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Jüdische Presse · 1930-05-30 · 22 (30.5.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
22 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 22 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 Einschreibungen... Nach den Verlautbarungen des Wiener Stadtschulrates •werden die Kinder für das nächste Schuljahr in der Woche nach Schebuoth eiligeschrieben. Wenn auch der Wiener Stadtschulrat durchaus nicht an ('inen Zusammenhang zwischen Scliuleinschreibungen und Scliebuotlifest gedacht hat. so wollen wir von unserem Stand-!)unkte aus diesen Zufall benützen, um an jüdische Väter und Mütter einige zu beherzigende Worte zu richten. Am Schebuoth feiern wir das best der Offen- 'bannig. Nach einem Midraschwort unserer Weisen hat G-tt von unseren Vätern am Sinaitage Bürgschäften verlangt, daß die Thora, der kostbarste jüdische Schatz auf Erden, richtig verwaltet wird. Das jüdische Volk konnte damals so manches heilige Gut als Bürgschaft anbieten: Seine Vergangenheit, seine treue Gefolgschaft in die Wüste, seine Fürsten, seine Führer und Aeltesten. Jedoch all diese Bürgschaften wurden verschmäht. Als dann das jüdische Volk seine Jugend als Bürgen für die treue Bewahrung und Befolgung der Thora anbot, hat G-tt diese Bürgschaft, als die einzig wertvolle und verläßliche angenommen. Seither ist das S e h i e k s a I u n s e r e r J u g e u d m i t d e m Schicksal der 111 o r a a u f E r d e n a u f G ed e i h u 11 d V e r d e r b u n l ü s I i c 11 v e rk n üp ft. So sagt auch ein Prophetenwort: We n 11 d u d e r Lehre d e i 11 e s G - t t e s v e r g ißt. s o w e r d e i c 11 d e i n e r K i n d e r v e r g e s s e 11. Jüdische Litern müßten von Jahr zu Jahr am läge von Mathan Thora neuerlich prüfen, ob sie imstande sind, heute noch die erforderliche ßiirgschalt zu leisten, ob sie ihre Kinder so erziehen, daß sie noch immer als vollwertige Bürgen angenominell werden könnten. Wir Juden pflegen bei dem Wort .,Eins c h re i b u n ge n" zumeist an unser Neujahrsfest zu denken, wo wir in das ..Buch d 1's Lebens" eingeschrieben werden möchten. Die Einschreibungen in die Schule koninien in ihrer Bedeutung den Einschreibungen in das Buch des Lehens gleich. JÜCftSCHe Eitern möchten ihre Kinder in das Buch des Lebens eiuschreiben und schreiben selbe in eine Schule ein, in der sie vom 6. Lebensjahr angefangen den Glanz des Sabbaths, also das stärkste Ferment des jüdischen Lebens missen riiiissen. Jüdische Eltern möchten ihre Kinder iii das Buch des Lebens, eines jüdischen Lebeiis, einschreiben nnd lassen sie in eine Schule einschreiben, in der der Geist der Lehrerschaft und der ganzen Umgebung dem lebendigen Geist des Judentiims krassest widerspricht. Jüdische Eltern möchten ihre Kinder in das Buch des Lehens, eines jüdischen Lehens einschreiben und lassen sie dann eine Schule besuchen, wo sie ohne jüdische Kenntnisse, ohne Uebung jüdischer Bräuche, zumindest 8 Jahre der Zwangs- Schulpflicht verbringen müssen. Jüdische Eltern möch ten ihre Kinder in das Buch des Lebens, eines jüdischen Lebens einschreiben und dann bringen sie selbe in eine Schule, die prinzipiell danach strebt, alles Jüdische, alles Religiöse aus dem Gemüt des Kindes zu verwischen. Jüdische Eltern, ihr wollet euere Kinder in das Buch des Lebens, eines jüdischen Lehens einschreiben, WARUM SCHREIBT IHR SIE NICHT IN EINE JÜDISCHE SCHULE EIN? DIE JÜDISCHE SCHULE, ausgestattet mit staatlichem Oeffeutliclikeitsrecht, bietet zunächst an Wissen zumindest soviel wie die anderen Schulen, zumindest soviel, in Wirklichkeit aber noch viel mehr. AN DER JÜDISCHEN SCHULE betreuen und belehren jüdische Lehrer euere Kinder. AN DER JÜDISCHEN SCHULE wird eueren Kindern reiches jüdisches Wissen zuteil. AN DER JÜDISCHEN SCHULE leuchtet der Glanz des Sabbaths und der jüdischen Festtage in voller Stärke in der Seele euerer Kinder. AN DER JÜDISCHEN SCHULE entwickeln sich euere Kinder in harmonischer jüdischer Umgebung zu vollwertigen jüdischen Menschen. AN DER JÜDISCHEN SCHULE besteht für bedürftige Schüler eine hochwertige rituelle S c 11 ü 1 e r a 11 s s p e i s 11 n g und in ihrem Hort werden die Kinder nachmittags betreut und in ihren Schularbeiten unterstützt. Die erste jüdische Mädchenhatiptschule. Mit dem kommenden Schuljahre wTird die erste Klasse der jüdischen Mädehenhauptschule :in Wien im Dr.-K1-üger״l־leim, II., Malzgasse 7, eröffnet. Die vierk lässige jüdische Mädchenvolksschule bekommt hiedurch eine wertvolle Ergänzimg nach oben. Jene Eltern, welche die Vorzüge einer jüdischen Mädchenschule bereits erkannt haben, bedürfen wT0hl keiner Aufklärung• und keines Anspornes. Sie w issen, daß die jüdische Mädchenvolksschule ein Schmuckkästen ist, der in liebevoller Sorgfalt gepflegt und betreut wird. Seitdem die jüdische Mädchenschule im Dr.-Krüger- Heim untergebracht ist, besitzen die einzelnen Klassen prachtvolle hygienische Räume, in denen gestrengten, hingebungsvollen Priesterdienst ausiibte. Seit sein Vater nach Neutra gekommen war mul mit seiner abgeklärten Weisheit, mit seinem Erfahrung•*- reiclitum, mit seiner zielbewußten Energie die grundlegende Reorganisationsarbeit in der in allen Inslitutionen vernachlässigten Gemeinde begonnen hatte, da stand ihm sein junger Sohn mit seinem noch ungetrübteil Idealismus, ׳mit dem ihm eigenen Pinchase.ifcr, mit seiner jugendlichen, unverbrauchten Tatkraft zur Seite und vom Riiluneskranze, den der Vater sich errungen, gehören gewiß so manche schöne Blätter um die Schläfen des Sohnes. Ganz gewiß ist es sein Verdienst, daß in Neutra ein Zentrum fürs Thoralernen geschaffen wurde. Ich kann mich noch aus meiner Kinderzeit ganz lebhaft an den niederschlagcnden Eindruck erinnern, den ein Vorfall auf mich gemacht hatte. Ich wurde nämlich von einem älteren Freunde gebeten, ihn allabendlich in die Schasehewra zu begleiten, da er von dem Vorstände desselben gebeten wurde, zur Verrichtung des Abendgebetes stets hinzukommen, damit diejenigen, die sich dort ziun gemeinsamen Lernen versammelten, mit Minjan das Abendgebet verrichten könnten. Ich ging von da ab jeden Abend in die Schasehewra, aber Wie betrübend war es für mich zu sehen, daß sich nur drei bis vier Männer zusammenfanden, die Interesse an dem gemeinsamen Lernen hatten und die große Äiasse der Talmudkundigen sich vom Lernen völlig ausgeschlossen hatte. Wie wohltuend empfand es hingegen mein kiiulliebes Gemüt, als ich nach einiger Zeit: die große Schar der einstigen jesehiwalmchurim um den Lerntisch versammelt sah, an dessen Kopf Rabbi Aron Katz saß. Dort, bei den Talmudfoliianten, im eifervollen Disput über die.großen Fragen der Halachä wurden jene uusichfbaren Fäden der Sympathie und der Liebe gesponnen, die ihn mit den Taimude ClmcJioeliim bis zum letzten Augenblicke seiner ersprießlichen Wirksamkeit verband. Und dieser Bund der Gleichgesinnten wurde für ihn eine Quelle der stets verjüngten Kraft, die ihm Mut, Ausdauer und Energie gab, allen Angriffen gegendie Schülerinnen unter Anleitung ausgezeichneter Lehrerinnen arbeiten. ' Die Mädchen erwerben an der jüdischen Schule jüdische Kenntnisse, so daß sie dereinst als wissende Jüdinnen ihrer Familie nnd ihrer Genie inschaft dienen können. Ein besonderer Vorzug der jüdischen Mädchenvolks- und Hauptschule ist auch, daß im organischen Zusammenhänge mit ihr im Dr.-Krügerl!lllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllll!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Neue Sprachschule vom Wiener Stadtschulrat konzessioniert, für die englische und französi* sehe Sprache iür weibliche. Personen im ״Dr. Krüger-Heim“ Wien. II.. Malzgasse 7, Tel. R-43-5-40 (10 bis 12 Uhr und 3 bis 5 Uhr) Kurse iür Anfänger und Vorgeschrittene, an Nachmittagen und Abenden. Spezielle Kinderkurse. Erprobte, erstklassige Lehrerinnen. Billige Kursbeitrage. lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll über bei seiner ,Ueberzeugung auszuharren und den von ihm als gut erkannten Weg unbeirrt zu Ende zu gelien. Unverwelkbarc •Verdienste hat er sich in seiner Eigenschaft als Machsikc-I ladas-Präsident der um Neutra gruppierten Komitate erworben, jedermann weiß, was er da auf den verschiedensten vernachlässigteil Gebieten der Erscheinungsformen der praktischen Pflichterfüllung des orthodoxen Judentums geleistet. Ein ganz besonderes Ruhmesblatt sicherte er sich in deu Annalen der jüdischen Vereinigungen durch sein mierschrockenes, konsequent diircligefiihrtes mannhaftes Auftreten gegen den damals urbi et orbi geübten oder durch Schweigen und Untätigkeit sanktionierten Unfug des Hechsclierimunwesens. Er griff da auf die Initiative seines großen Vaters mit heroischem Mut ins Wespenliest und führte den begonnenen Kampf trotz seiner Jugend, geschützt und gestützt von der Autorität seines Vaters, zu einem glücklichen, siegreichen Ende. Auch war er der einzige unter allen seiner/.citigen Machsikc- Hadas-Prüsidenten im alten Ungarn, der, die große Bedeutung des gedrucktes Wortes erkennend und würdigend, vor keinen Mühen und Opfern, zurückschreckend, das Monatsorgan der Machsike Hadus gründete, leitete, mit begeisterten und begeisternden Beiträgen versah, um so das .Zusammengehörigkeitsgefühl, die Macht des Zusammenschlusses und der öffentlichen Meinung der gesetzestreuen Juden zu lieben und auszubauen. Wie er, auf diesen Umstand hinweisend, bei einer Gelegenheit in seiner temperamentvollen Art in geistreicher SchriftausJegung einmal a.usfülirte: Der Wochenabschnitt Kadoscliin wird mit dem Aufträge ״liakel“; ״versammle“ eingeleitet. Und rasch zur Stelle zitiert er den Ausspruch unserer Talmudlehrer, daß G-tt darum die Einsammluug des ganzen Volkes gerade zur Anhörung der in dieser Sidro aufgezählten Gebote betonte, weil diese Gebote die fundamentalsten Bestandteile der Thora bilden. Wenn man die Thora in ihren Grundfesten schützen will, wenn man der Anforderung: ״Kedoscliin tihju“ entsprechen soll, so ist eben der enge JEDE AJlvdEjII., sei es nun geistige oder körperliche, ermüdet. Dauernde Frische und Lust zur Arbeit verbürgt Ihnen Massage mit Menthol-Franzbranntwein ALFA da dieselbe Ihren Blutkreislauf beschleunigt. Verlangen Sie Alpa nur in Flaschen mit unverletzter Plombe. Heime eine moderne S p 1• a ch.sc 11 111 e, T u 1■ 11־ lind M 11 s i k k 11 1• s e den Zöglingen unserer Mädclicnschnle gegen sein* ermäßigte Beiträge zur Verfügiing stehen. Die jüdische Mädchenschule im Dr.-Krüger- Heim wird vom nächsten Schuljahr an durch ein streng rituelles H a I b p e 11 s i o n a t ergänzt werden, so daß die Schülerinnen zu sehr mäßigen Preisen von früh bis abends, von Lehrerinnen be- Ireut, im Heime verbleiben können. Jüdische Eltern, denket rechtzeitig daran, eure Töchter an einer jüdischen Schule zu guten Jüdinnen zu erziehen! c&o£As 41.töauphc£u&fiirfinalen, ■und iflätMen, mdOßenl&sfthahraAt י //. flkdzgasse. /ff lt<W Einzige jüdische rnn ■ rnniinimiii ft MI für Weißnähen und Kleidermachen mit Öffentlichkeitsrecht Wien, II., Malzgasse 7, Dr. Krüger-Heim Staatsgiltige Zeugnisse GehUHnnenrecht Samstag geschlossen Zusammenschluß aller Gleichgesinnten, die organisatorische ■Zusammenfassung aller Orthodoxen uninngänglieh nötig. ״Parscho su behakhel neenuo.“ Dieser auf die Erhaltung der Kardinalgebote der Thora hinschauende Abschnitt kann nur durch die einheitliche und potenzierte Kraft der Organisation vollkommen verwirklicht werden. Und diese seine Ueberzeugung, die sich dn.rcli jeden Erfolg der Machsikc Wadas in ihm vertieft hatte, führte ihn im Lager der Agiulas Jisroel, in der er die grandiose Perspektive des ״llakliel“, das mächtigste Vehikel zur .Erreichung des ״Kcdosclviu tilija“ erkannte. Und von dem Augenblicke an stellte er sich in den Dienst der jüdischen Weltorganisation, der er einen Großteil seiner teuren Zeit, seiner plivsisehen und geistigen Kräfte zur Verfügung stellte, denn er war ein ׳ganzer Mann, ein geschworener Feind aller Halbheiten auf jeder Linie. Für das von ihm als heilsom erkannte Prinzip ,trat er mit einem prophetischen Mut und Elan ein, unbekümmert um die Meinung der Rechts- und Linksstehenden, denn ein vir integer seines Kalibers durfte mit offenem Visier kämpfen und mußte nicht die vergifteten Pfeile der wütenden Gegner fürchten, denn von seinem kristallreineu Charakter prallten sie alle kraftlos ab. Seine Brust war nicht gcpanzert in seinem kumpfreiclien Leben auf der großen öffentlichen Arena des Judentums, wo so viele heiße Schlachten unter seiner Führung ausgekämpft wurden, aber seine Brust war doch geschützt, wie einst diejenige dos Hohepriester* durch das Brustschild, in dem die Uriin Vetumim, der unaussprechlich heilige Name G-ttes geborgen war. Dieser G-ttesname, dieses ewige, gradlinige, uneigennützige, von gar keinen egoistischen Nebenabsichten getrübte Streben leschen Schomajim war sein Schatz und Schirm im Gewoge des Kampfes, das gab ihm Mut und Zuversicht, Kraft und Energie, Halt und Ausdauer auf den verschiedenen Walstätten, wo er als Recke der Wahrheit, der Pflicht lind der Gerechtigkeit machtvoll auftrat. Und darum, weil wir auch leider in den letzten Wochen den Tod großer Thorafiirsten, deren Licht die ganze Diaspora 2091126703946960107

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