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Jüdische Presse · 1930-08-29 · 35 (29.8.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
35 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 35 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 10| flRCflfrlCflTEfl Lucien Wolf gestorben. Samstag, den 23. August, abends, ist Lucien Wolf im Alter von 73 Jahren in London verstorben. Lucien Wolfs Name war überall, wo Juden leben, bekannt, er hatte aber auch in der internationalen politischen Welt einen guten Klang. Lucien Wolf wurde 1857 in London.ge* boren. Schon sehr früh widmete er sich der jüdischen Publi# zistik und jüdischen geschichtlichen Studien. Er ervvarb sich auf diesen Gebieten einen geachteten Namen. Später wandte er sich der aktiven Politik im Dienste der j ii d 1# sehen Interessen zu und wurde ein leidenschaft־ licher Kämpfer für jüdische Gleichberechtigung in allen Ländern. Auf diesem Gebiete waren ihm mannigfache schöne Erfolge beschieden. Im Namen des Joint Foreign Committee of British Jcws trat Lucien Wolf mit den Regierungen jener Länder in Verbindung, in denen die Juden keine oder nur geminderte Staatsbürgerrechte ge־־ nossen oder deren Gleichberechtigung angegriffen war, oder wo Juden Angriffen seitens einer aufgehetzten Masse ausgesetzt waren und nicht genügenden Schutz von den Behörden erhielten. Seit. Bestehen des Völkerbundes hat Lucien Wolf das Schwergewicht seiner Tätigkeit auf Genf verlegt. Er vertrat die A11glo#Jewish Association auf der Versailler Konferenz und setzte sieh als der Vor־ ■ sitzende des Komitees der jüdischen Delegationen mit teilweise gutem Erfolg für clie Erreichung jüdischer Minderheitenrechte ein. Die von Lucien Wolf im Namen des Joint Foreign Committee den! Jewish Board of Deputies und der Anglo#Jewish Association regelmäßig vorgelegten Berichte über die Lage der ■hiclen in den ver# schiedenen Ländern gaben einen Einblick in die unermiid# liehe Tätigkeit dieses Mannes im Dienste des Judentums. Erst vor einigen Tagen übergab er der J. T. A. seine Korrespondenz mit der rumänischen Regierung in der An־־;gelegenheit der letzten Judenverfolgungen in Rumänien zur Veröffentlichung. Saul Moses Slagter זצ״ל. Ein .schwere!‘ Verlust hat die holländische Judenheit betroffen. Im Alter von 48 Jahren, in der Vollkraft seines arbeitsamen Lebens, ist ihr einer ihrer Besten entrissen. Saul Slagter war seit melieren Jahren Direktor der jüdischen Religionsschulen in Rotterdam, wo ei segensreich gearbeitet hat. Aber auch auf andere Gebiete erstreckte sich seine furchtbare Tätigkeit. Von Anfang an war er Anhänger der Agudas Jisroel und, trotzdem er überbürdet war mit so manchen anderen Arbeiten, widmete er ihr einen beträchtlichen Teil •seiner Kraft. Er war Redakteur des holl. Aguda-Organs. das manchen ausgezeichneten Artikel von seiner Hand brachte. Bei der Kenessio ־GodauIo trat er als würdiger Führer der holl. Delegation auf. Seine Tage vebrächte er mit Lernen und Lehren. Tief und reichhaltig war seine Kenntnis des jüdischen Schrifttums (er war חלמ1ד מובהק von Dr. Ritter v׳y und clie ■Wärme seines Gefühles neben seiner Bescheidenheit waren die ersten Züge, die jedem sofort bei ihm auffielen. Ein tragischer Umstand ist, daß der Tod ihn überraschte wenige Tage nach der מילה seines langersehnten Sohnes דור הילך ודור בא Es ist schwer_ abzusehen, wie dieser herbe Verlust zu ersetzen sein wivd.M enschen. fromme und gelehrte jüdische Men- «dien wie Slagten, gibt es nur zu wenig. חנצב״ה Wer ״Cirine“ ausprobiert, Bald auch ihre Wirkung spürt. Siehe Inserat. Vor Aufklärung der Brandstiftung in Borscha? {J. T. A.) Die Klausenburger Zeitungen veröffentlichen die sensationelle Nachricht, daß der Bauer Dimisch Vaselbabuk aus der Borschaer Vorortgemeinclc Fojana an den Innenminister Vaida Voevod einen Brief ge־־ schrieben habe, in welchem er clie Namen von 16 Per־־ sonen angibt, die an der Brandstiftung in Borscha, der fast alle jüdischen Häuser der Stadt zum Opfer gefallen ..sind, mitgewirkt haben. Der Gcneralstaatsanwalt, des Distrikts hat sich nach Maramarossziget begeben, um .mit der dortigen Staatsanwaltschaft die nötigen Schritte zur Eruierung der Täter zu unternehmen. In Borscha selbst wurde durch Trommelschlag verlautbart, daß sich alle diejenigen zu melden haben, die sich über die Ent־־ stehung des Brandes äußern können. Bisher haben sich 25 Personen gemeldet und ihre Wahrnehmungen mit־־ geteilt. Man erwartet in dem ganzen Distrikt mit größter .Spannung das Ergebnis der Untersuchung. Antisemitische Exzesse in Bessarabien dauern fort. (J. T. A.) In der letzten Zeit kamen in Bessarabien, ins־־ besondere im Kreise Balti, weitere antisemitische Aus« schreitungen vor. Im Dorfe Sturdzowka wurden clie jüdischen Bürger Abraham Schönfeld, David Schönfeld, Schlomo Weißmann und Hersch Sadigurski schwer ver־־ letzt und beraubt. Auf den Feldern von Abraham Schön־ feld haben die Cuzisten das Getreide niedergebrannt. Drei Cuzisten drangen in das Haus des jüdischen Bür־ gers Saul Gertowski ein und verletzten das Familien־ Oberhaupt durch einen Revolverschuß am Kopfe. Seine י ״Gattin wurde mißhandelt und gefesselt, sodann wurden I die Wohnung und der Laden zerstört und ausgeraubt. > Die Cuzisten schrien dabei: Wir werden alle Juden aus־ rotten, wenn sie nicht rechtzeitig das Dorf verlassen. Die jüdische Bevölkerung des Dorfes ersuchte den jiidi# sehen Parlamentsklub, die Regierung aufzufordern, ihnen ־•den notwendigen Schutz angedeihen zu lasse״. — Der bekannte bessarabische antisemitische Agitator Nicolai Negru, der vor einigen Tagen verhaftet wurde, ist wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Frage der ׳Entschädigung der Opfer der Anti־ semitischen Unruhen in Suczawa und Balaceana. (J. T. A.) Die jüdische Gemeinde von Suczawa hat dem General« Staatsanwalt beim Czernowitzer Ober/landesgericht und dem Generalrat der jüdischen Organisationen Rumäniens die Höhe der während der antisemitischen Unruhen in -Suczawa und Balaceana angerichteten Schäden mitgetcilt. Dieselben betragen für Balaceana 2,724.800 Lei und für Suczawa 208.089 Lei. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Geschädigten ohne Erwerb sind und sich in einem Zustande ständiger Panik befinden, sowie daß die Re־ .paraturen an beschädigten Häusern so rasch als möglich .ausgeführt werden müssen, weil der Herbst vor der Türe steht. Es wurde darauf hingewiesen,״ daß die Unter־ , suchung gegen die Schuldigen unterbrochen wurde, so daß Gefahr besteht, daß die Spuren verwischt werden. Eine genaue Darstellung des Sachverhalts mit Beweis־ anbietungen wurde angesclilossen. Der Generalrat wurde ersucht, beim Finanzministerium dahin zu intervenieren, daß den Geschädigten die laufenden Steuern abge־ schrieben werden; sie sind nämlich jetzt, obwohl ohne Vermögen und oiine Erwerb, rücksichtslos gepfändet worden. ■■•■־ ־*-?־>' v• ..״; ffiwnttnftiBe ®bittet luücrltiltjcn tue Stf)Utc in it)ten f)1)3־cr.11d). n SBeftvcöungen 3ur 6tfjul3״aJjtwflc«c mib latenten iljren!leinen 21. 23. CG 6<f)üäen na$ bem erften ffiaitq aur Gdjule einen panenben (Sebent־ tortenfür .9.— Kc., entöoffenb: 1 Tube Gljlorobont, 1 G(;Iorobo״t3־ai)u־ bihf.e 1 ®hmbrcaifcrcitas.Sn eilen ei)!oroöon12־!crfnuisiielIcu eroalilid). Lclirerfortbilclungskurse ״Jawne“ in Litauen. ln Litauen sind jetzt die sommerlichen pädagogi« sehen und allgemeinen Fortbildungskurse für Lehrer ab־ geschlossen worden, die infolge ihres großen Erfolges als ein wichtiges Ereignis im jüdischen Schul־ und Kultur־ leben Litauens betrachtet werden können. An den Kursen, welche das Schuldezcrnat ״Jawne“ im Seekurort P ahn ״ e n abgehalten hat und welche die staatliche Anerkennung vom Bildungsministcrium genießen, haben 52 Lehrer und Lehrerinnen von den hebräischen Jawne־ schulen und Gymnasien in Litauen teilgenommen. Als Lektoren wurden aus dem Auslände berufen: Ober־ rabbiner Dr. J. Garlebach (Altona) und Herr Dr. L. D e u t s c h l ä n d 0 r (Wien). Die Hauptthemen, die Oberrabbiner Dr. Carlebach behandelte, waren: Auto־ r i t ä t u n d F r e i h e i t in der Schule, Die Lern־ u n d A r b e i t s s c h u 1 c, Jüdische Er 7. i c 11 u n g s־ demente רז ו den allgemeinen B i 1 d u n g s־־ fächern. Außerdem hielt er zwei spezielle Vorträge über ״J ii d i s c h ־ n a t i o n a 1 c Erziehung in der G c g e n w a r t“ und über ״D i e S c h ö p f u n g s g e« schichte in der Thora und die Ansichten d er Natur w i s s e ״ s chaf t“, auch eine Reihe glän« zender Musterstunden für den Unterricht in verschie# denen Schulfächern wurden unter der Leitung dieses hervorragenden Pädagogen abgehalten. Herr Doktor Deittschländer sprach über: Weltgeschichte und J u d e n t u m, G c s c h i c' 114»« lehre in der Sc h u l e, Ideen und FZ lemetit e^ o m Judentum in der klassischen W e 111 i t e r a.t u t־, Die neuesten Probleme in der Pädagogi k. Ueber Inhalt und Moral des Judentums und Erziehung hat der Schawler Raw, Rabbiner Bukst gesprochen, über Tenach im Lehrerseminar, Lehrer J. PI. S c h m u 1 o w i t 7. Episo« dische Vorträge wurden gehalten von: Dir. H o l z b e r g, vom Madcr Raw, Rabbiner Fundile, Gymnasiallehrer Meiniasch und Herrn Schcreschewsky (Leipzig). Herr Dr. Schilansky sprach über Schulhygiene. Es wurde auch ein ausführlicher Kurs zur Vervollkommnung der litauischen Sprache durchgeführt, als auch ein Hand« arbeit« und Gymnastikkurs. Die gesamten Vorträge um« faßten 200 Stunden. In den letzten zwei Tagen wurde eine Chinuch־ konferenz von den in Palangen zur, Kur anwesenden Rabbinern-und Lehrern abgehalten, welche den aktuellen Fragen der jüdischen Erziehung in Litauen und der An« näherung, sowie Aktivierung aller geistig führenden Kräfte in der jüdischen Gemeinschaft für die jüdische Erziehung gewidmet war. An dem Schhißbankett vor der Abreise der Lek־ toren haben sich alle in Palangen anwesenden Rabbiner und prominente Persönlichkeiten der Gesellschaft be# teiligt und mit vollster Anerkennung für die Organisation der erfolgreichen Kurse ausgesprochen. Durch die Dar« legtmgen vom Schawler Raw, Ponjewitzer Raw. Ober־ rabbiner Dr. Carlebach, Schwekschner Raw, Dr. Deutsch־ länder, Neustädter Raw, H. J. Schmulowitz und Herrn H. Kopeliowitsch, hat sich das Bankett in ein begeister־ tes Auditorium für die brennenden Grundfragen vom Jüdischen Chinuch verwandelt. In Anbetracht ander־ weitiger Inanspruchnahme haben die Leiter Ober rabbiner Dr. Carlebach und Dr. Deutschländer der Ein־ ladung, in Kowno einen Vortrag zu halten, nicht Folge leisten können; sie haben bloß einen öffentlichen Vor־ trag in Memel abgehalten. Sie haben aber versprochen, in nächster Zeit wieder Litauen zu inspizieren und mit־ zuarbeiten an dem Ausbau der höheren Ghinuchinstitu# tionen in den Provinzstädten. Die opfervollc Arbeit der Lektoren wird von allen Seiten mit Dankbarkeit an־ erkannt, speziell wegen der kulturellen Annäherung von Ost־ und Westjudentum. Die zweiten Fortbildungskurse für Lehrer aus Litauen sollen voraussichtlich im Jahre 193t in Hamburg stattfinden. Es wurde der Beschluß gefaßt und sogleich ist man auch an die Ausführung hcrangegangen, eine pädagogische Wanderbibliothek zu errichten, die für die in den kleinen Provinzen zer« streuten Lehrer von dringender Notwendigkeit ist.. Amtliche Verlautbarungen der Israel. Kultusgemeinde Wien. Befsitzkarten für den Leopoldstädter Tempel. Die P. T. Betsitzinhaber, weiche auf ihre vor־ jährigen Sitzplätze im Leopoldstädter Gemeindebethause reflektieren, werden hiemit ersucht, ihre Karten recht« zeitig zu erneuern. Dieselben können während der Amts־ stunden von 8 bis 1 Uhr mittags und ab 3. September auch von 6 bis 8 Uhr abends an der Betsitzkartenkasse der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, behoben werden. — Die bis dahin nicht er« neuerten Sitzkarten gelangen ab 11. September, gleich־ falls von 8 bis 1 Uhr und von 6, bis 8 Uhr, an oben־ genannter Kasse zum allgemeinen Verkauf. — Der ßethausvorstand ist ermächtigt, in berücksichtigungs# würdigen Fällen Ermäßigungen zu gewähren. Gottesdienst. Der’ Vorstand der Wiener israelitischen Kultus־ gemeinde veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage im Großen Musikvereinssaal, I., Dumbagasse 3, sowie im Sophiensaalc, III., Marxergasse 13, und Hotel Continental, II., Taborstraße 4, feierliche Gottesdienste. — Jene Parteien, welche auf die im Vorjahre benützten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegen Vorweisung der vorjährigen an der Kartenkasse der ^israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 1. Stock, in der Zeit vom 2. bis 11. September d. J. während der Amtsstunden von 9 bis 1 Uhr mittags be# heben. — ־ Der allgemeine Vorverkauf beginnt am, | 12. September d. J. I X sc hechoslo wakei ■ Landesparteisitzung der slowakischen ״Jüdischen Partei66. Am 17. August tagte in Trencin־Teplice die Landes־ Parteileitung der aus den verschiedenen Wahlkämpfen der letzten Jahre wohlbekannten ״Jüdischen Partei”, der־ jeiügen Angehörigen des jüdischen Volkes in der Slowakei, die sich zu einem politisch־nationalistischen Judentum bekennen. Es ist dies die erste Tagung der slokawischen Organisation dieser Partei, seitdem es ihr durch die Vereinigung mit den ׳Polnischnationalen in Schlesien bei den letzten Parlamentswahlen gelungen ist, zwei Abgeordnete als Hospitanten der Sozialdemokraten ins Parlament hineinzubringen. Man durfte dieser Tagung auch in den jüdischen Kreisen, die eine ■ jüdisch# nationalistische Landes politik in der tschechoslowaki# sehen Republik aus religiösen, wirtschaftlichen und politischen Gründen grundsätzlich aufs entschiedenste verwerfen, mit einigem Interesse entgegenschen. Sollte man doch endlich von klaren Tatsachen berichten hören, die von der Partei auf dem stolzen Siegesroß reitend in# und außerhalb des Parlaments wirklich geleistet wurden, von Tatsachen, wegen deren es notwendig gewesen sei und sich gelohnt habe, eine immerhin ansehnliche Zahl von jüdischen Wählern auf die unebene Bahn der politischen Extratour eines jüdischen Nationalismus zu lock e n. Die Tagung fand denn auch, wie das offizielle Parteiorgan zu berichten weiß, ״unter zahlreicher Teilnahme von Delegierten aus allen Teilen der StfJJvakei” statt. Es waren nämlich laut der veröffentlichten offiziellen Präsenzliste 36 Personen aus der Slowakei und je eine aus Podkarpatska־Rus und Schlesien anwesend. Unter diesen waren elf Mitglieder von orthodoxen Ge# meinden, nämlich die Damen und Herren: Dr. Leo Sipos# Bratislava, Dr. Wilhem Erdey־Bänovce, Dr. Isidor Rosenfeld־Hlohovec, Dr. Baruch Tomcsoff־Bratislava, Josef Müller־Hlohovec. Ernö Munk־Bänovce, Ludwig Fischer־Sered, Justin \Veinberger־Sered, David Salzer# Sered, Trau Salzer#Sered und Dr. Bernat Fürst־Bratislava. Darüber, was die Partei geleistet, h a t. können wir aus dem offiziellen Bericht beim besten Willen nicht einmal eine Andeutung entnehmen, die über den Kreis der jüdischen Nationalisten hinaus interessieren könnte. Die Referate und Berichte beschäftigten sich — wir halten uns dabei, um nicht fehlzugehen, streng an den offiziellen Bericht — damit, was die Partei tun sollte. Das aber hören wir schon seit zehn Jahren mit abwech־ selndcr Nachdrücklichkeit, je nachdem, ob es vor oder ““ Heirat “ Suche für meine Tochter," intell., hübsch, 30jährig, aus vornehmer, orth. Familie, häuslich und geschäfts־ tüchtig, 40.000 tsch. K, kompl. Ausstattung und ein Zim# mer Möbel, passenden frommen jungen Mann, eventuell kinderlosen Witwer, Kaufmann oder tüchigen Hand# werker. Unter ״Glückliche Zukunft“ an die Bratislavaer Adm. d. Bl. nach einer Wahl gesagt wird. Eine kleine Nuance nur ist diesmal wahrzünehmen. Man möchte sich nämlich von den Prager Parteifreunden um die Welt nicht mehr losreißen und die slowakische Sondertendenz, die einem jüdischen Extranationalismus nicht sehr hold ist, in Zu־ kunft auch dem Stimmenfang zuliebe nicht mehr betonen. Das ist nur zu begrüßen, denn Freund und Feind wollen doch endgültig wissen, woran sie mit dem bald hervor# gekehrten, bald versteckten, zuweilen sogar abgelehnten zionistischen Minderheitsnationalismus der ״Jüdischen Partei“ sind. So wird denn auch von den Delegierten mit Dank verzeichnet, daß es ein ״Erfolg“ der Partei sei, durchgesetzt zu haben, daß bei der bevorstehenden Volkszählung — wie es auch die ״Jüdische Presse“ seinerzeit kritisch behandelt hat — die Juden das un# ermeßliche und in der Wirtschaftskrise geradezu erlösend wirkende Glück haben werden, sich zur ״jüdischen Minderheitsnationalität“ gehörig eintragen zu dürfen, obgleich das Bekenntnis zu einer bestimmten ״Nationali# tät“ allen anderen Einwohnern dieses Staates nur gestattet ist, wenn sie die Sprache dieser Nationalität als ״״Mutter־־ spräche“ anzugeben berechtigt sind. Um die Größe und Bedeutung dieses ״Erfolges“ und damit natürlich auch den politischen Weitblick der ״Jüdischen Partei“ der ganzen gesitteten Welt statistisch nachzuweisen, soll sofort eine ausgedehnte ״Aufklärungsarbeit“ für die Volkszählung in der ganzen Republik beginnen. Wenn die Juden der Republik sich über die Vorzüglichkeit dieses neuen Sonder# nationalismus ohne Muttersprache werden ״aufklären“ lassen, so wird es den erfolgreichen Akteuren der ״Jüdischen Partei“ nur recht, billig und lieb sein — bis auf die wahrscheinlichen Folgen dieses ״Erfolges“. Von der Zukunftsmusik der ״Jüdischen Partei“ fehlen selbstverständlich die Akkorde tler Wirt# schaftsfragen, Steuerlasten, Staatsbürgerschaft auch nicht, Nicht uninteressant ist auch die Art, wie sieh die Parte? für die zionistischen ״h ebräischen“ Schulen in Podkarpatska־Rus (in der Slowakei gibt es nicht eine einzige solche!) einsetzt. Die betreffende ״Resolution“ wollen wir, um nicht abermals des Totschweigens wich# tiger ״Kulturbewegungen“ geziehen zu werden, im Wort# laut hiehersetzen. Sie lautet: 3״. Die Landesparteileitung der Jüdischen Partei für die Slowakei spricht in ihrer Tagung vom 17. August 1930 in Trenc.־Teplice aus, daß eine hewußte jüdische Volksbewegung, eine gesündere Renaissance nur durch intensive Pflege der hebräischen Sprache und deren Ver« breitung möglich ist. Daher beschließt die Jüdische Partei, der Pflege und Verbreitung der hebräischen Sprache Unterstützung der Arbeit zu widmen, und ver־ langt von allen Funktionären, Mandataren und pflicht# bewußten Mitglieder der Jüdischen Partei, dem hebräi# sehen Schulwerk als Mitglieder beizutreten und dieser Bewegung nach Möglichkeit größte Hilfe und Aufmerk# samkeit zu schenken. In Schul# und Kulturfragen wird eine Kommission entsendet, die mit den verwandten Institutionen in Fühlung zu treten hat und hauptsäch# lieh ihr Augenmerk auf den Ausbau einer jüdischen Anstalt zur Heranbildung von Lehrern zu richten hat.‘״

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