Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 15-16 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 101 rmcHflicflTEK |0| Adass Jisroel, II., Große Schiffgasse 6. Der Vorstand teilt mit, daß •der Preis für die Milch TOD מזל der den Verbrauchern anzurechnen ist, mit 60 g für den Liter festgesetzt wurde. Der Vorstand. Die Generalversammlung der Wiener Agudah. Berichtigung: In der unter obigem Titel vorige Woche erschienenen Notiz ist ein bedauerlicher Druckfehler unterlaufen. In den Vorstand wurde nämlich aufier den genannten Herren auch Herr Markus Hornstein gewiildt. Das Sekretariat der Agudah macht uns außerdem noch auf folgenden Irrtum aufmerksam: Der letzte Satz in der Resolution des Herrn'Siegmund Stern, ״Der Vorstand ist verpflichtet, ein Programm auszuarbeiten, auf dessen Basis das Verhältnis der Agudah zur Kultusgemeinde künftighin zu regeln ist“, wurde von Herrn Markus H o r n s t e i n beantragt. Dohan s. A. Montag nachts verblich in Baden זג•' e״ c^e״ besten Jahren Herr David Dohan, Mitglied des Kultusvorstandes, Einer streng religiösen Familie entstammend, bewahrte er sich im Getriebe der Großstadt warmes Interesse für alles Jüdische. Woldtätigkeit übte er in besonders reichem Maße und feinfindigster Weise. Muster eines reellen Großknufmanncs, ausgezeichneter Familienvater, wird er von allen, die ihn kannten, aut richtig betrauert. Im Kultus- und rempelvorstami gehörte er zu den Fleißigsten Mitgliedern. Speziell um das Vcrsorgungslmus, das ihm ganz besonders um Herzen lag, hat er sich unvergängliche Verdienste erworben. Das.Leichenbegängnis fand Mittwoch mittags unter außergewöhnlich großer Teilnahme statt. Der Gesamt- Vorstand der Kultusgemeindc und des Tempels, Vertreter vieler Kooperationen und Vereine, denen der Verbliehene angehende, gaben ihm das letzte Geleite. Alle Trnuerrcducr feierten den Hingeschiedenen als Mensch und als Jude. Amtliche Verlautbarungen der ק lsr. Kultusgemeiiide Wien. Am kommenden Pcssachfeste werden in nachbenannten Gemeinde« und Bezirkssynagogen bei dem um 8 Uhr 30 Minuten beginnenden Morgengottesdienste• Predigten ab gehalten, und zwar: Sonntag den 13. April 1 930 (1. Festtag): 1., Scitenstettcngasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); V., Siebenbrunnengasse la (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer); VH., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drobinsky); VIII., Neutleggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); IX., Müllnergassc 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XV, Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVI., Huber« gasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); XVIIII., Schopen« hauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang); XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). Montag den 14. April 1 930 (2. Festtag): 11., Tcmpelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald). Samstag den 19. April 1930 (7. Festtag): 1., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feucht« wang). Sonntag den 20. April 1 930 (8. Festtag): 11., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); V., Sie« benbrunnengasse la (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer); VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drobinsky); VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); XV., Tur« nergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVI., Huber« gasse 8 (Rabbiner- Dr. J. M. Bach); XXI., Holz« meistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). Am Vorabend des 7. Festtages, Freitag den 18. April 1930 (Beginn 6 Uhr 40 Minuten), IX., Müllnergassc 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz). # Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag den 12. April 1930 um 3 Uhr nachmittags findet der Jugend« gottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde« und Bezirkssynagogen statt. Organisation der Wanderfürsorge in Oesterreich. Am 30. März 1930 fand im Sitzungssaale der Wiener israelitischen Kultusgemeindc eine Enquete in Angelogenheit der Organisierung der jüdischen Wander für sor ge statt, an der neben den Vertretern des Wiener Kultusvorstandes, an dessen Spitze Präsident Prof. Dr. Pick steht, die Herren justizrat Dr. Strauß namens des Verbandes der bayrisch-israelitischen Gemeinden (München), Dr. Krentzbe r g e 1־ aus Berlin, Vertreter der Kultusgemeindcn Brünn, Graz, Salzburg, Linz, Prag, Lundcnburgvlnnsbruck und der israelitischen Allianz teilnahmcn. Nach eingehendem Referate der Herren Justizrat Dr. Strauß und Dr. K r e u t z b e r g־ e r und lebhafter Debatte, an \\relcher sich last sämtliche der anwesenden Delegierten beteiligten, wurde seitens des Präsidiums der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde die Erklärung abgegeben, daß cs dem Vorstände der Wiener Kultusgemeinde empfohlen werde, sieb unter gewissen Be- (lingungen der in Deutschland bereits bestehenden Ovganisation anzuschließen und gemeinsam mit den anderen Kultusgemeinden für Oesterreich eine ähnliche Organisation zu schaffen. Als eine Voraussetzung für die Errichtung־ der österreichischen Organisation wurde angenommen, daß sich die Tschechoslowakei der Wanderfiirsovgeo1־ganisatiou anschließt und daß auch der elicmöglichste Anschluß Polens, U11 g a r n s und Jugoslawiens in die Wege geleitet werde. Nach prinzipieller Beschlußfassung durch den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgeineinde wird das Einvernehmen mit den österreichischen Genieinden, der deutsehen Waiulerfnrsorgeorganisation und mit den Kultus- 1 gemeinden dev benachbarten Staaten gepflogen werden. JÜDISCHE PRESSE Nr. 15/16 Die erste rituelle Kochschule in Wien. Das Jahrhundert des Fortschrittes ist oft nichts anderes als die Rückkehr zur Vergangenheit. Die Frauen« bewegung hat yiele neue Wege gesucht und gefunden. Neue Berufe entdeckt, neue Erwerbsmöglichkeiten ge« schaffen. In diesem Drang und Drängen zum Berufe hat die Frau oft ihren eigentlichsten Beruf vergessen. Der Hausfrauenberuf, in der Vergangenheit hoch ge« halten, löst Gegenwartsprobleme und weist den Weg in die Zukunft. Zu den Nahrungssorgen des Mittelstandes gesellen sich jetzt auch Ernährungssorgen und machen sozusagen eine wissenschaftliche Ausbildung notwendig. Wie stark dieses Bedürfnis in allen Kreisen empfunden wird, beweist die zahlreiche Teilnahme von Schülerinnen an der im Dr. Krüger־Hcim unter fachgemäßer Leitung eröffneten Kochschule, die bezweckt, Mädchen aus allen Ständen, in die Geheimnisse der modernen Küche unter strengster Wahrung der rituellen Spei sege setze cinzufiihrcn. Der Hochherzigkeit edler Spender ist es zu danken, daß Geräte und Geschirre in hinreichendem Ausmaße zur Verfügung gestellt wurden, um so die Grundlagen für den Kochunterricht zu schaffen. Zu diesem praktischen Unterricht gesellt sich harmonisch die ethische Bedeutung unserer Speisegesetze, so daß die Absolventinnen der Schule mit allen religiös«gesetz« liehen Vorschriften vertraut werden. Schon der erste Unterrichtstag legte ein schönes .Zeugnis ab, von der fördernden Tätigkeit der Komitee« damen und dem Eifer der. vielen. Teilnehmerinnen, die im Sinne moderner Hygiene, in der kleidsamen weißen Küchentracht, ihr neues Handwerk ausübten. So wird das Wort der Hagadah schon jetzt zum Wahnvort: Kol dichfin jissie wejochal. Um so willkommener be« grüßen A\־ir eine Broschüre, betitelt ״Die Speisegesetze“ von Rabbiner Dr. Wolf, Köln, die wir den Leserinnen unseres Blattes aufs wärmste empfehlen. ■Dieses Büch« lein enthält alle Speisegesetze und Vorschriften für Werktag und שכת und widmet ein separates Kapitel den nDÖ Vorschriften für Küche, Haus und Keller. So eingehend und ausführlich die einzelnen Vorschriften behandelt werden und so dankbar Avir dem Verfasser für seine aufklärenden Hinweise auf die mannigfaltig« sten Vorkommnisse auf dem Gebiete der rituellen Er« nährung und die erlaubten Lebensmittel sein müssen, die für jede Hausfrau wissenswert und Avichtig sind, geht vom Verfasser selbst die Mahnung aus, daß bei allen zweifelhaften Fällen rabbinischer Rat einzuholen ist. Daß der Haushalt nach Vorschrift der Tavvoh und nach der Mahnung unserer Weisen geführt werde, bildet die vornehmste und ernst zu nehmende Lebensaufgabe der jüdischen Frau. Der Herausgeber dieser Broschüre ist uns ein vollkommener Pfadfinder und Wegweiser. Dieses Büchlein sollte in keinem jüdischen Hause fehlen. R. X. £BBBBflBflBflBBBBBBBBBBB«aBBBBBBBBBBMfl«BnBB bbbbbbbbbbbbobbbibbbbbbbbbbbbbbbbbuobbc [ Tschechoslowakei § H fl SBBflBBBBBBBBBBBBBBflBBBflBBBBBflBBBIflaHaaBBBBflBBBBBBBBBBBBBBBBBflBBBBBBBIIBBflBIBHBBRA Zugehörigkeitserkenntnis als Grundlage der Orthodoxie. Von Eugen Liebermann, Kosice. Das heutige Zeitalter, das mit der Abänderung des geographischen Bildes der gesamten Tätigkeit des Men« sehen neue Richtlinien und Ziele gebracht hat, versetzte die orthodoxe Judenlicit in eine teilweise neue Lage, die mit aller Gewißheit eine entscheidende Beeinflussung auf die bisherige innere Struktur der Orthodoxie mittelbar oder unmittelbar gewinnen will. Die Endergebnisse dieser Aendcrungen können wir heute noch nicht über« blicken. Thrc Konsequenzen sind momentan in das Dun« kel der Zukunft gehüllt. Nur Krisen, und zwar auf allen Gebieten des .menschlichen Treibens, offenbar aus den neuen Verhältnissen fließend, werden unserem kritischen Auge sichtbar. Als eine solche Krise unter den verschie« denen Hemmungen unseres Zeitalters ist die geistige Konstitution, besonders der jüngeren Generation, anzit« sehen. Ein nicht gerade erbauliches Gebilde unserer Zeit ist diejenige Gruppe unserer Glaubensgenossen, die sich zwar zum orthodoxen Judentum bekennt, nach ihren prinzipiellen Lebensgrundsätzen und ihrer praktischen Betätigung aber längst den Kreis und die Schranken, welche die Thora um ihre Bekenner zieht, überschritten hat. Es sind dies diejenigen Elemente der Orthodoxie, die ihre allerersten Lebenseindrücke von einem streng konservativen Milieu empfangen haben. Im Laufe der Zeit und infolge von Schicksalswendungen wurden aber diese kindlichen Eindrücke immer ■mehr abgeschwächt. Zum . Teile wurden sic mit anderen, frischeren vertauscht. Letzten Endes riefen diese dann in der Seele einen chao« tischen Zustand und unklare! Urteilskraft hervor' und verursachten so eine feige Abneigung gegen jede konsc« quente Abrechnung der inneren Bedürfnisse der Seele mit den Wünschen des eigentlichen Ich. Ein denkAvidriges Kompromiß wird da geschlossen zwischen den zwei po« tcntialen Mächten des Lebens, zwischen dem Geiste und dem Körper. Mit einer rein äußerlichen Religionsübung wird die mahnende Stimme der Seele beschwichtigt und dem Strudel der Begierden des Fleisches werden nur sclnvachc, zerbrechliche Schranken auferlegt. Die fein« empfindlichen Saiten der Seele sind unablässig den stür« mischen Winden ausgesetzt, welche auf den Flügeln der Kulturreformer daherbrausen. Freiheit predigen sie, Frei« heit in allen Richtungen der Windrose. Enthaltsamkeit, Zucht, Beschränkung ersehnt die reine Seele. Welchem der beiden gefühlsmäßig begründeten Rufe, der beiden mit elementarer Kraft an ihn herandrängenden Stimmen soll der Jude sein geistiges, richtigen Aufschluß heischendes Ohr zmvenden? Ist es nun zu verargen, daß statt einer glücklichen, friedlichen Harmonie, die jedem den Kreis seiner Ziele, das Gebiet seiner Zugehörigkeit mit ruhiger Sicherheit weisen könnte, der Seelen sich eine umherirrende, stets aufAvallende Disharmonie be«!nächtigt hat? Es sind dies die unerquicklichen Folgen der neuen Verhältnisse, Diese haben den Juden aus seiner bisherigen Exklusivität herausgerissen und ihn unmittel« bar auf die heißumstrittene Walstatt der in Zuckungen und Krämpfen liegenden Menschheit versetzt man hat dem Juden sein freies Lebensziel gerauht und ihn ver« kettet mit dem Schicksal des ewigen Auf und Ab der gegeneinander ins Treffen geführten Ideen. Erkenne dich seihst! Erkenne den Kreis deiner Zugehörigkeit! So hallt unser Mahnruf, dem ringenden jüdischen Menschen zu. Vermeine dich nicht zu retten, indem du gefühllos in das Meer der Aeußerlichkeiten untertauchst. Deine Seele, dieses dich belebende Element, entstammt einem heiligen reinen Ort. Niemals wird sie sich mit einem inhaltsleeren, äußerlichen Kompromiß ab« finden und du hast dein Dasein mit einem gleichgültigen Schritte verwirkt. Die Sprüche, deines Vaters und die Be« lelmmg deiner Mutter vertausche nicht gegen ivertlose, vorübergehende Schlagworte der Zeit; im Gegenteil, wenn dich etwas beängstigt, wenn du Fragen be« antwortet AA’issen willst, so befrage deinen Vater und er pilllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllM^ I LEOPOLD SKREK | ן orthodox כשי Salami-Fabrik ן I BUDAPEST VII. § I DOB UCCA 27 j j Unter Aufsicht des ehrw׳ürdigen Rabbinats §§ Ü der Budapester autonom orthodoxen israeli« s H tischen Gemeinde empfiehlt für die Tschecho« || §§ Slowakei erzeugte Ila ungarische Winter« |j Ü salami zum Preise von tsch. K 40 per Kilo« §§ Ü gramm, welche sie bei Bestellung eines zu« ff ü mindest 5־Kilogramm־Pakets!franko Zoll und ff franko Porto liefert. Außer dem Original« § || Fabrikspreis haben die geschätzten Kunden |§ Ü , gar keine Spesen. Geben Sie noch heute ff §־ eine Probebestellung auf! illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliw wird dir sagen, was zu sagen nötig ist, deinen Ahn und er wird dir verkünden edle und erhabene!.ehren, die aus der reichen Erkenntnis seiner Erfahrungen fließen. Denn die Welt wird nach alten Gesetzen regiert vom Schöpfer des Universums, dem'liebenden Vater aller Kreatur. Neue Glückseligkeit kann Menschenhand nicht schaffen. Deshalb blicke nur in die glanzvolle Vergangen« heit deines Elternhauses, in die einstige Blüte der Jii« dischcn Nation, und schöpfe Kraft, Zuversicht und Ver« trauen. Denn Israel ist nicht verwaist. Das ancmpfchlenswerte, radikalste Mitte) zur Be« Währung vor dem religiösen Indifferentismus ist also das Zurückgreifen auf die Vergangenheit, die feste Ver« ankerung der eigenen Persönlichkeit in den Boden der von unseren Ahnen uns überkommenen Tradition, die ununterbrochene Fühlung mit dem geistigen Vater, der in uns die ersten Keime der stets lebendigen Gsttesfurcht einhauchte und von dessen unversiegbarem Quell wir immer neuen Lehenstrunk schlürfen können. Jewsekzia — ein Spiegelbild des thoralosen Judentums. Von Samuel Reiner, Presov. Ein König des Morgenlandes, zu dem der Ruf un« seres Lehrers Mosche gedrungen war, beauftragte — so wird in! Midrasch erzählt — seinen talentiertesten Hof« maler, Mosche in der Wüste aufzusuchen und ein lebens« treues Porträt des heiligen und gelehrten Mannes für ihn anzufertigen. So sehr aber auch der Maler in Erwartung eines fürstlichen Honorars bestrebt war, ein dem Portrii« tierten A־׳ollkom1ncn ähnliches Bild herzustellen, sollte ihm dennoch eine furchtbare Enttäuschung nicht erspart bleiben. Der König ließ nämlich in seinem Argwohn seine Hofweisen versammeln, damit sie aus den Zügen des ihnen vorgelegten Bildes ein Charakterbild des Originals entwerfen. Die Meinung der Weisen lautete aber in vollster Ucbereinstimmung, daß die auf der Leinwand festgehaltcnen Gesichtszüge auf einen stolzen, herrsch« süchtigen, gewinn« und blutdürstigen Charakter schließen lassen. Dem König galt demnach die böswillige Fälschung . des Malers als vollkommen erwiesen, denn die Fama schilderte unseren Lehrer Mosche als einen im höchsten : Grade bescheidenen, selbstlosen und menschenfreund« liehen Mann. Er bestrafte den treulosen Maler und schickte einen anderen an seine Stelle .mit der gleichen. Mission in die Wüste. Derselbe, von der Unschuld seines hochbegabten Kollegen überzeugt, suchte, in der Wüste angelangt, Mosche rabbenu auf, erzählte ihm das traurige Schicksal seines Kollegen und befragte schließlich Mosche, wie die Diagnose der Weisen mit dem Meisterwerke des großen Malers in Einklang gebracht oder zumindest erklärt wer« den könnte, worauf Mosche rabbenu antwortete: ״Wisse, lieber Freund, daß die Diagnose der Weisen deines■ Königs gar nicht anders ausfallen konnte, da das Bild,, welches meine Züge darstellt, von Kiinstlerhand gemalt worden war. Von Natur bin ich nämlich mit verschie« denen bösen Eigenschaften, wie Ehr« und Geldgeiz, Stolz usw. ausgestattet und diese natürliche Veranlagung kommt in meinen Gesichtszügen prägnant zum Ausdruck. Wenn ich dennoch nicht der böse Mensch wurde, zu dem ich von Geburt veranlagt bin, so ist es nur mit der Er« ziehung, die ich genossen, mit der guten Gesellschaft, in der ich verkehrte und hauptsächlich mit der Tradition, die ich von meinen Ahnen erbte und in deren Erfüllung ich mich mit eisernem Willen trainierte, zu erklären. Diese Umstände formten mich seelisch zu einem anderen Men« sehen, als ich von Geburt bestimmt war.“ Diese Selbstcharakteristik unseres unsterblichen Meisters, sic paßt ganz genau auf das Volk Israel im all« gemeinen und auf jedes Glied desselben im besonderen. Auch Israel steht im guten Rufe eines edlen, durch, viele Tugenden der Seele und des Herzens gleich hervor« ragenden Volkes. Andererseits aber wird auch aus dem Konterfei des jüdischen Volkes so mancher Charakterzug. herausgelesen, der uns wahrlich nicht zur Ehre gereicht,. Aveil er zu den Tugenden, die uns allgemein zuerkannt werden, in krassestem Widerspruche steht. Dieser Wider« spruch tritt um so schärfer in Erscheinung, als ebenso« wenig wie bei Mosche rabbenu auch hier weder dem Zeichner des Bildes noch aber dessen Interpreten Fäl« schung oder Irrtum imputiert werden kann. Auch dieser Widerspruch wird nur in der Weise• behoben werden können, wie dies Mosche rabbenu ע״ה getan. Wir müssen gestehen, daß die vielen Vorzüge, die dem jüdischen Volke nachgerühmt werden, ihm keines« wegs von der Natur als Geschenk in die Wiege gelegt wurden, Wir dürfen nicht in Abrede stellen, daß das jüdische Volk von Natur vielleicht nicht ärgere, aber keinesfalls bessere Eigenschaften besitzt als die übrigen Völker des Erdenrunds. Wir müssen in vollster Dank« \ barkeit gegen G«tt dem ניתן התירה anerkennen, daß die geistige, sittliche und philanthropische Suprematie des■ Judentums und seiner Bekenner einzig und allein auf die■ veredelnde Wirkung der gütlichen Thora und ihrer Ge«