Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 21 (23.5.1930)
- Date
- 1930-05-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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I'.i ן | : ■יו' . ן ן 1:.׳׳ 1■ ו; Seite 1 JÜDISCHE PRESSE Nr. 21 I Tschechosl o w akei ■ i Slovakischer Machsike Hadas 1 ÜKali .זצ״ל Tiefe Trauer herrscht im •gewarnten orthodoxen Judentum. Dunkle, schwere Wolken .sammelten sich seit Uingerer Zeit ■auf dem Firmament des t 110׳ rat reuen jaden tums. Diesen entlad sielv um!7.!jar in den M01׳־gen»tuüden ein bonnersdilug und streckte einen dev edelsten Menschen, dev treuesten Juden, der frömmsten G-ttes dien er ׳und der besten Thora kenn er, den mutigsten Kämpfer ,zu Hoden. ׳Inmitten eines reichen Geisteslebens,!gerüstet luv Jahrzehnte noch m!it /,allem Willen und glühender Be-!geisternug zur rastlosen Arbeit im Dienste des Schöpfers und seines Tihoravolkes, •u!n!s allen, unserer ganzen jiidisehen Generation vorausclireitend im Kampfe um die llciniheit des Thovagesetzes und um!seine 11 nein geschränkte Souveränität über das jüdische Volk, mußte 011) e v v abb i 11 e r R a b ib i A w r q!1 o m A!11 ׳a 1־ o n Katz צ״ ל f die ])eilige Fahne sinken lassen und seine Seele eiuporsendeii in die!Höhen der Ewigkeit. Er empfängt dort den Lahn .fair seine mühselige Arbeit auf Erden anis der Hand seines Gebieters. Aber das ganze j ü d i s ch e V o.| k in allc>n seinen Breiten und Weiten ist mit seinem Scheiden eines.!iVlauues, eines Führers verlustig ׳gegangen, dessen es heute mehr denn je bedurft hätte;• eine große orthodoxe Gemeinde schaut nach ihrem Lenker aus, der die Zügel fest in der Hand hielt: die ׳'Gemein!schuft der orthodoxen Gemeinden in der Siowaikei wird in lilimti R u bb i 11 e v k 0׳m i t e e sein weises Thorawort vermissen müssen; der grolle Rabbini!sehe ׳R u t der in!der Aguida organisiertem fchoratreuen Gesamtheit wird nicht so bald wieder solch einen klaren undfgeraden Verfechter ־unentwegter Prinzipientreue in seiner Mitte iluvbcn; die L a 11 d •e s 0 r g a n i s atiou der Aigaidas Jisrocl in der Slowakei betrauert in ihm ihren ersten Bahnbrecher und leitenden Präsiclenten; und eine zahlreiche g־ttergebene ,F a in i 1 i e Aveint um den besten Gatten und Vater, den hiiigobunigsvollsten Verwandten, Eround und Erzieher, der den ׳letzteil Splitter seiner Kraft in grenzenloser Menschenliebe dem Gemeinwohl weihte und niemals an sein eigenes persönliches Wohlergehen dachte. Bedenkt man, daß Oberrubbiner Katz זצ״ל (‘in נדול כתורה וצדיק מפורסם ,ein ™י*י,״1׳" עומק בצרכי ציבור באמונה ׳nichts Jüdisches fremd, keine' jüdische ׳Frage, keine jüdische Angelegenheit gleichgültig erschien, dem das geistige und materielle Schicksal eines jeden Teilchens des jüdischen Volkes wehe tat und nahe an das blutende Herz ging, der alle grollen Menschheitsproblcmc •■unserer Zeit mit tiefster Anteilnahme verfolgte und sie an seiner thoragemüllen Weltanschauung prüfte und läuterte, der die gewonnenen. Erkenntnisse nicht für sich behielt, sondern ungeachtet seines gütigen Wesens und seiner natürlichen Bescheidenheit — zu keiner Zeit, da es not- •tat, davor zuruckschrak, vor die Oeffeuttichkeit hinzutreten und das Wort G-ttes in seiner ungeschminkten Klarheit •und unerbittlichen Strenge mit einer ungewöhnlieh temperamentvollen Rednergabe zu leinen und zu künden, so wird man die allgemeine aufrichtige Wehmut begreifen, die alle Herzen bei dieser Todesnachricht erfaßte. Einem Lauffeuer gleich verbreitete sich die. Trau erkunde im ganzen Lande und in zahlreichen ausländischen• Gemeinden und überall ,hatte man die Empfindung, daß hier in den •Reihen der Th o rat reuen •eine ׳Bresche entstand, die unsere Generation.' außerstände ist, zu füllen, ein Riß, den wir ziisammenzuheftea nicht verancigen. . Qberralhbiner Katz זצ״ל entstammte einer hochangesehenen iRübbinerfamilie, die das Judentum seit Generationen■ mit גאונים גדולים וצד יק י ם ־ Ttm W eltruf.. beschenkte. Bedingungslose'* bOpferbbreitschafi fiir צ ן ה Ö ת ו ד,ח . ל hucl unerschütterliche Liebe zur Wahrheit galten in dieser Familie stets als traditionelle Lebensgnyulsätze. Wri1• brauchen dabei nur an seinen Großvater, den Zeli.liiiucr Oberrabbiner 11 a e h e in Katz, P r o fi n i t z זצ״ל und seinen ויו■■■■■■■■ R a b 1b i M e- 1111 vergeßlichon Vater und Amts Vorgänger O b e r r a b b i n e 1• Rabbi Mosche Katz זצ״ל zu erinnern. Rabbi Awroliom Aliaron wurde im Jahve 5629 geboren und im Geiste seiner großen Ahnen und der גדולי התורה והיראה seiner Zeit erzogen. Sein reiches Wissen erwarb er sich durch emsigen Fleiß auf den ישיבות seines Vaters צ״ל!/ dos בעל שבט □ופל 1צ״ל ™ Preßburg und dos Rabbi Mosche Hirsch Fuchs זצ״ל in Großwarclein. Von Natur mit starken Fälligkeiten ausgestattet, war sein Stroben von Erfolg begleitet. Zwei Jahrzehnte war es ihm gegönnt, an der Seite!seines Vaters die Nit 10־er orthodoxe Gemeinde als לאש ב ״ ך zu leiten. Das waren die schwersten, aber ׳sicherlich auch die schönsten und wert vollsten Jahre seines Lebens. Seine jüdische Persönlichkeit, wurde in diesen Kampfja Inen zur Staklihärte gehämmert. Rabbi Masche Katz זצ״ל zum Wegweiser zu besitzen, bedeutete für ihn, ihm nachzustreben. Obgleich von schwacher Konstitution, forschte er unaufhörlich im G-tteswort nml leitete eine Jeschiwa, deren Schülern er sein Bestes gab. ln der Leitung der Gemeinde sekundierte er seinem Vater זצ״ל kongenial mit der ganzen Wärme seiner Seele und dem irgend einer Richtung hin eine Stärkung des Judentums heiligen Eifer seiner Ueberzeugaing. A11 allen wohltätigen Aktionen nahm er tätigen Anteil. Tauchte irgendwö oder irgendwann eine Idee auf, von cler er nach oder einen Vorteil für jüdische Interessen erhoffen durfte, so war er — ׳sobald er der Zustimmung seines Vaters זצ״ל und er anderen גדולי ה דן ל sicher sein durfte — immer unter den Allerersten, die sich in ihren Dienst stellten, und er trat dann ohne Rücksicht auf die Opfer, die er .sich dadurch anferlegte, werbend und aneifernd für sie ein. Die Md chs i k e Hailas-Ve reiuigung im alten Ungarn hatte in ihm .ihren stärksteil Vorkämpfer in Wort und Schrift. Die von ihm redigierte Zeitung מחזיקי הדה״« legte Nummer für Nummer Zeugnis von sedner unermüdlichen Initiative ab. Erwies sich diese Vereinigung; in der Höhe!ihrer Ziel- Setzung und in ihrem Arbeitsiliorizöiit von der Agudas J 11s r 0 e 1 übeiiholt, so ‘ zauderte er keinen Augenblick, seine erste Gründung in ihr äufige'hen zu lassen, das Banner des orthodoxen Klal Jäsroel zu ergreifen und es in dev Slowakei aafzupflanzen.: Hier erst kam das Edelste und Heiligste in ihm!zur vollen Geltung. Angespornt von dem klugen und Weiten Blick seines großen Vaters זצ״ל wurde er in der slowakischen Orthodoxie zum ersten Wortführer der Aguda und dadurdi der wahrhaftigste Vertreter jüdiisdier Wahrheit zu einer Zeit, da nur wenige hiezu Bekennermiut genug besaßen. Was dieses Jahrzehnt Aiguda-Tätiigkeit für ihn bedeutete, wird genügend durdi d!ie Tatsache diarakterisiert, daß er während all dieser Jahre von den עזי פנ״ם שבדור in seiner Gemeinde sowohl wie vor der breiten Oeffentlichkeit von seiten der gehässigsten Bekämpfe!• eines kompromißlos thoratreuen Klal Jiisroel, nämlich von den Anhängern dos Zionismus und seiner diversen Spielarten, fast täglich den unwürdigsten Verunglimpfungen und Beschimpfungen nusgesetzt war. Die sieghafte Aufriditigkeit seiner Ueberzeugünig teilte sich aber anderenscits dom besten und treuesten Kreis der Orthodoxie mit und er hatte die ׳•י ז כ' הS ch ü pif e r u!11d Prasid 0 111 d*e r s I 0 w a k li s c 11 e n A g 11׳ d a - L a n d e sa 11 i s at i o n zu werden. Seine Leistungen ׳für die •Agudas Jäsroel bilden ein eigenes Kapitel in seinem segensreichen Wirken. 111m ist es inder Hauptsache zu danken, daß die ״T ■1• enn uu g so 1• t h o d o x i 0“ aus ihrer gefährdeten tSelhmg in cler Isolation heran st rete.n und geistiges und organisaitorisehes Gemeingut der Besten in Israel in allen den Läneiern werden konnte, wo Massenabfall von den Idealen der Väter die alten jüdischen Gemeinden ׳und Gemeinschuften unter seinen Einfluß zu zwingen drolht. Sein scharfes Wort geh ot den religiösen Führern in den Gemeinclen der Slowakei, ihre Gedanken von all den Kleinidikciten unseres engen Kehällolebcns hinweg auf die;roßen Probleme der Gesamtheit!zu lenken. Von dort >is zur Aguda war nur ein Schritt. Auf der Tribüne der Gesariit-Agada, deren Leitung er angehörte, schaffte er seinem Worte!das Ansehen einer Autorität unter den Ersten. Hier, -wo er wußte, daß nur לעת תולה entscheidet, galt er als der Unerisdirockensten und Konsec! uentosten einer. Der Standpunkt des Rabbi Awroliom Aliaron Katz זצ״ל genießt in der Gesaajit-Aiguda die Bedeutung eines Voran&schauenden und wird dementsprechend )gewürdigt. Seine Wahrheitsliebe ׳gewann ihm 'diü Herz der orthodoxe n J ug en׳d, iso daß er alles, .׳Avas noch gesund und fest ist in der slowakischen, orthoihrsen. Jugend, zu seiner begeisterten Gefolgschaft, zählen dürfte.". " י :1. ־ y . ,-■ . .. . ־r Wie zu Lebzeiten seines Vater זצ״ל , so war es amli. 1u1d1herK. als ilpn •vor drei . Jahren däs.'/Yprtrauen Resolution. der Die Eingezogenheit jüdischen Frau lind 11 ml Zu rii ck gezogen heit des jüdischen Mädchens waren und sind die herrlichsten Perlen im §§ strahlenden Diadem der Avciblichen ’lugenden. §jl Diese sittlichen Eigenschaften sind besondere f| Kennzeiciien einer Person, die zum jüdischen Volke gehört. g Das צניעות, die mustergültige Zucht der g jüdischen Frau und des jüdischen Mädchens g waren und sind die teuersten Kleinodien im §§ Sclmtzkasten jüdischer Werte. 5 Mit betrübter Seele und wehmütigem Herzen g müssen Avir die Wahrnehmung machen, daß durclr den Besuch der Strandbäder diese \Verto;‘'gefäl1rdet sind und der brutalste Schlag ins Gesichtales elementarsten Schamgefühles versetzt Avirtl. Mit der vollen Wucht unserer flammenden Empörung mahnen und Avarnen wir alle, die noch den Namen Jade führen Avollen. sich diesen Stätten der nnverschämten ■Sittcnlosigkeit fernzuhalten. Schleppt nicht das zersetzende Gift der Unmoral und der Irreligiosität in das Heiligtum des jüdischen Volkes, in das jüdische Heim! Lasset, nicht niederreißen die festen Mauern, die die חולה הקדושה unsere heiligen Weisen, und die jüdische Moral aufgerichtet //wischen den beiden Geschlechtern! Meidet die Plätze, wo die Seele nur Schmutz einatmet, der נשמה ihre Hoheit und Reinheit geraubt und diese Himmolstochter in den Sumpf der Siincle gerissen Avjrcl! Jüdische Frauen, jüdische Mädchen! Die geistigen Führer des jüdischen Volkes bitten und warnen zugleich: Haltet rein euer Gemüt! Haltet rein eure altbewährten, edlen jüdischen Sitten! Zaubert die cntsclnvundenc goldene Zeit zurück, in cler Avir so stolz Avaven auf die vorbildlicli heilige Lebensweise der jüdischen Frauenwelt. Euch Avird die Zukunft unseres Volkes anvertraut, trachtet, daß die Zukunft unserer großen Vergangenheit würdig sei. Slovakischer Mnchsike-Hadns-Verein. seiner Gemeinde die Nacl1folger׳scl1alt im Rabbi 11at übertrug, sein Geist, der ihn auf allen Wegen leiteite. Diese gerade Linie, die fanatische Treue zum יאמת c^c ^1״ auszoiduiete, verschaffte ihm zwar unter den lEiitwurzelten, Halben und Wankelmütigen manchen Widersacher. Dafür aber Avar es mit Recht sein Stolz, daß ,die בני תולה und die יראי השם in־ uml außerhalb seiner Gemeinde ihm umsomehv zugetan waren und eine starke, g.eschlossene Phalanx 11m ihn bildeten, auf die er sich über ׳seinen Tod hinaus stützen konnte. Und ׳wie meister haft versta nd er es, den Geist, der ihn beseelte, auch auf seine ׳ Umgebung zu übertragen! Dieser vvaltete in seinem Hause, beflügelte das Streben seiner Söhne und Töchter und ließ sie zu jüdischen ׳Mensehen in des Wortes wahrstem Sinne heranreifen. Seine Schwiegersöhne,- darunter zwei Rabbiner■, folgen seinen Spuren nnid segnen jedem Augenblick, .der sie in seine Nähe brachte. So Avar er denn eine Persönlichkeit, ׳ganz und scharf in allen .ihren Umrissen. Wir halten vergebens Ltmsduiu nach Ersatz au seine Stelle. Verzweifelt irrt der ,suchende Blick in weitem Kreise umher. Die Liic-ke klafft breit und tiet! Da .gibt es nur eine ,Hilfe: Alle Kräfte an spannen, um die Wunde zu heilen! Alle Kräfte vereinigen, um die Wider.standslühi,gke.it zu steigern; Jeden gliinmenden Funken iri den Seelen entfachen, alle Hände rühren, um nicht zu erstarren! Alle Herzen wecken, um das Andenken des Führer« Rabbi Awroliom Atiavon Katz zum ewigen Segen zu gestalten.!זכר צדיה לברכה ־ J. J.-B. :j: Die 'הלוי. Donnerstag in den Abendsiunclen und Freitag zeit* lieh am Morgen strömte aus allen Gemeinden der West* Slowakei und aus \delen Orten der Ostslowakci, aus Un* garn und Oesterreich eine kaum übersehbare Menschen* menge nach Nitra, um dem Ueungegangcncn Führer das Geleite zum □11־׳5בית החיו geben. Trotz des ע׳שבת wollte es sich niemand, der in erreichbarer Nähe vvar, nehmen lassen, ihm diese letzte Ehre zu erweisen. Fast alle Rabbiner der Westslowakei, zahlreiche Deputationen von Gemeinden und Vereinen, das orthodoxe Landes* Präsidium, der Präses der Aguda״ die Leitung' der slovva* kischen Aguda, Delegationen cler Jeschhvos und der Aguda*jTugend aus allen Gemeinden, Vertreter aller staatlichen und lokalen Behörden und eim?־׳ mehr als tausendköpfige Trauerversammlung umgaben die Tri* biine auf der Wiese hinter dem Gemeindehaus, wo die. Hespedim 9 Uhr morgens ihren Anfang nahmen. Die jüdischen Geschäfts.läden waren bis nach cler הלוו׳•׳ ge* schlossen. Den Ordnungsdienst hatte die Agudas Jisroel* Jugendgruppe übernommen und er funktionierte ganz \׳orzüglich. Als Erster sprach cler älteste Sohn des Verbliche* nen, Herr Menachem K a t ־/- aus Bratislava, rührende,' schlichte Worte kindlicher Liebe und Dankbarkeit. Ihm folgte als Schwiegersohn Herr Oberrabbiner Alexander Weisz aus Rete mit einem tiefbewegten. Hesped voller Verehrung und Begeisterung für den Hehrer, Wegweiser und Vater. Herr Oberrabbiner Koloman W e b e r aus Piestany,. Präses der orthodoxen• Landeskanzlei, würdigte namens . der orth. Ländesorgänisation die großen 'Verdienste, des Heimgegangenen um die slowakische Orthodoxjein einem., größängelegten Nachruf. Er hob im . besonderen die strenge Wahrhaftigkeit des Verblichenen in der Ver*; tretung .seiner felsenfest begründeten Ansichten hervorüriid^b'at. die Gemeinde Nitra, ,auch itt. Zukunft der Opfer, eingedenk •zu'seid,■ die ihr. •Rabbiner für sie brachte. .