Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 18 (2.5.1930)
- Date
- 1930-05-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 18 JÜDISCHE PRESSE Sette 3 ^nniiiiiiiiiifliiiiiaiiiiiiHiiuifliiiiiHiiiiHiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiini^! Tschechoslow akei i :5 ■ Droht die ״Unifikation“? Man kennt dieses Wort von früher, aus der ungarischen Aera noch. Bis nahe an den Weltkrieg heran gab es in Ungarn einen Kreis von eifrigen Neologen, der sich bei dem Gedanken nicht beruhigen konnte, daß es Juden gibt, die dem Einfluß der religionsreformatorischen Bestrebungen endgültig entzogen sind oder entzogen sein könne n, wenn sie wollen. Die ekstatischen oberflächlichen Schlagwörter der Zionisten aller Schattierungen von der ״Einheit“ und der ״Entkonfessionalisierung“ der jüdischen ״Nation“ und manche Yerfallserscheinungen innerhalb der glaubenstreuen Gemeinden, bestärkten damals diese Kreise vollends in dem Glauben, die Orthodoxie sei bereits ausreichend geschwächt, um mit Hilfe gewisser staatlicher Faktoren die ״Unifikation“ durchzuführen und jene Ordnung der jüdischen Gemeinden die zwei von einander unabhängige jüdische Konfessionen friedlich nebeneinander bestehen läßt, wieder aufzuheben. In Ungarn selbst ist es mit diesen Unifikationsbestrebungen vorläufig recht still geworden. Der Zeiten Nöte legten beiden jüdischen Konfessionen schwere Sorgen auf, die auch dem Vordringen zionistischer und jüdisch-nationalistischer Ideen nicht sehr förderlich waren. Von einer ״Unifikation“ der beiden jüdischen Konfessionen im ursprünglichen neologen Sinne ist in Ungarn nicht mehr die Rede. Im Gegenteil, die ״Trennung“ hat zu einer gegenseitigen Würdigung .uncl von Fall zu Fall sogar zu einem reibungslosen, freundlichen Zusammenwirken der Spitzenorganisationen geführt. Die Entwicklung der Verhältnisse in der tschechoslowakischen Republik während des ersten Jahrzehnts der Nachkriegszeit bewegt sich jedoch in ganz anderer Richtung. Während auf dem Gebiete der Slowakei zuerst die alte orthodoxe Konfession und seit etwa zwei Jahren, mit einigen Abweichungen, auch die neolog organisierte in ihren früheren Rechten ungeschmälert belassen wurde, blieb diese gesinnungsgemäße Zweiteilung -der jüdischen Gemeinschaften auf den Landesgebieten des früheren Oesterreich auch jetzt noch unzulässig und selbst streng orthodoxe Juden sind dort genötigt, mit reformatorischen ״Volksgenossen•‘ in einer Zwangsgemeinde vereinigt zu bleiben und unter den größten Gewissensqualen, entgegen dem klaren Religionsgesetz, zur Erhaltung von religions widrigen Gemeinde Institutionen beizutragen, wie es im ehemaligen Oesterreich der Fall war. In Podkarpatska Ruß hingegen ist es den offenen und versteckten Widersachern einer vollen Geltung der thoratreuen Gesinnung im Gemeinde- ״ und Gemeinschaftsleben tatsächlich gelungen, auch vom Staate ■stillschweigend geduldete chaotische Zustände zu schaffen, die mit einer organisierten Orthodoxie nur noch eine sehr schwache Aehnlichkeit haben, und die heranwachsende Generation weit, weit weg von den alten Idealen einer wahren Orthodoxie zu.führen. In der slowakischen Orthodoxie selbst sind Zeichen der Schwäche und der inneren Gesinnungs- Schlaffheit in sehr bedenklichem Maße aufgetreten, ln manchen an Mitgliederzahl angewachselien orthodoxem Gemeinden werden die eigentliehen Orthodoxen nur noch mit mehr oder weniger Freundlichkeit als geduldete Mitglieder betrachtet und diese fühlen sich infolgedessen nicht mehr vertrauensvoll und sicher genug, auch nur die Institutionen von der Einflußnahme praktischreligiös halb- oder ganzabge fallen er orthodoxer ״Steuerzahler“ zu schützen, geschweige in der Gemeinde eine Atmosphäre zu erhalten, in der eine stetige Höherentwicklung der religiösen J uge 11 der Ziehung und der gesetzestreuen Gesinn u 11 g s p f lege ohne heftige Kämpfe und unerquickliche Auseinandersetzungen mit fundamental Andersgesinnten möglich wäre. Als Uebergang zur vollständigen Lahmlegung jeder gesunden und starken Ueberzeugung־ im Gemeincleleben und in allen davon abhängigen Gemeinschaftsäußerungen gerät die Gemeindeleitung in immer mehr Orten in die Hände von sogenannten ״Neutralen“, das heißt auf gut Deutsch: Gesinnungslosen oder Gesinnungsschacherern. Eine solche Gemeindeleitung bedeutet in unserer gärenden, wertebildenden und wertevernichtendeu Zeit, früher oder später den Erstickungstod für die Orthodoxie, die A u s 11י o c k n u n g aller ihrer Lebeusquellen in Seele und Herz. Kann es da wunder nehmen, wenn unter solchen Verhältnissen zum Ueberfluß nun auch das alte neologe Ideal von der zwangsweisen ״Unifikation“ umhüllt von einem blau-weißen Nebel am Horizont erscheint? Die böhmischen und mährischen jüdischen Kreise, die im ״O b e 1־ r a t der jüdischen G e-! meinde n i 11 d e r T s c h e c h o s 1 o w a k e i" jüngst erst wieder den Beschluß erbrachten, ״b e i d e r R e g i e r u n g e 11 e r gisch e S c h 1• i t 1 e z u r Schaffung eines gesamtstaatlichen Verbandes d e r jüdischen Ge m e i n d e 11 z 11 u 11 t e r n e h m e 11“, sind ganz bestimmt nicht von übler Absicht angeregt. Sie wissen es nicht besser und haben vielleicht noch niemals davon gehört, daß wahre Toleranz auch der Thoratreue gegenüber, zu der sich einstmals, wenn nicht noch ihre Väter, so doch sicher ihre eigenen Großväter mit der ganzen Wärme ihrer jüdischen Seele bekannten, nicht zu Vergewaltigungen greift und daß die ״Einheit des Judentums“ vor allem eine Gesinnungs- und Lebenseinlieit in der freiwilligen praktischen Befolgung des Thoragesetzes bedingt, wenn sie nicht zum schlimmsten Gewissenszwang oder zur vollständigen Umwandlung des historischen Thoravolkes in eine zionistische säkularisierte politische Nationalgemeinschaft führen soll. Nicht gegen den ״Oberrat“ richtet sich also unser Warnruf, zumal wir einstweilen auch darüber Zweifel liegen, ob er berechtigt sei, seinen Namen in seiner oben angeführten Fassung amtlich zu tragen. Wohl aber sollten die breiten Schichten der wahren Orthodoxen in den slowakischen Gemeinden durch jenen Beschluß des Oberrates zur «Wacht aufgerufen werden, zur Wacht über die Unabhängigkeit ihrer Konfession, zur Wacht über die Lebensform ihrer Gemeinden. Jacob Joel Braun. Generalversammlung der Bratislavaer Chewra Kadischa. Sonntag, den 29. Nissan fand iin Sitzungssaale der orthodoxen Gemeinde die Generalversammlung der Chewra Kadischa in Gegenwart eines beträchtlichen Teiles der Mitglieder, etwa 120 bis 150 Personen, statt. Den Vorsitz führte der Vizepräses der orthodoxen Gemeinde Herr Heinrich S t a h l e r, der auch deu Tätiglceitsbericht über die verschiedenen Renovieruugsarbeiten an den beiden Friedhöfen und über den Bau der neuen Zeremonienhalle erstattete. Er bezeichnete diese Versammlung als eine von historischer Bedeutung und bittet die Erschienenen, mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand des Herrn Engel von erregten Debatten Abstand zu nehmen. Herr Rosenberger verliest hierauf den Kassabericht und Herr M. Groß m a n 11 den Revisorenbericht. Nach Erteilung des Absolutoriums verliest Herr Isidor Engel einen Sonderbericht über den Bau des jüdischen Landesspitals, das seiner Vollendung entgegensieht und nach Ueberwindung aller Schwierigkeiten in einigen Monaten seiner Bestimmung wird übergeben werden können. Auf Antrag des Herrn Artur Steiner wird hierauf Herr Engel zum Zeichen seiner Verdienste zum lebenslänglichen Präses der Chewra Kadischa und des Kuratoriums des Landesspitals gewählt. Sodann werden mehrere Ausschußmitglieder und eine ״Ritualkommission“ gewählt. Letztere hat die Aufgabe, im neuen jüdischen Landesspital an Stelle des Rabbinates die Aufsicht über die llitualität strikte nach den Weisungen des Oberrabbiners auszuüben. Dieser Kommission gehören an die Herren Josef Aron Frauk e 1, Josef L e f k o w i t s c h, Jakob Quitt, Moses W e i ß (Judengasse) und Moses Frey. Herr Hermann Silberher g beantragt, eine Untersuchung zur Feststellung der Verfasser und Hintermänner eines gegen den bisherigen Präses der Chewra geriditeten anonymen Rund- Schreibens an die Mitglieder einzuleiten und sie aus der Chewra auszuschließen. Der Vorsitzende versichert, der Sache nachzugehen. Weitere Schritte seien nicht am Platze. Herr R o s e n b 1 ü h erklärt, mit einer derartigen Erledigung nicht zufrieden zu sein und verlangte euergisch eine tatsächliche Klärung der Anonymität. Auch die weitere Zusage des Vorsitzenden, man werde in der Gemeindeleitung ohnehin über eine Genugtuung für den angegriffenen Präses beraten, ginge die General- Versammlung der Chewra Kadischa nichts an und könne ihn nicht beruhigen. Er fordert die sofortigen ernsten Maßnahmen und vor allem Entsendung einer Deputation zum Präses, Herrn Kraus z, die ihm die Empörung der Versammlung über die׳ gegen ihn gerichteten Schmähungen ausdriiekeu soll. Dieser Forderung, wird schließlich nachgegeben und die Herren Heinrich Stahler, Artur Steiner und Rosenbliih werden zu Mitgliedern der Deputation nominiert. Nach einiger Zeit erscheint Präses Krausz, geleitet von den Mitgliedern der Deputation, vor den Versammelten, mit Jechi- Rufen begrüßt, im Saale. Bei lautloser Stille spricht Herr Engel seine Empörung gegen die unbekannten Inspiratoren, des Rundschreibens aus und bittet Herrn Krausz, sich dadurch die Arbeit in der Gemeinde und in der Chewra Kadischa nicht verleiden zu lassen. Ueber seine Aufforderung geben aus der Versammlung heraus die Herren Julius Fischer, L. W o 11 i t z und Rosenzweig den gleichen Gefühlen Ausdruck. Der Vorsitzende, Herr Stahler, schlägt darauf vor, auch Herrn Krausz zum lebenslänglichen Vorstandsmitgliede zu ernennen. In tiefer Rührung erwidert darauf Herr Krausz. Er entwirft ein Bild von der Entwicklung der Gemeinde während der letzten 30 Jahre, da er an ihrer Leitung teilnimmt. Obgleich ihn die Angriffe in seiner Ueberzeugung von der Nützlichkeit seines Wirkens zum Wolde der Gemeinde nicht zu erschüttern vermögen, sei er jetzt dessenungeachtet entschlossen gewesen, sich von der Leitung der Angelegenheiten zurückzuziehen. Dem einstimmigen Wunsch der Versammelten wolle er sich aber fügen und auf seinem Platze ausharren. Gegen die Wahl mit lebenslänglicher Dauer habe er indessen statutarische Bedenken. Vorsitzender Herr Stahler Mütter, wie behütet Ihr am besten die Gesundheit Eurer Kinder? Durch Massage mit ALPA Menthoi־F ranzbr anntweiu Denn dieser schützt vor Verküh■ hingen, erfrischt und stärkt bittet jedoch, ״in diesen außergewöhnlichen Zeiten“ sicli nicht an die Bestimmungen von Statuten zu klammern. Darauf wird sein Vorschlag, mit allgemeiner Zustimmutig angenommen und die Generalversammlung geschlossen. Jahresbericht des ״Kolel Munkatsch und zehn Bezirke“. Soeben erschien der Jahresbericht 5689 des ״Kolct Munkatsch und zehn Bezirke“, dessen Sitz bekanntlich in Mukacevo ist und dessen Tätigkeitsgebiet sich auf die in dieser Gemeinde und den umliegenden zehn Bezirken auf# gebrachten ״Rabbi Meir Baal Haness“־Gelder erstreckt. Aus dem Berichte geht hervor, daß im Berichtsjahre zu Händen der Mukacevoer Verwaltung insgesamt tsch. K 295.724.30 eingeflossen sind. Vom vorangegangenen Jahr war ein Kassa־Saldo von tsch. K 55.494.19 verblieben, so daß für das Jahr 5689 tsch. K 351.218.49 zur Verfügung standen. Hievon wurden tsch. K 255.732.50 zur Unter־ Stützung der Mitglieder des Kölel in Jerusalem und Saffed einschließlich der Kosten für Beamten und Administration . in Palästina verwendet. An gelegentlichen Unterstützen־ gen (Witwen, Kranken und Pogromgeschädigten) wurden tsch. K 10.692 gewährt. An Propaganda, Büchsen und Administrationskosten des Munkatscher Büros werden tsch. K 37.961.40 angerechnet. Das Saldo für das Jahr 5690 beträgt tsch. K 46.058.34. Mütter! Wollt Ihr erfolgreich die Gesundheit Eurer Kinder behüten, massiert dieselben mit Alp.a־Franzbrannt# wein. Die •jungen Körper werden erfrischt, gestählt und daher allen Verkühlungen gegenüber widerstandsfähiger. Beachten Sie den Original־Plomben־Verschluß. Reise nach Erez Jisroel. Blättermeldungen zufolge hat der Oberrabbiner von Mukacevo vor einigen Tagen eine Reise nach dem Heili־ gen Lande angetreten, wo er einige Wochen zu verweilen gedenkt. ״ . , Verlobungsfeier. Am אסרו חג ש״פ wurde im Hause des Herrn Ignatz Stern in Galanta die Verlobung seiner Tochter Ella , mit Herrn David G r ii n w a 1 d, Sohn des Herrn Adolf Grünwald in Myjava, in Gegenwart eines zahlreichen Kreises von Freunden und Verwandten der beiden angesehenen Familien begangen. Bei dem Vorlobungsfeste hieben im Rahmen von sehönen דבלי חללה u. a. der Brautvater und die Herren Oberrabbiner Broda aus Myjava, H i r s c h 1 e r aus Modru und Seidl ans Galanta Ansprachen. Sie schädigen sich selbst, wenn Sie einfach nur ״Mineralwasser“ verlangen. Fordern Sie überall ausdrück־ lieh ״Gießhiibler“, das allseits bekannte und beliebte Mineralwasser. Pessach im Staatskrankenhause in Bratislava. Anläßlich eines Krankenbesuches betrete ich zu־ fällig die Küche für jüdische Kranke im Staats־ krankenhause und traue meinen Augen kaum. Ist dies die K ii c h e für arme jüdische Patienten? Ich glaubte eher den Küchenraum eines großen vor־ nehmen Restaurants oder den eines Sanatoriums zu er# blicken. Alles blitzblank, weiße Wandverkachelung, Ven# tilationen, Kalt־ und Warmwasser an allen Ecken, kost־ spieliges Aluminium־ und Kupfcr־Kochgeschirr, das Per־ sonal in schneeweißen Schürzen und Hauben usvv. Bei peinlicher Sauberkeit bereiten flinke Hände verschiedene Fleischsorten, Gemüse, Torten und Biskuits sowie Diät־ speisen für Schwerkranke. Die wegen ihrer Herzensgute allbekannte Oberköchin aus Dunajsk’a Stredä, eine Voll־ waise, bittet mich, die zum Verteilen bereitstehenden, einladend duftenden Speisen zu verkosten, und ich kann mich mir lobend über alles äußern. Tis wird wirklich alles aufgewendet, um dem Kranken all das zu bieten, was seine Gesundung fördert. Es ist rührend zu sehen, wie junge jüdische Mädchen aus den besten Häusern der Gasse (der hohe Krankenstand am Pessach bedingt mehr Arbeitskräfte), Mädchen, die das ganze Jahr hindurch bei der Nähmaschine, im Comptoir, im Geschäfte oder im Haushalte tätig sind, die acht Pcssachfeiertage ihrer Erholung dem Dienste der Krankenfiirsörge widmen. Da nimmt sich eine jede die Speisen fijr ״ihre“ Kranken und sie wetteifern, ihre Patienten züfribdenstellen zu können. Und äußert der Patient den Wunsch nach einer Kleinig־ keit, schnurstracks erscheinen sie wieder in der Küche, um mit dem Verlangten sofort wieder bei den Kranken zu erscheinen. Und dies alles so ruhig, fast geräuschlos, alles so selbstverständlich. Ich, beneide sie alle, die zu ׳ diesem herrlichen Werke edler Menschenliebe jüdische!: G{esinnung bei־ trugen. Alle die Mitglieder, Spender und Mitarbeiter,