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Jüdische Presse · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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' ltartatv6 vfptatel poto)co4 xWM post a i*lnr»t«1 v Bratfslav• eia. 4117224־111־. י', <׳• ■1 *,וי־«■ Cafnragea vom Varlsisr T»rt*n*eL J01rna] •xp6dl• par Tedftaar V. b. b. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Radaktion n. Administration! Wien, )!.,Leopolds• fasse 86, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 4594־4־.?«ehechoilowakelt Bratislava, Postfach 140. Brecheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Aboanementsprelsc 1 Ganxjlhrigi Für Oesterreich S 16 Tschechoslowakei tichecb. K. 80, Einzelnummer öst Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto ,Jüdische Presse", Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland: Post־ Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170; Schweiz: Post־ scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ״Jüdische Presse", Bratislava, Postspk.*Amt Prag Konto Nr. 53386 . Nr. 36 Wien-Bratislava, 5. September 1930 •rב*ה וינא־שרעסבורג י״ב אלול 1»־ 16. Jahrg. Berufsberatung. Dei• erste Kongreß des ,.Schon!re Schabbos“- Weltverbandes in Berlin hat die Aufmerksamkeit der gesamten jüdischen Welt nochmals und nachdrücklichst auf N das u n gelöst e S a b b a t- Problem gelenkt. Die gründlichen Referate des Kongresses und die ehrliche Begeisterung der Teilnehmeer werden sicherlich sp .manchen ivertvollen Impuls in die einzelnen jüdischen Zentren tragen. Damit allein ist jedoch dem Sabbatproblem noch uicht Genüge getan. Es muß den Führern est g־e- Ib.gen, die große jüdische Masse für ihre Idee zu gewinnen. Die große jüdische Masse, die im Galuthelend so passiv geworden ist, daß ihr Heldentum in Erdulden und Ertragen, ihre Tugend i.. Entbehren und Entsagen bestehen. Und erst r ht die* orthodoxe Masse, sie ist passiv bis z!r ו Verzweifeln. Aus diesem passiven Haufen 1. den die einzelnen Individuen . erst dann hervor, wenn die Wellen schon über ihnen zusammensdh lagen. Die Väter beginnen erst daun um die Zukunft des Sabbats ihrer Kinder zu sorgen, wenn sie ehon, oft unter den verkehrtesten und falschesten Voraussetzungen, irgend einen Beruf erwählt und erlernt haben. Erst dann wird um Hilfe gerufen: ..Wo ist die Orthodoxie? Wo sind die jüdischen Führer und Versorger, die diesen armen Geschöpfen Brot und Beruf bei Heilighaltung des Sabbats verschaffen müßten? Ja, müßten, denn das ist doch die Aufgäbe eines jüdischen Führers ... Es war von altersher so, daß man den Führern des jüdischen Volkes die schwersten Aufgaben *:«mutete. Ganz recht so. Der jüdische Führer hat a1־eh für alles zu sorgen, was dem jüdischen kleinen Mann nützt und frommt, nur darf diese Führerschuft nicht erst dann entdeckt werden, wenn man sie gerade nötig hat. F ii h r e 1׳ u n d Volk müßten schon ' von früher in nutzbringendem K o n t a k t stehen u n d d i cs e n nicht erst I i 11 cl e n. w e n n k e i n a nderer Ausweg sich zeigt. Auch wir in W i e n, in dieser großen jüdischen Stadt, können oft dem traurigen Bemühen Zusehen, wie Eltern sich erfolglos abhärmen, für ihre Söhne und Töchter in irgend einem Büro eine sabbatfreie Stelle zu beschaffen. Ja, muß diese Stelle denn gerade im Bürofache sein? Wissen denn diese Eltern nicht, daß diese Stellen schon seit vielen Jah:״en überfüllt sind? Daß die Wirtschaft bei uns schon seit geraumer Zeit im Zeichen des Ahha 11 es steht und zu allererst die Sabbathaltenden, also die etwas Unbequemen, nicht vorgelassen werden. Würden diese Eltern vor einem Jahre eine jüdische Berufsberatung in Anspruch genommen haben, so würde ihnen gesagt worden sein, daß der Beruf eines Handwerker s, eines V e r k ä 111 e r s noch immer unvergleichlich aussichtsreicher ist als jener einer Bürokraft. Und erst recht, wenn von T ö c h t e 111 ־ die Rede ist. Da hätte man sie belehrt, daß der so überaus begehrte Beruf einer Stenotypistin vollkommen aussichtslos ist, hingep;en könne man als Erzieherin und Wirtschafterin in Privathaushaiiungen und in größeren Betrieben, in Lehrberufen als Kindergärtnerin, Sprach-, Turn- und Jüdischlehrerin, ferner als Schneiderin und Modistin selbst mit Schemirath Schabbos noch ganz aussichtsreiche Existenz finden. Da haben einige begeisterte jüdische Männer erst in der jüngsten Zeit in Wien im Dr.-Krüger- Heim eine Zentralanstalt geschaffen, welche Jüdische Mädchen zu all den oben geschilderten aussichtsreichen. Berufen bei Heilighaltung des Sabbats ertüchtigen soll. Wieviele sorgenvolle, erbitterte Eltern gibt es, die vom V o r 11 a n d e n s e i n diese r 1111 cl ii h 111 i eher Anstalten keine Ahnung habe n! Die Hauptsache ist, daß in Wien noch eine große, in der Religion tief verankerte jüdische Masse lebt, daß es in Wien wunderschöne Schul- und Lehranstalten gibt, welche, im religiösen Geiste geleitet, den jüdischen Menschen zu einem p r a ktischen, aussichtsreichen Beruf heranb.ilden. Es liegt eine, tiefe jüdische Tragik darin, daß einerseits diese jüdischen Erziehungs- und Lehranstalten die jüdische Masse suchen, andererseits die jüdische Masse sieh nach Möglichkeiten sehnt, ihre Kinder jüdisch und auch für einen b1־o<- bietenden Beruf zu erziehen. Sie suchen sich gegenseitig und sie konnten sich bisher nicht finden. Vielleicht werden die Führer des jüdischen'Wien unter dem Drucke der schier nicht mehr zu ertragenden Wirtschaftsnot, unter dem Drucke des Elends der jüdischen Schulen und Lehranstalten einerseits und der jüdischen Masse anderereits, und nicht zuletzt, angesichts des Appells des Sabbat- Radioaktivste Therme der Welt, 1060 Meter ü. d. M. streng כשר H Thermalbäder, fließ. 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Das Thema sollte besser: Sabbath gegen Wirtschaft — heißen; denn inmitten des modernen Wirtschaftslebens erscheint die Aufrecht־־ erhaltung des Sabbath fast unmöglich. Aber daß Ideen wirtschaftliche Dinge maßgebend beeinflussen können, zeigt die Geschichte. Der Redner gibt eine Betrachtung der wirtschaftlichen Verhältnisse der drei Gebiete, in denen die Juden wirtschaftlich beteiligt sind: Osteuropa, Amerika und Westeuropa. In Osteuropa, wo viereinhalb Millionen Juden — davon drei Millionen in Polen — leben, gehört noch die große Masse der Juden zu den Schomre Schabbos. In Amerika, wo etwa 4,350.000 Juden leben, gehört nur ein Teil der älteren Generation zu den Schomre Schabbos. ln Westeuropa auch nur ein Teil, aus dem sich aber die aktivsten Elemente des Judentums rekrutieren. Der Redner setzte auseinander, wie man wirtschaftlich dem Schomre Schabbos helfen kann. Wo Kollektivarbeit geleistet wird, in Großbetrieben und Fabriken, ist es schwer, leichter ist es, wo der Einzelne für sich oder in kleineren Gruppen Arbeit leistet, am leichtesten in den selbständigen freien Berufen. Stellen־־. Vermittlung wird nicht vom Verband, sondern von den ihm angeschlossenen Organisationen geleistet. Schon bei der Erziehung und Berufswahl der jungen Generation, besonders in den östlichen Agrarländern, muß auf die Umschichtung der jüdischen Menschen in eine klein־ ־־ bäuerliche Schicht in Form geschlossener jüdischer bäuerlicher Siedlungen hingewirkt werden. In zweiter Linie muß die Berufswahl auf das nichtfabrikmäßig be־־ triebene Handwerk' gelenkt werden. Wertvolle Vorarbeit ist durch die Berufsvorbereitung der Chaluzim für Erez .,Israel geleistet, deren Erfahrung und Organisation wir uns zunutze machen können. Ist doch gerade in Palästina der neue Typ des jüdischen Bauers und Arbeiters ent־> standen. Aus diesem Grunde gehört auch die Förderung der Palästina־־Arbeit zu unserem Programm, weil in Erez Israel der Umschichtungsprozeß überhaupt am Anfang der Airbeit steht und jeder, der dort hingeht, auch Sabbath halten kann. Gesetzgebung und Verwaltung der einzelnen Länder muß beeinflußt werden, um der Sabbathbeachtung ungünstige Gesetze zu ändern. Das vom Weltverband begründete Sabbathrechtsarchiv muß zu einer voll־ kommenen Sammlung des gesamten auf Sabbath und Arbeitsruhe bezüglichen Gesetzgebungsmaterials aus־־ gebaut werden. Mit Rücksicht auf die allgemeinen international erörterten Fragen über Arbeitszeit, Kalenderreform und Fünf־־Tage־־Woche und die Einfluß־־ nähme des Völkerbundes auf diese Dinge, erscheint es notwendig, beim Völkerbund einen ständigen Vertreter oder Beobachter zu bestellen. Arbeitsstätten und Produk־־ tionsgenossenschaften fiir Schomre Schabbos sollen ge# schaffen werden, die von jüdischen Verbänden finanziell gestützt werden müssen. Der Kongreß müßte zur Ein# richtung und Unterstützung von Produktionsstätten' zunächst den geringen Betrag von RM 100.000 bis 200.000 bewilligen. Die Genossenschaftsbewegung ist in allen Ländern zu fördern. Für Deutschland ist ein Zusammen# wirken mit der Volksbank Iwria ins Auge gefaßt. Im Golus sind nur Teillösungen möglich, auch Erez Israel kann heute nicht die Sabbathnot aller Juden lindern. Aber wir hoffen, daß eine gütige Vorsehung die jetzt auf dem Palästina־Aufbau liegenden Schatten be# seitigen und eine Einwanderung im großen Stil wieder zulassen wird, so daß es möglich sein wird, immer mehr jüdische Arbeitswillige dorthin zu bringen, wo auch der ׳־ - f f S° lange der Vorrat reicht. mar tjchijj 20°\0 Rabatt vom Originalpreis. 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