Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 31 (1.8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nt. 51־ Sinn für Proportion• Lord Passfield, der Kolonienminister der eng* iischen Arbeiterregierong macht uns Juden den Vorwurf, daß wir jeden Sinn für Proportionen verloren hätten. Es ist nicht unsere Aufgabe, Belege für diese Aeußerung des edlen Lords zu suchen. Er wird sie selber finden, wenn et etwa die Meldungen über Weidmanns Besuch bei ihm lesen wird. Wir stellen diese Meldungen ohne Pro» Portion nach den Ausgaben der J. T. A. zusammen: Wichtige Konferenz zwischen Dr. Weizmann und Lord Passfield. London, 8. Juli. (J. T. A.) Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann besuchte am 7. Juli morgens auf Einladung des Kolonienministers Lord Passfield das britische Kolonialamt, wo er durch den Kolonien# minister empfangen wurde. Präsident Weizmaton be# sprach mit Lord Passfield eine Reihe wichtiger Fragen der englischen Politik in Palästina. Ueber den Verlauf der Konferenz ist ein Kom# munique nicht veröffentlicht worden. In Londoner poli* tischen Kreisen wird diesem Besuch des Präsidenten der Jewish Agency beim Kolonienminister (Dr. Wciz» mann und Lord Passfield hatten sich seit sechs Wochen nicht gesehen) große Bedeutung beigemessen. Die offiziellen Beziehungen zwischen Zfbnisiischer Organisation und Colonial Office wieder aufgenommen. London, 9. Juli. (J. T. A.) Die seit der Suspen» dierung der Arbeiter#Zertifikate durch die Londoner Regierung seitens der Zionistischen Exekutive abge» brochenen offiziellen Beziehungen zum Colonial Office sind, wie die Jüdische Telegraphen«Agentur aus autori* tativer Quelle erführt, wieder aufgenommen worden. Es sind Verhandlungen über die schwebenden Fragen im Gange, die aber kein endgültiges Ergebnis haben kön« nen, solange der Bericht Sir JohnTiope Simpsons über seine in Palästina angestellten Untersuchungen nicht vorliegt. Der Bericht soll, wie wiederholt angekündigt wurde, Ende Juli abgeschlossen vorliegen. Lord Passfield beklagt sieb über das Mißt rauen der Juden. Er macht Weizmann den Vorwurf, daß er Gerüchten nicht entgegengetreten ist, die den Feinden der Arbeiter» regierung Waffen in die Hände liefern. — Den Juden ist eine Heimstätte, nicht ein Staat versprochen worden. Simpson soll nur berichten, nicht empfehlen. — England bricht sein Wort nicht. New York, 11. Juli. (J. T. A.) Die in New York in jiddischer Sprache erscheinende große sozialistische Tageszeitung ״Vorwärts“ veröffentlicht eine Erklärung des englischen Kolonienministers Lord Passfield, (Sidney Webb) über die Palästina«Politik der Arbeiterregierung und über den Konflikt zwischen Colonial Office und Zionistischer Organisation. Es heißt darin: Es ist nicht richtig, daß die Arbeiterregierung gegen die Politik des jüdischen Nationalheims ist. Die jüdische Einwanderung nach Palästina ist nicht gesperrt, sondern bloß für eine gewisse Zeit unterbrochen wor« den. Großbritannien hält an seiner Absicht, die Bestim« mungen des Palästina־Mandates durchzuführen, fest. Die Regierung hält aber eine Masseneinwanderung im ge« genwärtigen Augenblick für nicht vorteilhaft, und zwar gerade für die Juden und Zionisten. Diese Flaltung der Regierung ist diktiert von der politischen und wirt« schaftlichen Situation Palästinas, die wohl eine Infiltra* tion, nicht aber einen breiten Strom jüdischer Einwan« derung zuläßt. Kann man von einer Sperre der Ein« Wanderung sprechen, wo doch keine einzige, bereits;,'erteilte Einwanderungserlaubnis zurückgezogen worden ist? Besteht ein zureichender Grund dafür, daß von Panik ergriffene Juden in aller Welt verkünden, die Arbeiterregierung habe sie verraten? Durch Verbrei* tung solcher grundloser Gerüchte über die Arbeiter« regierung liefert man deren inneren und äußeren Feinden Waffen in die Hand. Von Panik ergriffen, haben die Juden allen Sinn für Proportionen verloren. Lord Passfield greift auch den Präsidenten der Jewish Agency, Professor Chaim Weizmann an, und erklärt wörtlich: ״Ich kenne Weizmann seit zehn Jahren, aber ich habe ihn noch nie so nervös gesehen, wie in diesen Tagen. Er hat es zugelassen, daß gewisse unver« antwortüche Gerüchte über mich als Kolonienminister und über die Regierung verbreitet worden sind. Ich will nicht sagen, daß er selbst diese Gerüchte ausgestreut hat, was ich aber unterstreichen will, ist, daß er sie { WICHTIGE NEUERSCHEINUNG § I «41 ספר בית הבחירה הנקר | מאירי על מםיםנהדרין | עם הגהות וסראה ממיסוח. ובסופו סינטרם קושיות מרבינו ן I עקיבא אער זציל במסיסנהדריו אשר לא נדפסו עד היום. ן I ן PMii 2.90 Dollar | H Für Buchhändler entsprechender Rabatt i 1 Zu beziehen durch Rabbiner A. Schreibart ן Gorilla, Kalla 1 11וווווווווו111ו1וווווו1ווווווווווווו!וווווווווווווו!11וווווווווו1ווו!!1ו1ו!ווו!ו1וו!וווווו!ו!ווווווו!וווו11ו!ו11וווווו!;וו!ווווווווווווווו1וווו!וו hätte dementieren oder der Wahrheit gemäß berich« tigen sollen.“ Passfield tritt dann der Version entgegen, er habe Weizmann vorsätzlich irregeführt, indem er eine Besprechung zwischen Weizmann und Simpson vor Simpsons Abreise nach Palästina zugesagt, und die Zusage nicht gehalten hat. Er schreibt: ״Ich habe Weiz« mann kein ausdrückliches Versprechen gegeben. Ich habe lediglich gesagt, daß ich die Besprechung für zu« lässig halte. Kann ich dafür verantwortlich gemacht werden, wenn Simpson seine persönlichen Pläne umge« stoßen hat? Wie konnte die unrichtige Mitteilung ver« breitet werden, ich hätte Weizmann irregeführt? Wer ist für diese Mitteilung verantwortlich und welche Ab« sicht steckt dahinter?“ Das Mandat, fährt Passfield fort, garantiert den Juden eine Heimstätte (Home Land), und nicht einen Staat. England kann keinen Judenstaat schaffen. Die Juden werden doch nicht erwarten, daß in der Heim» statte 12 oder 14 Millionen Juden angcsiedelt werden. Die zionistische Bewegung erschwert die in Angriff ge« nommene Aufgabe, indem sie unter de«► Juden Miß« trauen gegen die Regierung sät. Lord Passfield be« streitet, daß die Regierung die Bodenkäufe der katholi« sehen Kirche erleichtert habe. Gegenstand der Mission Simpsons, schließt Pass» fieid, ist nicht ein verpflichtender Bericht, sondern In« formation. Die Regierung wird seine Informationen zur Grundlage ihrer Entscheidungen nehmen und nicht etwaige Empfehlungen. Simpson wird in drei bis vier Monaten zurückerwartet. Unterdessen sollten *sich die Juden beruhigen und nicht mit Mißtrauen auf Groß« britannien blicken, denn Großbritannien bricht sein Wort nicht. Im Leitartikel begrüßt die Redaktion des ״Vor» wärts“ die vorstehende Aeußerung Lord Passfields als eine Geste des Friedenswillens gegenüber den Juden. Die Juden, schreibt das Blatt, werden die ausgestreckte ז r Friedenshand mit Wärme ergreifen. NACHRICHTEN m Schuleinschreibungen im Dr. Krüger■■ Heim. Internat — Halbinternat -י Externa 1. Wien, II., Malzgasse 7, Telephon A0#77־48־. Einschreibungen täglich von 9 bis 12 und von 3 bis 5 Uhr exklusive Samstag und Sonntag. Volks- und Hauptschule liir Mädchen mit Oeffentlichkcitsrecht — Zweiklassige Fra uengewer beschule für Weißnähen und Kleidermachen mit Oeffentliehkeitsrecht — Streng rituelle Koclikurse (Tages- und Abendkurse), die einzigen rituellen Kurse in Oesterreich — Lehrerinnenseminar (Betli-Jacob), 1. Jahrgang — Moderne Sprachschule für Deutsch, Französisch, Englisch (spezielle Kinderkurse) ----- Kunstgewerbliche Kurse in Vorbereitung. Streng ritueller Haushalt; mäßige Preise. II., Leopoldsgasse Nr. 16, Fernsprecher S2-40-0-80 Offene Stellen: Lehrlinge und Praktikanten für ver» schiedene Branchen, Herrenschneidergehilfe, Damen» Schneidergehilfe, Kürschnergehilfe, Schneiderin, Ajour« näherin, 2 Spulerinnen, Stepperin, 2 Wirtschafterinnen in die Schweiz. Stellengesuche: Stellengesuche liegen von Ange» stellten und Arbeitern jeder Art vor, für Handel, Industrie uncl Gewerbe. ' Zcltm, 29. Juli 1930. Der hiesigen Jesclmva war cs am Sonntag, 24. Turnus, vergönnt, ein seltenes Fest 7m feiern. Die größte בבא בחרא יש״ס 1° מס׳ wurde nach zwei» jährigem, emsigem und aufopferndem Lernen beendigt und nun galt es den סיום feierlich zu begehen. Der Größe des Festes Rechnung tragend, hatte ein rühriges Komitee rechtzeitig mit den Vorarbeiten begonnen, so daß zur bestimmten Stunde die zahlreichen Teilnehmer im fest« lieh geschmückten und beleuchteten ביה״ם die Feier be« ginnen konnten. Aus der Ferne waren Gäste, ehemalige תלמידיס gekommen, die in der Nähe des verehrten רבי und im Kreise Gleichgesinnter, wenn auch nur auf kurze Zeit, die Alltagssorgen zu vergessen suchten. Nach dem Auslerncn der מס׳ durch den allbeliebten שליטיא T)0”W knüpfte dieser einige ד*ת daran, in denen er die תלמידים zum fleißigen Weiterlernen ansporntc. Das Festessen, be« gleitet von דברי תורה und זמירות, verlief sehr angeregt. 5-Tage-Arbeitswoche in Deutschland. Berlin, 21. Juli. (J. T. A.) Vom Zentralbüro des Weltverbandes Schomre Schabbos wird der Jüdischen Teiegraphen«Agentur mitgeteilt: Während bisher die amerikanische Industrie die Frage der Rationalisierung ihrer Betriebe durch Verminde« rung der Arbeitszeit zu lösen suchte, scheint nunmehr der Gedanke der 5«Tage«Arbcitswoche auch in Deutschland sich stärker durchzusetzen. Aus einer Mitteilung des Finanz« und Handelsblattes der ״Vossischen Zeitung“ geht hervor, daß sich Belegschaft und Verwaltung der Adler«Werke über eine Verkürzung der Arbeitswoche auf 40 Stunden geeinigt haben. Es ist kein Zweifel, daß ein gemeinsames Vorgehen der deutschen Wirtschaft auf die« sem Gebiete nicht nur geeignet wäre, die augenblicklichen scheinbaren Nachteile dieser neuen Regelung der Arbeits» zeit zu überwinden, daß cs vielmehr darüber hinaus die gewichtige Folge zeitigen würde, kulturelle Grundfragen wie Sabbatschutz, Sonntagsruhe, Kalenderreform und über« haupt die gesamte Sozialpolitik auf eine neue Basis zu stellen. ־־־׳Der Sabbath#Weltkongreß. Die Vorarbeiten des Weltverbandes für Sabbatschutz zur Rüstung des von ihm einberufenen am 24., 25. und 26. August in Berlin tagenden Sabbat«\Veltkongrcsses sind in allen Ländern in vollem Gange. Tagtäglich ergehen beim Zentralbüro des Weltverbandes neue Anmeldungen von Delegierten, darunter die namhaftesten Landesrabbiner verschiedener europäischer und außereuropäischer Länder. Die Regie« rungen der verschiedensten Länder schenken der Tagung eine besondere Beachtung und suchen den Wünschen der Delegierten in jeder Hinsicht entgegenzukommen. Die jüdischen Arbeitnehmerorganisationen der Länder mit jüdischer Massensiedlung sehen der Tagung wegen ihres sozialen Charakters mit größter Spannung entgegen. Board of Deputies und Kalenderreform. Lucian W o 1 f berichtete in der jüngst abgehaltencn Sitzung des Board of Deputies auch über die drohende Kalendcrrcform. Aus dem Bericht ist zu entnehmen, daß ihm der Chief Rabbi gemeinsam mit Rabbiner׳ Doktor Lewenstein aus Zürich in Vertretung des internationalen rabbinischen Komitees für Kalenderreform einen Besuch abstatteten. Sie erbaten die Unterstützung des Board of Deputies und der Anglo Jewish Association durch Be« reitstellung von Unterschriften unter ein jüdisches Gesuch an den Völkerbund gegen die geplante Ein« Schaltung von blanken Tagen in den Kalender. Ein solcher Kalender würde die Folge der Wochentage stören und sich für Einhaltung des jüdischen Sabbats kata« strophal auswirken. Das Komitee hat beschlossen, von den leitenden Körperschaften zu erbitten, daß sie ent« sprechende Resolutionen zur Unterstützung des •rabbini* sehen Komitees fassen und weitere Maßnahmen zum Schutze der jüdischen Interessen, soweit sie für notwendig befunden werden, den Präsidenten überlassen mögen. ■a.^ßauph(£uA/ur7maSt ff. MaXzgassz (6 twm Herzog Alba über die Vertreibung der Juden aus Spanien. Dev gegenwärtige spanische Außenminister Herzog von Alba und Berwick gewährte der Jüdischen Tele» graphensAgentur während seines!Aufenthaltes in London ein Interview, in dem er sieh insbesondere'über die Frage der gegenwärtigen Gültigkeit des gegen die Juden in Spanien im Jahre 1492 erlassenen Vevtreibungs־Ediktes äußerte. Die Frage ist durch eine vor kurzem erfolgte Aktion des Präsidenten der Jüdischen Völkerbundsliga in Bulgarien, Dr. Mczan, angeregt worden, der an den Präsidenten der Internationalen Union der Völkerbund« ligen die Bitte richtete, anläßlich der in Madrid abzuhal« tenden Jahreskonferenz der Union festzustcllen, ob er und andere jüdische Delegierte an der Tagung teilnehmen können, da seines Wissens das Edikt von 1492 nie rück« gängig gemacht worden ist. Herzog Alba beantwortete die an ihn gestellte Frage mit der Gegenfrage, ob das gegen die Juden in England verfügte Vertreibungs»Edikt von 1290 je zurückgenommen worden ist. Eine Regierung setzt Gesetze und Erlässe, die im Laufe von Jahrhunderten erlassen worden sind, nicht einzeln außer Kraft. Durch die jetzt in Spanien geltende Verfassung sind alle vor dem Jahre 1800 in Spanien gültig gewesenen Gesetze und also auch das Edikt von 1492 automatisch außer Kraft gesetzt. Die Lage der jetzt in Spanien lebenden Juden ist genau die gleiche wie die aller anderen Bewohner des Landes, gleichgültig ob sie spanische Bürger oder Aus»!ander sind. Als spanische Bürger genießen die Juden die gleichen Rechte, wie die anderen spanischen Staatsbürger, Ms Ausländer die gleichen Rechte, wie die nichtjüdischen in Spanien lebenden Ausländer. Die spanische Staats« Bürgerschaft können die Juden in gleicher Weise wie alle anderen erwerben. Es gibt auch bereits eine Anzahl von Juden, welche die spanische Staatsbürgerschaft erworben haben und ich selbst kannte persönlich einen von ihnen, Senor Bauer, der Mitglied des spanischen Parlaments ge« worden ist. Ich persönlich, sagte der Herzog Alba, bin der Meinung, daß die Vertreibung der Juden aus Spanien ein Fehler war. Aber die Juden sind nicht das einzige Volk, das zu jener Zeit aus Spanien vertrieben worden ist. Auch die Mauren sind damals vertrieben worden, obwohl diese Maßnahme auf sehr starke Gegnerschaft stieß. Juden und Mauren waren beide fleißige Bevölke« rungsschiehten, und so wie die Großgrundbesitzer in den Mauren eine sehr nützliche Schicht von landwirtschaft« liehen Pächtern fanden, so wußten auch die maßgebenden Handelskreise den Wert der Juden einzuschätzen und sie machten die größten Anstrengungen, um den Beschluß der Inquisition zu mildern. Die Inquisition war keines« wegs, wie weithin angenommen wird, das Instrument der katholischen Kirche, die mit deren Grausamkeit durch# aus nicht immer einverstanden war. Die spanische Inqui» sition war eine Einrichtung des spanischen königlichen Regimes zur Herstellung der religiösen Einheit im Lande, weil man damals annahm, daß es ohne religiöse Einheit keine Einheit der Bevölkerung und keine Autorität der Krone gäbe. Gegen eine starke Opposition setzten Ferdi« nand und Isabella ihren Willen durch und Juden und Mauren wurden aus Spanien vertrieben. Das sind aber alles Fragen einer längst vergangenen Geschichte, die jetzt neu aufzurühren, nichts Gutes bewirken würde. Fierzog Alba ging dann auf Fragen der Gegenwart ein und sagte: Die spanische Regierung kennt die noch heute anhaltende Loyalität und innere Neigung für Spanien und die spanische Sprache bei Hunderttausenden von Abkömmlingen spanischer Juden in nichtspanischen Ländern. Die spanische Regierung hat es schon vor׳ Jahren unternommen, enge und rege kulturelle Beziehun« gen mit diesen Sephardim in verschiedenen Teilen der Welt aufzunehmen und trägt zur Unterhaltung ihrer Er» Ziehungsinstitutionen, besonders in Marokko, bei. Wir wissen, wie diese Juden über die spanische Periode der jüdischen Kultur denken, die in Wahrheit ein ruhmvolles Blatt in der Geschichte füllt. Es gibt noch eine große Anzahl von Juden in Marokko, z. B. in Tetuan, die noch immer spanische Staatsbürger sind, und in einer gewis» sen Zahl kommen auch Juden aus Marokko nach Spanien und siedeln sich dort an. Die Zahl ist nicht sehr groß, das hat aber seinen Grund darin, daß Spanien ein armes Land ist, und daß es für einwandernde Juden daher keine großen Möglichkeiten bietet. Das bringt uns zu der Frage, ob eine große Rückwanderung spanischer Juden nach Spanien, wahrscheinlich ist. In Spanien gibt es Arbeits» losiglceit; natürlich nicht in einem solchen Ausmaß wie hier in England, Spanien ist ein industriell nicht so hoch entwickeltes Land wie England, aber die Einwanderung in ein Land muß sich immer nach den ökonomischen Be» dürfnissen des Landes und seiner Absorptionsfähigkeit richten. Ich glaube nicht, daß die plötzliche Ankunft von hundertausend sephardischen Juden auf einer Arche Noah in England durch die Bevölkerung geradezu begrüßt werden würde und in Spanien liegen die Dinge in dieser Hinsicht nicht anders als in irgend einem anderen Lande. Insoweit es jedoch wirtschaftliche Möglichkeiten im Lande gibt, sind die Juden als Einwanderer in Spanien ebenso willkommen wie irgend wer sonst, und können einer sehr liberalen Behandlung gemäß den Gesetzen des Landes sicher sein. Die• Frage einer Rückwanderung der sephardischen Juden nach Spanien ist in weitem Umfang von ökonomischen und anderen Erwägungen delikater Natur abhängig, und es scheint, was immer in Zukunft geschehen mag, für eine Masseneinwanderung nach Spanien geringe Aussichten zu geben. Das Problem ist allerdings eines von vielen, die jetzt Gegenstand der Untersuchung durch die spanische Regierung sind.