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Jüdische Presse · 1930-08-15 · 33 (15.8.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
33 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 33 JÜDISCHE PRESSE ״. Seite J Ludwig Haas in Karlsruhe zeichnen sollte. Große Verant# Wortung wurde auf ihn gelegt, als er mitten aus tosender Schlacht berufen wurde, um das Referat für jüdische Angelegenheiten bei cÄm Zivilverwaltungschef in Warschau zu übernehmen. Eine neue Welt tat sich ihm auf, eine völlig fremde und unbekannte. Es bezeichnet den höchsten Grad von bescheidener Selbsterkenntnis, als er eines Tages seinem Chef mitteilte, man müsse dem Wunsche der orthodoxen Juden Polens, einen Berater und Vermittler aus den Kreisen der westlichen Orthodoxie neben sich zu sehen, Rechnung tragen. So kam die vorher und nachher so heiß umstritten# Delegation der Ortho־ doxie zustande. Sie stand Dr. Haas zur Seite als objek־ tiver Berater und rasch lebte er sich in die neuen Ver־ hiiltnisse ein, gewann volles Verständnis für die geschieht־ liehe Mission des Chassidismus und dessen philosophischen Gehalt, schützte das Cheder in schwerer Entschcidungs־ stunde und hatte ein warmes Herz für alle Nöte der polni־ sehen Judenheit. Kristallklar, wie sein Charakter war, hat er mit politischem Weitblick durchgesetzt, daß die Juden nicht zum politischen Werkzeug kurzsichtiger Kriegspolitik gemacht wurden. Er unterstützte vielmehr die Richtung, welche alsbald nach dem 3. Mai 1916 die Juden als be wußte Bürger in das polnische Staatsganze eingegliedert sehen wollte. Da gab es eine berüchtigte Schulverordnung, welche in ihrem. § 13 den jüdischen Schulen die deutsche Unterrichtssprache vorschrieb, ein Stein des Anstoßes für die Polen. Nun vergleiche man die von Dr. Haas zum Durchbruch gebrachte Tendenz, diesen Paragraphen auf־ zuheben, mit entgegengesetzten kriegspolitischen Maß־ nahmen in anderen Lagern. Bescheiden, wie Dr. Haas war, hat er nie von der Bedeutung dieser Aktion viel Auf־ hebens gemacht — sic gehört aber der Geschichte an, ebenso wie sein Bestreben, den jüdischen Gemeinden eine Verfassung zu geben. Solange er lebte, war Dr. Haas ein selbstloser Förderer der Traditionstreue, ein verständnisvoller Freund der Orthodoxie. Die letzte Korrespondenz, die der Schreiber dieser Zeilen mit dem Verstorbenen pflog, galt dem Versuch, ein der Orthodoxie zugefügtes hartes Un־ recht gutzumachen. Noch vom bitteren Krankenlager aus versprach er, dieser Sache seinen Einfluß zu leihen. Die ihn kannten, liebten ihn. Sein Angedenken ist und bleibt ein Segen. " P. K. fiflCHRiCHTEfl Die ״Drei-Wochen-Aktion“ der Palästina-Zentrale. In unserer Nummer 30 vom 23. Juli d. J. haben wir berichtet, daß die Palästina-Zentrale der Agudu.s Jisroei in Frankfurt, bezw. die Erez-jisroel-Kommission in Wien eine großzügige Aktion zur . Unterstützung des notleidenden religiösen Scbnlwerkes |1 Eiez Jisroei in den ״Drei Wochen“ veranstaltet. Wie wir erfahren, hat die Wiener jüdische Bevölkerung, dem Ruf unserer rabbiuisehen Autoritäten folgend, überall .für dieses große Werk Opfer gebracht und für das Sch ul werk gespendet. Soweit jetzt schon ein Urteil möglich ist, kann die Aktion als glänzend gelungen bezeichnet werden. Insbesondere haben sich einige Herren in den JJienst der Aktion gestellt und eifrig gesammelt. Wir behalten uns vor, ihre Namen sowie die Namen sämtlicher Spender seinerzeit zu veröffentlichen. Das Sekretariat der Aguda ersucht auf diesem Wege jene Sammler, bezw.!jene Vorstände der Bethausvereine, die die gesammelten Beträge noch nicht abgelicfert haben, diese schleunigst auf das Postsparkassen-Konto des Paliistina-Schulwerkes 113.621 zu überweisen oder im Büro, JL, Leopoldsgasse 16 (R-40-0-80), abzuliefern. Die Erez-Jisroel-Kommission benützt diese Gelegenheit, um allen jenen, die zum Gelingen der Aktion beigetragen haben, herzlichst zu danken. Insbesondere wird die Erez-Jisroel-Kommission sämtlichen Vorstandsmitgliedern der österreichischen Kultusgemeinden und der Wiener Bethausvereine, die sich ausnahmslos der für das gesamte Judentum wichtigen Arbeit zur Vorfiigung gestellt haben, stets verbindlichsten Dank wissen. Aguda-Vor trag׳ in Kobersdorf. Samstag, den 9. August hielt auf Veranlassung der hiesigen Jugend-■ gruppe Herr Samuel Hager aus Wien einen Vortrag über ״Die Aguda und ihre Tätigkeit“. Nachdem der Vorsitzende, Herr lenö Rieglcr, die Erschienenen begrüßte. ergriff unter großer!Spannung der Referent das Wort. Er besprach temperamentvoll das Ziel der Agudas jisroei und würdigte ihre Erfolge, insbesondere auf dem Gebiete des Erziehungswesens. Der Redner eiferte das zahlreiche Publikum an, sich der Aguda anzuschließen. JRabbiner Dr. A. Klein (Nürnberg), Mitglied des Fabbinischen Rates. In der Vorstandssitzung der Landes־ Organisation der Aguda in Deutschland vom 4. A\v wurde Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg) an Stelle des ver־ storbenen Altonaer Raw Dr. M. Lern er zum Milgliede des Deutschen Rabbinischen Landesrates gewählt. Der Verlauf des Tischn b‘Aw in Jerusalem. Am Vorabend <le!s Tischn 'b‘A!w nach!Sonnenuntergang strömten aus verschiedenen Teilen Jerusalems jüdische Einwohner in großen Scharen zur ׳Klagemauer, um in traditioneller Weise die ״Kinotli“ (!Kingegobete) .herzusagen. Gemäß ■der Verordnung des Distriktskommissärs Keith-iRonah waren!Kerzen und Lampen jeder!Art ans dem ■Gebiete der Klagern״ u tu־ entfernt worden, so daß tieife!Dunkelheit herrschte. Bloß auf dem ׳Pulte des ■Vorlesens der!Klagcgcibete brannte ein ׳Ocilümpelien.!Da auch das Mitbringen vo.n!Matten zum Sitzen verboten war saß die (Menge imibcsehulit und in Strümpfen auf den bloßen Steinen und lauschte — da sie infolge der Dunkelheit nicht selbst in den Kiuotli-Büclteni lesen konnte — scihweiigend den gedämpften Lauten dos Vorlesers, der die!Klagegcbete ■über die Zerstörung des Tempels sprach.!Es herrschte vollkommene Ordnung, die in dem Gebiete der Mauer postiert gewesenen britischeu!Polizisten!!mitten!keine Gelegenheit ei nzu schreiten. ■Das jüdische Viertel in der!Altstadt Jerusalems war ebenfalls in!Dunkel gehüllt, da alle Läden geschlossen waren. Ueber die arabische Taktik im KlagemauersKonflikt. (J. T. A.) Iin Bulletin des britischen Palästina־Komitees vom 30. Juli nimmt zu der Art, wie die Moslemiten ihren Standpunkt vor der Klagetnauer#K01nmission vertreten, wie folgt, Stellung: Der arabische Standpunkt wurde vor der Klagemaucr־Kommission sehr geschickt vertreten, so geschickt, daß man staunen muß, woher das Geld für die umfangreiche arabische Organisation und Propaganda stammt. Daß die Mittel der Jewish Agency bei den Juden der ganzen Welt gesammelt werden, ist allgemein be־ kannt. Werden die Araber ausschließlich durch Beiträge von Moslems innerhalb und außerhalb Palästinas finan־ ziert? In jedem Falle haben sieh die Araber als wohl־ organisierte und im Besitze ausreichender Geldmittel so־ wie als zur ״Abwehr von Gewalt” hinreichend gerüstet erwiesen. Die Sympathie mit ihrer ״Hilflosigkeit'’, die Für O.C.-Sehfttaen! Sßcxnttnftlfie Met unterfiüfeen bU f ^uIe in toten SBeltrebungert aut <5$ut*3a$npHefle wnb «arten Qtw׳ «einen SC.®. £• Sd&üßen naä) bem eilten (Bang jut <S<f>uJe einen paäenben ®*Itomf* tatton füt 9.— Kö., entfjaltenb: 1 lube ©rtorobont, l (E&for0b0rtt’3af)n* Milte, 1 ünunbtoalletflIas.3n allen CC&lorobont*a}erTaufsltelIen etpfiltlid). sentimentale Menschen in England hegen, scheint daher, vorsichtig ausgedrückt, unangebracht zu sein. Der Versuch, die Empfindungen der Moslems außerhalb Palästinas in Wallung׳ zu bringen, war nur zum Teil erfolgreich. Der in einer Flut von Telegrammen aus Syrien, Aegypten und Indien erhobene Schrei wegen der gefährdeten moslemischen Heiligen Stätten hätte stärkeren Eindruck gemacht, hätten die Kundgebungen durch eine gewisse Gleichartigkeit ihrer Formulierung nicht so nachdrücklich auf eine Zentralstelle, die sie dirigierte, hingewiesen. Die moslemischen Delegierten aus anderen Ländern hielten vor der Kommission Reden, die sic vor ihrer Ankunft im Lande und noch bevor sie die wahre Lage kannten, verfaßt hatten. Und sie machten aus ihrer Enttäuschung kein Hehl: Sic waren gekommen, um die Heiligen Stätten zu verteidigen. Als sie sich aber lange genug im Lande aufgehalten hatten, fanden .sic, daß die Heiligen Stätten fern jeder Gefahr und daher einer Verteidigung nicht bedürftig sind. Die arabischen Versuche, aus diesem rein religiösen Streitpunkte eine die ganze Mandatspolitik aufrührende politische Frage zu machen, enthüllen die wahren Ziele der arabischen Agitation. Der Streit wegen des Rechtes auf Gottesdienst vor der Klagcmatter reicht in die Zeit vor dem Mandat zurück und hat mit dem Mandat nichts zu schaffen. Der Versuch der Araber, die Mandatsfrage in diesen Streit hinein/.u/.iehen. ist■ (neben den vielen anderen Beweisen, die die Shaw־Kommission eigen־ tümlichenveisc ignoriert hat) ein Beweis mehr dafür,- daß die Araber diesen Streit lediglich zu dem Zweck erneuert haben, um die Gefühle der Moslems gegen die Juden auf־ zustacheln und der Erfüllung des Mandates Schwierig? keiten irt den Weg 2u legen. Die Lage in Rumänien. (J. T. A.) Der rumänische Innenminister Vaichi Voevod, dem tags zuvor durch das Kabinett diktatorisehe Vollmachten zur Bekämpfung der Unruhen im Lande gegeben wurden, empfing am 27. Juli den Som derberichterstatter der J. T. A. in dreistündiger Audienz. Im Verlauf des Gespräches 6agte der Innenminister: ״Ich bin jetzt entschlossen, mit den schärfsten Maßnahmen jede den inneren Frieden gefährdende Bewegung und also auch die antisemitische Bewegung, die eine Gefahr für die Sicherheit der Juden bedeutet, zu unterdrücken und die Beteiligten strengstens za bestrafen.“ Der Innenminister!betonte, dan das rumänische Volk' nicht antisemitisch sei und mit seinen jüdischen Nachbarn in Freundschaft zusammenlebe und daß die antisemitischen Unruhen auf Machenschaften der liberalen!Partei zurückgehen, die bemüht ist, die gegenwärtige Regierung zu diskreditieren. Die Unruhen ereigneten sich nach der Wiederwahl des antisemitischen Professors Cuza, die nach V-aidas Ueber- Zeugung wirksam durch die liberale Partei unterstützt worden ist. ״Ich habe nun energische Schritte unternominell“, sagte der Innenminister, ״um eine Wiederholung der antisemitischen 'Ausbrüche unmöglich zu machen. Ich gab Befehl, jeden, der sich antisemitischer Propaganda schuldig macht, zu verhaften und wo es nötig erscheint, militärische Macht einzusetzen.“ Auf die Frage, ob die Regierung bereit ist, die durch die Unruhen betroffenen Juden in ׳Borsclui, Varna, Suczawa usw. zu entschädigen, sagte Vaidu Voevod wörtlich: ״!Die ,Regierung־ wird alle diese Schäden gutmachen, sobald die Untersuchungen abgcschlossen "sind. Den Juden von Borscha wird aus Regierungsmittcln Hilfe gewährt werden, wie sie den Jude״ von!Kl.ausen.burg ׳(Cluj) bei früherer Gelegenheit gewährt worden ist.“ _.__ In unserer heutigen Nummer befindet sich eine Beilage der ״Galga ungarischen Fasanen-Farm“, auf die , wir unsere P. T. Leser besonders aufmerksam machen. ÄBBBBBBBSüSBBBBBBBBKBBBBHiBBBBBBBBBMBBBBBiBBBBBBBBBBBBBBBBBIB'BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBj I Tschechoslowakei [?BBBBBBBBBB®SJHBHBaBBHBBBBBBBBBBBBBBBBlBBBBBBBBBlBBB»BBHB9BHffi!8SMHBBBBBBBBBBBBBBS Das Zwangsgesetz gegen traditionelle Juden. Auf unsere redaktionellen Bemerkungen ■in Nummer 30!zu dem ,Memorandum, das!Herr Jakob S. Schön an den Landesveribaticl der jüdischen Gemeinden in Mähren wegen der ziwangsiweisen ,Unterdi'ückting ries ,traditionellen Judentums in den jüdischen Gemeinden von!Böhmen, Mähren und ,Schlesien gerichtet hat, erhielten wir verschiedene Zuschriften nus allen Teilen dieser (Landesgebiete. ,Ausnahmslos teilen diese Zuschriften unsere ,Meinung, daß die jetzt' durch die Schaffung des-,״Obersten Rates“ auf die Tagesordnung gelangende Neuregelung der ׳Gemeindoverhültnisse in den .,historischen!Ländern“ der tschechoslowakischen Republik die ,längst ersehnte!Gelegenheit sei, dein Gewjssensziwang der traditionell gesinnten Juden in diesen Gemeinden ein!Ende ׳zu bereiten. Nethen Oesterreich ist die Tschechoslowakei der einzige ■Staat im westlichen Europa, wo ein solch veraltetes, zum Geiste der Verfassuiig im;Gegensätze stehendes und dev;ganzen ,Rechtsauififassung der!zivilisierten Welt widersprechendes Zwangsgesetz noch bestellt. Dieser österreichische gewissenibed rdi ak end e Ucbermst eines Jtidengesetzes muß jetzt in die Rumpelkammer! Die Judenheit der Republik hat ein Versäumnis naehzuhoJen. 1Sie hätte sofort .nacli der Neuordnung der staatlichen Verhältnisse fordern sollen, daß das Gesetz von den! Gewissenszwang gegen die orthodoxen Juden, da« ihnen das ,Leben nach ihrer religiösen Ueberzeugirng in eigenen Gemeinden zur praktischen ,Unmöglichkeit macht, einem modernoren, ,freiheitlicheren Gesetz weiche. Jetzt ist der Zeitpunkt da, darin Wandel zu schaffen. ■Die!Frage :ist in erster ■Reihe von eminent p 1־ i n z i׳p i e 11 e r Bedeutung, einerlei, ob die Zahl derer, die von der ,Freiheit der Religion! siibimg und des Zusammen Schlusses der!Gleichgesinnten Gebrauch machen wollen, groß oder klein ist. J c d e r e i n z o 1!1 c ort h 0 d 0 x c J u d e in d er R 0 p 1! b 1 i k h a t im Geiste d e r r e p u b 1 i k a n ischeu ■Goset •z g e b u;n g ■A 11 s!p r u c 11 d a r a u f, d a ß i 11 m e b cnso w i e i 11 d c r S I o w a k e i u 11 d P 0 dk a r p u t ׳s k ä!R u s, a u 0 •h i n B 11 ״ m e n, M ä 11 r e a 11 1111 S c 11 1 e s 1 e n das Recht nicht verwehrt wird, nach der thoratreuen Auffassung der jüdischen Religion leben und seine Kinder erziehen zu können.!Die ,’.Möglichkeit der ■Gründung selbständiger gesetzestreuer jüdische!■ Gemeinden! im Sinne des historischen Judentums und die Schaffung von religiösen Institutionen im Sinne dieser alten .jüdischen iGvuuidanscluumiug, ■das Ist die ■prinzipielle ■Seite der Frage, der sich ■kein aufrichtiger Mensch, ab Jude oder Christ, entgegenstellen wird. Alles andere bleibt i n n e r 0 ,A 11 g c .1 0;g e 1111 e i t <1 e r j 11 d e 111 u n t e r sich. . Wir .werden auch darauf bingewiesen, daß ■das alte österreichische Zwangsgesetz mit ■dem!Rechte, dev <F 1' e iz «ii g i g k c i t d c r t« c 11 e c!1 o s l o w a k i s c h e n S t a a t s a!1 g e 11 ׳1 ״ i g e 11 i n d er t s c 11 e c I! o- .slowakischen Republik unvereinbar sei. Denn es wird dem orthodoxen Juden praktisch verweint, in Böhmen, Mähren oder Schlesien zu wohnen, solange das alte Gesetz nicht aufgehoben ist, das ihm verbietet, orthodoxe Gemeindeiiistitutioiien zu gründen!und zu erhalten, und ihn anderseits z w i 11 g L einer Gemeinde ■.inzugehöi'on und ihr Steuern ■zu leisten, die er als roligion.swidrig arischen muß. ■Unseren 1 iiformationen ■nach sind ■Bestrebungen zu!■ Zusammenfassung aller orthodoxen Kreise in den historischen!Ländern im Gange. Auch viele‘ .unreligi0.se liberalen Juden erklären schon jetzt die Forderung zur Abschaffung des österreichischen Zwangsgesetzes in der ganzen tschechoslowakischen Republik als gerechtfertigt. Die Uzhoroder Oberrabbinerwahl. Wie ״Keleti Ujsäg“ vom 10. August meldet, luit der Gemcindestreit in Uzhorod wegen der Wahl des Herrn Oherrabhiners Josef Kuhn aus Deutschkreuz zum Oberrabbiner mit der Ent־ Scheidung des Ministeriums, die die Wahl bestätigt, noch keineswegs sein Ende erreicht. Die Minderheit erklärt die ministerielle Entscheidung׳ als ungesetzlich und er־ greift die ihr noch zur Verfügung stehenden Rechts־ mittel gegen die Gültigkeit der Wahl. Familienfeier. Sonntag den :15. Aw fand im Hattse des Herrn Gansl in Sala n. V. die Verlobung , seiner Tochter Bözsi mit Herrn Jacques Mohr aus Vrbove in Gegenwart vieler Gäste statt. Es sprachen bei der Feier Se. Ehrw. Herr;Oberrabbiner Straßer und die Herren Simon Gansl, David Halle, Isidor Mohr und ׳der Verlobte schöne Dhvre Thora. (Wir wünschen Maseltow, — Die Red.):;'v :Die neue Preßburger ״Zeremonienhalle“. Die auf dem neuen Preßburger orth. □בית החיי wegen der not־ wendigen Demolierung des alten ״Ziduk Hadim־Häus־ chens“ neuerbaute großartige ״Z e r e m o n i e n 11 a 11 e“ mit ״Tahäro־Stt1be“, die eine der jüdischen Sehenswürdig־ keiten unserer. Stadt bildet, ist dieser Tage im engsten■ Kreise der Cliewra Kadischa in aller Stille ihrer Bestim־ raung übergeben worden. Von einer feierlichen öffent־ liehen ״Einweihung“ ist abgesehen worden.; f Schomre־Thora־Verein in Trnava. Die'Donnerstag, den 31. Juli, unter großer Bcteili־ güng stattgefundene halbjährige Generalversammlung des Schomre־Thora־Vereines eröffnete Vereinspräses־ ־Herr Bela Beck und hielt einen warmen Nachruf nach dem im Jahre verstorbenen ehemaligen Präses Saul Man־ heim ע״ךן» seinem Bericht erwähnte Vorstandsmit« glied Herr Otto Langer, daß der Verein zwei Mitglieder zur Mitbetätigung an der Schomre־Schabbos־Stellen־ vermittlungsselction der hiesigen Ag1tdas־Jisroel־Jugend־ gruppe entsandte, was als Zeichen einer engeren Ver־ bindung und Harmonie zu betrachten sei. Kassier Herr Eugen Deutsch erstattete den Kassabericht. Sekretär Herr Alfred Adler erstattete sodann einen ausführlichen Tätigkeitsbericht. Zu allererst sind die Schiurim, die unter der bewährten Leitung des Herrn Rabbiner Simon Schreiber stehen und immer mehr Besucher an sich locken, erwähnenswert. Es verdient hier erwähnt zu sein, daß die Vorträge des Herrn Rabbiners Schreiber so beliebt wurden, daß auch eine große Zahl' von Baale« Battim unter dem Namen ״E z C h a i m“ einen L’crnV verein gründeten, wo er alltäglich Vorträge hält. Das Zustandekommen dieses Lernvereines ist zum großen Teile Herrn Paul Winter zuzuschreiben. Von der Tätigkeit des Schomre־Thora־Ve1־eines ist noch zu ver־ zeichnen, daß es dem Vorstande gelungen ist, dank den Gemeindevorstandsmitgliedern Herren Israel A b c 1 e s z und Salamon Groß, die sich unser annahmen, eine Sub־ vention von der Gemeinde zur Linderung unserer finan־ zicllen Lage zu erreichen. Vizepräscs Herr Hermann W e i s z ergänzte den Wirtschaftsbericht und richtete an die Mitglieder einen Appell, ihren Pflichten in jeder Weise nachzukommen. Sodann folgte die Generaldebatte, die einc-n lebhaften Verlauf nahm. An ihr beteiligten sich noch die Herren Alfred und Bela Weis z, Alexander und Josef Adler, Eugen Maityn, Siegmund Katz; bürg, Alexander K o 111, Rubin Spalter und Endrc Blumcnfcld. Montag, den 4. August, wurde die Ver־ Sammlung fortgesetzt, wo auch noch ׳Herr Sidney Fahn sprach. Darauf schloß Präses Herr Bela Beck mit einer längeren Ansprache die Versammlung. Die Sonntagsruhe. Die Bratislavaer Stadtgemeinde ordnete im Sinne ..der von uns bereits gemeldeten Anregung des Kom־ munisten Eugen Singer an, daß' die Wochenlöhnc an ihre Arbeiter statt am Samstag nunmehr am Donnerstag aus־ bezahlt werden. Sie ersuchte auch den Verband der 111־ dustriellen, auf seine Mitglieder im gleichen Sinne ein־ zu wirken. So löblich, bcachtens־ und anerkennenswert diese neue Einrichtung auch sein mag, müssen wir sie dennoch als unzureichend betrachten. Wir glauben nicht, daß sie geeignet ist, die Gemüter wegen der Aktion zur g e s e t z־ liehen Einführung der allgemeinen und vollständigen Sonntagsruhe zu beruhigen oder für den Schaden, der durch die Aenderung des gegenwärtigen Zustandes in der Sonntagsruhefrage entstehen müßte, einen Ersatz zu schaffen. Wir haben bereits gngedeutet, daß die Fest־ legung der Auszahlungszeit der Löhne an Arbeiter und Angestellte in Staats־ und Gemeitidebetrieben sowie in

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