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Jüdische Presse · 1930-05-09 · 19 (9.5.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
19 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 19 r\p6TH£kttf ENTFETTUNG tM! T TEL tot .z w a׳n gsilä-ut i!g auch das Verseil winden (I c r M n 11 e r. Es paßt demnach der Muttertag, also die Verehrung der wenigen noch existierenden alten Mütter in das Jahrhundert des Kindes. In diesem Sinne wollen wir orthodoxe Juden weder von einem Jahrhundert des Kindes noch von einem Muttertag etwas wissen. Trotzdem wollen wir aber an einem Muttertag fes Uralten. Nur in einem anderen Sinne, als es die Schöpferin dieser Idee konzipiert hat. Wir sollten einen Muttertag im Jahre abhaltcn, an dem wir Über die Bedeutung der 1־ i c. h t i >g e n E r z i e h u n g u n s 0 1׳ e r T ö c 111 c 1־, d c r k ii n f t i g e n Mii 11 e r, 11 a c 11 d e 11 k e n. Denn wir sollten nicht so sehr um die liebevolle Verehrung unserer alten Mütter bangen, sondern — und das gilt midi für uns orthodoxe Juden — um ■die richtige Erziehung unserer Töchter besorgt sein. Auf diesem Gebiete geschiebt leider trotz aller Aufklärung in den letzten Jahren viel!zu wenig. Und!besonders in Wien, wo dank der Arbeit einiger weniger Männer, eine Volks- und Hauptschule, eine Gewerbeschule, eine Kochscliiiile ־f!ür jüdische Mädchen geschaffen wurde, müßte man annehmen, daß jüdische Eltern scharenweise ihre Töchter!in diese!Anstalten bringen, ,um sie vor den Gefahren einer Erziehung in einem nicht• jüdischen Milieu bcwahren zu können. Sicherlich wissen viele tausende jüdische Mütter noch nicht von den wunderbaren Erfolgen, welche diese jüdischen Mäiclchen-Erziehiingsanstalten erzielen. Und daher haben wir dringend einen Muttertag nötig, an welchem jüdische Mütter eindringlieh über die Pflicht der jüdischen Mutter, auch ihre Töchter zu jüdischen Menschen zu erziehen, die dereinst würdig als jüdische Mütter in Israel dastehen sollen, aufgeklärt wenden. Einen solchen Muttertag haben wahrlich auch wir orthodoxe Juden in Wien nötig. Vom Tage. Zentralisation des Fürsorgewesens der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. In der Plenarsitzung des Vorstandes vom 29. April wurde ein wichtiger Beschluß gefaßt. Das gesamte Fürsorgowesen der Israelitischen KultiusgemeLiide Wien wird fortab in der ״Fürsorgezentralc der Israelitischen Kultuisg'Omeinde Wien“ vereinigt. Diese Fürsorgezentrale wird einer ״Zentralkomanission für jiidisehe soziale Fürsorge“ unterstellt werden. Diese Zentralkommissiou!wird aus den Mitgliedern des Präsidiums der Israelitischen Kultiisgemeinde, den Mitgliedern der Fiir.sorgekom1mis,s‘ion der Israelitischen Kuiltusgemeinde, dem Oibmanne der Spitalskommission der Israelitischen Kultiisgemeinde, dem Obmanne der Kommission für die Versorigungsanstalt der Israelitischen Kultiisgemeinde und je einem Delegierten der Bczirkisfürisorgekommissione’n der Israelitischen Kultiusgomeinde, ferner aus 10 externen Mitgliedern, die aus der. Reihe der Vor- Standsmitglieder der jüdischen Fürsorgevereine und Institutionen berufen werden, bestehen. Nach wie vor 1verde 11 auch Frauen als externe Mitglieder berufen werden können. Die ״Zcntrallcommiisisiou“ wählt aus der Mitte der ihr angehöreniden Kultusvor.steher einen Obmann und einen ersten Obinannstellvertrotei־, ferner einen zweiten Obmaanstcl!Vertreter, welcher nicht Mitglied des Kultus- Vorstandes sein muß. Die ״Zentrailkommiissiioti für jüdische soziale Fürsorge“ hat die Aufgabe, als Organ der Israelitischen Kultiisgemeinde Wien die grundsätzlichen und organisatorischen Fragen bezüglich des gesamten Fürsorgeweseus sowie einzelner' Zweige desselben zu beraten, hierüber Beschlüsse zu fassen und u) so,ferne sie im Rahmen des der ״Zentralkommission“ vom Kultusvorstände übertragenen Wirkungskreises liegen, unmittelbar zur Durchführung zu bringen, b) wenn die Voraussetzuug des Punktes a) nicht zutnifft, als Anträge an den Kiiiltusvorstand zu leiten. Die Agenden des ' gesamten Fürsorgewesens der Kultiisgemeinde wurden in einem Amte, welches die!Bezciclmung ״Fürsorgezentrale der Israelitischen Kultusgemeinde Wien“ führt, vereinigt. Das Amt arbeitet unter der unmittelbaren Aufsidit des Exekutivkomitees der ״Zentralkommission“. Zum Leiter dieses Amtes wurde Herr Emil E 11 g e 1 als Aintsvorstand bestellt. {Wir begrüßen die Zentralisation dieses wichtigen Verwaltungszweiges der Kultusgemeinde, für den im Budget jährlich 2 Millionen Schilling vorgesehen sind, und sind auch überzeugt, daß in dev Person des Amtsleiters, der nach zehnjähriger Unterbrechung wieder in den Dienst der Gemeinde zurückkehrt, die riditige Wahl zur Leitung dieses lebendigen, sozialen Sinn lind Verständnis für jüdische Fürsorge erfordernden Amtes getroffen wurde. ׳D. R.) *Bezirkskommissionen. Das Tätigkeitsgebiet der Bezirkskommissionen der Israclitisdien Kultusgemeinde Wien wind dahin erweitert, daß durch Heranziehung jener gewählten und berufenen Mitglieder der Bezirkskommissionen, welche sich zur Mitarbeit in den Fürsorgeangölegcnheiten bereit erklären, Bezirksfürsorgekommissioneu gebildet werden. Befreiung von Schulbesuchen an Feiertagen und Sabbaten in Leipzig. Die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig erläßt nachstehende Bekanntmachung: Der Beginn des neuen Schuljahres gibt uns Veranlassung, folgenden Auszug aus der Verordnung des Ministeriums für Volksbildung vom 21. August 1929, den Schulbesuch an staatlich nicdit anerkannten Feiertagen betreffend, zum Abdruck zu bringen. I. Lehrer und Schüler dürfen den Unterricht an staatlich nicht anerkannten Feiertagen nicht unentschuldigt versäumen. Es ist ihnen auf ihren Antrag zum Zwecke der Teilnahme an religiösen Feiertagshandlungen Unterrichtsbefreiung־ nach folgenden Grundsätzen zu erteilen: 1. den Mitgliedern der israelitischen Religionsgesellschaft für das Passahfest, das Wochenfest, die beiden Neujahrsfestlage, für das Versöhnungsfest und Laubhiittenfest; 2. den Mitgliedern der israelitischen Religionsgesellschaft für die Sonnabende — Sabbate. Die Uiiterrichtsbefreiung ist in dem Ausmaße zu erteilen, das zur Verrichtung der religiösen Pflichten erforderlich ist. Wird die Befreiung zum Besuch׳ des Gottesdienstes erbeten, so ist sie für die Tageslmlfte, in der er slattfindet, auszusprechen. Sie wird den Schülern auf schriftlichen Antrag ihrer Erziehungspflichtigen vom Klassenlehrer, den ״Lehrern von der für die Urlaiibserteilung!sonst zuständigen Stelle gewährt. Der Antrag kann einheitlich für das ganze Schuljahr oder von Eall zu Fall gestellt werden. Voraussetzung für die Befreiung der Schüler vom Unterricht an den Sonnabenden ist außerdem: a) daß die Erziehiuigspflichtigen durch Privatunterricht oder in MATT ÖNI'S WELT BEWAHRTES HEU ׳־UND TAFEL- WASSER. anderer Weise für einen Ersatzuntcrricht sorgen, der der Genehmigung und Aufsicht der Schulanfsichtsbehörde unterliegt; b) daß die Erziehung,spflichtigen sich damit einverstanden erklären, daß die Schule keinerlei Verantwortung für die aus dieser Schulversüunmis für die Kinder etwa entstehenden Folgen übernimmt. Werden die Voraussetzungen a) und b) nicht oder nicht mehr erfüllt, so ist die Befreiung zu versagen oder zuriiekzuziehen. II. Israelitische Lehrer und Schüler, die an den Sonnabenden — Sabbaten — und den hohen israelitischen Festtagen am Unterricht teilnehmen, sind an diesen I Tagen auf Antrag, der für die Schüler von ihren Er- 1 ziehungspflichtigen schriftlich zu stellen ist, vom Schreiben, Zeichnen und Handarbeiten in der Schule zu befreien. Bedauerlicherweise herrscht in Wien eine derj artige Interesselosigkeit gegenüber der jüdischen Er- I Ziehung, daß das jüdische Kind in Wien allen ent-! judcmlen!Bestrebungen leicht zur Beute fällt. (D. R.) Am^3. Juni Beginn der außerordentlichen Palästina-Session der Mandatskommission Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, ist der Bericht der britischen pralamenta rischen Palästina-Untersucliungskommission vor etwa zehn Tagen beim Völkerbundssekretariat eingetroffen und wurde sofort an alle Mitglieder der Mandatskommission versandt. Entgegen dem ursprünglichen Erwarten war ein offizielles Statement der britischen Regierung dem Bericht nicht beigegeben worden: man glaubt aber, daß ein solches Statement dem Völkerbund und der Mandatskommission zugestellt werden wird, sobald die britische Regierung definitiv zu dem Bericht Stellung genommen und endgültige Entschlüsse über ihre weitere Politik hinsieht־ lieh der Verwirklichung des Palästinamandiitcs gefaßt luiheii wird. Die Mandatskommission des Völkerbundes wird sicli in ihrer am 3. Juni d. J. beginnenden und voraus- | sichtlich am 9. Juni endenden außerordentlichen Session mit den Geschehnissen und Auswirkungen der , Augustunruhen in Palästina befassen. Am 10. Juni bci ginnt die ordentliche Session der Mandatskommission. Dadurch, daß trotz der zeitlich zusammcnfallenden 01deutlichen Session eine spezielle Session zur Behandlung der Palästinafrage anberaumt wurde, soll unterstrichen werden, daß außergewöhnliche Ereignisse, wie die vom August lind September 1929 in Palästina, nicht in eine ordentliche Session hineingehören, sondern in einer speziellen Beratung behandelt werden müssen. Man nimmt an, claß in der außerordentlichen Session auch der Jahresbericht der britischen Regierung über die Verwaltuug .Palästinas im Jahre 1929 zur Behandlung kommen wird. Bis heute ist dieser Bericht dem Völkerbundskommissariat noch nicht zugestellt worden. Die IClagemauer-Kommission.‘ (J. T. A.) Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, ist bis heute beim Völkerbunclskoinmissariat ein Ersuchen der britischen Regierung, auf die Tagesordnung der •am 12. Mai in Genf beginnenden Sitzung des Völkerbundsrates!die Frage der Ernennung einer!Kommision zur Lösung des Klagemauer-Problems zu setzen, nicht gestellt worden. Bekanntlich hat es die britische Regierung׳ übernommen, die Namen cler drei Mitglieder dieser Kommission, die alle Niclitengländer sein sollen, dem Völkerbundsrat vorz lisch lagen. Man glaubt liier, daß die britische Regierung־ daran interessiert sein wird, daß schon die nächste Session des Völkerbundsrates die Frage der Ernennung der Kommission cler Erledigung zuführt und claß sie noch vor Beginn cler Session oder während clerselben dein Rat ihre Vorschläge unterbreiten wird. Das jüdische Wien. Von L. M a 11 e r s b 11 r g e r. III. Die Peripherie. Astronomie und Geometrie sind die Peripherien der Weisheit. Die Mischna sagt’s und Wiener Juden haben es getan. Weit draußen an der Peripherie, wo das Industrieviertel von Ottakring fast ohne Uebergang־ an das Wald- und Wiesenrevier des Wienerwaldes stößt, erhebt sieh'inmitten eines maucrumfrieldeten Parks das Gebäude einer Sternwarte. Park mul Sternwarte gehören einer Familie, die einst zu den Säulen des über- ’lieferten Judentums in Wien zählte, während jetzt nach einem halben Jahrhundert, fast kein einziges Mitg'liecl mehr dem Judentum augehörl. 1111 Jahre 1866 waren der ßrauhausbesitzer Ignaz Kuffner als Vertreter des (orthodoxen!) Bethauses Ottakring Nr 532 und Jakob Kuffner für das (ebenfalls orthodoxe) Bethaus Ober- Döbling Nr. 182 vor der Statthalterei in Wien erschienen, uni nebst anderen Vertretern der altgläubigen Judensebaft in Wien und Umgebung ihre Ansichten über das neue Statut cler Wiener judeiigemeinde zu deponieren. Heute ist nur mehr die Sternwarte an der Wiener Periplierie als Symbol dafür übrig, daß ihre Gründer sich nicht nur räumlich an cler Peripherie des Judentums befanden und auch als Mandatare des orthodoxen Judenturns nicht davor bewahrt blieben, von den zentrifugalen Kräften ihrer Zeit aus dem Kreise des Judentums hinaus in den Abgrund geschleudert zu werden. Aus den von Ignaz und Jakob Kuffner vertretenen orthodoxen Vorstadtbethäusern sind eiue halb und eine ganz reformierte Synagoge liervorgegangen und einer noch in Anhänglichkeit an heimatliche Traditionen mehr oder weniger streng konservativ eingestellten Generation sind neuere, von keines religiösen Gedankens Blässe mehr angekränkelte Geschlechter gefolgt. Ottakring und Döbling sind nur typische Schulbeispiele. Genau so wie an diesen beiden Punkten sieht es au der ganzen ungeheuren Peripherie aus. Nach fünfzehn Jahren eines durch den Krieg־ verschuldeten Stillstandes schießen überall neue Gemeindebauten aus dem Boden und auch cler bessere Mittelstand beginnt durch den Bau von Einfamilienhäusern Abhilfe in der großen Wohnungsnot zu finden. Und unter den Tausenden, die da aus Enge und Drang in freiere und schönere Regionen hituuisgehen, befinden sich auch hunderte Juden. Wenn dies vorn bevölkerungshygienischen Standpunkte aas auch gewiiß nur zu begrüßen ist, entsteht doch zu oft im Hinblick auf die jüdische Fortexistenz solcher Familien ein bedenkliches Manko, das auszugleichen Sache einer zielbowuüten jüdischen ßevölkerungs- Politik wäre. Nicht nur das in den Austrittslisteu zutage tretende Manko ist zu berücksichtigen, denn schwerer noch fast als diese entscheidende letzte Konsequenz fällt das aus Gleichgültigkeit, Unkenntnis und Mißverstehen sich zusummensetzende Verhalten weiter ,jüdischer Schichten in die Waagschale. Da sind zahlenmäßig־ von Juden stark bevölkerte Außenbezirke und Vororte, deren Bewohnet-, wenn sie Oie regel sein wollen, stundenlange Wege zurückzulegen hätten und nicht einmal an den höchsten Feiertagen des Jahres die gestaltende Organisationsfühigkeit aufbringen, ein Minjan zu veranstalten, da niemand seinen jüdischen Nachbar kennt und ihn oft, wenn er ihn auch kennen sollte, nicht anzusprechen wagen darf, da er zufällig ja dabei an einen unrichtigen, einen konfessionslosen Juden geraten könnte. Auch in Berlin herrscht eia ähnlicher starker Zug־ der jüdischen Bevölkerung• nach den westlichen Vorortgemeinden, aber dort besteht über diese Erscheinung wenigstens theoretische Klarheit. Eine statistische Arbeit, ״Die Zunahme der jüdischen Einwohner in den Vorortgemeinden Groß-Berlins“ von Julius Rothholz, gibt Auf- Schluß über •diese Bevölkerungsbewegung ׳und diese Klarheit ermöglicht auch Erwägungen über die beste Art und Weise, wie an solchen peripheren Punkten jüdisches Leben zu erhalten und, wo es nicht besteht, zu schaffen sei. Und auch dort kommt man zu denselben Resultaten, die auch in Wien — nnitatis mutandis — die einzig möglichen sein dürften. Wir können wörtlich akzeptieren, was Rothholz für Berlin als Postulat aufstellt: ״Nicht darauf kommt es an, große Tempel in einem oder andern Stadtbezirke zu errichten, deren Bau für die Gegenwart große Summen verschlingt, sondern bescheidene Synagogen zu errichten, die für die Vorortbewohner ohne zu großen Zeitverlust erreichbar sind und für die ,jüdische Einwohnerschaft den Mittelpunkt des jüdischen Lebens bilden.“ Von einem wahrliaft jüdischen Zentrum aus müßten an cler Peripherie Wiens neue kleine Zentren geschaffen werden. Man warte nicht erst, bis sich die Privatinitiative hervorwagt, da nur dann die Gemeinde den ihr gebührenden Respekt erringen wird, wenn sie der Privatinitiative zuvorzukommen versteht. Andernfalls wird nur der geradezu j pathologischen Atomisierung und Desorganisation des 1 jüdischen Lebens in Oesterreich gerade von der dazu I am wenigsten berufenen Seite der größte Vorschub ge- ן leistet. Die Organisierung׳ solcher neuer Zentren müßte das vielfach im Schoße der jüdischen Bevölkerung noch schlummernde Bedürfnis erst wecken, wie nach dem bekannten talmudischen Ausspruche ״der Heilige, gelobt sei er, die Heilung־ vor cler Krankheit schon bereithält“. Si l!icet componere parva cum magais —!wenn man Kleines mit Großem vergleichen kann, hat da in einem cler Wiener Vorstacltbezirke ein kleiner gesetzestreuer Greisler, der den Mut aufbrachte, sein Geschäftchen Samstag gesperrt zu halten, die ganze Judenschaft dieses Stadtteiles verdienstlicher beeinflußt als mancher . Raw. Er versieht Haushaltungen, die früher streng trefo waren, mit allen rituellen Lebensmitteln und macht es ihnen unmöglich, Samstag — wenigstens bei ihm — Einkaufe zu besorgen. Dieser kleine Greisler hat unbewußt die innere Mission durchgeführt, die ich — wenn ich mir gestatten darf, mich selbst zu zitieren — bereite in einem vor I fünfzehn Jahren in cler Brünner ״Jüdischep. Volksstimme“ j erschienenen Aufsatz gefordert hatte. Damals schon wies! ich auf die vielen Tausende hin, die mit der jüdischen! Gemeinde im besten Falle durch den Sfeuerbogen zuj sammenhängen oder gerade wegen dieses Steuerbogens j verlorcngehen. Das sind alle jene, die höchstens an den! hohen Feiertagen zu ihren Brüdern 11ergJ)steigen, wertj volles Kapital, dessen Mitwirkung uns so entgeht. Da! müßte an die uralte, aber erneuerungsfähige Institution : cler Magidim angeknüpft werden, die in Form eines 1 gut ausgestatteten, inhaltlich hochstehenden uncl allen ׳ Gemeindemitgliedern frei zugehenden, unparteiisch jü- ' dischen Blattes wieder in jedes jüdische Haus das Ge- I fühl der Zugehörigkeit zu einem großen lebendigen Organismus tragen sollte. In Deutschland besitzt jede größere jüdische Gemeinde ein solches Gemeindeblatt und sogar unsere mit Wien gar nicht zu vergleichende Schwestergemeincle in Graz verfügt über ein solches bescheidenes Blättchen. Und wir, denen die Beherr-

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