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Jüdische Presse · 1930-05-30 · 22 (30.5.1930) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
22 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 JÜDISCHE PRESSE; f Seite 5 von Insassen des Heims״ ״fürchterlich .rnißhandelt. Die Studenten bearbeiteten dert Rabbiner mit Fäusten und Stöcken und rissen ihm Bart und Haarlocken aus. Ob־ wohl der• Rabbiner laut, um Hilfe rief und die Straße eine der belebtesten von Bukarest. ist, kam ihm : niemand zu Hilfe. Erst als die Angreifer auf dem schwer blutend am Bodön Liegenden herumtahzteri, kamen einige'• Leute hinzu und befreiten ihn aus den Händen der Cuzisten. Aus mehreren Wunden blutend- und halb bewußtlos wurde der Rabbiner in das in der nächsten Nähe liegende Rat־ haus gebracht und von dort in die Krankenstation der Rettungsgesellschaft überführt.׳ Am Abend׳ begab sich Rabbiner Katz in Begleitung des Landesrabbiners Senator Dr. Niemirower zum Polizeipräfekten .Nikoleanu, bei dem die Rabbiner einen schriftlichen Protest gegen den Ueber־ fall auf ein religiöses Oberhaupt überreichten. Der Präfekt General Nicoleanu erklärte, er werde Erhebungen ein־ leiten lassen, um die Angreifer zu identifizieren. Die Ortschaften Sziget, Borscha und Wiseu, die bereits Schauplatz schwerer antisemitischer Ausschrei־ tungen in der letzten Woche gewesen sind, stehen immer־ während unter dem Terror einer mehr als hundert Köpfe zählenden antisemitischen Bande, die von dem angeb־ liehen Studenten Banila und dem Pfarrer Andrej Berindei angeführt wird. Die Mitglieder dieser Bande fordern die Bauernschaft der Umgebung auf, über die Juden in den Städten herzufallen, sie zu berauben und die Beute unter sieh zu verteilen. Banila wurde von der Gendarmerie ver־ haftet, der Pfarrer Berindei aber auf freiem Fuß ge־ lassen. Die jüdischen Einwohner des Städtchens Borscha, I das 3000 jüdische Familien zählt, wird unaufhörlich von den Cuzisten mißhandelt. Der Fuhrwerksbesitzer Chairn Stein wurde blutig geschlagen und schließlich gezwungen, ans einer Höhe von zwei Meter in das Wasser des Visen zu springen, wodurch an ihm eine ״symbolische Taufe“ vollzogen wurde. Die Tochter des Abraham Glanz wurde aus der Wohnung ihrer Eltern geholt und ebenfalls zur ״Taufe“ in der Fluß Viseu geworfen. Das gleiche passierte dein Kaufmann Abraham Inger. Der neue Präsident der Czernowitzer Jüdischen Kultusgemeinde. (J. T. A.) Die neugewählte Repräsentanz der Jüdischen Kultusgemcinde in Czernawitz schritt kürzlich zur Wahl des Präsidenten der Kultusgemcinde. Hauptkandidaten waren der Vorsitzende der Zionisti־ sehen Landesorganisation Senator Dr. Meyer Ebner und der bisherige Regierungsgerent der Kultusgemeinde Dok־ tor Karl Gutherz, Führer der Gruppe der nationalzarani־ stischen Juden (Maniu־Pa1־tei). Nachdem drei Wahlgänge ergebnislos verliefen (beim dritten Wahlgang hatten beide Kandidaten je 24 Stimmen auf sich vereinigt) entschied das Los für Dr. Karl Gutherz. Vor der Wahl hatte man Dr. Ebner die Würde des Gemeindepräsidenten ange־ boten, wenn er sich damit einverstanden erklären wollte, daß Dr. Gutherz Vizepräsident sein soll. D1*. Ebner hatte dies aber abgelehnt. 14.5 Millionen Dollar in vier Jahren für das jiitüsehe Aufbauwerk in Osteuropa und Palästina verausgabt. (J. T. A.) Herr James N. Rosenberg, Vizevorsitzen־ der des American Joint Distribution Committee, der den Vorsitz in der Versammlung der Führer des New Yorker Drives im Allied Jewish Campaign innehatte, führte in seiner Ansprache aus, daß die amerikanische Jüdenheit in den letzten vier Jahren durch das Joint Distribution Committee annähernd 14,300.000 Dollar für den Wieder־ aufbau des jüdischen Lebens in den Ländern Osteuropas und Palästinas hergegeben hat. Hauptarbeitsgebicte des Joint sind die Ansiedlung von Juden auf dem :Lande, die Beschaffung billiger Kredite an Familienoberhäupter, um diesen die Erhaltung in gewinnbringenden Beschäftigun־ gen zu ermöglichen, Kinderwohlfahrtsarbeit, Berufsaus־ Bildung, insbesondere im Handwerk usw. Herr Rosenberg erklärte, daß das Ziel des dies־ jährigen Drives: die Aufbringung von 6 Millionen Dollar unter der Judenschaft der Vereinigten Staaten, von denen VA Millionen Dollar für die Arbeit des Joint Distribution Committee und 2'A Millionen Dollar für das Palästina־ Werk der Jewish Agency verwendet werden sollen, er־ reicht werden müsse. Das jüdische Kolonisationswerk in Rußland, sagte Herr Rosenberg weiter, für welches fünf Millionen Dollar zu Beginn der Kampagne vor fünf Jahren bestimmt wur־ den, wird von der Amerikanischen Gesellschaft für jüdi־ sehe Landansiedlung in Rußland (Agro־Joint), dessen Vor־ sitzender er, Rosenberg, ist, durchgeführt und hat an der Sechs־Millionen־Dollar־Kampagne für 1930 keinen Anteil. Welche Schulen befinden sich im ״Dr. Krüger-Heim44? t Wienj Ü.* Malzgasse A׳ / ^77*18-0־ -■(h 1. Volksschule und Il&uptschule für Mädchen. 2. Zweiklassige Fraue‘hg‘ewerbesclu!le für Weißnähen und Kleidermachen..■•.׳ . . , 3. Einklassige Koch׳■ und Ilaushaltungsschule. 4. :Lehrerinnenseminar (Bectli Jacob), I. Jahrgang. 5. Moderne Sprachschule (Deutsch, Franz, und Englisch). Spezielle Kinderkurse. 6. Kurse für Kochen, .Musik, Kunstgewerbe. Turnen. ׳ Alle diese Lehranstalten sind mit einem Internat lind Halbinternat in Verbindung und besitzen das staatliehe Oeffentlichkeitsrecht. Mäßige Preise. Einschreibungen täglich* exklusive Samstag lind Sonntag, 9 bis 12 und 3 bis 6 Uhr. Die erste rituelle Kochschule in Wien, ״Dr. Krüger-Heim“. «W ־ ־***«* V ״ .... ■SISwSsk Bei gedecktem Tisch Die durch den Magen die Welt erobern 1111! Sä ilillpiii IMS illii sKss׳■ 40k Pii 1ps®i Üii * §§|gg§p Iplilill ו§ווו1ווווו י׳־* i . : G; , - «■ ׳י .׳« i* ***** i w■׳• ** | » '»׳ v״'׳ ׳ -'■י ■> S' >. * * ■׳ ■■WW ■ J, i vC». wSm. SV_ * % *־ S •׳■ ׳ - 11111 iiüii , > In der Küche. Phot. Rcsidenz־Atelicr. wohl das Recht des Fcniilletouisten in Anspruch nehmen lind mich ein wenig dem Schweifen meiner Phantasie überlassen ... So erstehen vor meinem geistigen Auge die Visionen vieler solcher Kreise, die sich wie Planeten 11m die Sonne des Geistes konzentrieren, und diese. Pianetensystemc sind selbst wiederum nur größere Kreise, die sich um andere größere Sonnen ordnen und alle schließlich um ein erhabenes, größtes Licht, als ihren gemeinsamen Mittelpunkt ... In der heutigen skeptischen Zeit lassen uns äugenscheinliche und große Wunder oft gleichgültig. Vielleicht mag da eine kleine Tatsache sich zu einer wunderbaren Vision entfalten lassen! £7Lus *Vergangenheit und Qegenzoart. Die Juden in Buchara. Der Moskauer Korrespondent der Jüdischen Tele־ graphen־Agentur, der der Eröffnung der Turksib (Tur־ kestan־Siririen־Eisenbahn) beigewohnt und bei dieser Ge־ legenheit einen Teil der ipittelasiatjschep Länder besucht hat, inachte auch eine Reise dyreh 'Buchara und traf mit den verschiedenen Kreisen , der ,dortigen Jüdenheit zusam־ men. Ueber das Leben dieses isolierten jüdischen Stammes hat er-die folgenden Informationen gesammelt: Die jüdische Bevölkerung in Bucharg hat sich seit Beginn der Sowjetherrschaft, in, ׳ diesem, ,Lande auf unge־ fahr die;:Hälfte vermindert. Im Alt־Buchata,. wo unter der Herrschaft des Emir 8000! jüdische Seelen lebten, befinden sich׳ gegenwärtig nicht mehr• als etwa 2000 jüdische Seelen. In dem‘ ganzen Rayon Samarkand, wo eine große Be־ völketüpg von Buchara־Juden existierte, zählt man heute nicht׳ mehr als 15.000 Juden; ־ im Kreis Taschkent zählt man nicht mehr als 3000 Juden. In ganz Buchara leben heute etwa 45.000 Juden. 'Die 'Sowjetregierung, hat alle unter der Herrschaft «des Emir in Geltung gewesenen rechtlichen Beschränkun־ , gen gegen die Juden abgeschafft; Früher mußten die Juden an Stelle eines Gurtes einen Strick tragen, es waren ihnen besondere Stadtviertel zur Wohnung angewiesen, das Reiten war ihnen verboten. Die jüdische Bevölkerung freut sich über die• ihr zuteil gewordenen politischen und menschlichen Freiheiten, sie leidet aber ungeheuer unter der schlechten Wirtschaftslage, die für sie als handeb treibenden Bevölkerungsteil unter der Sowjetherrschaft eingetreten ist. Die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung in Buchara setzte sich früher aus wohlhabenden, zum Teil sogar sehr reichen Kaufleuten zusammen. Seitdem die Sowjetregierung den privaten Handel verboten hat, blie־ ben die Juden ohne Existenzmöglichkeit. Die vermögen־ den Juden wanderten insgeheim nach Persien und Af־ ghanistan aus, in Buchara blieben die ärmeren Elemente zurück. Der Durchschnittsverdienst einer jüdischen Fa־ milie in Buchara beträgt im Monat 40 Rubel. Sehr viele Familie verfügen nicht einmal über dieses äußerste Existenzminimum; die Beschäftigungen, denen sie ob־ liegen: Schneider־ und Kürschnerhandwerk, Seidenweberei u. ä., sind sehr wenig ertragreich.; i .;pührpr der Jüdenheit von Buchara ersuchten den JTAGVerf’reter, die jüdischen Hilfsorganisationen in ' '"Europa pnd Amerika auf die Notlage der Buchara־Juden 'aufmerksam, ku machen, damit endlich etwas zur Linde־ riing der , verzweifelten Wirtschaftslage der Buchara־Juden getan wird; Der größte Teil dieser, Juden zählt zu den;Deklassierten, Die Sowjetregierung stellte ihnen zwar * fBodep zur Verfügung und verpilft innen ‘däzu, sich in Pro־ ,,duktionsgenofsenschaften zusammenzütun. Aber das jüdi־ ׳sehe Element, ist an Landarbeit noch nicht gewöhnt, es fehlen Instrukteure, auch fehlt es an Maschinen für die' ,;Produktionsgenossenschaft. Würde ihnen agronomische .Beratung ׳zur. Verfügung stehen, so könnten sie auf dem ' . ihhen (!bewiesenen Boden Baumwölle ynd Getreide bauen. .In Buchara existieren bereits über 30 landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften mit insgesamt mehr als 2000 ‘ Mitgliedern,Lunter ihnen 45 jüdische ׳ Familien, die nach! der Revolution aus der Ukraine und aus Weißrußland nach Buchara gekommen sind. Ueber 4000 jüdische Klein־ handwerker sind in Produktionsgenossenschaften organi־ siert. Es fehlt nicht an Rohstoffen, aber an Maschinen. Der stellvertretende Ministerpräsident von Usbekistan erklärte dem JTA.־Vertreter gegenüber, die' Regierung . plant die Ansiedlung von 5000 Familien der Buchara־Juden auf dem Lande. Jüdische Frauen in Buchara werden im־ mer mehr als Arbeiterinnen in die Seidenwebereifabriken aufgenommen. Der JTA.־Vertreter konnte feststellen, daß das religiöse Leben unter den Juden Bucharas unter der Sow־ jetherrschaft sich nicht vermindert hat. Allein in der Stadt Samarkand mit einer jüdischen Bevölkerung von 8000 Seelen zählte er im jüdischen Viertel 32 Synagogen und Bethäuser. In Alt־Buchara mit 2000 jüdischen Seelen existieren sechs Synagogen, während drei andere durch die Kommunisten in Kulturanstalten umgewandelt wur־ den. Die religiöse Tradition wird intensiv geüjit, in keinem jüdischen Hause wird am Sabbat gearbeitet. Die jüdi־ sehen Kinder aber, die die Sowjetschulen bje s.y.p L:e,n, werden i np,i p e pi. a p tireligiösen , *Q e i 5ji/;ef׳־z o g e n. In ganz, Bychara existieren 24 Sowjet־ 1schulen für jüdische Kinder, 4*9 von 2750 Kindern der Buchara־Juden besucht werden. ’Unterrichtssprachen sind Russisch, und Tadzschikisch, Hebräisch ist verboten. Auch .:die Unterhaltung v 0 n.G h e c} ar i m ist gesetz־ ,HiC'.h untersagt. Die .hebräische Sprache, die unter ,.den Bucharaer Juden so stark verbreitet war und auf deren lebendige -Beherrschung diese Juden so stolz waren, .ist * jötzt inr Untergehen. Nur ein ganz kleiner Teil der Jugend pflegt ׳heute noch das Hebräische. Da^ in Buchara Fleisch . nür auf׳• Karten durch die Konsumläden .ausgegeben wird, w|rd kein ׳Vieh geschachtet und K,o s c h e r,־ F l e i se h. , ' i s t ü b e r'h a u p t n i c h t1Z u h a b e n.; Die jüdische Be׳ ־ völkeruhg -verzichtet darüm. auf Fleischnahrung, nur in; '; seltenen Fällen kann man ׳ sich־ ■ geschachtetes Geflügel ׳leisten. ..

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