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Jüdische Presse · 1930-05-23 · 21 (23.5.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
21 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 JÜDISCHE PRESSE Seite d Leiden Sie an Rheumatismus? Beraten Sie sich mit Ihrem Arzte, was Sie dagegen tun sollen und kaufen Sie Menthol-Franzbranntwein ALPA Alpa -Massage verschafft Ihnen Linderung, beschleunigt den Blutkreislauf, gewährt dem Körper die erforderliche Nahrung, stärkt die Muskeln und wirkt wohltuend auf die Nerven. Verlangen Sie Alpa nur in Flaschen mit unverletzter Plombe. den um fassenden Vorbcvritungspliwien unid!bittet alle La!«los Verwaltungen des Keren .Hathora, ׳für die Besdiickiing der Feier Sonye zu tragen. Seitens der!Staatliehen ,Behörden werden Begünstigungen im weitesten Sinne gewährt und ein roh offizielle lind private Komitees wird aufs beste für die Gäste gesorgt werden. Oberrabbincr Schapira ersucht die Kcrim-Hathorn- Zentrale nochmals dringend, beim ״Joint“ zu interreineren,!da es ein e i 11 z i g u r׳t i g e s F a k 111 m ist. d a H id e r ״J o i n t“ .1' ii r!d i e s e w 1i e h t i g e G 1־ ii nd u n ,g i s h e r!1 i c h t ei n e a D o 1 l a r . b c w i 11 i g t hat, während ähnliche Grii11!d innigen bei ,anderen Riehhingen erhebliche Zuschüsse erhalten hioben und erhalten. Referent verweist auf die Subventionierung des Jüdischen Akademischen Heimes in Warschau und anderer kulturellen Institutionen.!Es wind im Sinne des Antrages beschlossen. Tagung der Kultusgemeinden Niederösterreichs und des Burgenlandes. Sonntag, den 18. d. M., fand in Mödling eine von der Kültusgemcinde Möjdling einberufene Tagung der Kultusgemeinden Niederösterreichs und des Burgenlandes statt. Namens der einberufenden Gemeinde begrüßte. Präsident David Rosenfel cl die erschienenen Delegier« ten der geladenen Gemeinden sowie den Vertreter der ״Jüdischen Presse“ und erteilte Herrn Dr. Rudolf SchwarzsHiller das Wort zu seinem Referat. Der Referent schilderte die juristischen Grundlagen für die Steuerpraxis der Gemeinden und wies nach, daß nach den geltenden Gesetzen eine Acndcrung der Verwaltungsge« richtshofentscheidung vom 11. Jänner 1930, durch die den Provinzgemeinden die Besteuerung des in ihrem Sprengel befindlichen Besitzes unmöglich wird, untunlich wäre. Er beantragt daher, Schritte zur Abänderung des Ge« setzes über die Kultusgemeinden vom Jahre 1890 zu unter# nehmen. Der II. Referent Dr. Ernst Moser beleuchtet die Lage der Provinzgemeinden und zeigt an der Hand von Fällen aus der Besteuerung zugunsten der katholischen Pfärrgemeinden, daß der Wunsch nach Abänderung der verhängnisvollen Gesetzesstellen gerechtfertigt ist. Nach« dem noch Dr. Sch\varz#Hiller die Anfragen des Herrn Baruch als Vertreter der Gemeinde Lackenbach und Sr. Ehrw.' Herrn Rabbiner Dr. Schweiger, Mödling, hinsicht# lieh der entsprechenden Rücksichtnahme auf die Auto« nomie der Orthodoxie beantwortet hatte, wurde ein Ko# mitee zur Durchführung der geplanten Aktion gewählt und die Tagung geschlossen. Die Joint-Vertreter besuchen die Wirtschaftsinstitufionen der orthodoxen Juden in Polen. (J. T. A.) Die europäischen Führer des Joint Distribution Committee Dr. Bernhard Kahn und D. Schweitzer besuchten die zentralen kooperativen Institutionen! der orthodoxen Judenheit in Warschau. Beim Besuch des Verbandes der jüdischen kaufmännischen Kooperativen wurden die Gäste vom Präsidenten A. Mendelsohn, Direktor Ratmann und •Eckermann begrüßt und über Arbeit und Entwicklung der orthodoxen und kooperativen Bewegung informiert. Die Herren Dr. Kahn und Schweitzer begaben sich sodann in die zentrale orthodoxe Kooperative, wo sie von den Herren Ratmann, Jakob Trockenheim, dem früheren Senator Mendelsohn und Gutfeld begrüßt wurden. Die Joint- Führer erklärten, sie werden die Forderungen der orthodoxen Kooperativen in Polen an den Joint einer ernsten Prüfung unterziehen und deren Erfüllung ira Rahmen der Möglichkeit erwägen. Di*. B. Cohn gestorben Dr, B. Cohn in Straßburg ist nicht mehr. Still und bescheiden zog er die Bahn seines Lebens und doch war er für die Gesamtheit des Judentums im allgemeinen und für die Orthodoxie im besonderen eine gar nicht ge# nügend gewürdigte Erscheinung. Sein ganzes Innenleben zog ihn nach oben in die Welt der Ideale und 80 hatte er sich einen Beruf erwählt, der ihn still und versonnen die Bahn des Himmels erforschen ließ. Er war uns in Wien kein Fremder, hatte er doch an der hiesigen Stern# warte die Forschung begonnen, deren reife Frucht in den Tabellen für die Bestimmungen der Gebetzeiten des Sab# batheingangs und des Sabbathausgangs geradezu ein un# entbehrliches Hilfsmittel für alle religiösen Kreise ge# worden ist. ,Nach Millionen zählen die Juden, die in heiligsten Augenblicken des religiösen Daseins Dr. B. Cohn als Führer wissen und verehren. Der festgefügten Gruppe der Orthodoxie in Straß# b»rg war er ein stiller und zierbewußter Weiser. Seih Amgeäenfcen i#t und bleibt ein, Segen. Die ״Talmnd'T110ra“־V0lksschnle in Wien. Gin Beitrag zur inneren Geschichte der Wiener Jadengemeinde. Von L. M 0 s e s. (Fortsetzung.) Tn gewissem Sinne wirkt es sogar tragikomisch, daß Ignaz Deutsch gegen eine Aktion der Judenschuft gegen die Beschränkungen der Besitzfälligkeit der.Juden durch das Patent vom 2. Oktober 1855 auftrat, obwohl er persönlich, wie der oben wiedergegebene Polizeibericht zeigt, von dieser Einschränkung empfindlich getroffen war. Wahrscheinlieh erhoffte er für sieh selbst dabei irgend eine Ausnahmsbehandlung. Entschieden muß es jedoch zurüekgewiesen. werden, wenn Wolf, wie oben zitiert, von einer ״Stätte für Verwahrlosung־‘' spricht. Hier spricht aus ihm der fanatische Gegner, dem nicht nur die Möglichkeit objektiver Beurteilung, sondern im besonderen jeglicher gute Wille fehlt, etwas Gutes, o b w o 111 e s v o n d e r t r a d i t i o 11 s t r eilen Seite ko m m t. anzuerkennen. Wir waren mit der Absicht an unsere Darstellung herangetreten, das Bild des HofWechslers von allen entstellenden Flecken zu reinigen, mußten aber bald einsehen, daß auch der objektive Schi.!derer dieser so viel umstrittenen Persönlichkeit unmöglich übersehen kann, daß Deutsch nur das eine Verdienst'zugute gehalten werden kann, für eine fast von allen guten Geistern verlassene Sache nach bestem Können eingetreten zu sein. Es darf aber nicht übersehen werden, daß auch für ihn noch manche Umstände als mildernd ins Treffen geführt werden können und schließlich auch einer seiner eifrigsten Widersacher viel vor der Türe einer anderen, gewiß nicht im Verdachte Preßburg-Frankfurter-Couleur stehenden Gestaft zu kehren findet, die er im selben Werke behandelt.*) Gemessen an den Charakterzügen eines Arje Lob Bernstein, muß das Bild des Hofwechslers in seltener Reinheit erglänzen, da er in jüdischen Angelegenheiten wenigstens nie von Gewinnsucht geleitet wurde. Ignaz Deutsch sagt in einer Eingabe vom Juli 1857: ״Außer einer äußerst beschränkten Religionsschule, welche der gehorsamst Gefertigte im Jahre 1849 errichtet und bisher fast gänzlich auf eigene Kosten erhalten hat und die in der letzten Zeit (wie es einem hohen Kultusministerium bekannt ist) beanständet wurde, besitzen die altgläubigen Juden in der Residenz nicht eine einzige religiöse institution und. indem sie alle Lasten tragen, welche ihnen von der bestehenden Tempelgeineincle auferlcgt werden, müssen sie• sich mit einigen dürftigen Betstuben begnügen . . Er verlangt die öffentliche Anerkennung der Rabbincrschulen in Preßburg und Lemberg, die ausschließlich autorisiert werden sollen, Rabbinerdiplome zu erteilen . . ., ״damit nicht junge Leute, deren Vergangenheit und religiösen Lebenswandel niemand kennt, sich in den ältesten und ehrbarsten Judengemeinden durch die Unterstützung der Reformer zu Seelsorgern aufd rängen‘י. Hinsichtlich der Mittel meint er: ״Das hohe Kultusministerium verfügt über den israelitischen Kultusfonds, der im Jäh re 1849 durch eine Kontribution entstanden ist, welche ursprünglich clen Jaden in Pest und Ofen auferlegt wurde. Da sich aber diese Juden zu hart getroffen fühlten, wurde diese •Kontribution auf alle J11clcngemeinde.11 Ungarns repartiert.“ Wenn wir diese Ausführungen heute unvoreingenommen betrachten, müssen wir gestehen, daß sehr viel gerechtes Streben nach einer Art von Minderheitsrechten oder wenigstens nach einem Proporz in ihnen liegt. Heute klingen Forderungen solcher Art ganz natürlich, und wir könnten uns nur glücklich schätzen, wenn sie durchgesetzt worden wären. Dann wäre ja auch die Existenz der Talimid-Thora-Volksschule während ihres ganzen ferneren Bestandes nicht mehr den Zufälligkeiten der privaten Wohltätigkeit ausgesetzt gewesen, und nicht nur diese, sondern auch alle anderen Institutionen des gesetzestreuen Judentums hätten eine ungeahnte Entwicklung genommen. Wie die Verhältnisse aber lagen, mußte dieser — wie wir jetzt bekennen müssen — fast heroisch zu nennende Kampf ei nes einzeln en;gegen eine ganze Welt nutzlos bleiben u nd die den ungarischen Juden in ihrer Gesamtheit — auch den orthodoxen — abgeforderte Kontribution schließlich der Errichtung des von den Gesetzestreuen mit guten Gründen bekämpften Rabbinerseminars in Budapest dienen. Ein noch^.deutli<jn&rea2Uieht auf die Strömungen innerhalb der Wiener Orthodoxie uncl die durch nichts bej rrten ׳ ׳Bestreburt־gen ר des Hofwechslers wirft es, daß Ignaz Deutsch mit Erlaß des Kultusministers vom 5.1. März 1858 beauftragt wurde, die altgläubigen Fraktionen in Wien und dessen nächster Umgebung zum Zwecke der Gründung־ einer zentralen Synagoge und aller mit derselben verbundenen religiösen Anstalten zu vereinen. In seiner Eingabe vom 9. Dezember 1859 sagt er aber: ״Die väterliche Absicht des Herrn Kultusministers kann gewiß nicht sein, daß — weil die Polen aus notorisch erwiesenem nationalen Widerwillen (?!) jede Vereinigung mit ihren deutschen Glaubensangehörigen mit: Entschiedenheit verweigern — die Sache der altgläubigen Juden in Wien überhaupt deshalb zugrunde gehen soll. Von dieser Ueberzeugimg innigst. durchdrungen, glaubte der gehorsamst Gefertigte, statt mit einer Vereinigung, die so lange fruchtlos angestrebt wurde, zu beginnen, alsogleich mit dem Zwecke derselben, nämlich mit der Herstellung־ einer zentralen Synagoge und aller nötigen Religionsanstalten den Anfang zu machen. Ist es nun der Wille G־ttes, daß dies dem gehorsamst Gefertigten möglich wird, so muß dann die Vereinigung־ aller altgläubigen israelitischen Fraktionen in Wien und dessen nächster Umgebung von selbst erfolgen.. Es würde dann jedem Israeliten gänzlich überlassen bleiben, ob er dem neuen Tempel oder der alten Synagoge angehören will. ... Endlich würde sich der gehorsamst Gefertigte mit der Errichtung einer Volks־, schule beschäftigen, 11m dieselbe ungesäumt mit der von ihm gegründeten und seit .zehn Jahren bestehenden Religionsschule zu vereinigen.“ Er bittet, daß ihm gestattet werde, ״a) sich ungesäumt mit dem Ankäufe eines geeigneten Bauplatzes in der Leopoldstadt zu beschäftigen, um eine den Bedürfnissen entsprechende Synagoge und für die schulfähige Jugend einige Volks- und Religionsschulen herzustellen, b) der gehorsamst Gefertigte, welcher die Kosten für diese Bauten nach eingeholter Erkundigung weit über eine halbe Million Gulden anschlagen muß, würde in diesem Falle auf eine angemessene Unterstützung aus dem ungarisch-israelitischen Kultusfonds mit Sicherheit rechnen, und dies um so eher, da der größte Teil der altgläubigen Juden in Wien dem Kronland Ungarn angehört.,״ Eine Konkordatsregierung hätte vielleicht Deutsch’ Forderungen erfüllt. Das Ministerium Schmerling aber war, wie es bei oberflächlicher Uebertragung־ seiner liberalen Tendenzen auf jüdische Fragen selbstverständlich erschien, nicht mehr geneigt, die Ermächtigung des Ignaz Deutsch zu genehmigen, da er zwar**) ״zu den rechtgläbigsten und regierungsfreundlichsten Männern zählte, aber das Vertrauen der Mehrheit der hiesigen Juden nicht mehr genießt“ . . . Man könne auch die polnische Fraktion nicht zwingen, sich am gemeinschaftlichen G־ttesdienste mit der deutschen Fraktion in einem Bethause zu beteiligen . . . Vorderhand aber scheine es sich nur darum zu handeln . . . daß mit Aufhebung der, wie es scheint, bestehenden Winkelschule für den religiösen Unterricht der schulfähigen Kinder der Altgläubigen die entsprechende Vorsorge getroffen werde ... Uebrigens mochte es wolil nicht so ganz unbegründet sein, wenn Deutsch in einer anderen Eingäbe nach Darlegung verschiedener innerjüdiseher Uebelstände, wie Führung der Gemeinde durch Vorsteher, die ihr Amt nur vermöge ihrer finanziellen Lebensstellung erhielten, behauptete, es erfolge die Anstellung von Predigern, die bloß in der Rhetorik große Fertigkeit besitzen und oft durch einige gelungene Kanzelreden die bewährtesten Rabbiner um ihr Ansehen bringen und aus dem Amt verdrängen. In diesen Dingen stellt sich also Ignaz Deutsch’ Kritik nicht im geringsten als unfruchtbar dar, und wir müssen seine Intentionen bei genauerer Betrachtung in mancher Hinsicht, soweit sie namentlieh nur interne jüdische Angelegenheiten betreffen, als richtig anerkennen. Seine Tätigkeit hat sogar bei aller Neigung zur Trennung mindestens so kpnservierend gewirkt wie die erhaltende seiner prinzipiellen Gegner in ■der Kultusstube. Was die Anstellung der Rabbiner, Errichtung eines rabbinisehen Konsistoriums und eines orthodoxen Rabbinerseminars anbelangt, decken sich Deutsch’ Anschau־ ungen und Pläne sogar mit denen seines großen Zeitgenossen Rabbi Zwi IJirsch Chajes. Und es wäre ein Glück für die Konsolidierung der inner jüdischen Verhältnisse gewesen* wenn Ghajes das Matter«- dorfer Rabbinat ängetreten hätte und dadurch ־auch 1-äiunIieh die Zusammenarbeit dieser beide« Männer ermöglicht worden wäre. (Fortsetzung folgt.), *) Gelber, 9,. a, Ö. **) Zitieri cwäi Wolf, Joseph Wev<be>»«r, .S. äh?. %

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