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Jüdische Presse · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCH!: PRESSE Ni*.'36 ־ Seite 2 wöchentliche Ruhetag sein altes jüdisches Gesicht be? wahrt hat. In einem Schlußwort von höchstem rhetori? schein Schwung des bekannten Oberrabiners Dr. Jos. Carlcbach aus Altona kam die Eröffnungskundgebung zu ihrem gehaltvollen Ausklingen. Dr. Carlcbach bezeichnet den Sabbat als das große ״schaar hamisrach", durch das die Gesamtjudenheit den Weg zurückfindet zum Tempel des Judentums, der von den Propheten gemeint ist als def Tempel det Menschheit. In der Sonntagnachmittagssitzung fanden nach der Konstituierung des Präsidiums Referate über Kalenderreform statt. Rabbiner Dr. R o sent h a l?Köln rückt in den Mittelpunkt seiner Darlegungen die religiöse Bedeutung des stabilen Sabbath/Fagcs: ,.Am Sahbath rühren, heißt am Göttlichen rühren*’. Das haben Christentum' und Islam erwiesen, die die Aufgabe der göttlichen Eincinzig* keit symbolisiert haben durch die Aufgabe des Sabbath. In der Mitte zwischen den Feiertagen von Islam und Christentum hat der Sabbath seinen Ort gefunden als Mittelpunkt religiösen Lebens und geistiger Kultur,. Ihn zu erhalten ist Aufgabe der Juden. Das Korreferat hält Rabbiner Dr. L c w e n s t e i n« Zürich, zugleich als Vertreter des ״Internationalen jüdischen Komitees betreffend Kalenderreform". Der Referent verbreitet sich über die Einzelheiten der ein־ schliigigcn Kalenderreform fragen. Er rechtfertigt die Gründung und das öffentliche Auftreten des jüdischen Kalendcrreformkomitees mit der bis vor kurzem zu be? obachtcndcn Indolenz und Passivität weiter jüdischer Kreise. Das Wesen der geplanten Reform besteht in der Schaffung eines Blankozeitraumes mit dem Zweck, daß alljährlich der gleiche Wochentag auf das gleiche Datum fällt. Bei Auftauchen der Reformpläne bei Kriegsende erkannte als erster der jüdische Astronom Prof. Kohn*Straßburg die Gefahr. Bis 1925 kristallisierten sich im wesentlichen fünf Vorschläge heraus: 1. Der 365. Tag als Blankotag. 2. Das Jahr zu 13 Monaten ä 28 Tagen mit Blankotag. 3. Das Jahr zu 364 Tagen mit Schaltwoehc nach jeweils mehreren Jahren. 4. Das Jahr zu 364 Tagen mit periodischen Schaltmonaten. 5. Das Jahr zu 365 Tagen mit Ausgleich zwischen den bisher verschieden laugen Monaten. 1928 kam von den Vereinigten Staaten eine mächtige Propaganda für das 13־Monatsjahr mit Blankotag, und heute bestehen zwei ■ernste Vorschläge: l2?Monatsjahr mit Blankotag und 13־־Monatsjal1r und Blankotag. Dieser ist als solcher schon fast unstreitig. Der Blochmannsche Vorschlag — jeweilige Einschiebung einer?tägigen Schaltwoche — besteht zwar noch, beseitigt aber die Schwierigkeiten, die zur Reformidee geführt hatten, nicht und will auch tendenziell dem Judentum kaum gerecht werden. Die praktisch gegen den Sahbath gerichtete Reformpropaganda wächst täglich, und jede Illusion ist verderblich. Auf den Papst oder die offizielle evangelische Kirche zu bauen ist töricht, denn diese sind zwar nicht Rufer im Streite, sehen aber doch keine dogmatischen Schwierigkeiten, denn der Sonntag ist dogmatisch dies dominicus (Tag der Auferstehung). Das gleiche gilt vom Islam, da sein Freitag nur ״Gebetstag״ ist. Paradoxerweise ist dog־ matisch gebunden nur das Judentum, dem der Sabbath ״Sccher iemaasseh breischis” und als Ruhetag Abglanz der göttlichen Schöpferruhe ist. Verbündete Kräfte im Christentum sind Calvinismus und angloamerikanische Sonderkirchen. Der Völkerbund hat dann eine Rundfrage an alle Regierungen gerichtet, und überall — jetzt auch in Deutschland — bilden sich Studienkommissionen. 1925 erklärten die berufenen Führer im Namen des Gesamtjudentums die Kalenderreform mit Blankotag für unannehmbar, und infolge der Propaganda aus U. S. A. sahen diese ad hoc im ״Komitee” zusammengesehlossenen Männer seit 1929 ״Gefahr im Verzüge". Sie wandten sieh mit Rundschreiben an sämtliche Rabbiner aller Rieh־ tungen in Europa. IJeherall war das Echo imponierend stark, besonders in England und Holland. Nur Deutsch? land schwieg bisher. 100.000 Unterschriften für eine Petition an den Völkerbund sind schon gesammelt. Der Hebel ist anzusetzen bei den noch nicht fes'tgelegten Länderbehörden, bei der jüdischen Masse und bei der öffentlichen Meinung. Dr. Lewenstein schließt mit einem eindringlichen Appell an das deutsche Judentum, seine alte Vorkämpferrotle im jüdischen Lehen nicht zu vor? leugnen, den Parteikampf zu begraben und der Welt und dem jüdischen Volke ein Bild jüdischen Lebensmutes und Zukunftswillens zu geben. * Das Präsidium des Sabbat־Weltkongresses beim Reichskanzler Bröning. (J. T. A.) Der Reichskanzler Dr. Brüning empfing am 25. August nachmittags den Präsi? denten des Weltkongresses des Schomre Schabbos, Do־ zenten Dr. Samuel G r ü n b c r g, und die Mitglieder des Präsidiums, Rabbi D rachmann (New York) und Stadt־ rat Korein (Budapest). Die jüdischen religiösen Führer legten clem Reichskanzler die Ziele der Scl10tnre־Schahhos־ Bewegung dar und wiesen auf die Gefahren hin, die der jüdischen Religionsiibung durch eine die Stabilität des Sabbattages in der Woche tangierende Kalenderreform und durch eine den sabbathaltendcn Juden aufge־ zwungene Sonntagsruhe drohen. Reichskanzler Doktor Brüning gab als religiöser Katholik im Verlauf der Unter־ redung seiner Sympathie für die religiösen Bewegungen unter den Juden Ausdruck und versprach, dahin zu wirken, daß dem jüdischen Standpunkt in der Kalender־ re form auf internationalem Wege Gehör und Geltung ver־ schafft werde. Präsidium des Weltverbandes Schomre Schabbos. (J. T. A.) Der Weltverband der Schomre Schabbos, wählte das folgende geschäftsführende Präsidium für den Welt? verband für Sabbatschutz: Dozent D'r. Samuel Grünberg, Präsident; Vizepräsidenten: Dr. Paul Sulzberger, Dr. Emil Hirsch, .Rabb. Dr. Hermann Klein, Rabb. Dr. Jakob Frei? anann, Vizeminister a. D. Dr. N. Raclunilewitz, Alfred Marcus, Ministerialrat Hans Goslar, Willy Guggcnheim, Markus Hornstein, Dr. Werner Silberstein, Abraham Prays, Rabb. Dr. Adolf Jacobus, Alfred Löwenstein; Schatzmeister: H, Abramczyk. Bollinger'Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien, XV., Stagigasse 10 (bei Marlahilferstr. 148) Tel. R-35-8-47 und R-30-5-38 Filiale: Wien, Vt!., Burggasse 17, Tel. B 32*3*80 fl₪TO»!um«»1u111u I Lebensfersieberangs ־ Gesellschaft PHÖNIX“ n mmiiimimiiiiiiNMiiiMmimiiiiiuimunnnmiiiiniii Gegründet 1882 Gegründet 1882 Versidieinngsbestanil Ende Juni 1930 2430 Millionen Siiling 1 Oarantiemittel Ende 1029 . 300 Uiilionea Mining Prämien- und Zinseneinnabmen ln Jahre 1929 125% Millionen smilling Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: I Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische § ן Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, 1 I Italien,Ungarn, Polen,Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- § | land, Rumänien, Palästina, Syrien, ׳Türkei, Aegypten 1 Zu Rosch-Haschanah wünschen Sie allen Ihren Verwandten, Freunden, Kunden, Gästen u. Bekannten כתיבה וחתימה טיבה in der «« Sie ersparen Mtihe, Porto und Zeitaufwand! Das Inserat laut nebenstehendem Muster kostet einschließlich aller Steuern nur S 5.- resp. Kc 25.— Bestellungen sind zu richten : Für die Slowakei an die Adresse: ״Jüdische Presse“, Bratislava, Turnergasse 14 Für Wien ״Jüdische Presse“, Wienil, Leopoldsgasse 26 II., Kleine Pfarrgasse 1 .7 (Dr.־K1üger־Heim) Beginn des I. Jahrganges nach den Herbstfeiertagen Internat — Halbinternat — Externat Mäßige Preise Anfnahmezabl beschränkt, daher rechtzeitige Anmeldungen Vornehmes orthodoxes Mädchenpensionat im Dr. Krüger-Heim WIEN II, MALZGASSE 7 Sorgfältige religiöse Erziehung, * erstklassige Verpflegung, Bürgerliehe Preise Auf Wunsch Prospekt 1 ► 1 ► •י > < ► o _ gegenwärtiger u. ehemaliger H eimsch ützlinge, D r. Krüger- Heim (fr. Elisabeth - Heim) i ü r R&h-40 Wien,« ., Malzgasse 7 Sabbathaltende fördert die Sabba&haltenden! Telephon R-43-5-40 Einzige jüdische für Weißnähen und Kleidermachen mit Öfffentlichksitsrecht Wien, II«, Malxgassa 7, Dr. Krüger •Heim Staatsglltlge Zeugnisse Gehnfinnenrecht Samstag geschlossen 11 ^UttUUUlitUUhtilUIUIUUUUUthämttUBUUUÜtUtttlUläititäälHIttiüHMüiihüßttSUUUiühilfiilttiüUihttiiitHbk^ Spendet für den der Adas Jisroal, Wien, I(., Nostroygassa 11 Nachrichten Das erste Ferienheim der Wiener orthodoxen * Schuivereine. (Talmud Thora, Jesod־Hathora und Beth Jakob.) Einem seit Jahren in den Kreisen der Eltern und Freunde der orthodoxen Wiener Schuivereine gehegten Wunsche entsprechend, wurde heuer zum erstenmal der Versuch gewagt, neben den vielen bereits bestehenden jüdischen Ferienheimen für Wiener Kinder ein solches auf streng gesetzestreuer Basis zu errichten. Dieser Ver? such kann nunmehr bereits als gelungen bezeichnet werden. In der Nähe Prcßburgs wurde auf einem Berge, vor den Toren der alten Freistadt St. Georgen, die schon im alten Ungarn den Ruf hatte, über die beste Luft der ganzen Slowakei zu verfügen, eine auf luftiger Flöhe stehende Villa gemietet und, so gut es bei den anfänlich nur knappen Mitteln ging, eingerichtet. Es mußten zu diesem Zwecke erst Betten und alle sonstigen Einrich? tungsgegenstände beschafft und unter großen Schwierig? keiteti in das hochgelegene Heim gebracht werden. Am 25. Juni konnte dann die erste Gruppe, bestehend aus 35 erholungsbedürftigen Kindern, per Schiff die Reise nach Preßburg und von dort mit dem Autobus nach St. Georgen antreten. Für viele dieser jüdischen Großstadtkinder, die nie aus dem Weiclibilde Wiens hcrauskommen, war schon diese erste Schiffsreise an und für sicli ein großes Ercig? nis und es ist zu hoffen, daß der ganze Ferienaufenthalt ihnen in seinen wohltätigen Folgen ihr Leben lang in an? genehmer Erinnerung bleiben wird. Bei der Ankunft in Preßburg wurde die Kolonie von einigen Fremden herz? lieh empfangen, unter denen namentlich Frau Senator S i? mak als Abgesandte des ״Roten Kreuz“ den Kindern bei der Zollabfertigung usw. in liebenswürdigster Weise an die Hand ging. Ucberhaupt muß bei dieser Gelegenheit he? tont werden, daß alle Behörden, die P o 1 i z e i d i r c k? tion W i e n, das t s c h e c h o s 1 o w a ki s ch e und . das polnische Konsulat in Wien bei der Erledigung der Reisepapicre für die Kinder das größte Entgegenkommen an den Tag legten. In der Ferienkolonie selbst entwickelte sich nun sofort nach der Ankunft das für alle Ferienheime typische Leben, das nur durch den streng orthodox?jüdischen Charakter dieser Kolonie seine ganz besondere Note er? hielt. Die Kinder werden hier von ihren Lehrern dazu angeeifert, im jüdischen Sinne zu leben, und nach jeder der fünf Tagesmahlzciten klingt aus froher reiner Kinder־ kehle das gemeinsam im Chor verrichtete Tischgebet, als auch der tägliche Schiur, wie ein feierlicl1?dcmonstratives Bekenntnis bis in die dichten Wälder, von denen das Heim umgeben ist. Das Essen ist reichlich und gut, jedes Kind erhält auf Verlangen bis zu drei oder vier Wiederholungen einzelner Speisen und als am 22. Jul; ein großer Teil der Kinder gegen einen zweiten Turnus ausgetauscht würde, konnte nicht nur eine durchschnittliche Gewichtszunahme von 1 Kilogramm, wobei einzelne Kinder mit Zunahmen von 3 bis 3,5 Kilogramm den Rekord schlugen, sondern auch eine allgemeine Besserung in Aussehen und Befinden konstatiert werden. Der Vormittag ist dem Lernen, dem Spiele oder kleinen Spaziergängen, der Nachmittag aber der Liegekur gewidmet. Ab und zu werden auch größere Lehrausgänge unternommen und and! in der benachbarten Gemeinde Bösing waren, die reiferen Knaben und Mädchen, wo sic unter entsprechender Leitung nicht nur einmal eine richtige Jeschiwa kennen lernten, sondern auch von den Märterern erfuhren, die dort vor vierhundert Jahren auf dem Scheiterhaufen mit ihrem Leben ihren Glauben besiegelten. Am Sabbat wird die Synagoge be? sucht und auch sonst alles getan, um das Ferienheim zu einer in gesundheitlicher ebenso wie in religiöser Hinsicht auf der Höhe aller Anforderungen stehenden Anstalt, zu machen. Von den 80 Kindern, die in zwei einander folgenden Gruppen heuer untergebracht werden konnten, genossen fünf .Freiplätze, die meisten zahlten eine ermäßigte Gebühr und nur wenige die vollen Verpflegskostcn. Es ist also in sozialer Hinsicht eine eminent wichtige Institution mit diesem Ferienheim geschaffen worden, um dessen Grün? düng nebst dem Elternverein der Talmud Thora und der Jesod?PIathora, die Geldbeiträge und Wäschespenden auf? brachten, die Isr. Kultusgemeinde Wien sich verdient ge? macht haben. Allen oben genannten Korporationen und Persönlichkeiten gebührt für ihre tatkräftige Unter־ Stützung herzlichster Dank, insbesondere aber auch dem Initiator und Leiter der Aktion, Herrn Lehrer Jakob Eisenberg. Nunmehr steht zu hoffen, daß dieser, bei allen Schwierigkeiten und kleinen Mängeln, glänzende Erfolg dazu beitragen wird, das Ferienheim der Wiener ortho? doxen Schuivereine zu einer ständigen und fest fundierten Institution werden zu lassen, die auf allseitige Förderung mit Recht Anspruch erheben kann. Die Leitung der Talmud־Thora־Volks־ und Hauptschule stellt uns einen der zahlreichen Dank? briefe der Elternschaft zur Verfügung, den wir als Er? gänzung obigen Berichtes vollinhaltlich zum Abdruck bringen. (D. Red.) An die Leitung ז י tlei* Volks- und Hauptschule, Wien, II., Malzgusse1 16. * Sein־ geehrter Herr Direktor! Gestern abend ist mein Kind, welches 28 Tage in Ihrem ״jüdischen Ferienheim“ in St. Georgen zur Er? holung war, wieder zu Hause angelangt; das Wohl? befinden und das Erzählen des Kindes veranlassen mich, Ihnen herzlichst zu danken, daß Sie es jüdischen Kindern ermöglicht haben, die Ferien in guter Waldesluft im Kreise von gleichaltrigen Kindern bei sorgsamer, liebe? voller, aufmerksamer, fürsorglicher Behandlung und über? aus reichlicher Verpflegung gegen ein geringfügiges Ent? gelt zu verbringen. Ich bitte Sie, geehrter Herr Direktor, meinen besonderen Dank zu übermitteln, vor allem Herrn und Frau Lehrer Eisenberg, ferner Herrn L. Moses und dessen liebenswürdiger Gattin, ferner Herrn Dr. Teneti? haus, Herrn Lehrer Löwy, Tauber, Kolm, Frau Rabbiner Bloch, und dem liehen Fräulein Klein aus Kobersdorf, Frau Kohn u. a. m., die sich alle bemüht haben und es mit bestem Erfolge zuwege brachten, daß die Kinder wirklich gut erholt mit ganz bedeutenden Gewichtszunahmen wie? der zu ihren Eltern zurückkehren konnten. Dank sei ihnen allen, die in so selbstloser Weise für die Kinder gearbeitet, und in liebevollster Weise unsere Kinder betreut haben. Indem ich noch bitte, mir giitigst entschuldigen zu wollen, daß ich' mir solcherart erlaube, Ihre Dienste in Anspruch zu nehmen, und indem ich Ihnen nochmals herzlichst Dank sage, zeichne ich mit der Versicherung vorzüglicher Hochachtung Th. R. 67384242!!P@!?"

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