Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 22 (30.5.1930)
- Date
- 1930-05-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 22 Lebensversiohernngs - Gesellschaft PHÖNIX kk ff ווווווו!וווווווווווווווווווווווווווווו!וווווווווווווווווווווווווווווו Gegründet 1882 Gegründet 1882 § Venidiernngsbestand Ende Mai 1929 2000 Millionen Schilling Oarantiemitlel Ende 1920 . 230 Millionen Schilling Prämien- und ZinseneinnaHen im Jahre 1920 . 92v־ Millionen Sdiiiling Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polenjugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten in o de 1*110 Sprachschule, eine Koch- und Ha 11 s 11 a 1111 n gs s c 11 11 1 e and eine F 1• a 11 c 11 g e w erbe s c hule für Wcißiiühen und Kleidermachen uiitergcbraeht ist. Alle diese Institutionen genießen das staatliche O e I f e n t I i c 11 keil s 1• e c 11 t und tragen eine spezifische jüdisch -1■ e I i g i ״ s e Note. Die Frauengeuerhesclude. die einzige in ihrer Art• in Europa, ist selbstverständlich Sabbat geschlossen und in der A r b e i t s g e m e i n s c h a f t. welche den eintteu Jahrgang der Gewerbeschule darstellt und wo bereits Kundendienst zugelassen ist. linden zurzeit 30 jüdische Mädchen mit Einhaltung der Sabbatgesetze ihren Erwerb. Dieseln Pakt zw ischen Obe mied izinal rat Dr. Krüger und Rabbiner Dr. Polluk ist nun als Dritter im Bunde der Direktor der Weltzentrale der Betli Jakob-Madchensehulorganisation Dr. L. D e u t s e 11 I ä 11 d e r beigetreten. In 1111־ mittelbarer Auswirkung dieses Dreibundes wurde der Beschluß zur G r ii u d u 11 g de r B e th J ak ob - L c 11 1־ e r i 11 u e 11 b i 1 d u '11 g s a u s t a 11 im Dr. Krüger-Meiin gefaßt. Die religiöse und pädagogische Leitung der auf zwei Jahrgänge berochuete.11־• Lehrerinnenbilduugsaiistalt übernimmt ge- :meinsam mit Rabbiner Dr. Pollak Dir. Dr. Deutschländer. der sich auch an der Leitung des gesamten Erziehungswerkes im Dr. Krüger-Heim beteiligen wird. Somit wird diese Zentralanstait für jüdische Mädchenerziehung und Fortbildung, die in einzigartiger Vollendung und Geschlossenheit jüdische Mädchen vom 6. Lebensjahr an erziehen, geistig und religiös-sittlich durchbilden und zu einem Berufe ertüchtigen will, in die große internationale Beth Jakob-Schulorganisation eingefügt. : Da das Heim mit einem 1 n t e r n a t verknüpft ist, werden fortab jüdische Mädchen aus religiösen Häusern zum ersten Malt* in Wien die Möglichkeit haben, in einer streng rituell geführten Pension Unterkunft zu ’finden. Alle diese Programmpuukte und Projekte hören sich wie ein Märchen an. Glücklicherweise sind sie fast zur Gänze schon Wirklichkeit. .Der große, aus zwei Gebäuden bestehende .und'auf drei Straßen sich erstreckende Komplex des Dr. Krüger- Heimes ist in allen seinen Stockwerken voll ausgenützt und im Herbst, wenn der erste Jahrgang der neuen Betli Jakob-Lehrerinnenbildungsanstalt mit ungefähr 20 bis 25 Zöglingen, die zum großen 'Teil im Heime wohnen werden, eröffnet wird, soll s. G. w. das großzügige Erziehungsprogramtn bis zum letzten Punkt W irklichkeit werden. Das Wie- 11er Dr. Krüger-Heim, diese neue Zentralanstalt für jüdische Mädehenerzieliung und Fortbildung, wird sicherlich große Anziehungskraft ausüben und jenen jüdischen Mädchen, die bei allem Streben nach einem Beruf den Ehrgeiz haben. Enkelinneu jener Mütter zu sein, die am Sinaitage Betli Jakob, das jüdische Haus für alle Zeiten festbegründet haben, zmn Bildungszentrum werden. Diese neue Wiener Zentralanstalt für jiidisehe Mädchenerziehung und Fortbildung wird aber ein Ansporn für jüdische Männer und Frauen sein, auch in dieser wirtschaftlich so schweren Zeit 1111ermüdlieh an die Zukunft Israels, an den Ausbau des Beth Jakob zu denken. Wenn am Schebuothfest der Schwur unserer Almen am Sinai ..Naase w'nischma“ — wir wollen es befolgen und verstehen — in unseren Herzen erneuert wird, so wollen wir geloben, auch diese neue wertvolle Schöpfung im Dienste der religiösen Er- Ziehung unserer weiblichen Jugend mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu fördern. P. Offizielle Verlautbarung. Die Beth Jakob-Zentrale in Wien hat beschlossen, in Wien für Mitteleuropa, vor allem für Oesterreich und die Nachfolgestaaten eine Lehrer i n n c 11 b i 1 d u 11 g s a 11 s t a 11 für Beth Jakob- Schulen zu errichten. Die Ausbildung der Lehrerin ist auf zwei Jahre festgesetzt. Zuin Eintritt zugelassen sind Mädchen, die das 16. Lebensjahr vollendet haben und ein Abgangszeugnis einer achtklassigeu Volksschule hesitzen. In den Vorbereitungskurs können auch jüngere Mädchen mitgenommen werden. Die Leiircriiinenbildungsanstalt wird in dem Dr. Krüger-Heim untergebraelit und für die Zoglinge von auswärts ist ein Internat .im Heim eingerichtet. Die näheren Aufnalimsbedingungen sind bei der Betli Jakob-Zentrale, Wien, II., Leopoldsgnsse Nr. 26, zu erfahren. Aufnahnisgesuche sind bis längstens 15. August d. J. cinzureiclieu. D1*. L. Deutschländer. fr♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦•♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦! ז! Ü gegenwärtiger u. ehemaliger Heimschützlinge, Dr. Krüger- Heim (fr. Elisabeth-Heim) für Wien, II., Malzgasse 7 $ Sabbathaliende fördert die Sabbathaltenden! ►♦♦♦♦♦ Telephon R-43-5-40 Telephon R-43-5-40 Sommerkurse JTUCMX 7^ DÄ) PTLÄNZL/CHE entfettungsmittelA der Zentrale von Keren Hatliora und Beth Jakob. Die Zentrale von Beth Jakob lind Keren Hatliora veranstaltet in diesen! Sommer folgende Kurse für Lehrer und Lehrerinnen: I. Rabka (Hohe Tatra), a) Kurse für Kandidntinnen des Betli Jacob-Semi 11ares, Leitung Frau S. Sclieniercr: vom 6. Mai bis 10. September. — b) Fortbildungskurse für amtierende Lehrerinnen, Leitung Erl. Dr. Judith Rosenbauni: vom 8. Juli bis 10. September. — c) Fröbelkurs vom 10. Juli bis 15. Augusl. II. Fort b i 1 d 11 n g s k u 1־ s f ii 1• Leb 1־ e r 1111 d Le 11 r e r i n 11 c 11 L i t a 11 e 11 s und L e 11lands in Palangen (Ostsee) vom 10. Juli bis 15. August. Leitung: Gymnasialdirektor Dr. Holzberg, Telscbi. Dozenten: Oberrabbiner Carlebacli, Altona, Di*. Deutschländer, Wien, Dozent Sclimulowicz. Telscbi, Gymnasialdirektor Wittenberg, Riga. III. Fortbildungskurse f ii 1• M ela 111d i m in G 1־ o d 11 o, Juni bis August. Leitung: Rahbiner Skob, D1*. Niemcewiez. Ferner veranstaltet die Beth Jakob-Zentrale gemeinsam mit anderen Scliulorganisationen Sommererholungskurse für schwächliche Schulkinder in: St. Georgen (Slowakei), Leitung: Lehrer Eisenberg: Otvoek (bei Warschau) für Mittelpolen, Leitung: Frl. Rosen, Lodz; Rabka, Leitung: Frl. Subotiea, Lodz. Gesuche wegen Teilnahme an den Kursen und Aufnahmen in den Kolonien können noch entgegengenommen werden und sind mit tunlichster Beschleunigung an die Zentrale von Beth Jacob und Keren Hathora, W i e 11, II., Leopoldsgasse N1*. 2 6, zu richten. Dr. Deutschländer. Der gedeckte j’üdische Festtisch. In Bälde geht der erste rituelle Kochku1*s im Dr. Krüger-Heim, Wien, II., Malzgasse 7, zu Ende. Der Anklang, den diese Einrichtung in der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit gefunden hat, veranlaßte die Heimleitung, im Herbst außer Kochkurscn noch eine regelrechte, streng rituelle Koc hu n d H a u s 11 a 1111 11 g s s c h u 1 e zu errichten. Aus Anlaß des Kursschlusses wird am 19. Juni dieses Jahres im Festsaal des ״Dr. Krüger-Heimes‘" eine Ausstellung unter dem Titel ״D er g e d e c k t.e jüdische Fcsttisc hu auf die Dauer von zwei Tagen eröffnet. In dieser Ausstellung werden die Schülerinnen der Kocliscliule ihre Kenntnisse öffentlich zeigen. Diese Ausstellung, die über Initiative der Vizepräsidentin des Heimes, Frau Hermine K rüge r, unter Mitwirkung prominentei* Damen der jüdischen Gesellschaft ins Leben gerufen wurde, begegnet schon heute in allen wissenschaftlichen und privaten Kreisen größtem Interesse. Eine Ausstellung dieser Art ist in Oestereich bis heute nicht zu sehen gewesen und behält sich die Redaktion vor, in einer der nächsten Nummern nähere Details über die Exaktheit der historisch-religiösen Momente der dargcstellten Tische und sonstiges mitzuteilen. Oberrabbiner Aron Katz s. z. I. Von Rabbiner Josef Adler-Schäßburg. ,,Das Andenken der Frommen gereicht zum Segen.“ Das Festhalten' einzelner Momente aus dem Leben und Wirken eines großveranlagten Mannes wirkt a!!spornend lind beispielgebend auf .Mit- und Nachwelt und das Gedenken eines sittlich hochstehenden Mensehen wird dadurch zum Segen. Im Hinblick auf diesen von der Erfahrung erhärteten Ausspruch des weisesten aller Menschen möchte ich liier in großen Zügen das Charakterbild desjenigen Mannes zeichnen, dessen Name zu unserem grüßten Leidwesen diesen Erinnerungen als Ueberschrift dient. Dieser Name war wollt den orthodoxem jüdischen Kreisen wohlbekannt, denn seit einer Reihe von Jahren fehlte er bei keine!• Gesamtaktion der in ״Agudas Jisrocl“ organisierten Judenheit, die führenden Persönlichkeiten der orthodoxen Welt- Bewegung kannten ihn auch persönlich vom Vorhandluugstische, an dem die schwerwiegendsten jüdischen Gegenwartsprobleme in langen und. heißen Debatten durchberaten wurden und ins öffentliche Leben der geuetzestreuen jüdischen Gesamtheit tiefeinschneidende Beschlüsse gefaßt wurden, an deren Zustandekommen er oft einen Löwenanteil hatte: aber den ganzen Menscheu in seiner Totalität kannten nur die wenigsten, denn er gehörte zu jenen bescheidenen, 'selbstlosen Männern, die ein mustergültiges Innenleben führten, stets an der Selbstvcrvollkommnimg arbeiteten, ihre Tugenehm nicht feilboten, ihre seelischen Qualitäten nicht zur' Schau trugen, mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten niemals prahlten, denen jedes Strebertum vom Grunde des Heizens verhaßt war und die nie das Zurgeltungkommen ihrer Person erstrebten. So kam es, daß Oberrabbiner Aron Katz s. z. I. in weitesten Kreisen bekannt, al/er nicht gekannt war. Aber dieser Umstand allein dient ihn zum Ruhme, denn er wurde nur darum׳ nicht gekannt, weil er sieh eben nicht zu erkennen gab, weil er nur immer an der Vertiefung seines Wissens, au der Ausbildung seiner Persönlichkeit, au seiner moralischen und sittlichen Ausrüstung׳ für seinen hohen, von ihm in der hehrsten Weise aufgefaßten iincl vorwirkliehten Beruf arbeitete. Fr war von Natur aus so idealistisch veranlagt und hatte schon in seiner frühesteu Jugend die ausgiebigste Gelegenheit, seine Voranlagung nach dieser Richtung hin zu vertiefen und zu vervollkommnen. Es war ihm noch gegönnt, seine ersten in der Jeschiwa gewonnenen Eindrücke ,im Hanse seines Großvater Reh Mtmacliem Prosnitz s. z. 1, Oberrabbiner in Deutschkreuz, zu erhalten, lief' haben, sich ihm ins Herz gegraben die großen Weisheitslehren, die er von eleu redegewandtem Lippen des gelehrten und erfalireuen, zu den auserlesensten Schülern des Cliasam Sofer gezählten greisem, rüstigem und geistesl'riselieu Großvaters gehört. Das ideale Lohen jeiuvs vom jungem Enkel mir auf der Höhe seiner höchsten Entwicklung■«־ stufe gekannten und angestaunten Großvaters prägte sieh mit scharfen Umrissen in die Gedankenwelt des jungen, wißbegierigen, für alles Gute und lulle entflammten Bocluirs ein 1111 cl die erlauchte _Greiscngosta.lt des Zeh 10111er Raws war die Wolken- und Feuersüule, die dem zum Manne gereiften und zum Führer gewordenem Enkel auf dem mühevollen Wege dev Ausbildung der seelischen Kräfte ׳und der Entfaltung der in ihm schlummernden ethischen Ncügungen voranzog. ]111 reiferen Jünglingsalter führte ihn sein guter Stern ins Haus des Oberrabbiners M. Fuchs s. z. 1., Großwardein, dessen puritanisches Wesen, erhabene Frömmigkeit, Selbstlosigkeit, Wahrheitsliebe, Seelenadel, Güte, Bescheidenheit und hohes Pflichtbewußtsein so unuiissprechlieh tief sich in die empfängliche und begeisierungsfällige Seele des Schülers cingeprügt hatten, daß sie ihn zeitlebens nicht mehr verließen und ihm zum Leitsterne seines ■Privatlebens und seiner öffentlichen Tätigkeit wurden. Mit diesen Eigenschaften ausgostattet, kehrte er als 21 jähriger Jüngling־ in Seines Vaters' Haus aus der. Großwardeiner Jeschiwa zurück, zu einem Zeitpunkte, als sein Vater gerade Vorbereitungen getroffen hatte, I seine Mug'cndorfcr Gemeinde 'zu verlassen 11ml dem Rille der Tokajer Gemeinde*״ Folge zu leistem. Die Mageuclorfer Gemeinde, die i!11 Verlaufe der 17 Jahre, in denen der Reh Mosche Katz s. z. 1. eleu dortigem Rnbbiiiatssitz bekleidete, ihren Rabbiner ins Merz geschlossen hatte, wollte eleu aus der jeschiwa heimgekommemen Sohn, dem .schon damals ein guter Rul Yorangegangen war, zum Nachfolger wählen, aber der sein Amt vom strengen Standpunkte der Pflicht bewertende Vater ließ sieh von dem bestechenden, den Vatergefühien schmeichelnden Anerbieten nicht bleuden mul schlug es mit der Begründung uns, daß sein Solin noch zu jung und zu ungenügend vorbereitet sei, lim ein Rabbinut, am Mallstabe des Pflichtgefühles und des Verantwortungsbewußtseins gemessen, bekleiden zu können. Nicht viele Väter hätten so gehandelt und nicht viele Söhne hätten ihrem Vater für eine solch erhabene Denkungsart Dank gewußt. Rabbi Aron Katz war aber der würdige Sohn seines Vaters und der gelehrige Schüler seiner Meister; er war noch in späteren Jahren, als er schon Vater ,mehrerer Kinder war und durch die Ungunst der Verhältnisse mit vielen Sorgen und Entliehrungen zu׳ kämpfen halte, von denen nur die hingeweihten wußten, stolz auf die selbstlose, von sittlieber Größe getragene .Entscheidung seines Vaters, die ihm das materielle Fortkommen Volil erschwert, aber die moralische Entwicklung erleichtert hatte*. Fr lernte daraus sein eigenes Interesse dem Gemeindeinteresse hintauset/en und diese! Zurückdräugung des Egoismus, dieses mächtigsten Leindes aller guten Vorsätze und Programme, wurde zum prägnantesten Zug seines Chnraklcrs, der am Ende seiner jäh abgebrochenen Laufbahn so unbescholten und goldrein blieb wie am Anfange derselben vor 5S Jahren. Denn obschou es ihm nur drei Jahre gegönnt war, als aktiver Oberrabbiner seine vielseitige Tätigkeit zu entfalten, so können wir. die ihn unel seine Wirksamkeit näher kannten, ruhig behaupten, daß er schon seit 50 Jahren einen niemals zur Ruhe gekommenen, von vielen erbitterten Kämpfen durchsetzten und von schönen Erfolgen gekrönten, an-