentum׳ b e z e 1 c 1111 e 11 den E n t w i c k- 1 u n g s ־w e g des G r o ß. s t a d t j u d e 11 t u m s. Diesbezüglich sind die drei mitteleuropäischen großen jüdischen Zentren Berlin, Budapest. Wien!sich ganz ähnlich. V e r s c׳h i e d e n sind nur die Maßnahmen, welche diese Gemeinden zur Wettmachung dieses religiös-sittlichen Verfalles in Angriff nehmen. Die Budapester Großgemeinde hat im letzten Jahrzehnt ein jüdisches Schulwerk errichtet, das sich sehen lassen kann, und der K ulturpalast, der dort jetzt erbaut wird, soll hauptsächlich zur Unterbringung von jüdischen Schulen dienen. Wohl gemerkt, auch in Budapest gibt es eine verhältnismäßig kleine orthod o x e Gemeinde, die auf dem Schulgebiete geradezu mustergültig arbeitet. Man möchte fast sagen, die Konkurrenz auf dem kulturellen Gebiet zwischen den zwei jüdischen Gemeinden läßt ausgezeichnete Schulen erstehen, an denen eine Jugend herangebildet wird, die reich an jüdischen Kenntnissen, mit aufrechtem jüdischen Gefühl, mit gefestigter religiöser Weltanschauung in das Leben hinaustritt. In Berlin geht die Gemeindeleitung, wie es auch dieses neue Schulhaus, über dessen Errichtung und feierliche Einweihung wir einen ausführlichen Bericht in unserer heutigen Nummer bringen, zeigt, planmäßig zur Bekämpfung der gefährlichen Großstadtkrankheit des religiösen Abfalles durch eine bessere Erziehung der Jugend vor. Es soll noch zum Schlüsse bemerkt werden, daß sowohl in Berlin wie in Budapest die Gemeindefinanzen sehr prekär sind und daß die verantwortlichen Gemeindeführer sehr wohl wissen, daß die jüdische Schule sehr viel Geld kostet. Und dennoch! Soll das Judentum, soll die jüdische Gemeinde erhalten bleiben, so muß auf einen gesunden Nachwuchs Wert gelegt werden. Es ge- 11iige.11 nicht Kranken- und Altersversorgungshäuser zur Erhaltung einer Gemeinde, ohne jüdische Schule k e i 11 e j ü d i s c h e Z 11 k u n f t! 1 Unsere Wiener jüdische Gemeinde ist weder durch eigene Erkenntnis noch durch fremdes Beispiel zum Besitz dieser Binsenwahrheit gelangt. Weder die orthodoxe Adas Jisroel-Gemeiiicle — noch die große Kultusgemeinde haben sich bis zum heutigen Tage zu einem eigenen Schulwerke bescheidensten Formates aufgerafft. Sie begnügen sieh mit ungenügender Subventionierung der von privater Seite errichteten jüdischen Schulen. Infolge Verarmung — speziell des religiösen Mittelstandes — führen diese Schulen ein kümmerliches Dasein und denken einige begeisterte jüdische Schulfreunde an den Ausbau dieser Anstalten, so wirkt solches Ansinnen auf unsere Geraeindegewaltigen beängstigend. Sie haben Angst, diese weisen Gemeindeväter, vor neuen Aufgaben und noch mehr vor neuen Ausgaben, die durch Entwicklung des Privatschulwesens der Gemeinde entstehen könnten. Subventionsbewilligung — Subventionsdrosselung, das war bis zum heutigen Tage das Um und Auf der Schulpolitik der Wiener Kultusgemeinde. Wir haben nicht die Hoffnung auf gegeben, daß auch wir in Wien bald ein jüdisches I Bad-Gastein! j§ Radioaktivste Therme der Welt, 1060 Meter ü. d. 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Wien rangiert sowohl was Rückgang der Geburten, als was Austritte aus dem Judentume anbetrifft, ganz vorne, wenn nicht an erster Stelle/־ An solchen akuten Ivrankheitserscheinungen können unsere verantwortlichen Gemeindeführer, insofern sie sich mit dem langsamen Absterben einer großen jüdischen Gemeinde nicht freiwillig abfinden wollen, nicht tatenlos lind achtlos Vorbeigehen und es bleibt auch für sie kein anderer Weg übrig, als der Weg, welchen wohl zögernd und widerwillig ihre Budapester und Berliner Gesinnungsfreunde und Kollegen eingeschlagen haben. Auch dort glaubte man aus einer falschen Ideologie heraus, daß die jüdische Schule eine politische und kulturelle Absonderung, ein geistiges Ghetto bedeute. Die geschichtliche Entwicklung hat sie belehrt, daß ihre Befürchtung auch nicht in geriugstem Maße eingetroffen ist. Die jüdische Schule hat überall ihre wunderbare Mission e r f ü 11 t. d e 11 n eine a u free h t e, selbst b e w 11 ß t e u n d im eigene n E r dreich fest verwurzelte j ü d i s c h e Jugend g i n g a u s i 11 r hervo r, d i e dem Judentum stets treu geblieben ist. Einstweilen verfolgen wir mit Freude den Fortschritt der jüdischen Schule in Berlin und anderen jüdischen Zentren, doch wird es hoffentlieh noch unserer Generation vergönnt sein, eigene Feste zu feiern. * Vor kaum fünf Jahren errichtete die Berliner Gemeinde die ersten Grundschulklassen in den Gebäuden der Mittelschulen. Später übernahm die Gemeinde die Schule des Jüdischen Schulvereins in der Rykestraße und vereinigte sie mit der ״Talmud־Thora־Schule“ in der Linienstraße. Bald wurde die Errichtung eines neuen Schulhauses notwendig. In der Gegend dichtester jüdi« scher Bevölkerung — neben dem alten Krankenhause in der Auguststraße — erstand in ganz kurzer Zeit das neue Haus für die Mädchen־Volksschule. Die Gesamtkosten betragen bis jetzt etwa 600.000 RM. An der Einweihungsfeier am 31. August mittags nahmen' fast alle in Berlin weilenden Gemeinderabbiner, ־Vorsteher und ־Repräsentanten nebst zahlreichen an Schulfragen interessierte Gemeindemitglieder aus allen jüdisch־politischen und ־religiösen Kreisen teil. Zunächst schlug Rabbiner Dr. Warschauer mit dem traditionellen Segensspruch die Mesusah an die Pfosten des Haustores und hielt alsdann nach hebräischem und deutschem Knabenchorgesang in der Aula die Festrede, beginnend mit dem alten Weihespruch: ״Baruch . . . schehechejanu wekojemanu wehigianu las’ man haseh”. Dr. Warschauer bekannte sich uneingeschränkt als Freund jüdischen Schulaufbaus: Die Schule ist das vornehmste und fast einzige Mittel für eine kulturelle Minderheit, ihre geistigen Grund« lagen sich und der Volksgesamtheit zu erhalten. ״Jüdische Schule“ bedingt nicht Zurückweichen vom großen Ganzen, sondern schafft erst dem Staat und der Nation die vollwertigen sittlichen Persönlich« keiten gefestigten Charakters. Gemeindebaumeister Beer schildert die Einzelheiten des Baues: Maßgebend waren die Grundsätze modernster Architektur und Pädagogik. Seit April 1930 sind schon acht Klassen in Benützung. Die Gesamtkapazität beträgt 14 Klassen für 550 Schülerinnen. Die eigentliche Fest־ und zugleich Programmrede hält nun der Schuldezernent im Gemeindevorstande R.־A. Dr. Kollenscher. Seit mehr als 100 Jahren, führte er etwa aus, unter־־ hält unsere Gemeinde neben ihren religiösen Bil« dungsstätten auch allgemeine Schulen. Unter der Herrschaft des Landrechts, der alten preußischen Verfas« sung, des Judengesetzes von 1847, des VolkschubUnter־־ Was bieiet die führende Wehfirma Othmar Schifft2«k Wien I, Kärntnerring 6 Ppriirliri^n? (gegenüber Hotel Bristol) u^1-i62 1. Modernste und individuellste Ausführung. 2. Tadellosen, mustergültigen Sitz. 3. Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen. Die Firma OTHMAR SCHIFF legt allergrößten Wert darauf, jede Kunde• unter allen Umständen zufriedenzustellen. Setzen Sie sich daher, bevor Sie eine Perücke kaufen, in Ihrem ureigensten Interesse mit der Firma OTHMAR SCHIFF in Verbindung!

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