Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 25 (20.6.1930)
- Date
- 1930-06-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 25 I u 11 g systcmatis e h I) v i 7. 11 b ־׳ tage n u n d ehe nso selbstverständlich bei ihnen die Ges i n n n 11g Sorgfalt i g 7!1 pflege n. deren sie später i m Leben als o r t h o d o x e j ii d i s c 11 e 1־’ r a n c n 11 11 d M ii t t e r b e d ii r f e 11 w e r d e n. Diese Lehrerimien sollen in ihrem Wirken in sinngemäßer Anwcndnng auf das weibliche Geschlecht bei unseren Töchtern theoretisch mul praktisch das erzielen, was die orthodoxen Chadorim und Talniud-Thora-Schulcn bei den Knaben zu leisten berufen sind und vielfach auch wirklich leisten. Lehrgegenstiinde und Lehrausmaße werden natürlich — je nach den Verhältnissen!ווו einzelnen — von denen der Knabenchadorim verschieden sein müssen, aber das Lehrziel wird das gleiche sein: au Wissen und Gesinnung gefestigte jüdische Menschen für das Leben zu rüsten. Die Wiener Anstalt setzt sich also ein Ziel, das als Voraussetzung fiir eine Besserung der religiösen Zustände in der orthodoxen Mädchenerziehung unentbehrlich erscheint. Ohne geeignete tüchtige Lehrkräfte, die für ihren wichtigen Beruf zielbewußt und fachkundig vorbereitet sind, ist nach menschlicher Berechnung nicht zu erwarten, daß d r stetig fortschreitenden Entartung der weibliehen Jugend haltgeboten werden könnte. Wird es aber — wie wir hoffen — gelingen, die neugegründete Anstalt zu dem zu machen, was sie sein will, so ist mit ihr ein erster ernster Schritt zur Bildung eines festen Punktes getan, von dem bei der Fortentwicklung des reügiösen Geistes in der jüdischen Töchtererziehung ausgegangen werden könnte. Um aber dem Unternehmen den Erfolg zu sichern, erscheint es vom Gesichtspunkt der Orthodoxie in der Slowakei — und dasselbe gilt wohl auch für die anderen hauptsächlich ins Auge gefaßten Länder — notwendig, das detaillierte L c h r p r o g r a m m d c 1־ A n s t a 11 u n cl ihre innere Organisation unter aktiv mitwiiv kendev Teilnahme von rnbbinisehen und sonstigen mit den geistigen und erzieherischen Bedürfnissen dieser Länder vertrauten Persönlichkeiten in der kürzesten Zeit lertigzustellen. Wir zweifeln nicht daran, daß eine Anzahl weitblickender, von der großen geistigen Not der Töchtererziehung ergriffener Persönlichkeiten sich auch in der Slowakei der Anstnltsleitimg zur dauernden Mitarbeit beigesellen und dadurch auch zur zweckmäßigen Unterbringung der herangebildeten weiblichen Lehrkrüfte beitragen wird. Der immer lauter werdende Ililferuf aus dem gequältem Herzen tausender jüdischer Väter und Mütter angesichts der stetig breitere Kreise in ihren Bereich ziehenden Versumpfung der Töchtererziehung, namentlich in der Ostslowakei und in Karpatliorußland, wird nicht mehr im leeren Baum verhallen müssen, wenn׳' vertvauenswürcl i g e orthodoxe, von Liebe u n d Eifer f ü r die Thotatreue e r füllte R e l i g i o n s 1 e h r erinnen fiir clie Wiederaufrichtung der neuen weibliehen Generation zur Verfügung stehen werden. Für die sich immer mehr ausdehnenden A g u d a s- Jisvoel-Frauen- und Mädchengruppen g־ewinnt diese Anstalt ganz besondere Bedeutung. Denn die darin ausgebildeten Lehrerinnen sind berufen, den Unterbau fiir die Agudatütigkeit in der breiten Masse der jüdischen Mädchen auf solide Basis zu stellen. Andererseits erwächst aus der Tatsache dieser Aa- Anstalt für die gesamte jüdischorthocloxc Frauenwelt — und nicht nur für clie bereits organisierten Ägiiclafrauengruppen — eine neue edle Aufgabe, nämlich für clie Erhaltung der Anstalt in dem Maße zu sorgen, wie sie von der slowakischen Orthodoxie zur Ausbildung von Lehrkräften in Anspruch genommen werden wird. Bei richtiger Einschätzung־ der Verhältnisse sollten schon jetzt bei Eröffnung der Anstalt einige geeignete Müdeben aus der Slowakei zur Ausbildung als Religionsleli-' rennnen herangezogen werden. D׳o. Ausbildungsk״sjf n müßten teilweise wenigstens aus Gesamtmitteln getragen werden. Da eröffnet sich ein segensreiches praktisches Betätigungsfeld für unsere Frauen und Mädchen. Es sollten sofort in Bratislava eine L a 11 d e s z e 111 r 0 1stelle und in allen Orten D am e n kom i t c e s gebildet werden, die sich der Aufbringung der erforderliehen Mittel für die Ausbildung einer möglichst großen Anzahl orthodoxer Mädchen aus der Slowakei zu Religionslelirerinnen zu widmen und die ganze Aktion dauernd großzügig zu leiten hätten. Es gibt nicht viele bewußte Juden und sicherlich keine einzige Gemeinde oder Körperschaft, die sich — wenn sie dazu aufgefordert würden — der Unterstützung־ einer solchen religiös-crzieherischen Bestrebung entziehen würden. Jetzt ist es an der Zeit, zu handeln. Jakob Joel Braun. Hinrichtung von drei Arabern. Zusammenstöße mit der Polizei. Jerusalem, 17. Juni. Heute wurden drei Araber, die wegen Ermordung von Juden in Hebron zum Tode verurteilt wurden, hingerichtet. Infolgedessen sind sowohl in Jerusalem wie in Jaffa Unruhen entstanden. In Jaffa kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, wobei ein englisch er Polizeisergeant einen Dolchstich in den Rücken erhielt; er wurde jedoch nicht lebensgefährlich verletzt. Vpr dem Gebäude der britischen Mandatsverwaltung in Jerusalem fanden zahlreiche Demonstrationen statt. Die An- Sammlungen wurden von der Polizei zerstreut; hie- I bei wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. In Jaffa wurden überdies drei Personen von der Polizei festgenommen, welche die Bevölkerung gegen die Mandatsverwaltung aufzustacheln versuchten. ©j flncHfticHTEft |gM Die Bestattung־ von Rabbi Perlmutter. ,(J. T. A.) Unter Teilnahme von vielen Tausenden Warschauer Juden wurde der im 96. Lebensjahre verstorhene älteste Warschauer Rabbiner Zwi Abraham Perlmutter zu Grabe getragen. Offizielle Vertreter des Innenministeriums, des Außen- und des Biklungsministernnns sowie der_ Militärrabbiner Dr. Joseph Mises als Vertreter des Kricgsniinisteriums nahmen an der Bestattung teil. Vor dem Eingang zum Friedhof, wo sich die Menge staute, kam es infolge scharfen Eingreifens der Polizei zu Panikszenen. Zahlreiche Rabbiner,^ unter .ihnen Rabbi Schapiro im Namen der ״Moazath gcdollej hathova“, hielten am offenen Grabe Nachrufe. Der Justizmiuister Zar sandte der Familie des Verstorbenen den Ausdruck seines Mitgefühls aus Anlaß des Ablebens von ״Polens verdienstvollem Sohn“; der Kultusminister Czcrwinski und der Arbeitsministcr Pristor sandten der jüdischen Gemeinde in herzlichen Worten abgefußte Kondolenzschreiben. 90 Prozent der Ernte im Emek von Ratten aufgefressen. (J• T. A.) Die jüdischen Siedlungen des Tales Esdraclon wurden in den letzten Tagen von einer katastrophalen Ratteninvasion heimgesucht. Die Ratten vernichteten 90 Prozent *der Foldcrntc, die in diesem Jahre eine außergewöhnlich gute war. Der Schaden ist ungeheuer, am schwersten litten die Kolonien Nalmlal und Afuleh.!Die vom Landwirtschnftsdepartement der Regierung־ gegen die Plage angewandten Methoden haben sieh als unwirksam erwiesen: die /Behörden wollten nicht den jüdischen Kolonisten die Anwendung vadikaler Ratenvcrtilgungsmaßnahmen erlauben, da sie bcfürchteten, daß die Brunnen, aus denen einige Araber;ihren /Bedarf!an Trinkwasser decken( infiziert werden könnten. Luke kehrt nicht nach Palästina zurück. (J. T. /A.) Der Chefsekretär der Palästina- Regierung II. C. Luke, der im August vorigen Jahres den abwesenden High Commissioner Sir John Chancellor vertrat, und während dessen Amtszeit die arabischen Angriffe auf den palästinensischen Jischuw erfolgten, wird nicht auf seinen Posten in Jerusalem zurückkehren.!Er ist zum stellvertretenden Gouverneur von Malta befördert worden. Zuletzt weilte Luke auf Urlaub in Europa und fungierte in der außerordentlichen Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes als einer der Assistenten des Bevollmüchtigten Großbritanniens Dr. Drummond Shiels. Hebron infolge des Auszugs der Juden ruiniert. 1(J. T. A.) Eine Abordnung des Waacl Leumi begab sich nach Hebron, um die Meldungen über die Entweihung der Grabsteine der jüdischen Opfer der Massakers vom August 1929 auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen. Bei dieser!Gelegenheit wurde der Abordnung seitens der britischen Behörden in J-Iehron sowie auch seitens prominenter Araber mitgeteilt, daß die Stadt Hebron infolge des!Auszuges der jüdischen ■Bevöllcerung an (Jen Rand des Ruins geraten ist. Die Ab- Ordnung selbst konnte fcststellen, daß die Mieten für Geschäftsräume und Privatwohnungen um 20 Prozent bis 50 Prozent gefallen sind. Der Handel liegt vollkommen darnieder. Der Auszug der Slobodka-Jeschi־ ,wah, deren .Zöglinge) jährlich ungefähr 25.000 /Pfund, in Hebron ausgaben, war der größte Verlust für clie Stadt; Die arabische Presse teilt mit, daß Repräsentanten der früheren jüdischen Einwohnerschaft von Hebron kürzlich erklärt haben, die Juden würden nach Hebron zurückkeliren, wenn die Araber der Stadt sich vor den Ueberlebenden wegen der Massakers entschuldigen würden. Inzwischen hat auch eine Ab- Wanderung־ von Arabern aus Hebron eingesetzt, da als Folge des Auszuges der jüdischen Einwohnerschaft die Arbeitsmöglichkeit auf ein Minimum gesunken ist. Auf dem Wege zur öffentlichen Sabbatheiligung. Freitag, den 23. v. M. erschien in Jerusalem das im nachfolgenden wörtlich wiedergegebene Plakat des Makkabi, das die Absage des bereits angesetzten großen sabbatlichen Wettspiels zwischen den Fußballspielern von TebA'wiw und Jerusalem mitteilt. Das Plakat lautet: ועד אגודת ד״מכבי״חשמונאי" בירושלם מודיע בזה כי בהתאם לדרישת הועד הלאומי ליהודי ארץ-ישראל נתבטלה ההתחיית בכדיי י־ ג ל שנקבעה למחר כ״ו באיר 30*5*24 Wenn man sich vorstellt, wie viele Tausende bei einem solchen Anlaß bisher am Sabbat durch Eisenbahn und Automobile nach Jerusalem kamen, so kann man die Genugtuung begreifen, mit der das Ende dieser öffentlichen Sabbat־Entweihung überall begrüßt wird. Interessant ist, daß diese Genugtuung sich keines־ wegs bloß auf die streng orthodoxen Kreise beschränkt, sondern daß darüber hinaus selbst solche Gruppen, die es niemals gewagt haben, ihre Stimme gegen den חילול שבת zu erheben, jetzt dennoch mit dem erzielten Erfolg sympathisieren. Es ist charakteristisch, daß' die Ver־ treter des שומרי שבת als sie, wie gewohnt, am letzten Freitag die Runde machten, um die Ladeninhaber zur rechtzeitigen Schließung ihrer Läden zu ermuntern, mit ganz besonderer Freundlichkeit und Sympathie auf־ genommen wurden. Unter diesen Umständen wurde diese Woche auch die Freisprechung der fünf jungen Agudisten, die wegen des Versuchs der gewalttätigen Schließung des Photo־ graphenladeus am Sabbat angeklagt waren, mit besonde־ rer Freude aufgenommen. Die Anwälte der fünf jungen Leute schilderten mit großer Beredsamkeit die idealen Beweggründe ihres Handelns und auch der Richter nahm von vornherein eine äußerst verständnisvolle und wohl־ wollende Haltung ein. Jetzt steht noch eine Gerichts־ verhandlüng gegen zwei*Zeire Agudas Jisroel in Ver־ bindung mit dem Streik bevor. Palästina־ Vor trag. Im Rahmen des Jüdischen Hoch־ schulausschusscs findet Montag, den 30. Juni d. J. ein Vortrag des bekannten Gelehrten der evangelisch־ theologischen Fakultät der Universität Wien, Prof. Dr. Fritz Wilkc über das Thema ״Palästina einst und jetzt“ mit Lichtbildern statt. Ort : Festsaal des Handels־ museums, Wien, IX., Berggasse .16. Zeit: 8 Uhr abends. Gäste willkommen! 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