Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 27 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 27׳ ־ IV. Der Schulschluß bedeutet demnach leider in vielen Fällen nicht nur Abschied von der Schule, sondern auch Abschied von der jüdischen Tradition. Der Weg ins Leben wird vielfach mit der Preis־ gäbe der Wette erkauft, welche in früheren Jahrhunderten den jüdischen Menschen Kraft gegeben haben, in allen Stürmen des Lebens sich zu behaupten. Jedes Jahr, be־ sonders aber jedes, dessen Schulschluß auf einen Sabbat fällt, sollte ein neues Memento sein für unsere Führer, ihre Pflicht dem jüdischen Kinde gegenüber zu erfüllen. Man beginnt mit der Preisgabe des Sabbats, indem diese Kinder in eine nichtjüdischc Schule eingeschrieben werden. Der Weg des jüdischen Kindes aber kann nur durch die jüdische Schule führen. P. Klfifc 61e jüöiscfye Schule "Botfls 4t'J5aupfs(fiu&.fi2rjVnaJ>en, -und fläddm milOfenifuMdisraM ' //. fflatzgasse!6 Spendet für den Kindergarten nndJessode Hathora der Adas Jisroel, Wien, II., Nastroygasse 11 Der Kampf um Palästina. Die Klagemauer־Kommission. Die Internationale Klagemaucr־Kommission be־ suchte am Sonnabend den 21. Juni, morgens, während die Passage vor der Mauer von Juden aller Schichten, die sich zur Sabbat־Andacht versammelt hatten, gefüllt war, in Begleitung des Jerusalemer Gouverneurs Major Keith־ Roach und des Herrn Edwin Samuel das Klagemauer־ gebiet. Die Mitglieder der Kommission studierten sorg־ faltig die Zugänge zur Mauer und besichtigten die an die Klagemauerpassage angrenzende Residenz des Großmufti. Die Moslcmiten hatten vorher Gcbctsteppichc über die Mauer ausgebreitet und zum moslemitische״ Ritual gc־ hörende Lampen angebracht. Auch hielten sic während der Anwesenheit der Klagemaucr־Kommission in der ״Zalnvieh“ (der bisher unbenutzten Kapelle links des Hauptzuganges zur Mauer) einen Gottesdienst ab. Am Montag den 23. Juni hielt die Internationale Klagemaucr־Kommission ihre erste Sitzung ab. Der Vor־ sitzende Herr Locfgren verlas die Resolution des Völker־ bundrates, die von der Ernennung einer Kommission zur Beilegung des Konfliktes an der Klagemauer handelt. Diese Kommission, fuhr .Herr Loefgrcn fort, wurde von der britischen Regierung unter voller Zustimmung des Völkerbundsrates gebildet. Die Mitglieder der«Kommis־ sion sind Bürger von Ländern, die in der strittigen Frage vollkommen unabhängig sind und hieran keinerlei Partei־ intcresse haben. Die englische Regierung und der Völker־ hundsrat, die beide bereit sind, das Mandat durchzu־ führen, haben betont, daß sie von uns eine unparteiische und gründliche Untersuchung erwarten. Wir hoffen, sagte Herr Loefgren weiter, daß die interessierten Parteien unserer Arbeit Wohlwollen ent־ gegenbringen und uns alle nötige Unterstützung in der. Auswahl ihrer bevollmächtigten Vertreter, im Verhör der Zeugen, in der Beschaffung und der . Analyse des Doku־ mentemnatcrials, im Kreuzverhör der Zeugen und in der Vertretung ihijcr Sache angedeihen lassen werden. Dabei genießen die verschiedenen Interessenten die gleichen Rechte, und es bleibt ihnen Vorbehalten, Deklarationen, Resolutionen u. ä. m. vorzubringen. Pflicht der Kommis־ sion ist cs nicht allein, eine Untersuchung durchzuführen, sondern auch ein Urteil abzugeben, und es ist deshalb nur recht und billig, hierbei soweit als nur möglich die üblichen Rechtsmethoden zur Anwendung zu brinjgen; infolgedessen ist beabsichtigt, Vertretern der Presse und der Oeffentlichkeit Zutritt zu den Sitzungen der Kommis־ sion zu gewähren. Als der Vorsitzende seine Eröffnungsrede beendete, erhob sich David Yellin, um die Kommission zu be־ grüßen. In der Zusammensetzung der Kommission, sagte er, liege eine Gewähr für ihre Neutralität. Was die Juden verlangen, ist das Recht, vor der Klagemauer zu beten, ein Recht, das wohlbegründet und unbestreitbar ist. Als Vertreter der Araber erklärte Auni Bey, die moslemitische Welt habe das Bestreben, •die Kommission bei ihrer Arbeit zu unterstützen; die moslemitische Ver־ tretung sei aber nicht berechtigt, schon im voraus sich mit dem zukünftigen Verdikt der Kommission einver־ standen zu erklären. Die Palästina־Regierung ist in den Sitzungen offi־ ziell nicht vertreten. An der Seite von Dr. Yellin haben Dr. Eliash und Rabbi Blau platzgcnommen, neben Auni Bey saßen fünf Vertreter des Obersten Moslemitischen Rates, unter ihnen Jamal Hussein!. ln der Sitzung von Mittwoch den 25. Juni wird Dr, Eliash formell die Sache der jüdischen Gemeinschaft darlegen. Die Kommission wird an vier Tagen in der Woche, und zwar zweimal täglich, Sitzungen abhalten. Das jüdische Klagemauer־Memorandum. Das Memorandum über die jüdischen Rechte an der Klagemauer, das der Internationalen Klagemauer־Kom־ mission unterbreitet worden ist, gründet sich in der Haupt־ Sache auf das von Dr. Cyrus Adler ausgearbeitete Me־ morandum; es wurde in einer Sitzung bestätigt, in der Rabbi Meir Berlin den Vorsitz führte und der Ober־ rabbiner Kook, Oberrabbiner Meir, Rabbi Sonnenfeld, Dr. David Yellin, Meyuchas, Rabbi Blau und Dr. M. Eliash beiwohnten. Dem palästinensischen Rabbinat sind von rabbinischen Verbänden in der ganzen Welt Tele־ gramme zugegangen, in welchen das Rabbinat ermächtigt wird, die Sache der jüdischen Religion vor der Klage־ 1nauer־Kommission zu vertreten. Solche Zustimmung.?־ kundgebungen langten u. a. von den Rabbinern in New York, Montreal* Antwerpen, Rom, Amsterdam, Bukarest, llllllllllllllllllllllllllll■ Einzige Jüdische Privat - FraoengetierlesAole für Weißnähen und Kleidermachen mH Öffentllchkeltsreoht Wien, II., Malzgasse 7, Dr. Krüger-Heim Staatsgiltlge Zeugnisse Gehilfinneorecht Samstag geschlossen _I Parks, Johannishurg und Kopenhagen ein. — Die Mit« glicder der Internationalen Klagemauer־Kommission ha־ l׳cn der Jewisli Agency mitgeteilt, daß sic beabsichtigen, die Hauplsynagogcn in Jerusalem zu besuchen. Tagung der Politischen Kommission der Jewish Agency in London. Am Montag den 23. Juni wurde in London die Tagung der Politischen Kommission der Jewish Agency unter dem Vorsitz von Lord Mclchctt eröffnet. Lord Meiehott führte in seiner Eröffnungsansprache aus: Wir müssen cs in das Bewußtsein der britischen Regierung einprägen, daß cs unmöglich ist, das Jüdische National־ heim ohne Menschen und ohne .Boden aufzubaucn. Ohne diese wesentlichen Dinge ist das Mandat faktisch ein Widerspruch in sich. Die Judenheit aber darf in ihren Bemühungen keinen Stillstand eintreten lassen; im Ge־ genteil, sie muß alle ihre Energien einsetzen, damit die jetzigen Schwierigkeiten bald überwunden werden. Der Präsident.der Jewish Agency, Dr. Weizmann, gab in längeren Ausführungen einen Ueberblick über die jetzige politische Lage. Er ging im Detail auf alles ein, was sich seit der letzten Sitzung der Politischen Kommis־ sion, im November!929, auf dem politischen Gebiete des Zionismus ereignet hat. Et־ erstattete ausführlich Bericht über die seitens der Jewish Agency mit der britischen Regierung geführten Unterhandlungen und über seine eigenen Schritte während dieser Zeit־.. Er übte Kritk an der Haltung der Regierung im allgemeinen und verweilte insbesondere hei der Maßnahme der zeitweiligen Suspen־ diernng der jüdischen A rbcitcreinWanderung nach Pa־ lästina. In der zweiten Sitzung der Politischen Kommission der Jewish Agency, am 23. Juni, fand eine Diskussion über die Suspendierung der Arbeiter־Schedule für Pa־ lästina durch die englische Regierung statt. Der Präsi־ dent der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann gab eine Erklärung ab, in der er feststellte, daß die spontanen Protestkundgebungen gegen die Suspendierung der Zerti־ fikate, die von allen Teilen der Judenheit ausgehen — obwohl sic voll und ganz gerechtfertigt sind — dennoch nicht anti־cngli.sch betont sind. Dr. Weizmann' legte dann weiter die Richtlinien der nun zu befolgenden Politik dar. Den Vorsitz in die'Ser Sitzung führte Herr Leo Motzkin. Vor der Erklärung Dr. Weizmanns schilderte der Führer des polnischen Misrachi und Präsident der War־ schauer jüdischen Gemeinde, Sejmdeputiertcr H. Färb־ stein, die durch alle Teile der Judenlicit gehende heftige Erregung über die Suspendierungsverordnung der Re־ gierung. Die Juden, sagte Farbstein, sehen in dieser Maß־ nähme der Regierung einen Versuch, für die jüdische Be־ völkerung Palästinas andere Gesetze als für die nicht־ jüdische in Geltung zu bringen. S. Kaplansky, Mitglied der Exekutive, berichtete über verschiedene seitens der Jewish Agency der Regie־ rung unterbreitete Vorschläge. Dr. Viktor Jacobson be־ richtete über die Lage in Genf. Am 24. Juni vormittags wurde die Aussprache über die politische Lage fortgesetzt. Es beteiligten sich an der־ selben die Herren M. Dizengoff, Nahuni Sokolow, Remez, Dr. Bernhard Kahn, Dr. Maurice B. Hcxtcr und Kurt Blumenfeld. Nach Beendigung der Aussprache gab Dr. Weizmann eine weitere Erklärung ah, der eine Erklärung von Harry Sacher folgte. Am 24. Juni abends wurde die Tagung der Politi־ sehen Kommission der Jewish Agency beendet, nachdem eine Reihe Resolutionen angenommen worden war. Die Politische Kommission der Jewish Agency hat nach Beendigung ihrer Tagung folgende Erklärung er־ lassen: Die Politische Kommission der Jewish Agency, ist zu einem Zeitpunkt zusammengetreten, an dem das un־ bedingte Vertrauen des jüdischen Volkes in die britische Regierung — bisher die Basis ihrer gegenseitigen Be־ Ziehungen bildend — einen schweren Stoß erlitten hat. Die von der britischen Regierung in Verfolg des Shaw־ Berichtes Ungeschlagene Richtung, die in Verbindung mit einer anscheinend die eigentlichen Grundlagen un־ serer Arbeit für das Jüdische Nationalheim in Frage stellenden Untersuchung verfügte Suspendierung der jtidi־ sehen Arbeitereinwanderung und die in dem jüngsten Weißbuch dargelegte Politik haben eine Atmosphäre der Ungewißheit geschaffen und im jüdischen Volke die Bc־ fiirchtung geweckt, daß die Politik des Mandates in Ge־ fahr ist. Die Politische Kommission erklärt demgegenüber, sie hege Vertrauen in die moralischen Energien des jii־ dischen Volkes und glaube bestimmt, daß unsere Ent־ schlossenheit, nach Palästina zurückzukehren, nicht wankend gemacht werden könne. Dite Palästina-Session der Mandatskommission beendet. (J. T. 1A.) Uaber die Sitzung der Maiulatskonvmission am 10. Juni wird offiziell mitgeleilt: ,Die Mandatskoanmission ging. nach Beendigung der Prüfung der Ereignisse in Palästina in den Monaten August und September 1929 zur Diskussion des Jahresberichtes der Mandatarjnacht für das Gesamtjahr 1929 betreffend die Verwaltung in Palästina und Transjordnnien über. Seitens der britischen Regierung waren der General- , seJcretär de!s Oberkommissariats in PaJästina, Herr Luke, und Herr Clauson vom .Colonial Office, anwesend. Die Vertreter der Mandatarmaclvt gaben der Kommission ergänzende Mitteilungen über die Boden verhältni3sc, das!Rechtssystean, die gleiche Behandlung in wirtschaftlicher Hinsicht, die Arbeiten am Bau des Hafens in Haifa, die Tote-Meer-Konzession, den Handel und die Wirtschaftslage in!Palästina und Trans Jordanien, die Verhältnisse im Unterrichtswesen, in der äff entliehen Gesundheit, in den ,Finanzen, im Handel mit!Rauschgiften 119 w. Die Kommission schritt sodann an die Ausarbeitung eines Berichts über die Ergebnisse ihrer außerordentlichen Session an den Rat des Völkerbundes. Die Pariser Presse berichtet aus Genf: Der französisc-he Vertreter in der Mandatskommission richtete an den britischen Unterstaatssekrctär für die Kolonien, Dr. Drumniond Shiels, die Frage, wieso es möglich war, daß der im Jahre 1920 wogen Rebellion verurteilte Jerusalemer Mufti heute ein Gehalt von der britischen Regierung!bezieht und ungehindert eine Propaganda gegen Frankreich unter den syrischen Mohammedanern entfalten darf. Fs ergibt!sich daraus!dev sonderbare Zustand, daß ein durch!die politische Mandatarmacht, England, unterstützter )Beamter gegen die französischen Mandatsinteressen, die ja auch Angelegenheiten des Völkerbundes sind, wühlen darf. Dr. Shiels erwiderte, der Mufti sei wegen politischer Vergehen verurteilt worden, die später unter eine Amnestie fielen. Die Mandatar macht!betrachtet den1 Mufti nicht als ihren ■Gehaltsempfänger. Die französische Presse erfährt, die ,britische Regierung habe die nach Palästina sich begebende Klagemauer-Kommission des Völkerbundes ersucht, bis zum August d. J. das Ergebnis ihrer durchgreifenden Untersuchungen mitzuteilen, damit der Bericht dem Völkerbundrat schon in seiner Sitzung im September dl J. unterbreitet werden kann. Jnbotinsky ist die Rückkehr nach Palästina untersagt worden. Wladimir Jabotinsky, der!Führer der׳ ZionißteniRevisionisten, hat sofort nach seiner Rückkehr von seiner Südafrika-Reise von London aus ein Schreiben an das britische Kolonialatnit gerichtet, ׳in welchem er die bedingungslose Zurückziehung der Ver- Ordnung der Palästina-tllegierung, in wo, 1011er das ihm bei seiner Abreise, nach PaLstina erteilte Wiedereinreisev.isum für ■ungültig erklärt worden ist, verlangt. Er •fordert, daß mau ihm •seine Rechte als ständiger Einwohner Palästinas wiedergibt,!damit er ,sich jode!־ im Gesetz nicht verbotenen Tätigkeit frei widmen könne. Vom!Büro der Weltunion der Zionisten-Revisibnisten in London wird mitgetcilt, daß ״vor einigen Monaten das Kolonialamt eine Mitteilung ,machte, aus der geschlossen werden könne, daß man Jabotinsky die Rückkehr nach Palästina nicht gestatten werde. Waad Leumi fordert Einreiseerlaubnis für Jabolinsky. (J. T. A.) Der Waad Leumi forderte in einem Schreiben den High Commissioner Sir John Chancellor auf, das gegen den Führer der Revisionisten Wladimir Jabotinsky ausgesprochene Verbot der Wiedereinreise nach Palästina zurückzuziehen. Der Distriktskommissar von Jaffa hat sich geweigert, die Erlaubnis zur Ablmltung einer Protestversammlung gegen die Fernhattung Jabotinskys vom Lande zu erteilen. Die Wiinaer Rabbinerkonferenz belegt den Ankauf von russischen Sepbarim mit einem Issur. Auf der jüngst stattgefundenen Wiinaer Konferenz brachte der Chöfez Chaim auch die Frage zur Erörterung, die im Zusammenhang mit dem massenhaften Anbot der sowjetmssischen Handelsorganisationen von jüdischen Büchern und Thorarollen in den versehiedensten europäischen Städten und auch in Amerika entstanden ist. Die ״Jüdische Presse“ hat bereits vor Monaten über die Proteste namhafter amerikanischer jüdischer Führer gegen den Ankauf dieser aus Rußland stammendeu heiligen Bücher berichtet, denn nach aller Wahrscheinlichkeit stammen sie aus Beständen, welche den arg verfolgten jüdischen Privatpersonen, Bibliot linken und Synagogen mit Gewalt abgenommen .wurden. Auch in europäischen Städten, wie z. B. auch in Wien, wurden diese Bücher auf deh Markt geworfen. Nun hat die unter Vorsitz des Cliofez Chaim tagende Rabbiner- Konferenz einen Issur gegen den Ankauf dieser Bücher ausgesprochen und verfügt, daß selbst nach erfolgtem Ankauf aus diesen Sifre Tfyora nicht geleint werden darf. Die böse Orthodoxie. Bei Zusammenstellung der jüngsten ״Neuen Welt“ hatte deren Herausgeber einen guten Tag. Viermal konnte er den bösen Orthodoxen eins aufs Zeug brennen. Die Jerusalemer haben einen Kuhhandel ge־ schlossen: Um einen ärgerniserregenden Zustand (das Fußballspiel am Schabbos) abzuschaffen, haben sie dies als Bedingung für ein Zusammengehen mit den Zionisten in einem bestimmten Falle gemacht. Furchtbar! Sie hatten aber nicht die von Herrn Stricker ihnen imputierte Ab־ sicht gehabt, sie wollten nur 30.000 fromme Juden von dem Ekel befreien, den ihnen jeden Schabbos der rück־ sichtslose Chilul Schabbos in Jerusalem bereitete. ״Haolam“, das offizielle hebräische Organ der zioni־ stischen Leitung, begrüßte diese Reform mit warmen Worten. Eine Lehrerin an einer orthodoxen Schule hat einen Christen geheiratet, ebenso hat ein Kantor (?) Katz in dem streng frommen Paris eine Christin geheiratet. Es wanken und krachen also alle Wände des orthodoxen Weltgebäudes, und als vierten Greuel der Orthodoxie hat Abgeordneter Dubin in Riga (der nie Rabbiner war) an־ geblich die Ernennung des nationalen N u r o k zum Mi־ nister hintertrieben. Herr Dubin ist ein strammer Agudist, dabei aber auch ein klarer Kopf und nichts weniger als ein Drauf־ gänger. ' Ist die Geschichte wahr, dann muß er zwingende Gründe haben. Wir haben in Wien mit nationalen Abgeordneten, in Litauen mit nationalen Ministern sehr, sehr traurige Erfahrungen gemacht. War es doch ein nationaler Abgeordneter, der im österreichischem Nationalrat, in dem 214 Deutsche, ein tschechischer und ein jüdischnationaler Abgeordneter saßen, als der Tscheche in seiner Muttersprache das Wort ergriff, in einer langen Rede dem Tschechen recht־ gab. — Welch lähmenden Einfluß diese Tat eines bewuß־ ten Juden (die natürlich von unseren Gegnern der ganzen